Ein Kollege schickt Miri einen TED-Talk über eine der längsten Glücksstudien der Welt. Das Ergebnis: Wer gute Beziehungen und viele soziale Kontakte hat, lebt glücklicher und sogar gesünder. Klingt einleuchtend — und macht Miri erstmal ein bisschen Panik. Denn was ist mit den Singles, den Menschen mit wenig Freunden? Bist du dann einfach chancenlos? Genau hier setzen Miriam und Florian an: Glück ist kein Rezept, das man erfüllt oder verfehlt, sondern etwas, das du selbst tun kannst.
Vom Glücksmarkt: Was ist Glück überhaupt?
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Ich hab Neuigkeiten.
Florian: Was denn für Neuigkeiten?
Miriam: Vom Glücksmarkt.
Florian: Vom Glücksmarkt?
Miriam: Mhm.
Florian: Was hast du denn wieder rausgefunden?
Miriam: Ich hab ein neues Video geguckt. Das hat uns ein Kollege geschickt.
Florian: Ja?
Miriam: Sein ganz lieber Kollege.
Florian: Und worum geht es in dem Video?
Miriam: Glück. Wie Menschen Glück machen.
Florian: Okay. Wie passt das denn jetzt in unsere NLP-Reihe rein? In der sind wir ja immer noch drin.
Miriam: Super, es passt super. Glück ist doch so ein Begriff, weißt du, mit dem können wir ja, das ist ja ein Mehrfachbegriff.
Florian: Was heißt ein Mehrfachbegriff?
Miriam: Das ist ein Multitaskingbegriff. Manche Menschen haben Glück als hohen Wert, also das ist was ganz Wichtiges, was sie in ihrem Leben gerne drin haben und wo sie ständig für kämpfen oder ständig nach streben.
Florian: Also sowas wie, ist das dann im Englischen Happiness, was du jetzt meinst, oder? Weil im Deutschen haben wir für Glück ja, wäre im Englischen entweder Luck, also das Glück, wenn ich ein Euro auf der Straße finde oder im Spiel gewinne. Und dann Happiness, dieses Glück, das ich fühle.
Miriam: Ja, das Happiness-Glück. Ja, das Glück. Also nicht Glück im Lotto. Das ist auch ein cooles Glück und seltener. Und manche Menschen behaupten, dass sie sehr viel oft Glück empfinden. Und manche Menschen sagen, dass sie das nie empfinden oder schon lange nicht mehr. Und da sind wir ja dann an der Meta-Modell-Stelle. Wenn ihr unsere Lehr-Podcasts gehört habt zum Thema Meta-Modell der Sprache, dann wüsstet ihr, dass Glück...
Florian: Eine Nominalisierung ist.
Miriam: Also so ein nebelndes Tütenwort, wo jeder was anderes darunter verstehen kann.
Florian: Und vor allem auch ein Prozess, weil wir würden ja aus dem NLP heraus sagen, jemand fühlt Glück oder macht sich glücklich und das ist nicht so, was ich im Supermarkt kaufen kann, im Fünf-Kilo-Eimer. Ja. Bei der Metro, das wäre praktisch.
Miriam: Ja, Metro wäre dann besonders günstig. Also kriegst du eine große Palette voll. Palette kriegst du bei Metro. Wenn die Glück im Angebot hätten.
Florian: Kannst den ganzen Glück einmal in die Badewanne kippen, legst dich ins Glück.
Miriam: Ja, da würde ja auch Aldi nicht lange warten, bis er dann...
Florian: So was ist denn jetzt in dem Video passiert?
Die Studie: 800 Menschen, ein Leben lang begleitet
Miriam: Also dieses Video ist, da berichtet ein Forscher, ein Wissenschaftler, der eine Studie betreut, in der fast 800 Menschen ihr Leben lang begleitet wurden und werden. Im Moment leben noch 60 davon, diese Studie läuft schon sehr lange und sie läuft durchgängig und diese Menschen werden immer wieder in regelmäßigen Abständen befragt zu ihrem Leben, zu ihrer momentanen Situation. Sie werden für Videoaufnahmen geholt und sie werden eben sehr genau getrackt, was sie für Beziehungen leben, wann Kinder zur Welt kommen, welche Entscheidungen sie treffen, berufliche Karriere und und und. Und es soll einen Schluss geben aus diesen 800 Schicksalen auf, wie funktioniert es mit dem Glück. Also wenn da welche drunter sind, die sehr viel Glück empfinden in ihrem Leben, wie machen die das?
