NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 129

Fass dich kurz!

Maßlose Detailerzähler und die Folgen...

Jetzt anhören

Direkt hier starten oder später im Transkript weiterlesen.

In dieser Folge

Darum geht es

Kennst Du diese Menschen auch? Sie fangen an, eine im Prinzip simple Geschichte zu erzählen und kommen vom Hölzchen aufs Stöckchen und schon bald wird die amüsanteste Story zu einem langweiligen Kokolores. Irgendwie sollte es doch das „genau richtige Maß“ an Details geben, oder? Diese Frage wird uns während der NLP Practitioner oft gestellt. Denn auch Storytelling steht hier auf dem Lehrplan: „Wie viele Details genau sind richtig und wie zähle ich beim Erzählen mit?“ Tjaaaaaa… wenn das so einfach wäre. Denn manche Geschichten benötigen eben eine gewisse Portion Details – sonst sind sie nicht so gut nachvollziehbar. Und manche Begebenheiten wären besser kurz und knapp erzählt, damit für sie zum Beispiel schnell eine Lösung gefunden werden kann. Miri und Florian wollten ursprünglich die kürzeste Podcastfolge der kontext denken Geschichte recorden. Daraus ist auch fast etwas geworden. Statt über 30 Minuten dauert diese Folge nur schmale 18. Gekonnt ist gekonnt, würde Miri sagen. Immer noch zu lang, wäre Florians Meinung. Und wie Miri gelernt hat, von 5000 Worten direkt nach dem Aufwachen auf 200 zu reduzieren – und welche Auswirkungen das auf Florian hat… all das und noch viel mehr private Details gibt es in dieser spartanischen Folge. Viel Freude beim Hören.

Es geht um den Elevator-Pitch und die Zwölf-Sekunden-Regel, um Storytelling und die Frage nach dem richtigen Maß an Details. Miriam und Florian sprechen über Käpt'n Blaubär und Tolkien als Meister der Ausschmückung, über ihre eigene 5000-Worte-vor-dem-Frühstück-Regel und darüber, wie man das Wesentliche aus einer Geschichte herausfiltert. Wenn du dich fragst, wie du dich kürzer fasst, auf den Punkt kommst und trotzdem beim Gegenüber ankommst – aus NLP-Sicht mit Blick auf Intention und Kontext – findest du hier reichlich (fast zu kurze) Anregungen.

Lesefassung

Das vollständige Transkript

Spring direkt zu einem Kapitel oder lies die Folge von Anfang an.

Kapitel dieser Folge
  1. Der Elevator-Pitch und die Zwölf-Sekunden-Regel
  2. Wie viele Details braucht eine Geschichte?
  3. Käpt'n Blaubär, Tolkien und das richtige Maß
  4. 5000 Worte vor dem Frühstück: Miriams eigenes Experiment
  5. Der richtige Zeitpunkt: Intention und Kontext
  6. Faust als Musical und der Kern des Pudels

Zwölf Sekunden für den Elevator-Pitch – und wenn du das schaffst, gern nochmal auf fünf. Miriam bringt genau dieser Rat fast an den Rand der Verzweiflung. Sie wollten die kürzeste Folge aller Zeiten aufnehmen und landen bei 18 Minuten, in denen es um Tulpen, Tolkien, ein altes Schulhaus und die Frage geht: Wie viele Details braucht eine Geschichte eigentlich wirklich?

Der Elevator-Pitch und die Zwölf-Sekunden-Regel

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.

Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.

Miriam: Weißt du, womit mich ein Trainer neulich wirklich bis fast an den Rand der Verzweiflung getrieben hat? Wirklich. Mit diesem – ich weiß nicht, wer es erfunden hat, und ich glaube, wenn ich es wüsste, würde ich persönlich hinfahren und mich beschweren. Mit diesem Elevator-Pitch.

Florian: Mit dem Elevator-Pitch.

