"Wenn Du Hunger hast, versuchst Du dann, etwas zu essen, oder isst Du einfach?" Genau um diesen Unterschied geht es hier: Ein Wort wie versuchen oder probieren kann sich zwischen dich und das schieben, was du eigentlich tun willst. Miriam und Florian nehmen "versuchen" und "probieren" unter die Lupe — mit Luke Skywalker im Sumpf, einer Holländisch-App, einem Quittungsgeheimfach und einer Szene im Blumenladen, die zu köstlich war, um sie für sich zu behalten.
Vierter Anlauf und das Thema von Hartmut
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Das ist heute voll das schwere Thema.
Florian: Das stimmt, das ist schon der vierte Versuch, den wir haben, der Aufnahme. Beim ersten Versuch hat die Badlüftung gebrummt.
Miriam: Wir sind in einem Hotelzimmer.
Florian: Beim zweiten Versuch ist eine Fliege die ganze Zeit gegen ein Licht geflogen und hat die ganze Zeit im Hintergrund gemacht.
Miriam: Da haben wir schon wieder die Aufnahme angehalten.
Florian: Beim dritten Versuch haben wir uns gestritten. Deswegen sind wir jetzt in Versuch Nummer vier.
Miriam: Wir sollten es endlich mal tun und nicht nur versuchen.
Florian: Was tun?
Miriam: Diesen Podcast endlich aufnehmen.
Florian: Was ist denn heute das Thema eigentlich? Hallo, liebe Hörer.
Miriam: Hallo da draußen. Hartmut hat es gestiftet.
Florian: Der Hartmut ist schuld.
Miriam: Ja, ich rufe den persönlich an heute. Ich sage dem, lass sowas. Misch dich nicht ein in so Zaubersachen. Ich will sowas nicht im Gehirn haben. Das Thema ist, wir machen Wortklauberei in Bezug auf versuchen und probieren. So, das ist im Grunde, sind das Themen aus unserem großen Sprachzauberkoffer. Denn diese Worte genauer untersucht und mal unter die Lupe genommen, die sind sehr, sehr spannend. Und die sind so spannend, dass Florian und ich, während wir diesen Podcast vorbereitet und besprochen haben, glaube ich 100 verschiedene Wege gefunden haben, wie Versuchen und Probieren in unserer deutschen Sprache eingesetzt wird. Und wir haben welche gefunden, wo das für zumindest einen von uns beiden Sinn macht. Hahaha.
Florian: Wir haben auch etliche Fälle gewonnen, wo es für uns beide den gleichen Sinn ergibt.
Miriam: Ja, und wir haben auch Fälle gefunden, wo wir beide sagen würden, lass es. So, das ist das Thema heute und deswegen, das ist hochgradig komplex und wenn dieser Podcast den Grimme-Preis nicht gewinnt, dann weiß ich nicht, was wir noch versuchen sollen. So, also ich liebe präzise und korrekte Sprache und ich mag es über meine Sprache und meine Kommunikation mir und anderen Menschen gute Gefühle zu machen. Und da gehören die Worte versuchen und probieren rein in dieses, wann benutze ich die?
Probieren, Experiment — und wo es komisch wird
Florian: So, der erste Sinn von probieren, über den wir nicht sprechen werden heute, ist der, wenn du ein Stück Apfeltorte probierst.
Miriam: Florian probiert nämlich alle Kuchen, die in unserem Lieblingscafé selbst gebacken dastehen, so Stück für Stück durch und das ist kein Probieren, das ist ein Aufessen. Also nur, dass wir das klar haben.
Florian: Nur da geht es darum, den Geschmack von etwas zu bestimmen oder herauszubekommen oder von einem Getränk oder von einem Geruch.
Miriam: Ja, komisch, dass du das dann trotzdem isst.
Florian: Das ist eine wichtige, und da sind wir schon beim zweiten Sinn, den wir heute nicht besprechen, das ist eine wichtige Versuchsreihe, die ich da laufen habe, für die Beste aller Torten.
