NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 143

Frag besser nicht: Warum?

Warum warum keine gute Frage ist und wozu vielleicht doch.

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In dieser Folge

Darum geht es

Die Frage des Todes – so wollten wir den Podcast ursprünglich nennen und Florian meinte, das sei zu weitführend. Warum eigentlich? Seine halbstündige Argumentationskette ersparen wir Dir, lieber Hörerin, an dieser Stelle bewusst. Denn wenn Du schon mal in diese Notiz zum NLP Podcast von kontext*denken liest, dann soll Dir dieser Text doch ein Amuse Gueule, also ein Appetithäppchen, sein. So stellen wir sie also mal nicht. Die Frage nach dem WARUM. Dabei durchlaufen doch die meisten Eltern und Kinder diese anstrengende WARUM-Phase in der Sprach- und Geistesentwicklung. Wer hing nicht schon einmal in dieser endlosen Warum-Schleife fest, die kleine Kinder so virtuos ansetzen, dass wir als Erwachsene beinahe an heimtückische Fragen-Folter denken möchten. Natürlich möchten wir den Kleinen die Welt erklären und Ihnen genau sagen, warum sie abends früher schlafen gehen, als ihre volljährigen, ausgewachsenen Eltern. Natürlich wollen wir ein Übel an der Wurzel packen und ähnlich einem entzündeten Zahn dort den Schmerz eliminieren, wo seine Ursache ist. Allerdings hat mein wunderbarer Dentalmeister Georgi mich bei einer solchen Behandlung noch nie nach dem WARUM gefragt. Ich ihn auch nicht. Viel eher haben wir uns nach dem WIE gefragt. WIE macht er jetzt einen möglichst brillanten Job und WIE verhindere ich in Zukunft solcherlei Eingriffe? Hm… wie auch immer – diese Podcast-Folge beginnt im Kino. Warum? Hör einfach mal rein… ;-)

Miriam und Florian zeigen an ganz alltäglichen Beispielen, warum die Warum-Frage tiefer ins Problem statt in die Lösung führt: von den berühmten fünf Warums aus der Prozessoptimierung über Rechtfertigungen und Postrationalisierungen bis zur Problemtrance im Sinne von Milton H. Erickson. Statt Warum probierst Du Fragen wie Wozu, „Was hättest Du gerne?“ oder „Was könntest Du jetzt direkt tun?“ – lösungsfokussierte Fragen aus dem NLP, die Aufmerksamkeit und Verantwortung neu ausrichten. Wer sich mit Meta-Modell der Sprache, Fragetechniken im Coaching und der Unterscheidung von Warum, Wieso und Wozu beschäftigt, findet hier einen konkreten Einstieg. Und ja – Avengers Endgame, Superhelden und der NLP Master in Arnsberg kommen auch vor.

Lesefassung

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Kapitel dieser Folge
  1. Vom Kino zur Warum-Frage
  2. Die fünf Warums und die Wurzel des Problems
  3. Warum führt tiefer ins Problem
  4. Die nützliche Frage: von warum zu wozu
  5. Zurück ins Marvel-Universum

Warum? Kaum eine Frage rutscht so leicht raus – und kaum eine führt so zuverlässig tiefer ins Problem statt raus. Miriam und Florian kommen frisch aus dem Kino, mitten aus einem dreistündigen Superhelden-Endkampf, und drehen von dort die Kurve zu einer sprachlichen Beobachtung: Was passiert eigentlich in deinem Kopf, wenn dich jemand nach dem Warum fragt? Und welche Fragen bewegen dich stattdessen wirklich vom Fleck?

Vom Kino zur Warum-Frage

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.

Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.

Miriam: So, wir kommen gerade aus dem Kino.

Florian: Was? Und wir haben dort... Was ist denn das Thema heute?

Miriam: Avengers.

Florian: Sicherlich nicht. Wir sind nämlich noch im NLP-Teil. Und ich hatte mir letztes Mal gewünscht, dass wir nicht schon wieder Meta-Modell der Sprache machen. Weil ganz ehrlich, wer hat denn überhaupt Lust, noch mehr Sprachsitziererei zu machen? Da kann ich ja jetzt überhaupt keinen normalen Satz mehr sagen. Jetzt lerne ich hier Meta-Modell der Sprache, lese vielleicht sogar noch Korzybski, fange an, mich mit Sprache zu beschäftigen und plötzlich ist jeder Satz durchsetzt mit Löschungen, Generalisierungen und mit Verzerrungen und ich weiß gar nicht mehr, was ich sagen kann, ohne dass mir jemand reinsabbeln könnte von wegen, ne, da ist aber nicht klar, was gemeint war. Woher weißt du das? Sag ich doch.

