NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 235

Zeig mir Deine Freunde und ich sage Dir, wer Du bist

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In dieser Folge

Darum geht es

Einige Trainer-Kollegen sähen immer mal wieder ganz gerne die Botschaft, dass Du auf Deine 5 engsten Freunde, oder Menschen, mit denen Du viel Zeit verbringst, genauer achten solltest. Und zwar nicht im Sinne des Aufpassens – wie auf kleine Kinder. Sondern im Kontext ihres Einflusses auf Dich. Denn ja – Deine Freunde haben Einfluss. Soviel können wir auf jeden Fall behaupten. Wir Menschen sind immer Teil unseres sozialen Umfelds. Um dazuzugehören wird unser Gehirn uns unterbewusst und fast unmerklich „anpassen“. Wenn Miri ihre Heimat, Hessen, besucht, fängt sie plötzlich an, harten Dialekt zu sprechen. Ihr Unterbewusstsein sorgt dafür, dass sie alle Voraussetzungen erfüllt, um dazu zu passen. Zu den Menschen, in deren Nähe sie aufgewachsen ist. Das ist normal und auch gut. Wenn unser Gehirn dies nun automatisch macht – uns anpassen – dann können wir an dieser Stelle doch auch einfach mal den Spieß rumdrehen. Lassen wir uns doch mal an erfolgreiche, schlaue, schöne Menschen „anpassen“ – oder was immer Du Dir wünschst. Und wählen wir unser Umfeld bestenfalls genau danach aus.

Miriam und Florian nehmen die bekannte These „deine fünf besten Freunde bestimmen, wer du bist“ auseinander — ohne dir zu raten, jemanden auszusortieren. Es geht um den Einfluss deines sozialen Umfelds, um Uplifting statt Downlifting, um Werte wie Loyalität und lange Freundschaften, und darum, wie sich Freundeskreise bei großen Veränderungen fast von selbst neu sortieren. Beide erzählen aus dem eigenen Leben: von weggebrochenen Freundschaften beim Schritt in die Selbstständigkeit, von der Musical-Gruppe, von Teams in der IT und von „frischem Blut“, das neue Standards setzt. Wenn du dich fragst, wie du dir ein Umfeld schaffst, das deine Ziele unterstützt, findest du hier viel zum Nachdenken.

Lesefassung

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Kapitel dieser Folge
  1. Ein ketzerisches Thema und ein Follower, der anonym bleiben will
  2. Harter Tobak: Was, wenn die Freunde einen nicht „hochziehen“?
  3. Frisches Blut: Was Teams, Musical-Gruppen und Kulturen verraten
  4. Miriams eigene Geschichte: Wenn Freundschaften sanft loslassen
  5. Wo holst du deinen Drive her? — Umfeld bewusst gestalten
  6. Kein Aussortieren, sondern Wachheit — und Türen öffnen

„Zeig mir deine fünf besten Freunde und ich sage dir, wer du bist“ — diesen Satz haben viele schon gehört, und er kann ganz schön unter die Haut gehen. Was, wenn deine engsten Menschen gerade nicht dorthin ziehen, wo du hin willst? Miriam und Florian nehmen genau diese Trainer-These auseinander — ehrlich, ein bisschen ketzerisch und ohne dir zu sagen, du sollst irgendjemanden aussortieren.

Ein ketzerisches Thema und ein Follower, der anonym bleiben will

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.

Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.

Miriam: Diese Podcast-Folge wird ketzerisch.

Florian: Diese Folge wird ketzerisch.

Miriam: Jawohl, du erinnerst dich an den Podcast des Todes, bei dem ich lange gehadert habe, ob wir ihn jemals aufnehmen sollten. Wir haben es dann getan. Bei diesem heutigen Podcast weiß Florian nicht, welches Thema ich mir jetzt ausgewählt habe, und deswegen wird das jetzt ein kleiner Schock für dich. Also vielleicht auch für dich als Hörer, das weiß ich noch nicht. Herzlich willkommen. Ich mach's mal dramatisch, oder?

Florian: Ja. Machst du es dramatisch, indem du das Thema erst nach 17 Minuten erzählst oder so?

Miriam: Nee, 17 Minuten brauch ich nicht. Ich hab mir so 5 bis 6 Minuten...

