NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 75

Verrohung der Sprache durch "Alexa" und Co.?

Höflichkeit ist eine Zier - doch weiter kommt man ohne ihr. Stimmt Oma's geflügelter Satz wirklich?

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In dieser Folge

Darum geht es

Höflichkeit ist eine Zier - doch weiter kommt man ohne ihr. Stimmt Oma's geflügelter Satz wirklich? Dieser Podcast widmet sich einem kleinen und feinen Thema der Sprachzauberei. Denn höflich "Guten Tag" wünschen, kommt nicht mehr bei jedem gut an. Das stellte unser größerer Sohn beim Spazierengehen überrascht fest. Denn jedem, den der trifft, wünscht er "Guten Tag" und nur etwa die Hälfte aller Erwachsenen antworteten ihm. Und Miri kennt das Thema auch. Nur etwa ein drittel aller Zuschriften an sie auf Facebook beginnen mit einem "Hallo" und kaum eine Bitte an sie von Zuschauern enthält das Wort "bitte". Miri antwortet natürlich brav - auch wenn die Anfrage weit entfernt von höflich ist - schließlich ist der Kunde König. Ja - und dann ist da noch diese neue Sprachmaschine "Alexa", die ausschließlich auf Befehle reagiert. Ein "würdest Du bitte" versteht der Sprachcomputer (noch) nicht. Ist Höflichkeit out? Kosten die paar Worte mehr zu viel Zeit? Und wie preußisch sind wir Deutschen sprachlich noch drauf? Ein Podcast ohne jede Form von Höflichkeit... Oh je... Du möchtest uns persönlich kennen lernen? Oder international zertifizierter NLP Practitioner oder Master werden? Für Deine Anmeldung oder Dein Info-Gespräch zur Ausbildung im NLP besuche gerne unsere Seite: http://www.kontext-denken.de oder schreib uns eine E-Mail: miriam@pergaudiaadastra.de Bewerte diesen Podcast bei iTunes. Du findest ihn unter "kontext*denken - zwei Gehirne, ein Podcast". Wir freuen uns, wenn Du mit Deiner Sterne-Vergabe noch mehr Menschen das Finden dieses wöchentlichen Hörwerks erleichterst. Und wenn Du uns öffentlich Deine Meinung sagen möchtest: http://fb.me/Miriam.Deforth.kontext.denken http://fb.me/Florian.Gross.kontext.denken Unseren Video-Podcast (mit bewegten HD-Bildern in Farbe) findest Du hier auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=RxU_DlbWrqg&list=PLfj4P7lArPJDwiEArD6euHknuqZzbA3EX

In dieser Folge geht es um konkrete Alltagssituationen: warum Menschen im Wald das "Guten Tag" eines Kindes nicht erwidern, was hinter der Bitte "würdest du bitte" steckt und weshalb Alexa nur auf kurze Befehle reagiert, nicht auf höfliche Formulierungen. Miriam und Florian erklären das NLP-Konzept der konversationellen Postulate am Beispiel der schief liegenden Salami und dem "hier ist es kalt" im Raum. Wenn du dich fragst, ob unsere Sprache durch Sprachassistenten verroht, warum eigene Wünsche klar zu äußern hilft und wie Höflichkeit im Kontakt mit anderen Türen öffnet, findest du hier Beispiele und Gedanken dazu. Am Ende noch ein kleiner Abstecher zu Dialekten – Schrippen, Weckla und Krapfen inklusive.

Lesefassung

Das vollständige Transkript

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Kapitel dieser Folge
  1. Einsilbigkeit oder Höflichkeit?
  2. Ein Kind grüßt im Wald
  3. Konversationelle Postulate und die Salami auf dem Brot
  4. Alexa braucht preußische Befehle
  5. Warum Höflichkeit Türen öffnet
  6. Schrippen, Weckla und Krapfen – Dialekte zum Schluss

Ein Kind grüßt im Wald jeden, der ihm entgegenkommt — laut, deutlich, von Herzen. Und nur die Hälfte grüßt zurück. Der Rest schaut weg oder wirkt verstört. Warum eigentlich? Und was hat das mit der Art zu tun, wie wir mit Alexa reden — die ein "würdest du bitte" gar nicht versteht, sondern nur klare Befehle? Miriam und Florian gehen dem nach: was Höflichkeit mit uns macht, wo sie Türen öffnet und wo Sprache gerade knapper und knapper wird.

