Was geht im Kopf eines Menschen vor, der freiwillig auf 5000 Metern einen Berg umrundet, den in dieser Jahreszeit nicht mal die Mönche betreten? Andreas Stollreiter reist an Orte, die kaum jemand kennt – und behandelt im Alltag Patienten in seiner Münchner Praxis. Miriam fragt ihn nach dem inneren Dialog vor der Gefahr, nach dem einen Satz, der eine Entscheidung kippt, und danach, wie zwei Abenteurer miteinander reden, wenn draußen alles unkalkulierbar wird.
Vom Burning Man zum Bauchgefühl
Miriam: So, jetzt ist ja heute wieder Podcast-Zeit. Ich bin nicht so richtig motiviert. Ich weiß auch nicht, wie ich mich jetzt motivieren könnte. Vielleicht über meinen Gesprächspartner. Den habe ich ganz frisch kennengelernt. Und das ist der Andreas Stollreiter aus München. Der motiviert sich zu total krassen Sachen. Und ich bin sehr gespannt, wie er das macht, weil vielleicht kann ich da noch was lernen. Hallo und herzlich willkommen da draußen aus Sprachzauberhausen ins Podcast-Land. Das heutige Thema ist super spannend für alle, die viel mit Sprache arbeiten, viel kommunizieren mit Kunden, mit Patienten, mit Schülern, auch mit Menschen in der eigenen Familie. Wie kannst du dich und andere durch deine Sprache zu noch mehr motivieren, also mehr von dem erreichen, was du dir vorgenommen hast und natürlich auch altes Thema durchhalten. Und es wird heute richtig abenteuerlich, denn an meiner Seite sitzt ein wahrer Abenteurer. Als ich mir seine Internetgeschichten angeguckt habe, habe ich gedacht, ich traue mich gar nicht, mit dem zu sprechen. Wahrscheinlich gehe ich hier aus diesem Podcast raus und erledige ungefähr alles, was ich schon längst hätte tun wollen. Klar, du kennst mich ja, der erste Schritt wäre gewesen, ich setze mir halt irgendeinen Motivationstrainer hierher. Durfte ich auch selber schon mitmachen, über irgendwelche Scherbenhaufen oder glühende Kohlen laufen. Nur immer dann, wenn ich mir was vornehme, zum Beispiel mehr aufzuräumen in der Wohnung oder einen Podcast zu gründen, dann gibt es zu motivieren keine Scherbenhaufen, die da rumliegen, über die ich laufen könnte, um mich zu... Wie sagt man da? Motivieren, klar, oder mobilisieren. Und deswegen ist Andreas Stollreiter super. Er ist Physiotherapeut, hat ein wunderbares Therapiezentrum in München, das sich Therapieraum nennt. Er ist Experte hier bei QVC für eine Linie, die heißt Almi Vital und richtet sich an Menschen, die sich gerade aus körperlichen Gründen nicht mehr so bewegen können, weil sie müde Beine haben. Also es sind Cremes und Behandlungsmethoden. Um an der Stelle zu motivieren und er nimmt solche Sachen auf sich wie 100 Tage Amazonien oder 100 Tage im Himalaya und Andreas Burning Man Festival, was ist denn das?
Andreas: Ja, hallo Miriam, grüße dich und auch da draußen, hallo. Ja, gehen wir erst auf den Burning Man ein, weil das ist nämlich genau das Interessante. Es ist eine komplett andere Sache als meine eigentlichen Reisen, die ich sonst unternehme. 100 Tage Tibet, 100 Tage Amazonien, das geht ja eher zum Urvölker, um Traditionen. Und Burning Man, da ist schon der Kontakt, das ist auch eine Tradition. Aber da geht es mehr um den Spirit, um das Gemeinschaftliche, dass dort 80.000 Menschen sich in der Wüste von Nevada treffen. und viele werden immer behaupten, das ist doch so eine Art Woodstock und Sex, Drugs und Rock'n'Roll.
Miriam: Dann fahre ich da auch mal hin.
