"Warte mal, bis du in mein Alter kommst" – kennst du diesen Satz? Miriam bekommt davon nach eigener Aussage Stresspickel, und Florian, der ausgerechnet am Erscheinungstag Geburtstag hat, nimmt das zum Anlass, mit ihr übers Älterwerden zu reden. Zwischen Geburtstagsständchen, einem Lego-Roboter, der offiziell Florian gehört, und einer erstaunlichen Studie aus dem Altersheim landen die beiden bei der Frage, was Vorstellungen mit dem eigenen Erleben machen. Und dann gehen sie Torte essen.
Ein Geburtstag um Mitternacht
Miriam: Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Alles Gute zum Geburtstag. Alles Gute wünsch ich dir. Alles Gute zum Geburtstag. Alles Gute wünsch ich dir.
Florian: Vielen Dank, vielen Dank, vielen Dank.
Miriam: Für dich, lieber Florian, von mir, von meinen Eltern und von allen Menschen, die dich gern haben. Lass dich feiern, bis der Papst kommt. Freu dich deines Lebens und deiner Jugend, denn so jung kommen wir auch nicht mehr zusammen.
Florian: Das stimmt, das ist sehr wahr.
Miriam: Der Florian hat tatsächlich am Veröffentlichungstag dieses Podcasts Geburtstag.
Florian: Und normalerweise feiere ich nie, weil da nie jemand Zeit hat zu feiern oder sonst irgendwas. Das ist auch das erste Mal seit Jahren, dass ich theoretisch arbeiten könnte an dem Tag. Normalerweise, ich arbeite ja viel als Externer in Projekten, da ist über die Weihnachtsfeiertage immer zu. Und dann ist der zweite immer noch in dieser Zeit bis zum sechsten, wo alles zu ist.
Miriam: Also falls du diesen Podcast jetzt irgendwann hörst, Florian hat am 2. Januar Geburtstag. Ab jetzt ist es in Stein gemeißelt und die Geburtstagswünsche werden auf dich herniederprasseln an jedem 2. Januar.
Florian: Und ich habe es so gut versteckt bisher. Ja, das stimmt. Dieses Jahr war es echt. Ich habe auch geguckt, es kommt jetzt nicht mehr so lange. Pech gehabt.
Miriam: Jetzt kommen ganz viele liebe Menschen.
Florian: Deswegen mal gucken, was wir damit tun. Ja. Was ist denn das Thema heute, liebe Miriam?
Miriam: Unser Thema heute ist das Altern. Das Altern.
Florian: Ah, dieser Podcast kommt übrigens ein bisschen später als Null Uhr raus, weil Miri unbedingt mit einem Geburtstagsständchen anfangen wollte. Und das heißt, dass wir nach 12 Uhr angefangen haben aufzunehmen.
Miriam: Ja, weil vorher ist ja nicht erlaubt.
Florian: Exakt. Deswegen bin ich an meinem Geburtstagsmorgen bis in die frühen Morgenstunden damit beschäftigt, eine der schönsten Sachen der Welt zu machen, nämlich das, was wir zusammen machen. Unseren Podcast zu schneiden.
Miriam: Das war früher auch mal leichter, gell? Als du noch jünger warst. Als ich noch jünger war.
Florian: Das höre ich ganz oft. Ich höre das auch ganz oft und wenn ich mir jetzt so angucke, wir haben ja zwei aufwachsende Kleinstmenschen hier in der Wohnung auch öfter. Und die haben auch viel Energie, weil die auch viel schlafen.
Miriam: Das stimmt. Die bewegen sich auch ganz viel.
Florian: Also die machen erstens viel Sport und zweitens pennen die wie die Steine nachts. Ich finde es jetzt nicht so erstaunlich, dass die erstens wahnsinnig viel lernen und zweitens wahnsinnig viel Energie entwickeln in den Dingen, die sie tagsüber tun, weil die machen viel Sport und die pennen viel. So. So und wenn ich mir die meisten Erwachsenen anschaue, dann pennen die wenig und machen kaum noch Sport.
Miriam: So, da haben wir schon den Unterschied. Damit ist dieser Podcast beendet. Das ist die Formel für die Jugendlichkeit. Da gibt es diesen Film. Wie heißt der denn? Diesen einen Film. Mit diesen Frauen, die nach so einem Jugendlichkeitselixier streben. So was Diabolisches ist das.
Florian: Ach, das mit den drei Hexen.
