Jemand fragt öffentlich auf deiner Facebook-Seite, ob du bei Scientology bist. Früher hätte Miriam über Anwalt und Rufmord nachgedacht — heute ist ihr erster Impuls, zu lachen. Wie kommt es, dass auf ihren Seiten so wenig gestänkert wird, während es bei Kolleginnen und Kollegen manchmal richtig rundgeht? Hier geht es um genau die Werkzeuge, mit denen sich das ändert — und darum, warum es dafür keine Blaupause in dreißig Minuten gibt.
Warum das Thema Schweiß macht
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: Verleumdung, Rufmord, Angriffe, Trolle.
Florian: Oh nein. Hilfe. Was machen wir denn als Thema heute?
Miriam: Das wird der Podcast des Grauens. Ist das das Thema oder was? Ich glaube, wir hatten schon ein, zwei Podcaste des Grauens. Das wird Episode 3.
Florian: Episode 3 des Grauens. Da, da, da, da. Was ist denn?
Miriam: Ich habe jetzt schon Schweiß, wenn ich darüber nachdenke.
Florian: Warum? Wieso dieses Thema?
Miriam: Dieses Thema, ja, weil es mir in den letzten Wochen ab und zu mal über die Füße gestolpert ist, weil zum Beispiel Menschen, die auf Facebook und Instagram mit mir verlinkt sind, mich fragten, Miri, was soll ich denn tun, wenn einer dies und das postet, so eine Unverschämtheit, so eine Verleumdung.
Florian: Auf Facebook-Seiten werden komische Sachen gepostet, oder?
Miriam: Ja, zum Beispiel, oder auf Instagram auch, oder in Facebook-Gruppen. Manchmal passiert es ja sogar noch persönlich in der heutigen Zeit, habe ich mir sagen lassen, dass Menschen so krass sind, dass sie jemand anderen wirklich offensiv sozusagen beschimpfen, ohne sich dafür zu schämen oder erstmal zumindest nicht. Und da setzt dieser Podcast heute an.
Florian: Also dieses Thema geht ja vom, ich bin Busfahrer und werde von irgendeinem Kunden, der einsteigt, angenölt, bis zu, ich bin Social Media Star und einer von meinen 150.000 Followern schickt mir eine blöde Direct Message, oder was?
Miriam: Ja, zum Beispiel. Oder postet es ist ja noch gemeiner, es postet es offiziell in die Gruppe.
Florian: Das ist ja immer sehr lustig, was als Beiträge auf der Seite von anderen Menschen gepostet wird.
Miriam: Allerdings, ja. Und was Menschen so für wichtig auch empfinden dann in dem Moment. Wie damit umgehen. Und wir haben uns Gedanken gemacht, das wird jetzt eine, also ich sag's schon mal vorweg, das könnte provokativ werden an der einen oder anderen Stelle, was wir von uns geben für das ein oder andere Ohr.
Florian: Wieso, weil wir den ganzen Trollen die Message mitgeben, Halt's Maul, oder was?
Miriam: Florian! Das ist es doch genau nicht. Gewalt mit Gewalt, das gibt doch Buschbrände. Das ist doch nix.
Florian: Das ist mir auch schon klar, nur blocken, löschen. Oder was? Oder löschen, blocken.
Miriam: Finde ich auch unelegant. Also finde ich wirklich unelegant.
Florian: Das letzte, was ich tun will... Also im tatsächlichen Leben geht es ja nicht. Also ich kann ja nicht als Verkäufer hier an der Theke...
Miriam: Das ist ja bei Social im Grunde fast noch cool, dass ich einfach sagen kann, boah, lösche ich jetzt hier raus aus meiner Gruppe.
Florian: Also alleine die Vorstellung, wenn da ein Kunde vor mir an der Theke stehen würde und ich könnte irgendwie auf einen Stummknopf schalten und sehe dann nur noch, wie der Mund sich bewegt, das wäre schon sehr lustig. Und dann zweiter Knopf daneben, blocken. Und dann würde der sich so langsam auflösen.
Miriam: Oder es würde was anderes ausgehen. Du hättest so eine Auswahl von anderen Dingen. Goethe-Gedichte oder irgendwelche Hamlet, der da dann zitiert wird.
Florian: Also wir sind hauptsächlich in Online und Social unterwegs, oder wie? Also Facebook, Instagram, WhatsApp, Twitter.
Miriam: Wir haben ja selbst eine ganz wundervolle Gruppe bei kontext*denken, Training at Home, wo sich sehr viele sehr nette Menschen tummeln, wo ich sowas im Grunde gar nicht habe, also das ist einfach ein sehr achtsamer Umgang miteinander, sehr respektvoll finde ich, sehr witzig, und Florian und ich gehen da regelmäßig live und halten freie Trainings und da nehmen eh die Leute dran teil, die Bock drauf haben, habe ich so den Eindruck. Also da habe ich das nicht. Jetzt könnte man natürlich sagen, ja, das liegt wieder an der Miri, der hat wieder mal das Glück den Arsch gepudert, nur ganz so ist es ja nicht.
Florian: Ja, naja, also zum Teil ist es so. Wir sind ja nicht auf solchen, es gibt ja auch neuere soziale Netzwerke, auf denen wir gar nicht unterwegs sind. Also alles, was so Mastodon, so neue, super technisch moderne Netzwerke sind, wo niemand die Daten wirklich hat, sondern wo die Daten auf irgendwelchen freien Servern rumliegen, da sind wir gar nicht. Da geht es auch sehr, sehr nett zu. Also das ist ja die Abspaltung. Oder da kommt es sehr auf den Server an. Manche sind natürlich auch sehr ruppig. Nur da könnten wir es uns sozusagen ein bisschen mehr aussuchen. Bei Facebook haben wir ja die große Suppe von allen Menschen, die auf Facebook sind. Und das ist eben schon ein Großteil der Bevölkerung. Oder eben auch bei Instagram.
Miriam: Ja, das heißt, es ist hoffnungslos.
Florian: Das dachte ich auch immer. Und dann ist mir aufgefallen, was Miriam tut oder wie wenig wir das bei Miriam haben, diese Herausforderung. Und wenn ich mir dann Kolleginnen und Kollegen von Miriam anschaue und auch aus Konkurrenzerforschungszwecken mal anschaue, was passiert eigentlich auf anderen Social-Media-Plattformen von anderen Menschen, die entweder Kosmetik herstellen oder eben Trainings machen — da geht es manchmal richtig, richtig rund.