Einsilbigkeit oder Höflichkeit?

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.

Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.

Miriam: Moin.

Florian: Moin. Los geht's. Ja, mach mal Podcast. Ja, was ist denn das Thema?

Miriam: Achso, ähm, ja, brauch ich, glaub ich nicht, dass ich dir das sagen muss.

Florian: Doch. Nö. Los geht's. Genau, fängst du an. Wenn du es nicht sagen willst, fängst du an. Hab schon. Einsilbigkeit.

Miriam: Ist auch ein schönes Thema, merke ich. Das stimmt. Juhu, da draußen.

Florian: Herzlich willkommen. Ich krieg mein Maul nicht auf.

Miriam: Das sind die Hesse, die sowas sagen. Und es ist ja auch eine Energiesparmaßnahme.

Florian: Das stimmt.

Miriam: Also wir verkaufen zum Beispiel Waschmaschinen.

Florian: Sag mal, warum soll man sich denn mit den Leuten auseinandersetzen?

Miriam: Hast du dann einen Energiesparwert von A++?

Florian: Ist Einsilbigkeit das Thema oder geht es um etwas ganz anderes?

Miriam: Nein, es geht um Höflichkeit.

Florian: Um Höflichkeit?

Miriam: Ja. Also ich könnte dich jetzt nochmal höflich begrüßen. Lieber Florian, wie schön, dass du dir wieder Zeit nimmst für diesen Podcast. Und liebe Hörer da draußen, wie toll, dass ihr jede Woche bei uns seid.

Florian: Da könnt ihr fast in mir ein kleines Radar angehen und sagen, ein Lämple, und sagen, die will was.

Miriam: Die will was.

Florian: Höflichkeit heißt, die will doch nur was.

Miriam: Ich habe den alten Spruch sogar von meiner Großmutter gehört. Höflichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.

Florian: Kennst du das? Nee, den kannte ich noch nicht.

Miriam: Hab meine Oma mit.

Florian: Also er hier, los, räum jetzt dein Zimmer auf. Anstatt, würdest du bitte dein Zimmer aufräumen.

Miriam: Los, mach mal Podcast.

Florian: Jetzt mach mal hier.

Miriam: Aber das Lustige ist, gelegentlich erreichen uns solche Anfragen auch. Also da ist kein Hallo, kein gar nichts dabei. Die schreiben mir über unsere Seite oder sogar auf mein Handy gelegentlich. Mach mal das Thema.

Florian: Und dann denkst du dir, ich kenne ja den, Vorsicht NLP-Begriff, den Gegenbeispiel sortiere, mir. Und der sagt dann, ne.

Miriam: Genau. Direkt. Also Menschen, die mich kennen, wissen sozusagen, wie sie mein letztes Hemd bekommen, weil es da einfach nur um die Formulierung geht.

Florian: Das fühlt sich dann wirklich viel besser an. Tatsächlich gehe ich dann auch gerne aus dem Weg oder kümmere mich um irgendjemanden, auch wenn es gerade nicht passt und es mir vielleicht auch gerade nicht passt, wenn die Frage richtig gestellt ist.

Ein Kind grüßt im Wald

Miriam: Ja. Das ist echt witzig. Und aufgefallen oder wichtig ist mir das Thema, weil unser größerer Sohn ist ein sehr höflicher Mensch und ist das auch wirklich von Herzen. Echt? Ja. Also in manchen Situationen. Jetzt hör doch auf sowas zu sagen, der ist ein Goldschatz.

Florian: Das ist ein Goldschatz und in manchen Situationen rumpelt der hier auch ganz schön durch die Bühne.