Florian: Also sehr unterschiedliches wirtschaftliches Einkommen auch. Das heißt, sie schauen auch, ob es am Geld liegt. Sind die Reichen besonders glücklich? Ja, genau. Sind die Armen besonders glücklich? Hauptsache glücklich. Reichtum ist was anderes. Könnte ja auch sein. Und das haben sie dann bisher rausgefunden.
Miriam: Und das ist sehr spannend, weil in meinem Gehirn hat sich da was bewegt, als ich diese Studie verfolgt habe. Sie haben rausgefunden, dass die besonders viel Glück in ihrem Leben sehen, fühlen, hören, die in festen Beziehungen sind und sehr viel gute soziale Kontakte haben. Dass das ein Punkt ist, den die alle, die da glücklich sind, der die verbindet.
Florian: Und was machen wir jetzt damit?
Miriam: Hallo, wir haben einen Denk-Podcast. Wir haben auch einen Tu-Podcast.
Florian: NLP ist was, was Menschen tun.
Miriam: Ja, jetzt denken wir erstmal, bevor wir tun. Du kannst ja auch das andere machen. Erst denken, dann tun.
Florian: So, was denkst du denn jetzt? Was ich denke.
Miriam: Erst dachte ich so, ein Rezept. Also zieh los, finde auf jeden Fall Traumfrau, Traummann, was auch immer dir behagt. Weil das scheint ein wichtiger Faktor zu sein. Die leben sogar angeblich ein gesünderes Leben. Also die sind auch im hohen Alter noch fitter.
Florian: Menschen, die...
Miriam: Die dieses Glück empfinden und die diese glücklichen Beziehungen und sozialen Kontakte haben. Viele Freunde, funktionierende Familien, Bande. Und dann dachte ich, ein Rezept, ein Rezept. Und dann habe ich natürlich sofort auf mich persönlich bezogen und habe bei mir nachgeprüft, wie das so ist. Habe festgestellt, ich habe einen Florian, das ist großartig.
Florian: Jeder sollte einen Florian haben.
Miriam: Ja, ich werde 100 und bin dabei glücklich. So, das passt schon mal. Dann habe ich so meine sozialen Kontakte getrackt und auch meine Ursprungsfamilie, also Eltern, Geschwister, Tanten, Onkels, Omas, Opas. Und wie da so mein Beziehungsbereich liegt und war im Großen und Ganzen zufrieden. Da. Also da gäbe es noch Optimierungsbedarf an der einen oder anderen Stelle. Ich habe jetzt nicht so viele Freunde. Ich habe nicht so viele Freunde. Die Freunde, die ich habe, sind super Freunde.
Florian: Okay.
Miriam: Habe ich mich natürlich gefragt, reicht das?
Florian: Musst du noch mehr Freunde haben? Ja. Damit du glücklich wirst? Reicht das?
Miriam: Damit ich glücklich werde. Oder bleibst? Ja, bleibe, längerfristig bin und dass es mich gesund macht, hält. Da habe ich dann ein bisschen Panik bekommen.
Florian: Panik geht jetzt nicht so, als wärst du glücklich?
Miriam: Nee, ich habe mich da schon ein bisschen unter Druck gesetzt, als ich diese Studie für mich konsumiert habe, weil ich dachte, ich habe nicht so viele Freunde im Vergleich zu anderen Menschen, die haben viel mehr Freunde als ich.
Florian: Und jetzt?
Miriam: Jetzt will ich dich fragen, Florian. Was mache ich denn jetzt damit? Wir wohnen auch sehr weit weg von meiner Ursprungsfamilie, finde ich.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Ich sehe die nicht oft. Ich würde ja viel öfter mit meiner Mutter auch mal einen Kaffee trinken. Oder eher mit meiner Mutter. Mit meinem Vater öfter mal sprechen. Oder Schach spielen. Nee, auch nicht. Verliere ich. Weißt du, ich bin da echt jetzt in so einer Diskrepanz, weil wenn wir Glück sozusagen nur haben können, wenn solche Faktoren erfüllt sind, wenn so ein Rezept abgearbeitet ist oder so eine To-Do-Liste, dann sind ja manche Menschen ganz chancenlos, zum Beispiel die Singles.
Florian: Oh Gott.
Miriam: Stell dir mal vor, einer wird mit 45 Single. Da ist ja auch gar nicht so leicht, wieder jemanden zu finden.
Florian: Wieso? Es gibt doch diese ganzen Ü40-Partys, oder? Oder diese, was weiß ich, gibt's, klar gibt's da irgendwie, da gibt's doch auch noch Menschen, die sich irgendwie finden und treffen.
