Vor dem Spiegel stehen und denken "heute sehe ich dick aus, das Haar liegt nicht, und dann noch dieser Pickel" – und plötzlich fällt dir auf, dass du an genau so einem Morgen auch über alle anderen härter urteilst. Eine Leserin hat Miriam und Florian gefragt, ob das zusammenhängt: das Gefühl für dich selbst und die Wertungen, die du über die Welt abgibst. In dieser Folge gehen sie dieser Frage nach – mit einer ungewöhnlichen Übung, die einen kleinen Satz an jede Wertung hängt: "genau wie ich".
Sich selbst auf dem Bildschirm aushalten
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Ich finde es nicht mehr dramatisch, mir meine eigenen Film- und Fernsehausschnitte anzusehen.
Florian: Das ist ein Fortschritt. Voll gut. War das früher anders? Oh ja. Wirklich? Oh. Ich hätte gedacht, dass du das schon immer gut fandst.
Miriam: Nein. Das hat sich total verändert.
Florian: Hallo, liebe Hörer da draußen.
Miriam: Juhu, hier ist der Podcast mit den zwei Gehirnen.
Florian: Das wurde schon im Intro gesagt. Hast du letztes Mal gesagt, als ich über das Intro geredet habe.
Miriam: Ja, das stimmt.
Florian: So wie ich.
Miriam: Ich finde diesen Claim so toll.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Ich bin Fan von unserem Claim.
Florian: Zwei Gehirne, zwei Mikrofone.
Miriam: Nee, eins. Und ich lasse mir, glaube ich, auch ein T-Shirt machen. Apropos T-Shirt. Es gibt bald T-Shirts. Das stimmt.
Florian: Und meistens reden wir in unserem Podcast über Themen.
Miriam: Das stimmt. Das erste Thema, das ich mir heute notiert habe auf meinem inneren Notizblock ist, letzte Chance, komm zum Sprachzaubertag. Es ist eine tolle Truppe zusammen. Wir freuen uns riesig auf unseren Sprachzaubertag am 1.10.2017 im schönen Bad Nauheim, ganz in der Nähe von Frankfurt am Main. Gut mit dem Zug zu erreichen. Wir haben einen intensiven Tag mit dir vor, mit dir und deiner Kommunikation.
Florian: Allerdings.
Miriam: Und es gibt noch drei, vier Plätze. Ja. Also schau gerne auf unserer Seite vorbei, www.kontext*denken.de unter Seminare, unter Sprachzaubertag und dort auf Anmeldung klickst du.
Florian: So, jetzt mit der Werbung aus dem Weg.
Miriam: Ich finde das wichtig.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Ich möchte so gerne unsere Hörer kennenlernen. Das wird ein toller Tag. Zählt schon.
Florian: Schreib mir mal an florian-denken.de eine E-Mail, dann schicke ich dir einen extra Podcast-Hörer-Rabattcode.
Miriam: Mega.
Florian: Weil das tatsächlich auch, ich finde es auch spannend rauszubekommen, wer hört unseren Podcast und kommen die dann zu uns. Das finde ich sehr unterstützenswert.
Miriam: So, jetzt nochmal zurück auf letzte Woche. Da haben wir ja dieses Vergleich dich nicht mit anderen, sondern lieber mit dir selbst. Und ich habe mir überlegt dann in der Woche, ich höre unsere Podcast ja immer nochmal wieder, und dann habe ich mir überlegt, was hat sich denn so maßgeblich mit mir selbst verändert? Und da kam ich drauf, weil eine Freundin von mir jetzt Filmaufnahmen gemacht hat für einen Imagefilm für ihre Firma und da hat sie auch was gesagt. Und dann sagte sie, Miri, das ist total schlimm, wenn ich mir zusammen mit dem Filmproduzenten da meine eigenen Ausschnitte angucken muss. Sag ich, zwingt der dich, soll ich hinkommen und mit dem reden? Sagt sie, nein, ich muss das ja machen, weil der will ja, dass ich die richtigen Schnipsel da raussuche. Und dann sehe ich mich da und denke die ganze Zeit, oh nee, wie ich da stehe, wie ich rede, wie meine Stimme klingt. Wie machst du das? Guckst du dir überhaupt Sachen von dir an oder hörst du dir Sachen von dir an? Florian guckt schon groß.
