Ein blödes Thema steht an — und schon greift die Hand zur Tastatur, weil eine E-Mail sich sicherer anfühlt als das Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Miriam und Florian gehen der Frage nach, die ein Hörer ihnen im Telegramm-Stil geschickt hat: per E-Mail, per Telefon oder persönlich? Dabei kommen sie schnell an den eigentlichen Punkt — nämlich, dass das Blöde nicht im Thema steckt, sondern in dem Gefühl, mit dem du hineingehst. Und du erfährst, warum ein gemeinsames Essen manchmal mehr klärt als zehn Seiten E-Mail.
Ein Hörerwunsch und ein Klassiker
Miriam: Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Miriam. Ja, und der Florian ist auch am Start und die Mikrofone funktionieren und die Gehirne hoffentlich auch und damit kann der Podcast Fahrt aufnehmen in dieser Woche. Wir haben einen Hörerwunsch, der uns vorliegt und der ist auch kurz und knapp formuliert gewesen. Sehr gut für uns. Florian meint, es wird ein 5-Minuten-Podcast. Ich würde sagen...
Florian: Du bekommst den natürlich auf 25 Minuten gedehnt, kein Problem.
Miriam: Es war auch mehr so im Telegram-Stil formuliert und aus irgendeinem Grund hat uns dieses Thema angelacht. Es heißt: Blödes Thema per E-Mail, per Telefon oder persönlich? Fragezeichen. Fragezeichen.
Florian: Ja, ganz einfach: persönlich.
Miriam: Fertig. Ja, du könntest die Frage jetzt einfach so beantworten. Und ich glaube, dahinter steckt ein Klassiker.
Florian: Nämlich?
Miriam: Wenn es wirklich ein blödes Thema gibt und wer jetzt gerade völlig entspannt, glücklich mit sich und mit dieser Welt vor dem Podcast sitzt, würde sagen: ja klar, persönlich. Warum denn eine E-Mail? Nur einige Menschen da draußen haben vielleicht schon die Erfahrung gemacht, dass wenn das Thema wirklich an ihnen nagen würde oder andersrum, ein Thema kann ja nicht nagen, wenn es wirklich blöde Gefühle macht.
Florian: Also wenn du dir blöde Gefühle machst zum Thema. Nee, ich nicht. Oder wenn sich irgendjemand blöde Gefühle macht zum Thema, weil die Gefühle sind ja nicht im Thema drin.
Miriam: Ja genau, das ist der Punkt. So weit habe ich früher nicht gedacht. Wenn es für mich in meiner Welt früher ein schwieriges Thema mal gab. Ein unangenehmes Thema in der Beziehung oder in der Ursprungsfamilie, so Papa, Mama, Schwester oder mit einer Freundin, wo irgendwas nicht ganz Yoga sich anfühlte für mich.
Florian: Nicht ganz Yoga anfühlt.
Miriam: Yoga ist so ein Wort, das kenne ich. Nicht ganz Yoga.
Florian: Nicht ganz Yoga, ja.
Miriam: Fühlte sich nicht an wie, oder Yoga geht auch. Also auf jeden Fall, dann hätte es für mich, hätte es sich einfacher angefühlt, eine E-Mail zu schreiben.
Florian: Statt des Persönlichen. Zehn Seiten E-Mail. Ja, mindestens. Um alle Facetten des Problems abzudecken.
Miriam: Und auch gleich schon alle Rechtfertigungen vorwegzunehmen.
Florian: Mit reinzunehmen, weil es ist ja ein asynchrones Kommunikationsmedium.
Miriam: Asynchron?
Florian: Ja, ich bekomme die Antwort nicht sofort, sondern ich schreibe etwas, dann schicke ich es ab, dann tut mein Empfänger irgendwas damit und schickt vielleicht auch wieder was. So wie alle Chats. Das ist ja ein riesen Vorteil auch an den Sachen. Also mein Gegenüber bei WhatsApp oder bei E-Mail braucht nicht sofort reagieren, sondern kann erst weiter fertig frühstücken oder so.
Miriam: Oder einmal tief Luft holen.
Florian: Oder sich ins Auto setzen und vorbeikommen, um das Ganze dann endlich in persona zu besprechen.
Das Blöde steckt nicht im Thema
Miriam: So und aus Trainersicht ist ja noch was Spannendes drin in dieser Frage, nämlich das blöde Thema.
