Was, wenn du dieses Jahr einfach mal nichts vornimmst? Kein Fitnessstudio ab dem 1. Januar, keine Liste voller Vorsätze, die spätestens im Februar verstauben. Miriam hat richtig Lust, dem ganzen Silvester-Zielgehabe den Rücken zu kehren — und Florian überlegt, was dann eigentlich stehen bleibt, wenn wir uns durchs Leben treiben lassen. Zwischendrin: Raunächte, eine Achterbahn in den Niederlanden und ein sturer Ball auf dem Jahrmarkt.
Zwischen den Jahren am Meer
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Dies ist die mystische Zeit zwischen den Jahren.
Florian: Oder wie wir im Rheinland schon öfter gehört haben, zwischen den Tagen.
Miriam: Das sind die rauen Nächte.
Florian: Die rauen Nächte?
Miriam: Raunächte. Die heißen so, das ist ein uralter Begriff. Da sind Geister unterwegs da draußen. Im Mittelalter durften die Leute ihre Wäsche nicht raushängen. Gut, dass wir nicht draußen sind. Kinder wurden sofort nach der Geburt getauft.
Florian: Tatsache.
Miriam: Falls was passiert, ja.
Florian: Ja gut, war ja auch kalt im Winter früher, gell?
Miriam: War kalt im Winter.
Florian: Auch drin war es kalt.
Miriam: Ja.
Florian: Draußen ist ja immer noch kalt bei uns. Also, naja.
Miriam: Ah, heute schon. Wir sind in den Niederlanden, verbringen dort diese rauen Nächte am Meer.
Florian: So kalt, wie es da halt sein kann, gell? Richtig. Also mäßig.
Miriam: Und gestern war cool, gestern waren wir in Efteling und waren Achterbahn fahren.
Florian: Efteling ist ein Freizeitpark in den Niederlanden, falls ihr noch nie da wart.
Miriam: Ja, so wie Holiday Park, Phantasialand, Europapark. Und wir waren Achterbahn fahren und wir sind an einer Schaubude vorbeigekommen, wo Leute mit Bällen werfen konnten. Auf so riesige Bottiche. Ich dachte, das ist doch einfach.
Florian: Dieses alte Jahrmarktspiel.
Miriam: Auf den ersten Blick schien mir das ziemlich easy, weil das war ein Bottich. Und der Ball war groß wie ein Tennisball.
Florian: Ich habe den Bottich auch jedes Mal getroffen.
Miriam: Ja, das stimmt. Und immer ist diese Kugel wieder raus. Also die Kugel ist rein und sofort wieder rausgesprungen. Ist das da eine Winkelfrage? Also wir haben den Preis nicht gewonnen. Es gab Meerjungfrauen zu gewinnen. Wir haben keine Meerjungfrauen gewonnen.
Florian: Und ich wollte unbedingt das machen. Es war sehr lustig, weil die Verkäuferin, die an dem Stand war, das ist so ein kleiner Jahrmarktteil in dem Freizeitpark drin. Und die Verkäuferin meinte schon... Wollen Sie nicht lieber Basketball spielen? Da bekommen Sie schon für einen Gewinn was. Und ich habe einen von acht Bällen da drin zum Liegen gebracht. Und ich hatte den Eindruck, sie war schon beeindruckt, dass ich das geschafft habe.
Miriam: Ja.
Florian: Es war schon so, oh, einer? Gut, dann der nächste.
Miriam: Vor allem von acht Bällen, wenn zwei drin bleiben, dann gibt es schon die kleine Meerjungfrau. Wenn drei Bälle drin bleiben, gibt es die große Meerjungfrau. Und... Ich dachte, acht Bälle, Florian kann jonglieren, das wird doch wohl jetzt nicht der Job sein. Und sie meinte, the game is hot. What? Ja, war dann auch so. Florian hat alles gegeben.
Florian: Und ich wollte dieses alte Carny-Spiel, also dieses alte Jahrmarkt-Volksspiel mal spielen, weil mich tatsächlich interessiert hat, wie schwer es ist. Und klar, es ist bitterschwer. Auf dem Jahrmarkt tricksen die dann ja sogar noch. Da können die dann unten gegen den Boden, da können die den Boden über so eine Taster, den die unten am Fuß haben, können die den Boden härter oder weicher machen. Das heißt, wenn sie selber reinwerfen, ist relativ weich, dann bleibt die Kugel drin. Nur wenn jemand anders kommt, dann können sie von unten gegen den Boden drücken und dann springt die eher wieder raus.