Florian: Ich kann unsere Podcasts quasi auswendig.
Miriam: Das stimmt. Und auch unsere Beziehungskisten-Videos.
Florian: Ich bin mir auch bei den Videos nicht so sicher, wie viele von den 100 Hörern dann immer Miri ist.
Miriam: Nee, nee, nee, nee, das mache ich schon anders. Ich gehe über den angemeldeten Einlog-Ding jetzt da, wie du es mir gezeigt hast. Und ich schaue bestimmt zehnmal. Und dann lerne ich was. Ich habe das wirklich bei QVC gelernt. Ich hatte beim hr vielleicht auch durch diese größeren Etappen zwischen den einzelnen Produktionen, hatte ich noch größere Herausforderungen, will ich es mal nennen, mich freien Herzens und mit guten Gefühlen selbst zu beobachten, wie ich moderiere.
Florian: Ich habe das ja auch angefangen jetzt, zum Teil auch Workshops oder Trainings aufzunehmen, Rituale aufzunehmen, wenn ich die in der Arbeit bei Firmenkunden mache, einfach um zu sehen, was passiert da. Für mich ist der Schlüssel an der Stelle, alle anderen sehen mich immer so, wie ich auf dem Video aussehe.
Miriam: Ich glaube nicht, dass das meiner Freundin bessere Gefühle gemacht hätte in dem Augenblick.
Florian: Doch, weil wenn ich es mir anschaue, sehe ich das mal aus der Außenperspektive. Nicht nur so, wie es sich von innen anfühlt und kann anfangen zu kalibrieren, wie ist das mit meinem Innen und dem Außen.
Miriam: Was heißt kalibrieren?
Florian: Ich kann mich darauf einschwingen oder herausfinden, wenn ich denke, ich stehe total entspannt da, stehe ich dann total entspannt da oder schlachse ich durch die Gegend oder sieht es tatsächlich schön entspannt aus von außen oder sehe ich vielleicht auch noch angespannt aus. Das ist einfach was, wo ich für mich gemerkt habe, mit dem Videotraining jetzt auch, dass ich da Feedback bekomme. Ich gucke mir ja unsere Videos auch an.
Miriam: Das stimmt. Du bearbeitest die ja sogar. Also guckst du ja streckenweise intensiv hin.
Florian: Und am Anfang war es ungewohnt, meine Stimme zu hören.
Ein Leserwunsch: Was der Blick in den Spiegel mit unseren Urteilen macht
Miriam: Also worauf ich im Grunde rausfälle, ist, wir hatten eine kleine Welle letzte Woche auf unserer Homepage und bei Facebook und in der Mailbox, die du uns eingerichtet hast, wo Menschen, die auf unserer Seite irgendwas sehen, eine Mail schreiben können. So eine Art Kummerkasten. Und auf meinen letzten Artikel, der heißt, was du über andere denkst, verrät eine Menge über dich selbst, kam eine Welle von Feedback.
Florian: Ich weiß.
Miriam: Ich habe richtig viele Mails beantwortet, ihr Lieben. Das war echt krass. Und vielen Dank an alle, die den Artikel nie nur gelesen haben, sondern mir auch was gefeedbackt haben dazu. Und aus diesem Feedback entstanden auch Wünsche für den Podcast. Also weitere Themen, die da so ein bisschen dran anschließen. Das heißt, ja, du könntest jetzt, um dich zu informieren, schnell den Podcast ausschalten, auf unsere Seite gehen, den Artikel lesen und dann wieder einschalten. Und es geht auch ohne.
Florian: Sollen wir kurz drüber reden, wie das mit dem Podcast ist? Es geht auch ohne. Kurz auf dem Weg zur Arbeit. Ach so, stimmt.
Miriam: Fahr mal rechts ran jetzt.
Florian: Und dann lies mal 20 Minuten, weil Miriam schreibt meistens lange.
Miriam: Ja gut. Also sollten wir kurz den Artikel recappen. Im Artikel geht es darum, dass sobald ich etwas werte um mich herum, also Florian kommt zur Tür rein und ich denke...
Florian: Sobald du sagst, der Kühlschrank kostet zwei Euro.
