NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 102

Schau genau - erkenne Dein Gegenüber

Mach die Augen auf!

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In dieser Folge

Darum geht es

Viele Menschen haben in Gesprächen die Herausforderung, ihr Gegenüber nur unzureichend wahrzunehmen oder fühlen sich in vielen Dialogen missverstanden. Tatsächlich scheint es auch laut diversen Studien so zu sein, dass im Zwischenmenschlichen das achtsame Sehen des anderen, seine Mimiksignale, seine Gesten, gar nicht im bewussten Bereich seines Zuhörers ankommen. In diesem Podcast verraten Miri und Florian Dir, wie Du Deine Achtsamkeit im Gespräch wieder auf Hochtouren trainierst und dadurch mehrdimensionaler zuhören und -sehen kannst. Wozu? Um Dein Gegenüber besser schneller zu verstehen und Gespräche besser kennen zu können. Ganz einfach. Miriam und Florian sprechen über Mimik lesen, Mikroausdrücke, Gestik und Körperhaltung – und darüber, warum wir das Zuhören verlernen, wenn wir im Kopf schon Gegenargumente suchen. Es geht um den Unterschied zwischen bewusster und unbewusster Wahrnehmung, um Begeisterung im Gesicht (bei Miriam Lachen und leuchtende Augen, bei Florian ein fast besessener Glanz) und um eine konkrete Übung für eine Woche: den visuellen Sinneskanal ganz bewusst schärfen. Wer nach Achtsamkeit im Gespräch, NLP-Wahrnehmung, Körpersprache deuten oder besserem Zuhören sucht, ist hier richtig.

Lesefassung

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Kapitel dieser Folge
  1. Ankommen: Folge 102 und ein Lupenthema
  2. Bei sich oder beim anderen? Warum wir das Zuhören verlernen
  3. Von Mikroausdrücken bis zur großen Geste
  4. Der Islandtest: Begeisterung live am Gesicht ablesen
  5. Eine Woche üben: die Augen wieder öffnen

Jemand erzählt dir vom lang ersehnten Urlaub im Schwarzwald – die Worte sagen Freude, aber im Gesicht ist keine Spur davon zu sehen. Solche Momente fallen dir auf, sobald du wieder genauer hinschaust. Miriam und Florian nehmen dich mit in die Kunst des Beobachtens: Mimik, Gestik, Körperhaltung, Stimme. Und ganz nebenbei versucht Miriam, Florian für einen zehntägigen Ponytrack über Islands Geysire zu begeistern – live an seinem Gesichtsausdruck ablesbar.

Ankommen: Folge 102 und ein Lupenthema

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Na, schauen wir mal.

Florian: Auf was?

Miriam: Ja, wie gut es heute wird.

Florian: Wie gut was heute wird? Der Podcast. Dieser Podcast? Dieser Podcast. Weißt du überhaupt, welche Nummer das ist?

Miriam: 102. Da guckst du.

Florian: Da guck ich.

Miriam: Da guckst du genau. Da guck ich nochmal genauer hin.

Florian: Woher weißt du das denn plötzlich?

Miriam: Ja, was dazugelernt. Ich habe mich verändert.

Florian: Noch zwei Folgen und wir haben zwei Jahre voll.

Miriam: Hab ich schon wieder Grund zu feiern. Sag ich doch. Ständig dieses Gefeiere.

Florian: Haben wir jetzt heute wieder ein Höhner... Ein Höhner-Thema.

Miriam: Wir wohnen ja in der Nähe von Köln, da gibt es die Höhner.

Florian: Was ist denn die Höhner?

Miriam: Die Höhner ist eine Band.

Florian: Ja?

Miriam: Ja, die haben hier... Die Karawane zieht weiter. Oh Gott, das sind die? Ja.

Florian: Ich wollte gerade sowas sagen, wie vielleicht will mein Unterbewusstsein mir sagen, dass ich mehr von denen hören soll. Und... Fährste Karneval nach Köln. Spielen die überall, ständig. Ist ja auch bald wieder.

Miriam: Ist bald wieder. Ist ja schon Juli. Karneval kommt immer plötzlich. Ja, schaust du genau, wo du hinziehst. Nein, wir haben keine Hörerthemen mehr.