Miriam: Das weißt du und hast trotzdem gespielt?
Florian: Ja, gestern. Erstens waren es Plastikkisten und zweitens habe ich es zum Spaß gemacht.
Miriam: So. Ist ja auch das Wichtigste, oder?
Florian: Ja.
Miriam: Was ist das Thema heute? Bälle werfen.
Florian: Vielleicht sind wir einfach durch, oder?
Miriam: Das ist ein NLP-Podcast.
Florian: Das stimmt. Also es geht ums neuro-linguistische Programmieren.
Die Neujahrsnummer und das Couch-Jahr
Miriam: Wir sind ja auch hier in Holland, um unsere Zielplanungen für 2019 zu machen.
Florian: Oh nein.
Miriam: Ja, Sishi.
Florian: Arbeiten während der Feiertage.
Miriam: So sieht es aus, selbst und ständig. Wir verhalten uns genau so, wie Deutschlands selbstständigen Szene das gerne hat.
Florian: Wie ich das von meinem Vater gelernt habe, ja.
Miriam: Arbeiten Tag und Nacht. Keine Pause. Wenn wir um zwei ins Bett gehen, stehen wir um sechs wieder auf und weiter geht's. Wir haben ein Kanban an der Wand. Wir haben alles vorbereitet. Wir wissen, was wir tun wollen, mit was wir fertig werden wollen.
Florian: Um was geht's jetzt?
Miriam: Um diese Neujahrsnummer. Hier Neujahr drehen alle durch. An Neujahr wollen auf einmal alle ihr ganzes Leben verändern. Und Silvester wird genutzt, um die neuen Pläne in die Welt hinauszurufen.
Florian: Wieso machen wir das eigentlich? Also wieso kommt jemand auf die echt bescheuerte Idee, zu der Zeit, wo am meisten Menschen im Fitnessstudio sind, da auch anzufangen ins Fitnessstudio zu gehen?
Miriam: Warum sind da die meisten Menschen im Fitnessstudio?
Florian: Weil die sich vornehmen für den 1. Januar 2019 nimmst du was ab.
Miriam: Naja, das Fitnessstudio rechnet doch mit dem Umsatz.
Florian: Ja schon. Ich könnte ja, wäre es nicht viel entspannter, am 1.7. anzufangen im Fitnessstudio?
Miriam: Sishi, da hast du drei Personal Trainer für dich alleine.
Florian: Wahrscheinlich.
Miriam: Und noch super Konditionen. Klar. Und an Silvester rennen sie alle hin. Wie die Lemminge, sage ich immer. Ich habe da auch keinen Bock mehr drauf. Wenn jemand kommt und sagt, und, was hast du so vor fürs neue Jahr, würde ich am liebsten antworten, nix. 2019 mache ich nichts. Ich arbeite nicht, ich esse nicht, ich schlafe nicht.
Florian: Was ist einfach 2019? Ist ein dein Couch-Jahr oder was?
Miriam: Ja, so. Ich lasse mal alles einfach passieren. Ich halte mich raus aus dem Leben. Mir ist es egal, wie dick oder dünn ich gerade bin. Mir ist es egal, was ich gerade esse. Es ist alles egal. Einfach nur aus Protest. Ich mach's ja nicht. Hallo, guck nicht so, ich mach's ja nicht. Es gibt so ein Gefühl in mir manchmal, wenn einer sagt, also 2019, ne Freundin von mir, 2019 werde ich schwanger und bekomme ein Kind. Bam!
Florian: Das geht ja dann nur, also das ist auch ein Ziel, das in den ersten drei Monaten deutlich begonnen sein darf.
Miriam: Erledigt, richtig. Wenn das Kind 2019 auch noch zur Welt kommen soll, bis Februar erledigt. Dann wird es schon knapp. Zehn Monate.
Florian: Holla die Waldfee.
Miriam: Wenn wir damit rechnen, dass das Kind noch 14 Tage Verspätung haben kann, Mitte Februar.
Florian: Sie hat sechs Wochen.
Miriam: Wenn sie Glück hat, sind es zwei Eisprünge. Ich könnte mich da jetzt drüber auslassen, mache ich aber nicht. Verstehst du, das ist doch alles Humbug.
Florian: Weil es ist schon sehr arbiträr, da einfach eine Grenze im Jahr einzuziehen und zu sagen, hier beginnt ein neues Jahr.
