Ein Streit steht an, du weißt schon, wie er läuft: erst dein Argument, dann sein Argument, und am Ende sind beide sauer. Aber was, wenn du genau das durchbrichst? Miriam erzählt von einem Freund, der mit Clownsnase und Weihnachtsmütze in ein Konfliktgespräch ging – und in einer Umarmung landete. Es geht darum, was passiert, wenn du das tust, was dein Gegenüber garantiert nicht erwartet.
Die Idee: mit einer Reaktion überraschen, die keiner erwartet
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Florian: Das ist ja ein brillantes Thema, das wir heute haben. Und das Thema verrät euch heute die... Hm?
Miriam: Na wer?
Florian: Die Mimi Deforth.
Miriam: Ich heiß nicht Mimi. Nenn mich Mimi, wenn du willst. Das ist das Thema.
Florian: Was ist das Thema?
Miriam: Andere überraschen mit deiner Reaktion. Ja, finde ich sehr spannend. Hatte ich letzte Woche ein kleines Ereignis, wo ein lieber Freund mir erzählte, dass er also einen Konflikt hatte im Freundeskreis und es ging quasi auf die Aussprache zu. Also es war unvermeidlich, dass die beiden Kontrahenten sich treffen. Und wenn sie sich treffen, war auch klar, dass sie sprechen mussten. Ich sage bewusst mussten, weil es stand einfach an. Und er war sich sehr sicher, dass dieses Gespräch sehr krawallig verlaufen würde.
Florian: Deswegen hatte er schon seine Boxhandschuhe dabei. Richtig. Und den Mundschutz eingesteckt, was nicht half beim Sprechen. Richtig. Ja.
Miriam: Und die Idee, die da im Raum war, war, dass der andere vermutlich auch sowas Ähnliches erwartete, mindestens sowas Ähnliches. Auch Stress. Auch Stress, genau. Also zwei Gockelhähne auf Stress gebürstet. Und dann hatte er den Einfall, nachdem er mit einer Freundin gesprochen hatte, dass er vielleicht mal was ganz anderes tun würde, als das von ihm erwartet wird in so einer Situation.
Florian: Zum Beispiel eine Weihnachtsmannmütze aufsetzen.
Miriam: Und eine Clownsnase aufsetzen und nur liebevolle Dinge sagen. Und gar nicht in den Vorwurf gehen.
Florian: Also Vorwurf, weil die haben sich irgendwie gekabbelt oder wie?
Miriam: Genau. Also es gab für beide offenbar Gründe, sauer auf den anderen zu sein.
Florian: Okay. Und dann?
Miriam: Und dann verlief die Situation tatsächlich so, dass es völlig überraschend in eine Umarmung gipfelte und in ein Wiederaufnehmen der Freundschaft und es war ganz leicht und es dauerte wohl auch keine fünf Minuten.
Florian: Ja, Überraschungen sind gut.
Miriam: Das in den Podcast zu nehmen, weil es sprachlich so ein tolles Werkzeug ist, mal was anderes zu tun, als die anderen von dir erwarten würden, dass du es machst.
Angriff oder Flucht: das Reptilien-Gehirn im Konflikt
Miriam: Also ich bin auch ein sehr impulsiver Mensch. Und früher war es auch so, dass wenn irgendwo ein Konflikt im Raum war, ich deutlich in, was ist das Gegenteil von Flucht?
Florian: Flight or Fight.
Miriam: Angriff. Ich bin deutlich in diese Angriffshaltung dann gegangen. Also es ist ja, unser Stammhirn scheint sowas zu tun in Situationen, in denen es Lebensgefahr wittert. Es kann auch eine Situation sein, in der nicht Lebensgefahr besteht. Dass es eben zwischen zwei Dingen entscheidet, entweder Flucht oder Angriff.
Florian: Ja, damals als die Dinosaurier noch, um uns, nein, wir hatten diese Dinosaurier ja nie erlebt. Die haben wir nicht getroffen. Damals in der Steinzeit.
Miriam: Sagenforscher.
Florian: Mit den Tigern und den, weiß ich nicht.
Miriam: Säbelzahntiger waren das. Mammuts.
Florian: Oder Mammuts oder was auch immer es damals gab. Wo unser Gehirn ganz schnell entscheidet, aus einer Zeit vor der Steinzeit tatsächlich, ja wahrscheinlich noch. Es haben ja durchaus andere Primaten oder andere Lebewesen auch sowas wie.