Florian: Was?

Miriam: Nie wieder. Außer Hörer schicken uns verzweifelt ihre Themen. Ja, ich hatte aufgerufen bis zur hundertsten Folge, das ist jetzt vorbei.

Florian: Und das hat geklappt, cool. Hat super geklappt.

Miriam: So auf Punktlandung.

Florian: Auf Punktlandung, ja. Hat super geklappt. Ja. Was dann das Thema heute? Schau genau. Wer hat sich das denn ausgedacht?

Miriam: Das ist ein Brillenthema. Ein Lupenthema? Mikroskop?

Florian: Ein Fernglasthema?

Miriam: Habe ich mir alles überlegt. Es ging um grundsätzlich, das ist mir diese Woche häufiger begegnet, vielleicht darf ich dazu erwähnen, dass wir, während wir diesen Podcast aufnehmen, gerade auf unserem Zauberberg hocken in der Abendsonne und in Arnsberg sind, weil wir hier den NLP Masterkurs geben dürfen.

Florian: Den Lizenzierten, genau.

Miriam: Jawollo. Und sehr viel Freude generieren, jetzt schon dabei. Und während der Vorbereitungen auf den Masterkurs und auch im Masterkurs ist das Thema Achtsamkeit immer wieder ein großes Thema. Und wenn wir uns sowieso gerade so intensiv damit befassen, können wir das ja auch in diesem Podcast weitergeben. Und das genaue Hinschauen, um eben zum Beispiel einen anderen Menschen besser zu verstehen, mit dem ich Konversationen betreibe, mit dem du Konversationen betreibst oder mit dem du ein Gespräch führst.

Florian: Was möchtest du denn da jetzt alles verraten bei dem Thema?

Miriam: Alles, was uns einfällt und was in einer halben Stunde... Augenzugangshinweise auch? Nein, das ist Practitioner. Außerdem ist es...

Florian: Kurz anschneiden.

Miriam: Google, könnte man machen, ja. Und es ist eher zu zeigen, wenn es was zu gucken gibt. Wenn es was zu gucken gibt. Ja. Weil so ein Hörpodcast finde ich das schon herausfordernd.

Florian: Ja, die einfache Variante vielleicht.

Miriam: Ja, kannst du machen, bin ich sehr gespannt drauf. Auf was ich achten könnte, auf was unsere Hörer achten könnten, wenn sie es bis jetzt noch nicht tun, in Gesprächen, beim Hinschauen. Denn oft kommt es ja zu Missverständnissen, wenn Menschen miteinander reden, gehen danach auseinander und denken sich sowas wie, der hat mich überhaupt nicht verstanden oder ich habe überhaupt nicht verstanden, was der will. Oder ich verstehe seinen Ansatz nicht, ist auch so ein Satz, den ich kenne. So und das finde ich ein sehr gutes, ein sehr praktisches Thema. Hammer.

Florian: Sehr cool. Wobei ich ja jetzt immer mehr in der Arbeit das habe, dass Menschen gar nicht mehr sich anschauen, sondern nur noch dieses kleine Mobilfunkgerät in ihrer Hand.

Miriam: Während sie mit anderen sprechen?

Florian: Ja, so wenn wir in einem Meeting sind, dass der eine oder die andere dann zwischendurch auf sein Telefon guckt oder Smartphone und dann kurz abgelenkt ist für die nächsten 20 Minuten. Je nach Person. Je nach Kultur, die es in dieser Firma zu diesem Thema gibt.

Miriam: Ja, das kenne ich auch anders.

Florian: Ja?

Miriam: Ja. Vielleicht sind es die Computer- oder IT-Bereiche, in denen das so ist. Wenn ich mich erinnere an Meetings im Fernsehkaufhaus, das war ohne Handy. Wo wir alle immer mal drauf geguckt haben, war ein PowerPoint, statt uns gegenseitig anzugucken. Das stimmt. Und gar nicht so häufig.

