NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 66

Wenn's mal reicht - reingrätschen oder laufen lassen?

Jetzt anhören

Direkt hier starten oder später im Transkript weiterlesen.

In dieser Folge

Darum geht es

Neulich auf Facebook: Miri streamed live und es gibt einen Zuschauer, der den Stream für Werbung seiner alkoholischen Getränke "missbraucht". Miri geht immer sehr liebevoll mit all den unterschiedlichen Menschen auf Facebook um. Doch was währende dieses Live-Streams geschah.... Na, hör am besten selbst in den aktuellen Podcast. Gelegentlich gab es sie vielleicht auch bei Dir schon mal - diese Situationen, in denen eine Diskussion ausuferte, zum Streit wurde und einfach, wie in einer Dauerschleife, weiter und weiter lief. Die Argumente drehten sich im Kreis und die Protagonisten gleich mit. Und Du dachtest Dir: Ich sag jetzt einfach mal STOP! Es reicht! Keine Anschuldigungen mehr, kein destruktives Gemecker, kein Streit. Ich stehe für diese Art von Gespräch nicht mehr zur Verfügung. Und auch das ist okay. Du möchtest uns persönlich kennen lernen? Oder international zertifizierter NLP Practitioner oder Master werden? Für Deine Anmeldung oder Dein Info-Gespräch zur Ausbildung im NLP besuche gerne unsere Seite: http://www.kontext-denken.de oder schreib uns eine E-Mail: miriam@pergaudiaadastra.de Und wenn Du uns öffentlich Deine Meinung sagen möchtest: http://fb.me/Miriam.Deforth.kontext.denken http://fb.me/Florian.Gross.kontext.denken Unseren Video-Podcast (mit bewegten HD-Bildern in Farbe) findest Du hier auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=RxU_DlbWrqg&list=PLfj4P7lArPJDwiEArD6euHknuqZzbA3EX

In dieser Folge geht es um die Frage, wann du reingrätschst und wann du laufen lässt: Miriam erzählt vom Trollen im Facebook-Livestream, vom Blocken und Löschen, und wie sie sich dabei selbst beobachtet hat. Florian bringt Regeln und Vereinbarungen in Teams und Familie ins Spiel — vom Handy am Abendessenstisch bis zum Kind, das die Gabel doch nochmal rüberhält. Es geht um Konsequenz ohne schlechtes Gewissen, um Konfliktscheue, ums Grenzen setzen und darum, konsequent auch das Positive zu sehen und Danke zu sagen.

Lesefassung

Das vollständige Transkript

Spring direkt zu einem Kapitel oder lies die Folge von Anfang an.

Kapitel dieser Folge
  1. Berlin, Paris und der Streit ums Reiseziel
  2. Der Werbeblock im Livestream
  3. Regeln, Konsequenz und Kinder, die testen
  4. Vom schlechten Gewissen zur klaren Vereinbarung
  5. Handy am Tisch — wozu Regeln eigentlich da sind
  6. Die Schutzkugel über dem Knopf
  7. Konsequent auf das Positive schauen

Ein Facebook-Livestream, ein Zuschauer, der immer wieder sein alkoholisches Getränk ins Bild drückt — und irgendwann ist bei Miriam Schluss: geblockt, Postings gelöscht. Eine Leserin hatte gefragt, warum die beiden eigentlich immer deeskalieren und ob nie mal der Ofen aus ist. Genau darum geht es hier: Wann grätschst du rein und wann lässt du laufen? Und was hat das mit Regeln, Konsequenz und dem Salami-Brot am Familientisch zu tun?

Berlin, Paris und der Streit ums Reiseziel

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.

Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.

Miriam: Ein Reisepodcast aus Berlin mit einem tollen Thema steht an. Wow!

Florian: Äh, wieso hast du denn jetzt den Ort verraten? So geht es aber nicht.

