NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 83

Schwarz-Seher gegen Weiß-Seher

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In dieser Folge

Darum geht es

Diese ewigen Schwarzseher. Da haben wir doch gleich eine Frage in Petto: gibt’s die auch in weiß? Also „Weißseher“ und sehen die dann wirklich nur eine Farbe? Und was sehen die dann überhaupt noch? Und gibt’s etwas „inbetween“? Also Grau-Nuancen zum Beispiel? Herr Jung stiftete das Thema dieses Podcasts und Miri und Florian haben die Challenge angenommen. Denn sprechen wir hier vom klassischen Pessimisten/Optimisten-Thema oder geht es bei Schwarz/Weiß doch eher um den Farbfilm, der vergessen wurde? Viel Spaß beim Zuhören und beim Erfahren, wie unsere fröhlichen NLP-ler mit diesem Thema jonglieren. Miriam und Florian sprechen übers Schwarz-Weiß-Denken und darüber, wie ein winziges Ärgernis – zwei Minuten Eiskratzen, ein Haar in der Suppe – gleich einen ganzen Tag „laufen“ lassen kann. Im Zentrum steht das NLP-Modell Chunking: wie groß wähle ich meinen Realitätsausschnitt und welche Intention steckt dahinter? Dazu geht es um Vantablack als schwärzestes Schwarz, um Übergänge statt harter Gegensätze und um die Frage, wie du solche Sätze bei dir selbst bemerkst, ohne andere umerziehen zu wollen. Wer nach Themen wie negative Denkmuster, Pessimismus, Realitätsausschnitt oder empathisch mit Nörglern umgehen sucht, ist hier richtig.

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Kapitel dieser Folge
  1. Themen sammeln bis zur 100
  2. Wie schwarz ist schwarz? Vom Vantablack zum Realitätsausschnitt
  3. Ein Planet aus Gegensätzen – und den Übergängen dazwischen
  4. Chunking: Wie groß mache ich meinen Realitätsausschnitt?
  5. Empathisch begleiten statt umerziehen
  6. Sich positiv überraschen lassen

Da war ein Haar in der Suppe – und plötzlich ist der ganze Abend gelaufen, das Restaurant sowieso. Kennst du diese Momente, in denen ein winziges Ding alles kippen lässt? Miriam und Florian nehmen sich die Schwarz-Weiß-Seherei vor: gibt es überhaupt nur diese zwei Farben, oder liegt zwischen dunkel und hell viel mehr, als man im ersten Ärger bemerkt? Und was hat das schwärzeste Schwarz der Welt mit deinem Morgen am Auto zu tun?

Themen sammeln bis zur 100

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Erstmal danke. Danke für die vielen tollen Themen. Ich freue mich riesig. Ich habe zu Florian gesagt, wirklich, das wird was. Bis zum hundertsten Podcast bringen wir Zuhörerthemen.

Florian: Dann brauchen wir noch einige.

Miriam: Ich freue mich über jedes und es sind so schöne dabei.

Florian: Ich finde, jetzt ist schon zu erkennen, dass das schwierig wird. Wir haben noch vier Themen und noch 17 Folgen.

Miriam: Und wir haben jetzt schon fünf Themen für die nächsten... Und noch 17 Folgen bis zur 100.

Florian: Ich finde das zur Erkenntnis, dass das nichts wird.

Miriam: Dann, wenn die fünf Themen abgearbeitet sind, sind es ja nur noch zwölf.

Florian: Fehlen noch zwölf.

Miriam: Ja, und es kommen ja alle zwei, drei Tage... Ich finde, wir lassen uns einfach selber noch Themen einfallen.

Florian: Was ist denn heute eigentlich das Thema?

Miriam: Das Thema ist eins, das ich gelesen habe unter dem Posting auf Facebook, das ich auf kontext*denken geschrieben habe. Da darfst du, lieber Zuhörer, liebe Zuhörerin, du darfst dort auch eine Themenidee reinschreiben. Dafür habe ich das eingerichtet und das, was wir heute dran nehmen, ist eins, was da steht.

Florian: Welches?

Miriam: It doesn't matter if you're black or white.

Florian: Todestag von Michael Jackson Gedenk-Podcast. Was?

Miriam: Nein, das ist die Schwarz-Weiß-Seherei.

Florian: Wie die Schwarz-Weiß-Seherei?

Miriam: Wenn es nicht wirklich brillant ist, dann ist es total schlecht. Dann lassen wir es gleich. Das ist es. Manche Menschen leben so. Also da ist ein Haar in der Suppe und dann werfe ich das ganze Restaurant weg. Wir haben uns Gedanken gemacht, bevor wir diesen Podcast aufgenommen haben. Über was haben wir uns Gedanken gemacht? Über diese Schwarz-und-Weiß-Seherei.

Florian: Ja?

