Manu hat Florian und Miri eine Situation aus dem echten Leben gestiftet: Sie meldet sich krank – und ihr Chef reagiert so, als hätte sie sich das Knie mit Absicht gestoßen. Genau da fängt es an zu ziepen. Warum wollen manche Menschen unbedingt Wertschätzung, während andere sich mit einem knappen "Okay" zufriedengeben? Und was kannst du eigentlich selbst tun, wenn dein Gegenüber nicht so reagiert, wie du es dir wünschst?
Streicheln fürs Gerät, ein Knuff für die Miri
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Florian: So, läuft.
Miriam: Sag mal, was ist denn los? Kannst du ein bisschen freundlicher sein?
Florian: Wie freundlicher sein? Wieso denn? Hier, Podcast geht los. Was ist denn das Thema?
Miriam: So, finde ich, funktioniert das nicht.
Florian: Sag mal das Thema jetzt, Miri.
Miriam: Das Gerät und mich.
Florian: Das Gerät habe ich vor heute schon gestreichelt. Das hat vorhin ein bisschen rumgezickt. Dann habe ich es gestreichelt. Jetzt geht wieder alles.
Miriam: Dieser Podcast läuft einzig und allein, weil dieses Gerät läuft und weil ich mitlaufe. Du brauchst gar nicht lachen. Und den Umgang finde ich respektlos. Das Gerät streicheln, die Miri knuffen. Aua! Das geht doch nicht.
Florian: Wieso geht das nicht? Hast du doch gesehen.
Miriam: Ich würde mir wünschen, dass du mit Menschen in deinem direkten Arbeitsumfeld ein bisschen freundlicher umgehst. Respektvoll sozusagen. Noch freundlicher? Ja, dieser Mensch bin ich.
Florian: Du bist auch noch Fernsehmoderatorin. Dann sogar extrafreundlich.
Miriam: Extrafreundlich, sonst läuft hier mal gar nichts.
Florian: Ja.
Miriam: Was glaubst du, wenn du...
Florian: Was hättest du denn? Wie wäre denn extrafreundlich?
Miriam: Wenn du liebevoll zu mir wärst, dann würde ich hier zu höchst vorm Auflaufen.
Florian: Nur wenn du liebevoll bist. Machen wir hier Liebeserpressung?
Miriam: Nee, es geht einfach um netten zwischenmenschlichen Umgang, wenn wir zusammen was Tolles erschaffen möchten.
Florian: Und dieser Podcast ist... Bist du Podcast-Opfer?
Miriam: What?
Florian: Du bist ein Opfer des Einstiegs in diesen Podcast. Du bist dem völlig ausgeliefert. Ich dachte, du wärst Fernsehmoderatorin.
Miriam: Fernsehmadonna. Das war ein schöner Freundschaft. Ganz ehrlich, wenn du mir sagen würdest, Miriam, bitte lass dein güldenes Stimmlein erklingen zum Anfang von diesem Podcast.
Florian: Das wäre besser als läuft.
Miriam: Wirklich? Oh ja.
Florian: Miriam, lass dein goldenes Stimmlein erklingen. Miriam, lass dein goldenes Stimmlein erklingen. Zum Anfang diesen Podcasts.
Miriam: Ja, ich fühle mich viel motivierter. Ich finde es viel besser. Ich finde, das ist viel feierlicher und das wertschätzt.
Florian: Ich finde, wir hätten das auch einfach durch einen Kochlöffel erledigen können, mit dem ich dich dann über den Tisch hinweg pieksen kann. Ach.
Miriam: Schon wieder geknufft. Das ist doch Sklaventreiberei oder sowas.
Florian: Was ist denn das Thema?
Miriam: Das Thema ist respektvoller Umgang mit Menschen im Arbeitsumfeld. Und das hat uns eine ganz liebe Blogleserin gestiftet, die auf unseren Blog auf der Webseite hingeschrieben hat und eben gesagt hat, dass es immer mal wieder zu Schwierigkeiten kommt mit ihrem Chef. Weil er zum Beispiel, und sie hat uns dann ein konkretes Beispiel da auch geschrieben, bei Krankmeldungen aus ihrer Sicht eben sehr despektierlich reagiert und so tut, als hätte sie sich mit Absicht am Knie verletzt oder so. Und das Thema fanden wir beide gut. Also nicht, dass der Chef das macht, grundsätzlich. Und auch nicht, dass die sich am Knie verletzt. Also nur, dass wir das klar haben.