Miriam: Der kann auch ein richtiger Junge sein und ich finde ihn grundhöflich. Also ich finde ihn wirklich grundhöflich. Und wenn wir spazieren gehen hier im nahegelegenen Wald, dann grüßt er wirklich jeden Hund, der ihm entgegenkommt, höflich. Also er sagt Guten Tag, Hallo, Guten Morgen, Guten Abend, wann auch immer er gerade ist. Und ihm fiel auf, bei unserem letzten längeren Spaziergang, dass nicht alle Menschen zurückgrüßen. Obwohl das, was er sagt, sehr laut und deutlich ist. Dann habe ich gesagt, gut, vielleicht hatten die ein Hörproblem. Und ihm kamen das zu viele vor. Also es waren zu viele die.

Florian: Der Wald der Tauben. Oh, das ist auch doppeldeutig.

Miriam: Florian hat Poesie gemacht.

Florian: Der Wald der Tauben.

Miriam: Ja.

Florian: Erinnert mich gleich an die Vögel von Hitchcock.

Miriam: Nämlich nicht. Wie lustig. Mich erinnert das an dieses Lied von diesen Tauben. Diese weißen Tauben. Aus Athen? Nein. Nee. Oh je.

Florian: Ja, also er grüßt und manche Leute grüßen und viele Leute tun so, als wäre dieser kleine Mensch nicht auf der Welt.

Miriam: Ja, ist das lustig, dass die Ansprüche, ja, oder gucken sogar verstört.

Florian: Weißt du, was noch besser ist? Wenn ich die dann grüße, mir ist das auch schon aufgefallen, dann grüßen die. Die haben offensichtlich einen, da grüßt ein Kind. Was ist das denn? Seltsames Algorithmus. Oder es ist der Zweitgruß, dass sie nach dem ersten Gruß noch überlegen, ob sie jetzt grüßen und dann beim Zweitgruß schon vorbereiteter sind.

Miriam: Also bei den Menschen, die in unserem Wald unterwegs sind, mache ich das auch schon sehr bewusst, dass ich mir erst ihren Blick fange, bevor ich dann sehr laut und deutlich sage, guten Tag.

Florian: Und Joni ist das aufgefallen?

Miriam: Joni ist das aufgefallen. Und er fragte sich eben, warum das so ist. Es sei doch höflich, sich gegenseitig zu grüßen. Schließlich sind wir alle Menschen auf einem und demselben Planeten. Und es wäre doch ganz nett, sich gegenseitig Hallo zu sagen. Und ich gebe ihm da vollumfänglich recht. Und es fiel mir als Mutter tatsächlich schwer, ihm das zu erklären, warum manche Erwachsenen ihn total nett grüßen, manche so halb verschlafen und manche gar nicht. Also es fiel mir auf, dass es schon auch aufgrund der verkürzten Nachrichtenlage, also keine Ahnung, am besten über Twitter irgendwie nur so und so viele Worte und am besten möglichst knapp und kurz, viele Höflichkeitsformen, die ich sehr mag, die fallen weg.

Florian: Ein Teil von denen wird einfach auch Kopfhörer drin haben, oder?

Miriam: Ja, da sind viele Jogger dabei und die haben wenig.

Florian: Echt? Ah, witzig. In der Stadt, finde ich, hat das zugenommen in den letzten Jahren.

Miriam: Vielleicht bin ich ja auch die Einzige, der das auffällt. Nee, dem Jonathan fällt es auch auf. Mir ist es auch aufgefallen. Ich habe nur nichts gesagt und dann hat es er eben gesagt. Also, ja.

Florian: Und nun? Und nun?

Miriam: Bitte, werdet doch wieder höflich.

Florian: Jetzt ist es halt so, gell? Jetzt ist es halt das Thema und dann...

Miriam: Ja, also ich finde es ganz schön, an der Stelle mal wieder ein bisschen wach zu werden und zu überlegen, wie ist es denn so mit diesen Höflichkeitsformen? Also was machen die mit dir, mit mir, mit uns? Und gibt es an der Stelle vielleicht noch Wachstumsmöglichkeit? Also ich lerne da ja auch immer wieder dazu. Ich achte sehr darauf, dass ich, wenn ich jemanden um etwas bitten möchte, dass ich ihn frage, würdest du bitte?

Florian: Ja, ich auch.

Miriam: Und ich finde, also mir tut das gut und meistens funktioniert es auch hervorragend.

