Da sitzt du beim Familientreffen, hast selbst gebacken, bist mit besten Absichten gekommen — und die Schwiegermutter meckert schon wieder über den Kuchen. Warum eskaliert es immer wieder mit denselben Leuten, obwohl es eigentlich keiner will? Miriam und Florian nehmen sich drei Zuschriften vor: eine Tante, einen Bruder, eine Schwiegermutter. Es geht um Kuchen, um Pippi Langstrumpf und um die Frage, wie viel dir dieser Kontakt eigentlich wert ist.
Fast bei Folge 100 — und ein Familien-Thema aus den Zuschriften
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Ist ja schon schwierig, dass wir beide zusammen den Podcast machen, obwohl wir ein Paar sind.
Florian: Bitte?
Miriam: Ja, ich habe mir sagen lassen, das ist...
Florian: Wir sind fast bei der hundertsten Folge.
Miriam: Ja, Wahnsinn!
Florian: Was ist daran denn noch schwierig?
Miriam: Das ist so unglaublich!
Florian: Vor allem, wir dürfen da ja nichts drüber erzählen, über den Produktionsprozess, weil das glaubt uns erstens keiner oder und, das ist, also, das kann man ja nicht sagen.
Miriam: Und es ist so cool, dass wir wirklich bis zur 100. Folge kommen mit Hörerwünschen. Das stimmt. Und mittlerweile so viele Downloads haben. Ja. Und wir sind so stolz.
Florian: Und bald gibt es eine Bonus-Episode, um mal den Druck zu erhöhen darauf, dass der Text geschrieben wird und das Foto gemacht.
Miriam: Das Foto ist schon gemacht. Ja? Ja. Da fehlt nur der Text. Wenn du dich jetzt wunderst da draußen, ich habe ein Special produziert. Ja. In Berlin.
Florian: In Berlin, mit einem Special Secret Guest. Mit einem Superstar Guest. Ja, super Sache.
Miriam: Ja, ist so. Gut, kommt demnächst, kommt bald. Ja, und wir steuern auf die hundertste Folge des regulären Podcasts zu, der immer dienstags erscheint und der dir und vielen Hörern, die wir gar nicht kennen,
Florian: Jetzt hast du das Outro schon vorweggenommen, dann können wir ja jetzt auch aufhören. Was wäre denn das Thema gewesen, wenn wir eins gehabt hätten?
Miriam: Das Thema, das heute, habe ich drei Zuschriften für bekommen. Interfamiliäres Beef.
Florian: Was, wenn ich biefe mit meiner, also grillen oder was?
Miriam: Ja, es scheint immer noch eine sehr große, und ich kann das nachvollziehen, eine sehr große Herausforderung darzustellen, wenn es in der Familie Menschen gibt oder einen Menschen, der nicht so nett ist, der sich immer schräg benimmt oder komisch oder unangenehm oder peinlich.
Florian: Ja, normalerweise erzähle ich das ja immer erst im Practitioner.
Miriam: Ja, es ist auch eher da ein Thema, was dahin gehört. Das ist tiefenpsychologisch.
Florian und sein Vater: „Da war eigentlich nichts zu klären“
Florian: Ich habe mich ja jahrelang nicht so wahnsinnig gut mit meinem Papa verstanden.
Miriam: Ja.
Florian: Also wir hatten quasi keinen wahnsinnig viel Kontakt. Sondern es hat immer meine Mutter geregelt. Wir haben uns schon so gefreut, wenn wir uns gesehen haben, nur wir hatten jetzt nichts, worüber wir uns austauschen sollten oder wollten.
Miriam: Gut. Also nicht gut.
Florian: Schade. Ja, genau. Ja, schade. Ich wusste auch. Das war auch, tatsächlich, wenn ich in die Zeit zurückdenke, da war auch gar nichts zu klären.
Miriam: Da guckst du schon wieder so als Held. Da war tatsächlich nichts, das war alles gut. Ja, wenn alles gut war, warum hast du es dann geändert?
Florian: Weil es sich komisch anfühlt. Das ist mein Papa.
Miriam: Ist das so von draußen? Also erwartet die Gesellschaft, dass wir uns mit unseren Eltern, unseren Geschwistern und unseren Patenonkels gut verstehen?
Florian: Erwartet die Gesellschaft das? Egal was die Gesellschaft erwartet.
Miriam: Ich weiß nicht, woher das kommt. Es gibt ja diesen Spruch, Blut ist dicker als Wasser.
Florian: Und das ist einer dieser Fehlsprüche. Warum? Jetzt sendest du mich gleich auf eine Google-Geschichte, wenn du dieses Ding... Wir machen kurz eine Unterbrechung.
Miriam: Dann mache ich Werbung für den Practitioner im September, 25.09. bis 5.10. Wir haben noch Plätze frei und du kannst bei uns, du wirst bei uns dein international zertifiziertes Zertifikat bekommen. Also tatsächlich das Zertifikat, das dich ermächtigen würde, im NLP-Bereich nicht nur als professionell ausgebildeter Mensch dazustehen, wenn du dich irgendwo bewirbst, sondern wenn du dann Lust hättest, danach noch weiterzumachen oder das beruflich einzupflegen, könntest du bis zum Trainer, bis zum Coach, bis zum NLP-Coach die Ausbildung machen. Auf der ganzen Welt.
Florian: Blut ist dicker als Wasser. Der Trick war, dass Verträge mit Blut gemacht wurden früher. Und das Wasser bezog sich auf das Geburtswasser.
Miriam: Also es umgekehrt gedeutet. Das heißt, ein Vertrag ist mehr wert als...
Florian: Es gibt auch irgendwie einen, im Englischen, es gibt einen längeren Spruch.