Miriam: So, deswegen haben wir uns was ganz anderes überlegt. Wir sprechen über Superhelden. Das ist eine fantastische Metapher für diesen Podcast. Zwei Superhirne sprechen über Superhelden in super Endkampf.

Florian: Und ich bin sehr gespannt, wie du die Kurve hinbekommst zur NLP, weil wir auch ein sehr ernster, inhaltstiefer Podcast sein wollen. Unsere Superkraft, unsere Podcast-Superkraft ist Inhalt.

Miriam: Ja, und das Wort. Am Anfang war das Wort. Und wirklich, ich habe heute so viele Worte gehört im Kino. So viele Worte. Warum? Warum?

Florian: Das ist ja keine sinnvolle Frage.

Miriam: Warum nicht?

Florian: Da kommt ja nur Gritz rum.

Miriam: Warum?

Florian: Weil es so ist.

Miriam: Da ist ein Weil drin versteckt.

Florian: Das stimmt. Du hast ja auch ein Warum gefragt.

Miriam: Ja, warum ist die Frage, die ich nicht mehr stelle?

Florian: Welche Frage stellst du denn inzwischen?

Miriam: Woran würdest du es merken?

Florian: Schon viel länger. Schon viel länger. Wirst du nach Buchstaben bezahlt.

Miriam: Oder wie genau? Ist auch immer eine gute Frage statt warum.

Florian: Warum verwendest du denn jetzt kein Warum mehr, Miri?

Miriam: Wenn mich das jemand fragt, ohne Mist, dann sage ich sowas wie Tobias Beck, ich stehe für diese Art von Antworten nicht zur Verfügung. Oder ich sage ganz NLP-lerisch, weil ich mich dafür entschieden habe.

Florian: Ist ja auch eine Null-Antworter, ne?

Miriam: Wieso? Das sagt sehr viel über mich aus. Zeug von großem Selbstbewusstsein. Ich weiß, dass es bestimmte Situationen in meinem Leben früher gab, wo ich auf die Frage des Warum eine Litanei, ein Monolog, teils viertelstündig, 20-minütig, ohne Luft zu holen, von Rechtfertigungen von mir gegeben habe. Denn warum provoziert Rechtfertigungen für ein Verhalten oder eine Entscheidung?

Florian: Oder in Schlausprech Postrationalisierungen.

Miriam: Herrlich.

Florian: Ja, also da ist halt, irgendwas habe ich halt gemacht.

Miriam: Mhm.

Florian: Gerade als Mann. Ich habe halt irgendwas gemacht. War Blumen pflücken. Warum? Ja, weiß ich jetzt auch nicht.

Miriam: Warum? Hast du ein schlechtes Gewissen?

Florian: Genau, und dann kommt die Post-Rationalität.

Miriam: Ja, nee. War, weil ich dich.

Florian: Naja, genau.

Miriam: Ja. So, ich frage auch nicht mehr warum. Ich nehme die Blumen. Ja.

Florian: Das stimmt.

Miriam: Das macht das Leben so viel einfacher. Viele Menschen stellen die Frage nach dem Warum und würden auch das wieder, wenn sie sich fragen, warum fragst du denn nach dem Warum, dann würden sie auch wieder anfangen zu postrationalisieren mit der Aussage, ich will ja wissen, warum Dinge passieren. Es ist doch wichtig, die Gründe zu kennen.

Die fünf Warums und die Wurzel des Problems

Florian: Und die Annahme dahinter ist, also das ist ja wirklich die Annahme dahinter, dass wenn ich jemanden nach dem Warum frage, dass tatsächlich wirkliche Gründe kommen, an denen wir dann besser arbeiten können. Es gibt in der Organisationsentwicklung oder in Prozessoptimierung, mit denen ich was zu tun habe, die berühmten 5 Warums. Da wird 5 mal hintereinander Warum gefragt. Unser Prozess zum Abstempeln der Briefe ist schlecht. Warum? Weil mein Stempelkissen immer leer ist. Warum? Weil ich nur einmal am Tag einen Brief abstempel und das Stempelkissen offen ist. Warum? Weil ich keinen Deckel habe für mein Stempelkissen. Warum? Weil der Meier hat den verloren letztes Jahr. So. Dann weiß man, Schuld ist der Meier. Das ist Quatsch. Ja, ist okay.