Miriam: Was bedeutet arbiträr?
Florian: Sehr, sehr willkürlich.
Miriam: Ja. Ja. Ich weiß auch nicht, wer sich's ausgedacht hat. Ich glaube, dass der Jahreswechsel eher dazu diente, böse Geister zu vertreiben mal.
Florian: Es ist ja auch schön, im Frühling entstehen ja neue Sachen und wenn du draußen schaust, es gibt viele neue Pärchen, die verliebt durch die Gegend laufen und es liegt diese Frühlingsluft, dieser Frühlingsduft liegt in der Luft. Und dann im Sommer wird das Ganze stabiler und im Herbst und Winter ist eben die Zeit, wo geerntet wird und dann im Winter auch sich alles erneuert.
Miriam: Das wird sie jetzt machen, so ein bisschen ganzheitlich.
Florian: Naja, und dann wird es, also jetzt ist schon, also es fühlt sich schon von den Jahreszeiten her richtig an, jetzt ein neues Projekt zu starten. Und, ja.
Miriam: Im März dann, im Frühling anzufangen mit dem Figurprojekt ins Fitnessstudio gehen.
Florian: Ich vermute, das Figurprojekt startet bei den meisten zwei Wochen vor, bevor sie dann tatsächlich an den Strand liegen dürften.
Ziele im NLP: Disney-Prinzip und Law of Attraction
Miriam: Wie ist es denn nun? Wir kennen im NLP das wohlformulierte Ziel, wir kennen die Ökologie der Ziele, Ziele, Visionen, Träume, wichtiges Thema, ein ganzer Tag im Practitioner, da gehen wir nur auf dieses Thema Ziele. Es gibt nichts anderes.
Florian: Und ist es dann nicht einfach, sehr amerikanisch zu sagen, wir müssen Ziele haben. Ziele sind wichtig.
Miriam: Ja, klingt erstmal wichtig.
Florian: Wozu denn?
Miriam: Geht's auch so?
Florian: Kann ich mich nicht durchs Leben treiben lassen. Und ganz gechillt.
Miriam: Manche Menschen sagen ja auch, der Weg ist das Ziel. Ich glaube, das ist buddhistisch gedacht.
Florian: Ja, buddhistisch ist ein Ziel ja dann auch wieder nur ein, und ich weiß das deutsche Wort nicht, Attachment.
Miriam: Ah, so Beilage.
Florian: Nee. Nicht? Das ist wieder etwas, woran man hängt am Leben. Wenn man das Ziel dann nicht erreicht, ist man wieder unglücklich. Und wenn es nicht schnell genug geht und wenn es zu schnell geht, dann kommt ja eins danach.
Miriam: Heute habe ich mit einer ganz lieben Freundin telefoniert und die hat mir gesagt, dass sie Menschen so toll findet, die so ganz straight ihre Ziele verfolgen und zielstrebig sind und dann auch nicht so nach rechts und links noch ein Blümchen pflücken gehen, sondern so wissen, da will ich hin, gerader Weg, ist was im Weg, wird's gesprengt und durch. Cool. Findet sie auch super. Imponiert ihr? Ich habe mich gefragt, ob alle Ziele, die ich in meinem Leben erreicht habe, immer als solche auch schon klar waren, bevor ich den Weg gegangen bin, um sie zu erreichen. Ob die so waren? Nein, waren sie nicht. Wenn ich mein Leben betrachte, gibt es eine Handvoll, wo ich sage, ja, das war mir irgendwann klar, dass ich das gerne hätte. Und dann hat sich ein Weg ergeben, weil ich dieses Bild vor Augen hatte, wie das Endergebnis aussieht. Und es gibt mindestens genauso viele, wenn nicht mehr, die einfach irgendwie da waren und wo ich dachte, ja, das ist auch schön. Das ist auch super.
Florian: Miriam erzählt ja manchmal die Geschichte von der Fernsehansagerrolle und von diesem ersten Treffen in der Schule, wo ihr mal im HR wart und du ein Fernsehstudio von innen gesehen hast. Das klingt schon sehr nach. Ich werde Feuerwehrmann. Genau, ich werde Feuerwehrmann, ich werde Arzt, Rechtsanwalt, weiß ich nicht, als Kind schon.
Miriam: Mama, ich möchte Richter werden.
Florian: Astronaut.
Miriam: Ja, Pilot.