Florian: Was machen wir denn bis dahin nur so, damit ich zwischendurch...

Miriam: Die Spannung aufbauen, den Spannungsbogen aufbauen.

Florian: Gibst du so kleine Hinweise und ich rate dann immer und du sagst dann wärmer oder kälter.

Miriam: Das wäre lustig, oder? Das haben wir noch nie gemacht. Ja, mach mal.

Florian: Geht's um was mit NLP?

Miriam: Ja natürlich, unser Podcast ist ein NLP-Podcast, das heißt es wird immer NLP drin vorkommen.

Florian: Was ist denn das Thema?

Miriam: Das Thema ist eine Anfrage von einem Follower unserer Facebook-Gruppe, NLP Training at Home, wo wir einmal in der Woche kostenlos Trainings geben, ein Stündchen lang.

Florian: Geschickt diese Überleitung genutzt.

Miriam: Ah hier, Werbeunterbrechung beendet, das geht bei uns rappi zappi, wir spielen das offen, das war Werbung.

Florian: Was ist denn jetzt das Thema?

Miriam: Das Thema ist dieser Mensch, der anonym bleiben möchte, der für einen Freund fragte. Darum genau geht's. Also er hätte gehört von einem anderen Trainer, nicht von uns, von einem anderen Trainer, dass er sich sehr weise seine Freunde aussuchen soll, also seinen direkten Bekanntenkreis, weil das starken Einfluss hat auf seinen Erfolg, seine Art zu sein, seinen finanziellen Reichtum.

Florian: Ach dieses, das ist doch eine uralte Regel, dass man sich seine fünf besten Freunde anschauen soll, um zu wissen, wer man selber ist.

Harter Tobak: Was, wenn die Freunde einen nicht „hochziehen“?

Miriam: Ja, das könnte jetzt schmerzhaft werden für den einen oder anderen von euch. Wenn wir das als gegeben hinnehmen würden und die fünf besten Freunde um einen rum sind, so wie man selbst oder wie der Mensch, der uns jetzt gerade zuhört oder wie ich oder du.

Florian: Oder so wird man.

Miriam: Ja, so wird man. Meistens ist es wohl so, dass die so ähnlich sind wie man selbst. Und dass alles, was sozusagen verbesserungswürdig wäre, würde sich in denen spiegeln. Das ist natürlich harter Tobak. Außer du sagst, echt geil, das ist ja cool. Die sind einfach alle super cool. Die haben alles, was ich mir jemals erträumen würde. Die haben ein Haus mit Pool, irgendwo am Strand, genug Geld, um sich jeden Tag Juwelen zu schenken und leben ein glückliches Leben voller... Harmonie und in einer perfekten Partnerschaft gesegnet mit 18 Kindern. Dann wäre diese Podcast-Folge für dich jetzt zu Ende, weil dann besteht keine Gefahr. Das ist ja die Aussage. Das ist so etwas, was einige Trainer immer wieder spielen. Wir tun das nicht und ich habe diesen Satz auch schon mal in meinem Herzen bewegt. Ich finde daran einiges schwierig. Und ganz nett, das mal so für sich auszuprobieren. Also die Lage mit den Freunden mal so zu betrachten.

Florian: Was ist denn das, was du schwierig findest daran?

Miriam: So schwierig finde ich einfach daran, dass wenn ich jetzt feststellen würde, dass der Großteil meiner fünf Freunde, sagen wir vier von fünf, sind nicht so reich, wie ich gern wäre, sind vielleicht auch nicht so gebildet, sind einfach nur lieb. Mhm. Und ich würde sagen, wenn das jetzt was ist, dann muss ich mich von denen trennen, und das finde ich ganz furchtbar. Also das finde ich gruselig. Und ich würde das niemals von jemandem verlangen wollen. Klar ist auch, dass unser soziales Umfeld... Das, was wir für normal halten, hat selbstverständlich Einfluss auf uns und wir auf dieses Umfeld. Das ist ja so eine Wechselwirkung. Also das ist nicht ganz aus dem Nichts gegriffen, ob jetzt diese Zahl 5 stimmt. Ich glaube nicht, dass es eine wissenschaftliche Erhebung dazu gibt. Oder ob das wirklich der Einfluss überhaupt auf Menschen ist. Ich weiß es nicht. Fakt ist natürlich schon, dass ich die Menschen, mit denen ich auch Kaffee trinken gehe oder mit denen Florian und ich mal in ein Restaurant ausgehen oder so, dass wir uns die natürlich schon selbst aussuchen. Und dass wir die wahrscheinlich auch unbewusst nach bestimmten Prämissen auswählen. Bewusst und unbewusst.