Miriam: Ja. Mit: Was machst du beruflich? Sag es in zwölf Sekunden. Und wenn du es in zwölf Sekunden hinbekommen hast, verkürze es auf fünf. Weil von einer Etage bis zur nächsten könnten es ja nur fünf Sekunden sein.

Florian: Also die Idee... Hallo.

Miriam: Hallo.

Florian: Willkommen zur kürzesten Episode dieses Podcasts ever.

Miriam: Es wird ein Elevator-Podcast.

Florian: Also ein Elevator-Pitch. Die Idee dahinter ist eben, dass wenn du in einem Projekt arbeitest oder wenn du eine tolle Produktidee hast oder eine Firma hast, dass du die Idee dahinter, die Vision dahinter erklären kannst, in der Zeit, die es braucht, mit einem Aufzug von unten vom Erdgeschoss in den obersten Stock zu fahren. Oder eben vom Erdgeschoss in den ersten Stock. Wobei, da, ganz ehrlich, solltest du laufen. Weil dafür sind diese Füße gemacht, wenn du laufen kannst.

Miriam: Gut, und dann habe ich im Treppenhaus zumindest ein paar Sekunden mehr Zeit, um zu sagen, was mein tolles Projekt ist. Schon mal Sport gemacht für den Tag.

Florian: Ja, schon mal Sport gemacht.

Miriam: So, was ist daran das Thema? Dieses sich kurz fassen, Dinge wirklich präzise auf den Punkt bringen. Ich erlebe es häufig, dass Menschen das nicht mehr können. Es fällt mir auf, wenn ich mit Freunden spreche oder Freundinnen und die erzählen mir, was gerade so in ihrem Leben los ist. Hatte ich jetzt gerade eine Freundin zu Gast, die gerade unglücklich verliebt ist und die kam einfach nicht zum Punkt.

Florian: Da kann man unglücklich verliebt sein.

Miriam: Das geht. Bei manchen Menschen geht das. Ja, ich weiß, das ist für uns. Und jetzt überfordere die Leute nicht. Das ist, wenn Menschen in einer sehr glücklichen Beziehung leben, dann ist das sehr weit weg, sich das vorstellen zu können. Und manche Menschen haben das.

Florian: Unglücklich und verliebt passen nur für mich nicht in einen, das ist so wie ein –

Miriam: Soll ich dir den Begriff jetzt erklären? Wenn jemand unglücklich verliebt ist, dann heißt es, dass derjenige verliebt ist. So wie ein einfarbiges Zebra ist es. Nein, der ist verliebt und ist dabei nicht glücklich, weil das Objekt der Begierde sich nicht entsprechend verhält. Es läuft sozusagen ins Leere, das Verliebtsein. Es gibt keine Erwiderung. Das ist, warum so viele Männer Balladen schreiben. Wenn es keine unglücklichen Verliebten gäbe, gäbe es vermutlich die schönsten Lieder auf diesem Planeten nicht. Die entstehen alle aus unglücklich verliebt sein. Weil da ist die Sehnsucht groß.

Florian: So, was war jetzt der Punkt?

Miriam: Dinge kurz erklären zu können. Das ist mir eben gelungen, fast.

Florian: Naja.

Wie viele Details braucht eine Geschichte?

Miriam: Ja, also auf jeden Fall, diese Freundin ist das gerade und sie wollte mir ihre Geschichte erzählen und ich habe das auch auf mich genommen. Ich habe gesagt, alles klar, komm, wir setzen uns hin, zünden ein schwarzes Kerzchen an und ich höre mir den ganzen... Hast du ihr am Anfang gesagt, du konzentrierst dich auf das Wesentliche oder wie ging das los? Das habe ich verpasst. Das ist meine Freundin.

Florian: Entschuldigung, wir haben 15 Minuten Zeit, teile sie dir gut ein.

Miriam: Ja, und das finde ich auch unangemessen, in so einer Situation immer noch. Das ist nicht angemessen. Ich möchte doch, dass sie sich geborgen fühlt.