Miriam: Ja, genau.
Florian: Die auch altern mit Meryl Streep und so.
Miriam: Ja, ja, ja, ja. Nur sie altern, also sie altern dann nicht mehr und sie werden wie so, im Grunde wie ein bisschen wie Zombies auch.
Florian: Und ach, die eine und die hat dann auch so einen abgebogenen Kopf und so. Ja, genau, weil die ja nicht sterben. Genau, ja. Ich erinnere mich. Oh, und der Tod steht ihr gut. Der Tod steht ihr gut. Ja, wow. Wow. Your brain, it works.
Miriam: In meinem Alter, hör mal. In deinem Alter?
Florian: Wow, wow, wow.
Miriam: Ich bin ja noch ein, zwei Jahre älter als du.
Spoiler ins Jahr 2018
Florian: Darf ich dir verraten, was ihr dieses Jahr als Musical spielt? Ja, natürlich. Darf man schon verraten?
Miriam: Ach so, nee. Ach, wir verraten es einfach. Komm. Der Sternenwanderer.
Florian: Der Sternenwanderer. Weil auch da gibt es ja diese alten Hexen, die den Stern haben wollen, um ihre Jugend wieder zurückzubekommen. Das stimmt.
Miriam: Wenn du sagst, dass wir das spielen, irrst du dich. Diesmal darfst du nämlich auch von dir sprechen, wenn wir sowieso schon dabei sind, die ganzen tollen Sachen zu fahren. Florian wird auf der Musicalbühne stehen mit mir. Karten gibt es allerdings erst ab September. Wer jetzt denkt, das muss ich sehen, muss in Gänsefüßchen. Das will. Das lasse ich mir nicht entliegen.
Florian: So ein Quatsch mit Miri und Florian.
Miriam: Ja, das wird großartig. Das stimmt.
Florian: So, jetzt haben wir ganz viel verraten schon.
Miriam: Ja, das stimmt.
Florian: Wollen wir auch gleich noch verraten, was wir heute an deinem Geburtstagspodcast für ein Thema haben.
Miriam: Doch, das Thema haben wir schon gesagt. Es geht ums Altwerden oder sich alt fühlen oder sich auch Glaubenssätze einreden lassen.
Florian: Du lässt mich immer noch nicht verraten, was das Thema in der neuen Beziehungskiste, also des Beziehungskisten-Nachfolgers sein wird.
Miriam: Und das ist ja ein ganz anderes Ding. Wir waren gerade im Spoiler. Gut, es ist dein Podcast.
Florian: Also erstens wird es eine ganz, wir haben die Beziehungskiste ja halb einschlafen, halb zu Grabe getragen. Sie ist eher eingeschlafen, weil wir doch deutlich viel zu tun hatten Ende des Jahres. Und es wird einen Nachfolger geben.
Miriam: Es wird zwei tolle Sachen geben. Es wird so ein Beziehungskiste-Special geben.
Florian: Mit den verrücktesten Menschen, die wir uns dafür aussuchen.
Miriam: Ich weiß auch nicht, warum wir uns darauf eingelassen haben. Wer von uns beiden hat Ja gesagt dazu? Du. Klar, wer sonst? Gut.
Florian: Ja, also es gibt bald eine Beziehungskiste, ein Beziehungskiste-Special mit einem prominenten Gast und zwei prominenten Gästen sogar.
Miriam: Und dann startet jetzt im neuen Jahr relativ zügig, sobald wir mit dem Schnitt fertig sind, eine Reihe, die uns auch zeigt, also auf YouTube, die uns im Bild zeigt, die kostenlos abrufbar sein wird und da geht es ums Moderieren, Sprechen, also wirklich unsere Kernkompetenz. Miriam verrät fast alles. Uiuiui.
Florian: Wir nennen es die Miri-Pakt-Aus-Reihe.
Miriam: Wobei, klingt gut.
Florian: Klingt gut, ja.
Miriam: Sex sells.
Florian: Miri macht sich nackig.
Miriam: Miri packt aus, finde ich viel schöner. Hat auch eine Ambiguität drin. Ja, so machen wir das.
Florian: Genau. Und jetzt darf sich der geneigte Zuhörer fragen. Wie macht ihr das alles, obwohl ihr doch auch älter werdet?
Warte mal ab, bis...