Florian: Pilot, genau. Ja, diese Sachen. Das heißt, den gibt es bei dir ja auch, dass du mal den zweiten Platz im Deutschen Rock- und Poppreis machst. Das war nie so auf der Liste, oder?
Miriam: Nein, überhaupt nicht. Auch, dass ich heirate und Kinder habe, war überhaupt nicht auf der Liste. Überhaupt nicht.
Florian: Okay.
Miriam: Bis kurz bevor ich ein Kind bekommen habe, war es nicht auf der Liste, dass ich Kinder haben will.
Florian: Hahaha.
Miriam: Eher nein, also das Gegenteil war der Fall. So, ich habe immer proklamiert, ich nicht. Also ich werde keine Mutter. In meinem Leben hat das keinen Platz. Jetzt habe ich zwei Kinder, nicht nur eins. Ja, also diese, es gibt so viele Teile in meinem Leben, die ich überhaupt nicht so geplant habe und die gekommen sind und die super sind. Also die jetzt rückblickend betrachtet total cool sind. Jetzt habe ich meinen Traummann gefunden. Ich habe nie das Projekt Traummann gehabt. Nie. Im Gegenteil. Mein Traummann Florian kam in mein Leben, als ich gerade bestimmt gar keinen Mann wollte. Also als ich mich gerade in der Trennung befand und alles war aufgelöst und es war extrem anstrengend und ich hatte abgeschlossen mit dem Thema Männer.
Florian: Aha.
Miriam: Jetzt bin ich seit vier Jahren die glücklichste Frau und denke, zum Glück bin ich mit Florian und jeder Tag mit Florian ist so schön. Und es war überhaupt nicht geplant. Ich bin nicht losgezogen und habe gesagt, das Jahr 2014 wird mein Traummannjahr.
Florian: Nein.
Miriam: Im Gegenteil, ich bin losgezogen und habe gesagt, das Jahr 2014 wird mein Trennungsjahr. So und jetzt schau mal, sprechen wir von Law of Attraction, da habe ich es ausgehebelt und zwar aus allen Backen.
Florian: Also das Gesetz der Anziehung.
Miriam: Gibt ja auch so ein paar, also das eine ist dieses amerikanische Ziele-Ding, so Visionen haben oder diese Dreamer-Geschichte, wie geht die nochmal?
Florian: Von Walt Disney.
Miriam: Mit dem Träumer und dem, ja genau, so Ziele-Konzepte.
Florian: Es wird gemunkelt, dass Walt Disney diese drei verschiedene Rollen hatte, um über Ziele nachzudenken und um sich eben so kreativ diese ganzen Figuren auszudenken. Den Träumer, den Realisten und dann den Kritiker. Und der immer wieder gecycelt ist in diesen, also von einer Rolle in die nächste gesprungen ist, um da Sachen weiterzuentwickeln. Und das ist eins der NLP-Formate geworden deswegen.
Miriam: Also der Träumer sagt, ich werde Fernsehansagerin.
Florian: Ja.
Miriam: Und dann kommt wer ins Spiel?
Florian: Der Realist. Der Realist sagt, es gibt nicht viele. Ja, nee, das ist noch nicht so, sondern was ist das, was du tun darfst dann, was ist das, wie ist der Weg dahin, welche Sender gibt es überhaupt, welche haben Fernsehansager, sowas. Und dann der Kritiker wäre, dann bist du eigentlich überhaupt groß genug, willst du es wirklich sein, es gibt keinen Ausbildungsberuf dazu und dann wieder zurück in den Träumer und eben anpassen.
Miriam: Cool, okay. Dann gibt es ja welche, die sagen, es gibt so ein Gesetz der Anziehung, das sind dann die Wünsche ans Universum. Also je deutlicher ich das Endergebnis vor Augen habe, je mehr ich das fühle, die Begeisterung dafür, je farbiger, je größer, je detailgenauer ich das sehen kann schon oder sogar auf ein Blatt Papier bringen kann, desto deutlicher nimmt das Universum diese Schwingung auf und baut es dann auch. Also durch sozusagen eine eigene Energie und das ist dann schon sehr esoterisch, würde so ein Ziel dann einfach sich manifestieren in die Realität. Auf einmal ist es dann Wirklichkeit. Und das Ganze jetzt, dieses Law of Attraction, ich sag's mal ganz überspitzt runtergebrochen auf die physikalische Welt, in der wir leben, wäre, dass die Gebrüder Wright eben wirklich gedacht haben, sie können fliegen. Und es war völlig, also für alle Menschen um sie herum war das völliger Humbug und höchstgradig lebensgefährlich und trotzdem haben sie angefangen Flugzeuge zu malen und zu zeichnen und Modelle zu entwickeln.