Florian: Was fanden wir denn dann überhaupt gut?
Miriam: Und nichts an der Situation. Jetzt lach doch nicht. Ich verstehe das. Ich möchte auch gewertschätzt werden in meinen Tätigkeiten von meinem Chef oder meinen Chefs. Die können das nicht oft genug tun. Hallo, ich bin mit Applaus zur Welt gekommen. Und wenn du keinen Applaus bekommst, machst du dann nicht die gute Arbeit, oder wie? Doch. Nur dann beiße ich dabei die Hinterbacken zusammen, oder wie das heißt. Also dann ist es anstrengender.
Florian: Dann ist es anstrengender für dich.
Miriam: Ja, natürlich.
Applaus, Blogposts und Meta-Programme
Florian: Hast du das deinem Chef denn schon mal gesagt? Ja.
Miriam: Und? Ich hab das meinem Chef schon gesagt.
Florian: Ist ne Chefin, wohlgemerkt.
Miriam: und die hat 17 Fernsehmoderatoren zu betreuen, die ist einiges gewöhnt an Schmerzen.
Florian: Und jeder möchte sein Popo anders gepudert haben.
Miriam: Ja. Ich möchte nicht in ihre Haut stecken manchmal. Ja, habe ich ja auch gesagt. Und ich habe ihr gesagt, ich möchte nicht in deiner Haut stecken und ich möchte gerne auf diese Weise gewertschätzt werden. Ich habe genaue Vorstellungen. Und da hat sie sehr gelacht und hat gesagt, es ist gut, dass sie es jetzt weiß, weil dann weiß sie, wie sie es tun soll das nächste Mal.
Florian: Jetzt mal unabhängig von den aktuell verfügbaren Jobs oder von den Jobs, in denen wir aktuell sind. Vielleicht in der Vergangenheit. Wenn du dich gewertschätzt gefühlt hast, hat das wirklich etwas geändert?
Miriam: Bei mir ja. Also ich kenne das sehr. Vielleicht hat es auch, vielleicht ist das Veranlagung. Wir im NLP haben ja da auch bestimmte Annahmen in Sachen Metaprogramme, Motivationsprogramme, die in jedem Menschen unterschiedlich gelagert sein können. Und von daher wäre das schon darüber erklärbar. Das ist bei uns ein ganzer Tag im NLP Practitioner. Übrigens Einladung, kleine Werbung, am 26.01. startet der nächste NLP Practitioner. Du darfst dich noch anmelden. Werbeunterbrechung zu Ende. Ja, also diese Meta-Programme sind ziemlich spannend. Und ja, wenn ich mir diese Texte durchlese, habe ich die sofort auf dem Schirm. Ich kenne meine ja auch, deswegen kann ich damit sehr entspannt und witzig umgehen, weil ich weiß, wann das greift. Tatsächlich ist es für mich der schönste Augenblick, also ich schreibe ja diese Blogposts wirklich selbst und händisch und jede Woche. Und der schönste Augenblick ist es, wenn Florian mir nach einem Blogpost sagt, der ist cool gewesen oder der gefällt mir gut. Schöner, als wenn ich den fertiggestellt habe und ich mache das mittlerweile bewusst, dass ich mir selbst auf die Schulter kloppe und sage, super gemacht. Und es ist viel cooler, wenn Florian das sagt. Oder wenn uns eine Leserin schreibt, das war ein wunderschöner...
Florian: Da drehe ich durch vor Freude.
Miriam: Also es motiviert mich unendlich, den nächsten Blogpost wieder zu schreiben und den nächsten und den nächsten. Ich liebe auch Applaus, wirklich Applaus-Moment ist für mich...
Florian: Wir sollten ein Applaus-Plugin in der Webseite haben.
Miriam: Ja, wir haben ja schon Applausometer. Wir haben Applausometer zu Hause. Das stimmt. Den hast du gekauft. Ja. Den pinne ich mir an die Spülmaschine. Welche Spülmaschine ausgeräumt habe, drücke ich auf den Knopf, gibt es so einen Applaus. Super. Bei mir funktioniert das, weil es funktioniert einfach. Ich weiß, dass das nicht bei jedem Menschen geht vielleicht, oder vielleicht doch? Ich weiß es nicht.
Florian: So, und als Chef soll ich jetzt meinen 17 Mitarbeitern, die ich habe, jedem einzelnen individuell, dir gebe ich Applaus, dem Klaus bringe ich Plätzchen mit, Tina, weiß ich nicht was, lege ich in der Zeitung auf den Tisch, Steffi bringt einen Kaffee vorbei.