Miriam: Cool, das heißt einfach Vertrag machen mit dem Menschen.
Florian: Wenn man einen Vertrag macht, wenn man sich als Erwachsener, als Ausgewachsener, was auch immer das ist, man braucht ja nicht über 18 sein oder so, wenn sich jemand bewusst für was entscheidet, dann ist das wichtiger als das Wasser von dem, wo man herkam. So ist diese, und die Frage ist, ist das so?
Miriam: Also machst mit deiner Schwiegermutter einen Vertrag, lässt sie mit ihrem Blut unterschreiben, fertig?
Florian: Was für einen Vertrag willst du denn mit deiner Schwiegermama machen?
Miriam: Du bist jetzt nett. Du bist jetzt nett zu mir. Du benimmst dich jetzt mal ordentlich.
Florian: Hast du Angst, dass sie nicht nett sein könnte? Also jetzt nicht unsere, deine Schwiegermama?
Miriam: Wir sind ja nicht verheiratet. Von daher zählt das ja alles nicht.
Florian: Das ist ja alles lose. Leihschwiegermama.
Miriam: Ja, ist ja, wie heißt denn das dann? Reutig. Ja, auch nicht gesellschaftlich anerkannt.
Florian: Ja, und das ist spannend, ne? Weil ich habe, der Grund, weshalb ich daran was ändern wollte mit meinem Papa ist, dass ich gemerkt habe, dass Themenbereiche, die mein Vater hauptsächlich belegt, so inhaltlich belegt, dass ich mich um die, da habe ich mich rumgeschlichen. Also ich war zum Beispiel, mein Vater ist mein ganzes Leben lang schon selbstständig und ich war immer angestellt, bis ich mit ihm was geklärt habe. Bis wir uns mal ausgesprochen haben. Sehr tränenreich und sehr schön. Gut, und der belegt immer noch den Finanzsektor. Das war...
Miriam: So wie ich zwei dieser Mails gelesen habe, ist es hier so verkracht schon, dass eine Aussprache im Augenblick, so wie die Situation jetzt ist, gar nicht stattfinden würde. Spannend. Es wird sich ignoriert.
Florian: Das heißt, es ist nicht zu retten, dann ist einfach die Antwort, es ist nicht zu retten. Brauchst du dich auch nicht ändern. Kannst du bleiben, wie du bist? Bleiben die so, wie sie sind?
Miriam: Ja, wenn es jetzt eine Energie von einem gibt, der sagt, ich würde es gerne ändern. Ich hätte es gerne anders.
Florian: Also es ist nicht so verkracht, dass es sich da nicht...
Miriam: Nee, dann würden die ja die Mails nicht schreiben, gehe ich von aus.
Florian: Ja, wie hast du es denn gemacht?
Miriam: Wie hast du denn dein Gespräch gefunden mit deinem Vater? Ich meine, du hast es ja gefunden.
Florian: Ich habe ihn gebeten, dass wir mal ein Gespräch haben können. Und dann habe ich ihm gesagt, dass ich sehr stolz auf das bin, was er gemacht hat. Mein ganzes Leben lang hat er dafür gesorgt, dass unsere Familie finanziell versorgt war. Deswegen war er leider nicht so oft da. Als ich jung war. Also er war viel, er ist Außenhandelsvertreter gewesen, das heißt er war einfach in der Woche von Montag bis Freitag irgendwie weg unterwegs und hat Sachen verkauft.
Miriam: War es das, was du ihm übel genommen hattest?
Florian: Ich hatte ihm überhaupt nichts übel genommen. Es war einfach nur nicht, weiß ich nicht, also es war da nichts, also es war nichts zu klären.
Miriam: Gut, dein Vater hat sich nicht schräg benommen demnach.
Florian: Nein. Ich habe auch am Geburtstag Geschenke bekommen und ich habe ihm auch alles gut zum Geburtstag, nur wir hatten keinen Kontakt. Also es war nie so, dass er mich angerufen hätte oder ich ihn angerufen hätte. Und das hat sich jetzt geändert.
Miriam: Das hat sich schon seit einigen Jahren geändert. Ja. Ja. So, was machen wir jetzt mit dem Thema, ne?
Florian: Weil das ist offensichtlich, jetzt könnte man sagen, das ist ein leichter Fall. Aber wir haben es in einem Gespräch geklärt.
Miriam: Und vielleicht ist das nicht gegeneinander zu vergleichen. Ich finde es schwierig, zwischenmenschliche Situationen zu vergleichen. Das wäre ja genauso, wie wenn wir anfangen würden, Paarbeziehungen miteinander zu vergleichen oder Eltern-Kind-Beziehungen. Die sind nicht vergleichbar, weil jeder Mensch ist, wie sagst du immer so schön, ein individuelles Schneeflöckchen mit seinen eigenen Ideen.
Florian: Und wie schlimm etwas ist oder wie einfach, hängt halt auch am Individuum. Und wie viel Angst ich vielleicht vor irgendwas am Anfang hatte und wie viel Sorgen ich mir gemacht habe und wie viele tolle Varianten ich mir ausgemalt habe, wie es vielleicht mal sein könnte.
Woher kommt das Idealbild von Familie?
Miriam: Gut, also ich weiß nicht, wie Menschen sich das ausgemalt hätten. Irgendwoher kommt ja so ein Idealbild von so sieht eine tolle Familie aus, Dallas geguckt.
Florian: Denver.