Florian: Ja, bei den Brüdern Wright ist es ja dann noch so relativ lustig, weil die noch unglaublich viel Arbeit dann selber da reingesteckt haben. Manchmal ist es beim Law of Attraction ja so, dass Menschen dann anfangen auf der Couch sich Sachen vorzustellen und dann einfach auf der Couch bleiben.
Miriam: Und dann funktioniert das auch. Ich habe gehört, es funktioniert dann nicht. Und ich kenne mich nicht so gut aus. Damit nur die, die auf der Couch sitzen bleiben und warten, das, was sich manifestiert, habe ich nicht erlebt bis jetzt.
Florian: Ich auch nicht.
Miriam: Auch nicht gehört von denen, die sich damit auskennen.
Florian: Sondern es ist schon irgendwann der Punkt, in die Aktion zu gehen und Dinge zu tun und da draußen in die Bewegung zu kommen. Und dafür haben wir auch schon die Erfahrung gemacht, sind Ziele eben sehr praktisch, um zu sagen, wie hättest du gerne, dass dein Leben sein soll oder was ist das, wie wäre das denn in richtig, jetzt mal, um dann Dinge da draußen zu tun, um Gelegenheiten überhaupt erst zu erkennen und wahrzunehmen.
Miriam: Das wäre dann mit dem klassischen Silvesterwunsch nach der Traumfigur auch wieder dieses, hast du wirklich eine Zielvorstellung? Also siehst du dich in extrem schlank, sportlich, Sixpack, durchtrainiert und viele kommen gar nicht bis dahin. Also viele sehen kein Endergebnis.
Florian: Genau, sondern die sehen sich wahrscheinlich ewig und drei Tage pumpen im Fitnessstudio, wie sie eine Milliarde Mal die Hanteln heben müssen.
Miriam: Und Schweiß auf der Stirn und wie auch immer. Und das ist nicht das Ziel. Das Ziel ist ja, die Traumfigur zu haben.
Florian: Oder am Strand zu liegen oder Komplimente dafür zu bekommen, wie toll jemand jetzt aussieht.
Miriam: Oder in so einem schicken Smoking irgendwo in einem Spielcasino zu stehen, so wie James Bond.
Florian: Ah, James Bond, ja. Super cool. Ja.
Miriam: Oder bei Frauen im tollen glitzernden Abendkleid in Größe 36 oder Größe 38. Vielleicht ist es ja auch der neue Job.
Die Traumjob-Lüge und der Schatz des Vorhandenen
Florian: Also wenn wir vorhin beim Feuerwehrmann, Astronauten und Co. waren, vielleicht ist es ja auch das zu sagen, wenn du schon seit Jahren unzufrieden bist mit dem Job, dann tatsächlich mal was dran zu tun und zu sagen, dieses Jahr klar zu werden, was sind die Teile des Jobs, die du gerne magst und was sind die Teile, von denen du gerne weniger machen möchtest und wo siehst du dich in zwei, drei, fünf Jahren? Weil so lange dauert das ja dann vielleicht, sinnvoll einen Job zu wechseln.
Miriam: Das stimmt. Und dann werden wir beim nächsten Konzept für dieses in meiner Welt etwas sanftere sich neu orientieren. Viele Menschen sind unglücklich mit ihrer Ist-Situation in ganz vielen Bereichen, nicht nur in einer, sondern im Beruf, privat. Wir hören das ja immer wieder in unseren Coachings, in unseren Seminaren. Und dann eben zu überlegen, was ist denn jetzt schon gut? Was ist denn jetzt schon in Ordnung? Das ist dieses andere Prinzip. Das ist das Prinzip von der sogenannten Traumjob-Lüge. Das Buch hat, glaube ich, Johann Wolfgang von Goethe geschrieben.
Florian: Ja, Cal Newport, ja.
Miriam: Genau. Und bei der Traumjob-Lüge, das lässt sich auch ummünzen auf private Bereiche.