Miriam: Wir haben extra nochmal das Wort Experiment gegoogelt und gewikipediat und etymologisiert. Also Experimente im Sinne von, ich starte eine Versuchsreihe, die sind fein für uns. Weil auch wir zum Beispiel als Trainer innerhalb unseres Unternehmens, unserer PR-Strategien, unseres Marketings immer mal wieder was Neues versuchen. Und dann hat es nicht den Wert von, den wir später besprechen, sondern dann ist das wichtig, weil wir daraus Erfahrungen sammeln. So habe ich das jetzt für mich abgelegt.
Florian: Punkt. Und dann gibt es was, wo wir sagen, die Worte versuchen und probieren, da fühlt sich was komisch an.
Miriam: Die sind wichtig, das ist spannend. Weil hier geht es darum, wie bringst du dich on track? Wie verfolgst du deine Ziele, Wünsche, Träume und Visionen? Und wie kannst du dir mit deiner Sprache und mit dem, was du denkst, helfen, damit es schneller und einfacher wird? Und hier sind die Worte probieren und versuchen sehr, sehr spannend, zumal ich immer noch einen Unterschied fühle zwischen dem Wort versuchen und dem Wort probieren. Probieren hat für mich noch sowas von Neugierde und von ich probiere das mal an oder ich probiere das mal aus oder das hat sowas Spannendes. Und das Wort versuchen in dem Zusammenhang von, nehmen wir ein konkretes Beispiel. Ich will Niederländisch lernen. Wir wohnen in der Nähe der niederländischen Grenze, wir lieben Holland, wir fahren da gerne ans Meer, wir gehen da gerne shoppen und ich fände es cool, Niederländisch zu sprechen.
Florian: Und wenn du als Hörerin oder Hörer bei diesem Experiment mitmachen möchtest, dann ist es jetzt an der Zeit, dass du dir etwas überlegst. Ein Thema, was du vielleicht noch nicht angegangen hast, was du schon länger mit dir herumträgst, wo du sagst, wo du vielleicht bisher gesagt hast, ich möchte das mal versuchen. Einfach zum Ausprobieren in den nächsten Minuten.
Miriam: Sondern merke ich, dass ich, also ich habe neulich eine App gefunden, die einem sehr leicht oder scheinbar Menschen sehr leicht Fremdsprachen beibringen kann. Und dann wäre sozusagen eine Option offen gewesen, ohne Sprachschule, ohne feste Termine bei der Volkshochschule oder einem privaten Trainer aus den Niederlanden, der ja keine weite Anfahrt hätte zu uns, Holländisch zu lernen. Und ich habe gemerkt, wie es in meinem Kopf so was denkt, wie, naja, das kann ich ja nächstes Jahr mal versuchen. Also ich habe mir diese Probe-App, die kostenlose Version runtergeladen, habe mir angeguckt, wie das geht. Das war das Probieren. Habe festgestellt, ich würde damit gut klarkommen. Und dann ging es ans Umsetzen. Also das Tun.
Florian: Dann hättest du Holländisch gelernt.
Miriam: Jawohl. Und es war einfach nur aus Spaß. Und dann hat es in meinem Kopf so etwas gedacht wie, ja, das versuche ich dann 2018 mal. Und dann habe ich gemerkt, das wird nichts. Also ich wusste es in dem Augenblick, das wird auch 2018 nichts. Weil wenn ich was wirklich will in meinem Leben, und das habe ich schon oft erlebt, wenn es wirklich pressiert, und zwar im positivsten Sinn, wenn ich begeistert bin vom Erlernen einer neuen Fähigkeit oder vom Umsetzen irgendwelcher tollen Ideen, dann mache ich das einfach. Ich bin wirklich jemand, der losgeht und tut. Also ich gehöre zu den Menschen, die sofort gehen, die sofort in die Tat gehen.
Florian: Sofort der Sprung. Ja, das ist tatsächlich so.
Miriam: Und wenn in meinem Kopf sowas passiert wie, ach ja, das versuche ich dann irgendwann mal, dann kann ich davon ausgehen, dass ich es in diesem Leben nicht machen werde.