Miriam: Ja, dann schnell, schnell, weil da geht's ja um, da geht's ja um wichtige Sachen.
Florian: Um Jahre. Um Jahre. Monate möglicherweise.
Miriam: Ja. Verstehst du, was ich meine?
Florian: Nicht wirklich.
Miriam: Ja, kann ich Glück, also ist, kann ich Glück auch alleine machen?
Glück fokussieren: Die kleinen Momente wahrnehmen
Florian: Aus dem Modell von NLP gehen wir davon aus, ja, natürlich.
Miriam: Wie? Wie? Schnell, es geht um Jahre.
Florian: Eine Sache, die wir, also eine Standardsache, die da immer zur Sprache kommt, ist, sich häufiger in anderen Situationen, in denen wir glücklich waren oder das Glück, das so über den Tag verteilt ist, häufiger wahrnehmen. Also deine Aufmerksamkeit mehr darauf richten, was ist denn das, was dich glücklich macht? Weil es eben nicht im 5-Kilo-Eimer im Supermarkt kommt oder irgendwie, nur weil jetzt ein Single irgendwie eine neue Partnerschaft hat, kommt die neue Partnerin ja nicht mit einem 5-Kilo-Eimer Glück und sagt, hier, ich hab den mitgebracht, als Aussteuer. Oder er. Nicht. Ich weiß nicht. Hattest du mal ein 10 Kilo einmal Glück von deinen Eltern bekommen und dann in die Ehe mit reingenommen?
Miriam: Nee. Achso. Von dir hab ich auch keinen bekommen, Florian.
Florian: Offensichtlich ist es also, hat's noch was anderes zu tun.
Miriam: Dieses Fokussieren, wie mach ich das genau?
Florian: Aufs Glück! Oh, dafür haben wir schon einige Podcasts gemacht. Und in diesem nochmal. Die Idee ist ja, dass wir das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken, aus dem Modell von NLP heraus, eben, dass wir bestimmte Dinge wahrnehmen, die da draußen passieren und andere Dinge dafür nicht so wahrnehmen. Also wenn ich eben bestimmte Glaubenssätze darüber habe, wie glücklich ich bin oder wie viel Glück mir zusteht oder wie das im Moment so gemacht ist mit dem Glück und mir, dass ich darüber dann plötzlich mehr Glück wahrnehmen kann in dem, was um mich herum ist. Würdest du es uns bitte konkret machen, Miri? Du kannst das doch theoretisch auch.
Miriam: Ja, ich könnte mich ja schon drüber freuen, wenn zwischendurch, heute zum Beispiel, wir sind gerade auf dem Zauberberg und trainieren unsere neuen NLP-Coaches. Das ist großartig, wirklich. Und heute hatten wir einen Tag, an dem das Wetter total kapriolisch war. Also es hat hier oben und hier oben ist es so... So fühl- und sichtbar, hier ist sehr abgeschieden, toller alter Wald, die Ausblicke sind fantastisch und wenn hier dann so ein richtiger Regensturm hochzieht, so ein herbstlicher, heute war richtig Regensturm, dann geht's hier auf einmal runter, prasselt der Regen auf diese Holzdächer von diesen Lodge-Häusern. Und dann pfeift der Wind um die alten Baumkronen und dann ist es so ein Gefühl, als würden die Elemente toben und zehn Minuten später kann es sein, dass der Wind die Wolken wieder weggeweht hat und die Sonne kommt raus und dann ist so eine wunderschöne, fast spirituelle Stimmung mit so einfallenden Lichtstrahlen, weißt du, wie auf so... So Gemälde in so Kirchen, wo dann so bestimmte Punkte so beleuchtet sind wie mit Theaterspots. Und dann habe ich heute in der Pause draußen gestanden vor diesem Seminarhaus und es war gerade so und ich fühlte mich total glücklich über diesen Blick, über diese Farben, diese Herbstdüfte und dieses Licht, was da war. Und das ja mit keinem Geld der Welt zu bezahlen, geht ja auch nicht, kann ich ja nicht kaufen. Nur darauf zu fokussieren und so ein Gefühl zu haben von wie schön, dass ich das jetzt wahrnehme, dass das Wetter sich auch immer wieder so dann in eine unfassbare Friedlichkeit verwandelt.
Florian: Also dem Aufmerksamkeit schenken und das bewusster wieder in die Wahrnehmung zu ziehen. Oder was wir auch gemacht haben heute, wir haben hier in Arnsberg ein Lieblingsrestaurant.
Miriam: Wollen wir es verraten?
Florian: Na klar.