Miriam: Ich glaube es wird Reptilien-Gehirn genannt.
Florian: Zum Beispiel auch, ja. So dieser ganz angeborene, jetzt darf es schnell gehen, entweder kämpfen oder fliehen. Nur eins von beiden ist jetzt dran.
Miriam: Und ja, ich war also jemand, der sich ausgiebig und lange streiten konnte. Ja, kann ich ja sagen. Vor allem, wenn ich mich nicht im Recht fühlte.
Florian: Wenn du dich nicht im Recht fühlst und ungerecht behandelt fühlst.
Miriam: Ja, sehr schön. Ich habe mein Gehirn schon so weit rumgedreht. Ja. Gut. Genau. Und damals wäre ich auch nicht auf die Idee gekommen, die anderen mal zu überraschen mit einer völlig neuen Reaktion von Miris Seite. Das heißt, der Gegenpart konnte sich auf mich ziemlich einfach vorbereiten.
Florian: Und unsere Empfehlung ist jetzt, du tust einfach mal was anderes als das, was der andere von dir erwartet.
Miriam: Das ist ja immer das Tolle an Überraschungen.
Florian: Gut, dann ist der Podcast jetzt vorbei.
Miriam: Na ja, also so einfach wollen wir das jetzt auch nicht stehen lassen, weil das ist die blanke Theorie, die wir hier in den Raum schubsen. Also jemandem zu erklären, tu doch mal was völlig anderes. In einer Situation, in der der Kessel kocht, finde ich schon sehr theoretisch.
Zeit zur Vorbereitung: das Gespräch schön statt schlimm vorspielen
Florian: Gut, wie praktizieren wir es denn jetzt?
Miriam: Naja, es kommt immer darauf an, wie weit du da draußen, der du zuhörst, schon imstande bist, dein eigenes Gehirn zu kontrollieren. Also das ist Punkt eins. Also dieses Wachsein, da kommt jetzt diese Situation oder sie entsteht gerade. Das war ja eine Situation, wo Zeit bestand, sich vorzubereiten. Das ist ja cool, wenn ich weiß, ich habe das Telefonat mit der Schwiegermutter übermorgen.
Florian: Ich glaube, manche Menschen spielten früher zwei Tage lang das Telefonat mit der Schwiegermutter in allen schillerndsten Horrorfarben durch. Insofern, umso mehr Zeit zur Vorbereitung, umso schlimmer.
Miriam: Findest du? Kommt doch darauf an, wie wach die Menschen schon sind. Also wenn ich heute zwei Tage Zeit hätte, um mich vorzubereiten, wäre das super, weil ich könnte mich entspannen, ich könnte mir gute Gedanken machen, ich könnte mir vorstellen, wie es in gut ausgehen würde. Und vielleicht würde mir auffallen, dass es auf jeden Fall schon mal nicht um Leben und Tod geht in den meisten Fällen, sondern halt um irgendein unangenehmes oder lästiges Thema. So, und dann kann ich mich erstmal beruhigen und dann kann ich mir überlegen, wie kann ich mein Gegenüber jetzt überraschen? Also was würde der vermutlich von mir erwarten und was mache ich stattdessen? Ich finde das Spiel allein schon spannend. Wirklich. Ich finde es auch immer toll, wenn Menschen mich überraschen. Es passiert ja zum Beispiel öfter, ich habe in meinem Leben oft Menschen kennengelernt, auch gerade im Bereich Künstlerszene, also auf Bühnen oder vor der Kamera oder wie auch immer, von denen ich geglaubt hätte, dass sie irgendwie sind. Also dass sie eingebildet sind, weil sie schon so berühmt sind oder dass sie besonders zickig sind oder besonders aggro, weil andere mir gesagt haben, oh. Das ist ein schwieriger Typ. Der lässt Fernsehmoderatorinnen in deinem Alter auch immer ganz gern mal auflaufen bei Interviews. Pass da auf. So habe ich mir vier Tage vorher schon in die Hose gemacht.
Florian: Ja, sag ich doch. In solchen Fällen war früher mehr Zeit.
Miriam: Um sich in die Hose zu malen, stimmt. Oder sich schon mal aufzuregen.