Miriam: Ja gut, es ist sowieso schön, dass wir gerade mal bei dem Thema sind, weil ich gehöre zu denen. Scheinbar polarisiert ja Berlin. Berlin ist scheinbar eine Stadt.

Florian: Du hast den jetzt, jetzt hast du den warm. Jetzt habe ich den hier. Also ich bin Fan von Berlin.

Miriam: Ich nicht.

Florian: Ich habe hier auch schon mal eine Weile gelebt.

Miriam: Furchtbar.

Florian: Ganz großartig.

Miriam: Kann ich nicht nachvollziehen.

Florian: Wirklich. Also ich mag die Energie dieser Stadt.

Miriam: Es ist ganz fürchterlich.

Florian: In unseren Seminaren, wenn du da mal bist oder warst, erzählt Miriam oft von Paris und wie gut es ihr gefällt. Und dass meine Impression oft Gosse ist. Und ich glaube, es geht uns mit Berlin andersrum. Für mich ist es hier Aufbruch, Wandel, Change, Kultur, ganz vieles in der Luft.

Miriam: Ich lasse dich nur höflicherweise ausreden.

Florian: Achso, ich dachte, du willst mir dann vielleicht irgendwann...

Miriam: Da kommt jetzt, hör mal. Das lasse ich so nicht stehen. Go, go, go. Go Inspector Gadget!

Florian: Super, die Geschäfte haben 24-7 offen. Ich weiß hier, wo ein Gemüsehändler ist, der Montagmorgen um 0 Uhr aufmacht.

Miriam: Was ist das Thema dieses Podcasts? Wir reden nicht über Berlin. Das wird auch kein, wir empfehlen dir irgendwelche Lokale in Berlin. Außer Florian möchte das machen.

Florian: Echt? Haben wir heute ein Thema? Wir haben ein Thema. Was ist denn das Thema, liebe Miriam?

Der Werbeblock im Livestream

Miriam: Das Thema stiftete eine Leserin unseres Blogs. Und sehr spannend, weil sie sagte... An welcher Stelle, ihr seid ja beide immer drauf aus, zu deeskalieren und Dinge positiv zu lösen und lösungsorientiert zu arbeiten, nur grätscht ihr nicht auch irgendwann mal rein? Ist bei euch nicht auch irgendwann mal der Ofen aus?

Florian: Du hast das schon angedeutet, dass in einem deiner Facebook-Livestreams was passiert ist.

Miriam: Oh, willst du den wirklich aufmachen? Ich hätte den jetzt gar nicht aufgemacht. Ich hätte den einfach stehen lassen.

Florian: Es ist ein fantastisches Beispiel.

Miriam: Ja, das stimmt. Ich streame ab und an auf Facebook Live zu Themen, die mir da zugeworfen werden und mag das auch sehr und habe da meine Freude dran. Und in diesem einen bewussten Facebook Livestream meldete sich einer der Zuschauer ständig wieder zu Wort, um in meinem Themenbereich Livestream sein Produkt zu bewerben. Und er hörte auch nach zunächst einem freundlichen Angebot von mir und einem witzigen Angebot nicht damit auf.

Florian: Und dann?

Miriam: Und da ist dann für mich eine Stelle, wo ich das Territorium, das ich eröffnet habe für ein Thema, auch als solches dann verteidige. Und ich habe ihn dann am Ende des Livestreams erstens aus meiner Liste geblockt, also der wird keinen Livestream von mir mehr sehen und auch keinen Zugriff mehr haben, und ich habe seine Postings komplett herausgelöscht, was ein bisschen Arbeit war, weil er nicht, also er hat sich richtig Mühe gegeben.

Florian: Also es überall zu verteilen, oder?

Miriam: Ich mache es, ich mache es.

Florian: Immerhin.

Miriam: Ich bin seit zehn Jahren bei Facebook, noch länger, zwölf Jahren bei Facebook, und ich habe das zwei-, dreimal bis jetzt gemacht. Also muss einer schon richtig Gas geben.