Florian: So, und jetzt ist es eben spannend, wenn du da draußen zuhörst. Was passiert mit dir, wenn du dir verschiedene Arten von Sätzen sagst zu deinem Thema? Also, bei Miris holländisches Beispiel. Ich lerne nächstes Jahr holländisch. Oder, ich versuche nächstes Jahr holländisch zu lernen. Und wie ist das mit deinem Thema? Was fühlt sich für dich mehr danach an, dass du es tatsächlich auch tust? Weil egal über welches von diesen Sprachmustern wir reden, egal wo wir da im NLP und dieser präzisen Sprache unterwegs sind, darfst du immer für dich überprüfen, was tut es denn mit dir und dann auch, was tut es mit den Menschen, die dir zuhören?
Do or do not — Yoda und der Sumpf
Miriam: Gibt es ja eine super spannende Story aus dem Star Wars Film, ne? Ich glaube, es ist der zweite Star Wars Film.
Florian: Ist glaube ich sogar der Ja, ist der zweite, ja.
Miriam: Ist der zweite.
Florian: Ja.
Miriam: Wenn Luke zu Yoda kommt auf diesen, was ist das, ein Sumpfplanet, Dagobah?
Florian: Mit Tatooine ist es nicht. Ja, Tatooine ist das, wo er aufwächst, ja.
Miriam: Und dort wartet Meister Yoda auf den noch nicht ausgebildeten Jedi-Ritter Luke. Und Luke erfährt dann, wie er die Macht, diese Kraft, diese Magische für sich einsetzen kann. Und eine Übung ist es, mit der Macht Dinge zu bewegen, die Luke nicht anfasst. Und bei kleineren Sachen funktioniert es ganz gut. Und als er dann sein im Moor versunkenes Raumschiff nur per Macht aus diesem Sumpf rausziehen soll, da scheitert der angehende Jedi katastrophal.
Florian: Grandios. So geht das nicht. Und dann geht's los mit den Anschuldigungen.
Miriam: Ja, also Luke findet sofort eine Ausrede und sagt, das ist zu groß. Und Yoda überzeugt ihn, dass er das nochmal macht. Und dann sagt Luke, okay, ich versuch's nochmal. Also da ist so richtig zu spüren, was das macht. Do or do not, there is no try. Und im Deutschen übersetzt haben sie dann, tu es oder tu es nicht, es gibt keinen Versuch. Also scheinbar ist es, wenn ein Jedi-Ritter, und wie gesagt, wir befinden uns hier jetzt in dem Kontext eines Märchens, wenn ein Jedi-Ritter die Macht einsetzen will, die ja etwas sehr Unfassbares ist, dann gibt es nur ein, ich mach's jetzt. oder du machst es jetzt. Und das ist eine sehr spannende Stelle in dem Film und eine sehr, sehr schöne Message. Denn ich weiß nicht, was deine Themen sind, ob es die Steuererklärung ist, die immer viel zu spät rausgeht oder ob es das pünktliche Aufstehen ist oder überhaupt das pünktlich sein bei verschiedenen Terminen. Das sind ja so die Klassiker. oder das Aufräumen vom Auto oder was auch immer. Wir sprechen jetzt mal bewusst nicht von der Macht und ein Raumschiff aus dem Sumpf heben, sondern wir sprechen jetzt mal von den kleineren Sachen.
Florian: Falls du öfter das Problem hast, Raumschiffe aus Sümpfen mit der Macht zu heben, dann würde ich gerne mal in Kontakt mit dir kommen.
Miriam: Florian würde gerne ein Seminar bei dir buchen, um genau zu sein. Also wenn du weißt, wie das geht mit der Macht, dann schick uns eine Mail.
Florian: Wir kommen wahrscheinlich auch zu dritt, zwei Jungs und ich.