Miriam: Stopp, stopp, stopp, stopp, stopp, stopp, stopp. Wenn ich jetzt käme und würde sagen, ich bin krank geworden, ich habe mich verletzt, dann könntest du doch wenigstens was Nettes denken. Ja. Was Mitfühlendes.
Florian: Ja, vielleicht vermisse ich dich ja dann. Vielleicht finde ich die Situation einfach deswegen blöd, weil du gute Arbeit machst.
Miriam: Achso.
Florian: Und allein deswegen denke ich schon so, das ist jetzt aber nicht so lustig. Quellst dir hier nicht mehr.
Miriam: Also wenn es mir nicht gefallen würde, hätte ich ja kündigen wollen.
Florian: Ja, wer weiß.
Miriam: Ja, nur wegen jetzt, weil ich mir das Knie gestoßen habe oder den Ellenbogen.
Florian: So fängt es an, gell?
Miriam: So fängt es an. Das sind die ersten Omen.
Florian: Die Omen.
Miriam: Mehrzahl von Oma, gell?
Wird man mit Absicht krank? Der Körper und seine Reinigung
Miriam: Das Thema ist es ja wohl. Also wenn der Mitarbeiter, also ich habe immer noch den Glauben und den teile ich glaube ich nicht nur mit NLP-Menschen, sondern auch, wir hören ja gerade beide begeistert auch systemische Geschichten uns an. Grundsätzlich in unserem vordergründigen Bewusstsein will ja kein Mensch mit Absicht krank sein. Also ich unterstelle mal jedem Menschen, dass er lieber gesund ist als krank. Und Menschen, die in die Tiefe der Seele blicken, die das Ganze ganzheitlich nehmen, würden sagen, da ist auf jeden Fall im Untergrund etwas, was mitwirkt in diesen Zustand der Krankheit oder auch der Verletzung oder auch des Unfalls, was nicht wahrgenommen wird. Also es heißt nicht, dass ich mit Absicht Halsschmerzen bekomme, weil ich mich abends hinsetze und sage, morgen... Hab ich mal Halsschmerzen. Wirklich will ich auch nicht. Der funktioniert nicht. Das heißt, ein Mensch wird zumindest nicht in seinem vordergründigen Bewusstsein absichtlich krank.
Florian: Oder willkürlich.
Miriam: Oder willkürlich, genau. Das passiert, wenn dann unwillkürlich. Und an der Stelle ist es ja spannend, wie die eine Seite und die andere Seite damit umgeht. Wenn ich zum Beispiel krank werde und ich habe jetzt, ja, ein paar Jahre Ausbildung Vorsprung, dann ist meine erste Frage immer, was bedeutet das denn in mir? Also warum entwickle ich denn diese Krankheit jetzt?
Florian: Warum wünscht sich mein Körper jetzt eine Auszeit?
Miriam: Nein, nein, es geht um die Auszeit. Es geht nicht darum, diese Krankheit jetzt irgendwie zu, ein Virus ist ein Virus und keine Ahnung, bakterielle Erkrankung ist bakterielle Erkrankung. Ich fühle mich dann auch nicht schuldig. Wie gesagt, ich werde nicht absichtlich krank. Ich bin ein Hans Dampf in allen Gassen. Ich bin am liebsten immer fit. Am liebsten hätte ich gar nichts. Nie.
Florian: Am liebsten arbeiten.
Miriam: Und wer meine Stimme hört, hört, ich bin so ein bisschen angekreckert. Also, ich mag das nicht. Nur die Frage ist ja, was steckt bei mir dahinter? Warum lässt mein Körper das jetzt zu? Ich habe eine sehr spannende Geschichte mal von einer anthroposophischen Ärztin gehört. Da war ich auch gerade im Jammertal eines grippalen Infektes unterwegs.
Florian: Im Jammertal eines grippalen Infektes? Und es war niemand da, der applaudiert hat.
Miriam: Wozu auch? Ich war ja noch nicht genesen. Applaus will ich ja, wenn ich wie der Phönix aus der...
Florian: Vielleicht, weil du schon den Berg des Gesundens wieder langsam erkrochen hast. Nee, ging noch nicht.