Florian: Zum Beispiel, dass die lustige Sachen erzählen.

Miriam: Oder dass die in bestimmter Weise für uns passend nett sind, weil dieses Wort nett oder freundschaftlich oder lieb...

Florian: Nett hat ja auch schon für manche Menschen eine negative Kondition, so einen negativen Beigeschmack.

Miriam: Nett ist nicht genug.

Florian: Wäre ein toller James-Bond-Titel. Die nett ist nicht genug?

Miriam: Die nett? Was hast du denn jetzt? Nein, einfach nur nett ist nicht genug. Also wenn ich jetzt da so eine Wechselwirkung feststellen würde und mich fragen würde, mit welchen Menschen haben denn Florian und ich wirklich auch freundschaftlich sehr eng und viel Kontakt? Bin ich recht zufrieden. Also ich finde die super, mit denen wir so unterwegs sind. Jetzt habe ich die natürlich noch nicht untersucht genauer auf ihren Wohlstand, ihre Gesundheit, ihre Art und Weise miteinander, naja, obwohl die doch die Art und Weise miteinander umzugehen kennen wir, auch mit uns umzugehen. Das sind so Fragen, die ich mir dann stellen würde. Und wenn dann so ein Fachmann oder so eine Fachfrau um die Ecke schleicht und sagt, boah. Das ist gefährlich. Wenn deine Freunde in allen Lebensbereichen, wo du dir Verbesserung wünschst, schon einen höheren Level hätten als du, hätten die positiven Einfluss auf dich. Das ist die These.

Florian: Genau. Wir würden sozusagen hochgezogen werden. Ja, Uplifting.

Miriam: Uplifting, genau. Wäre das dann. Und nicht Downlifting.

Frisches Blut: Was Teams, Musical-Gruppen und Kulturen verraten

Florian: Also in Teams merke ich das schon manchmal. Die Herausforderung ist manchmal, also gerade wenn ich mit Teams zusammenarbeite, die schon länger zusammen sind oder die irgendwie in einer Organisation über längere Zeit keinen großen Erfolg hatten, warum auch immer. Manchmal gibt es ja so Teams, die an irgendwas arbeiten und dann wird das Produkt erstmal zurückgestellt und dann kommen die in so einen Modus rein oder so. Ich habe schon den Eindruck, dass sich manche Menschen dann seltsame Sachen angewöhnen oder die in so einen, ja, so machen wir das halt hier, Modus fallen können. Und da unterstützen die sich schon gegenseitig bei.

Miriam: Es entsteht so ein Gemeinschaftssog.

Florian: Ja, einer der Tipps ist dann tatsächlich junges Blut mit reinzubringen oder frisches Blut mit reinzubringen.

Miriam: Weißt du, wie das klingt?

Florian: Das klingt nach Vampir. Also tatsächlich einer der einfachsten Wege, da eine größere Veränderung herbeizuführen, ist eben zwei, drei Leute mit reinzubringen in so ein Team, die andere Ansichten haben oder die mal zeigen, was auch möglich ist, die da einen Standard setzen auch innerhalb des Teams. Und plötzlich ist es eben viel einfacher zu verstehen, und möglicherweise haben wir längere Zeit nicht in dem Maße gearbeitet oder nicht so schnell gearbeitet, nicht so technologisch fortschrittlich gearbeitet, wie das inzwischen Standard ist. Also ich arbeite viel in der IT-Industrie. Jetzt fünf Jahre so zu arbeiten, wie man es gewöhnt ist, bedeutet technologisch ganz schön abgehängt zu sein. Also es gibt halt jedes Jahr neue Entwicklungen. Und Teams, die da dranbleiben wollen, dürfen halt ständig auch sich weiterentwickeln, neue Techniken lernen, neue Arbeitsmethoden auch lernen tatsächlich, neue Zusammenarbeitsmodelle lernen, um dann da dran zu bleiben.