Miriam: So ein bisschen hantieren wir ja mit der Macht. Das ist jetzt die indirekte Einladung, bei uns den NLP Practitioner zu machen. Also wir freuen uns sehr auf dich. Du kannst gerne alle diese Fähigkeiten mitbringen. Du bist da unter Gleichgesinnten. Ja, also um welche Themen geht es genau? Und wann verwendest du das in dem Fall dann deutlich distanzierende Füllwort versuchen oder probieren? Und da wird es spannend, auch wenn jemand anderes dir das sagt. Ich habe mir zum Beispiel abgewöhnt, meinen Terminkalender rauszuholen, wenn irgendein Bekannter zu mir sagt, wir können ja mal versuchen, nächsten Monaten Kaffee trinken zu gehen.
Florian: So richtig beim Zuhören ist schon zu spüren für mich, wie das nichts werden wird.
Miriam: Ja, also fühlt sich ganz schräg an. Früher übrigens bin ich auf sowas angesprungen.
Florian: Dann hättest du versucht, einen Termin zu finden mit ihm oder ihr.
Miriam: Dann hätte ich wahrscheinlich versucht, meinen Terminkalender rauszuholen und versucht, damals hatte ich noch einen Analog-Terminkalender, also ich hätte nicht das Handy gezogen, sondern mein Buch und meinen Stift, vielleicht hätte ich versucht, den Stift aus der Tasche zu holen. Also es fühlt sich nicht so an, als würde es jemals stattfinden und Tatsache ist, rückblickend, haben diese Verabredungen auch nie funktioniert. Wenn jemand versuchen wollte, irgendwo hinzukommen, da könnte ich Wetten darauf abschließen, dass der kurz vorher absagt oder dann einen Tag vorher anruft und sagt, es klappt leider doch nicht. Selbst wenn ein Termin gefunden wurde. Da hat mal ein Trainer was Spannendes gesagt. Ich weiß nicht mehr, wer es war. Ich glaube, es war Robert Betz. Wenn du Hunger hast, versuchst du ja auch nicht, was zu essen. Ja, ist doch so. Also es ist schon sehr sinngebunden und es geht eher darum, um diese internale Interaktion. Also was passiert in mir, wenn das Wort versuchen vor einer Handlung steht, die wirklich Sinn machen würde in meinem Leben? Also ich versuche mal netter zu meinem Partner zu sein. Ja, wie denn? Würde sich der ein oder andere jetzt fragen.
Florian: Und das kann natürlich auch der Grund sein, warum manche Menschen dieses Versuchen einfügen. Weil sobald das Versuchen weg ist, wird es konkret. Und was tue ich denn dann? Also ich bin mal netter zu meinem Partner.
Miriam: Und vielleicht kommt dann eine Idee. Vielleicht kommt dann so etwas aufgepoppt, wie ich bringe ihm heute ein Blümchen mit. Ein Plümschen. Ein Plümschen würde der Kölner sagen. Oder Strüßchen. Das geht um die Geste.
Florian: Das sind nur noch wenige Tage, dann geht es wieder rund in Köln.
Vom Versuchen zum Tun: Quittungen, Steuererklärung und der Blogpost
Miriam: Und es ist auch spannend für dich beim Zuhören, also nicht nur für dich selbst, sondern auch beim anderen. Es hilft dir, wenn du etwas wirklich machen willst oder wenn du glaubst, dass du etwas zu tun hast, weil es wichtig ist. Steuererklärung weiß ich nicht, ich kenne nicht viele Menschen, denen das Spaß macht. Ein paar wenige kenne ich. Florians Vater, kenne ich. Das ist echt so ein totaler Zahlenfreak.
Florian: Dem macht es Spaß, weil er schon sieht, wie viel Geld er bekommt, während er die ausfüllt.
Miriam: Der würde die schon drei Monate im Voraus abgeben und recht haben mit seinen Prognosen, welche Quittungen er einreicht, glaube ich.
Florian: Das ist der Hammer. Und ich glaube, Spaß macht es ihm, ich weiß nicht, ob ihm der Prozess Spaß bereitet, nur der sieht sich schon das Geld bekommen auf seinem Konto.