Florian: Das eigentlich Spannende, in Anführungszeichen eigentlich Spannende.
Miriam: Über das eine sprechen wir gleich, nämlich dieses Sich-Scheuen, in das persönliche Gespräch zu gehen, weil die Annahme ist, dass mein Gegenüber damals mich vielleicht, dass der sauer gewesen wäre auf mich oder vielleicht mich in die Defensive...
Florian: Am schlimmsten vielleicht noch zu Recht sauer.
Miriam: Also bei mir doch nicht. Das ist das eine. Das andere ist das blöde Thema. Ich habe auch ganz oft in meinem Leben erfahren und vielleicht geht es einigen Hörern da draußen auch so, dass das, was ich als blödes Thema empfand, oder auch als schwieriges Thema, für andere Menschen oft total lächerlich war. Also es deckte sich nicht. Ich habe dann irgendeiner ganz außenstehenden Freundin erzählt: hier, ich habe da diesen Seppel gerade mit, keine Ahnung, mit Freundin XY und ich glaube, die faltet mich zusammen, wenn ich da jetzt hingehe und mit der darüber rede. Also so war ich früher drauf. Und dann sagte die andere Freundin so ein bisschen mit verdrehten Augen: hä? Ich verstehe das Problem gar nicht. Ist überhaupt nicht wichtig. Ja. So für mich fühlt es sich so wichtig an. Also die Grundannahme für: das ist jetzt ein blödes oder ein schwieriges Thema, erwächst ja aus dem, der das fühlt, oder?
Florian: Ja, weil im Thema steckt es nicht drin. Da sind wir uns einig, oder?
Miriam: Naja, sagen wir, es ist ein Missgeschick passiert und jemand da draußen hätte zum Beispiel geschwindelt und es ist aufgeflogen. Das sind ja so die Klassiker. Und dann geht es um eine Aussprache darüber. Es ist ganz klar, derjenige hat das gemacht und der andere weiß es und jetzt steht dieses Gespräch an. Dann ist das, finde ich, schon, also das einzige Wort, was mir dazu einfällt, ist auch blöd. Nur was ich da ja nicht voraussehen kann, ist die Reaktion, die tatsächliche Reaktion des anderen. Das kann ich ja nur mutmaßen.
Florian: Wir haben in die Glaskugel geschaut. Vielleicht auch das, was ich tun würde, wenn jemand mit dem Thema ankäme.
Miriam: Kann sein, dass es dann so würde ich sein.
Florian: Weil alle Menschen da draußen sind so wie ich.
Miriam: Sehr beleidigt, der muss jetzt bei mir zu Kreuze kriechen, auf Knien, im Staub, sich entschuldigen, nicht nur verbal.
Florian: Auch monetär.
Miriam: Und ich weiß noch nicht, ob ich ihm vergeben will. Ja, also es gibt ja, gut, wenn das jetzt, also so, ich habe, seit wir NLP lernen und auch coachen und seit wir noch andere Ausbildungen gemacht haben, habe ich die Erfahrung gemacht, dass wenn ich das Wort allein schon austausche, dieses blödes Thema ersetze durch: das wird jetzt ganz einfach, das wird jetzt viel einfacher, als ich das vielleicht erwarten würde. Oder vielleicht wird es sogar witzig jetzt, vielleicht wird es einfach, vielleicht wird es überraschend einfach. Dann habe ich schon ein anderes Standing, um in so ein Gespräch zu gehen.
Florian: Dann hast du ein anderes Gefühl. Und das ist genau das Thema. Du änderst was an dem Gefühl für dich, bevor du in dieses Gespräch dann reingehst. Egal welches Medium jetzt.
Miriam: Es stimmt. Und das macht einen Unterschied, ob ich nämlich geduckt und voller Angst und voller schlechter Vorannahmen in so ein Gespräch schon gehe und den anderen ja dadurch auch. Ich signalisiere dem anderen ja durch meine Körpersprache, durch meine Stimme, durch meine Gesten signalisiere ich ja dem Unterbewusstsein des anderen auch ganz viel. Zum Beispiel die Schuldbewusstheit, die Schuldgefühle, vielleicht auch die Wutgefühle, was auch immer. Und ich erfahre ganz oft, dass sich das auch ungefähr spiegelt. Ich habe die vernünftigsten Gespräche auch über früher vormals für mich schwierige Themen, die ich jetzt einfacher nehme, habe ich ganz anders erlebt. Da wurde ganz anders gespiegelt.