Andreas: Das ist ja schon der erste Ansatz. Man sagt, motiviert ist man da schon mal. Ja, man könnte sagen, das ist bestimmt auch ein Teil, aber da geht es um viel mehr. Man merkt es erst, wenn man dort ist. Das ist ein Indianer-Reservoir mitten in der Wüste von Nevada. vor 30 Jahren ein paar Leute aus San Francisco angefangen sich so zu treffen, dort mit Kunst und Musik irgendwas zu schaffen und mittlerweile treffen sich da auf einer Größe von Manhattan 80.000 Menschen und konspirativ, es gibt nur Tauschhandel, es wird alles getauscht, es gibt Workshops, Meditationsworkshops, jeder bringt was in die Gemeinschaft mit ein und es gibt keinen Geldverkehr und das ist das Spannende und jeder ist mit jedem und jeder kann mit jedem und es ist, sage ich mal, happy life, happy world, so wie man es sich wünschen würde und man stellt sich die Frage, warum geht das nicht in der normalen Welt und das ist ja gerade momentan ein ganz großes Thema, wenn alles so ein bisschen den Bach runter geht, ist das wirklich so ein Platz, ich kriege auch gleich Gänsehaut, das kann man mitnehmen oder das ist wirklich was, was ich theoretisch jedem empfehlen kann, Burning Man holt einen ab, mich hat er auch erst nach vielen, vielen Jahren abgeholt, wie so viele Dinge, ich mache alles aus dem Bauch raus, ganz oft. Ich entscheide kurzfristig auch, wenn man manchmal sagen will, ist das jetzt vielleicht gar nicht passend. Da gehe ich oft einen Schritt darüber hinaus und merke eigentlich im Umkehrschluss immer, das war genau die richtige Entscheidung und bringt mich eigentlich immer ein Stück weiter. Obwohl man erstmal denkt, vielleicht habe ich da jetzt wieder so ein bisschen ein Step-Back gemacht, was meistens nicht der Fall ist.
Miriam: Also ich kann mir vorstellen, dass viele unserer Hörer diese intuitive Entscheidung kennen von sich selbst, weil sie eine tolle Idee haben und dann auch sofort anfangen, vielleicht da was zu machen in die Richtung. Und dann irgendwann auf dem Weg zu dieser Idee gibt es vielleicht Struggle. Ich weiß nicht, wie das bei dir ist. Ich habe es genannt, Motivation im Extremmodus. Wenn ich mir vornehme, 100 Tage Amazonien oder 100 Tage Tibet, dann steige ich aus dieser Welt aus für eine lange Zeit. Dann weiß ich vielleicht auch nicht im Detail, was mich erwartet. Also das ist jetzt von mir so hingesprochen. und Gibt es da schon in der Vorbereitung für solche Reisen, egal von welcher wir jetzt sprechen, Augenblicke, wo auch ein Andreas Stollreiter sich fragt, bin ich denn des Wahnsinns?
Andreas: Ja, die gibt es. Ich habe das Glück, einen ganz tollen Freund zu haben, der Jörg Hoves, der eben Fotograf ist und diese Bücher für National Geographic rausbringt, 100 Tage in. Unsere nächste Reise ist 100 Tage Ozeanen, wir werden alle Weltmeere mit einem Kajak bereisen. Das wird eine richtig heftige Geschichte und ich muss dazu sagen, ich bin kein Segler, genauso wie ich vor Tibet kein Bergsteiger war. Ich war maximal mit den Ski oben auf dem Berg und Buddhist war ich auch keiner und bin nach wie vor keiner, aber ich interessiere mich dafür. Und natürlich hat man eine gewisse Skepsis und sagt, ist das jetzt alles wirklich so easy und komme ich da zurück? Gerade wenn man dann eben andere Leute hört, wie die Eltern ja häufig so, und warum muss das sein und warum machst du das? Zweifelt man schon so ein bisschen, aber man wägt so ab. Einerseits verlasse ich mich ein bisschen auf meinen Freund, der vorher natürlich viele Sachen abklärt, aber es ist leider nicht alles kalkulierbar wie im Leben. Ich bin jetzt nicht überschießend risikofreudig. Aber es gehört mit dazu, zu sagen, okay, das ist zu handeln und in gewissen Momenten diese Sensibilität zu entwickeln, gehe ich jetzt diesen Schritt darüber hinaus oder warte ich vielleicht kurz, bis sich da irgendwas auftut oder ändert. Wir hatten ganz, ganz viele Situationen, die wirklich spannend waren und wo man sagt, also häufig ergibt sich schon, wenn man die Augen offen hält und dafür bereit ist, ergeben sich oft die richtigen Dinge, auch wenn es manchmal vielleicht ein bisschen länger dauert.