Florian: Da hat er sich richtig Mühe gegeben.

Miriam: Weil ich auch, also ich lasse kritische Kommentare zu, das wissen auch meine Facebook-Reader, User, Follower, wie auch immer, das wissen die auch.

Florian: Spannende Interaktion.

Miriam: Und ja, deswegen ist die Frage berechtigt, wann ist es soweit, aus welchem Grund und wann macht es Sinn? Macht es Sinn? Hätte ich mir das sparen können?

Florian: Spannende Frage, nur... Kurzer Einschub, am 4.11. sind wir in Eisenach.

Miriam: Das stimmt, am 4.11. Komm zu uns nach Eisenach, wir klettern mit dir sprachlich auf die Wartburg und geben ein intensives Training für Erfolg durch Sprache.

Florian: Also 4.11.2017, falls du den Podcast in einem Jahr hörst.

Miriam: Oh ja, ist wichtig zu sagen. Es gibt noch Plätze. Es gibt noch Plätze. Falls du ihn jetzt vorher hörst, melde dich bei uns.

Florian: Genau, oder auf unserer Seite www.kontext.de.

Miriam: Genau, ist alles genau beschrieben. Es ist das günstigste, preislich günstigste Seminar, das wir jemals angeboten haben und jemals wieder anbieten werden.

Florian: Definitiv.

Miriam: Das ist eine geförderte Sache.

Florian: Die Geschäftsführung sagt, so machen wir das nicht mehr.

Miriam: Das ist eine geförderte Sache und also einzige Chance. Und du bekommst für das Geld, was da steht, du wirst deinen Augen nicht trauen, bekommst du auch noch Essen. Also es ist wirklich unglaublich. Melde dich bei uns.

Florian: Und Sprache bekommst du.

Regeln, Konsequenz und Kinder, die testen

Miriam: Also, wir waren mittendrin in Macht es Sinn, auch mal in ein Thema reinzugrätschen und zu sagen, bis hierhin und nicht weiter.

Florian: Ja, hat voll Sinn ergeben mit dem Werbeblock eben.

Miriam: Wie nennst du ihn?

Florian: Werbeblock. Werbeblog. Dass es dann darum geht, was sind unsere Regeln? Wie möchten wir miteinander umgehen? Zum Beispiel keine Handys in Meetings oder wenn wir gemeinsam in einem Raum sitzen und diskutieren und was malen am Flipchart oder am Whiteboard, dass dann kein Laptop offen ist. Und wenn wir uns solche Regeln geben, dann grätsche ich auch rein, wenn es jemand tut. Manchmal probieren Menschen das dann, ob wir es wirklich ernst meinen mit diesen Regeln.

Miriam: Erinnert mich an Kinder.

Florian: Ja, stimmt. Die probieren dann auch erstmal, ob wir es ernst meinen.

Miriam: Alle Eltern kennen das. So, es werden Regeln festgelegt und bis zum zweieinhalb dritten Lebensjahr klappt das super. Und dann beginnt eine lange, gefühlt lange Phase, wo jeden Tag diese Kinder mit einer unglaublichen Kreativität an all diesen Regeln andocken.

Florian: Und ausprobieren, ob wir es wirklich ernst machen. Ich habe das auch schon bei meinen Lieblingsmitbewohnern kleinerer Natur erlebt. Ähm, gesehen. Wenn Miriam irgendwie sagt, nein, jetzt nicht. Oder beim Abendessen, ähm, unser kleinerer ist jetzt gerade sechs.

Miriam: Und wenn der dann so, Mama, probier mal was von meinem Teller.

Florian: Und Miri dann so, nein, möchte ich nicht, danke. Und eine Minute später schwebt seine Gabel mit etwas in der Luft. Für zum Probieren. Und dann gucke ich immer ganz genau zu. Was wird sie tun? Wirst du dich an deine Regeln halten ab jetzt? Oder war das noch eins dieser Male zum Ausprobieren?