Florian: Ja, die Idee dahinter ist, dass viele Menschen gar nicht in der Lage dazu sind, ihr Begeisterungsfeld zu finden, ohne was zu tun. Also genau das gleiche Prinzip. Wenn ich nur auf der Couch sitze, dann finde ich nie heraus, wofür ich wirklich begeistert bin im Leben. Sondern das geht nur darüber, du tust was, du machst was. Das ist das, was dir dann zeigt, ah, diese Teile machen mir besonders viel Spaß, das möchte ich ausbauen. Und dann ist es eben gerade dieses neue Job finden, eine neue Zufriedenheit in deinem Beruf finden, ist dann eher ein, welche Teile von dem aktuellen Job, den du hast, findest du denn richtig gut? Und dann schrittweise dafür zu sorgen, dass die größer und größer und größer werden. Und wir verbringen im Practitioner relativ viel Zeit mit dem Thema.
Miriam: Was ich ja auch an dieser Traumjoblüge ganz spannend finde, ist, dass jetzt jemand, der, keine Ahnung, 30 Jahre lang als Buchhalter in irgendeinem großen Konzern gearbeitet hat, als Kind vielleicht schon davon geträumt hat, dass er mal als Musiker durch die Gegend zieht und in großen Bands spielt oder große Hallen füllt und dann eben nach 30 Jahren Buchhalterei sagt, jetzt schmeiße ich alles hin, ich lerne jetzt Gitarre und singen und dann werde ich doch nochmal berühmt. Und all die Expertise, die er über 30 Jahre Buchhalterei angesammelt hat, verloren sind. Zumindest für den Moment. Und die Idee wäre, dass wenn du viele Jahre dich mit einem Thema beschäftigt hast, bist du nicht umhingekommen, da auch ein Spezialist zu sein. Es geht nicht. Du hast zu viel Zeit mit diesem Thema verbunden. Das geht dann nicht spurlos an einem Gehirn vorüber. Ich habe zum Beispiel jedes Jahr als Kind bei der Traubenlese meines Onkels teilgenommen. Jedes Jahr haben meine Eltern mich mit dahin geschleppt und glaub mir bis heute, es ist nicht das Spannendste für mich gewesen, mich in diese Reihen zu setzen und mit einer kleinen Schere Trauben zu schnippeln. Auf der anderen Seite weiß ich bis heute, wie Weinlese, Weinpresse, Kelterei und eben auch Gärung funktionieren. Ich habe das mit tatsächlich den Kindesbeinen schon aufgesogen.
Florian: Und dann hat dir das natürlich geholfen, wenn du zum Beispiel bei QVC Wein verkauft hast. Richtig.
Miriam: Also ob ich wollte oder nicht, das Wissen um den Wein ist an mir nicht vorübergegangen. Ich weiß über Oechsle gerade Bescheid und es ist tatsächlich aus der Kindheit. Ich konnte es nicht verhindern. So jetzt kann ich mir überlegen, ob ich mit dieser Expertise was anfange, ob ich mich in einem Weingut bewerbe. Nein, das ist nicht mein Konzept von Leben, nur ich habe die. Das war nur eine Kindheitserfahrung. Wenn ich jetzt über 30 Jahre rechne, über 20 Jahre, über 10 Jahre in einem Beruf rechne und Leute sammeln da ein Wissen an, das ein Schatz ist und werfen das dann alles über den Haufen, weil sie sagen so, jetzt, 2019, bämidi bäm, mach ich was ganz was anderes.
Florian: Ich werd jetzt... Konditor!
Miriam: Ja. Das ist schön und ich freue mich für jeden Menschen, der sich seinen Lebenstraum verwirklicht. Und ich habe zu viele Menschen an der Stelle auch scheitern sehen. Deswegen ist es für mich so wichtig.
