NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 34

Stimmtraining – klingst Du wie ein Glöckchen oder wie eine Tuba oder kannst Du beides? Ein Trainingspodcast.

Es ist sehr entscheidend, wie Deine Stimme klingt. So entscheidend, dass ein liebevolles Wort ganz anders aufgefasst werden kann - oder eine spannende Story superlangweilig rüberkommt.

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In dieser Folge

Darum geht es

Miriam Deforth arbeitet seit fast 20 Jahren als Moderatorin für TV-Sender und Radiostationen. Seit 15 Jahren ist sie Trainerin für Rundfunksprechtechnik, Theatersprache und Kommunikation. Dieser Podcast - das kannst Du Dir denken - ist einer ihrer Lieblingspodcasts. Jetzt schon. In regelmäßigen Abständen nehmen wir uns Sprechtechnik- und Stimmbildungsthemen mit vor's Mikrophon. In diesem Podcast geht es hauptsächlich darum, wie Du Deine Stimme noch voller, klarer, vielseitiger und pfiffiger klingen lassen kannst. Dabei lassen Florian und Miri wie gewohnt den bitteren Ernst, der oft der "hohen Kunst des Sprechens" beigemessen wird, mit Frack und Unterbuxe zur Hölle fahren und machen es Dir leicht, ganz einfach und effektiv zu üben. Und - vor einer guten Stimme kommt die gute Stimmung! Immer dran denken ;-). Viel Freude beim Mit-Tönen und Mitbrummen. Für mehr Stimmtraining besuch gerne unser Seminare: www.kontext-denken.de Dein Feedback und Deine Fragen schreibst Du einfach an miriam@pergaudiaadastra.de Und wenn Du uns öffentlich die Meinung sagen möchtest: https://www.facebook.com/Miriam.Deforth.kontext.denken/ Unseren Video-Podcast (ja, da sind wir zu sehen) findest Du hier: https://www.youtube.com/playlist?list=PLfj4P7lArPJDwiEArD6euHknuqZzbA3EX 

Konkret geht es um einen kostenlosen Trainingsplan für Deine Stimme: mit großer Freude ausprobieren, Deine wohltönendste Stimmlage finden (Kaiserschmarrn, Pizza Diavolo oder ein Lieblingsduft helfen dabei), Kinderbücher mit verschiedenen Charakterstimmen vorlesen und Dich selbst aufnehmen und anhören. Miriam und Florian sprechen darüber, wie Körperhaltung, Tempo und Klang die Wirkung Deiner Stimme verändern - und warum das Aus-der-Nase-Reden oder eine gequetschte Oberlage beim Zuhörer nicht gut ankommt. Ein Trainingspodcast für alle, die viel sprechen: Speaker, Moderatorinnen, Führungskräfte, Vorlesende. Ohne bittersten Ernst, dafür mit Bär, Zeus und dem Unterschied zwischen Stimmtraining, Vocal Coaching und Logopädie.

Lesefassung

Das vollständige Transkript

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Kapitel dieser Folge
  1. Kein Gesangspodcast — und trotzdem geht's um deine Stimme
  2. Warum die Stimme über das entscheidet, was ankommt
  3. Körperhaltung, Klangkörper und das Aus-der-Nase-Reden
  4. Ausprobieren mit Freude — die Bandbreite deiner Stimme kennenlernen
  5. Was Klang auslöst — vom Welpen bis zum brasilianischen Vortrag
  6. Der Trainingsplan: Kinderbücher, Basisstimme und das eigene Instrument
  7. Dialekt, Selbstaufnahme und warum das kein Hexenwerk ist

Kennst du diese eine Stimme, bei der du am liebsten nicht mehr auflegen würdest? Miriam beschreibt eine Anruferin, die klingt wie eine Disney-Prinzessin — und macht daran fest, was Stimme eigentlich kann. In dieser Trainingsfolge geht es nicht um Wortwahl, sondern um Klang: darum, mit deiner eigenen Stimme zu spielen, zu übertreiben, mal zu brummen und mal zu piepsen. Und ja, mit Bär, Zeus und Kaiserschmarrn.

Kein Gesangspodcast — und trotzdem geht's um deine Stimme

Miriam: Ein bisschen mehr Wumms.

Florian: Wumms. Das war toll. Willkommen beim Podcast für Sänger und Gesangte.

Miriam: Das war so nicht abgesprochen. Das ist kein Gesangspodcast.

Florian: Ach so.

Miriam: Wir sind Sprecher.

Florian: Willkommen beim Sprecher-Podcast für Sprecher und Gesprochene.