Miriam: War auch lange, bevor ich das erste Mal mit diesen ganzen inneren Methoden... Also auf jeden Fall, ich kroch im Jammertal dieses grippalen Infekts zu der Ärztin damals, die angeschlossen war, auch an der Waldorfschule. und die also ganz normale Allgemeinmedizinerin war plus anthroposophische Ausbildung. Und es war ganz spannend, was sie sagte, weil sie hat mich ganz normal untersucht, abgehört, das, was man bei einer Erkältung als Arzt, glaube ich, so macht. Und das, was sie danach sagte, fand ich spannend, weil sie meinte, Frau Deforth, an jeder Türklinke im Prinzip hängen genug Viren, um ständig krank zu sein. Also das würde einem Körper reichen, ein Gang durch eine Schule mit fünf Türen würde reichen.
Florian: Oder morgens mit dem Bus in die Arbeit fahren.
Miriam: Oder morgens mit dem Bus in die Arbeit fahren, würde es reichen, um sofort wieder zwei, drei Monate krank zu sein. Weil da sind genug Viren dran und auch genug Bakterien, die wir uns danach in die Augen schmieren oder ins Gesicht. Sagt sie, und witzigerweise bekommen ja die meisten Körper so ein-, zweimal im Jahr einen grippalen Infekt und das war's. Warum gerade dann? Und die antroposophische These ist, der Körper macht es, weil er sich zu dem Augenblick eine Reinigung wünscht. Das heißt, mit dem ganzen Sekret, was bei einem Schnupfen, bei einem Husten oder bei einer Verschleimung im Hals oder sonst wo rausgeworfen wird, ist wie ein Frühjahrsputz, wie eine Komplettsäuberung.
Florian: So, jetzt darf ich da schon mal. Nur für die, wenn du jetzt zu Hause vielleicht... Herausforderungen mit dieser These hättest? Es ist ja ganz spannend, mal diese Brille aufzusetzen. Einfach nur mal testweise diese Brille aufzusetzen und zu gucken.
Miriam: Zu dem Zeitpunkt war ja noch ganz anders drauf. Es hat mich nicht über meine Fieberschmerzen hinweg.
Florian: Ja, genau. Und jetzt, wir setzen die Brille mal auf.
Miriam: Nur, als ich mir das angehört habe in dem Augenblick, dachte ich ganz kurz, es war so ein Impuls von Schlau von meinem Körper. Und dann dachte ich wieder, aber es tut so weh. Also ist okay.
Florian: Schlau von dir.
Miriam: Ja, es gab zwei schlaue...
Florian: Es gibt da diese lichten Momente.
Miriam: Ja, jetzt ist es natürlich, wenn ich dann zu meinem Chef gehe und sage, pass auf, ich habe einen sehr schlauen Körper zur Hand, der sich entschieden hat, wir brauchen eine Komplettreinigung, deshalb bin ich die nächsten 10 Tage nicht da. Mein Körper ist beschäftigt.
Florian: Ja, so würdest du es ja wahrscheinlich auch nicht sagen, sondern eher, hallo, ich brauche die nächsten 10 Tage nicht kommen, weil ich habe eine Krankenschreibung. Ja klar, so.
Miriam: Und dann käme vielleicht von meinem Chef auch so eine etwas seltsame Reaktion. Kein Chef der Welt darf ja dann zu seinem Mitarbeiter, ich glaube nicht, dass ein Chef sagen darf.
Florian: Das ist in Deutschland sehr verboten.
Miriam: Du bist mit Absicht krank, du alter Lamoyantou. Das darf der ja gar nicht. Nein! Darf er nicht?
Florian: Ja, das stimmt.
Miriam: Darf der denn zu niemandem sagen? Überhaupt nicht. Darf der noch nicht mal denken? So, er kann sich also nur etwas schräg verhalten. Vielleicht so, wie du das vorhin so schön gesagt hast, etwas enttäuscht vielleicht, weil er mich als Arbeitskraft ersetzt.
Glaskugel-Leserei: Was weißt du wirklich über den anderen?
Florian: Wer weiß denn schon, was die anderen Menschen da um einen herum tun. Und das war jetzt beim nächsten NLP-Thema.
Miriam: Das darfst du jetzt gerne ausführen. Das ist eines deiner Lieblingsthemen.