Konversationelle Postulate und die Salami auf dem Brot

Florian: Oh Vorsicht, noch ein Begriff aus dem NLP. Wir sind, wir merken es, wir sind mitten in der Vorbereitung auf unser Seminar, das nächste Woche startet, deswegen.

Miriam: Ja, da sind wir auch deutliche Sprachzensierer, da geben wir ganz besonders acht.

Florian: Ah ja. Weil manchmal sind es ja auch so konversationelle Postulate. Also so, wenn jemand was sagt und was will, nur es ist keine Frage im Raum oder nicht mal ein Imperativ, ein Befehl im Raum. Sondern es ist nur so, brrr, hier ist aber kalt im Raum.

Miriam: So wie unser Kleiner heute Abend. Die Salami liegt schief auf dem Brot.

Florian: Ja, stimmt. Genau. Dann lebt die halt schief auf dem Brot. Nur die Frage ist, was will er denn? Und jetzt könnten andere Menschen anfangen, wild zu überlegen. Was könnte er haben wollen? Möchte er keine Salami mehr? Möchte er eine Zweitsalami? Möchte er ein schiefes Brot haben?

Miriam: Möchte er, dass ich ein Lineal hole und die Salami ausmesse?

Florian: Was auch immer. So wissen wir es noch nicht. Und eben typischer dieses Brrrr, hier ist es ja kalt im Raum. Und dann springen zwei Leute auf und machen das Fenster zu oder auf oder ändern was an der Raumtemperatur.

Miriam: Wir sind alle sehr gewohnt, auf diese Art von preußischer Befehlsstruktur auch noch zu reagieren.

Florian: Ja, da ist ja kein Befehl drin. Das ist das Witzige, da ist kein Befehl drin.

Miriam: Für das Gehirn ist eine Art Befehl drin, weil die Erziehung, die Konditionierung, die wir alle haben, ist ja, wenn wir irgendwo Not wittern, dass wir dann auch bei der Hand sind. Und ich finde das gut. Grundsätzlich finde ich das gut. Wenn jemandem kalt ist, dann finde ich es gut, dem meine Jacke zu geben. Ich möchte nicht, dass jemand friert. Ich möchte, dass es allen gut geht. Und wenn Leute in einen Raum kommen, in dem eine bestimmte Temperatur herrscht und es geht nur darum, wer zum Fenster geht und das schließt. Und sie stellen sich hin und sagen, oh, ist das hier kalt. In der Erwartung, dass es ein anderer für sie tut, da hört für mich der Spaß auf, weil das ist nur ein Griff zum Fenster. Genau. Da sind wir wieder beim anderen Höflichkeitsthema, nämlich die eigenen Wünsche so zu äußern, dass sie bei anderen auch deutlich als Wunsch verstanden werden. Das führt übrigens auch tatsächlich manchmal zu Missverständlichkeiten. Zum Beispiel? Stell dir vor, du sagst so etwas, ohne dass du dir wünschst, dass jemand anderer das ändert. Nur alle 15 springen auf und tun irgendwas hektisch.

Florian: Oh, ich kenne da jemanden, der so ist. Ja? Mamas.

Miriam: Wie Mamas? Ich bin auch eine Mama. Ha! Ja, was ist das denn für eine Verallgemeinung?

Florian: Es gibt manchmal Mamas, die so sind. Die so, wo das Kind im Sandkasten umfällt und sagt, Aua! Und dann wird das volle Programm gestartet.

Miriam: Ist Aua auch ein Conversation? Ja, in dem Fall schon.

Florian: In dem Fall schon. Und dann wird das volle Programm gestartet, von Wunde desinfizieren bis... Ja, ist doch auch wichtig. Was willst du denn? Die Alternative ist einfach mal warten und meistens geht es ja dann einfach weiter.

Miriam: Achso, du meinst, dass zu früh verarztet wird.

Florian: Viel zu früh, ja.

Miriam: Also wenn es blutet, finde ich es schon wichtig.

Florian: Ja, wenn es bluten würde. Wo soll ich denn sonst hin desinfizieren, wenn es nur so ein bisschen aufgeschrubbelt ist?