Florian: Wenn es so Regelungen gibt. In manchen Meetings ziehe ich das auch ein, dass wir solche keine Handy-Regelungen haben oder nur in Notfällen, wenn irgendjemand was Dringendes hat. So kindkrank oder sowas.

Miriam: Und wir haben es hier ja auch, also ohne es sogar festgelegt zu haben. Klar, weil die Menschen, die NLP-Kurse besuchen, ihre Wahrnehmung ja auch noch beischärfen, wenn wir das Wort benutzen möchten. Das heißt, dieses Wacherwerden, dieses wieder kleinste Signale wahrnehmen, die vielleicht sonst auch einfach verloren gehen in einem Gespräch. Und da sind wir ja schon beim ersten Punkt. Wie sehr beschäftigen sich Menschen denn beim Zuhören mit dem anderen? Ja.

Bei sich oder beim anderen? Warum wir das Zuhören verlernen

Florian: Also wie sehr bist du schon im Außen, dass du tatsächlich siehst, was macht mein Gegenüber oder in vielen Situationen vielleicht noch drin oder zumindest drin gewesen in dir und hast eher beobachtet, was löst das in dir aus, was der andere sagt oder was da draußen passiert und dann schon die richtige Antwort da drauf.

Miriam: Haben wir in Paargesprächen ganz oft.

Florian: Festlegen.

Miriam: Mit Beziehungen, die schon länger existieren. Ja. Wo der eine versucht, in Anführungszeichen, dem anderen klarzumachen, was er denkt, fühlt, möchte, plant. Und der andere ist in seinem Kopf damit beschäftigt, Gegenargumente zu finden. Und dann, klar, ist es logisch, dass der Fokus nicht mehr da ist, wie bewegt derjenige seine Augen, ist sein Gesicht entspannt, sind seine Falten auf der Stirn gezogen oder sind die relaxed. Was macht sein Mund? Sind die Mundwinkel nach oben, nach unten neutral? Verändert sich das? Hat er geblähte Nüstern während er spricht oder nicht? Verändert sich das während der Themen? Das sind alles Dinge, die ich beobachten kann, auch ohne jedes NLP-Vorwissen. Das ist einfach nur ein Menschen in seiner Ganzheit wahrnehmen. Hat er seine Beine überschlagen oder nebeneinander? Haben seine Hände eine verkrampfte Haltung? Wir haben das neulich auf einem Videofilm ganz spannend gesehen. Zwei Menschen, die im Prinzip einen Fachvortrag gehalten haben und einer von beiden hatte seine Hände so ineinander verkrampft, dass es fast aussah, als die Knöchel standen raus und waren weiß. Ich habe bei den Fingernägeln gedacht, die bohren sich wirklich in die Haut. Also es war zu sehen, dass da eine wahnsinnige Anspannung vorhanden war.

Florian: Was passiert denn, wenn wir jetzt da nicht bewusst drauf achten? Dieser andere Teil in uns nimmt es ja trotzdem wahr oder dieses Unbewusste oder auf anderen Kanälen bekommen wir das ja trotzdem mit. Also vielleicht kann ich überhaupt nicht sagen, da waren diese verspannten Hände zu sehen, nur irgendwas stimmte nicht.

Miriam: Oder es war eine angespannte Stimmung, wird ja auch oft dann wahrgenommen. Das lag auch daran, wie beide Menschen... Wozu muss ich das dann bewusst wahrnehmen?

Florian: Also ich meine, ich kann das ja auch einfach unbewusst auf mich wirken lassen.

Miriam: Ja und was passiert beim unbewusst wirken lassen? Und lassen Menschen tatsächlich Dinge unbewusst auf sich wirken? Oder ist es dieses bei sich selbst bleiben und das ausklammern? Weil, verstehst du, viele Menschen fragen mich ja auch in meinen Coachings, wie kann ich denn besser mit dem und dem Kollegen, Geschäftsführer, Kunden, Lieferanten umgehen? Und meinen damit sowas wie Manipulation. Wie bekomme ich den dazu, dass er das macht, was ich will oder andersrum? Und mal abgesehen von der Tatsache, dass du keinen einzigen Menschen auf diesem Planeten dazu bekommst, etwas zu tun, was er nicht und auf gar keinen Umständen will, ist der erste Hinweis, um ein entspannteres, schöneres Gespräch zu führen, nimm den anderen erstmal wahr. Denn viele Menschen haben eins verlernt, sie haben verlernt zuzuhören. Weil sie eben im Kopf schon wieder einen Schritt weiter gehen.