Miriam: Das ist das Restaurant Menge in Arnsberg im Hochsauerland.
Florian: Ganz großartig.
Miriam: Großartig und so lieb da und so zwanglos und gleichzeitig so schick und was ganz Tolles.
Florian: Und weil wir da unter der Woche essen waren und einen zauberhaften Kuchen zum Kaffee bekommen haben, zusätzlich zum Dessert noch, haben wir einfach mal gefragt, ob wir auch so ein ganzes Blech von dem Kuchen haben können, weil der so lecker war. Wir haben jetzt so ein ganzes Blech bekommen.
Miriam: Florian hat es heute abgeholt. Für uns, für unsere Teilnehmer, ein sensationeller Kuchen.
Florian: Und dann haben wir einfach jetzt heute Abend Kuchen gegessen und die Gelegenheit auch genutzt. Unsere Aufmerksamkeit für die Sinne auch zu schärfen und mal genauso wie wir vielleicht einen guten Wein trinken würden oder was sehr leckeres, ein sehr leckeres Hauptgericht essen würden und da eben genießen, wie so dieser Crunch zusammenspielt mit was weicheren, einer weicheren Textur und wie sich der Geschmack dann im Mund ausbreitet. Das haben wir dann einfach gemacht mit Nuss-Schokoladenkuchen. Das war wahnsinnig gut. Das war lustig, ne? Da hatte ich auch lustig.
Miriam: Da habe ich wirklich so intensiv geschmeckt. Das schmeckt ja sowieso schon intensiv, was der macht. Das ist alles hausgemacht, Schokolade hausgemacht. Und das wurde dann durch dieses da reinsprechen, also dass zwei wirklich wundervolle Coaches da nochmal reingesprochen haben, die auch Ahnung haben von Kulinarik und so. Habe ich gedacht, das füllt meinen ganzen Mund aus mit Nuss, mit Herbst, mit Schokolade, mit Fülle.
Florian: Hat wunderschöne Bilder uns gegeben.
Miriam: Ja, war ganz toll, zusammen mit dir, Florian. Also wieder wach werden, auch für die vielleicht erstmal klein erscheinenden Glücksmomente des Tages. Dass Florian mir immer morgens einen Kaffee mitkocht. Oder dass unsere Seminarmutter hier im Seminarhaus mir in die immer gleiche Lieblingstasse morgens schon meine Mischung aus Kaffee und Vanillesoja macht und es hinstellt. Freut mich total. Habe ich die heute umarmt für. Und sie so, ja, ist doch nur ein Kaffee. Und ich, nee, es ist voll schön.
Beziehungen gestalten und Begeisterung teilen
Florian: War gut, ne? So die Kleinigkeiten anfangen wieder zu genießen und eben das Glück mehr wahrzunehmen, das da ist. Das wäre was. Und was wir natürlich auch immer wieder bemerken ist, mit Kontakt zu anderen, das ist schon eine gute Geschichte. Sei es jetzt in einer Familie oder eben eine Beziehung, eine Partnerbeziehung oder mit Kindern oder mit der Ursprungsfamilie oder mit guten Freunden. Da Spaß zu haben und das zu machen. Ich kann diesen TED-Talk nachvollziehen, den du gesehen hast.
Miriam: Diese Studie? Ja, es macht was. Oder ich mach damit was. Wir würden ja im NLP davon ausgehen, dass wir mit unserem Körper daraus irgendwie Glück bauen.
Florian: Nur aus der Studie heraus gehen sie ja so ein bisschen davon aus, dass das halt so, das hat man dann, ne? Und offensichtlich sind auch nicht alle Beziehungen gleich an der Stelle. Es geht eben nicht drum, dass ich...
Miriam: Irgendeinen da im Wohnzimmer sitzen. Ehrlich.
Florian: Dass einer sitzt. Hauptsache, der ist da. Wir reden auch nicht groß, nur der ist da manchmal. Sondern es geht eben auch darum, eine schöne Beziehung zu gestalten und die Beziehung so aufzubauen, dass eben auch gemeinsam Glück gefühlt wird. Und dann wird es schon interessanter, weil dann brauche ich ja doch so ein bisschen Handlungsanweisung. Also was mache ich denn dann genau? Da hilft es mir ja nichts zu sagen, jetzt hast du da einen auf der Couch sitzen oder eine auf der Couch sitzen. Was machst du mit der? Ja, mit der ab und zu interagieren wäre schon auch gut. Und dann haben wir so ein paar Brettspiel-Ideen, die du benutzen könntest, nur irgendwie geht es ja trotzdem drum, wie kannst du schöne Momente kreieren, wie kannst du langfristig dafür sorgen, dass ihr verliebt bleibt oder langfristig dafür sorgen, dass so eine tiefe Beziehung entsteht zwischen Freunden, was ist das, was man dann tun kann und da gibt es Dinge zu tun, das ist ja die Essenz dann von NLP, dass wir was tun und nicht nur drüber philosophieren. So und jetzt?
