Ein Baby entdeckt seinen eigenen Fuß — und ist eine Stunde lang völlig weg aus dieser Welt. Dann merkt es: Da sind ja zwei. Diese Szene erzählt Miriam als Bild für eine Begeisterung, die viele von uns irgendwann verlieren. Warum verschwindet sie? Und lässt sie sich zurückholen? Genau darum dreht sich diese Folge — von Pyramiden über Elon Musk bis zu einem Bilderrahmen über deinem Sofa.
Über 70 Folgen und die Sache mit den Zahlen
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: Es ist so cool, dass wir mittlerweile weit über 70 Folgen Podcast produziert haben.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Ich finde, es ist an der Zeit, mich mal zu feiern.
Florian: Die 70. Folge zu feiern. So wie es üblich ist, die 70 zu feiern.
Miriam: Die 70 ist ja schon lang rum.
Florian: Die 75.
Miriam: Auch. Ja. Lang. Mindestens bei 77. Florian schüttelt den Kopf.
Florian: Florian ist sich da nicht so sicher.
Miriam: Zahlen sind ja eh nur Schall und Rauch.
Florian: Ich dachte eher, gerade wenn wir es in binär aufschreiben würden, bräuchten wir schon echt viel. Also wir bräuchten bestimmt schon vierstellig.
Miriam: Gerade haben Menschen wie ich ausgeschaltet. Binär, das habe ich in Mathe irgendwann mal gehört. Ich glaube, der Taschenrechner funktioniert so. Der Computer. Das ist so ein Taschenrechner, nicht auch? Ist das nicht so ein Minicomputer, der auch so geht?
Florian: Grundsätzlich alles, was so mit Computern zu tun hat. Also ganz generell gesprochen, ja.
Miriam: Also uns wurde das am Beispiel eines Taschenrechners erklärt, eines gemeinen Taschenrechners.
Florian: Was ist denn das Thema heute?
Miriam: Das Thema heute ist Begeisterung.
Florian: Begeisterung für was?
Miriam: Das ist ja jetzt eine Frage, die mich völlig aus der Bahn wirft. Begeisterung allgemein. Allgemeine Begeisterung am Leben. Doch, mir fällt das auf, wie wenig Menschen da draußen begeistert sind.
Florian: Hat das was damit zu tun, dass wir jetzt am dritten Tag unseres ersten Practitioners in 2018 sind? Hast du das heute vom Tag genommen?
Miriam: Nee, das ist ein Thema, was mich immer mal wieder bewegt. Und zwar immer, wenn ich in Kontakt mit anderen Menschen bin.
Florian: Es gibt so Menschen, die begeistert sind für das, was sie tun?
Miriam: Ja.
Florian: Und andere?
Miriam: Ja, genau. Und ich freue mich immer, wenn ich jemanden treffe, der so eine kindliche Begeisterung für was hat. Das ist fast wie in der Sonne baden. Hast du das schon mal erlebt? Also es gibt auch das Gegenteil.
Florian: Eine kindliche Unbegeisterung?
Miriam: Tatsächlich leider im Moment noch öfter laufen mir draußen Menschen über den Weg, die scheinbar für gar nichts mehr zu begeistern sind.
Florian: Wow.
Miriam: Also manche sagen, dass sie für was begeistert sind, aber ich sehe es nicht.
Florian: Wieso ist denn das jetzt heute unser Thema und was genau ist daran denn unser Thema jetzt?
Miriam: Ja genau. Das ist ja erst, also erstmal dürften wir es sozusagen deklinieren, differenzieren, definieren.
Florian: Was Begeisterung ist.
Miriam: Ja.
Florian: Da ist ein B drin, ein Geist und eine Ehrung.
Miriam: So geht das nicht. So kann ich das nicht.
Florian: Wieso kannst du das nicht?
Miriam: Das ist doch Kokolores.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Menschen, die jetzt diesen Podcast zum allerersten Mal hören, weil sie uns kennenlernen wollen als Korri-Fan im NLP-Bereich.
Florian: Ja, die wundern sich schon, dass wir nicht wissen, welche Episoden-Nummer wir gerade haben.
Miriam: Ich hab's mit Zahlen nicht so. Es war schon immer so.
Florian: Ja, über 70 stimmt auf jeden Fall. Ja, weit. Weit über 70.
Miriam: Ja, wir könnten sagen knapp unter 80.
Florian: Aufgerundet schon 100.
Miriam: Stimmt.
Florian: Ja.
Miriam: Ja. Oh, die 100. Folge feiern wir richtig doll. Ja. Ja.