Miriam: Wir haben das, glaube ich, jetzt zumindest alle verstanden, was diese fünf Warums machen. Wir wissen, warum was nicht funktioniert.

Florian: Und wir kommen an die Wurzel des Problems. Das ist das, was aus dieser Denke dahinter steht, dass ich tatsächlich an ein Wurzelproblem komme.

Miriam: Ist das dann der Patient Null?

Florian: Ah, das ist was ganz anderes.

Miriam: Achso. Ich dachte, das könnten wir auch... Jetzt noch mit dazu nehmen. Wenn wir sowieso schon dabei sind. Wie gesagt, ich bin da voll auf Heldentum gebürstet. Ja? Ja. Endgame. Das war ein Film.

Florian: Jetzt macht mein Gehirn nichts anderes als zu suchen, wie wir den Patienten 0 jetzt noch erklären und einfügen können.

Miriam: Ja, da kommst du gleich drauf. Ich erkläre erstmal allen, die nicht wissen, was da im Kino gerade passiert. Da läuft gerade ein Film, der dauert drei Stunden und ist das Ende von unzähligen Heldensagen, die alle in einem letzten Film zusammengeführt werden, zum sogenannten Endgame. Und das Endgame ist eine riesige, epische Schlacht von Gestalten, die es nicht wirklich gibt da draußen, außer in den Köpfen von Comiczeichnern, die dann sich da gegenseitig auf die Mütze hauen.

Florian: Das ist ein großes Comicbuch. Das sind so 100 Seiten Comicbuch, einfach in Filmform.

Miriam: Ich weiß, ich hatte einen Mann neben mir sitzen, der diesen Film offensichtlich sehr genossen hat.

Florian: Ich fand's lustig.

Miriam: Dafür hast du relativ wenig gelacht.

Florian: Miriam saß neben mir und hat einen regelmäßigen, unregelmäßigen Abstand, immer wenn eine neue Figur auf dem Bildschirm...

Miriam: Das war alle zwei Minuten tauchte eine neue Figur auf.

Florian: Wer ist das denn? Entschuldige, wer ist das denn? Ja. Wer ist das denn? Und dann hab ich sowas gesagt wie Hawkeye.

Miriam: Wer ist denn Hawkeye? Und dann hat Florian nicht mehr geantwortet. Ich hätte ja auch fragen können...

Florian: Ein klassischer Miri war auch am... Achso, nee, wir dürfen keinen Spoiler machen, ne?

Miriam: Doch, jetzt schon. Der läuft ja schon seit einigen Wochen. Jaja, das dürfen nur die nicht, die die Vorpremiere sehen und dann darüber berichten.

Florian: Also falls du den Film noch nicht gesehen hast und noch sehen möchtest... Mach jetzt aus. Exakt. Am Anfang gibt es wirklich... Also es ist wirklich traurig. Wirklich. Also am Anfang ist... Oder es ist so eine... pathetische Stimmung des Nichts. Und Miriam hat genau diese Zeit genutzt, um wirklich im Stecknadelfallen hörenden Kinosaal, um da jetzt den Popcorn einmal in die Hand zu nehmen und möglichst viel Popcorn zu essen. Und ich fragte mich die ganze Zeit, warum?

Miriam: Ich fragte mich die ganze Zeit, wann sagt er was?

Florian: Ich?

Miriam: Ja. Es kam dann auch irgendwann. Allerdings, also ich hab bestimmt fünf Minuten so... Ja, während alles in dem Film in Schutt und Asche lag, unter grauem Dunst. Der wurde auch nicht besser, der Film, der blieb grau. Ich habe den als Schwarz-Weiß-Film behalten für mich.

Florian: Ja?

Miriam: Ja. Warum? Bis auf das Schild von Captain America ist in diesem Film alles schwarz-weiß.

Florian: Auf warum würden wir immer eine Antwort finden.

Miriam: Ja.

Florian: Warum hast du deine Hausaufgaben nicht gemacht? Weil... Weil mein Hund hat die gegessen. Und das Witzige ist, so eine richtige Antwort bekommen wir ja trotzdem nicht.

Miriam: Warum sind wir überhaupt in diesen Film gegangen?