Miriam: Wenn jetzt da eins zuhört, was sagt, wäre ja schön, nur wo ihr es gerade so sagt.
Florian: Sowohl für Freundschaften, und inzwischen geht so viel zu Hause vorm Computer. Es würde so viel gehen. Weil unsere Empfehlung schon ist, irgendwann darfst du dann rausgehen und Menschen treffen.
Miriam: Da gibt es doch dieses so und so oft umarmt werden am Tag, ist wichtig.
Florian: Ist auch gut, ne? Der körperliche Kontakt.
Miriam: Also egal, ob das eine freundschaftliche Umarmung ist oder eine zärtlichere, es ist eine Umarmung.
Florian: Wir stellen auch fest, dass es schön ist, wenn jemand da ist, der einem zuhört. Und das kann natürlich auch über Telefon sein oder über irgendwie online. Nur dieser persönliche Kontakt zu jemandem, auf jeden Fall darf ich mich ja in irgendeiner Form irgendwo rumtummeln, wo es auch andere Menschen gibt. Idealerweise synchron.
Miriam: Was heißt synchron in der Beziehung?
Florian: Na, dass es nicht nur eine Brieffreundschaft ist, wo ich mal einen Brief hinschicke und dann einen zurückbekomme oder eben ein Chat, wo man was schreibt und dann irgendwie Stunden später was ist, sondern wo regelmäßig auch ein direkter Austausch stattfindet. Und wir sind eben Wesen, die vor ein paar tausend Jahren gemacht wurden oder sogar... Laut neuesten Studien, die vor ein paar hunderttausend Jahren vielleicht gemacht wurden. Das heißt, wir sind eben auch auf Körperkontakt gebaut und eben auch auf einen Kontakt im Austausch, auf eine Mimik und eine Gestik gebaut, die uns an der Stelle ja gut tut. Und insofern, aus unserer Sicht, ist es schon eine schlaue Idee, auch manchmal Menschen da draußen im richtigen Leben zu treffen. Regelmäßig. Also so oft wie möglich.
Miriam: Also wir haben es ja eben schon angedeutet, das bedeutet ja nicht wahllos.
Florian: Wobei, Timothy Ferris von dieser 4-Hour-Workweek, der auch dieses 4-Stunden-Körper und so gemacht hat, ich meine das von dem, die Experimente dazu kamen, dass es gesund ist, morgens auch schon Menschen zu sehen und im Zweifel hat er sich einen sehr großen Fernseher gekauft, sodass die Fernsehmoderatoren morgens so groß sind wie im echten Leben.
Miriam: Okay, jetzt wird's weird und Florian rettet gerade die ganzen Nerds da draußen, die sagen, ich will nicht mehr.
Florian: Und es wäre wirklich einfacher, sich draußen irgendwo hinzusetzen und Kontakt zu anderen Menschen aufzubauen. Und es ist ja tatsächlich für viele Leute sogar eine gute Arbeitsumgebung, irgendwie in einem Café zu arbeiten, weil da noch andere Menschen herumschwirren.
Miriam: Also manche sitzen im Café mit ihrem Notebook oder Computer und arbeiten dort, weil sie dann eben, zumindest ist da wer. Ja. Ab und zu kommt der Kellner und bringt einen neuen Kaffee.
Florian: Zu Glück über Beziehung und Glück über Aufmerksamkeit auf die Momente, die schön sind am Tag. Und das ist oftmals eben viel einfacher, auch wenn da jemand anders ist und bei Miriam und mir oder auch mit den Kids ist das ja so, dass uns dann eben Sachen auffallen, weil wir sehr unterschiedliche Sachen haben, wo wir vielleicht erstmal Begeisterung aufbauen. Also über ein Lego-Schloss jetzt Begeisterung aufzubauen, da wäre ich jetzt nicht mehr so auf die Idee gekommen. Da brauche ich tatsächlich ein Kind für. Brauch ich Kind. Das zeigt mir das. Und wenn einer von unseren Jungs begeistert über das spricht, was die dann, was die gerade da gebaut haben, dann kann ich da auch Begeisterung für aufbauen. Weil ich nicht mehr auf die Idee gekommen bin. Wir machen halt andere Sachen als Erwachsene jetzt schon.
