NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 194

Wie planen, wenn alles ungewiss ist?

Wissen wir auch nicht so recht.

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In dieser Folge

Darum geht es

Wissen wir auch nicht so recht. Wir tun’s irgendwie. Und weil wir zu den Frechen in dieser Republik gehören, setzen wir unsere Pläne dann auch noch um!! So wie immer! Naja, nicht ganz. Verrückt an dieser Podcastfolge ist, dass ihr Thema uns von einer Instagram Followerin gestiftet wurde. „Man kann nichts planen. Alles ist ungewiss.“ Schrieb sie in ein Insta-Live von Miri hinein. Und das war – wie sollen wir es am besten formulieren – Butter bei die Fische. Denn dank dieses Kommentars war Miri und Florian klar: Da brennt derzeit der Busch. Die Followerin ist eine junge Frau, die gefälligst Pläne schmieden sollte. Will sie etwa nicht? Dann okay. Dann lassen wir sie und all die anderen in Ruhe. All jene, die einen (starken) Impuls von außen hernehmen, um sich in einer Endlosschleife in der Gegenwart zu strangulieren, zu schimpfen, zu hadern und NICHTS, aber auch GAR NICHTS dadurch bewegen, dass sie sich einreden, es ginge eben auch nichts. Denn in dem Augenblick, in dem Menschen ihrem Gehirn die Suggestion verpassen (egal ob von außen oder selbstgefrickelt): Im Moment geht gar nichts! – in dem Moment hört das Gehirn auch (sinnvollerweise) auf, nach Möglichkeiten zu fahnden. So, langer Rede, keine Tat? In dieser Podcastfolge schreiten wir zu Tat. Und wie. Und geplant haben wir ihn auch! Jawoll! Wenn auch recht kurzfristig. ;-) Miriam und Florian nehmen den Satz „Man kann im Moment nichts planen“ mit der NLP-Brille auseinander – das „man“, das „nichts“ und die Suggestion, die dahintersteckt. Es geht um Planen in unsicheren Zeiten, um ihre abgebrochene USA-Reise bei Richard Bandler, um Homeschooling, Abitur 2020 und einen Markenlaunch mitten in der Krise. Dazu Eisenhowers „Pläne sind wertlos, aber Planung ist essentiell“ und Václav Havels Gedanke zur Hoffnung. Und ganz praktisch: wie du mit kleinen, sicheren Plänen wie Aufstehen oder Zähneputzen dein Gehirn wieder ins Tun bringst.

Lesefassung

Das vollständige Transkript

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Kapitel dieser Folge
  1. Ich plane nix — oder etwa doch?
  2. Zurück aus den USA in eine andere Welt
  3. „Man kann nichts planen“ — der Satz unter der Lupe
  4. Klein planen, um wieder ins Tun zu kommen
  5. Vom Hülser Berg zum Vogel Strauß: Planen und Hoffen
  6. Hoffnung, Planung und ein T-Shirt-Shop

„Man kann im Moment nichts planen.“ Diesen Satz schreibt eine junge Frau in ein Instagram-Live — und er lässt Miriam nicht mehr los. Denn stimmt das überhaupt? Miriam und Florian nehmen den Satz Wort für Wort auseinander: das „man“, das „nichts“, und die Suggestion, die dahintersteckt. Zwischen abgebrochener USA-Reise, Homeschooling und einem Markenlaunch mitten in der Krise reden sie darüber, was du auch dann noch planen kannst, wenn scheinbar alles wackelt.

Ich plane nix — oder etwa doch?

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Ich plane nix.

Florian: Wie, du planst nix?

Miriam: Ich plane nix. Im Moment geht ja nicht. Im Moment ist ja sinnlos.

Florian: Was?

Miriam: Ja.

Florian: Natürlich können wir was planen.

Miriam: Also nur mal kurz aufzudecken. Herzlich willkommen in dieser Podcast-Folge. Die ja den hehren Namen trägt, wie Planen in unsteten Zeiten. Und wir nehmen dieses Thema ernster, als ihr das jetzt vielleicht glauben können wollen würdet nach diesem Start, weil bei uns im Leben normalerweise sehr viel geplant ist.

Florian: Ja, wir wissen genau, wann die Kinder in die Schule gehen dürfen, um wie viel Uhr die anfängt.

Miriam: Wann wir verreisen, wohin.

Florian: Weil es gibt diesen Schulferienkalender, wo drinsteht, wann haben die Kinder keine Schule. Wir legen unsere Termine entsprechend auch. Wir haben Einsätze vor Ort bei irgendwelchen Unternehmen.

Miriam: Ja.

Florian: Und jetzt gerade?

Miriam: Ja, ich hab, also, wenn ich das jetzt mal so sagen darf, das wurde uns alles entrissen.

Florian: Das wurde uns entrissen. Hahaha.

Miriam: Ich komme auf diesen Gedanken oder beziehungsweise das Thema dieses Podcast ist entstanden, weil ich gestern ein wunderschönes Insta-Live hatte mit unserer lieben Freundin und auch NLPlerin Christina und sie hat genau dieses Thema aus den Reihen ihrer Follower herausgespielt und das war ein Original-Posting von einer jungen Frau, die eben schrieb, man kann im Moment nichts planen. Das macht mich sehr unsicher. Wir haben uns das mal zu Herzen genommen, weil ich gestern in dieser halben Stunde auf Instagram nicht so auf einzelne Postings, die da gemacht wurden, eingehen konnte, zeitlich, wie ich das gerne gewollt hätte. Und dieser Satz ist mir sehr im Gedächtnis geblieben oder ich fühlte mich da berührt von. Und da habe ich Florian gesagt, ich würde gerne alle Podcast-Themen verschieben, alles, was wir geplant haben, über den Haufen werfen und jetzt dieses Thema machen.

Florian: Das heißt, wir hatten eine Planung.

Miriam: Ja, wir haben eine super Planung.

Florian: Die war auch sinnvoll.

Miriam: Wir haben eine Planung für unsere Podcast-Themen und die liegt gestaffelt nacheinander und wir haben vor der Krise hatten wir noch aufgerufen, unsere Hörer, dass die uns Themen schicken sollen und die habe ich alle notiert und die liegen alle hintereinander nummeriert in einem Plan vor, den wir haben und heute werfen wir diesen Plan über den Haufen und wir machen was anderes. Planen geht überhaupt nicht.