Grundbegeisterung und die Füße des Babys
Miriam: Ich weiß nicht, ob du Hörerinnen, Hörer, das auch schon erlebt hast, dass gerade wenn es darum geht, im Leben Dinge zu erreichen oder neu zu erlernen, so eine Spur Begeisterung ganz schön hilfreich ist. Manchmal werde ich ja von Menschen gefragt, wie ich das alles schaffe. So alles.
Florian: Dieses Mutter sein, Fernsehmoderatorin sein, Traumfrau sein, Trainerin, Autorin, Musicaldarstellerin, Haushaltswerferin.
Miriam: Ja, ich bin so begeistert davon.
Florian: Von all dem, was du tust.
Miriam: Von allem.
Florian: Ja.
Miriam: Und wenn ich noch nicht so ganz begeistert bin, finde ich, Grundbegeisterung ist immer da und dann gibt es noch die Detailbegeisterung. Die kommt dann meistens dazu auf den Weg, weil ich so viele schöne Sachen entdecke während des Prozesses zum Ziel oder so.
Florian: Erstmal grundbegeistert sein und dann Detailbegeisterung entdecken.
Miriam: Ja, ja, ja, ja, ja.
Florian: Das ist der Miri-Way of doing it.
Miriam: Ja. Ist das angeboren?
Florian: Also ich merke zumindest im Vergleich, dass ich anders begeistert bin als du. Also ist das angelernt? Warst du schon immer so?
Miriam: Ja.
Florian: Besteht da keine Hoffnung, dass jemand das lernt? Scheinbar nicht.
Miriam: Oh Gott. Oh, Florians Gesicht.
Florian: Wollen wir nochmal über das Thema reden?
Miriam: Ist ein super Thema. Finde ich ganz wichtig.
Florian: Ja, das stimmt. Und wir haben auch schon erlebt, dass Menschen Begeisterung entwickeln und begeistert sind. Also es scheint ein Teil angeboren zu sein oder antrainiert zu sein bei dir.
Miriam: Weißt du, was ich beobachtet habe? Und ich glaube, dass jetzt tatsächlich alle Eltern da draußen, die auch Kinder haben, das nachvollziehen können. So ein Kleinkind, selbst schon Baby, wenn es jetzt nicht gerade erst frisch geschlüpft ist, sagen wir, ab da, wo es anfängt bewusst zu lächeln. Die haben so eine naturgegebene Riesenbegeisterung für alles, was sie neu entdecken. Und das Coole ist ja, die entdecken jeden Tag um die 1000 Sachen neu. Weil es eben einfach alles zum allerersten Mal bei denen passiert. Also die haben zum ersten Mal ihren eigenen Fuß in der Hand und kriegen sich nicht mehr ein. Das ist der Hammer, den Augenblick abzupassen, wenn so ein Kind seine Füße entdeckt. Da kannst du dich als Eltern daneben stellen und dich einfach nur schippelig lachen. Weil die sind völlig weg aus dieser Welt. Die sind so begeistert von ihrem Fuß mit diesen fünf Zehen, die sind eine Stunde beschäftigt. Und dann kommt der Knaller. Dann sehen die, dass sie nicht nur einen haben, sondern zwei. Und dann drehen die völlig durch. Die sind im Überfluss. Das ist nicht zu fassen. Und dann begucken die ihre Zehen und dann spielen die und dann verdrehen die den Fuß und dann merken die, dass der Fuß sich auch bewegt, wenn sie ihn nicht anfassen und dann ist die Begeisterung nochmal größer. Das ist unfassbar. Kannst dich eine Stunde daneben stellen, kannst du zugucken.
Florian: Und habe ich das jetzt, wenn das jetzt nicht mein Hauptstate wäre oder wenn Lieschen Müller jetzt das nicht mehr so spürt an mancher Stelle, hat die das dann verlernt oder was?
Miriam: Das ist jetzt Miris These.
Florian: Weil da geht's ja jetzt drum, ne? Also wie kriegen wir das denn jetzt, was machen wir denn jetzt damit?