Miriam: Unsere kleine Farm. Unsere kleine Farm ist vielleicht besser. Ja, ich weiß ja nicht, aus welcher Beeinflussung. Der Pate. Ja, es gibt ja in jedem Gehirn so eine Art Vorstellung von so würde ich mir das wünschen, so wäre Idealfamilie. Ja, es gibt ja auch noch diese Andy Waltons, wo dann immer dieses Gute-Nacht-Joe, Gute-Nacht-Jim. Abschluss der Serie. Oder Zeichentrickfamilien oder Disneyfamilien. So Idealbildfamilien, die in irgendeiner Weise sind. Der Vater ist halt der coole, erfolgreiche und hat genug Zeit für die Mama und die Kinder. Und wenn die dann am Wochenende zusammen Ausflüge machen, ist alles super, Friede, Freude, Eierkuchen. Alle haben Humor, alle sind witzig, alle sind liebevoll zueinander. Alle schenken sich viel. Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nicht, woher es kommt. Ich frage mich gerade, woher meine Idealvorstellung von Familie kommt. Ich habe eine relativ gut funktionierende Familie, habe ich das Gefühl. Und auch da gibt es immer mal Phasen und gab es auch jetzt, wo ich mit dem einen Menschen mehr, mit dem anderen weniger zu tun hatte. Ich habe auch eine sehr große Familie, kommt noch dazu, die danach strebt, sich einmal im Jahr zum Beispiel auch zu treffen. Mit, keine Ahnung, 50 Mann. Jetzt bald wieder. Jetzt bald wieder. So, da arbeite ich, wie so oft. Und bin ich da. Ich habe oft am Wochenende gearbeitet in meinem Leben, fast immer. Und dadurch habe ich diese Treffen auch oft versäumt. Als Kind erinnere ich mich, dass ich da oft dabei war oder beziehungsweise dass da oft ein Zusammentreffen stattfand. Und dass das auch dazu beigetragen hat, dass die Leute sich einfach über die Füße gelatscht sind. Und ja, woher kommt so ein Idealbild von Familie? Ich schätze schon, dass es irgendwie aus Kinderbüchern bei mir kommt und aus Filmserien, weil ideal im Sinne von unsere kleine Farm war es nicht bei uns. Wenn ich es damit abgleiche, mein Vater hat auch sehr viel gearbeitet, meine Mutter streckenweise auch gearbeitet und trotzdem, ich kann jetzt nicht sagen, dass ich mich als Kind nicht versorgt oder alleine gefühlt hätte. Es war immer jemand da, der sich sehr liebevoll um uns gekümmert hat. Und dadurch, dass ich auch großer Pippi Langstrumpf Fan war, wo es gar keine wirklich gut funktionierende Familie gibt,
Florian: Ne, die überhaupt keine Familie braucht. Die braucht noch nicht mal. Also bitte. Ja, das ist ja skandalös. Die ist ja schon mit, als junges Mädel ist die schon völlig selbstständig.
Miriam: Ja, und es gibt den Gegenpol, Annika und Tommy. Die haben Papa und Mama. Da gibt es auch so eine Folge, wo Pippi dann an Weihnachten bei denen ist.
Florian: Gibt es nicht auch so eine Frau Petronella oder so, die immer wieder versucht.
Miriam: Das ist Tante Brusselise, die kommt von der Stadt, vom Kinderschutz.
Florian: Ja, genau. Die will ja Pippi ins Waisenhaus packen. Ja, genau, damit sie einfach gut versorgt ist. Ja. Weil das ist ja der spannende Punkt. Was ist das Korrekte? Wie bauen wir Familien auf? Was ist eine gute Umgebung, um sich wohlzufühlen und zu wachsen?
Miriam: Und was würdest du dir wünschen?
Florian: Was fühlt sich für dich gut an? So, das heißt, hast du Details aus den Zuschauerfragen? Also geht es um eine Schwester oder einen Bruder?
Miriam: In dem einen Fall geht es um eine Tante, die sehr nah im Konglomerat ist und im anderen Fall geht es um einen Bruder. Und im dritten Fall um eine Schwiegermutter, also der Klassiker.
Richtig ist alles — nur bringt es dich zu deinem Ziel?
Florian: Die konkrete Frage, wie sähe diese Beziehung denn gut aus? Wenn ich mir so unsere beiden Jungs hier anschaue, die eine, ich würde sie als sehr liebevolle Brüderbeziehung bezeichnen haben oder beschreiben haben, dann... Gibt's da auch Tage, an denen die sich ausgiebig gegenseitig gegen das Schienbein treten? Also erst verbal und dann meistens auch physisch. Also von außen ist das ganz lustig zu sehen. Erst drücken sie beide gegenseitig die Knöpfe, dass sie sich jeweils ärgern. Oder der eine drückt so lange auf den Knopf vom anderen, bis er anfängt körperlich zu werden. Und dann geht's halt rund. Ja. Und vermutlich ist es bei Erwachsenen ja auch nicht anders. Nur wenn das nur manchmal passiert, ist es dann trotzdem eine gute Beziehung. Also es ist trotzdem ja eine liebevolle Brüderbeziehung. Die sitzen auch oft hier und der Große liest dem Kleinen was vor. oder die beschäftigen sich stundenlang zusammen mit Lego. Also da sind ja auch viele Anteile drin, die gut sind.
Miriam: Ich glaube, da schwingt auch eine gute Energie in der Frage. Das sind ja oft Menschen, die sagen, ich würde mich gern mit jedem gut verstehen. Ich habe gar keinen Bock, mich mit irgendeinem zu streiten. Warum auch? Das gibt ja gar keinen Grund. Und dann kommen eben die Situationen, in denen diese... Wo diese Menschen aufeinandertreffen und da scheint es immer zu eskalieren, obwohl das vielleicht sogar gar keiner will.