Miriam: Dann macht doch jede Quittung Spaß, hör mal. Jede Mehrwertsteuer, die du abziehst im Geiste. Also es gibt Menschen, denen macht das Spaß und es gibt Menschen, denen macht es nicht so großen Spaß und irgendwann steht das Finanzamt halt da und möchte die gerne haben. Also es ist wieder die Zeit am Ende des Jahres. Ich versuche die mal pünktlich abzugeben. Was macht es mit dir, wenn du sagst, ich gebe die jetzt pünktlich ab. Ab jetzt gebe ich die pünktlich ab. Das ist schon, ne? Da entsteht Energie, hör mal. Ja, ja, ja. Genauso wie mit meinem Holländisch.
Florian: Ja. Was hast du denn da mit deinem Holländisch jetzt entschieden?
Miriam: Ich hab mich voll dagegen entschieden. Das Doofe ist, dass diese App mich jetzt ständig anschreibst und mich auffordert, Holländisch zu lernen. Endlich was zu tun. Die schreiben mir das sogar, also die schreiben dann Hallo auf Holländisch und so. Also die schreiben mir dann so einen Satz auf Holländisch und dann, demnächst sprichst du fließend Holländisch, wenn du. Und ich denke, nein, ich habe euch Nein gesagt. Ich habe Nein geschrieben, Nein angekreuzt und Nein gesagt. Lass mich in Ruhe.
Florian: Ja, das ist das Zentrale dann. Sobald das Versuchen da wegkommt, triffst du die Entscheidung.
Miriam: Ja, es hilft auch beim Entscheidungen treffen.
Florian: Ja, weil dann fühlt es sich plötzlich blöd an. Ich lerne 2018 Holländisch, klingt nach ganz schön viel Arbeit. Und cool, wenn du dann Holländisch sprichst, wenn dir das so viel wert ist, wenn das ein tolles Ziel ist.
Miriam: Denn andersrum habe ich gemerkt, wenn ich, erstens, wenn mich etwas total begeistert, also wenn ich einfach fühle, ich will das können oder ich will, das kennt Florian von mir, dann gibt es kein Halten. Dann sitze ich vor Florian und sage, ich schreibe ab jetzt wöchentlich einen Blogpost. Und dann kannst du davon ausgehen, dass ich mich an dem Abend noch hinsetze und einschreibe, den ersten zumindest.
Florian: Apropos, an dieser Stelle ein guter Zeitpunkt, um mal Werbung zu machen. Miriam schreibt seit etlichen Wochen jetzt jede Woche einen Blogpost. Falls du auf unserer Seite schon länger nicht mehr vorbeigeschaut hast, www.kontext*denken.de. Im Newsletter wird es auch immer angekündigt. Und das macht voll Spaß und ich hätte nicht gedacht, dass es... Und diese Woche ist ein krasses Thema.
Miriam: Diese Woche ist ein echt krasses Thema.
Florian: Ja. Über Rabenmütter.
Miriam: Da kam noch nicht viel Feedback auch. zu den anderen kamen.
Florian: Dann hast du die Abmeldung beendet. Der ist ketzerisch. Ich mache mal was Ketzerisches, habe ich gedacht.
Miriam: Ich mache ja sonst immer so schön sanft und harmonisch und so.
Florian: Ich mache mal was Ketzerisches, habe ich gedacht. Hat auch Spaß gemacht.
Miriam: Das ist gut. Der nächste wird wieder sanfter. Vielleicht. Mal gucken. Ich versuche mal sanfter zu werden im nächsten Mal. Ja, also darum geht es uns, dass du an der Stelle wach wirst für dieses Wort, ich versuche das mal, ich probiere das mal, ich probiere mich mal mit meiner Schwiegermutter besser zu verstehen, ich probiere mal netter zu meinem Partner zu sein, ich probiere mal morgens pünktlich aufzustehen. Wenn das passiert oder wenn du solche Aussagen triffst, ersetzt es mal durch einen Satz, der in der Gegenwart ist, ohne das Wort versuchen oder probieren. Also das heißt, ich stehe morgen pünktlich auf. Wenn mein Wecker klingelt, stehe ich auf. Oder ich mache die Steuererklärung pünktlich fertig in diesem Monat.