Miriam: Das ist der Satz, den ich ganz oft höre. Jedes Mal atme ich so in Solarplexus, wenn das kommt. Ich weiß nicht, warum mich das so triggert noch.
Florian: Du atmest tief in den Bauch ein.
Miriam: Genau, da darf ich noch viel, viel entspannter werden, weil ich dieses... Dieses, ja, das ging früher alles mal leichter oder das merkst du dann schon, wenn du älter wirst. Sagen die zu mir die Leute, ne? Merkst du dann schon, wenn du älter wirst? Ja, wenn du älter wirst, merkst du schon, das ging nicht besser.
Florian: Und ich denke dann immer an meinen Papa, ne? Zum Beispiel. Mein Papa ist deutlich über 70 inzwischen. Und hier läuft Marathon und joggt wie ein Wilder und wenn der zwei, drei Wochen zu Hause sitzt, weil irgendwas mal war oder weil er irgendwie keine Zeit hatte, der ist auch noch Geschäftsführer in unserer GmbH. Also der ist auch noch deutlich aktiv und ich finde es nicht zu spüren.
Miriam: Nee, null. Dazu kommt noch, dass der viel jünger aussieht, als er ist.
Florian: Dann haben wir einen sehr guten Bekannten, der ein paar Jahre jünger ist noch, der auch noch sehr, sehr aktiv ist. Manchmal verstehe ich es nicht.
Miriam: Ich verstehe es nie. Ich will auch nicht. Also ich will mich darauf nicht mehr einlassen. Ich habe früher, es gibt so eine Episode in meinem Leben, an die erinnere ich mich dann sofort. Und zwar begann das, als ich zum ersten Mal schwanger war und dann der Bauch sichtbar wurde und dann gefühlt jede zweite Frau zu mir gesagt hat, ja jetzt ist das noch in Ordnung, warte erstmal bis das Baby auf der Welt ist, dann ist das nicht mehr so einfach. Also ich lief mit einer riesen Kugel rum, habe mir nichts sehnlicher gewünscht, als dass dieses Kind irgendwann da draußen ist. Und dann solche Sätze und ich dachte, okay, was wird dann da schwierig? So, dann war das Baby auf der Welt, es war zauberhaft, ich war super gerne Mama, war eine kuschelige Zeit, es war wunderschön und dann habe ich die gleichen Frauen wieder getroffen und wenn die mich dann fragten und ich habe gesagt, es geht mir gut, es ist total toll, sagt, ja warte erst mal ab, bis das Kind laufen kann, weil dann wird es nämlich schwierig, weil dann räumt es nämlich überall die Möbel um und ich dachte, oh nein.
Florian: Es räumt die Möbel um?
Miriam: Vielleicht sollte ich dafür sorgen, dass es einfach nicht laufen lernt, damit ich nicht in diese katastrophalen Situationen gerate.
Florian: Da gibt es doch diese Strampler, wo die dann nicht richtig laufen lernen.
Miriam: Ja, wo die so eingepackt sind, so Schlafsäcke irgendwie. Egal, also ich habe es nicht getan, dann fing das Kind an zu laufen und ich war die stolzeste Mutter der Welt bei jedem Schritt, den das Kind getan hat. Und ja, es war ein bisschen anstrengend mit dem an der Hand halten, nur das ist eine ganz schnelle Zeit gewesen, dann sind die eh mega stabil unterwegs. Also dann rennen die ja schneller als der Wind, gefühlt. So, dann traf ich die gleichen Mütter wieder, eine nach der anderen. Und sagte, hey, das war toll mit dem Laufen lernen, das ging voll schnell. Und dann sagten die, ja, dann warte erst mal ab, bis es im Kindergarten ist, weil dann bringt es die ersten Schimpfworte mit nach Hause. Und ich dachte, oh nein, ich melde es gar nicht an.
Florian: Dann soll es sozial isoliert aufwachsen. Ich mach mir einen Kaspar Hauser.
Miriam: Jetzt, wo ein 10 und ein 6 Jahre alt ist und ich erzähl, wie schön das ist mit denen, was das für tolle Goldschätze sind.
Florian: Da werden meine Ohren rot.
Miriam: Und es ist total lustig mit denen und wir haben mega Fits und das sind zwei tolle Jungs. Und wenn ich das erzähle, dann kommt, ja, warte mal, bis die in der Pubertät sind. Also das ist das Nächste, auf was ich mich jetzt irgendwie freue.
Florian: Wir sollen immer auf irgendwas warten, was dann kommt.