Florian: Also das heißt nicht, dass wir die Schwierigkeit des Themas nicht anerkennen oder vielleicht die Tragweite von irgendwelchen Konsequenzen, die da drin stecken oder sowas, sondern es ist nur ein, auch wenn es ein tragweites Gespräch ist, selbst wenn es ein riesiges Thema ist, kann ich trotzdem mit der Idee reingehen: vielleicht ist das Gespräch ja trotzdem gut.
Miriam: Oder vielleicht hat der andere auch Interesse daran, dass es gelöst wird.
Florian: Ja, genau.
Miriam: Ja, das wäre ja auch eine gute Vorannahme.
Florian: Ja, vielleicht ist unser Gegenüber froh, dass es endlich mal angesprochen wird.
Die Spannung rausnehmen — bei dir selbst
Miriam: Und ich hatte lustigerweise so ein ähnliches Gespräch vor ein paar Tagen wirklich mit einer Freundin, die zu mir kam und sagte: was soll ich denn machen? Also was soll ich denn jetzt tun? Ich würde gerne die Aussprache haben. Ich habe mich sogar schon einmal entschuldigt. Vom Gegenüber kommt nach wie vor gefühlt Wand. Außerdem ist der eh immer so aggressiv.
Florian: Ja. Und so nachtragend. Und das hast du ihr dann geraten? Oder, ja.
Miriam: Also erstmal gehe ich immer noch über den Weg, da erstmal zwischen uns beiden die Spannung rauszunehmen, um mal eine gute Gesprächsebene zu finden. Das heißt, wenn mir was einfällt, sage ich was Witziges und dann hat sie auch geschmunzelt. Oder ich nehme irgendwas ganz besonders wörtlich, das ist ja immer so einer der Miri-Tricks und dann schmunzelte sie noch mehr, dann waren wir schon mal ein bisschen entspannter. Weil der Weg dahin führt definitiv über entspannt und zwar bei demjenigen, der die Vorannahmen hat. Ich bin da selbst noch im Wachstum. Deshalb ist dieser Podcast für mich sehr, sehr cool, weil ich das sehr bewusst noch mache. Das ist noch nicht automatisiert bei mir. Das heißt, wenn ich in so einer Situation selbst mal war in der letzten Zeit, habe ich mich sehr bewusst in eine bessere Verfassung gebracht. Ich mich. Ich habe also dafür gesorgt, dass ich durchatme, dass ich eine schöne Musik höre, dass ich mir im Zweifel, wenn ich irgendwie drauf kam, mir den Witz vom Olli angeguckt habe, um wenigstens die Mundwinkelchen mal kurz nach oben zu bekommen. Und mir hilft deutlich dieser Satz: 99,9 Prozent aller Probleme auf diesem Planeten sind nicht tödlich. Das heißt, es geht weder um Leben und Tod noch um die Weltherrschaft. Es geht nur darum, dass wir da jetzt ein Missverständnis aufklären oder dass wir über ein Thema sprechen, was uns vielleicht beiden keinen besonderen Spaß macht.
Florian: Im Job wäre das immer so was, eine Konfliktscheue oder dass ein Konflikt zu klären ist.
Miriam: Ja, ja, genau. Super. Und ich glaube, dass viele Hörer das kennen. Und der Weg ist so einfach, dann sich einfach vor den Computer zu hocken und diese E-Mail zu schreiben.
Florian: Ja, ich finde das E-Mail-Schreiben auch nicht einfach. Das ist dann tatsächlich, weil dann fange ich wirklich an zu überlegen, was sind denn die Argumente hin oder her, wie könnte er oder sie. Nee, stop it. Das ist ja Quatsch, ne?
Miriam: Ich habe die schlimmsten E-Mail-Scharmützel schon erlebt.
Florian: Ja genau, das ist auch eben meine Erfahrung.
Miriam: Weil wenn ich einen Schreiberling auf der anderen Seite sitzen habe, der nicht schreibfaul ist und ich schreibe ihm zehn Seiten, bekomme ich garantiert zehn Seiten zurück.