Der innere Dialog vor der Gefahr
Miriam: Was genau passiert dann in dir? Ich erkläre dir, warum ich die Frage stelle. In unseren Seminaren gehen wir von so einer Art Dialog im eigenen Kopf aus. Das heißt, täglich über mehrere Stunden, nämlich da, wo wir nicht mit anderen Menschen kommunizieren, direkt jetzt, also wo wir was aussprechen, passiert genau das im Kopf, was wir normal nach außen tun. Wir reden. Also ein Gedanke ist auch ein gesprochenes Wort, nur eben in unserem Kopf. und dieses, manche nennen es Kopfkino, dann ist es noch verbunden mit irgendwelchen Bildern. Ich höre mich oft selbst, wie ich denke. Wenn ich heute zur Vorbereitung mit dir gefahren bin, habe ich die ganze Autofahrt gedacht, welche Fragen stelle ich dem am besten? Ich weiß schon, welche Fragen, ach ja, das ist eine gute Frage, dann habe ich die im Kopf vorformuliert, ich gehöre auch zu denen, ich liebe ja Sprache. Ich formuliere es dann im Auto auch schon mal aus und höre mir selbst zu. Wie klingt die Frage? Ist es spannend? Gibt es so eine Art inneren Dialog, den du hast, wenn es zu Schwierigkeiten kommen könnte?
Andreas: Ich denke jetzt da auch gerade drüber nach und meine Mutter wird sich tierisch freuen. Meine Mutter ist sehr gläubig und ich eigentlich nicht. Und ich würde tatsächlich, wenn ich jetzt an Situationen denke, wo ich manchmal sage, oh ja, ist das denn jetzt wirklich okay? Also wir hatten so eine Situation, wir wollten in Kailash umrunden, der heilige Berg der Buddhisten und es wurde uns verboten eigentlich, weil wir in der Winterzeit dort waren und noch kein Mönch den Berg verlassen hat, um eben Nahrungsmittel aufzunehmen. Das heißt, dann ist es noch nicht begehbar. Wir mussten aber um die Jahreszeit, weil wir einfach einen Timeslot hatten, wo wir einfach diesen Berg umrunden mussten und mein Freund und Kollege Jörg meinte, wir machen das jetzt einfach, übernehmen die Verantwortung. Und ich so, okay, klingt so, als ob das ziemlich gefährlich wäre, wenn die Tibeter schon nicht rumlaufen. Ich habe dann so in mich reingehorcht und jetzt kommt eben dieses Wort, dass meine Mutterfreundin Gott vertrauen. Also in dem Moment, muss ich fast so sagen, war es eben so ein Gefühl, die Reflexion, dass ich sage, okay, das steht über meiner Und das war so eine Reflexion, nee, das passt, da kommst du hin. Das war stärker als eben vielleicht mein Abwägen, ob ich es vielleicht doch lassen sollte. Und das habe ich dann eben eigentlich immer. Das könnte man so ein bisschen Leichtsinn nennen. Ich nenne es vielleicht eher Gottvertrauen. Manche würden vielleicht auch die innere Stimme dazu sagen, auf die sie hören dann in dem... Ich weiß von meiner Mutter, die ich anders kenne, ich höre gerade kein spirituelles, anderes Wort ein. Wie gesagt, ich bin jetzt nicht streng gläubig oder dergleichen, aber in dem Moment würde es vielleicht sogar ganz gut passen.
Miriam: Passiert dann dennoch sowas wie ein inneres Gespräch, das du hörst im Kopf? Also wenn du in dem Augenblick, wo dein Freund dir sagt, du ich übernehme die Verantwortung, wir gehen diesen Weg, auch wenn den im Moment noch kein Einheimischer gehen will. Gibt es sowas wie einen inneren Dialog? Also könntest du dir selbst zuhören, wie du dann denkst?
Andreas: Auf alle Fälle. Also es geht schon hin und her. Es ist ein Dialog zwischen mir und meinem Über-Ich. Ja, also so kann man das schon sehen und das diskutiere ich dann auch aus und das kann auch mal dauern. Also wir hatten ja dort viel, das sind auch immer Sachen, da hast du relativ viel Zeit. Ich hatte jetzt nicht oft dieses, ich muss jetzt sofort irgendwie diesen Schritt gehen. Ja, das sind so Sachen da, du reist dort an, es ist ja eben auch die Reise dorthin, du weißt ja schon, worauf du dich einlässt so ein bisschen, hast ja schon mal was gehört, Amazonas, wilde Indianer, Untouched Area, keine Ahnung, man weiß nicht, wie die reagieren und so. Da hatte ich auch Geschichten von Jörg, er ist ehrlich zu mir und hat gesagt, so und so, das weiß er, aber was schlussendlich passiert, kann man nicht sagen. Und das war dann auch so, okay, wir haben das eine miteinander gemacht und überlebt, dann werden wir das auch hinbekommen. Aber das geht dann schon so ein paar Tage hin und her, aber das Grundgefühl muss stimmen.
Miriam: Das Gefühl beeinflusst dann deinen inneren Dialog und was sagst du dir, wenn du dann entschieden hast, innerlich das mitzugehen? Oder jetzt nehmen wir das konkrete Beispiel nochmal. Kurz bevor du dann zu York gegangen bist und hast gesagt, okay, wir machen das, gibt es so einen prägnanten Satz, den du dir im Kopf, sowas wie, ich mache das jetzt oder okay, wir machen es. Oder manche sagen ja auch zu sich selbst, komm, tu es jetzt oder so.