Miriam: Ich weiß, dass meine Mutter mir erzählt hat, dass sie früher, wenn sie mit uns spazieren gegangen ist als Kinder, also meine Mutter mit uns, dass sie sich nie ein bestimmtes Ziel gesetzt hat für den Spaziergang. Weil in dem Alter zwischen zwei, drei, vier Jahren, sagt sie, kam sie mit uns manchmal 800 Meter weit in zwei Stunden, manchmal 50 Meter. In zwei Stunden wohlgemerkt. Sie hat sich immer nur eine Zeit vorgenommen. Sie hat gesagt, so gegen 16 Uhr sind wir wieder zu Hause. Weil sie gesagt hat, weil es nicht berechenbar war, für was wir uns auf dem Weg gerade begeistern wollen. Und wenn wir eben nach drei Metern vorm Haus irgendwie spannende Steine entdeckt haben auf dem Boden, dann waren wir da eine halbe Stunde. An der Stelle. Weil wir da diese Steine auseinander sortiert haben und die wieder zusammengelegt, eingesammelt, manche wieder wegsortiert. So, und sie hat das einfach zugelassen. Sie hat gesagt, wenn die das so toll finden, die zwei, dann lasse ich das jetzt. Ich glaube, dass das ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr passiert. Spätestens dann, wenn es in den Kindergarten geht oder in die Schule, dann ist die Zeit nicht mehr da, um den Kindern diese Begeisterungsmomente vollständig zu lassen. Und sie lernen, dass sie sich auch mit Dingen befassen müssen, die sie gar nicht begeistern.
Florian: Bei dir zum Beispiel Mathe.
Miriam: Warum hast du das jetzt verraten? Das hätte doch keiner wissen können.
Florian: Du hast das doch vor fünf Minuten selber verraten.
Miriam: Ich habe gesagt, ich habe es nicht mit Zahlen. Ich habe nicht gesagt, dass ich es nicht mit Mathe habe. Das eine hat doch mit dem anderen gar nichts zu tun.
Florian: In der Grundschule und im Gymnasium schon noch. Erst am Studium hat Mathe nicht mehr viel mit Zahlen zu tun.
Miriam: Gut, dann meinetwegen.
Florian: Lass den mir nochmal durchgehen.
Miriam: Lass ihn mir nochmal durchgehen.
Florian: Heute, ausnahmsweise. Die Frage ist für mich ja eher, die sich stellt, wenn es so wäre, dass Menschen Begeisterung verlieren, weil sie eben... Ja, so jetzt kann man jetzt eine mögliche Lösung, die du eben gesagt hast, wäre, bei deiner Mama aufwachsen.
Miriam: Das stimmt.
Florian: Ist jetzt zu spät.
Miriam: Die lebt noch. Ich weiß nicht, ob sie es anbieten würde, als Workshop.
Florian: Für die Hörerinnen und Hörer selbst ist es auch zu spät. Die könnten nur ihre Kinder dann da abgeben.
Miriam: Wieso ist es für die zu spät?
Florian: Ja, die können ja nicht mehr aufwachsen bei deiner Mama.
Miriam: Ach, du meinst aufwachsen? Ich dachte so ein Begeisterungsworkshop. Achso. Wir gehen halt zwei Stunden spazieren und bleiben überall stehen. Bis die Begeisterung sich einstellt. Für so einen Bergkieselstein.
Bewegende Begeisterung gegen Couch-Begeisterung
Florian: Da fällt mir auf, ja, du hast eine Grundbegeisterung fürs Leben und wenn ich dich jetzt fragen würde, wollen wir zwei Stunden einen Berg rauf gehen, würdest du wahrscheinlich sagen, nein. Wie wäre es, wenn wir mal wandern gehen?
Miriam: Du hast eben bergauf gesagt.
Florian: Ja, das stimmt.
Miriam: Warum denn nicht flach oder bergab?
Florian: Weil von oben viel mehr zu sehen ist.
Miriam: Ja gut, bin ich nicht so begeistert von.
Florian: Es gibt also Sachen, wo selbst du, grundbegeisterter Mensch, nicht direkt grundbegeistert von bist, oder wie?
Miriam: Ja, ich bin grundbegeistert von die Natur sehen. Oder einen Ausblick haben. Oder auf einem Berg stehen und da runter gucken. Da bin ich von begeistert. Und dann hätte ich gerne eine Senfte und zwei Träger. Das wäre für alles eine Lösung. Ich glaube, in Malaya machen die das. Die tragen einen, ne?
Florian: Also, als wir da unterwegs waren, die haben das Gepäck getragen von den Touristen und ältere Menschen, wenn die nicht mehr konnten. Die tragen bestimmt auch jüngere, faule Menschen.
Miriam: Hauptsache die Kohle stimmt wahrscheinlich.
Florian: Du wiegst auch nicht mehr als so ein Koffer von so einem Touristen. Also es gibt schon Leute, die viel packen.
Miriam: Es gibt für alles eine Lösung. Um Begeisterung zu erzeugen. Und wenn es jetzt nicht sein muss, also wenn es eine andere Option gibt, den Nachmittag zu verbringen, mache ich lieber das, was mich begeistert. Das stimmt. Und ich habe die Begeisterung.