Miriam: Ja, stimmt. Ja, ich habe sehr friedliebende, sehr goldige Menschen um mich. Wie hast du das gemacht? Hm, das ist eine gute Frage.
Kein Sonntagskind: warum das kein guter Glaubenssatz ist
Florian: Weil das ist ja tatsächlich dann das, wo es spannend wird, wo wir auch aus dem NLP herauskommen und sagen, wie tust du es genau, damit wir es abmodellieren können.
Miriam: Ich wurde ja mal von einem ganz wundervollen Menschen interviewt, der einen Glücks-Podcast hat.
Florian: Oh, der Andreas.
Miriam: Und der hat mir die Frage gestellt, ob ich mein Leben so wie es verlaufen ist, also mit all den wunderbaren Erlebnissen, Berufen, die ich habe, Familie, Kinder, Rudel, Traummann, ob ich das glücksabhängig machen würde. Und lustigerweise ist mein erster Impuls immer dieser Satz, den meine Mutter mir mit drei oder vier Jahren geschenkt hat. Also als ich so ganz klein war noch, da habe ich nämlich schon gelernt von ihr, dass ich ein Sonntagskind bin und dass ich immer Glück habe. Das heißt, ich könnte alles sozusagen, was in meinem Leben los ist, ich könnte das immer mit diesem Satz rechtfertigen.
Florian: Und dann sind wir ja am Kern von NLP auch tatsächlich dran. Das ist toll, das selbst zu glauben, nur von außen gesehen ist das genau einer der Glaubenssätze, die wir nicht haben wollen.
Miriam: Richtig, genau. Weil es macht mich und andere Menschen zum Opfer eines Wochentags.
Florian: Ja, oder dann eben auch nicht kopierbar. Also wenn ich sagen würde, boah, ich möchte diese tolle Fähigkeit haben, die Miriam hat, mit Gruppen irgendwie in einer sinnvollen Art und Weise, und du gehst ganz sanft mit denen um und verständnisvoll und holst sie an bestimmten Stellen ab und lässt sie dann in eine bestimmte andere Richtung laufen. Da ist ja sehr viel bewusste Arbeit auch drin. Wenn ich jetzt sagen würde, das hat was damit zu tun, dass du am Sonntag geboren bist und ich bin zufällig am Samstag geboren, dann haben wir halt jetzt ab jetzt Pech gehabt. Dann nochmal ein anderes Thema.
Miriam: Da wird jetzt vielleicht auch einer unserer vielen Hörer da draußen so was denken wie, ich bin auch an einem Sonntag geboren, ich habe keine Facebook-Gruppe, die so nett ist. Das kann ja auch passieren im Umkehrschluss. Und wo wäre dann eine Beweislage? Also wissenschaftlich belegbar ist das auf jeden Fall mal nicht. Tatsache ist es auch so, dass ich das nicht glaube, also dass ich das überhaupt nicht glaube, zumal ich den Beweis selbst schon angetreten bin. Denn ich bin ja nicht erst seit gestern auf Facebook, sondern ich gehöre mit zu den Dinosauriern da, ich bin da schon ewig. Und ich habe auch ganz andere Zeiten schon erlebt auf Facebook. Also da, wo es bei mir auf meinen Seiten… Wir haben einen Wandel bei dir.
Florian: War der vor meiner Zeit?
Miriam: Ziemlich parallel lief dieser Wandel.
Florian: Das heißt, jeder sollte einen Florian haben.
Miriam: Das wäre jetzt die zweite Regel. Also entweder am Sonntag geboren sein. Ich habe ja gesagt, dieser Podcast könnte... ist egal. Also, so. Da gab es einen Wandel. Und diesen Wandel gab es nicht bei Facebook. Das möchte ich vielleicht auch nochmal sagen. Facebook ist immer noch Facebook. Facebook war damals auch schon Facebook. Und auf Facebook darf halt jeder einfach erstmal schreiben. Ich hatte zum Beispiel nach meinen Fernsehsendungen auch häufig richtig harsche Kritik. Entweder auf meiner eigenen Seite oder dann auf der Seite von dem Fernsehkaufhaus, für das ich früher gearbeitet habe. Ich hatte Zuschriften auch per E-Mail an den Sender mit sehr viel mehr Kritik, mit sehr viel mehr Stress auch drin. Und ich habe mir schon Gedanken gemacht, wie ich das irgendwie verändern kann, nur viel leichter war damals die Annahme, dass das eben auch die Doofen sind. Also, dass die auch mit jedem Menschen und mit jedem Produkt ein Problem haben.
Florian: Das kenne ich so gut. Wenn ich Veränderungsprojekte in Firmen mache, eine Annahme, mit der ich schon häufiger intern bei irgendeinem Kunden konfrontiert wurde, war, naja, du hast halt 30 % Mitarbeiter, die gehen einfach gerne mit, die wollen was Neues ausprobieren, die möchten Veränderungen haben, die bringen da Energie rein, die gehen mit. Hast 30 %, die sind irgendwo so zwischendrin, so, ja, bewegen sich schon, also die lassen sich überzeugen, und 30 %, die einfach Sitzenbleiber sind. Und das ist ja so fast die gleiche Annahme, zu sagen, ja, bei Facebook, also wie viele Nutzer gibt es in Deutschland, und ein Prozent von denen sind einfach Doofis, und ab und zu läuft halt mal einer über die Seite.
Miriam: Ja, genau. Das war für mich die einfachste chemische Formel, um das irgendwie hinzubekommen, also um damit auch klarzukommen.
Florian: Hätte ich nicht gedacht, ja.
Miriam: Und deswegen habe ich da relativ wenig drauf reagiert, mich allerdings innen schon geärgert darüber. Also es ist lustig, dass es trotzdem was gemacht hat mit mir, dass ich nach außen hin das wunderbar behaupten konnte, nach innen sah es ein bisschen anders aus. Vor allen Dingen, wenn das persönlich oder beleidigend wurde oder auch richtig so ausgeartet ist in eine krasse Beschimpfung, Rufmord, also so Thesen, die aufgestellt wurden in irgendeine Richtung, da habe ich tatsächlich manchmal sogar eine Schlafhaut. Und zum Beispiel als ich meinen NLP Practitioner gemacht habe damals, hatte ich mir das auch als Thema mitgenommen. Also da habe ich daran gearbeitet, in meinen Gedanken, in meinem Kopf, wie denke ich darüber, wie gehe ich damit um, was für Gefühle mache ich mir da, wie kann ich da was dagegen unternehmen, dass es mir zumindest schon mal besser geht. Das war ein Weg.