Florian: Weil wir da Spaß dran haben.

Miriam: Guck mal, da hat er mich inkludiert, plus über meinen Kopf hinweg entschieden. Es stimmt. Und soll ich dir sagen, warum?

Florian: Weil der letzte auf den Cliffhanger aufgehört hat.

Miriam: Richtig. Weil ich kurz davor war an Marvel, Disney und... Also gibt es jetzt doch sinnvolle Antworten auf warum, oder wie? Ne. Also doch, pass auf, die Antworten sind sinnvoll. Die stimmen ja, zumindest in der Welt von demjenigen, der es formuliert. Bringen sie die Lösung näher eines Problems? Meine These? Nein. Denn was kommt? Es kommen Rechtfertigungen. Wir wissen, dass der Meier den Deckel vom Stempelkissen irgendwann verloren hat. Bringt es eine Lösung für das austrocknete Stempelkissen zu wissen, dass der Meier den Deckel irgendwann...

Florian: Wir könnten es natürlich noch personenunabhängig machen.

Miriam: Ja, mach mal personenunabhängig.

Florian: Der Mensch, der einmal in der Rolle der Vertretung des Stempelkissenbedieners gearbeitet hat, hat den nicht richtig zugemacht oder hat den Stempelkissendeckel verbogen. Und dann wäre natürlich, um an die Wurzel des Problems ranzugehen, würden wir einen neuen Deckel kaufen. In diesem Beispiel. Und aus dieser Sicht gesehen ist es eben schlau zu gucken, was ist denn tatsächlich die Wurzel des Problems.

Warum führt tiefer ins Problem

Florian: So jetzt, die kleine Herausforderung ist die Übertragung auf uns Menschen. Was auch immer. Also meistens ist es ja irgendein Problem und dann steht eben die Frage, warum? Warum bist du nicht so erfolgreich im Leben, wie du gern möchtest? Und dann kommt halt viel Blödsinn in unserer Welt, der nicht hilfreich ist auf der Suche nach einer Lösung für dieses Thema. Also wir verstehen dann vielleicht, im besten Falle verstehen wir sogar das Problem besser. Also wir wissen dann wirklich, im Sinne von Milton H. Erickson sind wir dann in einer Problemtrance vielleicht drin. Wir können wirklich gut begründen, warum wir da nicht rauskommen. Ich hatte heute auch so ein Gespräch mit einem Kollegen. Der hat mir erklärt, warum das in dieser Firma nicht funktionieren wird, irgendeine Veränderung herbeizuführen. Und der hatte wirklich 35 Minuten lang gute Argumente gehabt. Und ich habe mich hinterher auch ganz verloren gefühlt.

Miriam: Und dann? Das ist das, was ich da draußen ständig erlebe und in den Coachings, die ich gebe auch. Weil selbst wenn ich nicht warum frage, antworten die Menschen auf eine nicht vorhandene warum Frage. Oder sie fragen sich selbst, das hatte ich auch schon.

Florian: Ja.

Miriam: Ja, da sagt jemand, keine Ahnung, ich erfinde jetzt irgendein Problem, ich weiß nicht, was ich privat noch tun soll, da ist alles in Schutt und Asche und warum? Und dann sagen sie es. Und ich denke, ich kann ja auch gehen.

Florian: Ja, manchmal ist es doch einfach, ist doch schön, die Geschichte mit jemand anders zu teilen. Das war das, was ich dem Kollegen heute geschenkt habe. Ich hab ihm einfach zwei Ohren geschenkt, wo er was erzählen kann. Hast du sie wieder zurückbekommen? Ja, hab ich zurückbekommen. Und nach 35 Minuten meinte er dann zu mir, ich will ja auch gar nicht so klingen wie so ein ewigen Nörgler. Dann hab ich gesagt, das hat noch nicht geklappt. Dann hat er gelacht.

Miriam: So ist es dann jetzt ein, sollten wir sozusagen als sprachbegeisterte Menschen, als Sprachversteher, als Sprach-Exorzisten, sollten wir das Wort Warum, die Frage nach dem Warum meiden? Ist das sozusagen die Ansage dieses Podcasts? Und wenn ja, warum? Und wenn nein, warum nicht?