Florian: Viele Teile von meiner normalen Arbeit, wenn ich Coachings mache in Unternehmen, dann laufen die ja auch so, dass wir eben mit viel Unsicherheit umgehen dürfen. Also gerade in der Welt, in der wir aktuell sind, mit Kunden, die sich wahnsinnig schnell umentscheiden können, die vielleicht mehr online kaufen inzwischen als in normalen Geschäften. Mit Mitarbeitern, die eine große Freiheit verspüren manchmal, die sehr gut ausgebildet sind, mit Unternehmen, die auch noch nicht genau wissen, wo der nächste Umsatz liegt und eben Konkurrenz, die auch in die eine oder andere Richtung springen könnte, die sich auch ständig irgendwas Neues einfallen lassen. Dann sind wir in einer Welt, wo manche Menschen sehr viel Volatilität, also sehr viel Änderung wahrnehmen, wo sie sehr viel Unsicherheit wahrnehmen, wo Komplexität plötzlich auch da drin ist und auch eine Mehrdeutigkeit existiert. Also ich weiß auch gar nicht genau, ist das eine richtig oder ist das andere richtig? Es könnte auch beides richtig sein. Und damit dürfen wir ja irgendwie umgehen. Also so richtig geändert hat sich, finde ich, gar nichts.

Miriam: Soll ich dir was sagen? Die triggern damit ein Urbedürfnis bei mir.

Florian: Ja?

Miriam: Ja, wirklich. Mit dem, was die da im Moment machen, triggern die ein Urbedürfnis. Ich möchte gerne mein Leben kontrollieren. Ich möchte gerne wissen, was ich mache, was ich wann mache. Ich möchte es gerne vorher festlegen. Ich möchte mich nach meinem eigenen Plan orientieren. Ich will Termine ausmachen. Ich will die halten. Ich will pünktlich sein. All das. Und im Moment habe ich das Gefühl, dass mir an vielen Stellen graben, die mir quasi, wo ich stehe, den Erdboden unter den Füßen weg, was das angeht. Und deswegen kann ich das sehr gut nachvollziehen. Und ich jammer die ganze Zeit nicht. Ich jammer auch nicht auf Facebook. Jetzt im Podcast nehme ich mir mal die Zeit, die Minute und jammer hier mal richtig rum. Ich jammer jetzt mal eine Runde. Jetzt bin ich fertig. Nein, und wenn wir jetzt diese NLP-Brille wieder aufsetzen, das wollen wir ja in diesem Podcast tun, dann ändert sich die Sicht, das Gefühl und auch das, was wir wahrnehmen über diese Dinge plötzlich immens.

Zurück aus den USA in eine andere Welt

Miriam: Und Florian und ich erleben ja in dieser Zeit etwas, was wir selbst nicht erwartet hätten, als wir sehr überstürzt und mit gemischten, wirklich gemischten Gefühlen unsere Reise in die USA abgebrochen haben im März. Wir waren dort im Assistententeam von Dr. Richard Bandler, also von dem Mitbegründer des NLP, haben uns ein Jahr lang auf diese Reise gefreut und haben noch die Erwartung, dass viele unserer Teilnehmer, die ihre Trainerlizenz dort machen wollten, noch nachkommen und haben uns auf die gefreut und all das hat dieses Jahr nicht stattgefunden. Und als wir da jetzt daheim kamen, wussten wir schon im Flieger, und wir hatten zum Glück im Flieger ein bisschen Zeit, neun Stunden, wussten wir dann, wir fliegen jetzt in eine andere Welt zurück. Wir fliegen in eine andere Welt zurück, als von der wir weggeflogen sind.

Florian: Für mich ist es tatsächlich gar nicht so unterschiedlich im Vergleich zu dem, was ich wirklich erlebe in Unternehmen. Weil in vielen Bereichen ist einfach nicht klar, was morgen oder übermorgen passieren wird oder wie ein Kunde auf eine bestimmte Produkteigenschaft reagiert. Wenn jetzt so ein Unternehmen wie die Telekom oder wie Vodafone, so einen Mobilfunkanbieter, wenn die sich jetzt was Neues einfallen lassen und sagen, wow, was die Menschen brauchen, ist, jeder Hund sollte mit einem Hundehalsband ausgestattet sein, wo eine kleine Telefonkarte drin ist, sodass ich den Hund jederzeit anfunken kann, wo der gerade ist und vielleicht könnte es dann sogar passieren, dass die Hunde sich gegenseitig auch mal anrufen und sich so Bellonate machen miteinander. Dann kann ich mir überlegen, wie viele Hunde gibt es in Deutschland, wie viele von diesen Dingern könnte ich verkaufen? Ob das Ding dann gut angenommen wird oder nicht, das weiß ich ja am Anfang erstmal vielleicht gar nicht. Also vielleicht ist das ein Bedürfnis von Hundehaltern, dass ich sogar am richtigen Markt rausgearbeitet habe und vielleicht ist es was, wo ich nur mit ein, zwei Leuten gesprochen habe oder jemand, das klassische Beispiel... Eine Führungspersönlichkeit findet, das ist ein ganz großartiger Plan, das sollten wir unbedingt machen und hat überhaupt mit niemandem da draußen gesprochen. Nur manche von diesen Themen werden eben umgesetzt und dann dürfen wir damit umgehen, dass es irgendwie am Markt ankommt und wir dann schnell dafür sorgen dürfen, dass alle Hunde in Deutschland versorgt werden können oder damit umgehen dürfen, dass kein Hund das irgendwie haben will.

Miriam: Das ist ja keine gute Nachricht.

Florian: Ja, so. Nur, es gibt es in so vielen Stellen unseres Lebens, dass wir Pläne machen für bestimmte Dinge, dass wir Annahmen treffen darüber, wie die Welt funktioniert, dass wir uns darauf zurück besinnen, wie wir denken, dass die Welt zusammenhält und was wir denken, wie die Welt funktioniert und dann aus diesem Modell heraus eine Entscheidung treffen für die Zukunft. Und manchmal, das fühlt sich nach Planen an. Das ist Plan, genau. Das ist Plan. Und manchmal liegen wir halt daneben. Und ich weiß, ich habe noch nicht so richtig verstanden, was sich jetzt geändert hat in den letzten paar Wochen.