Das Spiel zwischen Troll und Opfer — und die positive Absicht
Florian: Weil das ist ja, jetzt sozusagen, okay, es ist nicht angeboren, können wir uns vielleicht noch darauf einigen. Ist es lernbar? Ja, maybe. Nur wie? Das ist jetzt die spannende Frage. Und dann sind wir eben auch in Kommunikationsmodellen, in moderneren Kommunikationsmodellen drin, dass es eben nicht einfach so ist, dass jemand auf der Seite vorbeikommt und kurz auf die Seite kackt und dann wieder weitergeht. Sondern dass das tatsächlich eine Interaktion braucht, also dass wir sozusagen eine bestimmte Spielfläche bieten müssen als die Person, die angegriffen wird, und dann in eine bestimmte Interaktion eintauchen. In der Transaktionsanalyse wäre es ja tatsächlich ein Spiel zwischen zwei Menschen, also was bestimmte Regeln hat und wo wir sagen, oh ja, wir machen ein Spiel zwischen Troll und Opfer. Und dann wäre ja, ist relativ einfach, wenn wir bestimmte Spiele einfach nicht mitspielen, dann funktioniert das Spiel halt nicht. Und so erlebe ich das auch auf Miris Facebook-Seite. So, jetzt ist die Frage, nach welchen neuen — verraten wir das überhaupt hier — nach welchen neuen Spielregeln du jetzt spielst oder wie die Veränderung sozusagen ist?
Miriam: Also was ich auf jeden Fall, und ich kann hier nicht zehn Tage oder will hier auch gar nicht zehn Tage Practitioner-Stoff wiedergeben, weil da steckt eine Menge.
Florian: Brauchen wir denn zehn Tage Practitioner-Stoff überhaupt oder ist das in einer halben Stunde nicht einfach abhandelbar?
Miriam: Und ich sage dir, warum nicht. Es gibt sozusagen drei, vier Sprachzaubertipps, und die teilen wir ja sehr gerne auch bei unseren Facebook-Livetrainings oder hier in diesem Podcast, wo wir dir wirklich sagen, probier dies und das aus oder mach das und das. Nur, das ist eben noch nicht alleine die Miete in meiner Welt.
Florian: Und wir teilen den hauptsächlich deswegen auch kostenlos immer wieder in unseren Trainings, weil dir das beweist, dass das funktioniert. Also dass wir über zum Beispiel, das ist ja kein Riesengeheimnis mehr, über das Wort muss streichen, wenn wir das aus der Sprache heraus streichen, dann ändert sich etwas in der Interaktion mit den anderen Menschen. Das sind die kleinen Anfänge von dem Sprachzauberkasten, für den wir eben dann auch mal zehn Tage Zeit brauchen im Practitioner.
Miriam: Genau, um den vollständig aufzubauen. Und es hat etwas damit zu tun, wie sehr ich imstande bin, mich zu entspannen, Dinge vielleicht nicht mehr so ganz so ernst zu nehmen, davon auszugehen, dass auf Social Media viel gepostet wird. Und selbst wenn da etwas sehr Gemeines steht, ist es immer noch nicht tödlich. Es ist ein geschriebenes Wort, nur es bringt mich nicht um. Nicht unmittelbar, möchte ich sagen. Also nur weil ich das jetzt gelesen habe oder weil da irgendeiner was geschrieben hat, geht es mir immer noch gut.
Florian: Da gibt es ja in Amerika auch dieses schöne Zitat, dass Steine und Stöcke unsere Knochen zerbrechen können, aber Wörter uns theoretisch mal nicht...
Miriam: Gar nicht, nur so weit, wie wir das zulassen oder was wir damit emotional verbinden wollen. Und da ist ein Riesenschritt drin. Das ist eben jetzt nicht mal so schnell in zehn Minuten Podcast gemacht. Weil ich kann ja sagen, es gab ja jetzt hier einen aktuellen Vorfall. Also ich wurde ja verleumdet.
Florian: Du wurdest überhaupt nicht verleumdet.
Miriam: Natürlich wurde ich verleumdet. Und das ist doch eine Verleumdung. Früher hätte ich gesagt, das ist Rufmord. Ich hätte überlegt, ob ich meinen Anwalt einschalte. Früher hätte ich da wirklich drüber nachgedacht.
Florian: Weil jemand auf Facebook eine Frage gestellt hat, willst du sagen, was die Frage war? Sag doch. Die Frage war tatsächlich, ob Miriam bei Scientology ist. Dann sind wir ja auch beim NLP. Ich erkläre mir das darüber, dass manchmal NLP mit Scientology in Kontakt gebracht wurde, warum auch immer. Die Anfänge sind da auch gar nicht so klar. Es gibt ein paar wissenschaftliche Artikel, wo da irgendjemand mal darauf hingewiesen hat, dass das ähnlich wäre an bestimmten Stellen. In der Praxis hat sich das alles in Luft aufgelöst. Also tatsächlich lässt sich das nicht großartig nachvollziehen, was da passiert ist. So, jetzt hat jemand diese Frage allerdings auf Facebook gestellt. Vermutlich, und das ist ja jetzt reines Florian schaut in seine Glaskugel hinein, vermutlich eben aus so einem Missverständnis heraus oder aus so einer Fragestellung heraus, mal gegoogelt, Seite gefunden. So, stell ich mal die Frage. Wo ist denn das Verleumdung oder Rufmord?
Miriam: Früher hätte ich das so empfunden. Mein erster Impuls ist ja tatsächlich zu lachen.
Florian: Das ist nicht gut, ne?
Miriam: Ne, das poste ich ja dann auch nicht.
Florian: Also das ist nicht hilfreich, wenn jemand so eine Frage stellt.
Miriam: Ja, nur es ist halt so absurd, das kommt so aus dem Nichts, das ist ja so wie wenn sich jemand vor dich stellt und keine Ahnung was für eine absurde Frage stellt.
Florian: Vielleicht sollten wir als erstes einfach diese Frage auch klären, weil dann ist die aus dem Raum.
Miriam: Achso, ja, also, ich habe nichts mit Scientology zu tun. Ich habe gar keine Zeit für sowas. Also, nein. Also die korrekte Antwort auf diese Frage, hat Miriam was mit Scientology, oder ist Miriam bei Scientology, war glaube ich die korrekte Frage, lautet nein. Es gibt auch nur diese eine Antwort.