Miriam: Nee, das ist das, wenn der Kühlschrank wirklich zwei Euro kostet, ist das eine Feststellung. Wenn ich sage, dieser Kühlschrank ist ein besonders schöner Kühlschrank, dann ist es eine Wertung.
Florian: Okay, solche Wertung.
Miriam: Solche Wertung, genau. Oder Florian kommt zur Tür rein und ich denke, das T-Shirt heute steht ihm richtig gut. Oder auch andersrum. Dann sind das Wertungen, mögliche Wertungen. Ja, ich gebe jetzt einfach nur mal Beispiele.
Florian: Jetzt guckt nicht gleich schon.
Miriam: Du siehst immer toll aus. Und du hast die witzigsten T-Shirts der Welt. Und das, was mein Gehirn tut an der Stelle, darf mich wach machen für das, was es in mir selbst oder warum das in mir selbst so eine Wertung auslöst.
Florian: Das waren ja jetzt auch noch harmlose Beispiele von dir.
Miriam: Das stimmt, ich habe die mit Absicht so gewählt. Und eine Übung, die ich nicht selbst erfunden habe, sondern die von einem amerikanischen Trainer stammt, lautet, immer wenn deinem Gehirn so eine Wertung entfleucht, dann häng im Geiste hintendran genau wie ich. Also der Kollege nervt heute wieder ganz schön, genau wie ich. Auch wenn das schräg klingt und sich schräg anfühlt, es zeigt dir sozusagen, wo deine inneren Trigger sind. Und könntest dir überlegen, wie wichtig ist es jetzt tatsächlich und wie verhalte ich mich gerade in dieser Situation? Habe ich schon genauso genervt zurückgeschossen? Bin ich total entspannt? Bin ich fröhlich? Also schön zum Abgleich. Eine Leserin schrieb, das führt zu innerem Frieden, diese Übung. Das fand ich ganz toll. Bei mir führt es im Moment noch zu deutlicher Schieflage an manchen Stellen und ich mache die gerne. Das ist eine spannende Übung. Und da schrieb eben auch eine ganz liebe Leserin, die mir wirklich immer tolle Feedbacks schreibt, also auch lange Feedbacks, dass es ihr einfacher fällt, positiv über die Welt und die Menschen, die sie trifft, zu urteilen, wenn sie morgens aus dem Haus geht und sich selbst toll findet. Und sie merkt, dass ihr häufiger negative Wertungen entfleuchen, im Gehirn und auch verbal, wenn sie morgens schon vorm Spiegel steht und denkt, heute sehe ich irgendwie dick aus in der Hose und außerdem liegt mein Haar nicht gut und da habe ich einen Pickel und irgendwie regnet es. Und sie fragte, ob wir darüber mal einen Podcast machen können. Und Florian sagte, können wir. Warum oder gibt es überhaupt eine Verbindung zwischen ich finde mich morgens im Spiegel vielleicht oder ich fand mich früher mal nicht so schicky und gehe raus und finde auch ganz viel zu kritteln an anderen Leuten. Gibt es da eine Korrelation?
Florian: Eine Korrelation wäre ja das eine, wenn da ein kausaler Zusammenhang besteht, also ein Reiz-Reaktionszusammenhang. Das wäre ja noch spannender. Da könnte man vielleicht was machen. Ich merke halt bei mir, dass wenn ich entspannt bin und wenn ich einen schönen entspannten Tag habe, ich habe schön lange geschlafen, ich habe morgens schon gut gefrühstückt, ich freue mich auf den Tag, dass ich grundsätzlich anders gelaunt durch den Tag gehe und das wäre für mich das. Da fällt mir morgens vielleicht auch überhaupt, also da käme mir morgens gar nicht in den Sinn darüber nachzudenken, ob mir das T-Shirt steht oder nicht.
Miriam: Jetzt bist du ja auch ein Mann.
Florian: Ja. Wie ist das denn bei dir?
Miriam: Ich habe das Gefühl, dass wir, ich will jetzt nicht irgendwie Feminist, hab ich was lustiges gelesen, Feministinnen haben nach dem Saufen eine Katze. Also ich will jetzt nicht, ich will jetzt nicht hier feministisch.
Florian: Wir wollen das nicht und wir tun es.