Miriam: Und für deine Stimme.

Florian: Und für deine Stimme. Das Thema heute ist ein Thema, bei dem hauptsächlich Frau Deforth, meine wunderbare Gesprächspartnerin, ihre Expertise an euch weitergeben wird. Es geht nämlich darum, wie kann ich eigentlich meine Stimme trainieren und kommt vor der guten Stimme auch die gute Stimmung. Genau. Aus der Nase raus sprechen, hört sich immer gut an. Wir hatten so einen Podcast über Kritik. Kritik aus der Nase raus, besonders wirksam.

Miriam: Stimme ist was Wunderbares. Und etwas sehr Macht- und Kraftvolles. Ich habe bei QVC gelegentlich eine Anruferin, vielleicht hört sie sogar diesen Podcast. Die klingt wie eine Disney-Prinzessin. Wenn die am Telefon ist, bin ich sofort im Cinderella-Schloss. Ich möchte nicht, dass die auflegt, wenn die anruft. Die kann irgendwas erzählen. Es ist eine besondere Stimme. Es ist eine sehr helle Stimme. Helle Frauenstimmen können auch piepsen oder sägen oder knirschen. Und sie hat dieses Glöckchen in der Stimme. Also wenn sie hell spricht. Es ist super, super verzaubert. Und auch wenn sie lacht, dann perlt das so in den oberen Lagen. Und warum wir diesen Podcast überhaupt machen, ist, weil die Stimme von unterschiedlichen Seiten betrachtet werden kann. Es gibt klassisches Stimmtraining, Vocal Coaching, Stimmbildung. Da geht es um Technik. Es gibt eine deutliche Aussprache. Da gehen wir fast schon in die Logopädie. Also das heißt, wie Formel...

Florian: Dass man die Worte nicht so aneinander schlürt.

Miriam: Oder auch Sprachfehler, in Anführungszeichen, dass jemand besonders lispelt, wenn er spricht. Was?

Florian: Oh, das war schlimm, als ich mal Eistee beim Kellner bestellt habe, der gelispelt hat. Das stimmt.

Miriam: Das ist super lustig. Florian adaptiert sofort, wenn wir irgendwo sind, Dialekte, Sprachgewohnheiten. Das ist toll. Und dieser Kellner lispelt und ich dachte schon, oh nein. Und Florian hat...

Florian: Dann hat er mich gefragt, möchten Sie auch einen Eistee? Ja, auch einen Eistee für mich.

Miriam: Es gibt auch dieses Hinken-Lisping.

Miriam: Hinken-Lisping? Ja, es gibt es auch bei manchen Menschen. Das ist was anderes, das hat nichts mit Sprachbildung zu tun.

Florian: Dann sind wir im Bereich der Logopädie.

Miriam: Genau, ich zum Beispiel wurde auch als Lisplerin deklariert, als ich meinen Grundschultest hatte, Grundschuleinschulungstest. Und dann hat meine Mutter mit mir jeden Tag den Satz geübt, Susi isst süße Suppe.

Florian: Das heißt, ist das schon der erste Tipp? Zungenbrecher üben mit Worten, wo wir sagen, da stolpere ich noch ein bisschen, dass du immer besser wirst?

Miriam: Pass auf, du bringst gerade diesen ganzen Podcast durcheinander. Die Tipps gibt es am Ende, weil wir ja wollen, dass du da draußen diesen ganzen Podcast anhörst.

Florian: Also du da draußen, tu so, als hättest du es nicht gehört und freu dich nachher nochmal darüber.

Miriam: Genau, wir haben einen richtigen Trainingsplan für dich zusammengestellt.

Florian: Ja?

Miriam: Wo denn? Kostenlos auf diesem Podcast, in diesem, über diesem, zwischen.

Florian: Bisher noch in Miriams Kopf und gleich in diesem Podcast. Richtig.

Warum die Stimme über das entscheidet, was ankommt

Miriam: Verstehst du, warum kommen Menschen überhaupt dazu, sich über ihre Stimme Gedanken zu machen? Manche machen das ihr ganzes Leben lang nicht und es ist auch okay. Ja. Andere wiederum tun es, weil sie beruflich viel mit der Stimme arbeiten, weil sie viel sprechen, weil sie dozieren, weil sie lehren, weil sie Speaker sind, weil sie Vorträge halten, weil sie Referate halten.

Florian: Ja, also als Speaker oder als Vortragender verstehe ich es ja noch nur so im normalen Alltag.