Florian: Das ist eine komische Aussage in einem Podcast.

Miriam: Jetzt, wo du es sagst. Komm, wir machen den aus. Ich habe auch jetzt schon keine Lust mehr. Wieso? Wenn uns keiner zuhört.

Florian: Ja, eben.

Miriam: Das hört mir keiner zu. Die Menschen haben es verlernt.

Florian: Ja, witzig. Also bei Hörbüchern oder bei Podcasts, da kannst du ja oft stundenlang dabei bleiben. Und dann ist die Frage, wieso ist das in einem Gespräch, im Dialog mit einem anderen Menschen so interessant, so herausfordernd vielleicht an der einen oder anderen Stelle, da wirklich mal fünf, zehn Minuten jemandem zuzuhören. Wirklich interessant.

Miriam: Ist das dieser Ich-Modus? Also es ist im Grunde viel wichtiger, dass es in dem Gespräch um die Dinge geht, die mich tangieren, meine Gefühle, mein Wissen, meine Meinung, meine Ansicht von irgendwas. War ich früher so? Ja.

Florian: Weil dann wäre es ja ein sehr konzentriertes Zuhören und eben auch Zuschauen. Was passiert da bei meinem Gegenüber an bestimmten Stellen? Was ist zu sehen?

Miriam: Ich habe festgestellt in den vielen Jahren Kommunikation, egal in welchem Bereich, dass es mich bereichert, wenn ich mir selbst und dem anderen diesen Raum stifte. Wenn ich also bewusst bei einem Hörbuch oder bei einem Podcast, gibt es keinen Dialog. Beim Hörbuch oder Podcast gibt es nur Kommunikation auf einer Seite. Also es gibt den Podcast und ich kann nicht in Interaktion treten. Also das geht nicht. Ich kann innerlich darauf reagieren, wenn ich ein sehr spannendes Hörbuch höre, dann habe ich selbstverständlich gefühlsmäßige Reaktionen darauf. Wenn ich einen Podcast lausche, habe ich mich ja auch entschieden, diesem Podcast zuzuhören. Je nachdem, wie spannend der gemacht ist, umso mehr bin ich eingestiegen. Oder umso mehr bin ich gefesselt. Und dann kann ich das innerlich bei mir abgleichen. Vielleicht nehme ich Begeisterung mit raus, eine neue Idee. Vielleicht hat mir jemand was Tolles verraten und ich denke, boah, das probiere ich jetzt gleich mal aus bei Florian. Nur, da kann ich keinen Dialog machen. Wohingegen, in einem Gespräch mit einem anderen Menschen findet ja was Organisches statt. Und dieses, die Stimmung war nicht gut, ist ja nichts, was ich messen kann. Warum war die nicht gut? Wer war das von beiden? Beide? Woran habe ich es gemerkt? Habe ich es an meiner eigenen Laune gemerkt? War der andere auch schlecht gelaunt? Es gibt ja tausend Faktoren.

Florian: Gibt es überhaupt einen schlecht gelaunt oder ist das dann wieder Interpretation? Also was war das, was tatsächlich wahrnehmbar war da draußen?

Miriam: Was sind die echten Zeichen, die du empfangen kannst?

Von Mikroausdrücken bis zur großen Geste

Florian: Und derer gibt es tatsächlich sehr viele. Wir haben einen sehr guten Freund aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, der dort Trainings macht zu Mikroausdrücke wahrnehmen, wo es darum geht, diese blitzschnellen Bewegungen auf dem Gesicht wahrzunehmen, die Menschen haben, die also wirklich deutlich unterhalb einer Sekunde sind, um einfach nur wo als Reaktion kurz etwas übers Gesicht huscht, bei den meisten Menschen eben sehr unbewusst, was da passiert. Und sein Thema ist, daraus lesen zu können, wie geht es den Menschen, was passiert bei denen, wie reagieren die auf irgendwas. Um das zu nutzen für den Verkauf oder für Motivationssituationen, um Konflikte auch früher erkennen zu können. Und dafür darf ich natürlich meine visuelle Wahrnehmung, meinen Blick auch ausbilden, um mehr solche Sachen wahrzunehmen.