Florian: Und dann spüre mal in dich hinein. Was sich konkreter anfühlt und was für dich das ist, wo du es eher tust dann.
Miriam: Bei den Sachen, von denen ich glaubte, dass es einfach sozusagen wichtig ist, dass ich es tue, selbst wenn es mir jetzt nicht so einen Riesenspaß macht, kamen mit diesem Satz, der sich ja sehr direkt anfühlt, sowas wie, ich sammle zuverlässig alle Tankquetschungen unseres Firmenwagens. Ja, ich bin echt, ich bin da nicht, Zahlen, Quittung, so. Und als ich mir den Satz vorgeknöpft habe, habe ich gemerkt, dass ich lustigerweise an dem Tag in meinem Portemonnaie ein neues Fach entdeckt habe, von dem ich gar nicht wusste, dass es da ist vorher.
Florian: Und da sammelst du die jetzt immer rein?
Miriam: Da sammle ich die jetzt rein, das ist jetzt mein Quittungsgeheimfach. Hahaha. Und seitdem ist mir auch keine mehr verloren gegangen, weil früher war das so, dass Florian dann fragte, sag mal, du hast doch zweimal das Auto getankt, wo sind denn die Quittungen? Und ich dachte, ja, ich hab die irgendwo aufgehoben. Weil ich versucht habe, die zuverlässig aufzuheben. Und dann habe ich mir quasi innerlich schon selbst irgendwie ein Bein gestellt, dass das nicht funktioniert. Also seitdem funktioniert das prima. Das heißt, mein Gehirn scheint wirklich mit diesem Wachsein und diesem Ich-mach-das-so eine Strategie zu finden, die zu mir passt. Und das ist cool. Das ist echt cool. Und ich bin bei anderen auch wach, wenn die anfangen mit, dann versuchen wir das jetzt mal so, dann weiß ich entweder, ich darf jetzt mehr Energie in diesen Prozess stecken, von meiner Seite aus, weil von der anderen Seite wird nicht viel kommen, oder wir lassen es gleich.
Florian: Ah, da lenkt dein Unterbewusstsein Aufmerksamkeit drauf, ne? Wenn du das hörst, wirst du automatisch wach kurz.
Miriam: Und dann ziehst du deine Schlüsse draus.
Florian: Ja, genau.
Miriam: Und es hat auch nichts mit negativ zu tun. Es kann ja auch einfach sein, dass dein Gegenüber dir signalisiert, dass er sich zum Beispiel ein bisschen gruselt vor der Situation.
Florian: Oder noch nichts entschieden hat.
Miriam: Oder genau, noch keine finale Entscheidung gefällt hat. Dann kannst du helfen.
Die Szene im Blumenladen — wenn Leitplanken fehlen
Florian: Wir hatten heute eine unglaublich lustige Situation im Blumenland. Da hat eine Dame versucht, einen Strauß zu kaufen.
Miriam: Das war mega. Das war mega. Leute, Florian hat zwischendurch mir zugeraut, mach die Kamera an. Wir sollten den mitnehmen in unseren NLP Practitioner. Wir sollten den auf der großen Leinwand vorspielen. Es war köstlich. Wirklich. Da kam das Wort versuchen ungefähr alle zehn Sekunden vorgefühlt auch. Also ich habe wirklich darauf geachtet. Probieren und versuchen waren die Worte, die am häufigsten benutzt wurden. Wir könnten ja mal rosa probieren. Ja, ich probiere gerade für meine Familie diesen Strauß zu finden.
Florian: Das war ein größerer Strauß für eine Feier. Also offensichtlich was, was theoretisch wichtig ist. Wo mehrere Leute für bezahlt haben.
Miriam: Genau. Das haben wir alles rausgehört. Das haben mehrere Leute Geld zusammengelegt. Und es gab einen Ehemann, der konkrete Vorstellungen hatte, was alles nicht an diesem Strauß sein sollte. Nämlich keine Schleife und kein Kranz sollte es sein. Also es waren so alle möglichen Punkte. Und es war großartig, was zwischen der Blumenverkäuferin
Florian: Weil die hat dann so ein schönes Buch rausgeholt mit lauter Fotos von Streusen für Feiern und Sachen gezeigt und hat wirklich versucht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen.