Florian: Oder aufzuregen.
Miriam: Wobei meine Mutter ja dieses Schild an der Tür hängen hat. Bevor ich mich aufrege, ist es mir lieber egal. Ja, das stimmt. So, wir wollen ja nicht, dass dir alles egal ist. Manchmal ist es ganz gut.
Florian: Da steckt ja auch Energie drin. Es ist ja schön. Ich mag das in den Teams. Also lieber jemand, der sich mal uffräscht. Damit lässt sich leichter arbeiten. Da ist dann Energie drin, um was zu verändern.
Miriam: Ja, stimmt.
Florian: Da trägt ja jemand dann ein Bedürfnis rum. So wie auch bei der Geschichte, die du erzählt hast von deinem Bekannten. Die wollten ja was ändern. Also wie es war, ist ja nicht mehr gut gewesen, sondern es sollte ja irgendwie anders werden. Und es braucht ja auch ein bisschen Energie, diese Veränderung herbeizuführen.
Miriam: Das stimmt. Ordentlich sogar. Gerade für, wie in Hesse sagen, so kleine Zornkickel.
Florian: Zornkickel?
Miriam: Naja, ich war selbst ein Zornkickel. Ich konnte mich richtig schön ärgern.
Reframing: der Sache einen neuen Rahmen geben
Miriam: Großartig. Und ich habe gemerkt, dass in dem Augenblick, wo Menschen erwarten würden, dass das jetzt ein Krisengespräch wird oder ein schlimmes Gespräch und es kommt eine ganz liebevolle Ansage oder es kommt ein Kompliment oder es kommt erstmal ein, wir nennen das im NLP, Reframing. Also ich gebe der Sache oder ich rede es mir schön, habe ich früher immer gesagt. Ich finde was Gutes dran oder ich projiziere das.
Florian: Auf Deutsch der Sache einen neuen Rahmen geben.
Miriam: Einen neuen Rahmen verpassen. Apropos NLP, kannst du lernen bei uns. Vom 26.01. bis zum 5.02. haben wir noch Plätze frei. Also planst du vielleicht deinen Winterurlaub mit uns in Arnsberg und nimmst gleich noch eine internationale Zertifizierung mit. Wir freuen uns sehr, wenn du dich meldest. Und ganz persönlich bei uns steht auch unsere Telefonnummer. Also melde dich gerne. Und dieses Reframen von der Situation ist schon mal der erste Schritt für mich, um mich da vorzubereiten. Wenn ich sage, vielleicht so wie du es eben getan hast, steckt da eine ganz tolle Energie drin. Wenn so zwei Zorngegel aufeinander hüpfen.
Florian: Ja, der Vorteil ist, dass da Energie, also wir können damit arbeiten.
Miriam: Und dann ist es auch deutlich so ein Durchatmen und manchmal setzt dann der kreative Moment ein.
Florian: Der kreative Moment setzt ein. Das klingt so, als würde es vorbeikommen. Dann schwebt es von dem Himmel nach unten und plötzlich ist es da. Ich liebe meine kreativen Momente. Ja, nur du kreierst die. Die kommen ja nicht vorbei. Gut, also... Ja, sind wir Sprachzauberer oder nicht?
Miriam: Manchmal kreiere ich dann diese... Ja, also...
Florian: Der kreative Moment kommt dann vorbei. Ich stelle mir gerade vor, wie der aussieht. Total bunt. Achso, echt? Ja. Ich hatte jetzt eher so einen typischen kreativen, morgens am Montagmorgen, so mit zerzausten Haaren, riesiger Kaffeetasse in der Hand, kommt es um die Ecke geschlappt.
Miriam: Das kreative Moment. Ja. Das kreative Moment. Ja. So, um dann eben etwas zu tun, was keiner erwarten würde. Ja. Und ich liebe das.
Florian: Und das, was keiner erwarten würde, kann, du hast ja eben schon Beispiele gegeben, also vielleicht ein Kompliment machen, vielleicht.
Miriam: Vielleicht dem anderen auch erstmal Verständnis zeigen. Also sagen, ich verstehe, dass du jetzt gerade so bist oder dass du dich jetzt gerade so fühlst oder dass du dich jetzt gerade so aufregst oder dass du dich ärgerst über manche Sachen.
