Zwischen einem gesprochenen Wort und einem gemalten Bild liegt ein Raum. Robert Loos, Maler mit Wurzeln im Graffiti, betritt genau diesen Raum – und Miriam trifft ihn dort, wo eigentlich Kosmetikstände stehen: mitten auf der Messe München. Warum es beim Malen hilft, gerade nicht in Sprache zu denken, und warum ein Bild trotzdem pausenlos mit dir kommuniziert, darum geht es hier. Stell dich beim Hören mal vor ein Kunstwerk und beobachte, was in dir passiert.
Warum Kunst in einen Sprachpodcast gehört
Miriam: Hallo ihr Lieben, es ist wieder Podcast-Zeit und es ist Zeit für Kunst. Boah, habe ich mich auf diesen Podcast gefreut. Es ist ja ein Podcast, der sich an Menschen richtet, die viel auf Bühnen unterwegs sind, die vor anderen Menschen präsentieren, beruflich viel mit anderen Menschen kommunizieren dürfen und das mit großer Begeisterung tun. Und jetzt könnte der ein oder andere Hörer sich fragen, warum denn dann Kunst? In meiner Welt, und das ist jetzt wirklich ein Podcast für Miri und vielleicht auch für dich, ist Sprache genauso Kunst wie Musik oder bildende Kunst oder Bildhauerei oder das Malen oder auch die Architektur. Und diese ganzen Dinge haben so viel miteinander zu tun. Im Hintergrund übrigens hörst du die Messe München wabern, denn hier treffe ich mich heute mit Robert Loos. Und Robert Loos kenne ich schon seit vielen Jahren. Er ist Künstler und weil wir beide diese Messe so lieben, kommen wir hier auch jedes Jahr wieder hin, obwohl unsere Berufe mittlerweile ganz woanders hingehen, als uns auf Messen rumzutreiben. In der Tat. Herzlich willkommen, lieber Robert.
Robert: Dankeschön. Hallo Miriam.
Miriam: Robert, du hast ja als Student hier auf der Messe angefangen zu jobben. Über den Weg haben wir uns kennengelernt. Da hast du noch Kunst studiert. Heute bist du Künstler. Wie ist es dazu gekommen, dass du dich entschieden hast, Künstler zu sein?
Robert: Entschieden habe ich mich nicht, ich habe es gemerkt. Es war mit meinen 20er Jahren, nachdem ich vieles ausprobiert habe, auch aus Interesse, das heute noch gilt, mit Materialien und verschiedenen Prozessen zu tun haben wollte und sich langsam die Frage gestellt hat, was der Kern meines Lebens eben ist. Gemalt habe ich, seit ich 15 bin, angefangen als Graffiti. Sprüher mit den entsprechenden Konsequenzen, die mich dann auch irgendwann auf die Leinwand genötigt hatten. Und da habe ich festgestellt, dass zunächst mal viele meiner Tabus oder Vorurteile der klassischen Kunst gegenüber sich plötzlich auflösten in Pauschalismen und dann ging es auf die Reise nach der Suche nach dem eigenen Bild. Also was habe ich der Welt zu zeigen, was lerne ich von der Welt und was möchte ich von dem Gelernten auch wieder zurückgeben. So ging es dann irgendwann, ich meine es war mit 24, an eine freie Kunstakademie, um sich erstmal auszuprobieren. Ich hatte eine große Skepsis dem staatlichen Ausbildungsbetrieb gegenüber. Ich hatte auch sicherlich Angst, da nicht zu genügen und die Freie Kunstakademie hat mir sehr viel Spaß gemacht, hat mich sehr gelockert und aber auch sehr klar gezeigt, dass es tatsächlich ein ernsthafter Beruf ist, den man wirklich studieren kann. Und in dem Studienfeld sich auch wirklich noch entwickeln kann. Also man ist nicht einfach ein Künstler, sondern man lernt sich als Künstler eben über die Zeit auch immer wieder neu kennen und auf diese Reise bin ich Mitte der 20er Jahre, also jetzt ziemlich genau vor zehn Jahren, gegangen und freue mich immer noch. Also das ist das, was mich im Leben auch zusammenhält.