Florian: Wir haben auch nichts mit irgendwelchen anderen Sekten zu tun. Wir sind relativ unsektisch.
Miriam: Nicht relativ. Das spielt wirklich keine Rolle hier in unserem Leben. Also wir gehören da nicht zu. In keine. Und jetzt ist natürlich dann erstmal dieser Impuls zu lachen, weil das so absurd ist. Also es kommt so aus dem Nichts angeflogen. Die andere Person, die die Frage stellt, hat sich ja vielleicht schon länger drüber Gedanken gemacht oder sich das selber gefragt oder kennt den Weg, wie sie zu so einer seltsamen Annahme kommt. Und für mich kommt es ja völlig unvermittelt aus dem Nichts. So puff, dann ist es auf einmal da. Und ich denke, wow.
Florian: Also das war der konkrete Auslöser. Wir haben das mit ganz vielen anderen Themen auch schon. Da geht es auch um die Produkte von der Miri-Kosmetik. Ob da bestimmte Produkte, die da drin sind, ob das nicht XYZ ist. Schädlich, reizend, was weiß ich. Whatever, genau. Das gibt es in unseren Trainings immer wieder, in den Podcasts oder in den Videos, die wir machen. Oder es gab es eigentlich früher ab und zu mal.
Miriam: Es kommt nicht mehr so häufig vor. Es kommt auch wirklich jetzt bei Miri Kosmetik oder bei ihr, es kommt nicht häufig.
Florian: Ah, ich glaube, ich erinnere mich da an die Geschichte vom kleinen Prinzen. Der ja diese Rose auf seinem Planeten hat und der wirklich sich darum kümmert, dass diese Bäume da nicht wachsen. Erinnerst du dich? Da geht es ja wirklich darum, dass er die Bäume noch wieder entwurzelt. Also eigentlich geht es darum, dass er auf seinem Planeten immer eine wunderschöne Rose hat. Und es gibt da auch Unkraut auf dem Planeten. Und einer der Tricks, die er macht, ist, das Unkraut relativ früh zu zupfen, weil dann braucht er sich da nicht drum kümmern. Wenn das Unkraut eben mal so groß ist wie ein Baum, dann wird es nämlich auch nicht mehr so einfach zu entfernen. Und das nehme ich schon wahr, dass das auf deinen Seiten passiert, also dass das einer der geheimen Tricks ist.
Miriam: Weil Unkraut jäten könnte ja jemand auch sagen, löschen. Also es wäre ja auch sowas, auszupfen.
Florian: Auszupfen, ja. Nur, was ist sozusagen der Umgang damit? Also kloppen wir uns bei jeder kleinen kritischen Frage, fangen wir an, uns mit den Menschen zu kloppen darüber? Oder sie wegzulöschen? Oder wie gehen wir damit genau um? Und da wird es dann, finde ich, spannend.
Miriam: Es gibt eine NLP-Grundannahme, die ich sehr liebe. Und die lautet, und es ist wirklich fortgeschrittener Stoff, wir haben dazu eine eigene Folge gemacht: Jeder Mensch handelt immer in seiner besten Option. Das heißt, ich gehe davon aus, dass jeder, der da irgendwas schreibt oder irgendwas kritisiert, von sich aus gar nichts Böses damit intendiert, zumindest nicht für sich selbst. Und dass es im Grunde immer eine gute Intention dahinter gibt, wenn vielleicht nicht gerade für mich jetzt so erkennbar, dann zumindest für denjenigen, der sich so äußert. Also entweder darf da mal die Wut raus oder es ist wirklich Verunsicherung im Raum und derjenige möchte sich selbst helfen. Oder keine Ahnung, vielleicht macht es ja auch Spaß, zwischendurch mal so ein bisschen Unruhe zu säen. Es gibt ja auch welche, die haben da Freude dran. Auch selbst das wäre ja eine positive Intention von demjenigen selbst, dass er sich damit prima entertaint. Genau, da ist mal was los im Karton. Und das bringt mich persönlich, und ich weiß, das kann jetzt vielleicht nicht jeder nachvollziehen, nur mich persönlich bringt das schon mal in den Zustand, den ich gerne haben möchte, um zu antworten. Also das bringt mich in eine bessere Verfassung.
Florian: Die Tatsache, dass du weißt, jeder handelt aus einer positiven Grundhaltung heraus, aus dem jeweils individuellen Wertbild.
Miriam: Genau, aus dem individuellen Wertbild. Das hat mir unfassbar die Augen geöffnet. Ich weiß gar nicht, wie ich das erklären soll. Da war für mich auf einmal die Welt anders, als ich das für mich verstanden hatte.
Florian: Und das ist jetzt einer der Punkte, wo wir eben sagen, dafür brauchen wir die längere NLP Practitioner-Ausbildung, weil das kognitiv zu verstehen, dass das eine gute Idee ist und dass wir uns gemeinsam rational darauf einigen, jo, ist eine super Idee, easy. Nur das tatsächlich auch zu leben in der Praxis, da fängt es dann eben an.
Miriam: Und das hat auch was mit Entspannung zu tun. Also dass ich mich darauf entspanne, dass es da draußen, Florian hat das schöne Wort geprägt, so viele individuelle Schneeflöckchen gibt. Und jeder lebt eben in seiner Blase, in seiner Bubble, in seiner Welt, mit seinen Herausforderungen, mit seinem Kram, mit seinen Freuden, mit seinen Leiden, mit allem, was da ist.
Florian: Mit seinem manchmal Teile der Welt wahrnehmen und eben Teile der Welt nicht wahrnehmen.
Miriam: Richtig. Und das ist ja überhaupt nicht einfangbar für mich. Ich unterstelle grundsätzlich jedem Menschen, der sich auf meiner Seite engagiert, erstmal ein Danke, weil er schenkt mir Zeit und Aufmerksamkeit.
Florian: Bist du Mutter Miriam, die alle Leute auf deiner Facebook-Seite lieb hat?
Miriam: Nein.
Florian: Weil jetzt sollten wir, boah, vielleicht sollten wir doch mal separieren.