Florian: Aber du schreibst ja dann auch noch viel mehr als ich.
Miriam: Ja, ich habe früher seitenlange Rechtfertigungs-E-Mails geschrieben und dann kamen genauso lange wieder rückgängig Machbeschimpfungs-E-Mails zurück mit noch mehr neuen Argumenten, die wieder neue Rechtfertigungen nach sich gezogen hätten.
Florian: Fürchterlich.
Miriam: Auch gerade in so Prozessen wie Skripte-Erarbeitung.
Florian: Da sind Elektronen für gestorben.
Miriam: Oh ja. Oh, da haben wir schlechte Schwingungen durchs Internet geschoben. Wirklich. Und es tut mir heute leid für mich und auch für meinen Kunden.
Das Gegenüber ist ein Mensch
Florian: Ich habe das ja tatsächlich manchmal in Teams, wenn ich mit den Teams arbeite oder an den Schnittstellen, dass da wirklich auch große Missverständnisse herrschen oder das Unverständnis ist. Und eine der Sachen, die ich immer mache, ist dann die Leute zusammen in einen Raum holen. Also tatsächlich, weil es hilft, wenn man sieht, dass das Gegenüber ein Mensch ist. Ja, das geht manchmal unter in dem E-Mail-Verkehr oder auch im Chat-Verkehr oder in irgendwelchen Foren-Posting.
Miriam: Chat-Verkehr, das klingt auch.
Florian: Oh, ah, wow, Beziehungskiste. Ambiguity.
Miriam: Bitte dieses Thema nicht einreichen für die Beziehungskiste, bitte nicht.
Florian: Kennst du diesen klassischen Comic, von wem ist denn der, wo so ein Hund vor so einer Tastatur sitzt und unten drunter steht irgendwie: on the internet nobody knows you're a dog, im Internet weiß keiner, dass du nur ein Hund bist. Weil es genau dieses, wir wissen halt nicht, ob das das Gegenüber tatsächlich, dass da ein Mensch sitzt mit Gefühlen und auch im ganzen Körper und Erfahrungen und allem möglichen und das geht manchmal unter, habe ich das Gefühl, schon am Telefon.
Miriam: Entschuldige, dass ich hineingrätsche. Ich glaube, dass wir alle wissen, dass wir es mit Menschen zu tun haben. Wir erinnern uns nur in der Situation.
Florian: Und das ist viel einfacher, wenn mir jemand gegenüber sitzt.
Miriam: Ich habe auch früher oft so gelebt, als sei ich der einzige existierende Mensch auf diesem Planeten.
Florian: Das einzige Wesen mit Gefühlen.
Miriam: Ja, mit Ehrlichkeit auch zu mir selbst zu tun. Heute kann ich mich darüber auch amüsieren. Wenn ich mir jetzt vorstellen würde, ich könnte von heute, das war so, eine ganz liebe Kollegin von mir hat mir dieses Bild geschenkt, dass ich mich auf Wolke 7 stellen kann. Dass es Wolke 7 wirklich gäbe. Und ich könnte mich so im Kopf da draufstellen, würde auf dieser Wolke 7 stehen und könnte in alle Richtungen meines Lebens vorwärts, rückwärts gucken. Von oben. Und die Miri beobachten, wie sie vor sechs Jahren so ein E-Mail-Scharmützel ausgelöst und auch durchgefochten hat, dann ist es, wenn ich mich da sitzen sehe mit gekräuselter Stirn, pochrotem Kopf am Computer, mich ärgern, alle Menschen, die gerade zur Verfügung stehen, in diesen Streit hineinziehen, dann ist es fast schon wieder lustig. Und es gilt einfach, aus solchen Geschichten, finde ich, auch zu lernen. Weil, was will ich denn, was ist das Ziel?
Wie soll es hinterher sein?
Florian: Idealerweise wahrscheinlich, dass etwas gelöst ist. Oder die Frage ist dann, was ist... Das ist vielleicht ein guter Start, oder? Um jetzt mal ins Thema reinzukommen und reinzukommen in die konkreten Tipps. Mal zu überlegen, was ist denn eigentlich das, wie soll es denn nach dem Gespräch sein, über welches Medium auch immer es stattfindet. Also Empfehlung persönlich und egal welches Medium ihr dann wählt oder du dann wählst, der die Frage gestellt hat. Spannend wäre ja, wie soll es denn hinterher idealerweise sein?