Florian: Das ist sehr gemessen.

Miriam: Ja, das wäre dann gemessen.

Florian: Ja, genau.

Miriam: Die Geschichte wäre tatsächlich aus meiner Sicht in drei Minuten erzählt gewesen. Vom Kern her.

Florian: Ah, große Liebe. Schwierigkeiten hier, Schwierigkeiten da. Oh, große Liebe. Fertig.

Miriam: Ja, da hast du jetzt ein paar wichtige Elemente weggelassen.

Florian: Ja, es ist sehr spannend, was alles so an Details notwendig ist. Wir hatten das letztens im Practitioner, Quatsch, nicht im Practitioner, im Coach war das. Ja. Wo wir auch eine Übung hatten, wo es darum ging, eine Geschichte zu erzählen. Und die Person, die am Ende die Geschichte erzählt hat, hat dann sehr stark zusammengefasst, was die Story gewesen ist.

Miriam: Die ursprünglich nicht von ihr erzählt wurde.

Florian: Die ursprünglich nicht von ihr erzählt wurde. Um eben zu üben, auch zuzuhören und das Wesentliche aus Geschichten zu extrahieren. Und es war sehr lustig, weil wir von der Persönlichkeit her zwei Menschen hatten, eine Person, die ursprüngliche Erzählerin, hat es sehr ausgeschmückt und es war wichtig, es ging um eine Reise, es ging darum, wo sie hinging, mit welchem Transportmittel sie ging, welche Farbe das hatte. Wann sie losgefahren sind und so, und im Wesentlichen war die Geschichte einfach nur, ja, also auf der Reise ist halt irgendwas passiert und es ist völlig irrelevant gewesen, wo das stattgefunden hat.

Miriam: Für die Person, die es zusammengefasst hat. Ja. Ja, die Frage ist ja immer, was brauche ich an Informationen, um irgendetwas zu tun? Wenn jemand sich einfach nur mal ausweinen möchte? Oder wenn ein Politiker eben seine 20 Minuten Redezeit ausschöpft?

Florian: Und so ohne Fleisch auf den Rippen ist es halt ziemlich irrelevant auch, ne?

Miriam: Eine Geschichte ganz ohne Fleisch auf den Rippen finde ich auch unspannend. So wie eben, ne? Was ist das?

Florian: Dann wird es eine Ladung von Fakten.

Käpt'n Blaubär, Tolkien und das richtige Maß

Miriam: Gibt es sowas wie das richtige Maß? Gibt es maßlose Geschichtenerzähler, die trotzdem cool sind? Ich erinnere mich so gerne an die 13,5 Leben des Käpt'n Blaubär von Walter Moers. Das ist für mich ein unmäßiger Geschichtenerzähler. Wenn jemand übertreibt im Bereich Details, dann ist es Walter Moers. Ich kenne niemanden, der so viele Details in Fantasy-Bücher reinschreibt wie dieser Kerl. Natürlich kennst du noch jemanden mehr, Florian. Ja, Tolkien. Tolkien.

Florian: Herr der Ringe, schon mal gelesen?

Miriam: Ja, hab ich.

Florian: Weil da gibt's eine Seitengeschichte nach der anderen. Also, falls du nur die Filme gesehen hast, in dem Buch gibt's noch viele andere Geschichten.

Miriam: Ja, und es geht mir gar nicht um die Nebenhandlungen, sondern es geht mir darum, wie Walter Moers alles beschreibt, was in diesem Buch ist. Wie lange der sich aufhält, bevor die Geschichte weitergeht mit Beschreibungen von wirklich unnützesten Details. Nur es ist so lustig, dass ich davon nicht genug bekommen kann.

Florian: Ein wesentlicher Aspekt vom Herr der Ringe sind die Beschreibungen der Landschaften.

Miriam: Ja. Deswegen ist es Neuseeland geworden. Das stimmt. Da gibt es so viel Grün.