Miriam: Da hat doch der Große sowas Tolles gesagt. Wie ist das mit diesen 100 Jungs, denen kalt ist?

Florian: Achso, ja.

Miriam: 100 Jungs wurden gefragt, warum sie eine Jacke und eine Mütze anhaben. Und fünf davon haben gesagt, weil mir kalt ist und 95 haben gesagt, weil meiner Mama kalt ist. Da ist viel Wahres dran. Und es ist nicht das Thema dieses Podcasts, weil bemuttern und bevatern, da gibt es einen Videopodcast von uns. Ja, der ist auch sehr lustig. Nein, mir geht es um andere Dinge. Also mir geht es zum Beispiel eben um dieses, wenn ich an irgendjemanden eine Bitte äußere oder wenn ich mir von irgendjemandem was wünsche oder wenn ich... Wenn es zum Beispiel um dieses schlichte sich begrüßen und auf Wiedersehen sagen, also solche Grund, ja wir sagen ja Höflichkeit, kommt ja ursprünglich von am Hofe des Königs.

Florian: Also das waren die Menschen, die eine Erziehung gelassen hatten. Ja, die mehr Zeit hatten. Die haben nicht den ganzen Tag auf dem Feld gestanden und Rüben geerntet. Das ist die Entschuldigung dafür? Die schlappten da rum und hatten Zeit, sich so einen Quatsch auszudenken. Nicht höflich zu sein?

Miriam: Na gut, da machen wir natürlich dann echt Völkertrennung, ne?

Florian: Weiß ich nicht. War das so?

Miriam: Nein, es gab einfach Menschen, die waren erzogen, in Anführungszeichen, die hatten eine Ausbildung und die wurden auch dazu ausgebildet, Umgangsformen zu haben mit anderen Menschen und es gab welche, die sich das nicht leisten konnten. Und Höflichkeit ist heutzutage etwas, was sich jeder leisten kann, weil es kostet kein Geld.

Florian: Und es öffnet halt Türen. Also im Vergleich zu dem, was deine Oma gesagt hat, nehme ich den eben nicht so wahr, sondern viele Türen werden geöffnet einfach durch die Höflichkeitsform. Durch dieses Guten Tag sagen und Tschüss sagen und so ein bisschen, ja ich finde Freundlichkeit in den Raum reinholen.

Alexa braucht preußische Befehle

Miriam: Ja, das stimmt. Da haben wir ja auch im Moment ganz akut das Beispiel mit diesen Sprachcomputern.

Florian: Sprachcomputer?

Miriam: Ja, in Miris Deutsch ist das Sprachcomputer. Diese Computer, die in der Bude rumstehen und alles mögliche erledigen.

Florian: Die erledigen was? Ja. Ein Roomba. Nein, wie heißen die?

Miriam: Die spielen Musik und machen Licht an und steuern Kühlschränke. Genau, ich glaube, es gibt auch noch andere.

Florian: Es gibt von Amazon Alexa und es gibt von Google irgendwie auch so einen. Okay. Ich weiß gar nicht, wie der heißt.

Miriam: Ja, auf jeden Fall. Ich hatte einen... Siri. Ich hatte einen... Siri, genau, gibt's auch. Ich hatte einen Tête-à-Tête mit Alexa bei einem guten Freund von uns. Da war ich vor Weihnachten eingeladen und er kuschelte in der Küche rum und machte Essen und meinte, kannst ruhig über Alexa mal irgendeine schöne Weihnachtsmusik laufen lassen. So, und dann habe ich also gesagt, Alexa, würdest du bitte von Michael Bublé Christmas Classic spielen? Und dann kamen nur Grütze raus. Also entweder sie, ich habe dich nicht verstanden. Und ich sagte, würdest du bitte von Michael Bublé Christmas Classic spielen? Und sie, Michael Bublé, ich finde kein Michael Bublé. Also es ging nicht vor und nicht zurück, bis dann irgendwann unser Bekannter aus der Küche kam und sagte, und Musik? Was auch schon sehr unhöflich ist, wenn ich es genau nehme. Und ich sage, Alexa versteht mich nicht. Und er, was willst du denn hören? Sag ich, von Michael Bublé Christmas Classic. Und er stellt sich vor Alexa und sagt, Alexa, spiel Michael Bublé Christmas Classic. Und es ging los. Jingle bells. Und ich denke, okay, Alexa braucht preußische Befehle.