Miriam: Was dann schlimmer wird. Und beim Alter klingt das für mich ganz genauso. Vielleicht ist es branchenabhängig. Ich kenne ganz viele fantastische, attraktive, wunderschöne Frauen. Die deutlich älter sind als ich, 20, 30 Jahre zum Teil und die echt super fit sind, tolle Körper haben.
Florian: Ich kenne auch wahnsinnig viele Trainer, die so Mitte 50, Anfang 60 sind, denen es richtig gut geht und die fit sind, die auf der Bühne sind, die eine tolle Präsenz haben, auch durch ihre vielen Jahre auf der Bühne. Ich kenne viele ITler tatsächlich auch, ich war ja jetzt in einem eher traditionelleren Unternehmen, Finanzwesen, Versicherungsbranche, sowas. Und da gab es erstaunlich viele alte Programmierer auch, also deutlich 50 plus, 60 plus. Und die sehen auch gut aus und die sind auch fit im Kopf und die stecken auch die jungen Leute in die Tasche. Ich kann es nicht ganz nachvollziehen.
Ist der Zug abgefahren?
Miriam: Ja, ich habe auch mit jedem Lebensabschnitt, den ich so für mich wahrgenommen habe, immer gedacht, das ist cool gerade.
Florian: Ah doch, da meldet sich das Geburtstagskind. Was, wenn ich jetzt nochmal NBA-Basketballspielstar werden wollen würde?
Miriam: Ah, ist der Zug abgefahren, sorry, Pech für dich.
Florian: Das geht nicht mehr, ne? Auch Leichtathletik-Weltmeister ist jetzt einfach vorbei, ne?
Miriam: Bei den Senioren?
Florian: Bei den Senioren ginge wahrscheinlich noch was, ne? Nur so richtig, also Olympiasieger im Leichtathletik?
Miriam: Ja, gibt's auch verschiedene.
Florian: Habe ich jetzt Pech gehabt, oder? Nee, gibt's auch keine Altersgruppen.
Miriam: Du meinst so dieses Gefühl zu haben, jetzt werde ich heute, keine Ahnung, so und so jung oder so und so alt?
Florian: Ja.
Miriam: Und jetzt habe ich was verpasst im Leben.
Florian: Ja, also manche Sachen gehen einfach nicht mehr.
Miriam: Ja, da würde ich mich ja eher fragen, also hättest du ja mit 20 machen können, hast du nicht, hast du gute Gründe?
Florian: Ja, was, wenn ich keinen guten Gründe hatte?
Miriam: Oh je. Ja. Dann hast du wenigstens schlechte Gründe.
Florian: Was, wenn ich gar nicht drüber nachgedacht habe?
Miriam: Warum denkst du denn jetzt drüber nach?
Florian: Weiß ich nicht, vielleicht wollte ich damals gar kein Olympiasieger im Kugel stoßen werden, aber jetzt schon.
Miriam: Auch da gibt es ja die wildesten Storys, ne? Also Tatsache ist es. Jetzt vielleicht nicht im Bundesliga-Fußball, das mag sein.
Florian: Auf der anderen Seite... Bundesliga kann ich auch nicht mehr spielen, siehst du mal. Ich werde nie bei FC Bayern München in die Erstligamannschaft kommen.
Miriam: Wolltest du das jemals?
Florian: Nein, ich finde Fußball doof.
Miriam: Ist schon okay, ich komme damit klar, ich bin Eintracht-Fan, wir sind Leid und Schimpf und Schande und Schmerzen gewohnt.
Florian: Fußball ist doch dieses Spiel mit den zwei Schlägern und dem Basketball, oder?
Miriam: Ja, ja, richtig, genau. Und du gehst über so ein grünes Feld und suchst die Löcher.
Florian: Ja, genau.
Miriam: Da steckt für mich, also wenn ich das bei mir so hinterfrage, wenn ich jetzt, ich habe zum Beispiel immer mal gedacht, ich würde so gern auf diesen Mount Everest mal draufklettern.
Florian: Ja, da kannst du dich mit 70 noch hochtragen lassen. Ja.
Miriam: Tatsache?
Florian: Ja. Cool. Da bist du noch voll im besten Alter.
Miriam: Gut, es gibt also viele Sachen.
Florian: Wir können jetzt anfangen zu sparen für die Sherpas, die dich da hochtragen.