Miriam: Weil sie Schauspieler sind, weil sie Moderatoren sind oder weil sie zum Beispiel vor ihren Mitarbeitern viel sprechen. Mit ihren Mitarbeitern.

Florian: Aber ist doch egal, wie ich mit meinen Mitarbeitern rede, oder? Los Klaus!

Miriam: Da sind wir an dieser Stelle. Mit der Stimme.

Florian: Das hört sich einfach unentspannter an, oder? Ist völlig egal, welche Botschaft da kommt. Das hast du richtig gut gemacht.

Miriam: Ja, die Stimme macht viel, viel, viel mehr aus, als Menschen denken würden. Vor allen Dingen bei dem, was beim Gegenüber ankommt. Und eins der goldenen Kommunikationsgesetze, nicht nur bei uns und bei den Seminaren, die wir geben, sondern generell ist ja, wichtig ist, was ankommt, nicht was du sagst. Und da ist die Stimme beteiligt. Die Stimme kann dafür sorgen, dass Botschaften so ankommen, wie du sie auch gemeint hast.

Florian: Mein Lieblingssatz an der Stelle ist, Communication is what the listener does. Kommunikation ist das, was der Zuhörer dann tut. Von zwei Managern, Manager-Tools.

Miriam: Noch einen Schritt weiter. Ja. Klar, wir reden jetzt nicht über die Wortwahl, Zaubersprache haben wir ganz oft zum Thema. Das ist unser Lieblingsthema. Heute ist es der Klang, der das Ganze mit beeinflusst.

Florian: Also wir haben die gute Stimmung schon vorausgesetzt und die gute Stimme kommt jetzt vorher.

Miriam: Die gute Stimme kommt vorher. Warum sitzt du so komisch da? Warum nicht? Du sitzt total... Warum hast du die Hände hinterm Rücken?

Florian: Um dich gleich zu erschrecken. Wenn du was komisches sagst. Jetzt wirklich? Nein. Okay. Es war nur so eine Frage. Um mehr Volumen in der Brust zu haben. Um mehr aus dem... aus der Lunge heraus reden zu können. Fühlt sich gut an? Ist das auch mal anders? Ja, klingt auch anders. Bis wohin geht dein Atem noch? Soll ich mich lieber mal vorbeugen?

Körperhaltung, Klangkörper und das Aus-der-Nase-Reden

Miriam: Ja, wie wäre es mit aufrichten?

Florian: Aufrichten, umrichten, aufschichten, umsetzen, hinsetzen.

Miriam: Wenn wir jetzt rein vom klassischen Stimmtraining ausgehen, hat das was damit zu tun, wie die Körperhaltung ist? Die Stimme verändert sich maßgeblich mit unserer Körperhaltung.

Florian: Das heißt, du möchtest sagen, wenn ich einen Kopfstand mache, klinge ich anders, als wenn ich gerade da stehe?

Miriam: Veränderst du mit einem Kopfstand dein Volumen?

Florian: Oh, wahrscheinlich nicht.

Miriam: Der Kopfstand ist nicht so maßgeblich. Der bringt viel Blut ins Gehirn.

Florian: Kann sein, dass plötzlich was Sinnvolles rausputzelt.

Miriam: Das gibt andere Herausforderungen. Nur, wenn ich meinen Brustkorb zum Beispiel als Volumenkörper, als Klangkörper betrachte, und wenn ich mich gekrümmt hinsetze zum Beispiel, dann verkürze ich ja auch schon die Möglichkeit des Einatmens.

Florian: Ja, das Zwerchfell ist dann auch, merke ich auch. Ich kann dann zumindest auch nicht mehr so schön den Bauch einatmen.

Miriam: Genau, also es kommt auf die Krümmung des Oberkörpers an. Anders zum Beispiel, das kannst du zu Hause gerne mal machen, wenn du in die Hocke gehst, wenn das geht. Und dann sprichst, dann hast du einen unglaublichen Druck in der Stimme. Kann auch nach unten losgehen, Vorsicht. Nur, der ist da. Weil der ganze Oberkörper...

Florian: Kann auch nach unten losgehen.

Miriam: Deswegen erstmal alleine machen. Also dadurch kann ich den Klang meiner Stimme schon verändern.

Florian: Ja.

Miriam: Ich kann es auch verhindern, dass meine Stimme durch den ganzen Klangkörper klingt.

Florian: Oh, wie mache ich das?

Miriam: Zum Beispiel eben, wie du schon sagst, indem ich extrem durch die Nase rede. Also dadurch, dann merkst du allerdings, wenn du das machst, dann machst du auch den Hals schon mehr zu. Das geht nämlich sonst gar nicht.