Miriam: Und Mikrobewegungen finde ich schon sehr professionell.

Florian: Das stimmt. Das wäre ja was zum Studieren, weil da gibt es dann Trainingsprogramme und da darf ich mich längere Zeit mit beschäftigen.

Miriam: Ich habe das Gefühl, dass es bei manchen Menschen schon genügen würde, wenn sie die größeren Bewegungen wieder wahrnehmen. Oft stimmt ja zum Beispiel auch, das fällt mir auf, Menschen erzählen mir etwas, worauf sie sich angeblich freuen. Zum Beispiel die nächste Reise, die geplant ist, mit der Familie, mit der Frau, mit den Kindern. Und im Gesicht ist nicht auch nur eine Spur Freude zu sehen auf diese Reise. Die Worte sagen, wir freuen uns darauf, das ist jetzt endlich die Reise in den Schwarzwald, die meine Frau schon seit 50 Jahren machen möchte und wir haben jetzt endlich das Hotel gebucht und im Gesicht ist keine Freude zu sehen. Sowas fällt mir dann auf. Wäre mir früher nicht aufgefallen. Ich hätte einfach nur die Information wahrgenommen, die sind dann zwei Wochen im Schwarzwald.

Florian: Da gibt es doch diese Tasse, oder? Oder diesen Spruch, wenn du glücklich bist, sagst dein Gesicht...

Miriam: Ja, ja. Das einfach nur festzustellen würde mir, also es lässt Interpretationsspielraum zu und ich sage dazu nichts. Es fällt mir nur auf. Und ich frage mich dann, ist das der Zustand, in dem dieser Mensch wirklich begeistert ist? Also sieht der dann einfach so aus? Weil bei mir sieht es anders aus. Bei mir ist dann Lächeln oder Lachen oder meine Augen leuchten oder ich habe gerötete Wangen, wenn ich von Dingen erzähle, die mich total begeistern. Ich glaube auch, dass meine Augen mehr glänzen, wenn ich anfange, über Dinge zu sprechen, die mir Spaß machen. Also mein Gesicht ist ein offenes Buch sozusagen. Und da ist ja auch dann schon wieder so eine schöne Kante, wo ich anfangen darf, einen Menschen besser kennenzulernen. Also wie sieht Florians Gesicht aus, wenn er sehr begeistert ist? Und tatsächlich, Florian zeigt Begeisterung im Gesicht anders als ich.

Florian: Ja.

Miriam: Ja. Also bei dir zum Beispiel ist es weniger über Lächeln und Lachen, nur du hast so einen diabolischen, fast besessenen Glanz in den Augen, wenn du mir von was erzählst wie, weißt du, was da einer neu erfunden hat für Apple Macintosh? Das soll jetzt keine Werbung sein, das hätte auch, was weiß ich, wie heißen die anderen Laptops? Wir haben sowas nicht zu Hause. Sagen kann. Nur, dann ist da nicht so dieses lachende Lächeln, sondern es ist eher so eine völlige Besessenheit. Und es ist cool, weil ich habe mittlerweile raus, das ist Begeisterung bei Florian und diese Begeisterung, dieses etwas Besessene im Gesicht, hat Florian nicht bei allen Reisezielen, die ich ihm offeriere, die wir gemeinsam besuchen könnten.

Florian: Hahaha.

Miriam: Und das war ein Learning. Das ist super für Beziehungen.

Florian: Das stimmt tatsächlich.

Miriam: Florian liest in mir wie in einem offenen Buch.