Miriam: Ah, das ist echt immer bitter, ne?

Florian: Das ist total, also Kinder sind da super, weil die so flexibel sind. Der fragt ja nicht ein zweites Mal, sondern dann macht der eine andere Strategie. Mega. Ja. Erwachsene sind da oft nicht so.

Miriam: Also der, der da Werbung gemacht hat bei mir, der war nicht so, der hat immer gleich weiter gedüngelt. Vielleicht hätte er sogar mit etwas Kreativität mich dazu gebracht, dass ich das drin hätte stehen lassen. Ich glaube, es war die Renditenz in der gleichen Strategie, die am Ende dazu geführt hat, dass ich gesagt habe, gut, ich habe jetzt gerade eine Regel aufgestellt, du hast dich nicht daran gehalten, dann fertig. Da bin ich dann konsequent. Die Idee der Leserin finde ich gut, weil viele Menschen da draußen und vielleicht auch du, der du uns gerade zuhörst, das kennen, dass es Situationen gibt, wo es so ein Gedanke im Gehirn auf einmal, wo so ein Gedanke aufpoppt von jetzt reicht's. Und ich glaube, der ist eher gemeint. Also dieses wirklich dreist und frech, nochmal und nochmal und nochmal das gleiche Muster fahren.

Florian: Und was ich häufig erlebe auch, es ist halt eine Wertverletzung. Also es ist der Raum, den ich stifte um mich herum, wenn ich Workshops gebe, Seminare gebe oder wenn wir zusammen Workshops und Seminare geben, so wie Eisenach bald, dann haben wir da einfach bestimmte Absprachen und wir sind dafür da, um eine tolle Lernumgebung zu bieten, um die Möglichkeit zu bieten, sich zu verändern und es ganz sicher zu machen. Und wenn dann jemand gegen diese Dinge verstößt oder austestet, wie ernst meinen wir das wirklich in dieser Situation? Also falls. Falls das jemand tut, dann... Da gibt es auch eine Seite an mir, die ich nicht so oft auspacke.

Miriam: Das ist sehr gut. Weil ich gerne mit Menschen zusammenspiele. Der Sinn dieses Podcasts ist es nicht, dass ab jetzt wie so ein generalischer Diktator ständig dieses...

Florian: Bäm! Raus vor die Tür, Tür zu, stille Treppe. Und es ist eine spannende Frage, wenn in meiner Umgebung irgendwas passiert, wo ich sage, das widerspricht mir, ich habe das Gefühl, dass mir das nicht gut tut, dann ist es doch gut, auch in die Handlung zu gehen, oder?

Vom schlechten Gewissen zur klaren Vereinbarung

Miriam: Und dann wieder konsequent. Weil hier mangelt es ja oft. Also manche Menschen gehen dann mit einer relativen Stringenz, das habe ich schon oft draußen erlebt auch, mit einer relativen Stringenz erstmal dagegen an, dann verhält sich eins irgendwie flexibel in dem Bereich und dann funktioniert es doch. Also gerade Mütter sind da… Ich will nicht sagen gefährdet, das wäre Blödsinn. Mütter sind nicht gefährdet, Mütter lieben ihre Kinder und wollen, dass es denen gut geht. Und mangelnde Konsequenz, die immer wieder auch vorkommt, bringt irgendwann Resultate, die noch unangenehmer sind. Und das ist das, was ich gelernt habe in den letzten zwei Jahren, auch dank dir, lieber Florian. Dass wenn ich einmal eine Regel aufgestellt habe und gesagt habe, jetzt nicht, egal ob es um ein Telefongespräch geht, was ich gerade führe oder um dieses Brot, was ich probieren soll und was ich nicht probieren will, weil ich mich vegan ernähre und da ein dickes Stück Salami drauf ist, ist ja auch egal warum. Nur wenn ich die Regel aufstelle, dass ich das nicht tue, dann halte ich sie durch.

Florian: Ja, genau.