Miriam: Ich finde auch, also es ist auch de facto, wer mich kennt, weiß das auch, es ist nicht so, dass ich Unhöflichkeit, Verletzungen, dass wenn jemand wirklich, Entschuldigung, wenn ich mal so sage, beschissene Umgangsformen pflegt im Umgang mit anderen, dass ich das für gut befinde, ich persönlich. Wir sind Kommunikations- und Sprechtrainer. Wir legen sehr, sehr viel Wert auf achtsamen Umgang mit Worten. Wir wissen, was Worte tun. Und wir wissen, wie sehr wir Menschen mit dem, was wir sagen, tatsächlich auch in eine bestimmte Richtung gehen. Das machst du übrigens auch, der du uns zuhörst. Da brauchst du keine Ausbildung für. Eine Ausbildung brauchst du, wenn du es endlich bewusst machen möchtest. Nur da passiert ja ganz viel Unbewusstes auch. Aus dem Affekt würde ein Richter sagen. Aus dem Affekt scheiße gebrüllt. Aus dem Affekt irgendwas geschrieben, weil eben so ein Gefühl im Körper war, was raus wollte, und dann kriegt eben irgendeiner was auf die Mütze. Und ich heiße das nicht für gut. Und es gibt deutlich Momente, wo ich in meinem Leben auch sagen würde, mit diesen Menschen möchte ich nichts zu tun haben.
Konkrete Tricks: geschlossene Fragen, Aufmerksamkeit lenken
Florian: So, lass uns mal die einfachere Variante vielleicht nehmen, also die, wenn jetzt jemand wirklich einfach — also wir unterstellen positive Absicht und wir sagen, boah, die einzige positive Absicht, die uns bei dieser Frage einfällt, ist, sich selbst irgendwie jetzt kurz mal zu entertainen und mal eine Gruppe aufzumischen. Also jetzt mal so richtig hart abgecancelt. Wenn wir diese Entscheidung treffen würden, das heißt am besten, wir halten es ruhig und das wollen wir jetzt auslaufen lassen. Was machst du mit sowas?
Miriam: Grundsätzlich finde ich es schon mal sehr cool, Fragen direkt zu beantworten. Also Fragen sehr wörtlich zu nehmen. Das bedeutet allerdings, sie in Ruhe durchzulesen. Manche Menschen formulieren nämlich was, was vermeintlich wie eine Frage oder eine Aufforderung klingt, nur es ist gar keine. Dann gibt es Menschen, die formulieren eine Frage, die wirklich nur mit Ja oder Nein zu beantworten ist. Eine geschlossene Frage. Und das mache ich dann auch. Die erwarten dann zwar eine riesen Rechtfertigungsrede oder einen Mordsrumtata, nur cool ist... Also falls du dich jetzt fragst, was ist denn eine geschlossene Frage?
Florian: Bist du schwanger? Ja.
Miriam: Ich habe dich heute in einem Kleid gesehen mit A-Linien-Schnitt. Bist du schwanger?
Florian: Oder der typische, sag mal, weißt du wie viel Uhr es ist? Auch die genervte Antwort darauf ist ja, ja. So, und auf solche Fragen, wenn die mit Ja oder Nein beantwortet werden können, dann einfach ein Wort schreiben und dann machst du gar nichts mehr, oder was? Ich weiß, dass du noch nebenbei was anderes machst. Bestimmt machst du auch noch so Ablenkungsmanöver auf dem ganzen Thread.
Miriam: Ja, mach ich auch. Das wäre die einfachste Variante.
Florian: Also du antwortest da drauf mit einem Ja oder Nein, was ganz Kurzes.
Miriam: Wenn die Frage direkt an mich gestellt ist und wenn es so eine Frage ist, antworte ich mit Ja oder mit Nein.
Florian: Wenn die nicht an dich direkt gestellt ist, dann antwortest du gar nicht. Und alle anderen in dem Thread bekommen ein Like oder was? Oder ein Danke oder eine Interaktion?
Miriam: Je nachdem, was die machen. Die einen bekommen Fleißbienchen, die anderen bekommen, ne? Also, da bin ich dann auch wieder witzig. Also, das ist ja dann nun wieder witzig.
Florian: Das wäre diese Beschäftigung mit dem Positiven und dieses Positive eben unterstützen irgendwie.
Miriam: Volle Kanne. Weil da bin ich ja auch selbst viel lieber drin.
Florian: Ich glaube, dass du auch noch viel strategischer bist.
Miriam: Auch das. Zum Beispiel gibt es eben die Möglichkeit, eine sogenannte Aufmerksamkeitsverteilung zu betreiben auf Instagram oder Facebook. Weil der Thread, der die meisten Postings hat, der die meisten Antworten hat, wo die meiste Interaktion ist, die meisten Likes hat, der rutscht in der Gruppe oder auf einer Seite immer ganz nach oben.
Florian: Mhm.
Miriam: Das heißt, wenn es jetzt um ein Posting geht und unten drunter stehen ganz viele komische Sachen, dann antworte ich einfach auf die netten Sachen, alle mit vielen Dank, super, schön, das ist ja lieb, dass du das schreibst, boah, das gefällt mir. Und dann rutscht sozusagen ein Mecker-Posting immer weiter nach unten.
Florian: Ja, wenn wir karmisch vorgehen würden, wäre das immer weiter im Nirwana. Nach einer sehr manipulativen, dunklen Seite der Machtnutzung.
Miriam: Soll ich dir was sagen? Das ist hochgradig manipulativ mir selbst gegenüber. Weil da fühle ich mich nämlich super wohl bei. Spätestens nach dem dritten Mal ein schönes Kompliment lesen oder eine nette Äußerung fühle ich mich schon viel besser. Geht's mir schon viel besser.
Florian: Also du sorgst dich um dich selber.
Miriam: Volle Kanne. Und dabei tue ich anderen auch noch was Gutes. So, und jetzt kommt der nächste. Wenn das ein richtiges Posting ist, was also blanco zu sehen ist, sozusagen in einer Gruppe oder auf einer Seite, dann poste ich was Nettes dagegen. Und zwar nicht jetzt im Sinne von, dass ich das Thema aufgreife, sondern zum Beispiel auf meiner Kosmetikseite wird am allerliebsten über was geschrieben? Über Kosmetik. Da sind lauter Leute, die sich für Kosmetik interessieren. Auf unserer kontext*denken-Gruppenseite, über was wird da am liebsten geschrieben?
Florian: NLP oder unsere Trainings.