Miriam: Nein, nein. Und mir ist dazu was eingefallen. Ich habe mich neulich mit einer Kollegin über das Thema unterhalten bei QVC, dass es schon was ausmacht, wenn ich mich in einem Kleid, das ich in der Sendung trage, selbst besonders schön finde vor dem Spiegel und denke, boah, das steht mir ja gut.
Florian: Das kann ich voll nachvollziehen.
Miriam: Und finde, dass mein Make-up auch besonders schick geworden ist.
Florian: Sind das nicht die Tage, wo du auch grundsätzlich besonders entspannt bist?
Miriam: Das habe ich noch nicht beobachtet, denn bei mir ist es immer noch, oder es ist schon besser geworden, ich habe ein Auf und Ab an vielen Tagen. Ich bin in manchen Momenten entspannter und in manchen Momenten angespannter.
Florian: Den Gedanken mag ich. Weil es ist tatsächlich ja über den Tag auch verändert. Also ja, entspanntere Tage heißt bei mir, dass es grundsätzlich entspannter ist. Wenn ich morgens mal unentspannter angefangen hätte früher, hätte ich das trotzdem erstmal nur auf den Morgen bezogen und nicht auf den ganzen Tag. Weil das kann sich ja die ganze Zeit noch ändern.
Miriam: Das stimmt. Das stimmt.
Florian: So, nach diesem kurzen Seitenausflug.
Vom Frack auf der Vogelscheuche zum entspannten Blick
Miriam: Ja, und mir fiel auch auf, dass ich schon zu ganz schön viel Kokolores bereit bin. Ich bin also nicht so eine arg empfindliche, glaube ich. So was jetzt diese Geschichte angeht mit, ich brauche eine bestimmte Hose, einen bestimmten Pullover, damit ich überhaupt vor die Kamera gehen kann oder eine bestimmte Art von Frisur oder eine bestimmte Farbe auf den Augendeckeln. Ich gehöre sogar zu den Frauen, die wirklich, und es gibt da ganz unterschiedliche Befindlichkeiten. Ich gehe in die Maske und dann ist da irgendein Maskenbildner, weil die wechseln auch ihre Schichten. Und wir haben 20 Maskenbildner am Start. Da kann also irgendeiner da sein. Und die fragen dann immer, was wünschst du dir denn? Mach mich hübsch. Dann sage ich immer, mach mich noch schöner. Und dann lachen die schon. Und dann freuen die sich und legen einfach los.
Florian: Wie war ja klar. Ja, dass du so einen Spruch dann bringst.
Miriam: Wieder lachen die, ist doch schon mal gut.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Und dann fangen die an und pinseln und machen das so, wie sie mein Gesicht wahrnehmen oder meine Schönheit entdecken. Und meistens ist es dann auch was Rundes, weil ich die einfach lasse. Die haben ihren Stil, die haben ihre Lieblingsfarben, die haben was weiß ich auch immer. Für mich passt es dann. Für mich sind das empfindliche Abweichungen. Und ja, ich erinnere mich an Tage früher, ich wurde zum Beispiel teils ausgestattet für meine Sendungen beim Hessischen Rundfunk. Da habe ich dann von irgendeinem Designer was anbekommen, was überhaupt nicht der Miri entsprach. Also wo ich drin steckte wie so eine Vogelscheuche im Frack. Oder andersrum. Ein Frack auf einer Vogelscheuche. Weißt schon.
Florian: Ja, bestimmt.
Miriam: Und dann war das auch kein so entspanntes Gefühl vor der Kamera. Und wenn ich das dann später gesehen habe, fiel mir auch ganz viel auf an, das sieht an den Schultern viel zu breit aus oder das sieht ganz schief aus. Das steht mir nicht.
Florian: Jetzt hast du ja gerade beschrieben, dass du da eine Änderung wahrnimmst im Vergleich zu früher. Wie hast du das gemacht?
Miriam: Ich bin entspannter geworden.
Florian: An dieser Stelle möchte ich kurz auf unseren Punktestand hinweisen. 1 zu 0 für Florian.
Miriam: Das geht doch nicht, dass du jetzt Vergleiche machst. Wir holen die Challenge raus aus dem Leben, genau wie ich. Amenno. Ich ziehe den echt durch. Ich habe den am Tag jetzt bestimmt 100 Mal, genau wie ich, genau wie ich.
Florian: Wir haben das schon mal gemacht und angeregt durch deinen Artikel habe ich das auch wieder bewusster wahrgenommen und auch beim Autofahren morgens und beim...