Andreas: Ja, ich glaube, es hat irgendwann mal begonnen, dass ich gemerkt habe, dass ich vielleicht Ich kann es auch Glück nennen, einfach irgendwann mal den Step gemacht habe, dass, wenn ich gemerkt habe, hey, es kam ein positives Ergebnis bei rum, dass ich dann an vergangene positive Ereignisse denke und denke mir, hey, irgendwie, das hat was mit der eigenen Energie zu tun. Also ich bin schwer davon überzeugt, so wie man es rausstreut, so kommt es auch zurück. Und das ist bei mir persönlich, ich kann nur von mir sprechen, der Grund, warum ich eigentlich zu solchen Sachen stehe und sage, okay, das passt, das mache ich.
Miriam: Sag mal der das? War das der Satz? Okay, das passt.
Andreas: Das passt. Ja, das ist nicht mehr, nicht weniger. Das passt. Ja, das trifft's. Das passt.
Wie Abenteurer im Dschungel miteinander reden
Miriam: Wenn wir bei Sprache bleiben, wie kommunizieren denn Abenteurer miteinander im Abenteuer? Also wenn ihr dabei seid, diese Wanderung oder diesen Weg zu gehen oder in Amazonien, ich weiß nicht, wie ich mir das vorstellen soll, durch Büsche oder nur Wald zu gehen.
Andreas: Ja, mit einer Cessna rein in den Wald und dann irgendwo landen, wo es im Zweifelsfalle möglich ist, manchmal auch wirklich wild, wo man nicht genau weiß, ob man da landen kann. Das war teilweise auch... Unter dem Radar irgendwie militärisches Gebiet, darf man nicht rein und dann einfach dort gelandet. Der Pilot ist wieder geflogen und hat gesagt, abhol Zeit da und da, wenn ihr nicht da seid, Pech gehabt. Sowas kann dann schon aus sein, es war teilweise gemäßigter, aber trotzdem immer noch so wild, dass man sagt, gut, wenn es Regenzeit hat und es regnet sehr oft im Regenwald, dann kommst du auch nicht einfach wieder raus. Also es gibt keinen Schedule, keinen Plan. Du musst dich darauf einlassen können, kann auch mal länger dauern und dann musst du einfach sagen, ja, go with the flow. und wie wir dann eben kommunizieren, das ist witzig, wir sind da extrem zusammengewachsen, ja, das ist so ein Ding, wir reden gar nicht viel über die Sachen, die dort passieren, ehrlich gesagt, das ist eher so, wir lassen uns ein bisschen treiben, weil planen kann man eh nichts, wir unterhalten uns dann eher so über unsere eigene Gefühlswelt und das ist eigentlich das, was ich an den ganzen Reisen so schätze, dass wir, ich sag mal, gegenseitig unser Psychologe sind, wir haben dann immer, jeder hat so seine Päckchen mit sich zu schleppen und ich komme nach so einer Reise immer, Total entspannt und zufrieden zurück, also in mir. Genau, wo man viele sagen, das ist doch so stressig und das ist ja der Urlaub.
Miriam: Das ist super spannend, auch für unser Thema, weil wir generell und das leben wir selbst, also mein Lebensgefährte und ich, wir unterrichten gemeinsam in unseren Seminaren Kommunikation und wir leben das sehr, dass wir kaum und wenn dann ganz wenig auf Probleme eingehen, die gerade da sind, sondern dass wir über die guten Dinge sprechen. oder über Sachen, die uns gerade beschäftigen, die gar nichts damit zu tun haben. Da habe ich mich super wiedererkannt eben. Ist das auch eine Strategie, um eben nicht zu versinken in diesem, oh je, da lauert jetzt die nächste Gefahr und jetzt kommt vielleicht das und wir könnten uns da reinsteigern. Nur vielleicht passiert ja auch gar nichts Schlimmes. Also es ist dann besser, gar nicht drüber zu sprechen und das Gehirn gar nicht da reinzulassen in diese Falle.
Andreas: Eigentlich ja, weil oft verändert sich, ich sag mal, wenn man sich da nicht drauf einlässt, lässt man sich ja eigentlich auf was anderes ein. Im Zweifelsfall ja was, wo man sagt, oh gut, das klingt besser. Und dadurch verändert sich ja schon wieder alles. Und ja, man schlängelt sich, auch das klingt so ein bisschen verdrängend, ist es aber nicht, schlängelt sich da drum rum. Also das verpufft und deswegen, ja, so funktioniert das für mich.