Florian: Das ist die Konzentration auf die Nase, die dazu führt, dass ich, oh, das geht auch mit noch mehr Konzentration auf die Nase.

Miriam: Ja, dann klingst du wie der Willi bei Maja und Willi.

Florian: Und es kann ja praktisch, also ist das auch, achso wir sind noch nicht beim Tippsteil, ne? Nein. Wenn wir jetzt schon beim Tippsteil wären, würdest du dann empfehlen, dass Menschen auch üben in verschiedenen Stimmen zu sprechen und sowas zu machen? Hilft das?

Ausprobieren mit Freude — die Bandbreite deiner Stimme kennenlernen

Miriam: Der aller aller erste Tipp und meinetwegen können wir den jetzt schon geben ist, mit großer Freude viel ausprobieren.

Florian: Okay.

Miriam: Ich gehöre wirklich zu denen, die, sobald ich in einem Treppenhaus bin, in dem es einen Hall gibt, fange ich an zu singen, Comicfiguren nachzumachen, hoch und tief zu sprechen.

Florian: Ah, du hattest ja mal diesen Podcast mit dem Audiobuch-Sprecher.

Miriam: Ah, fantastisch übrigens. Genau, da habt ihr euch auch schon über dieses Thema unterhalten. Da gibt es großartige Tipps vom Profi so Richtung Sprecherlatein.

Florian: Ja, genau.

Miriam: Nur für den Alltagsgebrauch ist es für mich als Sprecher oder als sprechender Mensch vielleicht echt spannend, erstmal zu wissen, zu was mein individuelles Instrument, meine Stimme in der Lage ist. Viele Menschen kennen gar nicht die volle Bandbreite ihrer Möglichkeiten. Weil sie es gar nicht ausprobieren. Weil sie in einer angewohnten, gewohnten Stimmlage sprechen. Immer. Und das hat was mit Begeisterung fürs Sprechen zu tun. Jemanden nachzuäppeln, den ich im Fernsehen gehört habe, irgendein Promi. Selbst wenn das nicht gelingt, ich bin ja kein Stimmenimitator, nur mal so in die Richtung zu gehen. Oder noch nicht. Nur mal so in die Richtung.

Florian: Wie sind die Stimmenimitatoren geworden? Wahrscheinlich durch viel Üben?

Miriam: Durch ganz viel Üben, genau, durch Ausprobieren. Und auch Charakteristiken rausarbeiten. Also was ist das Charakteristische an diesem Menschen? Was macht ihn in seiner Stimme einzigartig?

Florian: Und dann gut zuhören.

Miriam: Ganz gut zuhören, sich selbst und anderen.

Florian: Was, sich selbst zuhören? Das klingt doch komisch, oder? Ich weiß doch, was ich sage. Also wozu soll ich mir dann noch zuhören?

Miriam: Uiuiui. Es geht um den Klang in diesem Podcast. Wir lassen den Inhalt mal links und rechts liegen.

Florian: Ja, nur auch beim Klang meiner Stimme zuhören. Ja. Das ist ja witzig. Ich merke das manchmal, dass... Meine Stimme, wenn ich viele Sachen zu tun habe gleichzeitig, dass meine Stimme sich dann anders anhört. Und das darf ich ja auch als Feedback-Instrument dazu benutzen. Wie geht es mir gerade? Wo bin ich gerade? Was passiert gerade?

Miriam: Und was kommt bei anderen an? Die meisten von uns haben das schon mal erlebt. Wir Frauen sind ein bisschen im Nachteil, weil wir weiter nach oben gehen können mit der Stimme, bis hin zum Quieken. Das können wir alle. Frauen kommen quasi quiekend zur Welt. Ich darf das sagen, ich bin ja eine. Und jeder von uns hat das bestimmt schon mal erlebt, dass er einer Frau gelauscht hat, die in den extremen Oberlagen sehr im Hals gesprochen hat und das dann anfing in den Ohren zu sägen. Also wo irgendwann nach einem halben Stunden Vortrag so eine innere Stimme kam, die gesagt hat, Flucht, lass uns gehen, das tut jetzt weh. Das hat nichts damit zu tun, dass diese Person, die da gesprochen hat, nicht auch anders sprechen könnte. Viele von uns glauben, dass sie mit einer gequetschten Stimme lauter sind, besser wahrgenommen werden, gehört werden, stellt sich oft unter Stress ein.

Florian: Okay.

Miriam: Manche gewöhnen sich das dann auch dauerhaft an. In einer Sprecherausbildung würden wir wieder erstens lernen, all diese Nuancen kennen und fühlen zu lernen. Also wie fühlt es sich an, wenn ich meine Stimme mal bewusst sehr tief plumpsen lasse?