Miriam: Und das ist eben etwas, was mir jetzt auch leichter fällt. Es ist nicht mehr verknüpft mit, ich habe da jetzt ein schlechtes Gewissen. Das ist ja das Thema. Sodass manche das schon schaffen, zu sagen, nee, mach ich jetzt nicht. Und danach denken, vielleicht hat er mich jetzt nicht mehr lieb. Den habe ich nicht mehr. Wie gesagt, es ist in den zwölf Jahren Facebook dreimal vorgekommen. Konfliktscheue. Und es war wirklich, als ich das getan hatte, war für mich auch das Ding dann durch.

Florian: Konfliktkultur hatten wir doch auch schon hier, oder?

Miriam: Konfliktkultur hatten wir schon, ja. Dass es in Ordnung ist. Und mir ist es lieber, es gibt keinen Konflikt oder es entsteht kein Konflikt. Das ist mir viel, viel lieber. Ich mag es viel lieber in witzig.

Florian: Ja, genau.

Miriam: Also die Gabel dann zu nehmen von dem Kind und sie Richtung Florian weiterzuschieben.

Florian: Ich habe einen Vorkoster.

Miriam: Zum Beispiel. Oder da ist jemand, der Salami isst, gerne isst.

Florian: Genau, also das ist dieses, es ist witzig zu drehen und also konsequent zu bleiben, konsequent auch zu sagen, in meinem Raum nicht, in meiner Umgebung nicht, es gibt hier Regeln, es ist. Ich fühle mich nicht wohl damit, wenn das und das passiert, deswegen kümmere ich mich darum, dass wir was anderes machen und entspannt und witzig.

Miriam: Ist übrigens auch etwas für, und ich weiß, das wäre mehr ein Beziehungskisten-Thema, nur ich spreche es mal an, das ist auch was für Paare, das Thema.

Florian: Ach, sowas wie die Schublade nicht zugemacht und so?

Miriam: Naja, es geht um Konsequenz an bestimmten Stellen. Und ich weiß nicht, wie rum das bei manchen, ich kenne es aus meiner Erfahrung mehr, dass Frauen da relativ flexibel sein können, wenn sie was erreichen möchten. Und ich habe das...

Florian: Vielleicht erinnert ihr euch aus verschiedenen Podcasts oder aus unseren Beziehungskist-Videos schon daran, dass Miriam irgend so eine Handtasche möchte und ich wirklich schon versucht habe, alles mögliche versucht habe, um ihren Wunsch zu erfüllen. Die Rewe-Handtasche war es nicht.

Miriam: Und das ist okay. Ich lasse mir da noch was einfallen.

Florian: Das komplette No ist nicht ausgesprochen. Das stimmt.

Miriam: Deswegen, wir werden sehen, wie diese Geschichte ausgeht.

Handy am Tisch — wozu Regeln eigentlich da sind

Florian: Wir stellen diese Regeln ja auch in der Familie auf, nicht um jemand anders zu ärgern oder um jemand anders, um was Böses zu tun, sondern weil wir Werte haben oder Prinzipien haben und sagen, das ist uns wichtig. Also zum Beispiel, dass du eben vegan essen möchtest und dann das Salami-Brot einfach nicht passt oder dass wir am Abendessen-Tisch einfach kein Handy haben möchten. Und da geht es nicht darum, dass wir keine Handys mögen, sondern da geht es einfach darum, dass wir Rahmen schaffen möchten, in denen wir miteinander sprechen. Und genauso in Teams. Es geht ja nicht darum, dass ich nicht möchte, dass mein Kollege nicht mit seiner Familie in Kontakt ist, wenn da gerade ein Kind zu Hause krank ist, sondern es geht darum, dass wir konzentriert an was zusammenarbeiten und wir haben ein großes gemeinsames Ziel, wo wir hinwollen und einigen uns drauf, das ist das, was wir wollen und deswegen... Schaffen wir uns bestimmte Regeln und bestimmte Vereinbarungen? Vielleicht ist Vereinbarung auch das schönere Wort.