Miriam: Ich habe das auch schon festgestellt. Zum Beispiel in dieser Musical-Gruppe, in der ich bin. Die ist ja jedes Jahr ein bisschen anders besetzt. Logisch. Die Leute nehmen sich ja zum allergrößten Teil extra Urlaub, um da mitmachen zu können. Das geht nicht jedes Jahr. Manche hören dann auf, dafür kommen neue dazu. Und je nachdem, also ich kann da jetzt auf fast 40 Jahre zurückblicken, je nachdem, wie hoch das Niveau der Besten war, die da mitgemacht haben, desto größer war auch der Zug in der Gruppe, sich da anzupassen. Beizuziehen, ne? Mhm.

Florian: Also wenn halt alle nach vier Wochen, was wirklich ein Wunder wäre, den Text können, dann fangen halt andere Menschen oder der Einzige, der den Text nicht kann, fängt dann an, sich anzupassen. Also da ist plötzlich mehr Fokus drauf. Und das ist ja das, was hinter dieser Geschichte mit den Freunden auch steckt. Was, wenn von den Freunden keiner diese Exzellenzen oder diese Charaktereigenschaften oder diese Fähigkeiten verkörpert, die man gerne hätte? Die Frage ist ja dann, wo kann ich es lernen?

Miriam: Bei so einem Team-Kontext könnte ich ja sagen, okay, dann ertrage ich das sozusagen, dass da irgendeiner drin ist, der das vielleicht jetzt hochzieht oder auch nicht und mache danach die Tür zu und bin für mich. Auch bei so einer Theatergruppe ist das möglich. Bei Freunden ist ein emotionaler Aspekt drin, glaube ich, der an manchen Stellen dann auch etwas unterschätzt wird. Also wie soll ich sagen, jetzt in meinem direkten Arbeitsumfeld, wo ich mir die Leute nicht aussuche. Arbeitsfreunde, sage ich immer. Arbeitsfreunde, genau. Also das ist eine hilfreiche Metapher, glaube ich, weil wir dürfen uns irgendwie... Spüre ich weniger Widerstand in mir, zu sagen, da ist einer dabei, der mir nicht gut tut, den meide ich jetzt mal eine Zeit lang und halte mich lieber an jemanden, der mich weiterbringt, der mich fördert, bei dem ich merke, da ist irgendwie neuer Schub drin und docke da ein bisschen mehr an. Also da habe ich so diese, da fühlt sich das für mich strategisch an fast schon. Das ist bei Freunden... Witzigerweise hätte ich da bis jetzt ein schlechtes Gewissen gespürt, wenn ich die so aussortieren würde nach, nee, da gibt es keinen Uplifting-Moment. Weißt du, was ich meine? Weil vielleicht ist da viel Vergangenheit mit verknüpft, vielleicht haben wir harte Zeiten zusammen überstanden. Weißt du, was ich meine?

Miriams eigene Geschichte: Wenn Freundschaften sanft loslassen

Miriam: Warum hat dieser Mensch diese Frage gestellt?

Florian: Ja.