Florian: Ja, auch erstmal zuhören, ne? Gar nicht den eigenen Teil, die eigene Geschichte erstmal erzählen, sondern erstmal nur hören, was es da so zu hören gibt. Okay, ja cool.
Miriam: Ja.
Florian: Und dann?
Miriam: Die Situation loben. Toll, dass wir beide miteinander sprechen. Finde ich auch gut. Das mag ich auch, dass das Ganze nicht so abdriftet in ein, wir rollen jetzt nochmal jedes Argument auf, was vermutlich sowieso schon im Raum ist.
Florian: Sondern, dass wir das Steuer in die Hand nehmen und in schönere Häfen steuern. Ja. Ja, das klingt gut. So einfach ist das, oder wie?
Miriam: Ich glaube, dass es ganz einfach ist. Und die Erfahrung habe ich mittlerweile auch gemacht. Das, was Menschen tun, ist, sie machen es sich gerne selbst schwer.
Florian: Das habe ich ganz oft beobachtet.
Worten nachfühlen: was das Kopfkino mit dir macht
Miriam: Indem sie eben zum Beispiel, heute war wieder so lustig, heute hatte ich eine Sendung, in der dann zum Beispiel direkt vorher, das war fünf Minuten, bevor wir auf Rotlicht gingen. Rotlicht im Fernsehen bedeutet, wir sind dann live.
Florian: Jetzt geht es wirklich los.
Miriam: Genau, also jetzt sind wir zu sehen. Fünf Minuten vorher sagt der Experte zu mir, so, jetzt gibt es hier nochmal die große Kampfansage. Jetzt schlagen wir nochmal richtig zu. Und dann denke ich so, ich hätte es gerne friedlich. Geht das? Und dann habe ich das auch gesagt. Also ich habe gesagt, Friede, Peace, ich mag nicht kämpfen. Und dann musste er auch lachen. Also es ist so, was erwarte ich von der Situation? Und vielleicht gehen manche Sachen viel einfacher, als wir glauben. Und wenn ich schon mit so einer Idee in eine Situation reingehe, das wird jetzt ein Kampf, ein harter. Also ich merke, wenn ich das sage, wie sich mein Körper verspannt. Ist total witzig, nur durch die Worte.
Florian: Dann geht es in die Kampfsituation bei dir rein, ja?
Miriam: Es gibt ja die Annahme, dass das Gehirn keine Informationen verarbeitet, ohne sie zu verarbeiten. Das heißt, wenn ich mit solchen Worten hantiere, dann spielt mein Kopf sofort mit mir mit. Ich kann den ja da nicht rausschalten.
Florian: Also die Idee ist, um zu verstehen, was diese Worte bedeuten? Ja. Baut das Gehirn quasi Bilder oder Videos oder was auch immer im Kopf von Kampf, um daraus Sinn zu machen von diesen Lauten.
Miriam: Ich sehe dann lustigerweise oft mich selbst, wie ich mit so einer total, weißt du, so einer Rocky Balboa-Mine schweißgebadet, du hast vorhin Boxhandschuh gesagt, tatsächlich sehe ich mich in so einem Boxergewand.
Florian: Ja? Ja. Andere würden vielleicht in eine kriegerische Situation kommen. Komm, lauf unsere freie Treppe hoch.
Miriam: Und das mache ich nicht mehr. Was ich dann mache ist, ich nehme virtuell wirklich in meiner Fantasie ein Handtuch, tupfe mir den Schweiß von der Stirn, ziehe die Boxhandschuhe aus, nehme die kleinen Engelsflügelchen, die goldenen, die da irgendwo liegen, ziehe mir die über die Schultern, setze mir so einen albernen Heiligenschein auf und mache es lieber auf die Weise. Und wenn ich das Bild vor Augen habe, dann geht es mir besser. Ich mag mit diesem Kopfkino zu spielen, weil es etwas mit uns macht. Eine klassische Übung ist ja, mal Worten nachzufühlen. Also du kannst das Experiment gerne zu Hause einfach mal machen, wenn du die Spülmaschine ausräumen willst oder die Wäsche aufhängen. Nur, dass du es mal gespürt hast. Sagst, so, da kämpfe ich mich jetzt durch. Am besten mit geschlossenen Augen. Sagst du mal laut, so, da kämpfe ich mich jetzt durch.
Florian: Und dann spüren.