Miriam: Der Depp da vor mir, genau wie ich.
Florian: Heute hatte ich ein sehr anstrengendes Meeting, wo ich sehr viel Verantwortung übernommen habe für alle möglichen Dinge, die auf der Welt passieren, für alles Mögliche. Und da dachte ich mir auch mehrmals, genau wie ich.
Miriam: Spannend, was dann passiert.
Florian: Ich habe viel mehr Verantwortung genommen.
Miriam: Mir ist schon aufgefallen, dass wenn ich mich nicht so besonders gut fühle, dass dann auch mehr dieser Negativwertungen in meinem Kopf waren früher. Also wenn ich mich früher nicht gut gefühlt habe, wenn ich schon so verkrampft, und das schrieb diese Leserin auch, die sagte, wenn ich schon so selbst schlechte Gefühle mit mir habe, dann habe ich auch das Gefühl, dass eher sowas in mir stattfindet, wie, naja, die sieht ja auch nicht gerade besonders gut aus, oder die hat ja auch ein gemachtes Gesicht.
Florian: Das ist dann der Standardmodus, in den wir zurückfallen, wenn wir nicht so... Also tatsächlich wäre es für mich eben die Entspannung, wenn wir nicht so entspannt sind oder so voll von Energie sowieso schon.
Sich um sich selbst kümmern – und was dann nach außen zurückkommt
Miriam: Und nicht nur. Was mir auch aufgefallen ist, ich habe angefangen, mich bewusster um mich zu kümmern, also mich mehr wahrzunehmen an der Stelle. Das stimmt. Und da sind wir jetzt wieder bei einem Thema, wo einige sagen würden, dann retzte dir die Sachen schön. In Hessen sagen wir Schwätze, schön Schwätze. Nur ich habe eben festgestellt, dass ich besser performe, dass ich in einem entspannteren State bin, in einem fröhlicheren State, also Zustand, wenn ich dafür sorge, dass ich bewusst, erstmal natürlich ist der Schritt bewusst wahrnehmen, was passiert da gerade in mir, warum stehe ich jetzt vorm Spiegel und halte mir selbst eine Schimpftirade? Das ist ein ätzender innerer Dialog. Machst du das echt noch? Also warum stand ich früher vor dem Spiegel und habe mir so einen inneren Dialog in den Kopf geknallt? Und in dem Augenblick, wo ich das bemerkt habe, und das ist jetzt so drei, vier Jahre her, dass das losging, auch durch die Ausbildungen, die wir gemacht haben, es wurde mir plötzlich bewusst, was ich da tue. Ich habe gedacht, stopp. Du sagst dir jetzt mal ein paar nette Sachen. Und dann habe ich zum Beispiel eben, keine Ahnung, bei dem Kleid, das jetzt vielleicht nicht so optimal für mich geschnitten war, gesagt, ja, also zumindest der Ausschnitt ist einschaltquotenträchtig. Das stimmt. Das kann doch keiner sehen, wenn du es nicht sagst. Die Farbe ist schon okay. Die gehört zu der Range von Farben, die mir stehen könnten.
Florian: Vielleicht auch mal.
Miriam: Ja, ich fange vorsichtig an. Und es wird dann immer besser.
Florian: Ja genau, schrittweise hilft da auch wirklich.
Miriam: Ich kenne Menschen, die sind wegen eines bestimmten Kleides berühmt geworden. Vielleicht ist das genau das Kleid, in dem ich heute berühmt werde. Klar, es könnte für Stefan Raab TV total reichen.
Florian: Gibt es gar nicht mehr. Gibt es gar nicht mehr. War früher so.
Miriam: Und es ist okay. Es ist meine Methode, damit umzugehen.
Florian: Ja, finde ich voll gut.
Miriam: Und ich habe wirklich darüber nachgedacht, wie das ist mit diesem, wie sehr bedingt mein eigener Zustand, mein eigenes Gefühl, so wie ich in den Tag gehe, so wie ich durch den Tag gehe, wie sehr bedingt das die Wertungen, die ich abgebe?
Florian: Ja, ist das dann vielleicht, wenn ich selbst nicht im Zustand größtmöglicher Ekstase oder Fröhlichkeit bin, dass ich dann in so einer Art, in dem Zustand zurückfalle oder in dieses Bewertungsmuster, das ich am meisten geübt habe?