Florian: Immer. Ja, bis jetzt. Sehr spannende Frage. War das früher auch immer so oder gab es dieses eine Mal, wo vielleicht nicht was eskaliert ist? Das ist ja schon ein schönes Modell, weil das kannst du ja schon anwenden, wenn es schon mal anders war, in welchem Kontext auch immer. Es ist ja ein Zeichen dafür, dass ihr beide grundsätzlich das Verhalten habt oder die Fähigkeit habt, euch so zu verhalten, dass es eben nicht so ist. Oder wenn es immer eskaliert ist, in Anführungszeichen, ist es vielleicht mal weniger und mal mehr. Und das zeigt ja schon durch die Veränderung, dass die beiden Menschen, die da drin sind, irgendwie da Einfluss drauf haben. Also es ist nicht, dass da außen die Welt, dass da ein Eskalationsmuckel um die Ecke kommt und die beiden sieht und sagt, ha, ihr habt sie wieder erwischt.
Miriam: Ja.
Florian: die gar keine Wahl haben, sondern es liegt ja am Verhalten von den Leuten und sie können das steuern.
Miriam: Jetzt würde ja der eine oder der andere sagen, ich bin ja fein. Also ich benehme mich ja korrekt. Ich mache ja alles richtig. Ich komme da hin zu diesem Familientreffen oder zu meiner Mutter oder zu dieser Tante in bester Absicht. Oder meine Schwiegermutter lade ich sogar zu meinem Geburtstag ein in bester Absicht, dass alles in Ordnung ist. Warum hört die dann nicht auf, über meine Kuchen zu meckern?
Florian: Superspannend, weil richtig ist tatsächlich alles. Würde ich voll unterschreiben. Es ist alles richtig, es ist alles korrekt, es ist alles... So wahr und gut. Nur jetzt die spannende Frage. Wenn ich den Wunsch habe oder die Intention, dass diese Beziehung irgendwie anders ist, ist es dann auch noch in Bezug auf dieses Ziel das beste Verhalten, was ich an den Tag legen kann? Weil das ist gut und richtig und wahr ist von mir aus.
Miriam: Das ist mir jetzt zu komplex.
Florian: Also du hast eben gesagt, die Person, die geschrieben hat, schreibt, ich verhalte mich doch richtig. Nur meine Tante ist irgendwie die Miesmuschel in der Familie, jetzt als Beispiel. Und ich wünsche mir einfach eine liebevollere Beziehung zu der Tante. Dann gibt es ja kein richtig mehr, sondern gibt es nur, wenn das mein Ziel ist, was kann ich dann tun, um dieses Ziel zu erreichen?
Miriam: Ja.
Florian: Und dann geht es nicht mehr darum, ist mein Verhalten moralisch korrekt oder habe ich schon viel mehr investiert in diese Beziehung, sondern dann geht es ja nur noch darum, wenn das tatsächlich das Ziel ist, was kann ich denn dann tun? Was kannst du denn tun, damit du dein Ziel erreichst? Was auch immer es ist.
Kreativität, Kuchen und die Frage, wie viel dir der Kontakt wert ist
Miriam: Also wenn jemand ständig über meinen Kuchen meckern würde, würde ich hier, wir haben hier einen sehr, sehr leckeren Konditor um die Ecke, ne? Ja. Dann würde ich da einfach genau für diese Tante, würde ich da drei Stück Sahnetorte kaufen. Und den anderen stelle ich meinen selbstgebackenen hin. Kann ich ja machen.
Florian: Definitiv. Ich kann auch die Tante bitten, einen Kuchen mitzubringen. Stimmt. Also, du hast genug Optionen im Raum, wenn du drüber nachdenkst, was du tun könntest.
Miriam: So ein bisschen Kreativität einfach, ne? Wenn das, was bis jetzt nicht funktioniert hat, der Kuchen, den du gebacken hast, dann mal was anderes. Pizza. Ja. Vielleicht schmeckt dir die besser. Ich weiß es nicht.
Florian: So ein Mettkuchen.
Miriam: Mettkuchen.
Florian: Mettkuchen.
Miriam: Mitzwibbeln.
Florian: Ja, wahrscheinlich schon.
Miriam: Uiuiui, Ranseblitze. Ja, ist gut, das war jetzt hessisch. Ja, also zum einen Kreativität, zum anderen darf ich mich vielleicht auch hinterfragen, wie viel liegt mir tatsächlich an dem Kontakt? Also halte ich den Kontakt nur, weil eben von außen so eine Art Idealbild besteht?
Florian: Weil wir über das Geburtswasser miteinander verbunden sind.
Miriam: Ja.
Florian: Und es kann ja sein, dass mir das sehr wichtig ist. Also oftmals ist Familie ein sehr hoher Wert. Bei vielen Leuten, die wir im Practitioner haben, wo wir ja auch diesen Check machen, wie sieht es mit den Werten aus? Und welche Werte sind das, was mich durchs Leben begleitet im Moment, was ist mir wichtig?
Miriam: Wobei es ja, es gibt eine Unterscheidung, die dürfen wir an der Stelle schon mal nennen. Es gibt diese Ursprungsfamilie, aus der du stammst, das sind dein Vater, deine Mutter und alles, was da so an diesem... Stammbaum so dranhängt dann noch angeässt. Und es gibt eine Familie, die du gegründet hast unter Umständen. Also eine Beziehung zwischen zwei Menschen, vielleicht mit Kindern. Das ist ja dann die Familie. Und dann gibt es die Ursprungsfamilie. Und es tut manchen Menschen schon ganz gut, diese Trennung mal klar zu haben. Also dass es sozusagen ein inneres gibt.
Florian: Eine Wahlfamilie.
Miriam: Eine Wahlfamilie, genau, die ich mir selbst ausgesucht habe. Und eine Familie, die einfach da ist, weil ich da reingeboren bin.