Miriam: Und dann spüren, was diese Worte machen in Bezug auf den Wäscheberg, der da auf dich wartet. Und dann denkst du kurz an irgendwas Schönes, eine Blumenwiese oder den blauen Himmel über den Bergen und dann sagst du dir, also gleiche Situation, du hast die Wäsche immer noch nicht aufgehängt, nur jetzt kommt eine andere Ansage, ein Gehirn stellt sich wieder vor deinen Wäscheberg, machst die Augen zu und sagst dir sowas wie, das wird jetzt ganz leicht und ganz schnell gehen mit dem Wäsche aufhängen. Und guck mal, was das mit dir macht. Da überrascht du dich mal selbst. Das ist total gut. Das ist total gut. Unser Körper gibt sofort, also wie ein Echo. Durch alle Zellen, durch alle Muskeln. Verspannungen lösen sich. Du atmest tiefer. Das ist total cool. So und dann darfst du dir wiederum überlegen, was es macht, wenn du dir im Vorfeld von einer Situation, die sowieso unausweichlich ansteht.
Florian: Manchmal ist es ja tatsächlich so. Also wenn es zum Beispiel mein Kollege ist, ich sehe den halt irgendwann wieder. Spätestens das nächste Mal, wenn ich in die Arbeit gehe. Ja, es gibt die Option, mich zu entscheiden, nie wieder in die Arbeit zu gehen.
Miriam: Ja.
Florian: Oder ab jetzt in einem anderen Büro zu sitzen.
Miriam: Oder dich zu tarnen.
Florian: Oder mit Tarnen.
Miriam: Immer so hinter Säulen oder Schreibtischen zu verstecken, wenn er irgendwo den Raum betritt.
Herr Müller und der Prius: was du unterstellst, das siehst du
Florian: Ich habe jetzt letztens in einer Firma gearbeitet, da sollten Menschen neben uns an einen Schreibtisch ziehen und die Umzugsfirma war schon da, hat alles hingestellt und dann wenige Monate später, die waren noch nicht eingezogen, wenige Monate später sind die Sachen wieder neu belabelt worden und sind wieder weggezogen. Das heißt, die Auszugsgeschwindigkeit ist höher als die Einzugsgeschwindigkeit.
Miriam: Mein Gehirn fragt sich gerade, was ist das? Ich frage mich gerade, was das ist.
Florian: Die Auszugsgeschwindigkeit? Ja. Da werden die Sachen, ziehen vor den Menschen schon um. Also die sollten da irgendwann mal hinziehen, deswegen wurden die Schreibtische hingestellt, die Telefone hingestellt, die Computer hingestellt von den Mitarbeitern. Die waren auch mit Aufklebern, so hier sitzt jetzt Herr Müller. Und Herr Müller saß da nie, sondern irgendwann war ein neuer Aufkleber dran, dass die Sachen jetzt nicht mehr im zweiten Stock stehen sollen, sondern jetzt irgendwie in den fünften Stock wiederkommen sollen, an anderen Gebäudeteilen. Nur Herr Müller war nie da zwischendurch.
Miriam: Das ist ja lustig, der hat eine Umzugsetappe übersprungen.
Florian: Genau. Vielleicht zieht er ewig seinen Sachen nach. Es ist durchaus möglich.
Miriam: Und ich finde es total witzig, welche vielen überraschenden, jetzt pass auf, das ist das Tolle, jetzt können wir das Reframing machen. Also er hat sich eine Umzugsetappe gespart, wird positiv genommen. Und es gibt ganz viele Menschen, und die kennst du, Hörer, wahrscheinlich auch, die an der Stelle schon mal den Teufel an die Wand schmeißen. Wie heißt das? Den Teufel da. Die also schon wieder anfangen, so ein Blödsinn, wer macht denn sowas in der Firma? Und das ist, ja, also, wie rum willst du es sehen? Wie rum willst du es betrachten, so eine Situation? Ich entscheide mich dann lieber für den positiven Weg, weil es ist ja meine Lebenszeit. Ja.
Florian: Ich stelle mir dann echt vor, wie Herr Müller durch das ganze Gebäude irrt. Ich habe keinen zu Hause.