Miriam: Sehr cooler Gedanke.
Florian: Fällst du noch zurück? So denke ich nicht mehr über meinen Tag nach. Also das merke ich bei der Frage, so wie du sie gestellt bekommen hast. So denke ich nicht mehr über meinen Tag nach.
Miriam: Ja.
Florian: Weil wenn ich merke, dass mir eine Hose nicht gefällt an mir an dem Tag, dann würde ich die Hose auch nicht anziehen.
Miriam: Es ist bei uns Frauen manchmal nicht nur die Hose oder nicht nur die Bluse gewesen, bei mir früher auch nicht. Heute ist es wirklich nicht mehr so. Es hat sich total verändert und das hat was damit zu tun, dass ich mich wahrnehme, dass ich angefangen habe, achtsam zu sein.
Florian: Wenn ich merken würde, jetzt würde mir eine halbe Stunde Schlaf noch gut tun, dann versuche ich das in irgendeiner Form in meinen Plan einzubauen. Dann lege ich mich halt nochmal 20 Minuten hin und komme dann im Zweifel kurz zu spät. Oder wenn ich zwischen zwei Meetings tatsächlich nur Zeit habe zum Mittagessen noch und überlege, esse ich jetzt oder was ist jetzt los, dann kann es sein, dass ich mir ein Brötchen nehme und mich einfach draußen auf eine Parkbank setze und mein Brötchen da esse, statt mit den Kollegen essen zu gehen, weil ich merke, ich möchte jetzt kurz die Ruhe haben. Das brauche ich dann. Also ich achte sehr genau darauf, was ist das, was mir gerade gut tut, weil ich immer den Eindruck habe, wenn ich mir gut getan habe und wenn es mir gut geht, habe ich viel mehr Freiheiten, um mit anderen auch umzugehen. Da bin ich viel großzügiger, viel entspannter im Umgang mit anderen auch, wenn ich im Umgang mit mir selbst entspannt bin. Und da kann ich ja was für tun.
Miriam: So, dann sind wir an der Stelle, wo wir zumindest, also die Richtung stimmen, die diese Leserin beschrieben hat, egal wo wir jetzt anfangen.
Florian: Und da ist dieses, genau wie ich, super spannend an dem Punkt. Ja. Wenn ich mal anfange, wach genug mit mir selbst zu sein.
Miriam: Ja. Und das hat wieder mal was und dafür stehen unsere Ausbildungen, das erzählen wir in fast jedem Podcast, weil wir enden sozusagen oder alle Wege führen dahin. Der erste Schritt ist bei dir. Ja. Was kannst du heute tun, damit du im Rahmen der Möglichkeiten einen entspannten und vielleicht sogar eine Spur fröhlichen Tag erleben kannst für die Profis unter euch? Was könnt ihr tun, damit es noch geiler wird heute als gestern? Also es liegt in dir.
Florian: Geschenke verteilen ist für die Profis schon deutlich drin.
Miriam: Ja.
Florian: Gute Laune, Geschenke an andere auch machen.
Komplimente, Turnschuhe und ein guter erster Gedanke
Miriam: Und es ist also, in vielerlei Hinsicht hat sich mein Leben super positiv verändert, auch was den Input von außen dann betrifft. Also ich habe angefangen, meinen Input von mir selbst in meinen Kopf wahrzunehmen und bewusst zu gestalten, mir bewusst nette Dinge zu sagen, mir bewusst im Spiegel in die Augen zu schauen und zu sagen, danke, du. Körper von Miriam, das klingt total öko-eso-stuhlkreismäßig, nur es ist so, das hat dazu geführt, dass ich mich selbst entspannter wahrgenommen habe, in vielen Bereichen. Und das habe ich vermutlich auch nach außen gespiegelt, denn ich fange an, Komplimente zu verteilen und bekomme so viele zurück, dass ich manchmal denke, das ist jetzt peinlich.
Florian: Ich nehme das inzwischen als Miriam-Strategie. Das ist tatsächlich, die Anzahl der Komplimente, die du verteilst, ist die Anzahl der Komplimente, die du zurückbekommen wirst. Ich beobachte sehr genau, was Miriam da tut.