Miriam: Welche Kunst, Robert, welche Kunst genau machst du? Also wir werden deine Internetadresse und die Möglichkeit, mit dir Kontakt aufzunehmen, deine Werke zu sehen oder zu fühlen, werden wir am Ende des Podcasts noch bekannt geben. Nur was genau machst du? Meine Kunst? Die Pause war jetzt, das war jetzt eine Denkpause.
Robert: War eine kurze Denkpause, denn... Man beginnt als Künstler nicht immer mit Material, sondern meist eher mit Ideen und diese Ideen können sich wie jetzt hier zum Beispiel auf der Münchner Messe an ganz unterschiedlichen Dingen festmachen. Teilweise setze ich zwei Dinge, die auf einem Tisch neben mir liegen, interessant in Beziehung und es hat den Wert von Kunst, ohne dass es im Ausstellungskontext stattgefunden hat. Ich bin allerdings im Kern ein Maler und da auch eher noch ein Bildermacher. Ich benutze die Malerei, um Prozesse aufzuzeigen, die ich oft aus dem Alltag heraus operiere. Also gerade jetzt hier eine Messe, die sich mit Kosmetik, also auch dem äußeren Schein beschäftigt, liefert mir enorm viel Anstöße und findet oft in den Installationen, die man zum poetischen Realismus zählt, ein Zuhause, während die Malerei ein eigener Bereich ist, der sich immer noch an meiner Vergangenheit und auch meiner Herkunft orientiert, der Sprühdose. Und die Arbeit in der Malerei setzt sich weiter fort in einen immer weiter diffundierenden Raum, den ich in Aquarellen in einem pointillistischen Verfahren umsetze und die Sprühdosen bieten mir das durch den Nebel eben genauso. Ich kann sehr feine Flächen übereinander legen und der Raum bleibt indifferent. Allerdings ist das Erlebnis vor der Leinwand ein klassisch malerisches. Der Betrachter wird aufgefordert, sich in meiner Handlung ein eigenes Bild zu schaffen. Der Kern ist also die Malerei.
Miriam: Wow! Da waren jetzt richtig viele Worte dabei, wo es in meinem Gehirn geknirscht hat. Diffuser Raum, indifferent, wie auch immer. Also ich glaube, an der Stelle wäre es spannend, sich wirklich auch mal ein Bild von dir ansehen zu dürfen. Ich würde mich freuen, gerne. Die Zuhörer machen das. Das ist ja jetzt Neugierde pur. Also das erste, was ich mache nach dem Podcast, ist mich in dein Internet klicken. Dein Internet.
Kommuniziert ein Bild – und wie?
Miriam: Dieser Podcast handelt oder wendet sich an Menschen, die viel kommunizieren. Kommuniziert Kunst?
Robert: In der Tat. Also es kommt und es geht durch mich und ich werde erstmal angesprochen von etwas. Alleine da findet Kommunikation schon statt. Ich möchte auch in meiner Installation darauf hinweisen, dass die Menschen Dinge produzieren, egal wie wichtig oder unwichtig, schön oder unschön sie ihnen erscheinen. Es findet immer eine mehr oder weniger bewusste Handlung statt. Kunst kommuniziert erstmal zum Betrachter und der Betrachter und ich bin auch Betrachter, nimmt diese Arbeit und kommuniziert erneut, sodass sich eine immer fortlaufende Kette ergibt. Es ist pure Kommunikation, es geht auch teils um Rücksichtnahmen, es geht genauso um Spielerisches wie um Liebevolles. Das sind Dinge, die Metastrukturen aufweisen, die wir auch im Alltag finden. Wie gehen Menschen miteinander um? Wie gehe ich mit Farbe um? Kommunikation ist überall zu finden.