Florian: Ja.

Miriam: Und genau so formulierte er auch diverse Sätze mir gegenüber, witzigerweise, während des gesamten Abends.

Florian: Ach, glaubst du, dass das abfärbt?

Miriam: Ich weiß nicht, ob es abfärbt. Es fiel mir dann nur auf, weil ich sozusagen mit meiner höflichen, vielleicht auch etwas sperrigen Redewendung Alexa überhaupt nicht erreichte, wohingegen er sich eben fast schon angewohnt hatte, dann so kurze Sachen zu sagen. Zum Beispiel, ähm, So, Miri, geh essen. Also sowas kam tatsächlich. Essen stand auf dem Tisch, war auch mega lecker. Also ich liebe diesen Menschen und wir haben eine Menge Spaß gehabt an dem Abend und viel gelacht und über tolle Themen gesprochen. Und ja, so zwischendurch kamen dann so Befehlssätze in meine Richtung.

Florian: Okay. Wow.

Miriam: Witzig, dass...

Florian: Glaubst du, dass das gleiche wäre, wenn früher jemand Vorarbeiter war und den ganzen Tag nur Leute von links nach rechts geschubt hat? Mach mal da hinten auf, du fang mal hier das Werk an, mach mal hier das. Glaubst du, der war zu Hause dann auch so? Ich habe gerade überlegt, während du die Geschichte erzählt hast, ob es auch Real-Life-Alexas gab. Gibt es bis heute. Mir fiel niemand ein, bei dem ich gesagt hätte, da ist jetzt ein super Beispiel. Kennst du jemanden?

Miriam: Ja.

Florian: Echt?

Miriam: Mein Vater.

Florian: Über den hatte ich kurz nachgedacht.

Miriam: Der war auch sowas wie ein Vorarbeiter, er war es nur in der Versicherung. Und ich hatte auch zu Hause immer das Gefühl, dass er es sehr gewohnt war, dass er irgendwelche Befehle, die waren jetzt nicht im Sinne von machbar, sondern es waren deutlich Befehle, keine Bitten. Also mein Vater hat keine Bitten formuliert.

Florian: Also im Endeffekt ist das ja auch gut mit Alexa. Weil Alexa versteht auch keine konversationellen Postulate. Also Alexa kann ich auch sagen, Mensch, ob es wohl draußen regnet? Und die sagt, ich habe dich nicht verstanden.

Miriam: Das stimmt nicht. Kurze Konversationelle versteht sie schon.

Florian: Echt?

Miriam: Ja. Zum Beispiel, mir ist kalt. Dann antwortet sie irgendwas.

Florian: Und es wird nichts ändern.

Miriam: Wenn sie an das Heizsystem, dafür darf das ein sehr modernes Heizsystem wohl sein, angeschlossen ist, kann sie sogar sowas machen wie, möchtest du die Temperatur höher haben?

Florian: Nur die meisten Sachen wird sie nicht verstehen. Also sowas wie, ob es wohl draußen regnet.

Miriam: Das stimmt, ja. Ja, das stimmt, das wird sie nicht. Oder meine Salami liegt schief auf dem Brötchen. Ich glaube, das versteht sie auch nicht.

Florian: Da kann sie auch nichts machen.

Miriam: Nee.

Florian: Das heißt auf der einen Seite voll gut, weil viele Menschen sich vielleicht wieder angewöhnen, ihre Wünsche mehr zu äußern. Du hast ja dann deinen Wunsch auch geäußert, was die Musik angeht.

Miriam: Ja, in kurz.

Florian: In kurz.

Miriam: Also in lang hat es nicht geklappt?

Florian: In lang hat es nicht geklappt, jetzt bist du halt lang geübt oder lang gewöhnt.

Miriam: In kurz hat es gut funktioniert.

Florian: Es könnte ja sein, dass man jetzt erstmal anfängt mit erstmal statt gar keinen Wunsch äußern, mal einen Wunsch äußern. Und dann halt noch in lang.