Miriam: Wie viel brauche ich denn da mit 74 bestimmt?
Florian: Vier wären schon gut wahrscheinlich. In deiner Sänfte.
Miriam: So und ich merke, wenn ich jetzt so drüber nachdenke, dass ich jetzt in der Zeit, wo ich vielleicht körperlich noch super imstande wäre, mich sehr fit zu machen für so eine Reise, da mir jetzt keinen Slot für nehme. Also ich mache es jetzt nicht. So und das hat sehr gute Gründe.
Florian: Ja, wir priorisieren halt immer in den Lebensabschnitten. Ja, genau.
Miriam: Und es ist okay.
Florian: Verrückt. Krass. Ja. Und ich habe auch gehört, es gibt inzwischen über 70-Jährige, die noch Klavier spielen, anfangen zu lernen und so. Also ganz seltsame Dinge. Sowas, was man nicht macht.
Miriam: Und die noch gut werden dabei.
Florian: Ja, die noch gut werden dabei.
Miriam: Also die eine echte Exzellenz entwickeln.
Florian: Doch was mit Spaß zu tun.
Miriam: Ja, ich sehe auch so eine Generationsverschiebung eh, eine sehr hoffnungsvolle, wie ich finde. Also meine Großmutter sah mit 50 schon...
Florian: Die alte Pyramide dreht sich um, das ist das, was du jetzt hier in gut reden willst, oder?
Miriam: Ach Florian, jetzt hör doch auf, das ständig zu negieren.
Florian: Ich hab doch Geburtstag, da darf ich das doch, also, ein weiteres Lebensjahr ist rum.
Miriam: Hast du dein Testament wenigstens schon gemacht, wenn du sowieso jetzt in der Laune bist?
Florian: Kann ich ein Audiotestament machen? Ich hinterlasse alles Miri. Das geht dann schnell. Was? Hallo?
Miriam: Hey, jetzt hab ich's nicht schwarz auf weiß und digital auf digital. Sondern bit auf byte.
Florian: Bit auf byte, ja.
Miriam: Voll gut.
Florian: Bit in Byte. 8 Bit in einen.
Miriam: Sag es nochmal laut, bitte. Unterzeugen. Ja.
Florian: Im vollen Eingesicht meiner geistigen...
Miriam: Im vollen Eingesicht. Jetzt wird's albern. Wir haben wirklich...
Florian: Das ist ein schwieriges Thema, ich weiß. Hallo, ich bin der, der älter wurde. Wenn hier jemand sagen darf, dass das ein schwieriges Thema ist, dann ich. In deinem Alter würde ich auch keine Podcasts mehr aufnehmen. Wer weiß, ob, wenn wir jetzt... So kommt mein Papa ja inzwischen immer, ne? Wenn wir jetzt mehrere Podcasts in Folge aufnehmen, könnte es ja sein, dass wir einen zu viel aufgenommen haben, bis er stirbt. Mein Papa ist das blühende Leben.
Miriam: Das stimmt.
Florian: Der verspricht uns schon seit Jahren. Er kauft sich seine Wasserkästen immer so, dass sie nur für eine Woche reichen. Weil wer weiß. Macht er seit 15 Jahren so.
Miriam: Und das wird er auch noch mindestens 20 Jahre so machen, wenn ich ihn mir so angucke.
Florian: Ich glaube auch.
Miriam: Also ein 10-Jahres-Abo-Wasserkästen würde gar nichts in mir gestehen.
Florian: Ja, aber er überlegt sich auch schon, wenn er Druckerpapier kauft, wie viel Papier er in diesem Leben noch verbrauchen kann.
Miriam: Ich mag es ganz gerne zwischendurch mir Gedanken zu machen, wie ich so bin mit 70 oder mit 75 oder mit 80 oder mit 85.
Florian: Und einen Trip, eine kleine Reise auf der inneren Zeitlinie vorzunehmen.
Miriam: Ja, sowas in der Art.
Florian: Und wo auch immer du jetzt bist, dann so ein Stückchen nach vorne zu schweben und mal in der Zukunft zu schauen, wie könnte sich das anfühlen, ne?
Golden Girls und die Kraft der Vorstellung
Miriam: Der erste Schritt in diese Öffentlichkeit, dass sich generationsmäßig was tut, in eine positive Richtung, war für mich diese Serie Golden Girls.
Florian: Ah, okay.