Miriam: Ich habe Folgendes gelernt, um da mal jetzt auch einen Bogen zu kriegen irgendwie. Ich verstehe sozusagen die Problematik. Und nur, dass eins klar ist, das ist jetzt so eine Art Disclaimer, machen wir ganz selten. Dieser Podcast ist nicht dafür da, dass du irgendwelche Freunde los wirst oder so jetzt, panisch. Sondern es geht darum, darüber mal nachzudenken. Und bei mir war Folgendes. Als ich damals angefangen habe, meine Persönlichkeit bewusst weiterzuentwickeln, und auch gemerkt habe, dass meine Pläne für die Zukunft sich verändern, dass ich mir plötzlich sehr bewusst ein anderes Leben wünsche und da habe ich sehr viel verändert in meinem Leben, bis hin zu ja auch meiner Ehe, meiner damaligen, meiner Ex-Ehe. Da habe ich gemerkt, dass je weiter ich mich entwickelt habe und je mehr Zug ich in mein Leben gebracht habe, desto mehr meiner alten Freunde bin ich auf fast magische Weise losgeworden, ohne das jemals gewollt oder bewusst initiiert zu haben. Nur die kamen sozusagen mit meinen neuen Verhaltensmustern nicht so gut klar, dass ich jetzt gesagt habe, ich will nochmal karrieremäßig durchstarten. Ich möchte das mit meinen Kindern anders machen. Ich will mich anders aufstellen. Ich möchte ein glückliches Leben leben. Ich möchte ein Leben leben, das sich mehr im glücklichen Bereich bewegt als im traurigen und im frustrierten. Und da ging ein Ruck durch die Gemeinde. Das haben einige meiner damaligen Freundschaften überstanden, diese meine Veränderung und andere nicht. Nur das war nicht, dass wir uns gestritten hätten oder so, sondern das war wie ein sanftes Loswerden, so wie das organisch eben passiert. Das werden die meisten unserer Hörer nachvollziehen können, dass du eben mit 20 bestimmte Menschen um dich hattest, die du deine Freunde genannt hast. Vielleicht ist davon auch der ein oder andere jetzt noch übrig oder ihr trefft euch einmal im Jahr zum Skifahren, nur heute hast du einen anderen Kreis von Menschen um dich. Die du sehr eng und täglich oder sehr häufig triffst. Und diese Entwicklung war dann so ein bisschen schneller. Also es waren auf einmal fünf, sechs Leute ganz verschwunden, gefühlt. Dafür kamen allerdings andere Menschen dazu, die deutlich inspirierender sich anfühlten damals dann auch. Also wo es mir auch viel mehr Freude bereitet hat und das hatte was mit Ehrlichkeit zu mir selbst zu tun, mit denen zu telefonieren, auszutauschen, einen Kaffee trinken zu gehen. Und es ist bis heute so, dass ich... Und da sind Florian und ich vielleicht auch in einer Sonderposition. Wir haben ganz wenig Freizeit. Wir nehmen uns ganz wenig Zeit, um wirklich was mit unseren Freunden zu machen. Und wenn wir das tun, glaube ich, wählen wir beide sehr bewusst aus. Also mit wem wir uns treffen, um abends essen zu gehen oder auf ein Stück Kuchen und einen Schluck Kaffee. Den Eindruck habe ich schon. Und mir tut es gut. Also es lässt sich sozusagen schon ein bisschen entspannter behaupten, dass wir sehr lustige Abende haben dadurch. Sehr entspannter auch. Und das tut uns beiden dann gut, Florian und mir. Da merke ich, dass wir das, wir stellen dafür andere Sachen zurück. Also wir arbeiten dann nicht oder wir schlafen nicht. Und dann ist es für uns beide super, wenn wir danach heimfahren im Auto und denken, boah, das war schön, das sollten wir wirklich öfter machen. Das ist das Beste, was danach passieren kann. Und dafür bin ich auch sehr dankbar, dass wir Menschen in unserem Leben haben, die das auch mitmachen. Weil wirklich, also wer mit uns befreundet ist, der verbringt recht wenig Zeit mit uns dafür, dass er mit uns befreundet ist. Also nur mal so ein bisschen darüber zu philosophieren, sag ich mal. So und jetzt zurück zu diesen fünf Menschen, die du sozialerweise um dich hast oder diese Zahl, nimm sechs oder nimm vier. Ich glaube nicht, dass es auf diese Zahl genau ankommt.