Florian: Und auch da ist es... Da darf ja jeder für sich selbst entscheiden. Also ich für mich entscheiden, wie viel ist mir dieses Geburtswasser wert? Also was bedeutet das für mich? Weil wenn ich jetzt bestimmte Freunde in der Schule hatte und die haben sich so daneben genommen wie vielleicht der ein oder andere Verwandte, dann würde ich auch sagen, ja, dann suche ich mir halt neue Freunde. Und bei Familie ist das spannend. Also darf man das? Ja.
Miriam: Du hast ja auch eben gesagt, der Wert dieser Ursprungsfamilie ist bei manchen Menschen sehr hoch. Und gelegentlich habe ich da auch den Eindruck, dass so eine Art Ablösung von Vater, Mutter und dem, was da dranhängt, nie so richtig stattgefunden hat, dass ein liebevolles Loslassen nicht stattgefunden hat. Dass viele Menschen ein Thema damit haben zu sagen, die sind groß und ich bin jetzt auch groß und jeder lebt sein eigenes Leben und hat auch ein Recht darauf, sich das so zu gestalten, wie er oder ihm das gefällt. Und die Menschen in meiner Familie, die mir früher als Kind oder Jugendliche schon positiv aufgefallen sind, waren genau zwei und da ging es um zwei recht entspannte Onkels. Also die auch bei solchen Familientreffen es geschafft haben, nicht nur mich, sondern alle möglichen Leute zum Lachen zu bringen oder die sich das gar nicht so zu Herzen genommen haben alles, die auch nie in solche Streitigkeiten irgendwie eingebunden waren, nicht mal in kleine. Die waren wie Lotus. Also es war total cool. Und die waren nicht, die hatten sich nicht abgekoppelt oder die waren nicht hochnäsig oder so, die waren mittendrin und die waren einfach mega entspannt.
Florian: So Ruhepole.
Miriam: Ja, die haben das offensichtlich genossen, diese ganzen Menschen und Generationen um sich rum zu erleben, von der Urommer bis zum letztgeborenen Enkelgrad.
Florian: Da hast du auch gedacht, wenn du die gesehen hast, du entspannst dich tief.
Miriam: Ja, und haben diese Babys auf dem Arm gehabt und haben mit denen gemacht und haben die irgendwie mit jedem mal gesprochen. und es war immer da, wo die waren, war immer Lachen. Also ich konnte sozusagen mit Gehör die finden in diesen Familienfeiern. Und die sind mir eingefallen, als ich irgendwann angefangen habe, mit dem Thema mal so ein bisschen zu arbeiten für mich. Also wie gesagt, es gab jetzt bei mir keine traumatischen Geschichten aufzuarbeiten. Es war ein recht dominanter Vater, der in der Familie so dieses Patriarchat auch abgefeiert hat. Es gab eine Schwesternbeziehung, die nicht immer unkompliziert ist oder war und es ist einfach so ein paar kleine Sachen, die so Ja, die für mich gar nicht mal jetzt mit den anderen, sondern für mich so zu lösen waren. Also wie gehe ich weiter damit um, dass das so ist?
Florian: Ich glaube, das ist der spannende Punkt. Du triffst eine bewusste Entscheidung, wie du mit deiner Ursprungsfamilie umgehen möchtest. Das ist ja der erste Schritt vielleicht. Zu sagen, so hätte ich es gerne und so viel sind mir die wert. Vielleicht sogar im positivsten aller Sinne. Zu sagen, die Tante Gertrud, jedes Mal, wenn ich zu der komme und habe irgendwie einen Krümel am Mund, dann nimmt die ihr Taschentuch und... und macht mir irgendwie einen Krümel weg. Immer noch. Nur vielleicht ist mir Tante Gertrud einfach so wahnsinnig viel wert und ich sage, das ist mir wert, dann mache ich das halt mit dem Serviette-Taschentuch, was auch immer.
Miriam: Mit Spucke.
Florian: Dann darf ich mich natürlich auch als Erwachsener verhalten.
Miriam: Mhm.
Florian: Meiner Tante Gertrud gegenüber. Das ist schon ein Schritt, ne? In so einem System kann sich ja jedes der beiden Elemente verändern, um das System zu beeinflussen. Also wenn ich anfange, der Tante Gertrud, wenn sie mir im Gesicht rumfudelt, rumfeudelt, mit ihrem feuchten Taschentuch, dann kann ich ja auch das nächste Mal, wenn ich einen kleinen Krümel bei ihr sehe, rupf. und bei ihr wischen.
Miriam: Das wäre dann wieder die kreativere Lösung, statt irgendwie anzufangen zu debattieren oder zu diskutieren, dass ich mich so verhalte, dass du dich so verhältst, wie du gerne hättest, dass es ist. Einfach so tun, als wäre alles ideal.
Florian: Wir hatten mal ein Kind hier, ein Freund von einem von unseren beiden zu Besuch. Der hat immer, wenn er auf Toilette gegangen ist, kurz vorher angekündigt, dass er jetzt auf Toilette geht. Und nach dem vierten Mal dachte ich mir auch, mich interessiert es nicht. Und dann habe ich es ihm auch gesagt und dann hat er es trotzdem weitergemacht. Und die Lösung kam dann, dass ich auch immer angekündigt habe bei ihm. Also ich bin dann in den Kinderzimmer rein und habe gesagt, hey du, Tommy, ich gehe jetzt auch auf Toilette. Und da hat er geguckt. Und dann hat er es auch gelassen. Weil oftmals ist es ja dieses, vielleicht weiß die Tante Gertrud da gar nicht, was sie da noch tut. Also dass sie da irgendwie in einer alten Beziehung drin ist.