Florian: Die Betrachtungsweise im NLP, also aus dem neurolinguistischen Programmieren, ist eben immer, dass wir was mit einer bestimmten Intention machen. Wir möchten in einer bestimmten Situation, zum Beispiel ich mit meinem Kollegen heute, etwas Bestimmtes erreichen. Also zum Beispiel wollen wir eine Lösung finden für eine kleine Herausforderung. Und das ist so meine persönliche Erfahrung. Überprüf das bitte gegen deine Erfahrung. Nur über das Problem zu reden, führt nicht zu einer Lösung.

Miriam: Und die Frage des Warum führt tendenziell tiefer in das Problem.

Florian: Tiefer in das Problem hinein. Wir haben im Deutschen sogar noch ein Zweitwort. Im Englischen gibt es ja nur das Why, das dann im Deutschen entweder mit Warum oder mit Wozu übersetzt wird. Und ich habe auch schon einige NLPler getroffen oder einige vielleicht auch einfach Sportler. Sprachsensiblere Menschen getroffen, die dann angefangen haben, wozu zu fragen, wenn sie in die Zukunft hineinfragen wollen, also auf eine Lösung, was ist das, was du erreichen möchtest im Leben? Dann stellen sie die Wozu-Frage und wenn sie eher in die Vergangenheit, wieso ist das entstanden, dann stellen sie die Warum-Frage.

Miriam: Ach, da war auch noch ein Wieso im Spiel. Das stimmt. Drei, wir haben eine Auswahl.

Florian: Ja.

Miriam: Das heißt, es ist so eine Art...

Florian: Das Triumvirat, ja.

Miriam: Wie heißt das denn? Es ist so eine Art... Wie heißt denn das, wenn die Leute so nach Öl bohren? Weißt du?

Florian: Nach Öl bohren?

Miriam: Ja. So tiefer unter die Erdkruste bohren. Weiß ich nicht. Und will ich, also ist das sinnvoll? Wenn wir davon ausgehen, dass Menschen, wenn sie warum gefragt werden, eher noch tiefer in ihr Problem einsteigen. Und wie gesagt, du kannst damit Experimente machen.

Florian: Das ist tatsächlich das. Wir hatten diese Frage in der Pause von jemandem im Practitioner auch dieses Mal. So, ja, vielleicht hilft es doch, wenn ich meine Geschichte nochmal erzähle. Irgendwas ist eben passiert und dann hat jemand gesagt, ey, nochmal die Geschichte erzählen. Jemand anders hat sich angeboten, erzähl es doch nochmal, dann wird es besser. Und das ist ein weit verbreiteter Glaubenssatz hier in Deutschland, so wie ich den wahrnehme oder ich filtere sehr stark darauf, also ich höre das immer wieder und mein Eindruck ist, nur in bestimmten Rahmenbedingungen.

Miriam: Mir hat ein relativ schlauer Trainer mal gesagt, ein Problem hat sich noch nie dadurch gelöst, dass du über das Problem nachgedacht hast. Und manche Menschen tun das ganze Nächte lang und schlafen deswegen nicht. Und ihre Gedanken kreisen um das Problem. Nein, pass auf, es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder ich fange an, über die Lösung des Problems nachzudenken, das ist sinnvoll. Wie kann ich das Problem lösen? Wo geht es hin? Was kann ich tun, damit es besser wird? Und dann kommt die Tat. Und nachts im Bett kann ich wenig tun. Manche Probleme lassen sich auch nachts im Bett lösen, nur meistens nicht durchschlafen, außer es handelt sich um Übermüdung. Ich weiß, da zuckt Florian mit dem Mundwinkel.

Florian: Ich zuck deswegen mit dem Mundwinkel, weil ich vorhin das... Warum, weil ich vorhin die fünf Warums hatte. Zu erledigen. Also an der Wurzel was zu machen und nicht nur ein Symptom zu verändern.

Miriam: Das macht das Zahnarzt-Denken wirklich gar nicht schön.

Florian: Das stimmt. Irgendwann ist eben die Wurzelbehandlung auch das, was dafür sorgt, dass der Zahn dann eben ruhig ist. Oder zum Teil ja auch das Ganze wieder durchhält. Und solange nur herumgedoktert wird.

Miriam: Da, guck.