Florian: Allerdings beim Glaskugel-Lesen. Bei dem Thema, nur weil einer schief schaut, weiß ich noch lange nicht, was in dem drin gerade passiert. Ich kann mir vielleicht die ein oder andere Hypothese zurechtlegen, nur was weiß ich denn, warum der oder die jetzt gerade so ein bisschen seltsam reagiert? Und vielleicht kann ich ja meine Annahmen auch mal so gestalten, dass da was Nettes bei rumkommt. Manchmal haben wir das mit den Kindern, dass das eine oder das andere einfach zu einem bestimmten Zeitpunkt grumpfig wird abends. Und dann hat es oft gar nichts mit uns zu tun oder mit einer Reaktion auf das, was ich gesagt habe oder dass wir nicht spielen oder nicht Fernsehen gucken oder was auch immer, sondern hat es einfach was damit zu tun, dass das Mittagessen schon eine ganze Weile weg ist und... Deswegen das Kind wieder Hunger hat und deswegen einfach irgendwie jetzt ein bisschen mehr Aufmerksamkeit braucht, oder?
Miriam: Doch, diesen Werbespot mit der Diva, oder?
Florian: Ah, ja, genau. Was ist das? Snickers oder Mars oder so ein Schokoriegel. Ja, also als Erwachsener habe ich das vielleicht sogar noch mehr auf dem Schirm und die Vermutung ist eher weniger. Es gibt da auch schöne Studien zu, ob Gerichtsurteile milder sind direkt vor dem Mittagessen oder nach dem Mittagessen.
Miriam: Des Richters.
Florian: Des Richters, ja. Und die Richter sagen, sie ändern überhaupt nichts an ihrer Rechtsprechung. Würde ja auch nicht passen. Justitia ist ja blind. Und offensichtlich hat Justitia auch keinen Hunger. Nur tatsächlich ist nach dem Mittagessen gibt es mildere Urteile, weil die Körper wieder gestillt sind und sind in einer anderen Verfassung. Einfach nur statistisch. Also da haben Forscher einfach nur geguckt, wo sind denn die milderen Urteile. Und das ist ja schon spannend. Also das hat halt, wir tragen unseren Kopf nicht nur mit unserem Körper herum, sondern da gibt es auch noch Interaktionen.
Miriam: Schön.
Florian: So und deswegen, wer weiß, warum der Chef in die eine oder andere Richtung reagiert. Ob das tatsächlich was mit der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter zu tun hat. Das ist ja alles, solange wir es nicht überprüfen und nicht fragen, nur Glaskugelleserei.
Miriam: Das ist das Wort, auf das ich gewartet habe, diese Glaskugelleserei. Wie viel interpretiere ich in das Verhalten eines anderen Menschen hinein und wie viel davon ist wahrhaftig so? Und um das rauszufinden, nutzt nichts, ihr Lieben. Also sage ich jetzt hier mal platt in den Raum rein, hilft nur Fragen. Selbst bei Florian, den ich in- und auswendig kennen darf. Bin ich immer noch, wenn Florian, und es kommt selten vor, wenn der mal mit einem, auch nur, Florian ist meistens fröhlich und wirklich echt entspannt und so, wenn Florian mal so ein bisschen mit einem Auge nach rechts schielt, statt geradeaus zu gucken, denke ich schon, oh weia. Was hat er jetzt gegen mich? Dabei guckt er mich ja noch nicht mal an, wenn er nach rechts schielt. Das ist ein alter Input.
Florian: Das hat ja oft eher was mit uns selbst zu tun, als mit den Menschen, die die Botschaft senden.
Miriam: Wenn ich Florian dann fragen würde, sag mir ins Gesicht, was habe ich dir getan, würde der wahrscheinlich sagen, hallo? Im Oberstübchen noch alles da.
Florian: Ich habe gerade an nichts gedacht.
Miriam: Ja, bei Männern sowieso lustig. Den zitieren wir ja gerne von John Laval. Wenn ein Mann nichts sagt und du gehst hin und fragst ihn, was ist los, an was denkst du gerade? Und er sagt, nichts. Dann sagt er die Wahrheit. Das ist für uns Frauen kaum vorstellbar. Und es ist wirklich so. Die können das. Wir Frauen dürfen das kapieren. Männer schaffen das. Eine Zeit lang echt nichts zu denken. Das geht bei uns gar nicht. Deswegen können wir das nicht glauben. Dann haken wir nochmal nach und sagen, dass da nichts existiert in deinem Gesicht. Du denkst an irgendwas.
Florian: Und vielleicht ist da gar nichts in dem Moment. Oder vielleicht ist zumindest nichts, was mit meinem Gegenüber oder meiner Gegenüber zu tun hat. Sondern es ist einfach in Gedanken verloren oder in einem inneren Film zugeschaut, was auch immer.