Miriam: Also da ging das los. Das war noch so ein bisschen schrullig, also da hatten sie noch die Klischees drin, von wenn dann einer mal über 70 ist, wird er auch ein bisschen datterig. Und manche von denen leben immer noch, ne? Manche von denen leben immer noch, jetzt stimmt. Und letztlich war es irgendwie so dieses, also die haben halt nicht mehr irgendwo in einem Altersheim gesessen und darauf gewartet, dass es dann auch irgendwann vorbei ist, sondern haben in diesem goldenen Bereich des Lebens, haben die es nochmal richtig krachen lassen. So und ich glaube, das ist die Message dieser Serie gewesen. Also das ist gar kein...
Florian: Es gibt keinen nicht goldenen Bereich des Lebens.
Miriam: Genau. Ja.
Florian: Also sie werden zwar als golden girls bezeichnet, nur... Ja, also jeder Bereich ist golden. Für bestimmte Sachen, glaube ich.
Miriam: Wie hast du das denn in deinem Leben erfahren bis jetzt, so durch die Jahrzehnte blickend?
Florian: Das was?
Miriam: Das mit dem Älterwerden.
Florian: Manche Sachen habe ich jetzt auch gemerkt, gerade wo wir unsere zwei kleinsten Mitbewohner dabei haben. Die zahlen noch nicht mal WG-Gebühren hier. Also mit sechs und zehn.
Miriam: Und dann mache ich die jetzt einfach wieder.
Florian: Das macht schon Spaß.
Miriam: Ja.
Florian: Und ich kann mir jetzt halt andere Lego-Modelle leisten. Also ich kann mir jetzt einfach so einen Mindstorms-Roboter kaufen. Das kostet eine Heidengeld.
Miriam: Ja. Die kann ich mir jetzt einfach kaufen. Das Coole ist, dass Florian dann sowas sagt wie, das ist jetzt halt meiner.
Florian: Ja. Und hier stehen zwei große. Der Zehnjährige kommt an und sagt so, wow, ich hab einen Lego-Roboter. Und ich so, nein, ich hab einen Lego-Roboter. Und der darf in deinem Zimmer wohnen.
Miriam: Ja, sehr, sehr cool.
Florian: Ja, also das macht mir wahnsinnig viel Spaß. Computerspiele machen mir zwischendurch immer wieder wahnsinnig viel Spaß. Wir beide, also Miriam und ich, wir sind unglaubliche Achterbahnfans. Falls ihr Miri bei Ride Review gesehen habt, sie hat ja auch schon mal ein Interview mit einem der YouTuber gemacht, die über Freizeitparks und Achterbahnen viel berichten. Und tatsächlich, wir gehen wirklich gerne in Freizeitparks. Wir waren jetzt auch am 24.12. wieder im Freizeitpark drin und sind Achterbahn gefahren an Weihnachten, weil es uns einfach Spaß macht. Und so nehme ich das eher, dass ich so jedes Jahr oder jedes Jahrfünft oder Jahrzehnt hatte so bestimmte Sachen, die irgendwie wichtig waren und manche von den Sachen haben mir so viel Spaß gemacht, dass ich die gerne beibehalte. Ich lese zum Beispiel auch aus der Studienzeit, habe ich angefangen wissenschaftliche Artikel zu lesen für mein Studium. Kognitionswissenschaften, also alles, was mit dem Denken zu tun hat. Das ist natürlich jetzt auch noch spannend, wenn wir Practitioner geben oder NLP machen. Und dann lese ich jetzt halt auch weiter solche Artikel.
Miriam: Florian ist, um genau zu sein, eine wandelnde Bibliothek.
Florian: Und nicht mehr in den Mars. Und Miri meint immer, ich lese die Bücher nur zu zwei Dritteln oder drei Vierteln. Ja, habe ich gelernt. Wie auch immer du es tust. Und die lese ich halt schräg. Und jetzt zum Beispiel wieder auch als Vorbereitung auf den Practitioner kam auch das Thema auf mit Alter und Priming. Priming ist... Und das ist jetzt sowas... Soll ich eins verraten?
Miriam: Ja, mach!