Florian: So.

Miriam: Also ruhig mal übertreiben.

Florian: Hallo Miriam. So wie bei das Leben des Brian. Hallo liebe Zuhörer.

Miriam: Hier ist der Bär. Ja genau, für die Männer.

Florian: Und der Bär, der hat Hunger.

Miriam: Das ist ja süß. Kannst auch mal so eine Zeus-Stimme machen.

Florian: Was ist denn eine Zeus-Stimme?

Miriam: Ja, so der Gott der Griechen. Der hätte doch auch so eine tiefe Stimme, nur der wäre nicht so wie der kleine Bär.

Florian: Das war nicht der kleine Bär, das war der große Bär.

Miriam: Ja, der hat auch eine tiefe Stimme, wenn der so seinen Befehl...

Florian: Der Zorn des Zeus!

Miriam: Ah, nee, ne?

Florian: Das ist er nicht gewesen, das stimmt.

Miriam: Ja, das war mehr so der Diktator.

Florian: Wir sind ein deutscher Podcast. Wow, wow, wow. Pieps. Nein, also offensichtlich ist es die Intonation, es ist die Stimme, es ist die Sprache, es ist der Klang der Stimme, der ganz viel, witzig, der auch ganz viel hervorruft.

Was Klang auslöst — vom Welpen bis zum brasilianischen Vortrag

Miriam: Total. Vielleicht hast du es ja eben gemerkt. Allein die Vorstellung bei Erwachsenen, dass sie einen Säugling auf dem Arm halten oder einen Hunde welpen und den beruhigen wollen, weil er sich gerade über irgendwas aufgeregt hat oder sich die Schnauze irgendwo gestupst hat und fürchterlich jault, führt schon dazu, dass die Stimme wunderschön anfängt zu klingen.

Florian: Ja.

Miriam: Anders als wenn Mütter jetzt, wenn es schon um ältere Kinder geht, so sechs, sieben Jahre und die knallen richtig aufs Knie und es blutet, dann kommt von beiden Seiten Sirene. Ja, das Kind sirent, weil es weint und die Mutter sirent oben drüber. Nein, ach jetzt reg dich doch nicht so auf. Und schon ist die Aufregung richtig da. Mit der Stimme kann ich ganz viel machen. Uns ist aufgefallen, wir waren jetzt gerade auf einem tollen Training, wir sind ja jetzt NLP-Trainer, international zertifizierte. Uns ist ja aufgefallen, das waren internationale Menschen, die da teilgenommen haben, aus allen Ländern dieser Welt. Und es gab welche, die waren so fantastische Sprecher, dass wir einen brasilianischen Vortrag gehört haben und haben den verstanden.

Florian: Verstanden, nicht inhaltlich folgen, nur was ganz besonders war, bei manchen Sprechern, die haben Englisch gesprochen und ich bin im Kopf auf Wanderschaft gegangen und habe an irgendwas anderes gedacht. Und bei dem einen brasilianischen Sprecher habe ich zugehört, obwohl ich kein Wort verstanden habe, weil ich das Gefühl hatte, da war plötzlich eine Präsenz da oder da war in seiner Stimme, in der Klarheit, in der er etwas gesagt hat, war ganz viel Wert drin. Das hat es richtig gezogen.

Miriam: Mir schien das wie ein Wunder. Ich habe kein Wort übersetzen können von dem, was dieser Mensch gesagt hat. Und seine Stimme klang in so vielen verschiedenen Farben und hat so viel Bild gemalt, ohne dass ich ein Wort verstanden habe. Da war mir plötzlich noch klarer, wie wichtig es ist.

Florian: So wie der Bär. Ja, also wie der sofort Bilder im Kopf zaubert, wie der Landschaften in den Kopf malt.

Miriam: Stimme kann beruhigen. Stimme kann auch aufpeitschen. Stimme kann Energie stiften. Ja, eine Stimme kann motivieren. Das kann, ja, je nachdem, was ich selbst...

Florian: Wenn mehr Druck drin ist oder mehr?

Miriam: Mehr Tempo. Ich kann über Dynamik gehen. Nur am aller, aller wichtigsten ist der Klang. Wenn der Klang nicht stimmt, nutzen alle anderen Hebel nichts. Es ist großartig. Das heißt, wenn wir sagen... Jetzt mach doch mal was! Geh mal deine großen Projekte an! Mach los! Jetzt geht's endlich los! Funktioniert nicht? Funktioniert's bei dir? Also wenn ich dir jetzt sage, hey, los, mach einfach mal, geh mal ran, hau auf die Kacke, tu was du willst, sei ein glücklicher Mensch. Schwierig.