Wo holst du deinen Drive her? — Umfeld bewusst gestalten

Florian: Der spannende Teil ist eben, wo holst du deine Impulse her für Verbesserungen, wo holst du dir Ideen für die Ziele, die du gerne erreichen möchtest, falls du sowas hast. Wo holst du dir den Drive oder auch den Zug auf sowas drauf. Also eben das, was ich vorhin meinte. Was ist normal, was ist nicht normal, was sind typische Verhaltensweisen, was nicht. Da ist schon ein Unterschied. Also es gibt eben, je nachdem in welcher Kultur wir auch leben, ich beschäftige mich im Moment viel mit der japanischen Kultur. Das sind eben ganz andere Sachen normal als das, was wir in Deutschland hier so haben. Und so ist es ja auch in Freundeskreisen oder dann eben in Arbeitskreisen. Und ich habe vor, jetzt ist das zweieinhalb Jahre her, habe ich bei einem Kunden mal gearbeitet. Also ich kam mit Jeans und Hemd in die Firma. Und bei vielen meiner Kunden kann ich mit Jeans und T-Shirt in meine Arbeit gehen. Und das ist ganz normal inzwischen. Und bei dem einen besonderen Kunden kam ich eben mit Jeans und Hemd. Und dann nach sechs Wochen hat mir jemand gesteckt, dass dieses Verhalten wäre übrigens ein Jahr früher nicht gegangen, weil da alle noch mit Anzug und Krawatte dort saßen. Ich habe das gar nicht mehr gemerkt, weil ich... Das war da nicht mehr so. Nur so entsteht ja eine Kultur. Was ist das, was normal ist? Wie ist gutes Anziehen? Wie ist gutes Benehmen? Was sind sportliche Ziele? Was sind normale Ziele? Wie viel wollen wir erreichen? Das ist ja alles so, was sich einfach so nebenbei durchsetzt, wo wir gar nicht so drüber sprechen, sondern was einfach eben so typisch ist. Und die Frage ist, wenn du ein bestimmtes Ziel erreichen möchtest, wann hast du mal Kontakt zu Menschen, die dieses Ziel schon erreicht haben? Oder wie schaffst du es, dir eine Umgebung zu schaffen, in der Leute sind, die dich dabei unterstützen, wenn dieses Ziel wichtig wäre.

Miriam: Da ist ja die Frage sogar dahinter, wie kannst du dir das Leben leichter machen? Weil natürlich ist es so, wenn da draußen jetzt Zuhörer wären, die sagten, ja, ich will jetzt endlich meinen goldenen Hintern bewegen. Ich will jetzt mal loslegen. Ich will was machen aus meinem Leben. Ich habe wirklich keinen Bock mehr auf das, was ist. Und ich habe schöne Vorstellungen von der Zukunft. Und es sind tatsächlich viele Menschen um einen herum, die dann sowas sagen wie, ja, mach mal nicht oder Schuster, bleib bei deinen Leisten. Das macht es ja nicht einfach. Da sind wir uns einig. Also dann auch noch hier Energie aufzuwenden, um sich zu verteidigen, zu erklären oder das zu glauben, das tun zu müssen. Und wenn da natürlich Menschen sind, die diesen Weg schon gegangen sind oder die da andere Glaubenssysteme haben oder die mit dir den Weg gehen. Also die einfach gemeinsam sagen, komm dann lass uns loswandern. Das ist wirklich wie beim Sport, das ist wie ein guter Sparringspartner. Also ich finde das wahnsinnig unterstützend. Sogar, und da gehe ich jetzt einen sehr weiten Schritt besser als jeden Coach, so einen vertrauten Menschen bei sich zu haben, der so eine ähnliche Energie entwickelt für die Zukunft. Ich finde das wunderschön. Das gefällt mir auch bei Florian und mir so schön, dass wir es meistens schaffen, uns zu committen auf Zukunft. Also, dass wir wirklich gemeinsam dann auch loszischen können. Und die Frage, die wir uns dann natürlich stellen können, ist, also, oder anders. Normalerweise passen ja Menschen, oder behaupten das zumindest, passen in ihrem Leben gut auf sich auf. Also sie achten darauf, was sie essen, hoffentlich. Sie achten darauf, was sie für Filme gucken, für Bücher lesen, also mit welchen Informationen sie sich versorgen. Da sollten wir ja eine gewisse Achtsamkeit drauf haben, weil es ist unser Gehirn, es ist unser Körper, es ist unser Leben. Warum, merke ich auch selber bei mir, warum fällt es mir dann so schwer zu sagen, das gleiche Konzept fahre ich eben auch bei den Menschen, die ich sehr eng an mich heranlange.

Florian: Weil da noch andere Werte ins Spiel kommen. Weil da eben so Werte wie Loyalität oder Zuverlässigkeit oder eben auch die Länge der Freundschaft durchaus eine Rolle spielt. Eine Länge des, wie lange kennen wir uns schon, was haben wir alles schon zusammen erlebt. Und das ist auch wichtig. Ja, finde ich auch. Also das sind auch gute Eigenschaften in Menschen irgendwie. Ja. Zumindest aus meiner Warte.