Miriam: Das stimmt. Nur es ging völlig an dem Thema der Kundin vorbei, weil die nämlich, die hatte überhaupt kein Basiswissen. Also die hätte sich dafür interessiert, was kostet sowas? Und als sie das dann vorsichtig, es war so eine vorsichtige Frage so, was würde das denn ungefähr kosten? Ich weiß, das kommt wahrscheinlich auf die Auswahl der Blumen an.
Florian: Da war die Antwort, ja, das kommt auf die Auswahl der Blumen und auf die Größe an. Ja, genau. Was haben sie sich denn vorgestellt?
Miriam: Dann sagte die Kundin wieder, ich habe mir noch gar nichts vorgestellt und mutmaßt es auch gleich in die Verkäuferin rein. Das hören sie wahrscheinlich nicht gerne. In mir war so der Drang, da so rein zu grätschen und zu sagen, sagt ihr doch, diese Gestecke kosten zwischen 20 und 100 Euro.
Florian: Dann wäre wenigstens eine Größenordnung da gewesen.
Miriam: Weil so war echt zwischen 2,50 Euro und 2 Millionen Euro alles offen. Und genauso hat die Kundin auch geguckt. Das war echt lustig.
Florian: Und vielleicht ist das ja das, was du demnächst auch mal merkst, wenn jemand das Wort versuchen verwendet, dass du merkst, da fehlen Leitplanken oder da fehlt eine Unterstützung, so ein Treppengelände, an das ich dein Gegenüber halten kann.
Miriam: Ja, und es war auch deutlich, diese Energie zu spüren. Also ich habe mir vorgestellt, es kommt jetzt eine Kundin in den Blumenladen mit dem Satz im Kopf, ich kaufe jetzt ein Gesteck. Ja. Die haben mich ausgesandt, ich kaufe jetzt ein Gesteck. Weil so bin ich nämlich dann an der Stelle. Wenn Florian mir sagt, geh los und erledige das einfach. Wir haben zum Beispiel für unsere Seminare immer einen schönen Blumenstrauß. Deswegen waren wir im Blumenladen. Und wir haben heute keine Vase mitgebracht, die habe ich zu Hause vergessen. Und Florian sagte dann im Blumenladen zu mir, wenn du eine schöne Vase findest, kaufen wir eine schöne Vase. Und in dem Augenblick ist für mich alles klar. Dann versuche ich nicht eine Vase zu finden, sondern dann finde ich eine Vase. Und das ging dann sehr, sehr schnell. Ich hatte sehr schnell eine gefunden, die mir gefiel. Preisabgleich, da war ein Preisschild dran geklebt, also brauchte ich die Verkäuferin auch gar nicht fragen. Alles tutti und dann erkundige ich mich auch nicht nochmal bei Florian, ob der jetzt einverstanden ist mit dieser Vase. Der Auftrag war erteilt und damit ist Florian raus. Wenn Florian sagt, wir gehen zusammen und beraten uns, ist sowas anderes.
Florian: Dann gehst du wahrscheinlich nicht mit.
Miriam: Ach, das ist jetzt Glaskugelleserei, oder? Nur auch dann würden wir nicht sagen, wir versuchen uns zu beraten.
Experiment als Versuchsreihe — und die Kraft der Macht
Florian: Witzigerweise Wir hatten ja am Anfang diese Versuche und Experimente so ein bisschen rausgeschoben aus diesem Podcast auch. Wenn ich ein Experiment mache, wo ich etwas herausfinden möchte, was ja im Wort, in der Bedeutung der Versuch schon drinsteckt, dann versuche ich nicht den Versuch zu machen, sondern dann tue ich was und schaue mir dann an, was passiert ist. Also wenn ich mir zum... Was könnten wir denn versuchen? Wenn ich ein Experiment starte, um die Beziehung mit einem Kollegen zu verbessern, wo ich sage, ah, da hat es ein bisschen geknirscht, irgendwas darf ich an mir verändern, ich möchte was verändern an dieser Beziehung, dann starte ich vielleicht ein Experiment, um herauszufinden, was es ist, das ich verändern kann. Und im Nachhinein bezeichne ich das vielleicht sogar als Versuch. Nur das, was passiert zwischendrin, ist, dass ich Dinge tue. Also ich bringe dem vielleicht mal einen Kuchen mit oder ich lade den mal zum Mittagessen ein oder ich gehe mit ihm mal Kaffee trinken. Und nicht, ich versuche mal mit ihm einen Kaffeetermin zu finden.