Miriam: Das kannst du doch so nicht sagen. Ey, wir bekommen Zuschriften, wenn du sowas sagst.

Florian: Was? Du bekommst Zuschriften? Miriam at kontext*denken.de. Das ist nicht wahr, was du jetzt gerade machst.

Miriam: Du hast eben gesagt, für dich fühlt es sich nicht besonders anders an. Ey, Florian, das kann doch nicht sein. Guckst du keine Nachrichten oder was?

Florian: Natürlich hat sich alles da draußen einmal gedreht. Ich weiß auch nicht, wo mein nächster Kunde herkommt oder wo ich nächste Woche bin. Normalerweise, viele von meinen Aufträgen sind tatsächlich über drei bis sechs Monate, manchmal zwölf Monate stabil. Das heißt, ich weiß, ich habe einen bestimmten Kunden, bei dem bin ich so und so oft in der Woche oder im Monat, eben über ein Jahr oder manchmal auch über zwei Jahre. Das weiß ich im Moment tatsächlich auch noch nicht.

Miriam: Das stimmt. Also wenn wir uns jetzt fokussieren auf, was ist bei uns anders geworden, eine Menge.

Florian: Also es hat sich sehr viel verändert. Da bin ich voll dabei. Gut, okay. Ich weiß auch noch nicht, wann die Kinder das nächste Mal wieder in die Schule gehen.

Miriam: Ja, das stimmt. Wir machen Homeschooling, wie alle.

Florian: Nur, was ich ja weiterhin als planbar halte, ist, dass sie einen Abschluss in der Schule machen.

Miriam: Das würdest du mal ganz mutig jetzt planen wollen. Das würdest du mal ganz mutig planen wollen, ja. Und zur Not dann halt mit uns als Lehrern. Wir sind jetzt acht und zwölf. Ja, da ist noch ein bisschen Zeit. Da ist noch ein bisschen Raum, ja. Das stimmt.

„Man kann nichts planen“ — der Satz unter der Lupe

Miriam: Also was mich an diesem Satz, ich würde gerne mal auf diesen Satz eingehen, man kann im Moment nichts planen. Man kann im Moment nichts planen. Da sind zwei wirklich offensichtliche, sprachliche Stellen drin, die super, super spannend sind für NLP.

Florian: Nämlich dieses Mann. Wer denn jetzt genau kann nichts planen? Weil manche Menschen sind in der Lage, Pläne zu machen.

Miriam: Wir kennen im Moment viele Menschen, die Pläne machen, unter anderem auch uns selbst. Also wir haben, nachdem unsere alten Pläne nicht mehr relevant waren, die wir gemacht hatten für dieses Jahr oder viele davon, haben wir angefangen, neue Pläne zu machen. Und wir haben anders geplant und wir haben uns hingehockt und haben uns die Mühe gemacht sozusagen zu überlegen, was können wir denn jetzt planen, was können wir nicht planen und tatsächlich fängt es sehr kleinteilig an. Wir können zum Beispiel nach wie vor und unverändert planen, wann wir morgens aufstehen wollen. Das ist bei Florian und mir recht unterschiedlich und wir können es planen. Im Moment stehen wir früh auf, weil zu dem Zeitpunkt, wo wir den Podcast machen, geben wir gerade ein NLP-Basics-Seminar online, das wir normalerweise oder früher bis jetzt immer in unseren Räumen gegeben haben. Und jetzt geben wir es online und morgen um 9 geht es weiter. Das heißt, ausschlafen können wir beide nicht morgen, zumindest nicht so richtig. Und wir werden uns einen Wecker relativ früh stellen zu unseren Verhältnissen.

Florian: Nur wir können den Plan machen.

Miriam: Wir planen das und das wird auch funktionieren. Also das ist ziemlich wahrscheinlich, dass uns das beiden gelingt hier morgen pünktlich. Florian ein bisschen mit zugequollenen Augen, nur ansonsten pünktlich. Das sieht sehr sexy aus.

Florian: Ich habe es nicht gewertet.

Miriam: Es ist sehr schick. Das heißt dieses, also Mann, wer genau, wir kennen Menschen, die planen. Florian und ich planen, wir haben sehr viele Menschen in unserer Umgebung, die machen Pläne. Die machen Pläne im Kleinen wie im Großen. Also die machen jetzt auch schon Pläne für das Jahr 2021 zum Beispiel. Also die überspringen fast ein ganzes Jahr einfach jetzt mal so locker und sagen, gut, mit meinem Unternehmen dieses Jahr ist nicht mehr viel zu machen, plane ich jetzt mal fürs nächste Jahr. Und machen weiter Pläne. Oder es gibt Menschen, die planen eben jetzt ihr Privatleben ganz anders. Sie planen anders als vorher, nur sie planen es weiterhin.

Florian: Und ich verstehe, dass es für viele Menschen wichtig ist, auch was zu haben, eine Struktur zu haben im Leben, wo wir uns daran festhalten können, wo wir so eine Regelmäßigkeit drin haben, fast schon so wie ein Herzschlag, wo du weißt, wann du morgens aufstehst, du weißt, wann du ins Bett gehst, du weißt, was es zum Essen gibt, du weißt, dass es bestimmte Eckpfeiler im Leben gibt, die sicher sind, die stabil sind und an denen kannst du dich ja entlanghangeln, nur viele andere Sachen sind im Moment eben sehr in der Hand von anderen Menschen drin, ja.

Miriam: Oder eben anders planbar, als es bisher war. Auch das können wir ja mal so sagen. Und wenn dann eben dieses Mann kann nichts planen, dann wären wir dann bei dem Wort nichts. Nichts ist ja auch ein Alleslöscher. Das heißt, es gäbe dieser Äußerung nach überhaupt gar keine Pläne da draußen, dann würde ich sogar bezweifeln, und das ist jetzt eine These, weil wie gesagt, ich konnte mit der jungen Dame, die das gepostet hatte, gestern nicht persönlich sprechen. Wenn das der Fall wäre, würde ich sie ja fragen. Planst du im Moment gar nichts? Also nicht mal, dass du dir die Zähne putzt? Oder dass du dich anziehst? Dass du irgendwas anziehst?