Miriam: Also ich fasse mal kurz zusammen. Im Grunde hat es was damit zu tun, welche Regeln stelle ich auf für eine bestimmte Situation und da geht es vorrangig um mich selbst.

Florian: Sehr, sehr individuell.

Miriam: Bei dir im Job geht es vielleicht auch um ein ganzes Team, das eine Regel gemeinsam beschließt. Das kann auch in einem Verein, in einer Familie.

Florian: Eine Familie, genau.

Miriam: Kann das auch funktionieren. Und wenn, sobald eine Regel ausgesprochen ist, sobald sie klar ist, egal von wem jetzt, ist derjenige auch an seine eigene Regel gebunden ein Stück weit. Und dann entsteht dieses Konsequenzverhalten. Deswegen darf ich mir gut überlegen, welche Regel stelle ich auf.

Florian: Einfacher ist es, keine zu haben.

Miriam: So, dann brauche ich auch nicht Konsequenz zu zeigen an einer bestimmten Stelle.

Florian: Das ist schon die einfachste aller Varianten.

Miriam: Wenn ich die Regel aufstelle, kann ich die Konsequenz halten? Bin ich bereit dazu, diese Konsequenz dann auch einzuhalten? Für mich und für alle anderen?

Florian: Und wir dürfen uns auch darüber unterhalten, gerade wenn es um Teams geht. Welche Mittel haben wir, um Regeln wieder anzupassen oder auch um Familien zu sagen? Weil wenn wir so eine Regel haben wie abends kein Telefon, kein Handy am Abendessenstisch, dann könnten wir die ja auch anpassen, wenn wir sagen, das ist nicht mehr zeitgemäß oder es passt einfach nicht mehr für uns. Nur in welchem Rahmen passen wir die an? Sicherlich nicht in dem Moment, wo es gerade passiert, sondern dann würde ich lieber einen anderen Kontext wählen, wo wir sagen.

Miriam: Den darfst du genauer machen.

Florian: Ähm, wenn dann, wenn ich dann ankomme mit meinem eigenen Handy und sage, wow, ich würde euch gerne was zeigen, jetzt so, ich hab hier dieses konkrete Beispiel, dann ist in meiner Welt nicht der, das ist nicht der richtige Rahmen, um diese Regel dann anzupassen. Also wir hatten bisher die Regel, kein Handy am Abendessenstisch, jetzt hab ich ein cooles Video und denk mir selber so... Lasst uns halt schnell die Regel anpassen. Nur für das eine Mal. Eher nicht. Sondern eher in einem anderen Kontext mal drüber sprechen, wollen wir ab nächste Woche oder ab morgen diese Regel anpassen. Weil es einfach gesund ist, den nicht in den Moment reinbrechen zu wollen. Sondern uns daran zu gewöhnen. Wir haben uns darüber ausgemacht. Wir könnten die Regel ja auch gerade in Teams erstmal für eine Weile haben. Also vielleicht probieren wir einfach mal aus, was passiert, wenn wir es zwei Wochen oder vier Wochen machen. Um zu gucken, wie fühlt sich das an? Ist das einfach oder merken wir einfach? Ich habe in manchen Teams auch zu viele Eltern mit Kindern, die dann auch erreichbar sein wollen für die Kinder, für wenn irgendwas Wichtiges ist. Und dann, das bringt mir auch nichts, wenn ein Kollege irgendwie zappelnd da sitzt oder auf Toilette geht, um dann sein Handy mal zu kontrollieren. Das bringt ja nichts. Deswegen, was ist die Intention? Was ist das, was wir schützen wollen? Wie können wir das zusammenbringen für alle?

Die Schutzkugel über dem Knopf

Miriam: Manchmal frage ich mich natürlich auch, wenn sowas passiert wie bei dieser Facebook-Nummer, warum passiert mir das jetzt?