Florian: Rauszubekommen, wie sieht mein Gegenüber aus. Und oftmals ist es ja in Beziehungen so, wenn ihr euch länger kennt, dass du dann mindestens auf dieser unbewussten Ebene weißt du sehr genau, wie dein Gegenüber aussieht und wie es dem gerade geht, wenn ihr euch länger kennt. Und dann das auf die bewusste Ebene raufzuheben, heißt halt noch, anders damit umgehen zu können. Also zum Beispiel, wenn mein Kollege, das wäre für mich ja auch die Frage gewesen, was kann ich denn da praktisch mitmachen, wenn mir mein Kollege von seinem tollen Urlaub erzählt, auf den sie jetzt seit fünf Jahren sparen oder seit zwei Jahren sparen und ich das Gefühl habe, ich sehe das noch gar nicht im Äußeren, in der veränderten Atmung, die ich sehen kann, daran, dass sich die Schultern anders heben, im Glänzen in den Augen, in der Rötung der Wangen, all diese Dinge, die Miriam eben gesagt hat. Wenn die noch nicht da sind, dann könnte ich ja, um dem einen Gefallen zu tun, nochmal nachfragen, wo es denn genau hingeht und was die sich genau vorstellen. Und auf was er sich vielleicht besonders freut. Was sie dann machen wollen. Solche Fragen einfach stellen, dass das nochmal ein bisschen präsenter wird, weil das ist ja toll, wenn jemand anders sowas plant. Und dann kannst du dein Gegenüber dabei unterstützen, da noch mehr Emotionen reinzubringen. Dafür darf ich natürlich sehen, wie viel ist da schon drin, um dann die Veränderung überhaupt wahrzunehmen.

Der Islandtest: Begeisterung live am Gesicht ablesen

Miriam: Das ist eine sehr schöne Übung, vor allen Dingen, wenn es um so gute Sachen geht. Also wenn es um Dinge geht, die andere Menschen begeistern. Und genau auf diese Zeichen könnte ich ja auch warten, wenn ich jemand anderen gerne begeistern wollen würde. Also wenn ich Florian davon begeistern wollen würde, mit mir einen Reiturlaub zu machen auf Island. Das ist einer meiner Urlaubsträume, die ich mir noch nicht erfüllt habe. Seit ich 19 bin, träume ich davon, auf Island mal so einen 10-tägigen Pony-Track zu machen über die ganzen Geysire. Und ich bin sonst kein Wanderurlauber. Also ich bin nicht jemand, der sich so durchwinde.

Florian: Da würden ja auch die Pferde wandern für dich.

Miriam: Da wandern die Pferde für mich. Und Reiten ist immer noch ein Sport. Da würden jetzt alle Reiter, die uns zuhören, deutlich unterschreiben. Das ist einer der Träume. Und wenn ich jetzt wollte, dass Florian mitreitet ...

Florian: Warum lachst du da jetzt?

Miriam: Dürfte ich ja wissen, an welcher Stelle Florians Gesichtsausdruck Richtung Begeisterung schwenkt. Und welche Argumente dazu beitragen könnten, dass Florian den Gedanken besser und besser findet. Also ich weiß zum Beispiel, dass Florian sich sehr begeistert fürs Wandern generell. Und Island ist kein Land, wo Florian ganz und gar keinen Bock drauf hätte, glaube ich.

Florian: Da könnten wir schon hinfahren. Fliegen wäre mir lieber.

Miriam: Oder mit dem Schiff. Mit dem Schiff hinfahren. Und dann noch reiten. Und im Moment, wenn ich jetzt während dieses Podcast in Florians Gesicht schaue, kommt beim Reiten noch nicht die Reaktion, also das Feedback, was ich gerne hätte. Körperlich auch nicht. Also Hände sind hinterm Kopf verschränkt, das ist bei Florian immer ein Zeichen von, ich lass sie mal ausreden, dann lachen wir beide gemeinsam darüber und dann sag ich ihr, was wir tun.

Florian: Oh, gleich, gleich.

Miriam: Nur da eben auch wach zu sein und du siehst, es erzeugt ja fast so ein bisschen Comedy. Also es macht das Ganze viel entspannter, wenn ich auf die Weise, wenn ich noch eine zweite, eine dritte Ebene in ein Gespräch einziehen kann von Wahrnehmung. Zum Beispiel auch ein tolles Indiz für wie entspannt ist ein Mensch, wie gut geht's ihm, wie viel Freude machen ihm die Sachen, die er gerade erzählt, seine Stimme. Viele Menschen unterschätzen das.