Miriam: Und dann habe ich mir auch überlegt, wie es wäre, wenn ich jetzt zu meiner Chefin gehen würde und würde sagen, ich habe mich, keine Ahnung, irgendwo verletzt oder ich hatte einen Unfall, ich kann nicht zur Arbeit kommen und ich telefoniere mit ihr und sie würde sagen, ach prima, super, alles klar, dann tschüss. Wie lange lang sind sie weg? 14 Tage, klasse, tschüss. Was würde ich dann denken? Dann würde ich doch denken, die vermisst mich gar nicht.
Florian: Ist das die Idealvorstellung? Nein! Nein, wie hättest du es denn gerne? Und das tatsächlich auch gerne an unsere Blogleserin. Wie sähe die Situation denn aus in Ideal? Also wie wäre denn das ideale Verhalten? Weil manchmal haben wir im Coaching schon erfahren und keine Ahnung, das ist jetzt auch Glaskugelleserei. Und insofern nutzen wir die Frage eher als Stein des Anstoßes, um da ein bisschen generell drüber zu sprechen, als jetzt konkret zu wissen, wie es denn genau war. Weil manchmal hat ja das eine mit dem anderen nichts zu tun.
Miriam: Also es könnte sein, dass der Chef einfach nur Hunger hatte und er zuckert war. Es könnte sein, dass der vorher einen Streit hatte mit einem anderen Mitarbeiter oder mit seiner Frau. Wir wissen es nicht. Oder vielleicht ist es auch sein Normalzustand. Florian arbeitet ganz viel mit IT-Spezialisten zusammen. Da sind einige dabei, die sind, ich würde sagen, für uns Fernsehmoderatoren wie Außerirdische unterwegs. Die reden nicht.
Florian: Die wollen auch gar nicht mit anderen Menschen reden.
Miriam: Die reden nicht. Die sagen Hallo und dann gehen die weiter.
Florian: Der wesentliche Teil der Information ist ausgetauscht an dem Moment, wo jemand sagt, ich bin die nächsten sieben Tage krank. Und dann sagen die, okay. Und dann war es vielleicht die Erwartung von anderen Menschen so, eine gute Besserung wäre schon nett gewesen. Nur, das ist ja kulturell höflicher Schnickschnack.
Miriam: Die gibt's wirklich. Die meinen das gar nicht böse.
Florian: Die meinen das weder gut noch böse. Oder im Endeffekt sparen sie sogar Kommunikationsmittel, indem sie es einfach nicht noch sagen. Also wir sind einfach schneller durch mit der Kommunikation. Aus deren Sicht ist es nett und höflich. Höflichkeit ist halt sehr individuell.
Miriam: Das stimmt wirklich. Und ich finde, ich habe eine sehr, sehr nette Chefin zum Beispiel im Sender und die ist also deutlich, was diese Erkrankungen angeht und so ist sie froh, wenn jemand zum Beispiel Sachen nicht verschleppt oder Sachen lieber auskuriert. Bei euch ist das ja auch immer noch, auf der Bühne ist es immer schwierig. Bei uns ist eine Erkältung schon blöd, weil das immer gleich auf die Stimme geht.
Florian: Und wenn hier jemand anders ansteckt, ist das echt auch eine schlechte Nummer, dann sind zwei Leute nicht mehr brauchbar.
Miriam: Eher zu Hause zu bleiben, als dann zu kommen, auch mit einem Schnupfen oder gar so dieses, die kommt ja auch mit dem Kopf unterm Arm in die Arbeit. Das ist bei uns nicht angesagt. Also es ist nicht gewollt und nicht gewünscht. Und es ist ein Riesenaufstand, unseren Live-Dienstplan dann anzupassen. Und da springen dann viele Kollegen in die Bresche. Und ich könnte dann, wenn ich mal krank bin, ich bin auch nicht viel krank, nur wenn ich mal krank gewesen bin früher, hätte ich mir auch diese Woche oder wie ich dann krank geschrieben war, zur Hölle machen können, indem ich darüber nachdenke, wer sich jetzt alles über mich ärgert da.
Die Veränderung beginnt bei dir – großzügig mit anderen und mit dir selbst
Florian: Was da ja auch so ein bisschen mitschwingt in all diesen Fragen, ist immer dieses, da wünsche ich mir Veränderung von jemand anders, ohne mich selber zu verändern.
Miriam: Oh ja, spannend.
Florian: Also es ist einmal diese Glaskugel-Leserei, dass mein Chef macht das aus einem bestimmten Grund heraus, weil er mich verdächtigt. Was auch immer.