Miriam: Und es fühlt sich super gut an. Und klar, wenn ich immer diesen Appendix noch denke, wenn ich zu einer Kollegin voller Begeisterung sage, weil die reinrauscht und hat echt ein tolles Kleid an. Heute auch, heute kam eine Kollegin zur Tür rein, die habe ich noch nie in einem Kleid gesehen, in so einem Kleid, was sie heute anhatte. Und es war so, es kam so aus dem Rückenmarkt, dieses, boah, siehst du gut aus heute.
Florian: Genau wie ich.
Miriam: Und dann den Appendix dranhängen, genau wie ich. Das ist so lustig, weil ich saß da noch in Jeans und in einem Lover-T-Shirt und war noch nicht umgezogen für die Sendung und in Booties und dann dran zu hängen, genau wie ich, das ist göttlich, echt. Das ist super. Das macht total Spaß. Es fängt damit an, egal morgens, mittags, wann auch immer du aufstehst, es fängt damit an, den Fuß aus dem Bett zu strecken und solche Sätze zu denken wie, ich lasse mich mal überraschen, wie witzig, lustig, schön, besonders der Tag heute wird und wie viele kleine Geschenke es für mich gibt, an ganz vielen Ecken und wie wach ich dafür bin, die wahrzunehmen. Ich liebe das auch an Florian. Du bist so toll im Wahrnehmen, du bist so wach und du wirst jeden Tag besser noch. Vielen Dank.
Florian: Genau wie ich. Ja, und es macht bessere Gefühle, als andere Gedanken zu haben. Es geht rund. Ich finde das wirklich cool. Es geht rund. Da macht es genau wie ich dann, bringt mich auch immer zum Schmunzeln in solchen Situationen.
Miriam: Lass dich echt drauf ein. Wir haben ja in einem unserer Podcasts von unserer Dame im Erdgeschoss schon gesprochen. Die wohnt hier nicht, die arbeitet hier im Haus und macht Menschen schöner im Rahmen ihrer Möglichkeiten.
Florian: Mit. Ja, ich weiß. Skalpell und Spritzen.
Miriam: Und ich finde, dass sie selbst auch eine sehr attraktive Frau ist. Allerdings. Genau wie ich. Nur um das gesagt zu haben. Und die ist oft eine, die mir morgens als erstes begegnet. Also wenn ich das Haus verlasse, treffen, kreuzen sich meist unsere Wege. Und dann denke ich sofort sowas. Ich denke, wenn ich unser Frühstücksfach aufmache und den Überfluss an Cornflakes, Cornpoppies, Honigpoppies, Schokokissen und Haferflocken sehe, denke ich, was für ein Frühstücksreichtum.
Florian: Denkst du dann auch genau wie ich?
Miriam: Nein. Das mache ich bei Menschen. Das ist auch die Übung übrigens. Also da geht es um wertende Sätze bei Menschen, nicht bei Dingen. Und ich denke bewusst positive Gedanken. Ich könnte ja auch denken, boah, wir sollen das alles essen oder wir hatten da schon wieder so viele Cornflakes gekauft.
Florian: Weil morgens beim Frühstück schon gute Laune zu haben, hilft einfach. Ja. Und die Übung, und ja, es kann sein, dass das für dich da draußen im Moment noch sehr weit weg klingt oder du sagst, ja, was mache ich jetzt damit? Ich glaube, die Übung ist einfach, mehr wahrzunehmen, wenn du solche Gedanken denkst, was fühlt sich wie an? Und dann ganz ehrlich zu dir selber zu sein und zu überlegen, wie möchte ich mich denn fühlen? Möchte ich mich gut fühlen morgens schon? Welche Gedanken unterstützen mich dabei, mich gut zu fühlen und dann einfach zu üben, diese Gedanken zu haben? Weil es nur eine Gewöhnung ist, wenn du was anderes denkst.
Miriam: Und du tust dir gut, wenn du dich um dich kümmerst. Das heißt, wenn ich jetzt wirklich mal im Fernsehen, auf der Bühne, irgendwo... Die Situation hätte oder früher gehabt hätte, dass mir da irgendeine Strähne an meinem Haar nicht so gut gefallen hat. Ich habe jetzt auch nicht die Frisur, wo wahnsinnig viel verändert werden kann dran.