Miriam: Ich finde, du hast es eben schon beantwortet. Nur viele Menschen würden vielleicht an der Stelle sich noch ein bisschen schwer tun mit der Vorstellung von einem Idealzustand. Den gönnen wir uns ja so selten oder den gönnen sich viele Menschen so selten. Das heißt, die Übung, zu der wir dich einladen an der Stelle ist, wenn sowas in deinem Leben überhaupt nochmal vorkommen wollen würde. Dann überlegt ihr mal, wie es im Idealen aussieht. Ihr liegt euch danach weinend in den Armen vor Freude. Rote Rosen regnen auf euch hernieder. Die Friedenstauben kreisen über dem Büro. Keine Ahnung, ich bin ja da kreativer als Florian gelegentlich. Nur was wäre ein gutes Bild? Also was schüttelt sich die Hand?
Florian: Es reicht ja erstmal ein gutes Bild, weil...
Miriam: Bevor ein übertriebenes kommt.
Florian: Genau, These, die schlechten Bilder sind schon da bei vielen Leuten oder das haben viele von uns viel mehr geübt. Das heißt, ein, zwei, drei gute Bilder auch mal dagegen zu stellen und zu sagen, naja, so könnte es vielleicht auch ausgehen, da würde ich mich richtig freuen drüber, wenn wir zu diesem Punkt kämen. Das ist ja auch schön. Ja, ich kann also inhaltlich... Und das einfach nur mal dagegen halten.
Miriam: Könnte also sagen, wir vertragen uns wieder. Ich sage, danke, dass du mich verstehst. Mein Gegenüber sagt: du, kein Thema. Schön, dass wir gesprochen haben. Jetzt ist die Luft wieder rein. Gehen wir zusammen Kaffee trinken. So Idealbild jetzt mal. Entspannte, nette, freundliche. Auch wenn es sich erst mal schräg anfühlt. Es ist ja ungewohnt für manche. Ist vollkommen okay. Nur dann geht es in Richtung...
Florian: Einfach eine Balance schaffen in den Szenarien, mit denen wir planen. Das ist ja Schritt 1. Und dann Schritt 2 ist vielleicht eher ins Positive schon hineinplanen. Und wenn du schon angefangen hast, dir über die positiven Sachen Gedanken zu machen, dann kannst du das ja immer wieder weiter steigern und so ein bisschen Erwartungen auch an die Situation schon haben. Und dass es noch einfacher in Erfüllung tritt.
Miriam: Und es gibt ja auch die Idee, dass je entspannter und positiver ein Mensch in eine Situation hineingeht, desto mehr wird es auch von allen wahrgenommen, die da sind. Also dieses angespannt, im Grunde subversive, so unterschwellig aufgeregte, angespannte, ängstliche, das überträgt sich einfach über die Feinsensorik. Dafür sind wir ausgestattet.
Kümmer dich um dich — und geh entspannt rein
Miriam: Und da im Vorfeld wirklich auch ruhig zu werden, da ist jetzt der nächste Tipp: kümmer dich um dich. Es ist wichtig, dass du in einer zumindest vielleicht einigermaßen entspannten Gefühlshaltung in dieses Gespräch gehen kannst. Das erreiche ich, da haben wir schon öfter mal die Tipps gegeben im Podcast, zum Beispiel mit der App Calm, da ist meine 2-Minuten-Notfallmeditation drauf. Das hilft mir. Es hilft mir so sehr, diese 2 Minütchen. Nur auf die wirklich wunderschöne Stimme von dieser Frau hören, die im Prinzip nichts anderes macht, als gemeinsam mit mir atmen, 2 Minuten lang. Da geht es um keine Inhalte, gar nichts. Nur ich bin danach irgendwie clear. Eine gute Musik hören, nichts Trauriges, bitte. Sondern es muss nicht unbedingt jetzt Karnevalsmusik sein. Was, was dich eher aufbauen würde. Also was Entspannendes von den Texten her. Klassik ist auch immer schön, wenn es jetzt nicht gerade der Trauermarsch von Chopin ist, sondern eben was Perliges, so eine Mozart-Sinfonie ist immer aufbauend für dich, hat so eine schöne Schwingung, so was Leichtes, Unbeschwertes. Wenn dir jetzt kein Song einfallen soll, vielleicht fällt dir auch direkt voll der coole Song ein, der mich immer aufbaut.