Florian: Ist das der Trick oder wie? Ja. Zu sagen, du machst einfach Dinge, die dich begeistern, du weißt sehr genau, was dich begeistert und das ist das, was du tust?
Miriam: Jein. Weil hier an der Stelle würde jetzt vielleicht auch jemand sagen, ich bin einfach begeistert, wenn ich auf der Couch liege und schlafe.
Florian: Und dann? Was ist daran jetzt? Mega Begeisterungsfeld, ja.
Miriam: Oder wenn ich den ganzen Tag Pac-Man spiele.
Florian: Ja.
Miriam: Und ich weiß nicht, ob die Begeisterung, von der wir da sprechen, ob das die gleiche ist.
Florian: Ob das die gleiche Begeisterung ist. Also ob es auch ein, ob der gleiche Geist da drin steckt.
Miriam: Für mich ist das so ein, wie hießen die, die die Länder früher entdeckt haben?
Florian: Forscher?
Miriam: Ja, nicht Forscher, sowas wie Kolumbus.
Florian: Entdecker? Ja, so Entdecker. Wie hießen die, die die Länder entdeckt haben? Au!
Miriam: Ja, also die Entdecker. So diese Entdecker-Begeisterung oder die Genießer-Begeisterung.
Florian: Und das hat für dich eine andere Qualität als die Couch-Begeisterung, also die Liege-Begeisterung?
Miriam: Wahrscheinlich kommt es auch hier wieder aufs Ziel an. Also wenn Menschen mich fragen, wie schaffst du das alles und ich sage auch und sehr stark gezogen durch eine Form von Begeisterung, dann ist es eine bewegende Begeisterung. Die bringt mich in Bewegung dazu, dass ich Dinge bewege, dass ich etwas erschaffe, eine produktive Begeisterung.
Florian: Es kann ja auch jemand sagen, ich will gar nicht so viel schaffen. In der Tat, keine Begeisterung in der Ruhe, sondern für dich ist es eine Begeisterung der Tat.
Miriam: Wenn es darum geht, wie ich das alles schaffe, ja. Dann sind wir da.
Florian: Und die andere Art der Couch-Begeisterung ist? Probier's mal mit Gemütlichkeit.
Miriam: Das ist ja lustig, weil Lu, der Bär, ist ja gar nicht faul. Der ist gemütlich, nur der macht ganz schön viel. Der macht es gemütlich.
Florian: Der tanzt zum Beispiel mit King Louie.
Miriam: Und rettet dabei das Menschenjunge. Also er macht tolle Sachen. Zwischendurch legt er sich auf den Fluss und lässt sich treiben.
Florian: Ja, das ist eher so meine Idee. Ja doch, wenn wir die Unterschiede auch anschauen zwischen uns, da kam ja heute auch eine Frage, wo so die Unterschiede sind. Miri springt einfach mal so in die Abenteuer von vorne rein. Und ich kann auch sehr gut auf dem Fluss liegen und mich einfach mal treiben lassen eine Weile. Ja, stimmt. Es fällt mir schon leichter, dann einfach zu sagen, heute mache ich mal nix. Und dann gibt es eben diese Tage, wo wir doch beide sehr geschäftig sind und beide an unseren Begeisterungen arbeiten oder dann eben, wo sich das sehr gut zusammenfügt.
Miriam: Ja, und ich glaube, das ist eine echte Produktivität. Also wenn es darum geht, ein großes Ziel zu erreichen, wenn es darum geht, eine Vision zu haben, dann ist die Begeisterung ein wichtiger Faktor. Wenn kein Ziel da ist, wenn es jetzt gerade nichts zu tun gibt, so für mich oder für irgendjemanden da draußen, dann ist das auch nicht der Podcast, sondern es geht ja darum, wenn ich gern was erreichen möchte. Also Mini-Etappenziele, große Ziele bis hin zu Mission, Vision, was Trainer so alles an Begrifflichkeiten haben dafür. Dann ist die Begeisterung für mich ein wichtiger Motor.
Florian: Ja.
Miriam: Weil ich merke, dass es unglaubliche Aktivität, unglaubliche Bewegung stiftet. Und es geht so viel einfacher mit Begeisterung.
Von Pyramiden, Kinski und Elon Musk
Florian: Als investigativer Miri-Podcast-Begleiter. Voll gut. Jetzt hat ja zum Beispiel jemand, der auch viel geschafft hat, wäre ja zum Beispiel der Kinski. Wenn ich mir jetzt Interviews mit dem anschaue, dann ist Begeisterung nicht das Wort, das mir einfallen würde, sondern eher so eine Manie oder so eine Besessenheit. Es ist dann einfach gesteigerte Begeisterung oder wie passt das in Miris Welt hinein?