Miriam: Wie hast du es gemacht, dass du auf so eine Idee gekommen bist? Weil viele würden ja jetzt sagen, boah, wenn ich dann da drin sitze und die Schwiegermutter fängt an, über meinen Kuchen zu schimpfen, dann fällt mir gar nichts Kreatives ein. Dann würde ich am liebsten den Kuchen nehmen und würde mir irgendwie, wie bei so einer Tortenschlacht, so, Flatsch. Das ist ja das, was so, und ich sehe in anderen, bei meinem Onkel oder bei meinen beiden Onkels, von denen ich spreche und auch bei dir, sehe ich so eine Art Grundentspanntheit dann. Also das kommt ja aus einem entspannten Zustand, eine tolle Idee, oder? Wenn du nicht entspannt wärst, würdest du ja nicht auf die Idee kommen, so was Lustiges zu tun.
Florian: Und ganz am Anfang die Intention. Ganz am Anfang die Intention, wie hätte ich es gerne? Also klar zu haben, wie ich es gerne hätte. Mhm. Um dann eben zu sagen, ich möchte mit der Tante Gertrud da ganz entspannt sitzen. Weil dann heißt das halt, wenn die Tante Gertrud über meinen Kuchen was schimpfen würde, würde ich mir halt überlegen, was ich machen kann, wenn ich das nicht hören will. Oropax. Oropax. Oder den Kuchen tatsächlich nehmen und ihr ins Gesicht werfen. Vielleicht sagt sie dann nie wieder was über den Kuchen.
Miriam: Das wäre mal eine.
Florian: Weißt du, wenn du jetzt nicht aufhörst.
Miriam: Jetzt hat keiner mehr Kuchen. Ach, wenn es nicht so eine Sauerei auf den Parkett geben würde.
Florian: Oder beim nächsten Mal. Es gibt so viele Möglichkeiten, wenn dieses Ziel so wichtig ist. Wenn ich sage, ich möchte nicht, dass die Tante Gertrud sich über den Kuchen beschwert, sondern, was möchte ich? Ich möchte, dass wir da sitzen und ganz entspannt Kaffee zusammen trinken. Ach, vielleicht kann ich den Kuchen einfach weglassen.
Love it, leave it, change it — und Vielfalt als Geschenk
Miriam: Im Grunde sind wir ja bei einem Klassiker dieses Podcasts angekommen, bei einem Klassiker-Thema. Wir hatten das schon in vielen, vielen Farben, hatten wir das in diesem Podcast, weil es auch immer wieder Menschen vor Herausforderungen stellt. Das ist ja auch die Frage nach den Kollegen, die sich nicht so benehmen, wie ich es gerne hätte. oder also sozusagen Menschen, die ich mir gefühlt nicht aussuche, sondern die eben da sind, wo ich bin. Also wenn es diese Ursprungsfamilie ist und Tante Lotti hat Geburtstag und ich werde eingeladen, dann hocke ich eben zwischen diesen ganzen Menschen. Und es kann sein, dass Tante Gertrud auch da ist, vermutlich sogar. Und wenn ich morgens in die Arbeit gehe, dann ist Kollege Schmidt und Kollege Müller, die sind eben da. Und entweder ich kündige den Job oder ich sedige.
Florian: Ja, da gibt es ja dieses Triumvirat aus dem Coaching. Love it, leave it, change it. Also fang an es zu lieben. oder verändere was oder verlasse es.
Miriam: Also sozusagen die radikalste Methode wäre zu sagen, sowas wie Pippi Langstrumpf, so ein Pippi Langstrumpf-Modell zu haben und zu sagen, ich brauche ja keinen von denen zum Leben. Warum soll ich mir das dann antun und zu Familienfesten fahren? Ich kenne viele Menschen, hauptsächlich Männer übrigens lustigerweise, die das konsequent verweigern. Die sagen, ich gehe nicht mit. Du kannst gern gehen, pack die Kinder ein, den Kuchen ab.
Florian: Und es gibt sehr spannende Studien zum Thema, dass Familie, also gerade die Beziehung und auch Familie ganz wichtig sind für eine Zufriedenheit im Leben. Also dass das ganz tolle Effekte hat.
Miriam: Ich sag ja auch, dass es die radikalste Methode ist.
Florian: Eine Gesundheit und ein Wohlgehen.
Miriam: Ich würde sie nicht haben wollen. Ich auch nicht. Also es gibt Menschen, die das dann durchziehen. Wie glücklich die dabei sind. Sie haben mir nicht geschrieben für diesen Podcast. Die, die mir geschrieben haben, wollen ja offensichtlich die Familie sehen und treffen. Auch einzelne Mitglieder und die Beziehungen zu denen verbessern. So deswegen sage ich ja, es ist eine gute Energie. Und Pippi Langstrumpf wäre nicht das, was ich anstreben würde. Für mich. Alleine in so einer Villa hocken.
Florian: Dann darf man auch neben Thomas und Annika wohnen. Die regelmäßig zu Besuch kommen. Also ist ja auch ein komisches Konzept, ne? Ja, das stimmt. Die Pippi besucht die ja nicht.
Miriam: Ja. Und sie hat absolut Augenblicke auch in dieser Serie, wo sie sehr traurig ist und ihren Vater vermisst. Und wo sie das auch sagt oder wo es ihr anzusehen ist. Also diese Augenblicke gibt es. Und ... Gut, bei unserer kleinen Farm ist es dann das Gegenteil. Da wird eben alles immer gleich gelöst, wenn es ein Problem gibt. Und die gehen ja in diesen 885 Folgen, die da produziert wurden. Gibt es in jeder Folge ein Problem? In jeder Folge gibt es ein Problem. Das heißt, die haben alle Probleme durch, die eine Familie haben kann. Alle. Alle. Es gibt sozusagen nichts, was ausgelöst wird. Die brauchen ja auch ihre Themen. Und die lösen es auch in jeder Folge. Also die brauchen 45 Minuten. Das ist noch kürzer als du mit deinem Vater. und die Idee des Grundziels, also wie wichtig ist mir das? Wie gut könnte sich das anfühlen, wenn auch solche Konflikte, zumindest keine Konflikte mehr sind? Würde ich trotzdem den Druck rausnehmen, dass ich mich mit jedem in der Familie gleich gut verstehen muss?