Florian: Oh doch.
Miriam: Ja doch stimmt, die kann schon sehr unterschiedlich gestylt sein.
Florian: Ja, die sieht sehr unterschiedlich aus zum Teil.
Miriam: Und wenn da jetzt eine Strähne wäre, die mich stören würde, dann würde ich meine Hand nehmen und ein bisschen Gel und würde sie so verändern, dass es wieder passt. Und ein Lippenstift lässt sich austauschen.
Florian: Eine Hose kann man umziehen.
Miriam: Genau, also ich nehme wahr, was ist es wirklich gerade, was ist das, was mich jetzt vielleicht in eine, oder wo ich mich in Gefühle bringe, die nicht gut sind für den Auftritt oder nicht gerade zuträglich sind.
Florian: Ich habe zum Teil, wenn ich Trainings in Konzernen gebe, gerade für Top-Manager und Vorstand, dann habe ich früher auch immer Lederschuhe angezogen, obwohl ich es wirklich nicht mag. Und dann auch das Gefühl hatte, boah, mit den Schuhen, die sehen zwar toll aus, nur den ganzen Tag da drin stehen und inzwischen ziehe ich mir da auch schon Turnschuhe an. Ich habe mir ein paar ganz nachtschwarze Turnschuhe geholt, auf die Laschen schreiben lassen, auf der einen steht Liebe, auf der anderen Spaß. Und dann ziehe ich diese Turnschuhe an, weil ich merke, damit bin ich agiler, da habe ich dann auch nach sechs Stunden noch Lust auf den Beinen zu stehen. Das tut mir gut und das tut dann auch den Menschen gut, die sich in meine Obhut begeben da.
Miriam: Und mich selbst zu beobachten, zum Beispiel in Fernsehausschnitten, also in irgendwelchen bereits abgedrehtem Material, hat eine neue Qualität gewonnen, seit ich gnädiger zu mir bin.
Florian: Haben wir schon mal einen Podcast gemacht zum Thema Gnädigsein mit sich selbst? Nee. Wir haben heute ganz viele Themen angeschnitten, wo ich mir dachte, ah, eigener Podcast. Ja, das machen wir immer mal.
Miriam: Und wir haben noch so viele Podcasts vor uns, wir haben noch ganz viel Zeit dafür. Also was sind die Tipps, die wir geben nach diesem Podcast? Kümmer dich darum, dass dein Tag gut startet. Sorge dafür.
Florian: Lies den Artikel von Miriam.
Miriam: Genau. Spiel das genau wie ich spiele.
Florian: Vor allem bei Komplimenten anderen Menschen gegenüber.
Miriam: Das macht voll Spaß. Und sei gnädig mit dir.
Florian: Ja.
Miriam: Denn du bist so wie du bist. Genau richtig.
Florian: Ja.
Miriam: Und viele Dinge lassen sich verändern und sind veränderbar und sind noch besser denkbar und noch schöner und noch ausgeglichener und noch entspannter und es ist toll, wenn der erste Gedanke, wenn du morgens in den Spiegel schaust, ein guter ist für dich selbst.
Florian: Weil dann hast du einen von diesen Köpfen, in denen ich auch gerne wohnen würde.
Miriam: Ja, ja das stimmt. Ja, das ist auch ein schönes Zitat. Ja, und du machst dir gleich morgens schon ein schönes Geschenk. So, jetzt bin ich ganz sentimental geworden.
Florian: Ja, ich habe es gemerkt.
Miriam: Ja, das tut gut. Es war ein langer Weg auch für mich. Und es ist total schön, dass ich heute, wenn wir eine sogenannte Tape-Review machen bei QVC und wir analysieren zehn Minuten, dass ich dann eben ganz viel erkenne von, boah, das war richtig gut oder guck mal, da stehe ich genau richtig zur Kamera oder was auch immer. Wir sehen uns bei Sprachzaubertag am 1.10. Vielleicht.
Florian: Sehr gerne. Und ansonsten hören wir uns nächste Woche oder sehen uns am Samstag bei YouTube.
Miriam: That's right.
Florian: Mit unserem Beziehungskiste-Video.
Miriam: Sehr schön. Ich freue mich schon wieder drauf. Bis dann. Allerdings.
Florian: Vielen Dank fürs Zuhören. Tschüss.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.