Miriam: Absolut.

Florian: Und deswegen möglicherweise ist es eben auch ein, also ich habe die gleiche Erfahrung gemacht wie Miriam, durch die vielen Veränderungen oder durch die Ziele, die ich hatte, damals als ich mich selbstständig gemacht habe und plötzlich in verschiedenen Städten gearbeitet habe, ist ein Teil meines Freundeskreises einfach wirklich weggebrochen. Weil ich plötzlich unter der Woche nicht mehr da war, sondern unter der Woche beim Kunden war. Jetzt war eben die Selbstständigkeit, war mir wichtiger in dem Moment. Ein Teil meiner Freunde damals ist geblieben, ein Teil meiner Freunde eben nicht, weil wir einfach nichts mehr zu tun hatten oder weil wir uns über Arbeitskontexte kennengelernt hatten oder so. Und das ist ja der Fokus, den wir dann eben im Leben leben. Leben leben? Leben leben. Legen. Ja. Also wo möchtest du deine Aufmerksamkeit drauf legen? Weil es ist schon so, dass das eben das ist, wo wir mehr Zeit verbringen, plötzlich mehr auch wahrnehmen. Um in den Modellen von NLP zu sprechen. Die Idee ist ja, dass wir eine innere Landkarte haben von dem, was da draußen passiert. Also, dass all das, was da draußen passiert, ich auch irgendwie in mir repräsentiere. Und wenn wir jetzt zum Beispiel eine neue Technik lernen, die, dass wir, und wenn du in Facebook-Livetrainings bist, wir hatten ja schon an verschiedenen Stellen sowas. Also, dass du sagst, ich möchte kein Aber mehr sagen. Oder ich streiche das Wort müssen mal eine Weile aus meinem Wortschatz. Plötzlich fällt mir das überall auf und ich fange eben darauf zu achten. Für andere Menschen ist das vielleicht nicht so interessant. Weil die an anderen Lernkanten unterwegs sind oder andere Ziele in dem Moment verfolgen. Nur mir fällt es plötzlich auf und plötzlich habe ich einen Teil der Welt, der eben spannend ist und wo es auch darum geht, oh cool, was gibt es denn noch alles? Plötzlich wird die Landkarte irgendwie größer und detaillierter an der Stelle und dann tauche ich ja da so ein bisschen ein. Und die Frage ist, was passiert, möchten die Menschen in meiner Umgebung auch mitgehen oder nicht oder wo ist der Zweck? Ich habe jetzt dieses Jahr auch angefangen, wieder mehr Schach zu spielen. Plötzlich habe ich eben auch Menschen, die aus dem Bereich kommen. Plötzlich kann ich mich mit denen wieder mehr unterhalten.

Miriam: Ist eine organische Entwicklung.

Florian: Tatsache.

Kein Aussortieren, sondern Wachheit — und Türen öffnen

Miriam: So, das kennt ihr alle. Das ist ja jetzt auch kein Hexenwerk, sage ich mal.

Florian: Ja, die Frage ist halt, können wir es auch, wollen wir da bewusst was tun oder nicht?

Miriam: Und das, finde ich, darf sich jeder Mensch wirklich selbst überlegen. Also es kann sein, dass es Sinn machen würde, wenn du sozusagen nicht von der Stelle kommst und merkst, in deinem Freundeskreis findet sowas ähnliches statt. Dann brauchst du diesen Freundeskreis in meiner Welt nicht aufgeben. Sondern es ist gut, mal was Neues dazu zu tun. Also so wie Florian das in seiner Teamgeschichte kurz erzählt hat. Warum denn nicht dann mal dafür sorgen, dass der ein oder andere frische Geist dazukommt zu dem Kreis von Menschen, die du hast. Jetzt könntest du sagen, ja jetzt im Lockdown, wo soll ich denn Leute kennenlernen? Die haben ja sogar Karneval gestrichen.

Florian: Normalerweise im Karneval weiß man, Leute kennenlernen hier im Rheinland.