Miriam: Ja, und ich lasse mich sehr gern von Begeisterung anstecken. Also es ist verrückt, wie gut das funktioniert, denn Florian steckt mich bisweilen mit Begeisterung für Dinge an, wo ich von alleine jetzt, also weder würde ich mich damit befassen, noch würde ich da überhaupt irgendwie drüber nachdenken. Wir haben schon zusammen Hacker Jeopardy geguckt und ich habe wirklich Begeisterung gefühlt, obwohl ich nichts verstanden habe von dem, was die da machen.
Florian: Das ist wie Jeopardy, bloß mit sehr IT-lastigen Begriffen und Konzepten.
Miriam: Und es war ein wunderschöner Abend, wirklich. Wir haben zusammen auf dem Sofa gehabt.
Florian: Und sehr lustige Witze dabei. Nur eben aus einer ganz anderen Branche oder aus einer ganz anderen Welt.
Miriam: Und Florian hatte wirklich rote Bäckchen und hat geguckt und auch andauernd gelacht und so. Das hat mich so mitbegeistert. Das reicht ja dann schon fast. Das heißt, über die Begeisterung von anderen Menschen kann es durchaus passieren, dass du dich mitbegeistern lässt.
Auf Glücks-Fahndung: eigene Momente aufspüren
Miriam: Und was mir auch noch eingefallen ist, und das wäre jetzt eine sehr NLP-ige Methode, um selbst ein bisschen Glück zu machen oder auch mehr davon, ist in deinem Leben auf die Fahnde, auf die Findung zu gehen, Fahndung, Findung. nach Augenblicken, wo du dich sehr glücklich gefühlt hast, an die du dich erinnerst. Das kann sein, dass die sehr weit zurückliegen, ist völlig wurscht. Also es kommt nicht darauf an, wann in deinem Leben das war, sondern mal so ein Highlight rauszupicken, eins von denen, wo du gedacht hast, wenn ich mich daran erinnere, da war ich so glücklich, das weiß ich noch. Und dann, wenn du diesen Augenblick gefunden hast, mal darüber nachzudenken, wie so ein Ermittler, darüber nachzudenken, was waren da so für Faktoren im Spiel? Also wie hast du es damals gemacht, dass du da so glücklich warst? Also hatte das was mit der Umgebung zu tun, in der du warst? Hatte das was mit den Menschen zu tun, die da dabei waren? Hatte das was mit dem Essen und Trinken zu tun? Hatte das was mit dir zu tun? Keine Ahnung. Nur um das mal so klar zu haben. Vielleicht sogar verschiedene Momente, um dann so einen Abgleich zu machen. Das ist wie so eine eigene Feldstudie.
Florian: Dann wäre es wieder zum Ausprobieren. Also wenn ich denke, das war die Umgebung damals. Dann vielleicht da mal wieder hinzufahren und zu gucken.
Miriam: Ich stand auf einem hohen Berg. Vielleicht geht es auch auf einen Fernsehturm in Düsseldorf. Einfach mal Höhe ausprobieren.
Florian: Vielleicht ist es auch einfach eine der Aufgaben, dann regelmäßig Dinge auszuprobieren und zu gucken. Das ist natürlich spannend. In der Happiness Hypothesis, im Buch von, fällt mir gleich an, da geht es auch darum, dass Glück sowas ist, was wir nicht unmittelbar verfolgen können. Also wenn wir auf der Finde nach dem Glück sind, nach dem Direkten, dann ist es wie ein scheues Reh im Wald. Dann hüpft es davon. Sondern es ist eher sowas, wo wir was tun und dann nebenbei entsteht Glück.
Miriam: Vorsicht vor den Nebenwirkungen. Vorsicht vor den Nebenwirkungen.
Florian: Und so wäre das eben auch mit den Beziehungen. Ich habe eine erfüllte Beziehung und nebenbei übrigens entsteht auch noch Glück. Und dann sind wir eben wieder da, irgendwas darfst du tun. Also zu Hause vor dem Fernseher sitzen ist wahrscheinlich nicht der Weg, um mehr Glück zu erzeugen, sondern vielleicht ist es dieses in den Verein gehen, ein Hobby machen, mit anderen Menschen irgendwo zusammenarbeiten. Irgendwas, was dir Spaß macht, das eben häufiger tun. Waldspaziergänge, was es da auch immer alles da draußen gibt. Und dann nebenbei entsteht vielleicht Glück.
Miriam: Das gefällt mir besser.
Florian: Als was?