Miriam: Echt, die haben ihm seine Topfpflanze schon weggenommen. Wobei das witzig ist vom Unternehmen, das ist auch was Überraschendes, ne? Ja. Herr Müller kommt dann in die zweite Etage, Büro Nummer 128, da ist schon wieder leer.
Florian: Da ist schon wieder leer, genau.
Miriam: Wie geht das bei dem Hasen und dem Igel? Ich bin schon da.
Florian: Finde dein Büro, spiel die.
Miriam: Das sind ja auch ABS. Wie heißt das? Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, ABM. ABS ist ein Bremssystem, ist auch egal. Ja, ein Bremssystem ist das auch. Ja, genau. Wenn das Unternehmen nichts Überraschendes macht, machst du doch mal was Überraschendes. Ja nun.
Florian: Genau, also es gibt manchmal diese Situationen, wo klar ist, ich möchte diesen Menschen bald wiedersehen. Vielleicht, weil ich eben gerne in die Arbeit gehe. Und der dann da ist. Und dann ist unser Tipp. Wenn da mal ein Thema war früher oder wenn du sagst, hey, ich weiß nicht so genau, wie das laufen sollte, dann stell es dir doch einfach mal anders vor.
Miriam: Das hilft schon.
Florian: Und dann, und das ist ja das, was dein Bekannter auch gemacht hat, Miri, vielleicht kannst du ja auch schon mal was anderes tun. Also dem Kollegen, mit dem du dich eher nicht so gut verstanden hast, vielleicht mal einen Schoko-Weihnachtsmann zum Nikolaus hinstellen. Auch wenn er es nicht verdient hat.
Miriam: Ich finde es super. Ich finde es total super. Wirklich. Und wie schön ist es, andere positiv zu überraschen.
Florian: Ich lasse mich auch sehr gerne positiv überraschen.
Miriam: Und ich habe gemerkt, dass egal, ob mir jemand vorher angekündigt hat, das ist ein schwieriger Mensch, so im Kontext Interview oder Prominente oder VIPs oder auch Geschäftsführer gelegentlich in Interviews. Und ich dachte, ich lasse mich mal positiv überraschen, weil... Irgendwann hat mir auch mal ein Trainer gesagt, den ich beim Hessischen Rundfunk noch hatte als Moderatorin, der hat gesagt, Miri, letztlich sind das alles Menschen und die wollen alle nur auf den Schoß. Und ich fand das Bild ganz süß, dass ich die alle irgendwie auf den Schoß nehmen kann in so einem Interview. Also im besten Sinn. Und es ist bis jetzt immer so gewesen, dass die Menschen mich positiv überrascht haben. Also ich erlebe das ganz, ganz oft und ich habe das früher auch schon oft erlebt. Ich habe mir früher selbst das Leben schwer gemacht, indem ich krawallgebürstet in irgendeine Situation gegangen bin. Zum Beispiel gerade im Kontext auch mit meinem Vater, den ich über alles schätze und liebe und der genauso ein sturer Giggel sein kann wie ich. Und wir haben uns richtige Fights geliefert früher. Und in dem Augenblick, wo ich angefangen habe, das zu verändern, die Vorstellung, dass es jetzt schon wieder zu so einer Diskussion kommt, weil ich wusste, wir sind unterschiedlicher Meinung. In dem Augenblick, als ich angefangen habe zu denken, hey, vielleicht überraschen wir uns jetzt gegenseitig einfach mal positiv. Habe ich ihm plötzlich auch andere Dinge unterstellt? Ich habe ihm unterstellt, dass er auch was Gutes will, dass er sich vollen Herzens gerne mit für die Erziehung der Kinder engagiert oder dass er in diesem Theaterprojekt, in dem ich mit ihm bin, ganz tolle Dinge erschafft. Und dass ihm viel dran liegt, dass das alles funktioniert und dass er deswegen so eine Energie aufbringt.
Florian: Ja, das ist wirklich spannend. Sobald wir anderen Menschen andere Dinge unterstellen, sehen wir auch plötzlich andere Aspekte an ihnen oder Teile an ihnen. Meine Lieblingsgeschichte ist daher unser Auto. Ja. Wir haben einen Toyota Prius und ich schwöre, bevor wir den gekauft haben, gab es in Deutschland keinen einzigen Prius. Und seit wir diesen Prius haben...
Miriam: Wird Florian von Priussen umzingelt?