Miriam: Für mich gehört das eine nicht zum anderen. Ich glaube, dass Menschen, die Großes erschaffen, immer auch ein Stück weit besessen sind davon. Und ich meine das im positiven Sinn. Also besessen ist dann für mich nicht negativ konnotiert, sondern sehr positiv. Ein Stück weit sind die auch besessen. Also das ist so dieses, ich habe eine tolle Idee und dann sitze ich da zwei Wochen Tag und Nacht dran. Das ist Besessenheit. Da schlafe ich kaum, da esse ich vielleicht wenig, da ist alles nicht so wichtig. Das ist eine kurze Etappe von extremer Besessenheit. Weil es jetzt gerade im Flow ist und weil es jetzt gerade läuft.
Florian: Und dann wird gemacht.
Miriam: Und dann nutze ich diese Energie. Und dann kann das bis hin zu einer leichten Besessenheit gehen. Da, wo eine Besessenheit pathologisch wird, ist es eh sichtbar. Also da brauche ich nur in die Gesichtszüge von den Menschen zu schauen.
Florian: Nur dann gibt es ja eben doch Menschen, die Sachen schaffen, ohne begeistert zu sein von ihrem Thema. Oder der war schon begeistert, ne?
Miriam: Ja.
Florian: Total. Nur er hat es anders gezeigt als du.
Miriam: Ich weiß auch, verstehst du, was ich bei einem Interview mit einem Kinski nicht sehe, ist wie der im Set war, also wie der beim Drehen und wie der in der Rolle agiert hat, wenn er gespielt hat.
Florian: Wenn er in der Rolle war, ist schon grandios.
Miriam: Und es gibt ja dieses Außenrum und dieses, ne, und dass der nicht gerne Interviews gegeben hat, das ist bei jedem Interview zu merken, ja. Da fehlt die Begeisterung voll schön.
Florian: Ja, ich habe auch schon mal gelesen, dass der am Set jetzt auch nicht der Zeitgenosse war, um den man unbedingt rum sein wollte.
Miriam: Und er hat seine Rollen super gespielt.
Florian: Und begeistert für die Rollen dann. Begeistert für die Kunst, insofern ja, warum nicht. Und gleichzeitig besessen.
Miriam: Ja. Und dann entstehen ja auch sehr intensive Dinge. Ja, ich habe schon oft erlebt, dass Menschen Dinge unbegeistert tun. Das habe ich schon oft erlebt. Und ich habe auch schon oft erlebt, dass mich das dann in keinster Weise berührt hat. Ich würde auch jetzt spontan kein Beispiel finden für große Dinge, die völlig unbegeistert erledigt wurden. Für wirklich große Dinge. Mir fällt nichts ein.
Florian: Ab wann ist denn ein großes Ding ein großes Ding? Oder was sind große Dinge für dich?
Miriam: Oder andersrum, wer sich's ausgedacht hat. Ich sag jetzt mal, wenn ich jetzt derjenige gewesen wäre, der sich den Bau der Pyramiden ausgedacht hat.
Florian: Wieso wundert es mich nicht, dass du ein Beispiel nimmst, wo Götter im Spiel waren? Ach, wenn schon, denn schon. Also wenn du Göttin gewesen wärst, die sich ausgedacht hat, dass sie... Das hat sich kein Gott ausgedacht. Die Vertreter der Götter wollten hier für immer...
Miriam: eine tolle Ruhestätte finden. Ja, und es waren ja zumindest vermenschlichte Gestalten. Also sie haben auf dieser Erde als Menschen gelebt, selbst wenn es vielleicht Götter waren. Nein, haben sie nicht. Pharaonen.
Florian: So, so. Ja, erzähl mal weiter.
Miriam: Naja, es gibt ja sogar sterbliche Überreste.
Florian: Ja.
Miriam: Gut, irgendwas Menschliches war dran.
Florian: Ja, was Menschliches war dran, ja. Gut.
Miriam: Also irgendeiner von den Pharaos hat sich vorgestellt, ich möchte einen besonderen Grabstein.
Florian: Etwas, was die Welt noch nicht gesehen hat. Willkommen beim kontext*denken-Geschichtspodcast.
Miriam: Etwas, was die Welt noch nicht gesehen hat. So groß, dass da nicht nur eine Inschrift drauf passt, sondern auch noch Schätzereien. Eine Menge.
Florian: Ja, weil die gingen ja mit ins Totenreich.
Miriam: Ja. Und dann hat er sich das zusammen mit seinen Baukonstrukteuren, mit seinen Ägyptischen, hat er sich hingesetzt nächtelang und die haben dieses Ding erfunden, dieses Grabstein-Ding, das dreidimensional, vierdimensional, dreieckig aussieht. Und haben die Spitze gen Himmel gezogen.