Miriam: Als ausschließlich die Option zu haben, wenn da jetzt keine glückliche Beziehung wäre oder so, dann eher das Gefühl zu haben, egal, ich kann was tun. Also es liegt im Rahmen der Möglichkeiten, dass ich über andere Alternativwege ein eigenes Glück erzeuge.
Florian: Ja, im schlimmsten Fall finden wir sogar noch eine glückliche Beziehung so. Dass du irgendwas tust.
Miriam: Vorsicht vor den Nebenwirkungen. Also nur, dass wir es klar haben. Ja, weil wenn du verglückt nur so leuchtest, ja.
Florian: Oder wenn du was machst, was dir Spaß macht und dann jemanden findest, der auch da Spaß dran hat.
Miriam: Überleg mal. Genau.
Zieh los und probier was aus
Florian: Nur dazu darf ich halt wissen, was mir Spaß macht oder wo ich Freude empfinde. Und wenn es im Moment vielleicht bei sehr wenig Sachen so wäre, dann ist es vielleicht auch an der Zeit, probier doch mal was aus. Mach doch einfach mal was Neues. Als ich damals in München gewohnt habe, ich wusste das vorher zum Beispiel auch gar nicht. Bin ich mit einem sehr guten Freund irgendwann in den Pinakotheken gewesen und als wir da waren, um uns, also in der alten Pinakothek war das, und als wir da waren, um uns Bilder anzuschauen und einfach mal kulturell weiterzubilden, haben wir zufällig gesehen, dass es da regelmäßige Führungen gibt, an denen man einfach teilnehmen darf.
Miriam: Ohne sich extra zu buchen, oder?
Florian: Ohne extra zu buchen, sondern es war irgendwie einmal in der Woche oder alle zwei Wochen, ich glaube einmal in der Woche war das, abends, hat dann ein Professor oder ein Kunstgeschichtler zu irgendeinem Thema, haben die dann einen Vortrag gehalten. Das war abends eine Stunde nach dem Abend. Ich meine, dass das nicht mal was gekostet hat, sondern es war einfach mit einer gültigen Eintrittskarte zur richtigen Zeit da sein und dann haben die da was erzählt und es hat uns sehr große Freude bereitet. Plötzlich war eine ganz andere Tiefe da vor einem Bild stehen und sich das eben anschauen, weil dann eben die Geschichte erzählt wurde und wo kam es her und was passierte da. und wie kam das und dann haben wir die Farben genossen und irgendwie. Plötzlich hatten die Bilder auch eine ganz andere Intensität, weil einfach klar war, darum ging es und das war das und das war die Geschichte dazu und dann wurde das wie aus dem Bild. Wir hatten plötzlich so einen ganzen Film von wie das alles entstanden ist und was da alles war. Plötzlich war das... Mit Sound auch unterlegt und plötzlich hat sich das viel besser angefühlt. Und das war eine Sache, da hätte ich vorher nicht gedacht, dass mir das so viel Spaß macht. Das haben wir einfach zufällig entdeckt und haben dann tatsächlich, und ich weiß, mein Freund wohnt noch in München, ich weiß, dass der das immer noch gemacht hat danach, eine ganze Weile mit einer anderen Kollegin dann, dass die das ab und zu wiederholt haben. Wie würde ich sowas finden, wenn ich nicht ab und zu mal rausgehen würde? Es gibt so tolle Angebote mit der VHS oder es gibt tolle Angebote im Theater, im kulturellen Bereich. In jedem, in jeder Stadt spielt irgendwo eine kleine Band. Es gibt regelmäßig Sport-Events, zu denen man einfach mal gehen kann.
Miriam: Und du hörst ja auch gerade einen Glücks-Podcast, zum Beispiel.
Florian: oder Podcaster, genau. Wir haben einen Info- und Übungsabend, zu dem normalerweise, also wenn ich mir die Leute so anschaue, im Schnitt sind die ziemlich lustig und glücklich.
Miriam: Ja, ja.
Florian: So, wäre ja auch was. Oder es gibt diese Meetups, wo es themenbasiert einfach darum geht, sich über ein bestimmtes Thema zu unterhalten. Das heißt, es braucht auch gar kein Smalltalk sein zu irgendeinem Thema oder so, sondern es ist einfach, wenn ich, was weiß ich was. Also jetzt, ich kenne halt hauptsächlich IT-Themen.
Miriam: Und du würdest gleich Gesinnte finden zumindest.
Florian: Javascript-Programmierung für Werbanwendungen in der Cloud. Da gibt es in Düsseldorf halt ein oder zwei Gruppen, die sich regelmäßig treffen.