Florian: Also es ist als Experiment interessant und es ist die Einladung für dich zu Hause oder dich im Auto oder wo auch immer du uns hörst, einfach mal Sachen auszuprobieren. Das ist das Schöne, diese Flexibilität einfach zu genießen, die wir in der Sprache haben.

Der Trainingsplan: Kinderbücher, Basisstimme und das eigene Instrument

Miriam: Ganz, ganz einfach ist es, wenn ich meinen Kindern Geschichten vorlese. Hast du Kinder, schnapp dir Kinder, auch wenn du keine hast, schnapp sie dir von anderen. Eltern freuen sich, wenn du denen mal eine Viertelstunde eine Geschichte vorliest.

Florian: Oder eine Stunde.

Miriam: Oder eine Stunde oder fünf. Kinderbücher bieten sich an. Hier kannst du Stereotyp üben. Da ist der große Bär. Und die kleine Maus.

Florian: Und wie viele Stimmen bekomme ich hinten? Also das habe ich auch gemerkt, als ich jetzt angefangen habe, viele Kinderbücher vorzulesen, die einzelnen, den Charakter in die Stimme schon reinzulegen. Super spannend. So wie du eben gesagt hast, wie würde Zeus sprechen? Wie spricht ein Prinz? Wie spricht eine Prinzessin? Wie spricht eine Maus? Was ist mit dem?

Miriam: Ja, ganz spannende. Wobei ich mit Flüstern nicht arbeiten würde, nie.

Florian: Warum würdest du mit Flüstern nicht arbeiten?

Miriam: Hier fehlt der Klang. Das ist zu leise. Es ist kein Klang. Der kleine Matthias im Schrank sitzt. Dann kann der ja auch so ganz leise reden. So ganz leise? Da ist noch Stimme. Da ist noch Stimme, das ist nicht nur ein Flüstern. Der schleicht sich flüsternd durch den Fluss.

Florian: Durch den Fluss, der schleicht durch den Fluss. Das war toll, das war wieder sehr poetisch. Ja, du bekommst den Poesie-Stern des Tages.

Miriam: Wichtiger Laut, nächster Tipp. Ein genüssliches, ein genussvolles.

Florian: Kaiserschmarrn.

Miriam: Das bekommt Florian sofort hin. Es reicht. Geht es auch mit Schnitzel?

Florian: Schnitzel.

Miriam: Das ist schon der Kaiserschmarrn. Manche können das gut mit Essen, manche können das auch gut mit Düften. Dass sie sich irgendeinen Duft vorstellen, der ganz besonders anschmiegsam ist oder lecker oder Bergamot.

Florian: Ja, das ist der pädagogisch wertvolle Teil des Podcasts.

Miriam: Oder einmal seufzen, so aus voller Erleichterung. Das ist meistens die Stimme, die für andere Menschen am angenehmsten klingt, aus deinem ganzen Repertoire. Jetzt nur in dieser Stimme zu bleiben, bedeutet, dass die Menschen um dich herum irgendwann einschlafen. Also ja, zwischendurch Basisstimme, immer dahin zurück, neutrale Aussagen mit dieser Stimme. Und dann kommt die Maus. Und dann sind alle wieder wach. Und es ist keine halbe Stunde, sondern ich gebe auch zum Beispiel, wenn ich dann in die höheren Lagen wechsel, kann ich auch vom Tempo her vielleicht noch einen draufsetzen. Ich bin ziemlich gut im Schnellsprechen. Du schaust auf die Zeit des Podcasts.

Florian: Ja, ich habe überlegt, ob wir jetzt, ob wir stärker in den Tippteil einsteigen möchten.

Miriam: Gut, das erste ist, probiere Sachen aus. Das zweite ist, check mal, wo deine wohltönendste Stimmlage ist von allen wohltönenden Stimmlagen, die du hast. Also die, die wirklich am entspanntesten klingt.

Florian: Das heißt, ich denke an den Kaiserschmarrn und dann... Du, genau.