Florian: Weil vielleicht an der einen oder anderen Stelle dann die Konsequenz auch gefehlt hat. Vielleicht. Also wir sind oftmals ist es ja so, gerade mit Anfang 40, Mitte 40, dass so ein Impuls vielleicht nochmal hochkommt und du das Gefühl hast, jetzt soll was anders werden. Und an der Stelle dann zu sagen, so ich werde jetzt nochmal Konditormeister, mega Idee. Nur wenn ein junger Mensch das lernt, dann ist er vielleicht 16 oder 18 und dann geht es erstmal drei Jahre in die Ausbildung und dann fünf Jahre als Geselle und dann geht es in die Meisterschule und dann ist es irgendwann so. Und es geht ja auch mit 45 noch, dann ist man halt mit 55 oder 58 Konditormeister, frischgebackener. Und voll gut, also voll toll, wenn das tatsächlich der Traum ist. Und gleichzeitig ist es natürlich dann eine Zeit lang Ausbildungsgehalt. Kleine Brötchen. Und das ist eine spannende Phase. Also was wären dann die Alternativen dazu? Naja, vielleicht nebenbei einfach Kuchen backen oder das Zuhause erstmal leben und ein kleines Café in der Nähe beliefern. Oder eben als wenn ich eine große buchhalterische Fähigkeit hätte und da sagen würde, das ist meine Spezialität, dann eben zu sagen, cool, dann biete ich das vielleicht Bäckereien und Konditoreien an und komme schon mal in Kontakt mit dem Geschäft. Um dann schrittweise mehr in diesen Job reinzuwachsen. Um auf einem anderen Weg diese Riesenexpertise schon zu nutzen in die Zielrichtung rein.
Miriam: Voll schön. Also aus dem, was da ist, aus diesem Schatz, aus dieser Schatztruhe zu schöpfen und zu sagen, was kann ich denn da draus jetzt bauen? Was lässt sich denn da jetzt machen? So, dass es am sinnvollsten ist. Dass das alles zusammenkommt. Und was wir auch sehen, dass Mischkonzepte toll funktionieren. Erstmal. Und dann auch eine komplette Veränderung stattfinden kann. Und nochmal dieses Gefühl von, ich verweigere 2019 jede Art von Zielmanagement. Im Moment bin ich auf dem Stand.
Vom Ziel zum Vorhaben
Florian: Und es ist aus Sicht des NLP so ein bisschen schwierig. Das stimmt. Weil ohne dass ich weiß, wo es mindestens mal grob hingehen soll, ist es eben schwer zu entscheiden, was jetzt ein nächster sinnvoller Schritt wäre. Also wieso würdest du morgens aus dem Bett aufstehen?
Miriam: Für mich passt das Wort Vorhaben besser.
Florian: Okay, well enough.
Miriam: Und wir sind bei einem Zaubersprach-Podcast, also bei einem Podcast, der sich intensiv mit präziser Sprache beschäftigt. Ziel hat für mich immer noch was von Zielscheibe. Habe ich neulich erst gemerkt. Also von Dart oder Robin Hood, der einen Pfeil schießt und dann mit dem Pfeil noch den Pfeil teilt und auf irgendeine Art von Zielscheibe zielt. Und ein Ziel hat für mich sowas von, da wird drauf geschossen. Vielleicht habe ich auch deswegen große Schwierigkeiten gehabt, in Zielworkshops oder an Zieltagen meine Ziele festzulegen, weil es in meinem Kopf so ein Wirrwarr gab. Und wir haben viel vor für das Jahr 2019. Wir machen das auch konkret. Es gibt jetzt schon Sachen, auf die freue ich mich wie Hulle. Ich freue mich auf jeden einzelnen Practitioner, den wir veranstalten. Der Practitioner ist das coolste Seminar, das wir geben, finde ich. Ich freue mich so sehr auf die Reise nach Orlando mit den Trainerkollegen, mit den zukünftigen. Das sind alles schon NLP-Pros. Das war einer der coolsten Workshops, die wir jemals gegeben haben im Dezember jetzt mit denen. Also ich weiß, das Jahr 2019 ist ein mega, mega cooles Jahr. Übrigens gibt es auch einen Master wieder im Sommer, der Master letztes Jahr im Sommer, auch ein Highlight, wenn ich zurückblicke. Also NLP-technisch haben wir ganz viel vor und es sind Vorhaben. Vielleicht gibt es auch eine Vision oder eine Mission hinter der ganzen Nummer. Klar, Florian und ich sind kontext*denken, sind kontextNLP, sind kontextagil. Und wir haben vor, das alles auch irgendwann in ein Gebäude zu packen, in eine Räumlichkeit. Wir wollen vielen, vielen Menschen da draußen unsere Unterstützung im Bereich Kommunikation, im Bereich Sales, im Bereich Agile anbieten. Das ist alles da. Und ich finde Vorhaben cooler. Was hast du vor 2019?
Florian: Das ist das, was du dir vorgenommen hast, ja?
Miriam: Ja. Ich mag das sehr. Für manche funktioniert Traum besser als Vision oder Mission besser als Vision.