Miriam: Du siehst, Florian ist ein wandelndes Lexikon von Events. Du könntest also bei Florian auch einfach anfragen persönlich und sagen, ich habe daran Interesse, Florian findet was für dich. Es ist ja unglaublich, was du eben alles gestiftet hast an Kultur, an Wissen, an Sport. Ja, geht ja nur durch rausgehen. Ist ja auch gut jetzt. Also wir haben rausgefunden, Menschen triffst du bestenfalls da draußen, wenn sie nicht zufällig sowieso schon bei dir im Wohnzimmer sitzen. Dann könntest du ja die erstmal nehmen.
Florian: Die kannst du einfach mitschleifen.
Miriam: Und mit denen noch glücklicher sein.
Florian: Nimm die einfach mit.
Miriam: Du tust was, gehst los, machst mal was Neues, probierst mal was aus oder tust Dinge, die du früher getan hast, die alle glücklich gemacht haben und die vielleicht im Moment gerade nicht mehr so oft da waren. Das ist alles gut. Passt alles. Hauptsache, du tust was. So. Los.
Glück ist Tat — jeder sein eigenes Rezept
Florian: Da gibt es dann wieder diese Menschen. Was haben die denn noch gesagt zu diesem Video und zu dieser Studie?
Miriam: Naja, das Ende war eben so ein bisschen, also ich fand es super spannend, dass die Menschen so lange begleiten, von 1938 bis heute und die Studie wird weitergeführt.
Florian: Und wie schön, dass Beziehungen so wichtig sind. Das ist ja was, was wir auch immer mehr merken in unserer Gesellschaft jetzt.
Miriam: Da ist viel Spannendes drin, aus Sicht von psychologischer Studie, wie auch immer, also alles gut. Und was mich eben so frustriert, oder wo ich mich frustriert gefühlt hätte früher, war, dass ich dann so zurückblieb mit diesem Gedanken, zum Glück habe ich eine Beziehung, zum Glück habe ich eine Mutter zumindest, mit der ich mich gut verstehe, zum Glück habe ich zwei Freunde.
Florian: Sonntagskinder.
Miriam: Sonntagskind. So und jetzt glücklich bitte, sofort, weil ich habe das ja alles. Und dann dachte ich, ja, es klingt wie so ein Rezept auf Abruf und ich wollte da mehr Wahl, also ich wollte da mehr Alternative noch drin haben, mehr Freiheit fühlen in dem Ergebnis. Kann sein, dass ich da auf dem Holzweg bin. Kann sein, dass diese Forscher vollständig recht haben und wer eben keine glückliche Beziehung hat, gerade hat Pech, nur Ich habe jetzt auch nach dem Podcast und dem Gespräch mit dir, habe ich den Eindruck, dass da sehr viel mehr Tate drin ist, als diese Studie darstellen kann. Weil diese Studie geht nicht ums Tun, sondern die ist auf was anderes fokussiert.
Florian: Weil was heißt das denn, wenn ich viele Freundschaften habe oder eine tolle Beziehung habe, wie pflegen wir das denn? Wie machen wir das?
Miriam: Diese Menschen sind vermutlich sehr tüchtig in der Tat. Also die werden vermutlich auch sehr viel dafür tun, dass sie diese Beziehung haben und dass die glücklich ist und dass sie viele Freunde haben.
Florian: Ich sehe das bei deinen Eltern, die regelmäßig ja Leute zu sich nach Hause einladen. Also der Küchentisch ist ja oft voll mit Menschen. Das hat was damit zu tun, dass die erstens Einladungen aussprechen und dann eben auch kochen und Dinge tun und Leute holen und dann eben auch rausgehen. So funktioniert das ja.
Miriam: Ja, so funktioniert das. Das stimmt.
Florian: Sonst wissen die anderen Menschen ja gar nicht, dass sie kommen können.
Miriam: Also jeder sein individuelles Glücksrezept bitte. Und bestenfalls tust du einfach mal was.
Florian: Definitiv.
Miriam: Ah herrlich, so habe ich mir das vorgestellt. Ein Tu-Glück-Podcast. Das finde ich gut. Dann lassen wir das jetzt. Ich finde es reicht voll gut. Für diese Woche genug zu tun.
Florian: Mach dich glücklich.
Miriam: So sieht es aus. Wir hören uns nächste Woche wieder.
Florian: Wenn es heißt,
Miriam: Zwei Gehirne sind glücklich. Bis dann.
Florian: Bis dann. Tschüss.
Miriam: Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.