Florian: Und damit ist auch alles schon gesagt.

Miriam: Also der Film, der große Monumentalfilm Herr der Ringe wurde in Neuseeland hauptsächlich gedreht und die Landschaften dort sind in meiner Welt einfach nur grün. Das ist das, was mein Gehirn gespeichert hat. Und der Regisseur würde wahrscheinlich sehr ins Detail gehen wollen, was diese ganzen Grüns angeht da.

Florian: Ist das themenabhängig, was Menschen dann auch noch machen? Also hast du einen anderen Detailgrad, was Computer angeht, als Kosmetik?

Miriam: Grundsätzlich möchte ich jetzt, ohne diesen Podcast zu diskreditieren –

Florian: Ja, und wir sind schon bei Minute sieben für den kürzesten Podcast aller Zeiten. Fass dich kurz.

Miriam: Für dieses Thema.

Florian: Konzentrier dich aufs Wesentliche. Jawohl. Außer wir sind's. Dann nicht.

5000 Worte vor dem Frühstück: Miriams eigenes Experiment

Miriam: Bin ich als wirklich detailverliebter Mensch in meinen Ausführungen über bestimmte Dinge und auch Geschichten, die ich anderen Menschen erzähle, in den letzten vier Jahren auf ein für mich absolutes Minimum zurückgewuscht. Ja, die Aussage eines Trainers in Amerika war, es wird viel zu viel geredet auf diesem Planeten. Und lustigerweise hat er mich damit erwischt. Also ich saß da und dachte, ja okay, also muss wirklich alles, und ich sage bewusst muss, alles, was ich so tagsüber von mir gebe, gesagt sein? Was tue ich damit in die Gehirne von anderen Menschen? Oder wie viele Details brauche ich, um die Information zu bekommen, die ich hätte, das Feedback zu bekommen, was ich gerne hätte? Oder dass mir ein Mensch eine Frage beantworten kann? Und das hat mich auch als damals noch TV-Moderatorin sehr erwischt, weil ich als TV-Moderatorin im Prinzip nur die Vermittlerin bin für einen oder mehrere Experten. Und meine Redezeit relativ lang war dafür. Und ich mich dann gefragt habe, wie gut ist es da, sich selbst wieder mal zu beäugen, sich selbst zuzuhören, sich selbst sehr genau wahrzunehmen und sich mal ganz bewusst einfach experimentierweise auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und diese Challenge habe ich angenommen. Meine eigene. Es ging um mich. Es ging um meine vielen wunderschönen Details.

Florian: Um die 5000 Worte gleich vor dem Frühstück.

Miriam: Da verrätst du jetzt was sehr Privates.

Florian: Miriam und ich haben den Deal, dass sie 5000 Worte vor dem Frühstück verwenden darf.

Miriam: Der zählt wirklich mit. Ich wache auf und fange an zu reden. Das ist super lustig. Ich glaube, das kann sich niemand vorstellen, der nicht so ist wie ich. Ich mache die Augen auf und rede los.

Florian: Wir haben zwei davon. Einer der beiden Jungs kann das auch. Ja, das stimmt. Der andere ist eher... Von wem er das nur hat.

Miriam: Ja. So ein Florian wäre auch, also du könntest auch einen Morgen im Schweigen verbringen, oder?

Florian: Ja.

Miriam: Kaffee und Schweigen?

Florian: Auf alle Fälle.

Miriam: Ich nicht. Da fehlt das Leben. Wirklich.

Florian: Ist das Leben ausgedrückt durch, ist das Leben verbal ausgedrückt?

Miriam: Für mich hat das viel damit zu tun, ja.

Florian: Und ist das das gleiche wie kurz fassen? Wie auf den Punkt kommen?