Miriam: Das ist echt cool, das ist großartig. Ja, in meinem Thema. Und das heißt, für dich ist es auch wirklich unwesentlich, ob der Betrachter sich kritisch oder positiv oder negativ oder wie auch immer mit dem Gemälde oder der Installation beschäftigt. Es passiert was im Gehirn. Es gibt Gedanken, es gibt Bewertungen, es gibt irgendetwas, was in dem Menschen passiert, wenn er es sich anschaut. Und das genau ist, das ist das, was zählt.
Robert: Ja, ich möchte den Betrachter eigentlich auffordern, sich ein eigenes Bild zu machen, um das relativ kurz zu halten. Also biete ich im Ersten eine Benutzeroberfläche an, sagen wir. Ich habe eine Malerei an den Raum geliefert. Dieser Raum spricht mit dem Betrachter. Der Betrachter soll sich und seine Beziehung, seine Blickbeziehung in Frage stellen, denn gerade da, wo man sich am sichersten wähnt, werden oft die Dinge etwas müde. Und ich möchte den Betrachter wachhalten. Ich möchte den Menschen etwas mitgeben, was ihnen vielleicht noch nicht mal gefallen muss, was ihnen aber den Gedanken in den Kopf zaubert, was mir eigentlich wirklich gefällt. Was ist denn mein Gefallen? Woher kommt mein Gefallen? Und auf diesem Weg vielleicht auch mehr über das eigene Handeln und auch über eigene Bilder, die nicht nur visuell funktionieren, nachzudenken. Wie verhalte ich mich? Wie nehme ich anderes Verhalten an? Kunst ist auch Verhalten und diesen Anspruch möchte ich mit jeder Installation oder mit jedem Bild dem Betrachter mitgeben, auf das er dann in der Welt außerhalb meiner Kunst sich eben genauso interessiert verhält und Neues kennenlernt.
Miriam: Das finde ich großartig, genau deshalb habe ich dich auch gefragt, ob du mit mir podcastest, denn im Rahmen unserer Sprachzauberei tun wir im Grunde nichts anderes. Und an der Stelle bin ich immer wieder geplättet, wie diese ganzen Kunstgewerke doch sich so ähneln. Also ein Bild, das Anstoß gibt zum Denken, das vielleicht auch mit Mustern bricht im Kopf. Dadurch nimmt das Gehirn, dadurch nimmt die Seele, dadurch nimmt alles, was wir gelernt haben, eine neue Perspektive ein und ich habe wieder mehr Freiraum, um selbst kreativ zu sein. Klingt jetzt alles wahnsinnig theoretisch, ist ganz einfach. Für mich ist es immer wieder die Aufforderung, ich stelle mich vor so ein Bild und beobachte mich einfach wach, was passiert mit mir. Und das kann Aufregung sein, das kann Gefallen sein, das kann sein, dass ich mich verliere in so einem Kunstwerk, dass ich da 20 Minuten stehe und denke und denke und denke oder ich unterhalte mich im Idealfall mit jemandem, der mit mir zusammenschaut und merkt, der schaut ganz anders oder der schaut auf andere Dinge oder ich bin vielleicht auch unangenehm berührt, ich frage mich vielleicht auch oder der erste Impuls ist, was ist denn daran Kunst? Schön, wenn ich an der Stelle wach bin und mich dabei ertappe, was es in mir denkt. Deswegen liebe ich es auch so sehr, mir Ausstellungen anzuschauen. Und ich finde, das ist eine unglaublich schöne Übung für dich, auch da draußen, der oder die du gerade zuhörst. Wenn dir Kunst begegnet, egal wo, beobachte dich mal bewusst, was in dir los ist. Also was passiert da? Egal, ob es dieser Impuls ist von... Das ist ein roter Kreis auf weißem Hintergrund, was soll da dran Kunst sein? Oder vielleicht auch dieses, boah, was für ein tolles Gemälde. Entschuldigung, dass ich es so weit ausgeholt habe, Robert, nur das ist mir echt ein Anliegen, dass wir da so weit gehen. Hast du als Künstler den Anspruch, dass der Betrachter deines Werks am Ende das empfindet, was du dir beim Tun, beim Machen, beim Erschaffen gedacht hast? Oder ist das nicht mehr so relevant?