Florian: Also vier Seiten dreidimensional, ja.
Miriam: Voll gut, ne? Und dreieckig. Ich komme mir auch mal die drei drin vor. Pyramiden sind doch eh so spannend von Zahlen. Ich habe es nicht so mit Zahlen. Pyramiden scheinen ja sehr spannend zu sein mit Zahlen. So und dann hat er sich das ausgedacht und hat mit seinen Baukonstruktionen und die haben erst gesagt, vielleicht so bei seinem ersten Entwurf, sein erster Entwurf war vielleicht gar keine Pyramide, sein erster Entwurf war vielleicht ein Kegel.
Florian: Chef, Chef, ich hab ne super Idee, nur wir wissen noch nicht, wie wir das bauen sollen.
Miriam: Nee, er hat ja die Idee. Er sagt zu seinen Baukonstruktionen, ich möchte das so und die sagen, ah, mit den Sandsteinen, die wir da haben und so.
Florian: Wir haben nur rechteckige, wir haben nur Quader.
Miriam: Also Bauingenieure machen sowas glaube ich heute noch. Wenn jemand kommt und sagt, ich habe eine tolle Idee für ein Haus, sagen die, ah.
Florian: Ich habe nur Quader.
Miriam: Ich habe keinen Rund.
Florian: Falls du Bauingenieur bist und zuhörst, es tut mir so leid.
Miriam: Dann haben die sich hingesetzt und haben sich das überlegt. Und dann kamen sie irgendwann auf diese tolle Form mit der Pyramide. Ja. Und waren alle begeistert. Und die haben was Tolles erfunden und das ist bis heute da. Die haben wirklich was Großartiges erfunden. So und jetzt kommt's. Jetzt haben da, ich weiß nicht wie viele tausend ägyptische Arbeiter daran rumgearbeitet, damit das steht, wie begeistert die waren. Kann ich dir nicht sagen. Das weiß ich nicht. Das war harte körperliche Arbeit.
Florian: Ob die überhaupt eine Wahl hatten, begeistert zu sein oder nicht.
Miriam: Wahrscheinlich war es n'importe quoi. Nur auf jeden Fall haben sie es hinbekommen. Vielleicht waren ein paar dabei, die begeistert dafür waren, an diesem monumentalen Werk für die Ewigkeit mitarbeiten zu dürfen. Drei oder vier von 5000. Weiß ich nicht. Ich kann sie auch nicht mehr interviewen.
Florian: Ja, das Spannende ist... Nur die, die es sich ausgedacht haben...
Miriam: Die waren begeistert, ganz bestimmt waren die begeistert davon.
Florian: Ja, da ging es ja ums Totenreich. Es ging ums zweite Leben.
Miriam: Das ist eine Mordsrutschbahn.
Florian: Wie sie da reinkommen. Exakt. Offensichtlich war ja wichtig, dass ihre ungefähre Form gleich bleibt. Deswegen dieses Einbalsamieren. Dass sie im Totenreich auch wieder schick sind.
Miriam: Ja.
Florian: Und dass sie die ganzen Sachen mitnehmen können.
Miriam: Ja. Und die Rutschbahn.
Florian: Und die Rutschbahn.
Miriam: Runterzus.
Florian: Die Pyramide.
Miriam: Das ist, wie ich sage, also jemand, der sich so ein Auto wie den Tesla ausdenkt, das kann er doch nicht ganz ohne Begeisterung machen. Er kann doch nicht da sitzen und so, ja.
Florian: Bei dem Elon Musk, ja, da gibt es inzwischen ja auch spannende Biografien zu. Der ist auch irgendwo getrieben. Mein Verständnis ist, der sieht auch Probleme inzwischen und hat da dann keinen Bock mehr drauf und fixt das dann einfach mal. Der macht das dann einfach mal in richtig.
Miriam: Und wenn ich ihn höre und sehe, wenn er über seine Ideen erzählt, sehe ich diese Begeisterung, die ich auch von mir kenne.