Florian: Will ich vielleicht gar nicht, oder? Es sind auch viele Leute bei mir, 50 Mann, Frau. Ist ja okay, vielleicht ist die Konzentration auf deine beiden Onkels da genau das Richtige. Und du konzentrierst dich auf die, mit denen du Spaß hast und die dir gut tun. Und vielleicht sind die anderen erstmal nur, wie sagt man bei Gänsen, wenn die gestoppt sind, Füße. Die machen halt einen Raum voll, damit es nicht so leer aussieht beim Geburtstag. Und weil es dann besser schmeckt. Weil es besser schmeckt. Ja, die sind dann da, damit das Fest insgesamt schöner wird.
Miriam: Ich habe eine Szene in Erinnerung, wo du gerade sagst, da habe ich den Großen im Kindergarten abgeholt, der ist ja schon lange in der Schule. Und im Kindergarten, er hatte eine sehr liebe, sehr weise Kindergärtnerin und es gab eine Veränderung bei der Öffnungszeit im Kindergarten und diese arme Frau war morgens von Eltern umringt, die sich beschweren wollten, weil jetzt irgendwie eine halbe Stunde früher aufgemacht wurde und auch eine halbe Stunde früher eben dann die Türen zugingen fürs Bringen der Kinder. und es war richtig was los um sie und sie saß auf so einem kleinen Kindergartenstuhl und um sie herum standen Eltern. Und ich hab unserem ältesten Sohn die Schuhe ausgezogen und hab ihm geholfen seine Hausschuhe anzuziehen und bis wir dann soweit waren, waren die Eltern alle abgerauscht in einer großen Rauch- und Staubwolke und alleine saß noch die Kindergärtnerin da und ich wollte das dann nicht ansprechen, das Thema. Also so pietätvoll war ich. Ich bin dann nur hin und hab guten Morgen gesagt. Und dann guckt sie mich an und guckte sogar entspannt. Also ich habe gedacht, die ist jetzt mit Nerven am Ende. Wirklich. Und guckt entspannt und ihre Augen glänzen und sie hat rote Wangen und sie sagt, Miriam, Vielfalt ist ein Geschenk. Und ich so, hui. Sie ist jünger als ich und sie ist deutlich entspannter. Und ich habe diese Idee mittlerweile auch, also diese Vielfalt von verschiedenen Charakterköpfen, die so eine Familie ausmachen. Und egal wer da angeheiratet ist oder noch dazugekommen ist, die Vielfalt wird immer noch schöner und noch größer.
Florian: Das ist der heilige Gral in Teams. Also wenn alle gleich sind in einem Team, ist es quasi schon langweilig und wir haben keine Robustheit gegenüber von irgendwas, was von außen reinkommt. Sondern ich möchte ja in Teams in der Arbeit, da stelle ich mir die Leute ja sogar so zusammen manchmal, dass die möglichst unterschiedlich sind. Und dann aus dieser Unterschiedlichkeit was Größeres Gemeinsames zu schaffen, ganz großartig. Und das haben wir in der Familie oft einfach auf dem Serviertablett. Ja, ohne dass jemand was tut.
Die Stärke hinter dem Verhalten — und was sich verändert hat
Miriam: Das heißt, was mir auch immer hilft, ist nach dieser Stärke fahnden, und das ist ein Sport, den ich betreibe, die hinter so einem Verhalten steckt. Da bist du großartig drin. Also Florian hat mich da Fantastisches gelehrt, weil ich eher dazu tendiert habe zu sagen, weißt du was, ich gebe mir das jetzt einfach nicht. Ich habe zwei heftige Wochen hinter mir, ich gehe jetzt zu diesem Treffen nicht hin. Und dann sagte Florian, naja, wenn sich diese Person so verhält, zeigt es ja, dass sie im Grunde eine sehr liebevolle Energie hat, zum Beispiel in Richtung ihrer Kinder oder in Richtung ihres Sohns oder in Richtung wem auch immer. Und dass sie ein tolles Durchhaltevermögen hat und eine sehr starke Person ist auch, die viel aushalten kann. Das hat mir geholfen, also das mal bewusst für mich umzuinterpretieren. Und es hat mein Verhalten gegenüber dieser Person minimal verändert. Weil ich plötzlich dachte, ja, das mag mir dann an der einen oder anderen Stelle nicht passen, nur es können in anderen Lebenssituationen Stärken sein, von denen wir hier sprechen. Zum Beispiel, wenn wir über das Spucktuch sprechen, das ist vielleicht eine sehr reinliche Person.
Florian: Ja, allerdings.
Miriam: Jemand, der seine Wohnung deutlich sauberer hat als ich? Kann sein.
Florian: Kann sein.
Miriam: Im Wohnungskontext?
Florian: Wenn ich jetzt noch Student wäre und würde sagen, ich habe so eine Tante Gertrud, die lädt mal einmal im Monat ein, dann ist die Bude wieder sauber hinterher.
Miriam: Und die Wäsche ist gebügelt.