Miriam: Oder weil er mich nicht mag. Oder weil er mich eh schon lange am Kita hat.
Florian: Oder vielleicht mag er mich zu sehr. Oder vielleicht... Schau nicht so, Florian! Das ist nicht die richtige Stelle hier. Warum auch immer. Und das andere ist... Ich möchte ja eine Veränderung. In der Frage steckt ja drin, ich hätte gerne, dass mein Chef sich anders mir gegenüber verhält. Und da haben wir im NLP auch eine ganz klare Meinung zu, wie funktioniert das. Nämlich indem ich mich irgendwie anders verhalte. Also wenn ich möchte, dass mein Umfeld sich verändert, darf ich mich halt selber verändern. Vielleicht heißt es, dass ich dem Chef das mal sage, vielleicht heißt es, dass ich ihn anders begrüße, vielleicht sage ich ihm Dinge anders, was auch immer. Es gibt ja ganz viele Möglichkeiten, anders in eine Kommunikation reinzugehen, fröhlicher oder gestresster oder was auch immer. Nur die Veränderung geht von demjenigen aus, der sich eine Veränderung wünscht. Sonst ist es ja eher so ein, ich wünsche mir, dass du dich veränderst, damit ich mich nicht verändern brauche. Jetzt guckt die Miriam nachdenklich.
Miriam: Ich finde das sehr, sehr spannend, weil ich aufgrund der Art und Weise, wie ich Dinge jetzt melde, also Informationen austausche. Ich fand das sehr schön, wir haben auch in unseren Seminaren öfter mal so, dass wir uns dann abends mit Menschen treffen, die sehr wach sind in ihrer Kommunikation und so weiter. Und was sich da eingestellt hat und was uns viele schildern ist, dass sie zum Beispiel auch einfach mal zehn Minuten gemeinsam irgendwo sitzen und keiner sagt ein Wort. So wie früher alle einfach nur ins Lagerfeuer geguckt haben, weil es gibt gerade nichts wirklich Gehaltvolles zu sagen. Es wäre nur Blabla oder Fülsel. Und die schönen Dinge, die werden gesagt. Und ich habe mir fest vorgenommen, dass ich Dinge mir sehr, sehr wohl überlege, wie ich sie sage, wie ich mich vorher fühlen möchte. Und ich habe den Eindruck, dass dieser alte Spruch Von diesem, so wie es in den Wald hineinruft, so ruft es meist auch zurück, der hat schon was Wahres. Ich spreche jetzt nicht von pathologischen Grenzfällen, sondern von normalen Menschen, einigermaßen normalen Menschen. Und ich gehe davon aus, dass die meisten von uns nicht unter einem völlig psychopathischen Chef arbeiten würden. Das geht gar nicht. Das heißt einfach, wenn ich merke, wenn ich wertschätzend und respektvoll, nicht nur wenn ich krank bin, sondern generell in meinem gesamten Arbeitsbereich, wertschätzend und respektvoll mit anderen Menschen umgehe, dann kommt da sehr, sehr, sehr, sehr viel zurück. Manchmal so viel, dass ich mich schon wundere. Und das habe ich verändert.
Florian: Wir hatten das letztens in einem der Podcasts auch, dass es gibt niemanden, den ich kenne, die mehr Komplimente gibt als Miriam und es gibt niemanden, den ich kenne, die mehr Komplimente bekommt als Miriam. Ja, ist unglaublich. Und ich glaube, dass die beiden Sachen was miteinander zu tun haben. Also, dass das Geben und das Nehmen an der Stelle tatsächlich in der direkten Abhängigkeit stehen.
Miriam: Also unser Tipp ist an der Stelle sehr generös zu sein, also viele Geschenke zu machen. Nicht nur dann, wenn ich erkrankt bin, sondern eben auch außen herum.
Florian: Weil vielleicht nimmst du ja schon viel mehr wahr davon, was da draußen passiert und wie deine Mitmenschen auf dich reagieren. Wie du ankommst, wie die durch die Gegend laufen. Nur vielleicht passiert das bei denen ja noch gar nicht. Also vielleicht sind die im Moment sehr mit sich selber beschäftigt, warum auch immer. Und dann darfst du einfach sehr generös und sehr großzügig mit denen sein und denen das eine oder andere Angebot machen, dass es denen ein bisschen leichter macht. Das ist das, was wir meinen, wenn wir sagen, die Veränderung entsteht auch bei der Person, die sich die Veränderung wünscht.