Florian: Und wir sind bei Schaugenau.

Miriam: Entschuldigung, und Podcast. Ja, und Schaugenau, das stimmt. Meinst du, wir machen auch noch Hörgenau?

Florian: Können wir gerne machen. Okay. Wir hatten sowieso schon so viel zur Sprache drin, zur Stimme drin. Und wir sind ja bei Schaugenau.

Miriam: Ja, das stimmt.

Eine Woche üben: die Augen wieder öffnen

Florian: Was ich mir ja manchmal vorstelle, weil wie ist das, wenn ich jetzt länger das nicht geübt habe, hinzuschauen oder vielleicht jetzt in Situationen mit neuen Augen schauen möchte. Ich hatte ja schon mal überlegt, es wäre schon cool, wenn wir mit den Kindern schauen, wie manchmal diese, es war einmal das Leben-Sendung, diesen französischen Trickfilm von Anno dazu mal, wo es diese ganzen kleinen Figuren gibt, die immer durch den Körper laufen. Und unter anderem gibt es ja auch die, die von innen die Augen reinigen dann. Ach ja, mit so Schiebern. Dass das heute Nacht, während du träumst und schläfst, kommt einfach die Putzkolonne einmal durch und mit Schiebern werden die Augen einmal gereinigt und der Sehnerv wird einmal gereinigt und die sorgen einfach dafür, dass morgen früh, wenn du aufwachst, das alles in einem ganz kleinen bisschen anderen Licht strahlt und ganz klein bisschen mehr glänzt, als es vorher war. Sowas ist, finde ich, eine ganz witzige Idee. Macht ja auch die Sicht freier.

Miriam: Kommt ja noch dazu, es kann mehr glänzen und mehr strahlen und es kann die Sicht freier machen. Wenn von innen mal einer putzt. Das stimmt. Das ist gut.

Florian: Und ist vielleicht ja gar nicht so wichtig, weil das ist ja ein Teil von diesem neuen Wahrnehmen, ist dann wahrscheinlich sehr bewusst, um jetzt mal drauf zu achten, wenn du das wollen würdest in der nächsten Woche, einfach diesen einen der fünf Sinneskanäle, also eben das Visuelle, das Sehen, mal rauszunehmen für diese Woche und mal genauer darauf zu achten, was ist das, was du alles sehen kannst? Was ist das, was du alles wahrnehmen kannst? Und dann, ja,

Miriam: Da gehört Gestik, Körperhaltung auch dazu. Wir haben vorhin von mikrofeinen Bewegungen im Gesicht gesprochen. Es gibt die ganz großen Bewegungen. Wir haben die Hände angesprochen, die irgendwo verschränkt sind oder vielleicht fest oder die sich verändern während eines Gesprächs. Auch Gestik kann viel darüber verraten, wo und wie sich ein Mensch gerade befindet. Sind die Bewegungen weich und fließend? Sind sie abgehackt und hart? Das wird oft nicht bewusst gesteuert, wenn ein Mensch in Rage ist, würden wir in Hessen sagen, oder am Bubble. Am Bubble. Am Bubble. Sondern ist er am Erzählen und erzählt von Ereignissen, Erlebnissen oder von Plänen, die er oder sie hat und die Gestik unterstreicht in Wahrheit nicht seine Geschichte, sondern seine emotionale Welt. Es ist toll, auf die Gestik zu achten. Welche Finger benutzt er, welche Hände, welchen Modus, wie schnell sind die Gesten oder wie entspannend, wie langsam. Es ist super. Und noch größer werden wir, wenn wir die Gesamthaltung beachten. Denn da sind, also Selbstatmung ist ja schon feiner von der Beobachtung her. Nur ob jemand die Schultern hochgezogen hat, so ein bisschen als wollte er sich schützen. Oder so wie Florian, wenn wir über Island und Ponytracks sprechen, die Hände hinterm Kopf verschränkt.

Florian: Ich wollte gerade sagen.

Miriam: Oder...