Miriam: Also man muss mit Alexa erstmal anfangen für die Dummies und dann später ausbauen zu höflich.

Florian: Als du das eben erzählt hast, fiel mir ein, ich habe letztens einen sehr lustig synchronisierten Film gesehen. Die Untertitel waren offensichtlich mit so einer Spracherkennung installiert. Weil eine der Charaktere hatte die Angewohnheit, am Ende des Satzes einfach nach oben zu gehen. Und dann hörte sich das immer so an, als würde eine Frage gestellt. Als Mensch habe ich verstanden, das ist überhaupt keine Frage. Das hat auch überhaupt nicht in den Film reingepasst. Nur in der Untertitelung war immer ein Fragezeichen am Schluss dann. Weil die immer anscheinend die Stimme geht nach oben, erkannt haben, wow, da gibt es jetzt irgendwie eine Frage. Und es war, als ich konnte das natürlich aus der Situation, aus dem Kontext rauspassen, das ist jetzt überhaupt gar keine Frage, da sollte ein Punkt hin. Ah.

Miriam: Ah. Okay, nach unten. Nach unten, genau. Damit beende ich korrekterweise übrigens immer einen Satz.

Florian: Ja. Und das ist natürlich schon interessant, wenn unsere Sprachassistenten uns helfen, sowas mehr zu üben und darauf wacher zu werden.

Miriam: Du bist ja auch Computerfreund, ne?

Florian: Ne, das stimmt. Ich will ja jetzt auch was finden, was die gut machen.

Miriam: Tja, wir wollen keine Alexa.

Florian: Nicht?

Miriam: Nein.

Florian: Gut, da sind wir uns ja einig. Ja, passt ja.

Warum Höflichkeit Türen öffnet

Miriam: Wir haben da Möglichkeiten. Das mit den konversationellen Postulaten ist auch nochmal eine andere Geschichte, weil es so versteckte Befehle sind. Ich rede schon eher von diesen kommandoartigen, kurzen, knappen Geschichten oder auch dieses gar nicht grüßen. Wo ich ja wirklich auch mit dem Lütten drüber gestolpert bin, im Wald.

Florian: Wo ich mir wirklich denke, wenn mir hier so jemand entgegenkommt, du darfst einfach höflich zu deinen Mitmenschen sein. Das hilft dir wirklich weiter. Und offensichtlich sehen die das noch anders.

Miriam: Oder wie du ganz zu Beginn gesagt hast, sie interpretieren, wenn so ein Lütter mit 10, 11 Jahren da grüßt, der kann das nicht ernst meinen oder so. Und das zeigt ja was an. Also wenn das so wäre, würde das ja schon was an so was, will ich gar nicht denken. Weißt du? Wenn mich jemand grüßt, wird er zurückgegrüßt. Und ich denke mir keine Sekunde, ob der sich dabei irgendwas anderes denkt.

Florian: Und die freuen sich so, die Kinder, ne? Und wenn sich Kinder freuen, dann freust du dich einfach mit. Ich finde das so süß, wie das Lachen von Kindern, wie ansteckend das wirkt, auf mich zumindest.

Miriam: Ja, ist das definitiv.

Florian: Und wie gut sich das dann anfühlt, ein Kind zum Lachen gebracht zu haben.

Miriam: Also ich mag Höflichkeit, ich mag es, weil ich damit sprachlich jemand anderen sehr wertschätze und mich selbst am Ende des Tages auch. Also den Wunsch, den ich habe, schätze ich damit deutlicher Wert.

Florian: Und falls du in verschiedenen Kontexten, jetzt zum Beispiel Alexa, eher eine Befehlsform gebrauchst, dann darfst du in anderen Kontexten halt mehr darauf achten, wie gehst du mit den Menschen in deiner Umgebung höflich um, oder? Ja. Das ist wahrscheinlich das, was du tust.

Miriam: Ja.

Florian: Spannend.

Miriam: Und bewusst. Also ich feiere diese Form der Sprache, weil sie mich so viel weiterbringt. Du hast vorhin so schön gesagt, es gehen so viel mehr Türen auf.

Florian: Mhm.