Florian: Ich dachte auch gerade, wenn ich so über das Setting dann nachdenke, wie ich sowas machen würde, beim Essen ist sowas natürlich auch spannend. Also einer der Tricks, den ich mit Teams auch öfter mal mache, ist, dass wir zusammen essen gehen oder zusammen Mittag essen und da tatsächlich Wert drauf legen. Das hat was damit zu tun, dass wir, wenn wir beim Essen sind, können wir nur entspannt sein. Evolutionär essen wir nicht mit Feinden, wo wir Angst haben müssen. Ach, sehr cooler Tipp. Das heißt, wenn wir in so einer Essenssituation drin sind, dann ist es offensichtlich eine Situation, wo wir uns schon wohler fühlen.
Miriam: Oh, finde ich sehr cool. Also ganz nebenbei für Paare auch. Sehr schöne Idee.
Florian: Ja gut, Paare sollten wahrscheinlich, essen die meisten Paare gemeinsam irgendwie immer mal.
Miriam: Ich glaube, die regeln jetzt auch nicht so wahnsinnig, wenn es eine funktionierende Beziehung ist, nicht so wahnsinnig viel über E-Mail. Also die Option besteht da wahrscheinlich eher nicht so.
Florian: Und dass das funktioniert, ist ja ganz klar. Man kann Hunde ja entspannen, indem man einfach gähnt im Raum.
Miriam: Ja, das stimmt.
Florian: Weil sich das tatsächlich überträgt und so kann ich mir natürlich auch meine Kontexte schaffen. Und vielleicht ist es dann ja eine Idee, was zusammen zu essen, dann kann ich mein Gegenüber vielleicht auch noch einladen und dann mit halbgefülltem Magen sowas regeln zwischen Hauptgang und Dessert. Oder beim Draußengehen, das ist auch schön, in einer Umgebung, die wir nicht beide gewöhnt sind.
Miriam: Sehr schön. Ja, dieser neutrale Ort.
Florian: Ja, und auch um die Räume, die wir haben, einfach sauber zu halten.
Miriam: Und dann wirklich auch mal mit so einem, was ich jetzt auch wirklich tue, sehr konsequent seit vielen Jahren jetzt schon, ist mit diesem: ich lasse mich mal positiv überraschen vom Leben. Dann, wenn ich mich beruhigt habe und wenn ich weggegangen bin von diesem blödes Thema hin zu: vielleicht wird es einfacher, als ich mir das vorstellen kann. Vielleicht hat der andere auch Interesse.
Florian: Vielleicht ist es zwischendurch auch mal doof, nur dann wendet sich alles in eine gute Richtung.
Miriam: Dann wirklich mit so einer, fast so ein bisschen wie so ein Kind das auch tun würde. Manche würden es vielleicht sogar naiv nennen. Nur ich mag es, es tut mir gut. Dieses: ich gehe jetzt da einfach mal rein und lasse mich vom Leben überraschen. Positiv überraschen. Es gab in meinem Leben schon die eine oder andere echt positive Überraschung, wo ich gedacht hätte, hm. Und deswegen, das gibt es. Warum soll es das jetzt nicht zwischen diesem Gesprächspartner und mir oder dir auch geben? Das finde ich ist auch ein schöner Tipp.
Florian: Definitiv.
Miriam: Das entspannt nochmal mehr. Und dann die Wahrnehmung, wie du schon vorhin gesagt hast, auch das Gegenüber ist, außer es enttarnt sich in dem Augenblick kein Hund, sondern ein Mensch. Selbst wenn es ein Hund wäre. Also es ist ein Mensch und auch der hat ja Interesse daran, dass alles möglichst harmonisch ist. Ich gehe immer davon aus, dass es allen anderen Menschen auch lieber ist, wenn es ihnen gut geht.
Florian: Also das ist jetzt so meine Erfahrung aus vielen, vielen Teams und Firmen, die ich gesehen habe. Alle anderen sind auch konfliktscheu.
Miriam: Genau. Ja, genau. So richtige Spaß machen. Wir sprechen jetzt nicht von grenzwertigen Einzelfällen.