Miriam: Wenn es bei dir eher die Pizza Diavolo ist, nimm die. Oder der tolle Duft, Wellness-Spa. Und dann... Und wenn du ein bisschen fortgeschrittener bist, machst du da draußen einen Satz. Meine Damen und Herren. So, kannst du machen. Das ist die nächste Stelle. In dieser Lage dann so oft wie möglich bewusst sein, damit die normal wird, damit das die neutrale, normale Stimmlage wird. Dann mal übertreiben. Also Kinderbücher vorlesen. Mal richtig piepsen, mal ganz tief brummen. Mal schreien auch. Gerne mal Vollgas geben. Auch mal mehr Sprit in die Stimme. Also so mehr Energie reinpacken. Übers Tempo mal schauen. Wo ist ein angenehmes Sprechtempo?

Florian: Also es ist eine Erweiterung des Experiment-Gedankens. Mehr ausprobieren einfach.

Miriam: Bin ich in der Lage, ziemlich schnell zu sprechen, also kann ich viele Worte in einer kurzen Zeit unterbringen und alle Menschen verstehen mich immer noch. Geht das überhaupt?

Florian: oder auch mal ganz langsam die Worte sprechen, sodass Deine Zuhörer sich schon fragen, wann wird dieser wunderschöne Satz wohl zu Ende sein? Und in der Abwechslung ist ganz viel Wert drin.

Miriam: Ja, auch der Klang der Stimme verändert sich oft dabei. Wenn Menschen sehr bewusst, sehr in Slow Motion sprechen, sprechen sie oft auch tiefer.

Florian: Ja, das stimmt.

Miriam: Einfach mal ausprobieren. Alle Gelegenheiten nutzen. Auch, ganz toller Tipp, nimm dich auf und hör es dir an. Ich weiß dazu eher, ich habe es in deinem Blick gesehen. Ganz wichtig.

Florian: Und ich habe mich inzwischen auch daran gewöhnt. Genau. Also es ist einfach nur, und das Interessante ist ja, die anderen Menschen hören das schon die ganze Zeit, so wie ich mich dann auch höre.

Miriam: Ja. Weil manche sagen, ich höre mich auf Aufnahmen immer ganz, ganz doof an.

Florian: Ja, das ist deine normale Stimme. Und die hört sich so gut an, wenn du schon mal Komplimente über die Stimme bekommen hast. Das ist deine tolle Stimme.

Miriam: Oder wenn dir noch nie jemand gegenübergestanden hat und gesagt hat, boah, du klingst, du klingst einfach so. Nein, die Leute, das ist ganz normal so. So klingst du und du kannst was dran verändern. Du kannst so lange mit deiner Stimme rumexperimentieren, bis du selbst sagen würdest, das Hörbuch von diesem brillanten Sprecher würde ich mir kaufen. Cool. Es ist ein Ausprobieren.

Dialekt, Selbstaufnahme und warum das kein Hexenwerk ist

Miriam: Manche Leute haben auch den Anspruch, ich bekomme oft Anrufe für unsere Seminare, wenn sich Menschen anmelden zu unseren Workshops, werde ich da mein Dialekt los? Das wäre echt schade. Das wäre wirklich schade. Also erstens nein, weil wir keine Logopäden sind. Wer sein Dialekt oder seinen Akzent loswerden möchte, der konsultiert einen Logopäden.

Florian: Du hast es damals gehabt oder du hattest eine hessische Einfärbung und du hast sie dir raus trainiert. Also das geht und das ist vermutlich nicht in einem Wochenende erledigt oder in einer Woche.

Miriam: Und es erledigt auch nicht ein Logopäd für einen.

Florian: Ach, du gehst da nicht hin, gibst dein Dialekt ab. Gib mir Hochdeutsch. Einfach in den Arm. Ich finde das auch immer schön. Ich habe wirklich, dadurch, dass ich so viel in Deutschland herumgereist bin und meine Eltern aus Baden-Württemberg kommen, meine Großeltern von der Ostseeküste kommen, ich habe wirklich wenig Dialekt. Ich bin in Hessen geboren und in Nürnberg aufgewachsen. Ich habe wirklich gefühlt wenig Dialekt und ich bewundere das immer, wenn Menschen so eine Sprachfärbung haben. Wo auch klar wird, da kommen sie her. Das braucht ja nicht jetzt der tiefste Dialekt dann sein, sondern solange es ein Hochdeutsch ist mit schöner Einfärbung, ist das, ich bewundere das tatsächlich immer.

Miriam: Also zu dem Thema können wir nochmal einen eigenen Podcast machen, weil ich es auch wichtig finde für Sprecher. Das ist für mich ein Stilmittel und ich finde es auch toll. Und wir können dazu nochmal einen extra Podcast machen. Heute geht es darum, dass du mit deiner Stimme rumexperimentierst, dass du es mal nutzt, dieses wunderschöne Instrument und auch mal bewusst beobachtest, was macht es mit meinem Gegenüber. Wenn ich mein Tempo erhöhe, wenn ich meine Höhe, meine Klanghöhe höher mache, tiefer, wie fühlt sich es für mich an, an welchen Stellen fühlt sich meine Stimme toll für mich selbst an, an welchen Stellen fühlt sich es für mich auch gleich gar nicht so gut an.