Die nützliche Frage: von warum zu wozu

Florian: Also es gibt anscheinend, für mich gibt es anscheinend Kontexte, in denen die Warum-Frage sinnig ist und die meisten Kontexte, die was mit menschlichen Problemen zu tun haben, eher nicht. Weil das dann so, ja, dann kommen wir eben in hauptsächlich Erklärungen rein, warum sich jemand nicht verändern kann. Oder warum alles schlimm ist. Oder warum wir jetzt nicht mehr weiterkommen. Und dann bin ich voll bei mir. Dann ist es so, dann lass uns doch mal in den Lösungsraum springen. Dann überleg doch mal, was ist das? Wo möchtest du überhaupt hin? Was ist denn eigentlich das Ziel? Lohnt sich das überhaupt, da was zu machen? Ich würde das übrigens nützlich nennen inzwischen. Dann ist warum manchmal keine nützliche Frage. Also es ist nicht gut oder schlecht, sondern es ist einfach nicht nützlich, wenn ich in Richtung Lösung gehen möchte. Wenn die Intention in einem Gespräch ist, dass jemand sich einfach mal ausweinen kann oder einfach mal was loswerden kann, dann ist warum vielleicht eine nützliche Frage. Wie soll ich das entscheiden? Da müssten wir jetzt wirklich wissen, auch was immer die Intentionen sind. Also möchte ich wirklich so in Gespräche reingehen, dass ich mir immer überlege, warum habe ich dieses Gespräch jetzt gerade? Warum? Wozu?

Miriam: Wo soll es hingehen? Es wäre ganz gut, darüber nachzudenken. Wirklich. Es wäre ganz gut, sich vorher zu fragen, wozu führe ich denn jetzt dieses Gespräch? Mache ich das einfach, damit wir beieinander sitzen? Stelle ich meine Zeit zur Verfügung, damit der andere sich mal so richtig ausheulen kann und soll und dass er Fläche hat? Das ist ja cool. Diese Absprachen finden nur vorher meistens nicht statt.

Florian: Miriam hat das vor ein paar Jahren in unserer Beziehung mal wunderbar mir gegen den Kopf zurückgeworfen. Wir dürfen uns ja gegenseitig coachen. Wir haben mal diese Verabredung getroffen. Und als ich mich mal über irgendwas aufgeregt habe hier, hat Miriam darauf hingewiesen, dass wir uns in der Woche nur noch einen Tag sehen. Und den Rest sind wir irgendwie an unterschiedlichen Enden Deutschlands unterwegs gewesen. Und dann war die Frage, wenn das jetzt heute der Abend ist, ist es dann sinnvoll... und im Sinne von der Intention dieses Tages nützlich, wenn wir uns an dem Abend ausgerechnet nicht verstehen? Oder wollen wir einfach noch einen schönen Abend haben? Und meistens ist die Antwort darauf, naja... Möglicherweise.

Miriam: Kommt auch drauf an, mit welchen Argumenten ich dann noch so um die Ecke komme.

Florian: Ja, es ist manchmal das. Was ist die Intention an dem, was ist das, wo wir hinwollen? Oder aus so einer lösungsfokussierten Sicht, die ja auch ins NLP mit reinspielt, mit der Kurzzeittherapie, was NLP ja auch ist, eben sehr schnell Ergebnisse erzielen, dann darf ich schon wissen, wo möchte ich denn hin? Und das ist eine der Umstellungen, die wir im Practitioner auch ganz subtil im Hintergrund haben.

Miriam: Ist mir die Sesamstraße eingefallen, dass Kindern nur eine einzige Frage beigebracht wird, dass viele Menschen außer der Warum-Frage gar kein großes Fragenrepertoire mehr haben im aktiven Wortschatz. Also es gibt sozusagen die fragen ja dreimal das Gleiche, es fällt nur keinem auf. Wieso, weshalb, warum, wird in der Sesamstraße mehrfach gefragt und dieser Vorspann läuft sozusagen täglich durch Kindergehirne durch. Und es gibt nur diese eine Idee. Und die Fragen werden nicht zu Ende formuliert. Also wer wie was ist einfach nur so in den Raum gestellt. Es wird kein wirklicher Hinweis gegeben auf wie genau machst du es oder welche Art von oder was genau möchtest du, wenn du oder was. Diese wunderschönen Fragen, die Menschen dahin bringen eine Straße, eine sprachliche Straße zu gehen, sich vom Fleck zu bewegen, ihren Ort zu wechseln. Wir haben so ein wunderschönes Repertoire, gerade in der deutschen Sprache, in Sachen Fragen. Wir können durch Fragen so viel bewegen und wir können uns selbst so viel bewegen, wenn wir mal aufhören, kurz aufhören, uns nach dem Warum zu fragen und stattdessen mal uns zum Beispiel fragen, was hättest du denn gerne oder wie hättest du es denn gerne? Wie wäre es denn in Perfekt? Einfach nur mal, um ein Gedankenspiel zu machen.