Florian: Weißt du, was das geil wäre? Wenn die Leute tatsächlich da draußen gar nichts planen könnten, dann hätten wir diese Toilettenpapier-Krise nie gehabt. Das stimmt. Weil die überhaupt nicht drüber nachgedacht hätten, dass die irgendwann mal puh müssen. Also, um in achtjährigen Sprache zu bleiben.

Miriam: Ja, wie auch immer du es drehst. Also, es stimmt. Das heißt, sehr, sehr viele Menschen...

Florian: Haben schräge Pläne gemacht. Haben gedacht, sie gehen jetzt in den nächsten acht Wochen 70.000 Mal auf Toilette.

Miriam: So, warum gehen wir jetzt so genau und so klein gefuddelt auf diesen Satz ein? Könntest du dich zurecht fragen beim Zuhören? Ist auch legitim. Freuen wir uns auch drüber, weil da fängt NLP so richtig an. Weil wir mit so einer Äußerung, die wir zum Beispiel in so einen Chat schreiben oder auf Social Media posten oder noch schlimmer uns selbst sagen, also uns selbst in unseren Gedanken denken, das ist ja auch schon eine Art von Sprache. Damit bestimmen wir ja unsere Emotionen mit. Also wie geht's dir gerade? Was sagst du dir gerade, wenn du mit dir alleine bist? Was denkst du dann so in deinem Kopf? Welche Sätze? Und das ist ja eine krasse Aussage. Das ist ja wie eine Suggestion, würden wir sagen. Bedeutet ja tatsächlich gar nichts. Also niemand plant nichts da draußen. Und wenn das die Welt wäre, in der ich jetzt im Moment mich fühlen würde, dann würde ich meinen Hintern tatsächlich vom Sofa nicht hochbekommen.

Florian: Dabei planen doch viele Menschen da draußen und viele Unternehmen auch. Also ich weiß, dass bestimmte Unternehmen offen haben zu bestimmten Zeiten regelmäßig, so wie immer. Wir haben eine sehr gute Bekannte, die auch Friseurmeisterin ist und ihren eigenen Laden hat und die plant schon seit Wochen, wie die damit umgeht, sobald sie die Erlaubnis bekommt, dass sie wieder öffnen darf. Heute war es soweit.

Miriam: Alles super gelaufen. Also, es kann Momente geben und ich weiß, dass gestern sehr viele sehr junge Menschen in diesem Chat waren, wo es jetzt um zum Beispiel so Themen geht wie Abitursprüfung dieses Jahr oder Uni-Abschlussprüfung oder Berufsabschlussprüfung. Studium, ja klar. Und da ist natürlich jetzt sehr vieles noch ungewiss, weil eben auch in den Universitäten, wir haben selbst auch mit einem Dozenten an der Universität lieben Kontakt, das ist ein lieber Freund von uns. Der uns mal so geschildert hat, was da im Moment auch hinter den Kulissen abläuft. Also wie die verzweifelt fast versuchen, irgendwas zu planen, damit die wieder Studenten in Hörsäle lassen können und und und. Und in welchen Mengen und mit welchen Abständen und wie auch immer. Nur die planen da auch was. Also das ist denen gerade, das macht denen keine große Freude, so wie er klang und so wie er darüber sprach. Nur sie planen was und sie machen aus dem, was sie haben, jetzt halt irgendwelche Möglichkeiten, die dann irgendwie genutzt werden können. Es gibt sozusagen immer eine Option. Es könnte ja auch passieren, dass jetzt vielleicht einige Abiturienten, und das glaube ich ist nicht mal geplant, ich glaube die planen Abi. Also sowas, was ich mitbekommen habe da draußen, Abitur soll stattfinden.

Florian: Ja, so habe ich das auch verstanden.

Miriam: Das heißt, es ist jetzt vielleicht sehr viel mehr bei den Schülern selbst, sich gut auf diese Prüfungen vorzubereiten. Also sehr viel mehr Eigeninitiative gefragt, mit den Lehrern Kontakt aufzunehmen, sich Material zu besorgen, gezielt zu lernen.

Florian: Wenn wir da jetzt so drüber reden, wäre sicherlich der eine oder andere im Raum, der sagt, das tut denen bestimmt gut fürs restliche Leben.

Miriam: Weiß ich nicht, will ich auch gar nicht beurteilen. Fakt ist, dass es so ist, wie es ist.

Florian: Also es ist auf jeden Fall anders als letztes Jahr.

Miriam: Es ist anders als letztes Jahr und dieser Abitursjahrgang wird in die Geschichte eingehen. Ich meine, da hat doch noch keiner drüber nachgedacht. 2020 auf dem Abi stehen zu haben, Abi 2020 auf dem Auto zu haben.

Florian: Weißt du, was auch das Geile ist? Die Lehrer sind bestimmt viel kulanter als die letzten Jahre.

Miriam: Hab ich mir auch schon überlegt.

Florian: Ja?

Miriam: Hab ich mir auch schon überlegt, ob die einfach netter sind. Das kann ja sein.

Florian: In Bayern, nicht da, in Bayern, und da hab ich ja auch mein Abitur gemacht, da ist immer hammer schwer.

Miriam: Luxus-Abitur gemacht, möchte ich sagen. Soll ich jetzt sagen, wo ich mein Nö mach ich nicht. Ja.