Florian: Und tatsächlich habe ich wirklich auch Erfahrungen schon gemacht, dass das Aussprechen von Situationen, also sei es irgendwie innerhalb eines Teams, dass bestimmte Verhaltensweisen stören oder dass man sich nicht übereinkommt oder dass man denkt, dass jemand eine bestimmte Intention hinter irgendwas immer hat und das mal anzusprechen. Und auszusprechen und dann in den Kontakt zu gehen, dass das tatsächlich hilft. Das zeigt ja auch, dass wir Interesse am Gegenüber haben und dass wir tatsächlich was ändern möchten. Das ist schon gut.
Zusammengefasst
Miriam: Ich mag den Podcast bis jetzt.
Florian: Gutes Thema. Also schöner Themenvorschlag. Wir sind auch ganz leicht über meine Schätzung von fünf Minuten herausgerutscht. Das ist in Ordnung.
Miriam: Fassen wir nochmal kurz zusammen. Also das Erste ist: nimm mal an, dass es vielleicht gar kein so doofes Thema ist, sondern dass es ein wichtiges Thema ist oder dass es vielleicht auch ein Thema ist, das alle spannend finden.
Florian: Ja, vor allem, wenn du Energie drin hast. Also wenn das schon sowas ist, dass du... Vielleicht hast du ja jetzt ein Thema als Hörerin oder Hörer, wo du sagst, da wollte ich schon lange, hätte ich schon lange, dann kannst du es dir jetzt mal vornehmen und dir mal überlegen, wie sähe das denn aus in schön oder wenn das gelöst wäre, wie würde sich das für dich anfühlen und dann darfst du mal überlegen für dich, wann du es angehst.
Miriam: Dann darfst du ganz aktiv dafür werden, dass du wenigstens entspannt in dieses Gespräch gehst. Und das wirklich auch aktiv wollen. Und dann kannst du eben dich überraschen lassen vom Leben, wie gut das ist. Schön ist Florians Tipp, sehr schön. Ich bin ganz begeistert. Kauf ich, hatte ich noch nicht. Dieses: wir gehen gemeinsam essen. Wir machen es bei einem Essen. Uns braucht keiner zu kochen. Wir gehen irgendwo in ein Restaurant, wo es einigermaßen ruhig ist, wo wir uns unterhalten können. Inzwischen Hauptgang und Dessert mag ich auch, weil da kommt dann das Dolce, kommt dann am Schluss.
Florian: Da ist einfach eine große soziale Sicherheit dabei.
Miriam: Ja, das stimmt.
Florian: Das ist für alle Seiten schön.
Miriam: Finde ich auch sehr cool. Ja, ihr Lieben. Vielen Dank an unseren Hörer für das spannende Thema. Vielen Dank an dich fürs Zuhören.
Florian: Dankeschön und wenn du auf YouTube diesen Podcast hörst, dann findest du da unten einen Abonnieren-Button oder einen Daumen-Hoch-Button und über beide freuen wir uns, wenn du die gedrückt hast. Wenn du das ganz klassisch in deinem Podcast-Programm hörst, dann achte bitte in den nächsten Tagen mal drauf, ob du weiter unsere Podcasts bekommst, weil wir senden jeden Dienstag hier und wir machen gerade Umstellungen in unserer Webseite. Wir freuen uns, wenn du weiter dabei bleibst.
Miriam: Das ist für uns auch ein sehr spannendes Thema.
Florian: Ja, das stimmt. Dafür sind dann Kommentare unter Podcasts leichter möglich in Zukunft.
Miriam: Das stimmt. Auch auf unserer Seite. Es wird einiges ganz tolles Neues geben auf der Seite und es wird auch einfacher zum Bedienen. Und ich bin schon ganz begeistert über die Sachen, die ich bis jetzt gesehen habe. Also wird alles gut. Und es gibt auch wieder einen regelmäßigeren Miri-Blog, passend zum Thema des Podcasts. Also ich schreibe wieder.
Florian: Das ist gut. Ja. www.kontext*denken.de. Und ansonsten freuen wir uns über deine Nachrichten, auf welchen Kanälen auch immer.
Miriam: Und hören uns nächsten Dienstag wieder.
Florian: Bis dann.
Miriam: Wenn es wieder heißt: zwei Gehirne, ein Podcast.
Florian: Oder ein Gehirn.