Florian: Das war jetzt so gut zum Thema Alter. Ellen Langer hat ältere Menschen genommen und die in einem Altersheim, die hat eine Sekundärrealität geschaffen. Die hat Menschen in den, ich glaube in den 80ern war das, in die 50er zurückversetzt. Also um 30 Jahre jünger gemacht. Die haben ein Altersheim so ausgestattet, und schon nach einer Woche war zu spüren, im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die in einem ganz regulären Altersheim war, dass die Leute wieder fit wurden. Was ja crazy ist. Weil was hat denn das damit zu tun, wie alt die Leute sind? Nur alleine dieses, dass sie sich umgeben haben mit diesen tollen Sachen, hat dazu geführt, dass sie bessere Blutwerte hatten, wieder besser drauf waren, sich jünger gefühlt haben als die Kontrollgruppe im normalen, regulären Altersheim. Da geht was. Und das ist, glaube ich, auch ein Teil dieser Magie des NLP, dieses neurolinguistischen Programmierens und dieser ganzen Ziele und Visionen und Träume, mit denen wir uns befassen und beschäftigen. Und insofern, manchmal schlafe ich am Wochenende bis halb eins, so wie damals.
Miriam: Das ist jetzt eine tolle Ausrede dafür, dass du das machst.
Florian: Das setzt mich genau in die Zeit zurück. Und ich wette, das geht anderen Menschen auch so. Doch, ich wette. Das ist so ein typisches Studenten. Da gibt es auch diesen blöden Witz mit dem Guten Abend, meine Damen und Herren. Guten Morgen, liebe Studenten.
Miriam: Ja.
Florian: Sehr alt. Ja, genau. Das ist dieses typische Ding. Wir hatten dann zum Teil ja auch einen anderen Tagesrhythmus und wir haben anders in den Tag hinein gelebt. Und das war ja für viele Menschen einfach eine Zeit in der Jugend, wo sie sich gerne auch zurückerinnern, wo sie viel Freiheit hatten. Und ich wette, da lässt sich was zurückholen über sowas. Ich merke den immer. Das ist eine der Genüsse, wenn ich am Wochenende ganz lange ausschlafe und mich nochmal umdrehe und nochmal umdrehe, da kommt dieses Gefühl zurück.
Embodiment und der Atemzug im Jetzt
Miriam: Ja, ich habe das für mich auch so entschieden, dass es wichtig ist, was ich mir vorstelle darunter. Also wie ich mich selbst wahrnehme und was ich mir vorstelle für das nächste Jahrzehnt und das übernächste und das überübernächste.
Florian: Weil wenn du in diese schönen Bilder reingehst, geht es dir besser, oder? Ja. Ja. Du hast das für dich geprüft, oder?
Miriam: Absolut. Und es funktioniert. Also ich kann mich da nicht nur selbst beeinflussen, sondern mein gesamtes Handeln, also alles, was ich jetzt tue schon, ist dahin ausgerichtet, dass ich mit 80 in einer bestimmten Weise unterwegs bin. Und ich glaube, dass das nicht nur beim Thema Alter funktioniert. Es ist schon so ein bisschen dieses Thema, das nehme ich so mit beim Fernsehen jetzt, die Äußerlichkeit ja, also auch da unterschreibe ich ein Stück weit, ein Mensch, der fit ist, der beweglich ist, der aufrecht ist, allein dieses Aufrechtstehen, Aufrechtgehen macht sehr viel Jugendlichkeit.
Florian: Unglaublich, tolle Forschung, Embodiment.
Miriam: Also kannst du zu Hause auch ausprobieren, wenn du so einen Kopf nach unten hängen lässt, die Schultern runterhängen lässt und dich so duckst und klein machst, wie das wirkt und wenn du dich eben sehr aufrichtest und die Schultern zurücknimmst und den Hals lang ziehst und die Brust raus... Das ist toll. Und das macht direkt jünger, das macht auch energetischer, das macht auch irgendwie, das sieht aktiver aus.
Florian: Du siehst direkt jünger aus.
Miriam: Du siehst sofort jünger aus, genau. Und von daher, da spielt ganz viel zusammen. Und das Allerallerwichtigste, glaube ich, ist das Genießen und da sind wir jetzt beim noch spannenden, beim letzten vielleicht sogar für mich, beim letzten Punkt. Wir sprechen ja im NLP auch sehr viel über Ziele visionieren und wissen, wie das in der Zukunft sein soll und genaue Vorstellungen davon haben.
Florian: Mit Intentionen in Situationen auch reingehen.