Robert: Mein Handeln ist relevant. Ich habe ein Ziel, diesen lebendigen Geist. Ich möchte dementsprechend, dass der Betrachter zumindest eine Bewegung in sich verspürt, wie du das gesagt hast. Werdet aufmerksam, denn wir gewöhnen uns viel zu schnell an Bilder, welche Bilder es auch sind, auf welche Art und Weise sie auch welche Oberfläche auch immer haben. Es geht eher darum, wie verhalten wir uns vor Bildern. Die Smartphones sind allgegenwärtig, das heißt, man kann sein eigenes Bild von der Welt machen. Und das möchte ich von meinem Betrachter, das ist das, was ich zurückbekomme.
Der Raum zwischen Sprache und Bild
Miriam: Fantastisch. Also ein großartiges Thema, wie ich finde. Jetzt natürlich die Kernfrage dieses Podcasts. Welche Bedeutung nimmt für dich dann die Sprache ein? Also ist es die Kommunikation mit anderen Menschen über deine Kunstwerke? Bist du connected mit dem inneren Dialog, während du arbeitest? Oder hat es für dich gar keine Relevanz?
Robert: Als Maler beginnt man relativ zügig seinen eigenen Augen mehr zu trauen als den Worten. Und es hilft in der Malerei auch nicht zu sprechen und auch meist noch nicht mal in Sprache zu denken. Zwischen Sprache und Bild besteht ein Raum, der zu betreten ist und in dem sich umzugucken ist. Da steckt für mich der Zauber drin, dass ich mich eigentlich auch aus mir selbst herausbewege in dieses Feld des Visuellen und meine Augen für mich denken. Also ich habe auch in der Zeit an der Akademie sicherlich vieles semantisch aufgenommen, aber am meisten profitiert von dieser Zeit haben meine Augen.
Miriam: Ganz kurz für uns als Hörer, was heißt semantisch aufgenommen?
Robert: Sprache im Bezug der Klassenbesprechung, Konkurrenzgespräche, Komplimente, Kritik, also einfach das gesprochene Wort. Das hat sich da in den Vordergrund gedrängt, denn im Atelier steht man auch meistens alleine, hat aber eben diese große Künstlerschar um sich herum, hat diesen unglaublich tollen Bezug zu Menschen, die auch einfach Dinge anders tun und wächst eben auch in dieser Sprachbeziehung. Allerdings sitzt man letztlich irgendwo, hat abends die Zeit vergessen, starrt seit einer Stunde auf den gleichen Fleck und denkt mit dem Auge, in wie viel Rottönen dieses Violett nur abzutönen sei, damit es eben zum Orange da drüben passt. Und diese Art liebe ich sehr, weil es mir auch eine Stille und eine Erholung vom oft überladenen Sprachraum verschafft, der mich bezaubert, aber auch gleichzeitig eben ein bisschen irritiert. Also das gesprochene Wort ist auch, wir haben momentan eine sehr interessante Medienphase, in der man über die Wahrheit an sich eben auch nachzudenken hat und da ist das gesprochene Wort mir ein Tick zu lieb. Ich spiele selbst zu gern damit, muss ich sagen. Und die Malerei hat für mich da immer mehr dieser Tatsächlichkeit, die ich den Menschen anbieten möchte, um sich selbst als ein tatsächlich funktionierendes Teilchen in diesem System zu begreifen.
Miriam: Sehr spannend für mich, weil das Wort in meiner Welt so eine riesen Bedeutung hat.