Klein planen, um wieder ins Tun zu kommen

Miriam: Also das ist das, worauf wir sozusagen raus wollen, weil was nutzt es, also wirklich, wozu würde ich mir, wenn ich jetzt so einen Plan hätte, wie ich mache dieses Jahr Abi, wozu würde ich mir dann einreden wollen, dass nichts planbar ist? Damit würde ich ja sozusagen viel Motivationsenergie rausnehmen aus dem, was vielleicht noch da ist oder was jetzt möglich ist. Ich mag es total und das ist jetzt vielleicht schon ein Schritt zu weit für diesen Podcast, nur ich würde es gerne hergeben, weil es passt jetzt wirklich gut zu den Bedürfnissen scheinbar. Ich finde es voll gut, wenn Menschen anfangen, sich in einer solchen Situation, in der erstmal alles nicht mehr so ist, wie es war oder es scheint so, als wäre alles nicht mehr so, sich Gedanken machen über, was kann ich denn jetzt tun, was kannst du jetzt tun, um diesem Ziel einen Schritt näher und noch einen Schritt näher zu kommen.

Florian: Also wenn das Ziel wäre, zum Beispiel Abitur zu machen, oder? Dieses Jahr.

Miriam: Das kann ja auch sein, dass manche sagen, den Kram mache ich nicht mit, ich mache einfach nächstes Jahr Abi, ich bleibe jetzt mal sitzen. Ich falle jetzt mit Absicht durch.

Florian: Ich habe auch gelesen, dass manche Lehrer gesagt haben, manche Schüler sind verschwunden.

Miriam: Die sind recht.

Florian: Naja gut, wenn die online nicht mehr auftauchen, dann kann man natürlich versuchen, über die E-Mail-Adressen mit den Eltern in Kontakt zu treten oder per Telefon. Nur wenn die ständig Verbindungsherausforderungen haben in den Videokonferenzsystemen oder so, oder die E-Mails verschütt gehen, es ist halt anders, als wenn die Schüler vor Ort sind und im Klassenzimmer sitzen müssen.

Miriam: Ich weiß nicht, was ich, wirklich, ich darf mich jetzt hier nicht um Kopf und Kragen reden, wirklich.

Florian: Also ich finde es hat, und das ist ja... Komm, du hast doch, Florian, du hast doch nie blau gemacht. Ne, hab ich nie.

Miriam: Gut, hätte ich dir jetzt auch nicht zugetraut.

Florian: Irgendwann konnten wir ja dann selber Entschuldigungen schreiben. Das war ja dann nicht blau gemacht.

Miriam: Achso.

Florian: Da gab es ja dann gute Gründe.

Miriam: Florian ist halt NLPler, der jongliert da mit der Realität.

Florian: Ich erinnere mich gut daran, ich habe eine Deutschklausur tatsächlich leer abgegeben. Weil ich am nächsten, also die Deutschklausur war am Dienstag und am Mittwoch hatte ich eine Chemieklausur. Also gerade in der, ich bin in Bayern aufgewachsen, Chemie. Das war gerade so in der Abiturvorbereitungszeit und es war mir wichtiger, in Chemie eine gute Note zu haben. Und deswegen habe ich einfach die Deutschklausur leer abgegeben. Und die Deutschlehrerin kam, die mochte mich sehr gerne und kam dann zu mir und ich saß schon da, also ich musste bleiben für anderthalb Stunden und hab dann einfach ein Buch rausgeholt und hab was gelesen, weil ich hatte ja was zu tun für den nächsten Tag. Und die Lehrerin kam wirklich zu mir und hat gesagt, Florian, in zehn Jahren wirst du dich daran noch erinnern.

Miriam: Offensichtlich.

Florian: Und ich erinnere mich da tatsächlich auch noch dran.

Miriam: Auf deine Karriere zumindest keinen Einfluss gehabt. Ja, also dieser Grundimpuls sozusagen darüber nachzudenken, was kannst du jetzt tun oder den Gedanken eher sogar ins Ich zu holen, was kann ich jetzt tun, damit ich diesem Ziel, Abitur, Uniabschlussprüfung, näher komme, was kann ich anderes tun, damit ich diesem Schritt, das wäre auch noch eine schöne Frage, als sonst, um diesem Ziel näher zu kommen, wenn die Entscheidung denn feststünde und das liegt ja ganz bei dir auch wieder. Welche Pläne willst du schmieden?

Florian: Was ist gerade wichtig auch?

Miriam: Was ist gerade wichtig für dich?

Florian: Was ist für dich wichtig?

Miriam: Wenn du sagst, dieses Jahr Abi ist gar nicht so wichtig, dann gönne ich mir lieber jetzt hier mal einen Sommer auf der Couch.

Florian: Bruder, es ist kein populärer Podcast.

Miriam: Ne, das ist kein populärer Podcast. Hallo, das könnte ja dahinter stecken, wenn du natürlich sagst, ich will hier jetzt mal, also ich bin da jetzt dabei, volle Lotte, ja, dieses Jahr Abi, was kannst du jetzt machen? Und dadurch, dass es ja da draußen Menschen gibt, die offensichtlich trotz der bestehenden Umstände sehr erfolgreiche Pläne, nicht nur schmieden, sondern die dann auch umsetzen. Also es gibt da draußen Menschen, die haben jetzt neue Unternehmen gegründet.

Florian: Crazy.

Miriam: Es gibt jetzt Menschen, die verdienen mehr Geld als vorher. Es gibt jetzt Menschen.

Florian: Ja, das sind ja nur Profiteure von der Krise jetzt.

Miriam: Jetzt ernsthaft oder was?

Florian: Ja, das ist ja das, was dann oftmals als Kritik kommt.

Miriam: Entschuldige mal, unsere Nachbarn, ne? Unsere Nachbarn hier direkt nebenan. Also Florian und ich haben bewusst keinen Garten, unsere Nachbarn haben einen Traumgarten. Wirklich einen großen Traumgarten. Und die haben das Haus übernommen, da war der Garten noch nicht so traumhaft. So jetzt haben die wirklich in harter Arbeit Wochenends immer so gefühlt einen Quadratmeter von diesem Garten hergerichtet. Boah, das war, also es hat sich bewegt. Wir können das von unserem Badezimmerfenster aus beobachten. Und wir haben wirklich teilweise da zu viert gehockt und haben uns angeguckt, was das für eine Arbeit ist. Und jetzt in dieser Corona-Zeit haben die diesen Garten binnen zwei Wochen zu einem Paradies gezimmert. Und sie waren dabei nicht alleine. Sie hatten zum Beispiel Handwerker da, die denen geholfen haben bei bestimmten Sachen, beim Gartenteich und bei der Pergola oder was sie da aufgebaut haben, hatten die Handwerker. Und diese Handwerker durften weiter arbeiten die ganze Zeit. Und so wie ich das empfangen habe von Kollegen oder von Freunden von uns, die wir haben, die können sich vor Aufträgen im Moment nicht retten. Die wissen nicht, wo sie anfangen, wo sie aufhören sollen. Weil die Leute jetzt oder manche Leute haben jetzt auch Zeit, um sich um Projekte zu kümmern, die eben vorher nicht da waren.