Florian: Wieso ist das in meinem Leben? Das habe ich mich bei dir auch gefragt und was ist deine Antwort darauf?

Miriam: Was darf ich lernen aus dieser Aktion? Es war ein spannender Moment für mich, auch mich selbst zu beobachten, wie mich das triggert, dass also da jemand diesen Livestream, der mir viel Freude macht, wo ich eine tolle Interaktion habe mit den Menschen, die dann da zuschauen, den so stört in meiner Welt. Und was da auch passiert und was auch in dem Publikum passierte.

Florian: Vermutlich auch emotional in dir.

Miriam: Emotional, genau. Und ich bin deutlich gewachsen, in dem Moment mich nochmal weiter zu entspannen. Also bin ich ein Stückchen weit auch da.

Florian: Du machst dir so eine Schutzkugel über dem Knopf, oder? Um einfach dafür zu sorgen, wenn den Knopf jemand drückt, dann bist du es selber.

Miriam: Und den finde ich sehr, sehr schön. Und mal abgesehen davon finde ich es auch gut, im gleichen Ausmaß wieder auf die vielen guten Dinge zu schauen. Also wenn ich schon in der für mich nicht wirklich angenehmen Situation bin, wirklich irgendwo rein zu grätschen. Ich kenne es auch moderativ übrigens. Also politische Talkrunde habe ich früher oft moderiert. Politiker reden gerne lang und viel. Und ich als Moderatorin hatte die Aufgabe, dass die ihre dreieinhalb Minuten einhalten. Dreieinhalb Minuten für einen Politiker ist einmal aus und einmal eingeatmet. Das heißt, die waren lang alle nicht fertig. Und es ist unangenehm, Menschen zu unterbrechen, der gerade erst richtig in Fahrt war. Und es war die Vorgabe des Veranstalters. Das heißt, dieses Reingrätschen ist etwas, was ich nicht so gerne mache. Auf der anderen Seite hatte ich dadurch natürlich eine sehr bewegte Talkrunde, in der jeder auch mal zu Wort kam und wirklich auch alle in gleichen Redeanteilen ihre Meinung oder ihr Ding auch darlegen konnten.

Florian: Und auch da wahrscheinlich spannend, du durftest bei den ersten paar wahrscheinlich wirklich hart reingrätschen, oder? Bis es klar war, du tust das. Und dann halten sich alle auch daran.

Miriam: Richtig, richtig. Es war toll zu beobachten, dass also dann die Binnensekunden so flexibel waren, die wichtigsten Dinge auf dreieinhalb Minuten runterzubrechen. Und zwar für die folgenden zwei Stunden.

Florian: Also wenn du diese Konsequenz zeigst, bekommst du auch das Feedback, das du gerne hättest, nämlich dass die Menschen anfangen, um dich herum sich an deine Regeln zu halten.

Konsequent auf das Positive schauen

Miriam: Und an der Stelle entspannt sich es dann auch ganz schnell wieder. Und du hast wieder den Gedanken für, guck mal, und das ist auch alles toll gewesen. Das heißt, es gilt auch da wieder zu loben dann. Also wenn der Kleine in Zukunft dir das Salami-Brot vor die Nase hält, lobe ich ihn über alles.

Florian: Weißt du was, das ist ein spannender Punkt, ne? Weil wir haben jetzt so viel drüber gesprochen, was wenn jemand eine Regel um mich herum bricht oder einen Wert um mich herum verletzt oder irgendwas tut, was mir nicht passt um mich herum. Was ist denn eigentlich in dem Fall, wenn jemand was Gutes tut um mich herum? Oder wenn jemand eine besondere Leistung zeigt oder sei es im Restaurant, dass sich der Kellner daran erinnert, was wir jeweils individuell zu essen hatten und wir in einer größeren Gruppe ganz einfach unsere Teilrechnung zahlen können oder jemand kümmert sich darum, dass das Taxi besonders schnell kommt oder was auch immer. Wenn sowas passiert, wenn sich jemand proaktiv an superschöne Regeln hält,