Florian: Und die Wäsche ist gebügelt. Ja. Kann sein, dass der das sogar Freude macht, weil sie sich dann einbringen kann, weil sie vielleicht darüber den Kontakt sucht. Weil das eben der Weg ist, der sich irgendwann etabliert hat für Kontakt finden. Ich sehe das ja jetzt auch bei älteren Leuten, die mit hier im Zehnen- und im Sechsjährigen Kontakt suchen wollen und die nicht mal mehr die gleiche Sprache sprechen in weiten Teilen. Wo es einfach schwierig, also wie können die noch den Kontakt finden? Und dann vielleicht über solche Gesten und dann, warum nicht? Finde ich auch gut. Mal als Anfang.
Miriam: Mhm.
Florian: Inzwischen arbeite ich ja mit meinem Vater zusammen in der gleichen Firma. Wir haben eine Familien GmbH.
Miriam: Großartig.
Florian: Seit sechs Jahren jetzt schon. Das ist alles aus diesem einen Gespräch entstanden.
Miriam: Ja, also mein Verhältnis zu meinen Eltern hat sich auch nochmal extrem verbessert. Also es ist viel, viel entspannter geworden und viel schöner und viel offener. Und es war vorher nie schlecht, es war angespannter. Also wir waren streitbereiter. Und jetzt ist es sehr, sehr schön. Also sehr, teils sogar schon witzig.
Florian: Ja, mit deiner Mama ist super. Ja, einfach. Ja, das stimmt.
Miriam: Ja, ja. Also ich freue mich da auch drüber und wir haben tatsächlich auch weniger Kontakt als früher.
Florian: Okay. Dafür qualitativ wertvoller? Ja, ja. Oh, schön.
Miriam: Ja, absolut.
Florian: Als käme es auf die Quantität an, ne?
Miriam: Ja, also bei mir war es das offensichtlich nicht. So, was ist denn jetzt der Tipp für diese speziellen Fälle, die wir haben? Was können denn die Menschen tun? Haben wir doch die ganze Zeit schon gegeben. Das stimmt. Also zum einen nach dem Ziel fragen, ne?
Florian: Also nicht nach dem Ziel, sich nach dem Ziel fragen. Wie sähe für mich diese Beziehung in richtig gut aus? Also damit ich das mal klar auf dem Schirm habe. Weil offensichtlich gibt es da ein Ziel. Wenn ich unzufrieden bin mit der aktuellen Situation, dann mache ich ja einen Vergleich von dem, was gerade ist, mit irgendwas. und wenn du dir mal bewusst machst, was das irgendwas ist, also wie sähe es denn in gut aus? Manchmal kommt ja dann schon so, ah ne, so möchte ich es ja auch tatsächlich nicht haben. Ne, das wäre mir dann zu eng. Wenn ich jeden Tag mit meinem Bruder rumhängen muss, ah, das will ich ja gar nicht. Also vielleicht ist das auch schön einsortierend, schön einordnend, um zu sagen, das wäre gut. und dann vielleicht ist es ja der Kontakt mit Tante Gertrud für zweimal im Jahr oder dreimal im Jahr und dann ist es auch gerade gut. Also dann ist es auch okay, dann kann sie auch alles mögliche machen. Also was ist das Ziel für dich? Wie sähe es für dich in richtig gut aus? In perfekt, ja. Oder am Anfang vielleicht in gut. Und dann schrittweise daran, so lange daran zu basteln und dich zu verändern, bis es soweit ist. Weil es ist ja dein Ziel.
Miriam: Cool. Das heißt, den anderen so zu lassen, wie er ist. Weil es offensichtlich ja auch über die letzten Jahre nicht...
Florian: Er verändert sich ja automatisch mit.
Miriam: Er verändert sich automatisch mit.
Florian: Ja, wenn die Tante Gertrud mal einen Kuchen ins Gesicht bekommen hat, die ist nicht mehr die gleiche Tante Gertrud wie vorher.
Miriam: Es ist alles anders gewesen. Nach diesem Tag war alles anders. Und das versprechen wir dir. Das wird so sein.
Florian: Ja, erfolgreiche Veränderungen. Manchmal glauben die Leute ja, dass es so schrittweise besser wird, dass es irgendwie so in kleinen Schritten linear besser wird. und oftmals ist es eher so, dass so von einem Tag auf den nächsten ist eben was gut, so wie bei meinem Vater auch. Ja. Es ist dieses eine Gespräch, es ist dieses eine Mal Kontakt, es ist dieses eine Mal meinem Bruder irgendwas sagen, dass ich auf ihn stolz bin oder dass ich es ganz toll finde oder dass wir im Moment, vielleicht ist es ja auch dieses einfach nur mal sagen, ich hätte das, guck mal, das ist das, wie ich es gerne hätte, passt das zu den Vorstellungen von dir? Wie du gerne eine Bruderbeziehung hättest und wenn ja, was können wir denn gemeinsam dann tun? Das ist ja auch eine Option.
Miriam: Und wenn das nicht gehen sollte, dann für dich möglichst entspannt kreativ sein. Wir haben ja ein paar Ideen gehabt zum Thema Kuchen. Statt Kuchen gibt es dann Pizza um 16 Uhr zum Kaffee. Es wäre mal eine Idee, Zwirbelkuchen. Also auch das funktioniert. Gut. That's it.
Florian: Dann hören wir uns nächste Woche wieder.
Miriam: Das stimmt.
Florian: Wenn es wieder heißt, zwei Podcasts.
Miriam: Du bringst... Ja, jetzt diese Woche haben wir zwei Podcasts. Abmoderation hätte ich gerne einmal korrekt.
Florian: Ja?
Miriam: Ja.
Florian: Dann, Bühne frei, Frau Deforth.
Miriam: Wenn es wieder heißt, zwei Gehirne, ein Podcast, immer dienstags. Au revoir.
Florian: Bis nächste Woche. Tschüss.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.