Miriam: Ja, und das bedeutet auch, dass du generöser mit dir selber bist. Also auch wenn ich super, super, super wahnsinnig gerne, super gerne arbeiten gehe und mich ärgere, wenn ein Arzt sagt, du bleibst jetzt mal ein paar Tage zu Hause und kurierst es in Ruhe aus und heilst und wirst schnell gesund. Dass ich dann eben auch bewusst großzügig zu mir selbst bin und sage, ja, ich heile jetzt ganz schnell. Und dann bin ich mit meiner vollen Kraft und mit meiner vollen positiven Energie wieder in dieser Firma, mit meinen Chefs, mit meinen Kollegen, für meinen Job, für das, was ich so sehr liebe an der Arbeit. Und das ist ein ganz tolles Gefühl. Und dann ist es auch nicht mehr so erheblich, was andere Menschen vielleicht denken.
Florian: Du lässt es dir auch gut gehen, weil das dafür sorgt, dass du in dem Zustand bist, dass du großzügiger und einfacher mit anderen Menschen umgehen kannst. Du lässt es dir gut gehen dafür, dass es anderen noch besser geht. Weil nur in dem Zustand, dass du dich gut fühlst, fällt es dir auch leicht, deine Umgebung so zu gestalten, dass es anderen da drin gut geht. Das stimmt. Da hast du ja vollen Zugriff auf deine Ressourcen und vollen Zugriff auf all deine Fähigkeiten und die ganzen Möglichkeiten, die in dir auch schlummern sonst. Und das ist das Schöne daran an dieser Idee, zu sagen, du lässt es dir nicht für dich gut gehen, sondern für die anderen.
Miriam: Auch recht.
Florian: Auch irgendwie, wenn es sein muss.
Miriam: Hauptsache, du lässt es dir gut gehen.
Florian: Ja, genau.
Miriam: Fertig.
Florian: Und insofern ist es schon spannend bei so einer Frage. Es könnte Glaskugelleser 3 drin sein. Es könnte sein, dass da eine Veränderung gewünscht ist, die vielleicht an der Stelle nur hochgebrandet ist oder nur mal aufs Radar kam. Und dann darfst du mal ganz... Ehrlich mit dir sein. Was ist das, was du dir wünschst in der Situation? Was ist das Ziel, was du gerne hättest? Wie würdest du gerne in der Interaktion mit deinem Chef einfach so Tag für Tag?
Miriam: Wie wäre es beim nächsten Mal in ideal? In perfekt?
Florian: und vielleicht ist es anders beim Ausmalen, als jetzt hier ist ursprünglich gedacht. Weil wie Miriam gesagt hat, so dieses, ah ja, okay, du bist krank, ja, kein Problem. Ja, wann bist du wieder da? Zehn Tage. Ah ne, willst du nicht lieber zwei Wochen gleich machen, dass du richtig auskuriert bist? Wollen wir mal in zwei Wochen raus. Ist auch komisch.
Miriam: Ist komisch, ne?
Florian: Ja, das stimmt.
Miriam: Ja, also dann mag ich es lieber, wenn Florian sowas sagt wie, wir wollten doch das Seminar vorbereiten. Also da freue ich mich tatsächlich dann mehr drüber, weil ich denke, ach, Irgendwie fehlt es dann auch. Also es passt besser, wenn ich gesund bin und wenn ich da bin. Du wirst gebraucht. Oh, schön. Ja, fühlt sich gut an. Ja, vielen Dank für das tolle, spannende Thema und bis zum nächsten Mal.
Florian: Bis nächste Woche.
Miriam: Jetzt werden wir uns sehr respektvoll aus diesem Podcast verabschieden, richtig wertschätzend meine ich.
Florian: Ja, wir machen jetzt Schluss. Tschö.
Miriam: Das kann doch nicht wahr sein.
Florian: Eindeutig zeigen, dass ich was gelernt habe. Miriam, würdest du bitte dein güldenes Stimmlein wieder einpacken, wir sind fertig.
Miriam: und auf dem kleinen roten Samtkissen Richtung Sonnenuntergang tragen. Mach ich. Ihr Lieben, vielen Dank fürs Zuhören, fürs Mitdenken und für eure Kommentare, die ihr uns überall hin posten könnt, wo wir euch Platz dafür gemacht haben. Auf der Homepage, auf der Facebook-Seite, auf YouTube, wo ihr wollt. Bis nächsten Dienstag.
Florian: Bis nächsten Dienstag. Tschüss.
Miriam: Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.