Miriam: Kommunikation, NLP, Verkauf, was weiß ich, so alles, wo eben geredet wird. Das heißt, dort eine Frage zu posten, wie jetzt, ich nehme jetzt mal die Kosmetik-Seite, was magst du am liebsten unter deinem Make-up für eine Pflege? Das ist eine Frage, da drehen Kosmetikverrückte drauf durch, weil das macht Spaß. Da gibt es dann Tipps, jeder benutzt was anderes, jeder mag was anderes am liebsten. Und dann gibt es ratzifatzi da unten drunter Antworten auf diese Frage.
Florian: Es fühlt sich ja schon ein bisschen gemein an jetzt.
Miriam: Nein, wirklich, das ist eine der Freiheiten in meinem Leben, die ich mir nehme, mich mit Dingen zu beschäftigen, die sich für mich richtig gut anfühlen.
Florian: Florian hat es ja so schön gesagt, wenn einer auf die Seite kackt.
Miriam: Ich bekomme durchaus kritische Fragen, die ich mega geil finde. Da freue ich mich auch ganz offensichtlich drüber.
Die kritische Frage als Chance: von der Skepsis zur Bestellung
Florian: So, und jetzt gehen wir mal da rein. Weil manche von diesen kritischen Fragen, die da gestellt werden, die sind halt einfach unhöflich wie Bolle gestellt. Also da kommt jemand wirklich, weiß ich nicht, zwischen Tür und Angel, und das ist eben wieder, dann sind wir wieder in dieser positiven Grundintention, ärgert sich vielleicht über irgendwas, denkt dann... Boah, dass die das macht, das hätte ich nicht gedacht. Ich hatte so ein schönes Bild von der, oder ich glaube doch daran, dass die Miri gute Sachen macht. Ich glaube doch daran und jetzt habe ich diese Befürchtung. Und dann brötzeln die das manchmal so auf die Seite drauf. Ich erinnere mich an eins jetzt. Vorher-Nachher-Bilder im Fernsehkaufhaus.
Miriam: Das stimmt. Ja, zum Beispiel. Das war auf Instagram. Da ging es dann kurz um dieses Vorher-Nachher-Thema. Übrigens aus einem ganz anderen Thema heraus. Ich hatte nämlich über viel Schminke vor Fernsehkameras gesprochen. Also über die, die sich da bewegen, und nicht über Fotos, die gezeigt werden. Und da kam dann dieses Ja-vorher-nachher-Bild, so das ist doch alles nicht echt. Und ich finde das okay, wenn jemand das anzweifelt und das höflich formuliert. Und das war wirklich, also das war mit Intention geschrieben. Und dann…
Florian: Ist jetzt unsere Glaskugelleserei. Wir waren ja nicht drin.
Miriam: Es waren keine Schimpfworte drin. Es ging nicht persönlich gegen irgendeinen Menschen speziell. Es war auch keine echte Frage. Es war mehr so eine Feststellung. Und da habe ich dann einfach in meiner Welt eben auch entsprechend nett und am Punkt geantwortet, nämlich inhaltlich drauf. Und da entstand ein wunderschöner kurzer Dialog draus, und diese Frau, die das geschrieben hat, die hat mir einen Tag später dann eine Privatnachricht geschrieben, wo sie mir dann gesagt hat, ich habe mir jetzt was bestellt von dir, weil ich das echt sympathisch und nett finde, wie du das erklärst und ehrlich und authentisch. So, das heißt, wir kommen sozusagen mit einem Zulassen, mit einem Drauf-Eingehen, mit einem Verstehen, dass ein anderer Mensch eben auch Bedenken haben könnte oder erstmal kritisch ist, kommen wir viel weiter. Das ist ja auch das gute Recht von jedem Menschen, finde ich.
Florian: Und eben, also das ist die zweite Annahme dann, die sich bei mir eben so verfestigt, dass die Menschen tatsächlich interagieren möchten. Also, dass wenn jemand was schreibt, dass da tatsächlich ein Interaktionswille drin ist, und manchmal ist der für mich fast nicht entschlüsselbar über die Wortwahl oder über die Satzzeichenwahl, oder manchmal habe ich eben das Gefühl, ich fühle manche Emojis anders als andere Menschen. Und nur dieser positive Intentionswille, den vorausgesetzt, zu sagen, grundsätzlich geht es jetzt hier darum, dass zwei Menschen sich unterhalten oder miteinander irgendwie Spaß haben.
Miriam: Oder dass da mal jemand Aufmerksamkeit auch haben möchte. Also wirklich, von ganzem Herzen. Ich stifte so gerne Aufmerksamkeit. Ich bekomme selbst gern welche und ich stifte auch gerne. Das ist voll gut. Ich liebe das.
Florian: Oder eben bei der kritischen Frage, dass es eine Auseinandersetzung mit der Marke ist und vielleicht der Wunsch, dass das, was anders sein könnte. Also wenn es um Inhaltsstoffe geht oder wenn es um bestimmte Trainingskonzepte geht. Und es geht eben darum, wie möchtest du denn, wenn du tatsächlich so öffentliche Seiten betreibst, wie möchtest du in einem Jahr oder in zwei oder in drei Jahren deine Seite denn haben? Also wie würdest du es dir denn idealerweise vorstellen? Was ist das, was vielleicht deine Kunden oder deine Fans auch für dich tun können? Also tatsächlich auch einen Teil deiner Seite zeigen, und Miriam macht das brillant in den Trainings. Falls du mal beim Training am Mittwoch dabei warst oder bei so einem Facebook Live, am Schluss gibt es typischerweise Applausstürme, diese Applaus-Emojis, die dann kommen, weil Miriam klargemacht hat, dass das etwas ist, was ihr gefällt. Und das macht das Ganze irgendwie, dann weiß ich plötzlich auch, was ich tun kann, um was zurückzugeben.
Miriam: Ich habe ja wirklich, also ich bin mit allem, was ich mache, umgeben von Menschen, die wundervolle Sachen schreiben, die mir tolle Nachrichten schicken, die uns beide, Florian und mich, als Trainer lieben, die unsere Arbeit mögen. Ich bin für mich sehr transparent, wie ich bin, wie ich mich verhalte, was ich aussende an Signal, und ich habe das Gefühl, dass genau solche Menschen auch zu uns finden.