Florian: Wir haben, haben wir davon schon mal erzählt. Es gibt so einen coolen Interview-Schnupsel von ihm, wo er von einem Interviewer gefragt wird. Also offensichtlich konnten Zuschauer Fragen einsenden und eine Frage, die ihm gestellt wurde, war dann eben, was tut er denn, wenn er sich mal nicht so richtig motivieren kann? Also wenn man so einen Tag, wenn er keine Lust hat, was zu tun. Und das ist so lustig, ihm dabei zuzuschauen, weil er versucht, er gibt sich wirklich Mühe, Elon Musk gibt sich wirklich Mühe, zu verstehen, was das für eine Frage ist. Und es ist an seinem Gesicht zu sehen, dass das passt irgendwie nicht. Also er versucht die so in seinem Kopf zu jonglieren, so, was hat das Wort Motivation und ich tu was, jetzt miteinander zu tun? Oder was ist dieses, ich hab heute keine Lust oder bin heute nicht so gut drauf und was hat das damit zu tun, dass ich heute trotzdem die Arbeit mache? Das ist irgendwie so, das sind zwei Puzzleteile von ganz verschiedenen Puzzlen für ihn so. Ja, gut, dann mach ich's halt trotzdem. So wie wenn dann jemand fragen würde, ja, wenn morgens kein Kaffee da ist, fährst du dann trotzdem in die Arbeit? Und der sagen würde, ja, dann hol ich mir halt unterwegs. Also, das ist die Frage. Sehr lustiges Interview.
Miriam: Gibt es auf YouTube wahrscheinlich.
Florian: Als ich es gesehen habe, bin ich sofort zu mir gerannt und habe gesagt, guck mal, das ist das, was wir transderivationale Suche nennen im NLP.
Miriam: Den Begriff darfst du jetzt einfach mal selber googeln oder zum Practitioner kommen. Wir haben ja im Herbst noch einen. Ja, also das finde ich wichtig. Alles. Also da, wo Dinge erschaffen werden, ist zumindest einer im Spiel, der begeistert ist davon.
Florian: Also es hilft.
Miriam: Es hilft total.
Florian: Könnte es nicht auch sein, dass jemand einfach die Schnauze voll hat von eben, wie es ist?
Miriam: Ich frage mich immer, wie dann das Endergebnis aussieht. Also wenn jemand das aus vollstem Frust macht, so nach dem Motto, ich ziehe jetzt aus und er baut sich dann voller Wut draußen im Garten so eine Hütte.
Florian: Nur für die Haustür. Er hört sogar vor der Haustür schon auf. Hier wohne ich keinen Tag länger. Ich wohne jetzt auf dem Gesteig. Oder im Garten. Oder im Garten. Im Zelt.
Miriam: Und ich weiß nicht, wie hübsch das dann wird. Also wie sehr das von so einem inspirierenden Gedanken getragen ist.
Florian: Das ist ein spannender Impuls, weil der bei vielen Menschen dazu führt, dass sie sich wieder bewegen. Also dass sie was verändern.
Miriam: Ja. Und dann gibt es irgendwann an irgendeinem Punkt die Frage nach.
Florian: Die fühlt sich auch gut an.
Miriam: Ja.
Florian: Zu sagen, ich arbeite in dem, was mich begeistert. Ja. Du tust Dinge, die dich begeistern, ganz einfach und ganz nebenbei auch. Ja. Habe ich den Eindruck. Das ist das Spannende mit dem, gibt es dann überhaupt Arbeit?
Miriam: Nee, wenn du jeden Tag das tust, was dich begeistert, gehst du nicht mehr arbeiten. Ist ja so ein alter Spruch.
Florian: Es fühlt sich nicht so an, wie manche Menschen Arbeit belegen.
Der Tipp: Begeisterungs-Sammler werden
Miriam: Was ich wichtig finde und jetzt auch so als Hoffnungsstifter noch, wir haben ja manchmal am Ende des Podcasts auch so eine Tipp-Sektion. Und in meiner Welt ist Begeisterung übbar, trainierbar, wenn sie nicht mehr so da ist, wie sie als Kind mal da war, als sie Füße in der Hand hattest. Oder das erste Gänseblümchen gesehen hast oder diese Kieselsteine.
Florian: Und wie?
Miriam: Dass du dich zum Beispiel einfach mal kurz, dass du kurz innehältst und dich jetzt, wo du auch immer bist, um diesen Podcast zu hören, umschaust, außer du fährst gerade Auto, dann guck weiter geradeaus bitte.
Florian: Dann bereistere dich über deine Motorhaube hinweg.
Miriam: Vielleicht fährt gerade ein Auto an dir vorbei auf der Autobahn oder du überholst gerade ein Auto, das dir besonders gut gefällt. Und dann mach einfach mal das, was du sowieso schon kannst, verstärk mal dieses Gefühl, diesen Gedanken daran so ein bisschen. Und schau mal, ob es vielleicht noch mehr Autos gibt, die auch so ein bisschen hübsch sind. Und es geht gar nicht darum, gleich so eine riesen Begeisterung für was zu haben. Also irgendwas in deiner Umgebung, wo du jetzt gerade bist, wenn du in deinem Wohnzimmer sitzt. Vielleicht ist dir schon lange nicht mehr aufgefallen, dass der Bilderrahmen, den du von der Oma geerbt hast, der schon seit Jahren über dem Sofa hängt, total toll ist.