Florian: Miriam weiß ganz genau, dass das größte Argument, das sie gebracht hat, ist dieses Eins meiner großen Ziele, seit ich 19 war.

Miriam: Und dann diese unschuldigen, braunen, großen Augen aufgeschlagen. Verkehrt ist es nicht.

Florian: Wir kommen definitiv mit.

Miriam: Nur du fährst dein Fahrrad, oder was?

Florian: Weiß ich nicht. Kann man da auch... Achso, nee, Motorradfahren ist vielleicht in der Stille der Landschaft auch...

Miriam: Wir können dir so einen kleinen Kern hinter dein Pony binden. Dann kann dein Pony dich auf so einer kleinen Kutsche ziehen. Wie Bruder Tuck bei Robin Hood. Den hatten sie ja auch immer auf so einem Weinfastigen und haben den ziehen lassen. Von einem Esel.

Florian: Jetzt wird's aber hier... Also, wirklich. Ich dachte eher an Terrence Hill in diesem einen... Oh, das ist ein toller Filmanfang!

Miriam: Wow!

Florian: Ist das Nobody?

Miriam: Ja, Nobody's Perfect.

Florian: Nobody's Perfect heißt der Film?

Miriam: Ja, auf Englisch heißt er Nobody's Perfect. Und er heißt Nobody. Ist dann nur sein Pferd im Kameraausschnitt zu sehen, das zwar einen Sattel trägt, nur ist kein Reiter drauf. Und dann fährt die Kamera langsam die Zügel ab und es ist zu sehen, dass die in einer total krassen Konstruktion drin bambeln, die dann in so einen Zugfloß ausufert. Und er lässt sich auf so einem Holz gestellt.

Florian: Also wird wie auf so einer Trage hinter dem Pferd hergezogen. Durch den Sand. Die Hälfte der Trage schleift hinten am Boden und er liegt eben so schreckt drauf und schläft. Ja, langsam wird ein Schuh draus.

Miriam: Langsam wird ein Ponytrack draus auf Island. Seht ihr? So einfach geht das. Es hat was mit genauem Hinschauen zu tun. An welcher Stelle findet es Florian lustig? Wenn es Florian lustig findet, ist schon der erste Schritt in Richtung Umsetzung getan. Ja. So, mittlerweile kenne ich ja Florians Humor. Das ist ja ein neuer Witz, hast du ja auch mitgebracht.

Florian: Ein neuer Witz?

Miriam: Das mit dem Apfel und der Birne.

Florian: Ach ja.

Miriam: Möchtest du den für uns zum Besten geben, Florian?

Florian: Willst du den wirklich hier im Podcast haben? Bitte. Wir haben den ja an mehreren Menschen getestet und am lautesten gelacht haben die Kinder. Das ist immer kein gutes Zeichen.

Miriam: Das ist jetzt ein Test für alle unsere Hörer. Wie viel kindliche Freude kannst du noch generieren?

Florian: Sitzen zwei Äpfel auf dem Baum und unterhalten sich. Kommt eine Birne vorbeigeflogen, sagt der Apfel zur Birne. Sag mal, Birnen können doch gar nicht fliegen. Sagt die Birne, klar kann ich fliegen, ich bin doch die Birne Maya.

Miriam: Ich mag den. So, so. Das wird der Birne. Der macht jetzt Kreise diese Woche. So, damit genug der Beobachtung für heute. Die Tipps, die wir dir gegeben haben, wären Teil dieses Podcasts. Vielen Dank fürs Zuhören. Vom 25.09. bis 15.10. läuft unser Practitioner hier in Arnsberg, wo wir jetzt sind. Das ist der Einsteigerkurs fürs NLP. Selbstverständlich international lizenziert, also mit ganz hochoffizieller Zertifizierung für dich.

Florian: Und die Qualitätsstandards und den entsprechenden Kontrollen.

Miriam: Mehr Informationen findest du auf unserer Homepage und mehr Podcasts hier auf dieser Seite oder bei iTunes oder bei Spotify oder bei YouTube. Wir sagen Tschüss, bis nächsten Dienstag.

Florian: Bis nächsten Dienstag.

Miriam: Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.

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