Miriam: Mit Höflichkeit. Wenn mir auf Facebook irgendeiner eine höfliche Nachricht schreibt, dann bin ich tatsächlich innerlich sofort viel bemühter, die Frage zu beantworten. Dann beantworte ich die über die Maßen.

Florian: Letztens hast du mir eine gezeigt, wo es auch darum ging, jetzt habe ich die ganze Zeit schon geduzt, darf ich das überhaupt?

Miriam: Ganz, ganz lieb haben wir uns so gefreut. Also es gibt sowas von Menschlichkeit, sowas von Nähe gleich und auch sowas von wertschätzender Gegenseitigkeit. Also da macht das doch gleich noch mehr Freude, jemand anderen zu unterstützen oder Auskünfte zu erteilen oder was auch immer. Ich finde das viel, viel schöner, wenn das auf eine wertschätzende Weise passiert. Das war jetzt heute mal ein moralisch wichtiger Podcast.

Florian: Den Eindruck hatte ich zwischendurch auch. Morgen bei der Metzgerin, weißt du, oder hier bei der Bäckereifachverkäuferin. Morgen, guten Morgen, ich hätte gerne zwei Schrippen.

Schrippen, Weckla und Krapfen – Dialekte zum Schluss

Miriam: Würden Sie mir bitte zwei Schrippen ordentlich verpacken. Da freue ich mich sehr darüber. Schrippen hier im Rheinland sind Schnittbrötchen. Schnittbrötchen, wie mir Hesse sagen. Die Bayern sagen Semmeln, oder?

Florian: Semmeln oder, naja, in Franken, wo ich aufgewachsen bin, da sind wir ja keine Bayern. Da gibt's Weckla.

Miriam: Ach, Weckla. Klasse. Wir haben hier jetzt schon wieder die große Diskussion, wie es richtig heißt, Krebbel-Berliner oder was gibt's noch?

Florian: Pfannkuchen in Berlin.

Miriam: Der Berliner? Der heißt nicht Krebbel.

Florian: Der heißt Pfannkuchen.

Miriam: Es gibt noch ein drittes Wort dafür.

Florian: Krapfen gibt es auch noch.

Miriam: Krapfen, genau, ein Krapfen. Krapfen, Berliner Krapfen.

Florian: Da hat mich unser Kleiner letztens auch angeschaut, als ich meinte, willst du noch einen Krapfen? Was? Ja, ist cool, wie unterschiedliche Sprache unterschiedlich wirkt. Vielleicht sollten wir auch mal eine Episode über Dialekte und Worte machen.

Miriam: Ich liebe Dialekte. Ja, bin ich sofort dabei. Wir verabschieden uns jetzt in unseren Practitioner 2018 Januar. Freuen uns riesig darauf.

Florian: Die nächste Episode, weil wir machen diesmal ein Experiment. Wir haben nicht vorgearbeitet, sondern nehmen jetzt unterwegs auf.

Miriam: Hört ihr das Schreien des Uhus im Wald?

Florian: Wir machen als Thema irgendwas, was uns da begegnet. Ich bin tatsächlich auch schon sehr gespannt.

Miriam: Ich auch. Ich auch. So, wir freuen uns weiter. Wir freuen uns auch, wenn wir dich irgendwann kennenlernen dürfen bei einem unserer vielen Sprachseminare. Schau gerne auf unserer Seite vorbei.

Florian: Oder auf Facebook, auf Gesichtsbuch oder auf YouTube oder auf Twitter oder auf Instagram. Und was hast du noch alles?

Miriam: Auf iTunes freuen wir uns über deine Bewertung dringend für diesen Podcast. Das ist wirklich wichtig. Oder die Weiterempfehlung. Wenn du den Podcast magst und ihn gerne hörst und uns was schenken möchtest, dann schenk uns bitte deine Sternebewertung bei iTunes. Da gibt's uns, da findest du den Podcast. So de le.

Florian: Dann wünschen wir euch eine schöne Woche. Richtig.

Miriam: Dir eine schöne Woche. Ich sage in aller Höflichkeit.

Florian: Auf Wiederhören.

Miriam: Servus, mach's gut.

Florian: Tschüss.

Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.

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