Florian: Ja, nur was, wenn ich jetzt irgendwie, also das, was ich da in so einer Aussage auch vermute, ist halt, dass der eine oder andere einfach nicht weiß, wo das nächste Essen herkommt oder wo die Miete für den nächsten Monat herkommt oder solche Geschichten halt. Also eine viel größere, also ob der Garten jetzt diesen Monat fertig wird oder im Juli.

Miriam: Das ist schon wichtig im Sommer.

Florian: Also es ist auf jeden Fall, tatsächlich haben die Großartiges geleistet und sind da von morgens bis abends immer drin gewesen. Also haben die Zeit jetzt insofern sehr gut genutzt, um was fertig zu bekommen, was sonst vielleicht viel länger gedauert hätte. Das ist ja genau das gleiche wie mit dem Abitur.

Miriam: Das stimmt. Und ich kann sozusagen jetzt nur sagen, dass Florian und ich auch die Wahl gehabt hätten zwischen, wir gehen in eine Insolvenz oder wir packen jetzt halt irgendwas an. Also wir verzweifeln jetzt nicht und sagen, das, was vielleicht noch da wäre, ab, weil es ganz anders nur stattfinden konnte, als wir es ursprünglich geplant hatten. Also es ging einfach nicht so, wie wir es haben. Wir haben ein Akademiegeschäft. Wir haben normalerweise Leute in unseren Räumen sitzen. Wir haben einen Markenlaunch geplant, mitten in die Krise rein. Wo uns alle Unternehmensberater gesagt hätten, verschieben, verschieben, verschieben.

Florian: Verschieben auf nächstes Jahr. Also wir verkaufen keine Atemmasken oder keine Desinfektionsmittel. Oder kein Toilettenpapier. Oh, Toilettenpapier wäre super gut gewesen.

Miriam: Und ich glaube jetzt nicht, dass wir irgendwie die Wunderbewirker vorm Herr sind, sind wir auch nicht. Wir strugglen auch immer noch genug und machen auch andere Erfahrungen als Erfolg in dieser Zeit. Also es ist beides da. Und ich will auch nicht irgendetwas schönreden, was jetzt da draußen kritisch wird so langsam. Auf der anderen Seite sind wir ja jetzt an einer Stelle, wo es scheinbar wieder besser wird. Also das merken wir zum Beispiel an dem Friseursalon von unserer Friseurin, die mir definitiv gesagt hat, wenn das bis Juli geht, bin ich pleite.

Florian: So jetzt ist es Mai, dann sozusagen alles nochmal gut gegangen, ne?

Miriam: Ja genau, alles nochmal gut gegangen.

Florian: Und sicherlich auch unangenehm die Zeit zwischendurch.

Miriam: Weil mit was trösten? Weil sie ja auch erst vor einer Woche erfahren hat, dass sie den jetzt wieder öffnen darf, den Laden. Es war ja alles nicht festgelegt. Jetzt ist er offen. Und ich glaube, dieses Vertrauen auf, das kann alles auch wieder vielleicht anders gut werden.

Florian: Weißt du, was ich richtig bitter fände? Also was ich, wo ich sagen würde, da geht es dann rein in, da sind Unternehmen dann auch seltsam aufgestellt. Wenn jemand sagen würde, ich kann ja nichts planen, deswegen mache ich nichts und dann, also wie zum Beispiel so eine Friseurin oder ein Friseur, der jetzt einen Laden hat. Und würde sagen, boah ey, unplanbar, was da zu tun ist und stellt dann sozusagen heute Morgen fest, dass die das tatsächlich ernst gemeint haben, dass die heute die Läden wieder öffnen dürfen und geht dann auf die Finde nach, oh ja, den Laden wollte ich noch putzen und dann darf ich mir da ja noch Öffnungszeiten überlegen und ich darf mir noch überlegen, wie ich das absichere. Das ist halt das, was in dieser Nichtplanung auch möglicherweise drinsteckt. Also eben eine Untätigkeit, die für mich ist das Wort tatsächlich die Unangebrachte. Weil wir können eben Dinge tun. Also möglicherweise, und vielleicht ist es halt so, so merken Miriam und ich das ja im Moment auch, der ein oder andere Plan geht mehr über die Wupper, als wir das bisher hatten. Wir stecken zum Teil viel Zeit oder haben viel Zeit in bestimmte Dinge gesteckt, die jetzt einfach nicht realisiert wurden. Nur so ist das vielleicht ja auch mit den Plänen einfach. Manchmal macht man ja Pläne im besten Wissen und in der besten Hoffnung von einer bestimmten Situation, wie sie vielleicht eintritt und dann passiert halt was anderes. Wenn ich mit Geschäftskunden, habe ich oft die Zitate von Dwight Eisenhower, von einem ehemaligen Präsidenten der USA, der mal gesagt hat, Pläne sind wertlos, aber Planung, das ist essentiell. Also die Tätigkeit, eben bestimmte Pläne zu machen, sich vorzubereiten auf bestimmte Sachen, eine Idee zu haben, irgendwas tun zu wollen und dann daran zu arbeiten, das umzusetzen und möglicherweise passiert es dann halt anders. Nur die Planung ist wirklich essentiell, weil wenn was Unvorhergesehenes passiert, dann ist es halt unvorhergesehen. Also wir können nicht 100% dafür abplanen.

Miriam: Und das haben wir alle in unserem Leben schon geübt. Weil es gab auch immer schon und vor dieser Krise Situationen, wo Dinge nicht so gelaufen sind, wie wir uns das vorstellen.

Florian: Bestimmt ist der eine oder die andere schwanger geworden zu einer Zeit, wo er oder sie das nicht gedacht hat.