Miriam: Auch da ist Wachheit geboten. Viele Menschen nehmen ja sowas gar nicht als besonders toll wahr, sondern so in einem Hotel ist es ja wohl selbstverständlich, dass die sich gut um mich kümmern, dass das alles perfekt läuft. Dem fände ich schön, es wäre fast schon ein Thema für einen neuen Podcast, nur ich finde es wäre schön, oder was ich dann gerne tue, ist mich erstens wirklich von vollem Herzen bedanken und zum Beispiel wirklich auch ein entsprechend hohes Trinkgeld zu geben. Oder mal was zurückzuschenken, eine Kleinigkeit.

Florian: Weil das ist dann auch die Konsequenz, wenn jemand uns wirklich was Gutes tut, wenn jemand was tut, wo du in dir spürst, das fühlt sich gut an, was da gerade war, das ist vielleicht ein Geschenk, dann darfst du auch das Danke sagen.

Miriam: Ja. Das ist das, was ich sehr, sehr gerne tue. Also wenn du auf meine Facebook-Seite mal gehst, Miriam Deforth auf Facebook, kannst du lesen, dass ich, und ich schreibe das alles persönlich, ich habe keinen Ghostwriter. Das heißt, das alles, das bin ich. Ich sage danke, ich bedanke mich bei allen, die... Ihre Meinung schreiben zu den Themen, die wir ansprechen auf YouTube, auf Facebook, auf unserer Seite. Ich schreibe Danke, ich beantworte die Fragen und ich bin von Herzen dankbar für jede Interaktion und für jede und für die Positiven auch noch im Sinne eines Geschenks.

Florian: Ja, das gehört auch dazu, konsequent zu sein an der Stelle. Konsequent auf das Positive, genau. Weil das ist in unserer Gesellschaft so einfach manchmal, darüber zu sprechen, was funktioniert, alles nicht. Und wenn du anfängst, darüber zu reden, was funktioniert, bekommst du ja auch davon mehr.

Miriam: Oh, das ist sehr, sehr spannend, dass es ja auch viele Menschen gewöhnt sind, dass ihnen einer reingrätscht. Und es ist viel schöner, einen Menschen zu loben und das festzustellen, was ihn so besonders macht oder was er besonders gut kann.

Florian: Und eben, wenn mir jemand, wenn jemand etwas tut, was mir gute Gefühle macht, weil es entweder ein Geschenk ist oder ein Kompliment oder was auch immer, ganz großartig, dann sage ich gerne Danke.

Miriam: Ich auch. Dann sage ich jetzt danke für den tollen Podcast.

Florian: Das ist nochmal ein Thema, was wir nochmal anschneiden, oder? Also normalerweise ist Miri immer die, die die Podcasts nochmal verlängert an dieser Stelle und nochmal ein Seitenthema aufmacht. Mach ich nicht heute.

Miriam: Machst du nicht heute?

Florian: Mach ich heute nicht.

Miriam: Ich nehme den genauso, wie es ist. Ich finde den sehr gut und ich würde dieses, was wir Menschen so gewöhnt sind im Umgang miteinander, das würde ich sehr, sehr gerne nochmal aufgreifen.

Florian: Weil das sind auch, und das ist wieder der Zirkelschluss zum Anfang. Inzwischen mache ich lieber Regeln oder Vereinbarungen in Teams, wo es darum geht, was ist das positive Verhalten, was wir sehen wollen.

Miriam: Und weißt du was? Mit dir fahre ich überall hin, sogar nach Berlin. Mit dir ist überall schön.

Florian: Ja, vielen Dank fürs Zuhören.

Miriam: Danke. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.

Weiterdenken

Wenn es etwas Neues gibt, geben wir dir Bescheid.

Im Newsletter landen neue Episoden, Seminartermine und Gedanken, die sich auch ohne Kopfhörer weiterdrehen.

Zum Newsletter