Miriam: Die Erfahrung habe ich lustigerweise gemacht. Ich dachte, dass ich mindestens diese 5000 Worte brauche, alleine schon, um darzustellen, wie meine Nacht verlaufen ist. Von der, du hast recht, lieber Hörer, ich nur minimale Teile mitbekomme hoffentlich, weil ich schlafe. So und jetzt frage ich mich natürlich, wenn ich schon für Augenblicke, in denen ich kaum was mitbekomme, so viele Worte habe, wie ist es dann mit Augenblicken, in denen ich wach, wach, wach, wach, wach bin? Und an der Stelle habe ich dann gesagt, gut, auch dieses Experiment mache ich, auch wenn ich mit Freunden, mit Bekannten spreche, im Job, bei Trainings, beim Moderieren.

Florian: Erzählst du jetzt fünf Minuten lang das Experiment, wie du dich kurz fassen gelernt hast? Ja. Der paradoxikalste Podcast, den wir je aufgenommen haben.

Miriam: Und vielleicht einer der witzigsten. Vielleicht einer der witzigsten ever. Du brauchst gar nicht so zu lachen. Ich finde es nicht lustig.

Florian: Ja, ich habe die andere Herausforderung. Ich habe eher die fast sich langen Herausforderungen.

Miriam: Das stimmt. Jetzt gibt es solche und solche Menschen. Übrigens ist es nicht geschlechterabhängig. Nur, dass wir das nochmal klar haben. Das stimmt. Den neuesten Statistiken und Untersuchungen zufolge, groß angelegte Studien in Amerika. Kannst du gurgeln?

Florian: Ist so. Heute saß ich bei einem Kollegen in einem Termin drin und dachte mir auch, gut, der Kunde hat unser Produkt gekauft. Jetzt wäre es gut, aufzuhören zu reden. Oh. Dann habe ich auch angefangen, wild zu gestikulieren hinter dem Rücken vom Kunden. Morgen mache ich dann was anderes. Singen. Einfach gehen.

Der richtige Zeitpunkt: Intention und Kontext

Miriam: Gibt es ein Lied über die stille Nacht? Also wann ist der richtige Zeitpunkt? Gibt es den richtigen Zeitpunkt, um aufzuhören? Gibt es das richtige Maß an Details, an Ausschmückungen? Klar ist das situationsabhängig, es ist geschichtenabhängig.

Florian: Und ich glaube, wir können uns von beiden Seiten daran nähern. Ja. Also von der sehr viel sprechen oder eine Geschichte sehr voll erzählen, viele Details einfügen, minutiös daran zu arbeiten und zu gucken, was passiert beim Gegenüber. Hört der mir zu oder hört der mir nicht zu? Gestern Abend hatten wir, ich fand, in einer sehr brillanten Art und Weise, habe ich Mathe-Hausaufgaben mit unserem Größeren gemacht hier und über Pythagoras und die Formeln und Gleichungen auflösen gesprochen. Und ich sah, wie bei dem kleinen Jungen die Augen glasig wurden und dachte mir, das ist der Punkt, wo wahrscheinlich in seinem Kopf sowas ist wie bla bla. Und ich habe ihn dann gefragt, ob es wahr war und er hat gesagt, ja.

Miriam: Dann habe ich aufgehört zu reden. Hat mich auch dran erinnert.

Florian: So ein spannendes Thema Pythagoras.

Miriam: In meiner schon längst vergangenen Ehe, die ich mal hatte, besaßen wir auch mal für eine kurze Zeit ein sehr schönes Haus in der Nähe von Frankfurt, ein altes Schulhaus. Und als wir das wieder verkauften, weil wir ins Rheinland gezogen sind, hat uns ein Makler darüber aufgeklärt, dass das, was wir in diesem Haus besonders schick finden und es selbst eingebaut haben in so einen Altbau und ganz stolz waren, dass es da drin ist. Manche haben einen Whirlpool oder eine Sauna eingezimmert und wir hatten das eben sehr auf Seminar und Unterricht ausgelegt und hatten dafür Vorkehrungen getroffen und auch einen Schallschutz und sowas, weil da musiziert wurde. Und dann sagte er, das wird nicht in den Verkaufspreis reingerechnet. Weil es vielleicht die... Was? Genau. Glaub mir, ich hatte Schaum vorm Mund. Das ist doch das, was dieses Haus zu einem Schmuckstück macht, ist genau das. Und er sagte, nein, weil der Nachmieter wird vielleicht keine Trainings oder Seminare geben. Sondern der möchte da vielleicht schlafen in dem Raum. Vielleicht ist der Schallschutz dann gut, wenn er da drin ist. Vielleicht auch nicht.