Robert: Für mich bist du auch eine Malerin mit den Worten. Sprache und Bild sind nahe Verwandte. Es hilft bloß eben dem gesprochenen Wort nicht, es nochmal aufzumalen und der Malerei eigentlich auch nicht darüber zu sprechen. Es sind eben auch eigenständige Prozesse, die als Gruppe natürlich ein ganz fantastisches Feld aufmachen und zwar das der angesprochenen Kommunikation. Was passiert, wenn ich mit jemandem über etwas rede, was dieser Mensch durch eine andere Brille wahrgenommen hat? Wo sind die Gemeinsamkeiten und inwieweit entwickelt sich dann zu den beiden Urbestandteilen ein dritter Teil? Diese Blickbeziehung, die Sprachbeziehung und inwieweit ist diese Kommunikation dann etwas tatsächlich Neues. Wir leben ja in einer Welt, in der die Partikel alle miteinander in Beziehung treten, sich wieder voneinander lösen, in neue Beziehungen treten, aber nie wirklich unverändert den Ort verlassen, an dem man sie aufgefunden hat und so dann einfach dieses Phänomen der Evolution vielleicht sogar mitgestalten.
Miriam: Oh, das ist ein tiefenphilosophischer Podcast. Ich weiß nicht, ob du es schon gemerkt hast. Also, wenn wir jetzt schon darüber reden, dass in dem Augenblick, wo der Augenblick vergangen ist, schon alles wieder anders ist und alles mindestens mal um einen Augenblick gealtert ist auch auf diesem Planeten und reifer geworden ist und wahrer geworden ist oder was auch immer. Wow, ich habe gerade die Idee für einen Gedicht. Nein, also was ich jetzt mitgenommen habe für mich ist, dass im Augenblick der Entstehung eines Kunstwerks die Sprache zumindest für dich als Künstler, vielleicht gibt es auch andere Künstler, zweitrangig ist.
Robert: Es gibt ja Sprachkünstler. Ich habe großartige Kollegen, die mit ähnlichen Mechanismen arbeiten, also gewisse Regeln oder einen gewissen Anstoß haben und sich eben, so wie ich mich der Farbe oder des Materials bediene, sich der Sprache bedienen und da fantastische Zaubereien bei rauskommen. Große Magie in einem eigentlich schon fast ordinär genutzten Materialfeld, nämlich das Materialfeld des Wortes, der Sprache, damit dann auch wirklich noch Feinheiten zu zaubern. Da habe ich großen Respekt vor meinen Kollegen der Schrift und des Wortes.
Neue Augen statt Konsumgut
Miriam: Und nochmal, was ich jetzt für mich mitnehmen würde, wäre das, was beim Betrachten eines Kunstwerks passiert. Macht beim Betrachter oder setzt beim Betrachter den Impuls von wieder einem neuen inneren Dialog, der ganz anders sein kann, als du es erwarten würdest als Künstler, der vielleicht auch so sein kann, wie du es dir erwarten würdest und es bewegt sich etwas? Oder meinst du, dass die Intention deines Werks immer ankommt, dass die da andockt, wo du sie haben willst? Welche Erfahrung hast du gemacht?
Robert: Als Objekt oder vielleicht noch härter gesagt als Konsumgut wird das kein Bild, keine Installation schaffen. Was wir Künstler der Menschheit aber schenken dürfen, sind neue Augen. Und mit diesen neuen Augen werden hoffentlich manche Dinge auch besser. Manche Dinge werden nämlich mit unserem immer schärfer werdenden Blick auch erst sichtbar und diesen genaueren, neueren Blick, den wünsche ich mir sowohl von mir und ich wünsche ihn mir auch für unser Miteinander. Das ist unter dem Schaffen unserer Kunst. Und da spreche ich von vielen Kollegen, die sich mit diesem Anspruch der Menschheit entgegenstellen. Das ist uns sehr wichtig. Wir haben nur die Möglichkeit, an den Punkten anzuknüpfen, die traditionell auch schon wirklich fast wie eingeschliffen funktionieren und müssen mit Brüchen arbeiten, die teilweise gar nicht unbedingt angenehm sind, gar nicht beabsichtigt sind, in dem Sinn dem anderen zu schaden, sondern jemanden dermaßen zu irritieren, auf das er selbst vielleicht gestärkt in die Zukunft gucken kann oder in der Zukunft gestärkter auf Vertrautes guckt.