Miriam: Was hast du denn jetzt schon wieder für Beispiele an der Hand?

Florian: Das wäre ja auch sowas, wo du sagst, plötzlich, da hast du vielleicht Pläne gemacht in den nächsten zehn Jahren, irgendwie ein Juppie-Leben zu leben ohne Kinder.

Miriam: Und das sind weltbewegende Veränderungen. Ja, absolut. Also das ist jetzt mal so gar nicht zu unterschätzen.

Florian: Also wirklich, bevor ich Miriam kennengelernt habe, dachte ich, dass ich in diesem Leben ohne Kinder lebe. Und jetzt habe ich plötzlich zwei, also zwei Leihkinder. Nur jetzt sind die halt da. Und dann sind manche von den Plänen, die damals waren, habe ich inzwischen angepasst.

Miriam: Das stimmt.

Florian: Und auch das gehört, glaube ich, zu den Plänen einfach dazu, dass da draußen Gott sei Dank was passiert, weil ansonsten fände ich das auch ziemlich langweilig.

Vom Hülser Berg zum Vogel Strauß: Planen und Hoffen

Miriam: Das stimmt. Und manchmal ist es ja auch einfach aus diesem, dadurch, dass du kleine Dinge planst, also jetzt nicht gleich den Mount Everest besteigst, sondern dass du erstmal vielleicht hier im Rheinland auf den Hülser Berg kletterst oder so.

Florian: Der hat glaube ich stolze 47 Meter über dem Meeresspiegel oder so.

Miriam: Sozusagen, dass wir anfangen, wenn so ein Gefühl da wäre bei jemandem jetzt, der diesem Podcast zuhört und der dieses Gefühl vielleicht gekannt hat in den letzten Tagen, dass du dein Gehirn wieder in Richtung Planung motivierst, indem du erstmal wieder anfängst, kleine Dinge zu planen, wie Zähneputzen oder morgens aufstehen oder bestimmte Dinge im Haushalt zu einer bestimmten Zeit zu erledigen. Das funktioniert, weil das Gehirn wieder in diesen Modus einsteigt von ich plan was und es findet auch wirklich statt. Ich plan was und es findet statt. Ich plan was und ich führe das durch.

Florian: Du planst was und du machst es. In einer Fortbildung haben wir mal alle Bleistifte in die Hand genommen und haben gesagt, ich lasse jetzt diesen Bleistift fallen und haben dann den Bleistift fallen lassen. Um die Gehirne wieder dran zu gewöhnen, dass das, was du sagst, dass du das dann tust. Und sowas ähnliches ist das. Das ist es.

Miriam: Diese Kleinigkeiten. Das funktioniert hervorragend, wenn du das mal zwei Tage gemacht hast. Also wirklich aus diesem Gefühl rauszugehen und zu sagen, okay, nicht der Mount Everest, wir nehmen erstmal den Hülser Berg und fangen mal wieder an, kleinere Sachen zu planen. Und aus dieser Tätigkeit heraus, weil wenn das Gehirn eh schon mal dabei ist, das ist verrückt, was dann passiert, dann laufen diese Maschinen plötzlich wieder an, das knirscht erst so ein bisschen, weil das so rostig war, nur auf einmal laufen die wieder an und dann drehen die Zahnräder sich und dann drehen sich größere Zahnräder und dann auf einmal kommen Ideen und aus Ideen werden meistens Pläne und Pläne, da gibt es auf einmal ganz neue Möglichkeiten. Und für mich bleibt es immer noch eine Entscheidung zu sagen, kein Abi. Es geht. Dieses Jahr. Nur, wenn du es haben wollen würdest, wäre sozusagen die Idee, was kannst du jetzt tun?

Florian: Und dann eben möglicherweise gibt es dann eben äußere Faktoren, die das beeinflussen und wo es dann doch nicht klappt, nur dann wäre es eben eine Vorbereitung aufs nächste Jahr. Ja. Also das ist ja auch das, was dann da ist. Im Englischen wird manchmal auch von Serendipity gesprochen, also so ein Glück, das entsteht, weil man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und irgendwie so die Sachen einem zufallen. Das ist ja tatsächlich was, was einfach dadurch entsteht, dass Menschen Dinge tun. Also, dass es dann das Mantra ist, tu was, mach was, nimm dir was vor und in den Bereichen, wo du es eben sehr gut im Griff hast, wo du sagen kannst, ah, da höre ich sehr genau für mich hin, was es zu tun und kann das dann auch direkt umsetzen, kann mir das auch selber sagen oder ich sehe vor mir, welche Schritte genau zu tun sind und gehe die dann ab. Da dann das eben zu nutzen und in anderen Gebieten ist es für mich ist die Metapher inzwischen fast schon sowas wie eine Investition. Also ich, bestimmte Pläne, die Miriam und ich jetzt gemacht haben in den letzten Wochen, waren halt risikoreicher als andere Pläne. Nur wir hatten Spaß dran, die zu machen, weil wir irgendwie begeistert waren von dem Plan an sich. Jetzt ist es leider nichts geworden mit dem Schwimmbadbesitzer.

Miriam: Ja, naja.

Florian: Vielleicht nicht die richtige Zeit, um ein Schwimmbad zu starten jetzt. Nur Lust hätten wir darauf schon gehabt. Und dann ist es eben das ein oder das andere, was im Moment nicht geht oder wo wir sagen würden, ja, das ist mir jetzt zu viel Risiko drin, ein Schwimmbad aufzumachen, ist vielleicht jetzt nicht die richtige Zeit. Wobei, möglicherweise, ne?

Miriam: Wer weiß.

Florian: Wer weiß, wie viele Leute, wenn es dann wieder erlaubt ist, dann eben auch gerne solche Freizeitaktivitäten nutzen. Und das ist ja eine Abwägung, die du dann für dich machst. Welche sicheren Pläne machst du ab jetzt wieder? Sowas wie das Frühstück? Ein Stift in die Hand nehmen, was schreiben oder dir was vornehmen, wo du die volle Kontrolle, du selber ja drüber hast, dass dieser Plan Realität wird? Und wie viele Pläne möchtest du machen in bestimmten Bereichen, wo es eher so ist, mal schauen, was passiert, mal schauen, welche von denen dann tatsächlich umsetzbar auch sein werden, wenn alle Vorbereitungen dafür getroffen sind?