Florian: Wie wäre das, ne? Ja.

Miriam: Wie schön wäre es, wenn... Welche Auswahl an Möglichkeiten würde dir gefallen? Was könntest du jetzt direkt tun, damit es dir besser geht? Ein bisschen besser. So diese wunderschönen Fragen, die so Richtung Sonnenaufgang ziehen, sage ich ganz gerne. Mal weg vom Sonnenuntergang hin zum Sonnenaufgang. Wir haben so schöne Mittel zur Verfügung.

Florian: Das Tolle ist, dass solche Fragen natürlich auch ausrichten. Wir waren jetzt auf einem schönen Workshop in Belgien, wo es tatsächlich eben auch um Fragen, wie kann ich Fragen stellen, in die keine Metaphern eingebaut sind. Also wo ich nicht schon... Entweder den Sinneskanal und dafür hatten wir ja die Wacock-Folge vor kurzem, also visuell, auditiv, kinesthetisch, das Sehen, das Hören und das Fühlen, wo ich nicht sage, wie fühlst du dich denn gerade, um vorwegzunehmen, dass sich irgendjemand in einer bestimmten Art und Weise fühlen muss. Oder dass es eben, vielleicht hat ja jemand ganz viele Bilder innerlich gemacht oder hat eine Stimme gehört oder so. Und da war das schon spannend, weil tatsächlich Fragen darauf zielen können, dass jemand wieder Verantwortung übernimmt für das, was er oder sie gerade macht. Also in einer bestimmten Art und Weise die Frage zu stellen, führt eben dazu. Wenn das Wochenende jetzt so laufen oder die Woche für dich so laufen würde, wie du es gerne hättest, wie wäre das dann? Weil dann darf ich mich als Mensch plötzlich damit beschäftigen. Als Hörer beschäftige ich mich plötzlich, wie wäre die denn dann tatsächlich? Und dann, wenn die Woche so wäre, wie wärst du denn dann? Und dann, was ist denn, was du bereit wärst zu tun, damit das so wäre? Und plötzlich sind wir aus einer Sicht, wo jemand vielleicht sagt, ich weiß überhaupt nicht, was ich tun kann, hin zu, naja, was Kleines kannst du immer tun. Und das ist dann, darüber richten wir eben Aufmerksamkeit auf bestimmte Teilaspekte unserer Erfahrung. Wenn wir im Warum eher in die Vergangenheit fragen oder vielleicht das Wozu oder was hättest du denn gerne was passiert?

Miriam: Ihr merkt schon, Florian macht das schon ziemlich professionell, weil ich war gerade, selbst ich war gerade unterwegs in diese kommende Woche.

Florian: Was?

Miriam: Und ich habe viele gute Ideen für uns beide.

Zurück ins Marvel-Universum

Florian: Nochmal Avengers Endgame schauen.

Miriam: Warten wir doch einfach, bis es auf Netflix kommt.

Florian: Um jetzt beim zweiten Mal die ganzen Referenzen noch mal mitzubekommen.

Miriam: Ich habe heute gemerkt, dass ich Nachholbedarf habe, was Marvel-Universum angeht. Also ich darf mir so ungefähr 17 Filme jetzt angucken, um den Film zu verstehen, den ich heute gesehen habe.

Florian: Um alle, oder ja, um einen Teil der Referenzen zu verstehen.

Miriam: Also die Geschichte ist jetzt nicht so kompliziert gewesen für meinen Kopf, die da gelaufen ist. Was schon für mich komplex war, in meiner Welt waren diese ganzen vielen Helden, die Heldenfiguren, die ich überhaupt nicht kenne. Mein Repertoire hört ungefähr bei Superman und Batman, hörte, hörte, hörte bis vor fünf Jahren bei Superman und Batman auf. Mittlerweile habe ich es deutlich aufgebaut, also ich habe mehr Helden zur Verfügung, über die ich nachdenken kann, von denen ich weiß, wie sie aussehen und was sie so tun, außerdem wie ihr tolles Kostüm ausschaut. Und ich habe heute gemerkt, wie wenig das sind im Vergleich zu dem, was es gibt. Weißt du, da sind Helden dabei, die haben die doch gerade erst erfunden, um mich zu verwirren. Das ist doch das Warum.