Miriam: Das ist sehr cool. Und übrigens, Luke scheitert mit der Ansage, ich versuch's jetzt mal, weil ihm tatsächlich in dieser Szenerie, wo er das Raumschiff mithilfe seiner neu gewonnenen Macht aus dem Sumpf heraus teleportieren möchte. Nur ein kleiner Flügel irgendwie so kurz zuckt im Sumpf und dann kracht das ganze Konstrukt wieder zusammen. Und im nächsten Ausschnitt, wenn Luke sich aus der Szenerie Motzen zurückzieht.
Florian: Und Luke sagt sowas wie, du verlangst das Unmögliche von mir.
Miriam: Genau, und setzt sich hinter einen Baumstamm und motzt, kenne ich auch von früher. Dann kommt dieser kleine Zwergpimpf Yoda und konzentriert sich und hebt dieses ganze Raumschiff raus aus dem Sumpf. Macht es ihm einfach. Und das ist eine ganz epische Szene für alle Star-Wars-Fans, eine der Schlüssel-Szenen für die Macht existiert.
Florian: Und ich finde, dass dieser... Und wie viel Macht die Macht hat.
Miriam: Und wie viel Macht die Macht hat, auch genau. Und die Macht, die in uns steckt, die Kraft, die in uns steckt, die Energie, die in uns steckt, wenn wir eine energetische Sprache anwenden, das kannst du nach diesem Podcast wirklich mal in einer Versuchsreihe testen.
Florian: und in dem Sinne auch Versuchsreihe, weil du was tust.
Miriam: Richtig. Voll cool. So, eine Verwirrung jetzt ein Ende zu setzen. Dieser Podcast ist uns geglückt, weil wir deutlich beide vor diesem Podcast gesagt haben, wir machen jetzt einen grimme preisverdächtigen Podcast fertig. Ist uns geglückt, würde ich sagen.
Florian: Wurf Nummer 5.
Miriam: Und Hartmut, nur dass wir das klar haben, du bist ab jetzt raus. Ein tausend Dank für deine tollen Impulse. Du stiftest echt immer Megathemen. Und wir freuen uns schon auf die nächste Arbeit mit dir, auf das nächste Zusammenarbeiten mit dir. Und auf euch selbstverständlich auch alle, denn wenn du ein Thema hast, was Sprache, Kommunikation, Dialog, Interview, Gespräch miteinander, Krisen, Deeskalation, wobei das eher Florians Ding ist, Wenn du da was hast, schreib Florian eine E-Mail an florian.kontext*denken.de Florian beantwortet das alles höchstpersönlich und nimmt die Themen auf. Das wären dann die Podcasts, wo Florian das Thema ansagt. Vielen Dank fürs Zuhören.
Florian: Dankeschön.
Miriam: Wir sehen uns vielleicht bei einem unserer Workshops und oder auf der Beziehungskiste jeden Samstag auf YouTube. Da widmen wir uns ausschließlich den Paar- und Liebesthemen. Übrigens demnächst mit deutlich schlüpfrigen Themen.
Florian: Ja, läuft schon mit deutlich schlüpfrigen Themen. Jaja, das ist unsere Alterstrilogie, haben wir gestapelt. Oh, stimmt.
Miriam: Stimmt, stimmt, stimmt, stimmt, stimmt. Ja, dann viel Freude beim Zugucken.
Florian: Und bis nächste Woche. Dankeschön, tschüss. Tschüss.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.