Der eigene Zustand zuerst — und warum es keine Blaupause gibt
Florian: Und dann darfst du dir eben überlegen, wie hättest du es denn gerne in zwei Jahren, in drei Jahren, in fünf Jahren? Da haben wir tatsächlich uns auch viele Gedanken drüber gemacht. Wir träumen auch an der einen oder anderen Stelle darüber. Wir reden darüber. Wir malen Bilder darüber. Insgesamt ist unsere ganze Unternehmung auch so aufgesetzt, dass wir eben auch in 20 Jahren oder in 30 oder in 50 Jahren dieses gleiche Geschäft noch haben möchten. Also um jetzt ganz frisch bei Simon Sinek zu sein, wir spielen eben das unendliche Spiel des Unternehmens und nicht ein kurzfristiges. Und dann haben wir andere Regeln, die wir anlegen, und eine andere Interaktion, die wir zum Beispiel in Gruppen einziehen möchten. Es gibt ja noch den einen oder anderen Zaubersatz.
Miriam: Das stimmt. Wunderschöne Zaubersätze gibt es.
Florian: Aus dem NLP heraus. Weil ich weiß ja, dass da Muster drin sind, in denen du antwortest, Miriam.
Miriam: Ja, das stimmt. Ja, das ist so. Da fängt für mich der eigentliche Zauber der Sprache an und der uneigentliche auch. In dem Verstehen dieser Tiefen- und Oberflächenstrukturen von Sprache. Das ist die Akrobatik, die ich so liebe, das ist diese Kunst, da wird Sprache für mich virtuos, und da fühle ich mich total zu Hause. Das ist für mich der Kern des NLP, also dieses neurolinguistischen Programmierens, was ja ein Kommunikationsmodell ist und was tatsächlich alles einbezieht, die Grammatik, die Wortwahl, also auch die Inhalte, welche Inhalte beschreibt jemand wie. Mit welchen Worten, genau. Das ist so cool. Und das klar zu haben und da direkt drauf einzugehen, das hat übrigens tatsächlich, nur um in diesem Podcast auch wirklich Mehrwert für dich rauszugeben, das hat was damit zu tun, eine Frage sehr unmittelbar, so wie sie gestellt ist, zu beantworten. Und nicht da noch mehr reinzutun, als gefragt wurde, zum Beispiel. Da fängt das an. Das ist der klitzekleine Anfang.
Florian: Dass du eben in einen entspannten Zustand erstmal reingehst und egal, was sozusagen eine Frage ausgelöst hat, erstmal kurz in die Entspannung reingehen. Und ich glaube, du hast ja so eine Regel intern bei dir, Miri, dass du antwortest nicht, wenn...
Miriam: Grundsätzlich antworte ich auf Social Media, wo es jeder lesen kann sozusagen. Und selbst wenn ich eine E-Mail beantworte übrigens, ist das so. Antworte ich nicht, bevor ich mich nicht so fühle, wie ich mich fühlen will. Also um etwas sinnvoll zu beantworten. Das bedeutet frei, fröhlich, entspannt, witzig, humorvoll. Das sind die Attribute, die ich mir zusammengesetzt habe. So will ich mich idealerweise fühlen, um eben irgendwelche Fragen zu beantworten, E-Mails zu beantworten, selbst E-Mails zu schreiben, also direkt loszulegen. Auch wenn ich ein Posting machen will, möchte ich mich erst so fühlen, wie dieses Posting sich auch für andere Menschen anfühlen soll dann. Also den Aufwand betreibe ich sozusagen für mich, und Aufwand ist vielleicht das falsche Wort, weil ich habe das geübt, das geht bei mir sehr schnell. Ich weiß auch, wie ich es mache. Wir haben x Podcast-Folgen zu, wie bringst du dich in bessere Laune. Also gute Musik hören, Kaffee kochen, was auch immer. Ja, und das mache ich ganz aktiv. Ich wende NLP an, ich benutze das. Wirklich, ich benutze das.
Florian: Den Zaubersatz bekomme ich heute nicht aus dir raus, oder?
Miriam: Hahaha. Du, pass auf, nichts lieber als das, ich würde den so gerne jedem schenken, und der bedingt einfach schon sehr viel mehr inneres Verständnis als das, was wir in einem Podcast in einer halben Stunde vermitteln können und wollen. Es geht nicht. Dafür gibt es ja die NLP-Ausbildung, dass wir das auch verstehen, dass wir nicht irgendwas auswendig lernen und es dann vielleicht irgendwo hin platzieren, wo es gar nichts zu suchen hat, sondern dass wir das verstehen, dass wir es durchdringen, dass wir es verinnerlichen.
Florian: Ich bin so super froh, das ist ja auch manchmal die Hoffnung, dass es so eine Blaupause gibt und dass wir dann sagen, naja, was, wenn eine NLP-Ausbildung nur 30 Minuten dauern würde? Wenn wir sagen, es gibt eine Blaupause, hier sind deine neuen Kommunikationsregeln, wenn X passiert, dann mach Y, und dann gehen die Leute raus und dann ist alles prima. Da steckt ja was anderes auch noch drin, nämlich dass das mit der Kommunikation tatsächlich so einfach lösbar ist und dass das so durchschaubar ist und dass das so vorhersagbar ist, so offensichtlich. Und damit wäre ja alles, was bisher gelaufen ist, auch schlecht, das wäre ja echt falsch gewesen.
Miriam: Das ist ja fast philosophisch, was du jetzt machst.
Florian: Sondern die Tatsache, dass wir eben keine Blaupause haben können, dass es keine einfache Lösung gibt an der Stelle, sondern dass wir mit bestimmten Prinzipien arbeiten können, dass die Interaktion mit anderen Menschen eben immer wieder neu ist, dass wir all diese individuellen Schneeflöckchen da draußen haben. Jeder einzelne von uns. Ich selber in jeder Interaktion, dass da Dinge passieren können, die wir nicht vorhersagen können. Und dass wir gleichzeitig mit NLP einen Werkzeugkasten an der Hand haben, um die Wahrscheinlichkeiten zu verändern, dass wir das Ergebnis bekommen, was wir gerne hätten. Funktioniert das in 100 % aller Fälle? Also wenn jemand tatsächlich partout etwas nicht haben möchte? Kriegen wir es ihm sozusagen maximal für 5 Minuten auf die Backe gespatzt. Und dann, wenn er sich wieder umdreht, gibt es die Rotkutsche. Das wollen wir ja auch nicht haben. Sondern wir möchten ja eine langfristige, bessere Kommunikation haben, eine langfristige Kundenbeziehung auch haben. Und an der Stelle können wir tatsächlich was ändern an den Wahrscheinlichkeiten. Und dann ist es Kommunikation als Tanz.