Florian: Vielleicht ist es jemand, der Geräusche von außen aufnehmen möchte und deswegen den Schallschutz wieder rausreißt.

Miriam: Genau. Und deswegen wird sowas, egal wie toll der Eigentümer das vorher fand, ein Swimmingpool, ein Whirlpool, Jacuzzi, eine Sauna, ein besonders großer ausladender Kamin mit zusätzlichem Zubehör für Stockbrotbraten, es wird nicht, das Haus wird dadurch nicht mehr wert. Weil das Haus wird aufgrund seiner Grundausstattung, seiner Größe, seiner Lage und klar, das Grundstück spielt eine Rolle, wird das bewertet und aus. Und das war für mich so ein, also zuerst hat sich das angefühlt, als würde mich einer in meiner persönlichen Kreativität anzweifeln, also auch in meinem ästhetischen Geschmack. Weil da ist so viel kreative Energie hineingeflossen, dieses alte Haus schön herzurichten und dann kommt einer und sagt, das zählt alles nicht. Auf der anderen Seite habe ich das dann später verstanden, dass eben nicht jeder Mensch das gleiche Empfinden hat für: irgendetwas ist nützlich oder sinnführend, oder was ist überhaupt wesentlich an so einem Haus? Was ist überhaupt das, was wirklich zählt?

Florian: Die Frage ist immer, was ist deine Intention? Möchtest du deine Zuhörer mitnehmen? Möchtest du deine 5000 Worte loswerden? Möchtest du eine tolle Geschichte erzählen? Möchtest du Emotionen erzeugen? Was ist das, was du in diesem Moment mit deinem Gegenüber machen möchtest? Oder mit deinem Mitüber machen möchtest? Was ist der Zweck davon, etwas zu erzählen? Und wenn es glasige Augen kriegt, wäre es vielleicht ein Zeichen für... Und wenn das in einer Hypnosesession ist, ist das vielleicht ein Zeichen dafür, dass du auf dem richtigen Weg unterwegs bist.

Miriam: Das mag sein.

Florian: Das ist einfach, es gibt kein kontextfrei sinnvolles Verhalten. Also wir dürfen das immer in einem bestimmten Kontext einordnen, in einer bestimmten Situation ergibt was Sinn und ist was nützlich und in anderen Situationen passt vielleicht nicht.

Miriam: Ja, und es ist... Mir war bei meiner Freundin, als wir da saßen, auch geschehen, dass sie dann in ihren ganzen Ausschweifungen weit in die Vergangenheit und ihren Analysen, warum das jetzt in die Brüche gegangen ist, ist mir aufgefallen, dass zwischendurch mein Gehirn Reisen gemacht hat. Also dass ich ihr einfach nicht mehr zugehört habe. Und das ist ja nicht intendiert. Das heißt, was ich auch gelernt habe, ist, dem Menschen, dem ich eine Geschichte erzähle, während ich die Geschichte erzähle, Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn es eine Geschichte ist, bei der ich gerne hätte, dass er mit wachem Bewusstsein zuhört und sie vielleicht versteht und mir dann einen Rat gibt oder so, dann wäre es schon gut, wenn er die wichtigen Details mitbekommt. Wenn es am Ende sogar noch spannend oder witzig ist, super. Und da kommen wir dann zu, das ist der Kern des Pudels. Ich darf ja gerade das Faustskript schreiben, aber ich bin ja in einem Projekt, das glaubt ja keiner.