Florian: Meine These ist, dass Toyota extra ein Programm für uns gestartet hat, wo die so 40, 50 Priusse immer in unserer Nähe haben und bei Gelegenheit fährt dann mal einer von den Mitarbeitern auch in unseren Weg rein, damit wir einen anderen Prius sehen. Und so ist es ja auch mit den Mitarbeitern oder mit den Kollegen oder mit den Freunden, mit den Bekannten, mit den Verwandten. Solange ich eben eine bestimmte Reaktion von denen erwarte oder ein bestimmtes Verhalten, vielleicht auch Angst habe, dass es in eine bestimmte Richtung abdriftet, werde ich auch Hinweise finden, dass das passiert. Das ist dieses Baby-Syndrom, sobald in der Familie jemand schwanger ist, sieht man vielleicht überall Schwangere. Bei mir ist es eben der Prius gewesen, der dann überall auftaucht. Und alleine dieses, ich lass mich mal überraschen, von der Reaktion meines Gegenübers oder ich mach mal was anderes, kann ja schon dazu führen, dass dieses System sich verändert.
Es verändert sich nichts, bis du dich veränderst
Miriam: Und das ist schön für die Vorweihnachtszeit und für die Zeit danach und für immer.
Florian: Ich habe, ich weiß gar nicht, der Autor ist Anselm Grün und der Geschäftsführer von Ubtalsbohm. Da gibt es hinten auf dem Buch, auf dem neuen gibt es ein wunderbares Zitat drauf. Es verändert sich nichts, bis du dich veränderst und dann verändert sich alles.
Miriam: Oh, wie schön. Ja, gut, wir können das so nehmen. Ich finde den Schritt schon sehr weit. Also das ist schon deutlich was für die Pros unter unseren Hörern. Und wir nehmen uns beim NLP Practitioner für diese Annahme, dass wir selbst kontrollieren, was um uns herum passiert und was mit uns selbst passiert, nehmen wir uns eine Menge Zeit, weil es tolle Techniken gibt, um das zu üben. Und wenn es einfach nur dieser Gedanke ist, lass dich mal überraschen, lass dich vielleicht auch gelegentlich mal positiv überraschen von Situationen.
Florian: Oder in dem Beispiel von deinem Bekannten, überrasch den anderen mal. Also mach einfach was anders. Ja. Und schon schwuppdiwupp kann auch vielleicht ein anderes Ergebnis rauskommen.
Miriam: Ja. Ich finde, jetzt ist gut. Jetzt gefällt mir. Also so finde ich das Thema rund.
Florian: Statt eckig.
Miriam: Ja. Das habe ich auch noch nie bei einem Podcast gesagt. Das stimmt.
Florian: Nächste Woche gibt es die nächste Podcast-Folge wieder mit Dingen, die Miri noch nie in einem Podcast gesagt hat.
Miriam: Boah, Florian. Da bekommen wir jetzt wieder von unserem Lieblings-YouTuber-Bro einen Kommentar.
Florian: Ich mag das so.
Miriam: Wenn Florian, was sagt er immer? Dich?
Florian: Sagt er bestimmt disst.
Miriam: Ja, genau. Wenn Florian dich disst. Bro, überrasch mich mal. Ja, sehr schön.
Florian: Cool. Nächsten Dienstag gibt es den nächsten Podcast. Ja. Am Samstag gibt es die Beziehungskiste. Das stimmt. Und ... Eine wunderschöne Woche bis dahin.
Miriam: Und unser Newsletter. Noch bis Weihnachten verlosen wir wöchentlich ein Buch und eine Überraschungsbox. Ein Buch, das Florian für euch sorgsam auswählt und in dem es um Veränderungen im Leben, Kommunikation, tolle Geschichten, wir haben auch schon ein Kinderbuch verlost, also wir haben jede Woche ein anderes und noch bis Weihnachten ziehen wir das durch. Also es lohnt sich, sich jetzt noch anzumelden. Du, lieber Hörer, bist aufgefordert, das auf unserer Seite gerne zu tun.
Florian: Und obendrein gibt es eine Trance, eine 2-Minuten-Notfall-Trance für die Anmeldung.
Miriam: Die ist toll. Ja. Lass es dir nicht entgehen. Wir hören uns am nächsten Dienstag wieder.
Florian: Bis dann. Tschüss. Tschüss.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.