Miriam: Kennst du übrigens auch, lieber Hörer, liebe Hörerin, wenn ein Kind zum Beispiel sich das Knie gestoßen hat und fängt fürchterlich an zu weinen und ich gehe als Mutter hin und erzähle dann die ganze Zeit noch über dieses blutende Knie und sage, das blutet ja, oh weia, das ist eine große Wunde, dann wird es nicht besser mit dem Heulen, sondern wenn es mir an der Stelle gelingt, selbst wenn ich mitleide mit diesem Kind, Das abzulenken und über was ganz anderes mit dem zu sprechen. Also kurz zu sagen, oi, da bist du ja hingefallen. Weißt du was, wenn das jetzt gleich aufgehört hat zu bluten, dann gehen wir ein Eis essen oder dann gehen wir auf den Spielplatz. Oder im Zweifel, ich habe diese tollen Pflaster mit dem Mickey Mouse drauf. Also den Kopf wieder woanders hin zu schwenken gedanklich. Wäre das eine Strategie, die du wiedererkennst in dem, was ihr da macht?
Andreas: Absolut. Also eben übergeordnetes Gehirn, das uns ja in so vielen Momenten beeinflusst. Ich habe das Beispiel ja tagtäglich in der Praxis bei mir. Ich habe Patienten, die kommen wirklich mit körperlichem Leiden. Probleme, Schmerzen hier. Man hört dann aber oft auch schnell raus, dass da ganz andere Sachen eigentlich im Fokus stehen. Wenn die dann anfangen zu erzählen von irgendwelchen privaten Dingen und ich beim Behandeln bin und teilweise auf Strukturen, die ihnen eigentlich total wehtun, und die dann aber irgendwie loslassen, weil sie sich eigentlich auf ihr inneres Problem wiederberufen. Der Körper schreit ja oft einfach nur, weil er sagt, okay, er muss das irgendwie kenntlich machen, dass da ein Problem vorherrscht und häufig Es ist eben ganz, ganz viel davon passiert im Kopf oder einfach in unserer, ich sage jetzt mal, Seele. Und es passiert oft, dass ich Patienten an Körperstellen behandle und die dann danach zum Weinen oder zum Lachen währenddessen anfangen und sich dadurch eigentlich, also die Stellen an sich habe ich nur berührt, gedrückt, gedreht, gedehnt. Die Emotion kommt raus und durch die Emotion löst sich dann der körperliche Schmerz. Und da sieht man schon, wie eng das alles miteinander verknüpft ist.
Sprache in der Praxis: Ziel und Selbstverantwortung
Miriam: Gibt es denn sprachlich Dinge, die du in deiner Praxiserfahrung als Physiotherapeut bemerkt hast, die du ganz bewusst einsetzt, wenn Patienten da sitzen und sowas sagen wie, ich kann das nicht. Also es gibt ja auch Forderungen an den Patienten, schätze ich, wenn der wieder mobilisiert werden darf oder so.
Andreas: Ich mache den Patienten schon bewusst, dass es gewisse Dinge gibt, die muss man einfach machen. Also was ich zum Beispiel ziemlich strikt darlege, schon bei der ersten Behandlung sage ich, okay, ich erkläre ganz genau, was ich mache, ich erkläre auch genau, was passiert und was die Zusammenhänge sind. und dann aber auch, dass es nichts ist, wo man sagt, man ist jetzt passiv hier, ich bin jetzt hier und das ist ja oft so, man legt sich da hin und jetzt werde ich massiert, ne massiert bei mir gar keiner, also Massage gibt es nicht, sondern es ist immer so ein Miteinander, ich bringe den Körper wieder in seine Funktion, in seinen physiologischen Normalzustand Und um dem beizubehalten, erkläre ich dem Patienten, ist er jetzt selber selbstverantwortlich. Man muss das selber in die Hand nehmen. Ich gebe ihm die Werkzeuge an die Hand und dann müssen sie aber gucken, dass sie das dauerhaft mitnehmen. Das ist nicht so schwer. Das sind kleine Sachen, die man aber einfach berücksichtigen muss und dann kommt man gut durch. Und wenn dann doch mal wieder was ist, darf man auch wieder kommen.
Miriam: Das heißt, was ich jetzt herausgenommen habe, ist, wichtig ist eine Transparenz für dich, dass der Patient gut informiert ist, dass du und dein Partner, die ihr durch den Amazonas geht, vorher sehr gut klar habt, was ihr vorhabt. Wie relevant ist das Ziel in beiden Fällen?