Faust als Musical und der Kern des Pudels

Florian: Was wird aufgeführt bei der Theatergruppe Assenheim dieses Jahr?

Miriam: Hör mal, da ist Premiere im November, das Ding feiert 40-jähriges Bühnenjubiläum.

Florian: Mit welchem Stück?

Miriam: Faust, der Komödie erster Teil.

Florian: Guck mal. Als Musical erster Teil.

Miriam: Ja, es heißt Faust ganz anders und als Musical. Ja. Ja. Sehr cool. Sehr cool. Und die Gretchenfrage und des Pudels Kern beschäftigen mich seit Wochen. Und da passt das sehr schön dazu.

Florian: Das stimmt. So, Minute 18.

Miriam: Ja, du, dann sind wir toll in der Zeit. Wir sind fast fertig.

Florian: Was fehlt denn noch? Fast nicht kurz.

Miriam: Wir haben in der Elevator-Pitch. Naja, wie könnten wir jetzt zum Beispiel das, was wir in diesem Podcast machen, in fünf Sekunden aufsagen?

Florian: Wie wir es in fünf Sekunden aufsagen?

Miriam: Ja, das wäre jetzt unser Job zum Beispiel. Das ist die Challenge, unter der ich mich, die habe ich mich selbst hingebracht, dass ich gedacht habe, nur zum Üben überlege ich mir, welche Geschichte erzähle ich heute Florian, wenn er zur Tür reinkommt, wenn er von der Arbeit kommt. Was habe ich heute erlebt? Ah ja, genau, da war diese Geschichte, wo ich selbst auf dem Feld war und habe Blumen geschnitten. Die möchte ich ihm gerne erzählen. Wie kriege ich das in fünf Sekunden hin und er versteht den Kern des Pudels. Das geht.

Florian: Wie denn?

Miriam: Vorne auf dem Feld baut der Bauer diese wunderbaren Tulpen an. Ich habe acht geschnitten.

Florian: Wow. Selbst.

Miriam: Ja, das Selbst war nach der Zeit. Fertig?

Florian: Nein. Doch.

Miriam: Fünf Sekunden. Ich habe ein sehr gutes Zeitgefühl.

Florian: Ich werde das nachmessen.

Miriam: So sieht es doch mal aus.

Florian: Notfalls füge ich Pause hinzu.

Miriam: Ja, genau. Hauptsache es geht auf acht. Ah, wunderbar. Und im kontext*denken-Podcast widmen wir uns den Themen des Alltags und betrachten sie aus NLP-Sicht. Punkt.

Florian: Sehr gut. Nächste Woche wieder am Dienstag. Das stimmt. Und vorher bald, nämlich an diesem Wochenende findet unser NLP-Basics-Seminar statt. Das stimmt. NLP kondensiert auf drei Tage.

Miriam: Wenn du sehr spontan entschlossen bist, dann melde dich noch an, es sind noch Plätze frei, vom 8. um 18 Uhr bis am 10. um 16 Uhr.

Florian: Februar 2019. Richtig. Und wir haben sowas auch für Coaching.

Miriam: Das stimmt.

Florian: Wo wir in dreieinhalb Tage die Coaching-Inhalte stecken, wo wir sagen, das ist das Wichtigste, damit kannst du dann anfangen zu coachen.

Miriam: Cool. Dann bis nächste Woche oder vielleicht am Wochenende in Arnsberg im verschneiten.

Florian: Wir wünschen dir eine wunderschöne Woche.

Miriam: Ciao. Bis dann. Mehr von uns gibt es unter www.kontext-denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.

Weiterdenken

Wenn es etwas Neues gibt, geben wir dir Bescheid.

Im Newsletter landen neue Episoden, Seminartermine und Gedanken, die sich auch ohne Kopfhörer weiterdrehen.

Zum Newsletter