Miriam: Genau. Und es gibt auch sehr, sehr viele schöne Ideen zum Hier und Jetzt. Also wie toll es jetzt gerade ist. Der Augenblick, der jetzt gerade in dem Augenblick ist, wenn du diesen Podcast hörst, während wir ihn aufnehmen, während da draußen irgendeine Art von Wetter ist und dieser und jener Wochentag. Und eine Schauspiellehrerin von mir hat mir, weil ich immer gesagt habe, ich habe das Gefühl, die Zeit rennt so, das ist, es rennt so, das ist so schnell vorbei. Und dann sagte sie, Miriam, das Coole ist, ein Atemzug ist immer im Hier und Jetzt, weil während du atmest, kannst du es weder in die Zukunft denken noch in die Vergangenheit, erst jetzt. Und da besinne ich mich manchmal drauf und dann atme ich ganz bewusst einmal ein und aus und denke, jetzt ist auch gut. So wie es jetzt ist, ist es großartig. Vielleicht ist an der einen oder anderen Stelle Luft nach oben und da ist irgendwo auch die Zukunft und auf die freue ich mich und die kann ich planen.
Florian: Das darf ich ja auch niemandem verraten. Ich habe jetzt echt Gefallen an Yoga gefunden. Ja, das stimmt. Florian yogat jetzt. Und da sind ja auch so Sätze, die dann von den Lehrern kommen. Du entspannst dich jetzt, du atmest tief aus und ein und du spürst den Raum, in dem du gerade bist. Und ich denke mir auch mal, das funktioniert. Das ist echt. Ja, das ist halt das im Hier und Jetzt sein und einfach mal genießen, da zu sein, wo ich gerade bin.
Torte essen in Krefeld
Miriam: Tja, was machst du heute?
Florian: Heute an meinem Geburtstag? Wir gehen Torte essen, weil ich keine Geburtstagstorte bekomme.
Miriam: Wir haben nur gesagt, wir engagieren Profis dafür.
Florian: Miriam würde mir einen Geburtstagskuchen machen, nur keine Geburtstagstorte. Deswegen gehen wir Torte essen.
Miriam: Ich freue mich aufs Torte-Essen, ehrlich gesagt. Ich glaube mehr als auf meinen eigenen Kuchen.
Florian: Vor allem, ich finde es auch so krass, also eine Torte zu machen ist ja, also ich will ja nicht 27 Stücke von einer Torte haben, sondern ich hätte gerne am liebsten drei Stücke von drei verschiedenen. Das ist doch super. Und dann gehen wir lieber Torte essen.
Miriam: Gehen wir Torte essen, genau.
Florian: Torte essen in Krefeld. Und ansonsten weiß ich noch gar nicht so genau, was wir heute machen.
Miriam: Und alt ist mir eben noch eingefallen.
Florian: Podcast veröffentlichen.
Miriam: Den Podcast veröffentlichen. Es ist immer so schön, wenn ich anfange, die Glaubenssätze, die manche Menschen mir so zutragen, zum Beispiel, oh, wenn die Kinder jetzt dann auch demnächst in der Pubertät sind, liebe ich Florians Reaktion, der dann sagt, da freue ich mich jetzt schon drauf. Das wird der größte Spaß unseres Lebens.
Florian: Stellt euch mal vor, wenn die das erste Mal eine Freundin mitbringen oder so.
Miriam: Lustig.
Florian: Was für ein schöner Throwback, was für eine schöne Erinnerung auch, wie das damals war. Und was wir damals erlebt haben in der Zeit.
Miriam: Und wie witzig wir dann als Eltern sein können.
Florian: Alle Situationen sind die Gelegenheit, viel Spaß zu haben.
Miriam: Ständig ganz viele Gelegenheiten, ganz viel Freude zu haben, genau. So und über das Thema mit dem äußerlichen Altern und den Frauen und den Männern können wir sicher in einem anderen Podcast nochmal sprechen. Ich fand diesen philosophischen kleinen Schwung Richtung Geburtstagsparty fand ich sehr, sehr schön.
Florian: Allerdings.
Miriam: Wir wünschen dir tollen Geburtstag dieses Jahr 2018. Irgendwann hast du ihn ja. Florian hat jetzt den Anfang gemacht.
Florian: Ja, für die meisten aller Menschen mache ich den Anfang. Für ganz wenige nicht.
Miriam: Und ja, dann bis nächsten Dienstag.
Florian: Bis nächsten Dienstag wieder hier und vielleicht auch irgendwo anders.
Miriam: Das stimmt. Tschüss.
Miriam: Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.