Andreas: Zielsetzung ist wichtig, also wie jetzt im Beispiel wieder Tibet, es war ja nicht so, dass wir jetzt da so eine Mickey-Maus-Reise gemacht haben, sondern es waren Ziele, die eigentlich die Chinesen, kann man selber Namen nennen, nicht so fein finden, wenn man die eben abgrast und wir waren im Auftrag des Dalai Lamas unterwegs, das heißt, wir mussten da auch so ein paar Sachen angehen, die vielleicht nicht so... in Ordnung waren für die Regierung und dementsprechend waren die Ziele gesetzt, wir müssen da hin und das war dieses Kalasch-Thema, um das nochmal aufzugreifen, hätte auch sagen können, naja, dann lassen wir den halt aus, machen wir nicht, aber das war so, nee, wir müssen den machen, das ist der Big Goal, da müssen wir drumrum und dann haben wir das diskutiert und waren uns schlussendlich einig, so wie der Patient mit mir auch, ja, ich sag, hör zu. Das muss so sein. Es hilft nichts. Das Ziel ist, ihm zum Runden dieses eine Bild zu schießen von der Seite. Und beim Patienten ist das Ziel, dass er nach fünf, sechs Behandlungen eben selber auf sich achten kann und präventiv arbeitet. Und deswegen ein Ziel.
Miriam: Würdest du dieses Ziel den Patienten sehr klar machen?
Andreas: Oh ja, manchmal muss man das sehr klar und deutlich machen. Also auch mit dem, was passieren könnte, wenn man das nicht macht. Also die Idee, du kannst das jetzt aussuchen, du kannst jetzt die nächsten zwei Jahre einmal in der Woche zu mir herlaufen, eine Stunde, oder jeden Tag zehn Minuten selber was machen. Zum Beispiel, ich weiß nicht, wann ich meinen Sport machen soll, aber du kommst ja auch einmal in der Woche eine Stunde zu mir. Also ich verlange von dir eigentlich nur 10 Minuten am Tag. Das hochgerechnet ist weniger. Wie sieht es aus? Und eben, so wirklich zeigen, bildlich darstellen, was ist es eigentlich, was wir erreichen wollen.
Miriam: Heißt das, für dich gibt es sozusagen zwei Pole. Es gibt das Big Goal, also das Ziel. Das wäre beim Patienten ja am Ende auch Genesung. Und es gibt eben auch sozusagen die andere Seite, also was ist, wenn wir es nicht tun? Das ist dann so eine Art Heckantrieb, weil das will ich auf gar keinen Fall. Also ich will zum Beispiel jetzt im Fall von Tivet nicht ankommen zu Hause und habe dieses Bild nicht gemacht und stehe dann da und sage, die beiden beauftragen wir nicht mehr, die Weicheier.
Andreas: Genau, das ist genau der Punkt. Da ist im Background natürlich auch jemand, der was erwartet. Und genauso sollte jetzt ein Patient von sich selber was erwarten.
Miriam: Das kennen wir von vielen Leistungssportlern. Das sind so die Managertypen, die ein Unternehmen aufbauen. Die haben keinen Heckantrieb, die haben nur den Frontantrieb oft. Also die sehen die große Vision und was dann am Ende steht. Und da können die sich jeden Tag 50 mal drin baden, so ungefähr. Und das macht denen wirklich den Zug dahin. Und bei Leistungssportlern kennen wir es oft, was passiert, wenn ich das jetzt nicht durchhalte, das Training oder wenn ich diesen Weg nicht gehe.
Andreas: Werbeverträge, wie auch immer, da ist Druck.
Miriam: Ist das nützlich? Ist das auch beim Patienten nützlich, findest du?
Andreas: Ich sage mal gesunder Druck, weil es ist ja eine Tatsache. Es ist nicht irgendwie so ein Szenario, wo da könnte irgendwie, sondern nee, das ist so, wenn ein Patient eben, ich sage jetzt mal, ich habe Patienten, die laufen, Manager, wenn man das aufzugreifen, die suchen sich ihr Ventil eben in Extremsportarten, ganz häufig, die haben dieses große Ziel und die streben danach, sind eh schon irgendwie 16 Stunden am Tag unterwegs und dann gehen die aber auch noch 3 Stunden laufen, weil sie nächste Woche einen Marathon durchziehen wollen. Können das wirklich nicht lassen, haben enorme Schmerzen, Arthrosen und dergleichen, kommen zu mir und ich sag halt zu, Ganz ehrlich, so wirst du mit 45 eventuell tatsächlich ein künstliches Knie haben. Punkt. Also überleg dir, ob man vielleicht nicht irgendwie, es ist ja nicht verboten, ein Ventil zu haben, aber anzupassen. Das heißt, man muss auch wissen, der Druck von hinten.