Florian: Weißt du, was doch das Beste daran ist? Wo ist denn? Superman und Batman kommen von einem anderen Verlag.

Miriam: Ich weiß, die sind vom DC-Universe. Ich habe schon viel gelernt. Also ich komme schon durch.

Florian: Das heißt, wenn du dich mehr mit den Themen beschäftigst, merkst du einfach, da gibt es eine ganz große Tiefe und plötzlich kannst du eben solche Unterscheidungen treffen. Vorher war es einfach ein Superhelden-Poster, das irgendwo hing, um irgendeinen Film zu bewerben und plötzlich kannst du sagen, das ist der und der und der. Unser Jüngster hier, der kann auch schon alle. Der weiß auch schon.

Miriam: Das ist der eine und das ist der andere. Weißt du, was mich total, wo ich wirklich, da hat mir der Atem gestockt. Der weiß nicht nur, dass das Iron Man ist, sondern der weiß sogar noch, wie der heißt, wenn er nicht das Iron Man Kostüm anhat, der Typ. Irgendwas mit stark. Das ist nicht zu fassen, wirklich.

Florian: Die Beschäftigung halt, ne? Ein starkes Interesse daran, was es da draußen alles gibt. Das führt wirklich dazu, dass du besser wirst.

Miriam: Und jeder dieser Superhelden hat wirklich eine eigene ganz große Stärke. Wenn die die alle zusammen in einen Topf werfen, dann habe ich gesehen, was passiert heute.

Florian: Drei Stunden lang. Drei Stunden lang. Wir haben eine Rezension gelesen. Dieser Film ist eine Gehirnwäsche. 45 lang eben nicht und 15 Minuten.

Miriam: Dann schon. Und Leute, wirklich für mein Gehirn, Zeitreise vorwärts, rückwärts. Ich weiß, ich darf ja nicht spoilern. Ah, okay.

Florian: Also, wenn du Lust hast, dir wirklich episches Kino reinzupfeifen, dann... Und ich weiß, falls du im Sommer zum NLP Master kommen möchtest, nach Arnsberg... Oh, wir freuen uns so.

Miriam: Das wird so ein schöner Masterkurs. Ja. Mann, Mann, Mann, Mann.

Florian: Und ich weiß, dass noch jemand dabei ist, der sehr gerne über Superheldenfilme philosophiert.

Miriam: Ja, das stimmt. Du bist in bester Gesellschaft, wenn das dein Thema wäre. Und wenn es nicht dein Thema ist, bist du bei mir sehr gut aufgehoben. Deswegen geben wir das zusammen. Sissi zum Beispiel. Oder Immenhof.

Florian: Was ist da noch? Fackeln im Sturm?

Miriam: Wer das draußen kennt, Immenhof. Meine Schwester liebt Fackeln im Sturm. Ich liebe Vom Winde verweht.

Florian: Ah, ist das nicht der gleiche Film?

Miriam: Weißt du, ich habe mich heute sehr zurückgehalten mit solchen Äußerungen über das Marvel-Universum. Ich kann das nächste Mal sowas von, beim nächsten Podcast kann ich sowas von Blödsinnsfragen stellen dazu. Wenn es darauf hinausläuft, auf die Rückrunde, dann bin ich gerne dabei. Lass meine Filme in Ruhe. Lass meine Helden in Ruhe.

Miriam: So, das war es jetzt auch heute schon. Worum ging dieser Podcast? Um die Frage warum. Warum bist du noch nicht bei uns im Seminar gewesen? Es wird Zeit.

Florian: Ja, allerdings. Was hättest du denn gerne, was in deinem Leben passiert? Und wie können wir dich dabei unterstützen?

Miriam: Herrlich. Wir sind am Start. Allerspätestens nächste Woche wieder, dienstags. Wenn die zwei super Gehirne...

Florian: Wir machen wieder weiter mit Meta-Modell der Sprache, oder? Mehr ging nicht.

Miriam: Diesen einen Exkurs habe ich Florian gegönnt. Ab nächster Woche geht es wieder ganz nach Plan. Wir machen einmal NLP-Wortschatz mit euch durch. Damit ihr zu Superhelden... Bis nächste Woche. Bis dann. Tschüss.

Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext-denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.

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