Miriam: Also ich mag den Impuls sehr gerne und wenn ich zu so einem Interview gebeten werde wie gestern auf Instagram und darf genau über dieses Thema sprechen, nämlich dieses, was können wir denn überhaupt tun, dann gibt es für mich dort eine relativ große Palette, die eben, und da darf ich sozusagen oder darf jeder Mensch, glaube ich, für sich einfach einen positiven Weg zu finden, einen Weg, der zu einer Tat führt. Also wie kannst du dich am besten motivieren? Was bringt dich normalerweise dazu, dass du deinen Hintern in Bewegung setzt? Was bringt dich dazu, dass wir dich nicht nur jammern hören und nicht nur reden hören, sondern dass wir Taten sehen? Was bringt uns, Florian und mich dazu, dass wir uns hinsetzen und weiter Podcasts aufnehmen, dass wir auf Facebook live gehen, dass wir Trainings geben online, dass wir die hart vorbereiten, dass wir Spaß dabei haben, dass wir hier unterm Tisch liegen, voll lachen, streckenweise, manchmal auch richtig, richtig angestrengt arbeiten im Moment. Ich habe das Gefühl, ich habe noch nie so viel gearbeitet wie jetzt in dieser Zeit. Und ich hätte das nicht gewusst. Ich hätte dir das nicht sagen können, als wir in diesem Flieger saßen und aus den USA zurückgeknattert sind. Ich hätte es dir nicht sagen können. Es wäre mir nicht klar gewesen. Und jetzt schon kann ich auf die letzten Wochen rückblickend... Mit viel Gewissheit, mit viel Ungewissheit in der Zukunft kann ich sagen, wir tun im Moment sehr erfolgreich Dinge und wir tun sie. Und wir haben klein angefangen. Wir haben angefangen, uns auf kleine Zettelchen aufzuschreiben, was im Moment so gehen würde.

Florian: Was könnten wir denn tun?

Miriam: Was geht denn überhaupt?

Florian: Das ist fast schon wieder das Spatz-in-der-Hand-Prinzip.

Miriam: Im Grunde ist es das. Und mittlerweile habe ich das Gefühl, dass diese Spatzen in der Hand irgendwie Zaubervögel sind. Da können Paradiesvögel draus werden, da können Schwanen draus werden. Das ist der größte Vogel der Welt. Ein Vogelstrauß in der Hand ist allemal besser als die Taube auf dem Dach. Und ich bin mittlerweile dort angekommen, dass ich sage, jawohl, so ist es.

Florian: Wenn du einen Vogel Strauß in der Hand haben möchtest, dann ist es vielleicht eine gute Idee, entweder in den Zoo zu gehen, wo es die gibt, oder in ein Land zu fahren, wo es die gibt. Zumindest Unterarten davon, auch sowas wie Nandu oder so. Wo man eben solche Vögel auch trifft. Also es ist auf jeden Fall was zu tun. So wie eben auch sehr viel wahrscheinlicher ist, dass ein Vogel in die Hand kommt, wenn man da ein bisschen Vogelfutter drin hat, ne? Oder wenn man eine Disney-Prinzessin ist.

Miriam: Ja, denen fliegen die Vögelchen ja auch auf den Kopf.

Florian: Genau.

Miriam: Und dann singen die zusammen.

Florian: Weil das ist ja, was ist die beste Hoffnung? Das trägt mich als Begriff auch in den letzten Wochen sehr, dass ich das Gefühl habe, wir können ja im Moment nur hoffen und bestimmte Dinge eben annehmen und trotzdem was tun. Ja.

Miriam: Herrlich, also wenn jetzt wir nochmal zurückkommen auf dieses, was ist im Moment alles wirklich planbar, dann wäre, wenn du diesen Podcast jetzt für dich benutzen wollen würdest, weil du es einfach satt hast, dann könntest du sowas tun, wie dich heute Abend noch oder wann auch immer du diesen Podcast hörst, morgens früh, dich hinsetzen und dir eine Liste erstellen von Dingen, die du jetzt definitiv sehr realistischerweise planen kannst. Und dann kannst du daraus die Juwelen rauspicken. Von mir aus wär's das.

Florian: Von dir aus wär's das.

Miriam: Ich mache auch weiter.

Hoffnung, Planung und ein T-Shirt-Shop

Florian: Mir ist tatsächlich noch was Ungeplantes eingefallen, weil mich das gerade so daran erinnert hat. Und das ist dann das Schlusswort zum Podcast. Zwei Gehirne, ein Podcast, nächsten Dienstag wieder. Václav Havel hat mal so schön gesagt, was Hoffnung für ihn ist. Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht. Und so wäre das eben auch mit dem Planen. Planen ist nicht die Überzeugung, dass etwas tatsächlich so stattfinden wird, wie wir es planen, sondern die Gewissheit, dass es Spaß macht oder Begeisterung macht, dass es einen Sinn ergibt, den Plan so vorzubereiten und das alles zu tun. Und dann finden wir raus, was passiert. Und das ist ja auch das, was dann spannend vielleicht ist oder wo auch die ein oder andere Überraschung drin ist.

Miriam: Florian, darf ich dir mal was sagen? Du bist voll schlau.

Florian: Ich bin schon gespannt, was nächstes Wochenende passiert.

Miriam: Ich lasse mir da ein T-Shirt von drucken.

Florian: Ja? Ja. Na dann. Okay, ich habe schon wieder einen Plan. Ein T-Shirt-Shop.

Miriam: Ich habe einen T-Shirt-Shop. Wir können einen T-Shirt-Shop aufmachen.

Florian: Du, wir haben irgendwo noch alte Designs für die Kontext NLP T-Shirts.

Miriam: Florian ist der Einzige in dieser Sippe, der ein T-Shirt besitzt mit unserem Logo drauf. Das ist schon echt. Ach, es ist ja bald Muttertag.

Florian: Wir hören uns nächste Woche wieder.

Miriam: Genau. Bis dann. Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.

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