Reden auf Augenhöhe – im Kleinen wie im Großen
Miriam: Ich finde es super spannend, es sind tolle Tipps, weil was können wir unserem Hörer sagen an der Stelle? Von einem Menschen, der sich selbst in extreme Leistungen motiviert und auf der anderen Seite ständig Menschen um sich hat, die motiviert sein wollen, die in die Praxis kommen, um ein Ziel zu erreichen, nämlich wieder gesund zu sein. Und was ich jetzt für mich so rausgehört habe, ist, das Ziel ist sehr wichtig und das verbalisierst du auch nach draußen. Also du und dein Freund, ihr sprecht darüber, was sind die Etappenziele, was ist das große Ziel dieser 100 Tage. Ihr habt das auch beide klar und ihr habt es abgeglichen miteinander.
Andreas: Grundsätzlich ist es ja, es ist eigentlich sein Projekt. Es hat sich einfach so ergeben, ich war damals, er hat mich damals, ja, ich habe ihn osteopathisch behandelt und da sind wir eben bei diesem Tibet-Thema damals drauf gekommen und es wäre ja toll, wenn ich dabei wäre und es wäre super. Und er war schon auf der ersten Reise und dann wurde er von den Chinesen aus des Landes verwiesen. und musste dann eben nochmal einreisen und meinte so jetzt und ich hab mir gedacht, das nächste Mal wäre ich dabei, das war eigentlich nur so dahingesagt, weil ich dachte nicht, dass er nochmal einreisen wird und dann ging das eben los und da haben wir natürlich eben die Sachen abgesprochen, er hat formuliert, was er eigentlich mal haben wollte und ich hatte die, hab mir auch genau erklärt, das oder jenes könnte passieren Es wird die Reiserin des Lebens, das auf alle Fälle. Und seitdem besprechen wir das auch, war jetzt gerade heute bei ihm, um mir mein neues Buch 100 Tage Amazonas abzuholen. Das ist dann doch schön, wenn du das Endprodukt siehst. Und eben haben wir das neue Projekt schon ein bisschen besprochen, das dann eben nächstes Jahr im Sommer losgeht, wenn wir dann eben, nicht nächstes Jahr, 2018 im August, wollen wir dann anfangen mit unseren 100 Tagen Weltmeere. Und eben was für Ziele wir da haben, eben die Beringsee mit dem Plastikmeer, das dort ist, dann die Krabbenfänger begleiten, zum Nordpol durchstoßen mit so einem Atom-U-Boot und so Geschichten. Das sind dann Sachen, wo man schon auch sagt, wie gefährlich das ist und dann sind die Ziele gesteckt und man packt es an oder nicht.
Miriam: Wie wendest du es jetzt im Alltag an, wirst du dich fragen, weil in den seltensten Fällen wird einer unserer, vielleicht gibt es ein paar, die jetzt die Hand heben und sagen, ja, das frage ich auch vor, ich komme mit. Also die, die im normalen Alltag sich fragen, wenn mein Kind nicht so gern zur Schule geht oder wenn ich bei mir merke, ich nehme mir Sachen vor, fange die an, höre dann wieder auf oder ich kann mich gar nicht motivieren, noch nicht mal was anzufangen. Wir haben das in unseren Sendungen ja auch ganz viel. Also jetzt gerade heute, wo wir aufzeichnen, wir senden heute um 23 Uhr gemeinsam Und da geht es ja auch um eine Wiedermobilisierung, eine Behandlung, eine Unterstützung in Situationen, wo der Körper nicht so will. Wie kann ich da sprachlich etwas tun? Zwei Dinge habe ich gelernt. Zum einen dieses Zielwissen, Ziel vor Augen haben. Zum anderen dieses, ich bin mir auch dessen bewusst, was passiert, wenn ich es nicht mache. Also das ist wichtig. Ich glaube, dass wenige Kinder, die nicht so gern zur Schule gehen oder so Phasen haben, wo sie vielleicht so ein bisschen motzig sind und ihre Hausaufgaben nicht machen, dass die gefragt werden, was ist denn das Ziel von deinem Verhalten gerade? Also willst du damit erreichen, dass du das nicht machst? Willst du von der Schule fliegen? Das mal wirklich auch anzusprechen und nicht nur darüber nachzudenken, sondern wirklich das auch auszusprechen. und was ich auch rausgehört habe ist, Kommunikation gerade im Verlauf eines Projektes, eines spannenden Projektes, braucht nicht unbedingt ständig um dieses Projekt zu kreisen, sondern das kann auch sehr schön ausschweifen in ganz andere Lebensbereiche, während ich dran bin, während ich meine neue Wohnung streiche, brauche ich nicht ständig über die Farbe und den Pinsel nachzudenken, Sondern ich kann mit dem besten Kumpel oder der besten Freundin, die mir dabei hilft, Pläne schmieden für den nächsten Urlaub oder Dinge besprechen, die mich schon die ganze Zeit beschäftigen. Vielleicht Lösungen suchen für eine Partnerschaft, die nicht so gut läuft, was auch immer.