Miriam: Das ist doch einfach. Du, wie Florian eben gesagt hat, Florian trifft sich im Moment nicht in einem Schachclub, um Schach zu spielen. Das geht leider nicht.

Florian: Sondern eben eine Online-Plattform.

Miriam: Genau. Auf unserer Facebook-Seite in der Gruppe NLP Training at Home finden sich Freundschaften. Da finden sich Menschen, die sich erstmal vielleicht sogar... Netzwerkartig unterstützen gegenseitig, weil sie merken, oh guck mal, wir arbeiten an der gleichen Baustelle. Und daraus entwickelt sich auch eine Freundschaft, so auf Strecke dann. Ja, weil die Interessenslage auch gerade wahnsinnig gleich ist und das Verständnispotenzial groß. Und dann zu sagen, okay, dann öffne ich meine Türen und da darf eben auch mal wieder jemand anderes rein, gerade wenn eben im Leben jetzt neue Pläne da wären oder wenn es darum geht, dass du dich weiterentwickelst. Und da bitten wir dich, genauso wie in allen anderen Lebensbereichen, einfach um ein bisschen Wachheit. Dass du da auf dich achtest und auf deine Bedürfnisse. Vielleicht das auch mal abgleichst mit den Menschen, mit denen du dich häufig umgibst. Ob das gerade Sinn macht, das so häufig zu tun oder vielleicht dafür da ein bisschen weniger und hier ein bisschen mehr. Das Leben ist ja kein schwarz und weiß. Es gibt immer Grauzonen. Und das ist einfach nur das, glaube ich, was da...

Florian: Das ist schon einfacher, wenn man das in schwarz und weiß unterteilt, ne?

Miriam: Voll! Da würden wir einfach sagen, so, weißt du, würden wir die Freunde mal in einer Reihe antreten lassen und würden sagen so, du ja, du nein, du ja, du nein.

Florian: Was für eine seltsame Idee.

Miriam: Geht gar nicht, ne? Also finde ich auch, es geht gar nicht. Nur für manche wäre es vielleicht hilfreich. Weil da ja auch manchmal so was Klebriges entsteht. Und ich möchte da einfach nur so ein bisschen Wachheit für erzeugen und ich finde, dafür dient das ganz gut. Ich meine, am Ende des Tages, wir könnten das sehr provokativ spielen, deswegen sage ich ja, dieser Podcast wird auch ein bisschen ketzerisch. Wir hätten das sehr viel provokativer spielen können und sagen können, pass auf, wir sind Trainer, wir haben das studiert und wir sagen dir, mach mal so. Sondern wir gehen da sanft mit um, weil wir die Menschlichkeit immer noch ins Zentrum rücken. Und weil wir auch immer noch glauben, dass ein Mensch, ein einzelner Mensch imstande ist, sein Glück zu machen, egal wer um ihn rum ist. Also wir wollen auch keine Abhängigkeit erzeugen von den Menschen, die nun mal gerade da sind. So, das würde mir stinken. Und ich finde es schön, da mal hinzuschauen. Das war es auch schon. Mehr ist diese Podcast-Folge gar nicht. Ich finde auch, es ist ein schöner Gedanke, um mal so ein bisschen reinzudenken. Mal die Lupe draufzutun. Mal hinzuschauen. Und es im Herzen zu bewegen. Und fertig ist der Lack. Weil wir dir zutrauen, dass du genau die richtigen Menschen um dich hast. Und dir die richtigen findest.

Florian: Dann sind wir fertig.

Miriam: Dann sind wir für heute fertig, aber nächstes Training am Mittwoch.

Florian: Was ist denn das?

Miriam: Am 10.03. geht es um kreativen Vortrag und kreatives Auftreten auf Social Media. Also es wird sehr creative und sehr lustig.

Florian: Am Mittwochabend, der Unterschied zur Facebook-Gruppe ist, in der Facebook-Gruppe sind eben viele Menschen gleichzeitig dabei und es ist eher, bis auf den Chat, eine Einbahnstraße. Also wir können dich leider nicht sehen. Im Training am Mittwoch schaffen wir in kleinen Videokonferenzräumen eben auch die Möglichkeit für den Austausch und wir sehen dich mal und du kannst deine Fragen stellen und wir gehen direkt auf dich ein.

Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.

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