Florian: Wenn er abgestaubt ist. So wie die Oma. Abgestaubt hat auch mehrere Bedeutungen. Oh.
Miriam: Weil der Oma abgestaubt ist. Ja, weil der Oma abgestaubt ist.
Florian: Das heißt, der Trick wäre, sich für kleine Sachen wieder schön zu finden, wahrzunehmen, dass du anfängst, die Dinge in deiner Umgebung wieder wahrzunehmen, die dir Freude machen. Ja. Und wenn du anfängst, mehr deinen Fokus darauf zu legen, was dir Freude macht, habe ich dich, glaube ich, richtig verstanden eben, dann fängst du auch an, wieder Begeisterung in dir zu spüren.
Miriam: Richtig.
Florian: Da ist wahrscheinlich immer schon Begeisterung, oder?
Miriam: Ja. Ich lasse die nur wieder raus, sozusagen.
Florian: Bis ins Gesicht zumindest mal.
Miriam: Und es braucht nicht alles. Ins Bewusstsein, ja. Also mich begeistert nicht alles in dem Raum, in dem ich gerade sitze.
Florian: So wie dich Mathe ja auch nicht begeistert.
Miriam: Mich begeistert es, dass ich mit Florian hier sitze. Mich begeistert es total, dass wir zusammen einen Podcast machen. Es begeistert mich, dass wir schon so viele hunderte Folgen Podcast aufbauen.
Florian: Ich habe es nicht so mit Zahlen.
Miriam: Mich begeistert es total.
Florian: Gerundet hundert. Ja.
Miriam: Und Florian hält das aus. Also nur, dass wir es noch mal betont haben. Und vielleicht begeistert es dich, neulich kam ein Kollege und sagte, völlig begeistert, dass er sehr stolz ist auf sich, dass er mittlerweile unseren Podcast nicht mehr so nebenbei hört, sondern dass er sich jede Woche freut und sich bewusst hinsetzt und sich echt Zeit nimmt. Also nicht den laufen lässt, während er irgendwas groß aufräumt, Auto fährt, sondern dass er total begeistert ist darüber, dass er sich in Ruhe hinsetzt und den anhört.
Florian: Oh, voll schön. Oh, was für ein tolles Kompliment. Dankeschön.
Miriam: Der hört bestimmt wieder zu. Dann liebe Grüße. Ja.
Florian: Okay.
Miriam: Also kannst du einfach mal machen, so egal wo du bist, wenn es dir einfällt plötzlich, Begeisterungsübungen, mal schauen, was es hier gibt, da wo ich jetzt gerade bin, wo ich das wieder spüre, wie das mal war.
Florian: Und falls Begeisterung noch zu weit weg gewesen wäre, dann Freude oder so ein bisschen Dankbarkeit oder Glück. Einfach sowas. Was ist was, was schön ist jetzt um mich herum?
Miriam: Ja, schön. Ist auch schon so eine Vorstufe von Begeisterung.
Florian: Was ist schön um dich herum und dann schrittweise über Freude und dann zu Begeisterung.
Miriam: Das ist uns auch aufgefallen. So ein Mini-Detail ist immer dabei. Was richtig Spaß machen kann.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Ja.
Florian: Kannst du ein bisschen Begeisterungs-Sherlock Holmes werden? Begeisterungs-Sammler.
Miriam: Wir brauchen ja nicht gleich bei Pharao anzufangen. Zumal der Florian ja da auch echt irgendwie ein Thema hat. Was? Dass das Götter sind, hab ich ja noch nie gehört. Jeder Kaiser, der hier irgendwann mal reagiert.
Florian: War auch.
Miriam: Die haben sich dazu erklärt.
Florian: Ja, same thing. Ja, lass uns das nach dem Podcast weitermachen. Ja. Dieses Thema. Dir zu Hause wünschen wir eine wunderbare Woche.
Miriam: Yeah. Yeah. Wir sind nächste Woche wieder da.
Florian: Immer am... Dienstag.
Miriam: Um... Mitternacht. Zwölf.
Florian: Zwölf.
Miriam: Ich hab's nicht so mit Zeit.
Florian: Und wir freuen uns, wenn du uns eine Bewertung bei iTunes gibst oder uns was schreibst. miriam.kontext*denken.de Und wir freuen uns, wenn du uns weiter zuhörst.
Miriam: Bis dann!
Florian: Tschö!
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.