Andreas: Das kann man gar nicht so, gerade wenn man es so laufen lässt, fließen lässt, nenne ich es mal, dann merkt man ja oft, wie man irgendwie so schlussendlich abschweift, aber irgendwie doch die Verbindung findet und dann sich Probleme, wie gesagt, dann teilweise abschweift. Auflösen. Also muss ich natürlich immer verschiedene, was ich dann schon mache, eben was wäre wenn. So geht es da lang, aber ist ja, ich sage jetzt mal, auch nicht schlimm. Dann muss man halt wieder irgendwie umkehren oder nicht umkehren, sondern einfach einen Links- oder Rechtsschwung machen. Wenn man flexibel bleibt und vor allem auf Augenhöhe, gerade wenn es um Kommunikation geht, ist es auch wichtig, dass man auf Augenhöhe spricht, egal ob es jetzt eben mit einem Kind ist oder sich reinversetzen kann. Das ist auch so ein Thema. Wir haben ja dann auch jetzt die Reisen Mit Indianern zu tun, das sind Urwaldmenschen, die dir suspekt sind, du bist ihnen suspekt. Und was die zum Beispiel machen, was ich ganz, ganz toll finde, egal wo du ankommst, da kommt erst der Stammesrat zusammen, die setzen sich dann im Kreis auf, sitzen dann mit ihrem Speer, haben dann ihr Chicha, ihren kleinen alkoholischen, unter Anführungsstrichen fermentierten, ihren Maniok-Drink und sitzen da und du musst vorsprechen. Was bist du? Was machst du? Was hast du vor? Und einfach miteinander kommunizieren und einfach so Barrieren aus dem Weg zu räumen. Weil wenn ich nicht spreche, weiß der Gegenüber ja auch nicht, was ich will. Und das ist eben sowas, was ich selber für mich übernehme. Ich war früher auch nicht der große Redner. Also ob es jetzt in Beziehungen ist oder in allen Bereichen. Und ich sage mal, es macht es schwierig, wenn man nicht spricht.
Miriam: Ach super, noch ein Tipp. Ihr Lieben, ein ganz spannender Podcast geht zu Ende. Ich bedanke mich bei dem Andreas für so viel Information. Wir finden dich, lieber Andreas, wenn wir mehr über dich und deine fantastischen Projekte wissen möchten. Wo?
Andreas: Ja, also am meisten über die Projekte erfährt man bei York-Hovest, 100 Tage Amazonas, beziehungsweise 100 Tage Tibet. Das sind die aktuellen Projekte, die wir mit unseren Reisen gemacht haben. und ansonsten, ja, ich bin in München ansässig, habe dort meine Praxis für Physiothera und Osteopathie, ganzheitliche Medizin, das heißt auch mit Yoga, Pilates, Meditation und AlmiVital ist so ein Herzensprojekt, das nämlich das Ganze noch abrundet, was man eben noch zutun kann und da wird auch immer wieder von mir auf deren Facebook-Seite berichtet, was ich so treibe, ob es Burning Man ist oder eben auch irgendein anderes spannendes Projekt.
Miriam: Das heißt, es gibt Internetseiten, es gibt Links, ich packe die unter diesen Podcast in der Beschreibung, die kannst du mir jetzt gleich diktieren, damit die auch alle stimmen. Dann kannst du, liebe Hörerin, lieber Hörer, das nachsehen, nachlesen, nachanschauen. Es gibt ja wahrscheinlich auch kleine Filme oder sowas, wo das geht. Genau, toll. Sehr, sehr spannend. Vielen Dank für viel Motivation für uns zu kommunizieren und auch in welche Richtung.
Andreas: Die Welt müsste mehr kommunizieren momentan, im Kleinen wie im Großen und einfach reden.
Miriam: Abenteuer Sprache, kann ich da nur sagen. Ihr Lieben, habt eine tolle Woche. Nächsten Dienstag gibt es den nächsten Podcast. Wie immer, ich danke dir fürs Zuhören. Du findest alle Informationen zu unserer Arbeit unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops, wenn du mehr wissen möchtest zum Thema Sprachzauberei. Und wir freuen uns über Bewertungen dieses Podcasts bei iTunes. Verteil uns bitte einen ganzen Sternenhimmel, wenn du magst. Hab eine schöne Woche. Tschüss.
Andreas: Danke. Ciao.