Miriam: Gibt es Kunstwerke von dir, die, und ich möchte jetzt mal nicht so weit gehen und sagen konsumiert werden können, nur die Menschen sich nach Hause holen können, weil sie das Gefühl haben, der Blick auf dieses Kunstwerk tut mir auch jeden Tag gut. Oder ich möchte den Blick immer haben. Oder ist es zu groß, geht nur Ausstellung?
Robert: Nein, es gibt ganz tolle kleine Situationen, in denen ich im Fremdraum anderer Wohnungen oder auch schon in Sammlungen oder Museen auftauche und ich bin jedes Mal irritiert, weil es macht mich glücklich, bei den Menschen zu sehen, dass sie wirklich eben mit mir leben.
Miriam: Hört ihr was? Da ist er wieder, der bescheidene Künstler. Ich liebte es ja am Robert. Nur, Robert, du machst so eine tolle Kunst. Ich würde es gerne einfach mal empfehlen. Also es gibt so viele Menschen, die auf der Finde sind nach genau dem richtigen Objekt, um den Blick noch weiter zu schärfen oder um sich zu Hause auch eine tolle neue Perspektive zu eröffnen. Und warum nicht einen Robert Loos? Also warum nicht? Und warum nicht über einen Podcast von einer Teleshopping-Moderatorin?
Mach dir dein eigenes Bild
Robert: Ich liebe unsere Kombination, ganz ehrlich Miriam, seit Jahren sind wir da dran. Das ist eine auch letztlich sehr ehrliche Frage, die du mir stellst und ich habe eine Website, auf der ich euch natürlich einlade. Guckt rein. Bewegt euch auf dieser Seite. Das, was ihr vor meinen Installationen machen sollt und das, was ihr vor meinen Bildern auch im aktiven Miteinander machen sollt, sollt ihr auch auf der Website tun. Das heißt, ihr sollt zoomen und scrollen. Die Bilder sind versteckt teilweise. Ihr sollt euch darauf bewegen und euer eigenes Bild machen.
Miriam: Ich schreibe es auch extra nochmal unter die Beschreibung vom Podcast, damit du jetzt sofort da draußen als Hörer diese Website findest, weil es macht so irre neugierig. Das erste, was ich tun würde nach diesem Podcast wäre, schon während des Podcasts würde ich auf diese Seite klicken und mir das alles anschauen. Wir freuen uns über dein Feedback. Wir freuen uns darüber, wenn du uns schreibst, welches Bild oder welches Kunstwerk dir besonders gut gefallen hat, was dir daran gefallen hat. Wir freuen uns über deine Anregungen, natürlich auch wieder thematisch zu diesem Podcast. Und auf www.kontext*denken.de findest du auch alle Informationen zu unserer Arbeit, also zu Miriam und Florian, zu unseren Seminaren und Workshops im Bereich der Sprachkunst oder Sprachzauberei.
Robert: Für die ich euch beide sehr bewundere.
Miriam: Danke dir. Und ja, ein besonderer Podcast, thematisch mal völlige Exkursion, hat wenig normalerweise zu tun mit dem, was wir machen. Und gerade dieses Verbinden von allem, Robert weiß, ich komme vom Theater, da wird gemalt, musiziert, da wird gesprochen und da ist irgendwie alles zusammen. Das war schon immer das, was ich am meisten geliebt habe. Schön, lieber Robert, dass ich mit dir diesen Podcast jetzt auch um die bildende Kunst erweitern durfte. Und diese Sparte wird auch sicher noch ein paar Mal vorkommen.
Robert: Freut mich auch sehr. Also geht raus, entdeckt die Welt, macht euch euer eigenes Bild. Und in dem Sinne, danke Miriam.
Miriam: Danke lieber Robert, danke an dich fürs Zuhören und bis zum nächsten Dienstag. Dann gibt es wie immer frisches Futter aus Sprachzauberhausen. Bis dann, tschüss. Ciao.