Florian: Ich finde es auch schön, das zu haben, also wie auch immer wir es dann nennen, um einfach immer abwägen zu können, was ist das, was jetzt gerade wichtig ist, um eben zu entscheiden, heute Abend nochmal eine Stunde Netflix oder noch was an der Webseite machen oder einen Podcast aufnehmen oder irgendwas anderes tun, um dann Entscheidungskriterien zu haben, um zu sagen, ja, es ist nicht nur was Kurzfristiges, sondern du baust was Langfristiges auf. Du bleibst lange an Themen ja dran. Und das ist das, was einfach so ein, was einfach auch bedingt, dass ich darf mir Gedanken darüber machen. Was ist denn in mir oder in zwei? Auch mit Miriam zusammen.
Miriam: Ja, das ist schön. Und vielleicht ist Silvester einfach nur ein Feiertag, an dem böse Geister vertrieben werden.
Florian: Mit den Knallern.
Miriam: Mit Pauken und Trompeten.
Florian: Was ist denn, wenn jetzt jemand so ein Abnehmen vorhaben, so ein schöner Körper vorhaben?
Miriam: Mhm.
Florian: Wäre dann vielleicht auch einfach was langfristigeres, oder wie?
Miriam: Ich finde, es hat an Silvester keinen Platz.
Florian: Sondern?
Miriam: Ernährung, wir essen jeden Tag und es wäre ein eigener Podcast nochmal über dieses Kopfthema Ernährung zu sprechen oder eben auch dieses Kopfthema, wie schön bin ich, wie schön will ich noch werden, wie viel schöner noch oder du, das wäre ein Thema für einen eigenen Podcast. Ich fände es schön, wenn Menschen jeden Tag aufwachen würden und wüssten, heute habe ich das vor, es wird cool, heute habe ich das vor, das wird auch cool. Und ich habe jeden Tag ein paar Gramm verloren von dem Speck, den ich überschüssig habe jetzt noch. Und morgen wieder die nächsten. Ja, meinetwegen. Und welches Wort passt am besten für dich? Mach es dir nicht zu schwer. Warum gehst du denn nicht, Florian geht auf diesen Rummelplatz und sucht sich das schwerste Ding aus.
Florian: Weil ich da Lust zu hatte. Ich wollte es unbedingt mal ausprobieren.
Miriam: Okay, wir haben die Meerjungfrau nicht gewonnen.
Florian: Das stimmt, das war auch nicht, also wenn ich die Meerjungfrau gewonnen hätte, hätte ich uns wahrscheinlich gleich fünf Meerjungfrauen gewonnen.
Miriam: Nein, wir sind dann fantastisch Pfannkuchen essen gewesen.
Florian: Und mich hat das total gereizt, dieses Ding zu machen. Also sie hat ja wirklich dagegen gearbeitet, dass wir das tun. Wir waren auch die einzigen, die da standen. Und ich wollte genau das machen.
Miriam: Und die Erfahrung hast du gesammelt?
Florian: Ja.
Miriam: Und du hast es einmal geschafft?
Florian: Ich habe einen, da sind irgendwie zwölf Prozent oder so, zwölf irgendwas. Ja, habe ich geschafft.
Miriam: Hast du geschafft. Siehst du, das nächste Mal da sind, gibt es die kleine Meerjungfrau.
Florian: Nee.
Miriam: Nee?
Florian: Also, nee, es ist genauso schwer, wie ich mir das vorgestellt habe.
Miriam: Okay. Sehr schön.
Florian: Oder genauso leicht, ja.
Miriam: So, wie wäre es mit, komm einfach zu unserem nächsten Practitioner.
Florian: Ja.
Miriam: Meld dich bei uns, wir freuen uns auf dich. Den Podcast gibt es nächsten Dienstag wieder, dann im neuen Jahr.
Florian: Ja, und es gibt immer noch ein Winterspecial. Wenn du jetzt das Bedürfnis hast oder die Idee hast, im nächsten Jahr noch was zu verändern oder zu uns zu kommen, dann melde dich gerne bei Miriam. Miriam at kontext*denken.de, weil im Moment gibt es noch das eine oder andere kleine Geschenk.
Miriam: Richtig, noch bis zum 31.12. haben wir Weihnachtsrabatt-Aktionen laufen. Erkundige dich und dann würde ich sagen, bis nächste Woche.
Florian: Wenn es wieder heißt.
Miriam: Ziellos durch die Ziele.
Florian: Zieh los durchs neue Jahr.
Miriam: Ich zieh das durch. Bis dann. Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.