Miriam: Der erste Schritt ist entspannt und witzig. Da ist Florian eh mein bestes Vorbild. Der kann das so gut, wenn er das will. Das ist wirklich verrückt. Florian lacht auch an Stellen, wo ich vielleicht noch bis vor kurzem, bis vor einiger Zeit, irgendwelche Herausforderungen gespürt hätte für mich. Und die gibt es tatsächlich nicht. Weil nochmal, das, was auf Social Media passiert, das, was da draußen geschrieben wird in Social Media, ist einfach ein geschriebener Satz.
Florian: Und wie wäre es, wenn die Person das tatsächlich nett gemeint hat?
Miriam: Das ist ein sehr großer Schritt, und ich lebe damit sehr viel besser, und meine Seiten sind damit sehr viel klarer und ruhiger.
Broken Windows und „you go first“
Florian: Ja, Tatsache. Weil das ist ja das, dann kommen wir ja zum Anfang zurück, das ist ja das, was tatsächlich dann eben lernbar und trainierbar ist. Miriams Seiten sind ein Paradebeispiel dafür, also tatsächlich jede einzelne. Manchmal kommt irgendwas hoch, und es ist wie als würde ein junger Spries Unkraut relativ sanft rausgehoben, bevor es überhaupt richtig zum Unkraut werden kann. Und dadurch kann die Rose weiter wachsen, und dadurch ist es einfach eine sehr gepflegte Umgebung, in der auch nichts passiert, weil alle sehen, wow, das sind sehr gepflegte Seiten, das alles ist gut und das ist eine schöne Umgebung.
Miriam: Da bin ich auch gern. Also das ist ja dann auch sehr einladend für alle, die einfach Spaß haben wollen mit einem bestimmten Thema oder das, was du da stiftest auf deinen Social Media Plattformen. Du stiftest dort ja was, egal was es ist. Ob es du selbst bist, dein Privatleben, deine Hobbys, dein Beruf, was auch immer du da tust, du stiftest den Menschen was, und es ist toll, wenn die sich dort versammeln, die da auch Freude dran haben.
Florian: Boah, jetzt könnten wir gerade noch einen Abzweig machen Richtung Broken Window Theory, aber vielleicht machen wir das nicht.
Miriam: Vielleicht machen wir das einfach im nächsten Podcast, dann haben wir gleich schon wieder ein Thema.
Florian: Da sind wir jetzt direkt drin. Echt? Ja, das ist diese These, und wir lassen es dann einfach dabei. Das ist diese Vermutung, dass eben — es hat zum Beispiel zum Umgang mit Kleinstverbrechen und Kleinstgrenzüberschreitungen in New York dazu geführt. Die Frage ist, wenn ich bei so einer alten Fabrik, die irgendwo steht hier in Krefeld, wenn da schon eine Scheibe eingeschmissen ist, eine. Die Frage ist, wie wahrscheinlich ist es, dass noch eine zweite eingeschmissen wird, versus wenn daneben ein Gebäude ist, wo noch keine Scheibe eingeschmissen ist. Weil sobald wir Menschen eben sehen, da ist ein bestimmter Umgang, ist da okay, fangen manche Leute halt auch an, sich dementsprechend zu verhalten. Das ist die Idee dahinter. Und eben wenn deine Seite eine sehr einladende, sehr höfliche Seite ist insgesamt oder deine Social Media Präsenz, wenn die das ausstrahlt von innen heraus, das ist dann wie eine Immunisierung da gegen alles Mögliche, was da von außen ankommt, weil das macht dann auch wenig Spaß da drin.
Miriam: Ja, und ich habe den Eindruck, dass ich wieder — und da sind wir wieder bei dieser, das lehren wir so jede Woche auf Facebook im Grunde, you go first. Also ich bin diejenige, die auf dieser Seite als allererstes leuchtet. Florian und ich sind die maßgeblichen Vorleber. Wir haben unser Team noch mit dabei, die machen das sowieso super, das sind super liebe, lustige Menschen, performen das. Florian und ich sind diejenigen, die das als allererstes tun dürfen. Wie schreiben wir was? Wie posten wir was? Welche Worte wählen wir? Wo setzen wir unseren Humor an und wo auch nicht? Machen wir uns über andere lustig? Also ist das eher kernig? Ist das eher elegant? Also wie hätten wir das gerne? Und da machen wir uns wirklich, also wir nehmen das bewusst. Wir lassen das nicht, manche Menschen lassen es so laufen. Das erinnert mich an Pippi. Nur, das ist es ja eben nicht. Sondern wir machen uns sehr bewusst Gedanken darüber, was hätten wir da gerne für Themen. Wie soll es in fünf Jahren aussehen? Wie soll das weitergehen? Und wer ist dann da alles? Und wie verhalten sich die Menschen dann miteinander da? Und ich sag euch, das wird immer witziger. Das ist mega.
Florian: So. Ich weiß nicht. Im fünften Jahr haben wir viel längere Episoden.
Miriam: Das ist witzig. Ja, wir sollten jetzt direkt... Ja, wir sind jetzt bei 40 Minuten. Hei, hei, hei, Schluss jetzt hier. Das ist ja Luxus-Podcast. Nee, reicht. Wir haben genug gesagt zu dem Thema. Schöne Tipps dabei. Und es ist kein ganz klassischer NLP-Podcast, und wir haben dir die NLP-Punkte markiert, die wir hier sehen und hören und spüren.
Florian: Und ich glaube, dass wir damit... Für mich ist es ein super klassischer NLP-Podcast, weil wir tatsächlich... Es ist eben ein Werkzeugkasten und wir benutzen den, an allen Stellen. Und das ist das, was, dann bleibt es nicht einfach bei, ich habe mal eine NLP-Ausbildung gemacht, ich weiß, was das ist, sondern dann wird es plötzlich interessant.
Miriam: Ja, dann wird es cool. Ach, herrlich. So, wir machen einfach weiter, weißt du?
Florian: Ja, nächste Woche.
Miriam: Nächste Woche. Denkt dran, noch ein paar Tägelchen könnt ihr bei uns gewinnen.
Florian: Die Episode 208, unsere Vier-Jahres-Episode. Genau. Da ist irgendwo etwas drin versteckt zum Gewinnen, wenn du uns dann eine E-Mail schreibst.
Miriam: Genau. Schreibst du uns eine E-Mail, kannst du gewinnen. Ihr Lieben, macht's gut.
Florian: Bis nächste Woche.
Miriam: Tschüss. Tschö. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.