Florian: Das sind schon Tipps für mehrere Wochen und Monate.

Miriam: Es ist eine wunderbare Ausbildung, die kein Geld kostet. Ich brauche keinen Trainer. Ich bin nur mal bewusst mit mir selbst.

Florian: Das heißt, der erste Schritt ist, ich fange an zu experimentieren. Schritt Nummer zwei ist, ich nehme mich mal dabei auf und höre mir das an.

Miriam: Reicht auf dem Handy. Die meisten haben auf dem Handy so eine schwindelige Diktierfunktion. Reicht völlig aus.

Florian: Du darfst natürlich auch so viel Equipment dafür kaufen, wie du brauchst, um dich wirklich gut zu fühlen.

Miriam: Oh Mann. Weißt du, ich habe unter dem Podcast mit dem Frust schon einen Amazon-Schredder gepostet. Wenn du möchtest, mache ich gerne Florians Lieblingsdiktiergerät hier auch, damit ihr weiter shoppen könnt.

Florian: Mit den aktiven Mikrofonen und allem Schnickelschnack. Also es darf ganz einfach loslegen, ausprobieren, dich dabei aufnehmen und wenn du das Feedback von den anderen bekommst und du siehst, wie gut deine Stimme auf die anderen wirkt.

Miriam: Das hier ist kein Stimmbildungs-Podcast. Dafür bräuchten wir dich hier bei uns vor unseren Ohren, damit wir deine Stimme wahrnehmen können. Nur jeder Mensch spricht auf natürliche Weise. Wir lernen es als Kinder. Und das, was wir da tun oder was wir da haben, ist ein wunderbares Instrument. Um anderen Menschen tolle Gefühle zu machen, um entspannend zu wirken, um sehr witzig zu sein, um unterhaltsam zu sein. Und es geht nur um den Klang. Es geht nicht um das, was der Inhalt ist an der Stelle. Super. Ist kein Hexenwerk. Ist mir auch noch wichtig. Manche machen so eine Doktorarbeit. Ich konnte das auch lernen. Florian konnte das auch lernen. Und du bist jeden Tag irgendwann mal an deiner Stimme gedanklich.

Florian: Ja, das stimmt.

Miriam: Das reicht schon. Voll gut. Wir wünschen dir viel Spaß, freuen uns auf dein Feedback. Du darfst uns gerne loben unter www.kontext*denken.de. Du darfst uns loben bei iTunes, du darfst uns loben bei YouTube, du darfst uns loben auf Facebook.

Florian: Du darfst uns Kommentare hinterlassen und oder deine Fragen. Du darfst zu uns in die Seminare kommen.

Miriam: Oh, wunderbar. Wir freuen uns auf dich. Meld dich an. 18., 19. April. Ich weiß gar nicht, wann dieser Podcast erscheint. Wahrscheinlich zwei Tage vorher oder so. Dann ist es jetzt zu spät.

Florian: Ja, und wir haben im Juli einen ganz langen Seminar.

Miriam: Oh, im Juli. Ihr lieben Leute, kommt im Juli zu unserem NLP Practitioner. Das sind zwei Wochen intensivstes Training in Sachen, oder ist zwei Wochen intensivstes Training in Sachen Kommunikation. Da wird alles eine Rolle spielen, was wir hier oft nur häppchenweise servieren in diesem Podcast. Wir freuen uns riesig auf dich.

Florian: Wir vertiefen das, wir machen Übungen mit dir und um dich herum.

Miriam: Das coolste Training, das ich selbst jemals gehabt habe. Und jetzt darf ich es selber geben.

Florian: Alle Infos dazu www.kontext*denken.de Oder bei uns persönlich.

Miriam: Dann sagen wir Tschüss bis Dienstag. Wollen wir es in verschiedenen Stimmlagen sagen?

Florian: Oder bis Samstag, weil es gibt ja auch noch... Die Beziehungskiste, in der die Muscheln sind, die dir das Thema ins Ohr flüstern. Schaut die erste Beziehungskiste, um zu verstehen, worüber wir geredet haben, auf YouTube, im gleichen Kanal.

Miriam: Bis zum nächsten Dienstag.

Florian: Bis dann.

Miriam: Auf Wiedersehen. Tschüss.

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