Miriam: Ja. Dass es Menschen gibt, die in Schwarz-Weiß denken, in Schwarz-Weiß-Kategorien sozusagen. Es gibt nur Gewinner oder Loser. Dazwischen gibt es nichts.

Florian: Es gibt nur... Was ist da noch sowas?

Miriam: Das war doch jetzt schon ein brillantes Beispiel von mir.

Florian: Nur Elefanten und Löwen.

Miriam: Irgendwie habe ich eine These, dass du kein Schwarz-Weiß-Seher bist.

Florian: Wieso? Wie kommst du jetzt da drauf?

Miriam: Ja, es war so eine Intuition.

Florian: Für mich ist alles abgestuft bunt.

Miriam: Abgestuft, bunt.

Florian: Ja.

Miriam: Oh, du Blümlein.

Florian: Das ist jetzt schon ein sehr despektierlicher Kommentar, der direkt vom Weiß, direkt, aber wirklich direkt unter die Gürtellinie gerutscht ist.

Miriam: Ich frage mich auch gelegentlich, warum wir den Grimme-Preis immer noch nicht bekommen für unseren Podcast. Ich könnte jetzt an der Stelle sagen, dann lassen wir es doch. Ich meine, wir haben jetzt 83 Folgen. Keiner hat uns den Grimme-Preis überreicht. Lassen wir es.

Florian: Offensichtlich. Lassen wir es. Hören wir auf damit.

Miriam: Fertig. Warum soll ich mich denn ständig mit dir hinwenden?

Florian: Ja, das war's für heute.

Miriam: Für immer?

Florian: Für immer.

Miriam: Ja, taugt doch nicht.

Wie schwarz ist schwarz? Vom Vantablack zum Realitätsausschnitt

Florian: Musstest du das, also schwarz-weiß sehen, dass schwarz auch nicht gleich schwarz ist?

Miriam: Jetzt wird's spannend. Schwarz ist noch nicht mal eine Farbe übrigens. Weiß auch nicht.

Florian: Und es gibt noch verschiedene Schwarze. Dunkelantrazit. Es gibt tatsächlich verschiedene Schwarz. Irgend so eine britische Firma hat, es kam vor ein paar Monaten so ein Pressebericht rum, dass die jetzt ein schwärzeres Schwarz erfunden haben, als es jemals gab.

Miriam: Aus was besteht das?

Florian: aus irgendwelchen Kohlenstoff-Nanotubes. Und es absorbiert irgendwie fast 100% des Lichts, das da drauf fällt. Das ist so schwarz wie noch nie vorher schwarz. Das hat sogar einen Namen, glaube ich, ne?

Miriam: Ja, irgendwas. Das hat eine Bezeichnung. Guck mal, da könnten Menschen doch jetzt sagen, jetzt war ich die ganze Zeit Schwarzseher, das reicht gar nicht.

Florian: Und da geht noch was. Da geht noch was. Da geht noch was. Wir hören nicht nur mit dem Podcast auf, sondern auch mit dem Leben.

Miriam: Das wäre ja jetzt zu viel.

Florian: Ja, offensichtlich. Da gibt es Abstufungen. Ich wusste es. Ich wusste es. Ich habe es die ganze Zeit schon gesagt.

Miriam: Vermutlich gibt es immer Abstufungen. Die Frage ist ja nur, inwieweit denkt ein Mensch in dem Augenblick dran, wo sich so ein schwarz-weiß-Denken vor ihm auftut. Entweder ich mache den ersten Platz beim Wettbewerb oder ich habe auf jeden Fall verloren. Ja, gibt es auch. Es gibt Sportler, die so ticken.

Florian: und dann auch aufhören mit dem Sport gleich.

Miriam: Alles, was nicht der erste Platz ist, ist verloren. Und dann gleich ganz viel Sport aufhören. Das wäre dann dieses, wie heißt das? Dieses Schwarz.

Florian: Ventablack, glaube ich.

Miriam: Ventablack. Ventablack. Das ist dann Ventablack.

Florian: Ja, da geht noch was. Da ist immer noch Luft nach unten.

Miriam: Du meinst ganz mit dem Sport aufhören ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Ist das dann nicht eher die Konsequenz aus diesem Schwarzsehen? Also wenn ich jetzt davon ausgehe. Was machen Menschen, die immer weiß sehen? Kennst du Weißseher?

Florian: Weißt du, ich habe da auch schon drüber nachgedacht. Das wäre dieses, wenn es nicht ganz schief gelaufen ist, dann war es extrem gut. Ich habe noch nie so jemanden getroffen. Hast du schon jemanden so getroffen? der gesagt hat, es war jetzt nicht katastrophal, deswegen ist es mega gut.

Miriam: Dich?

Miriam: Ja.

Miriam: Was? Ganz häufig. Also es ist unglaublich, dass du dich jetzt... Ja, wirklich. Ich habe manchmal zwischendurch, wenn... Ich bin super dankbar für alles, was wir tun und ich bin super dankbar für jeden Teilnehmer, der sich anmeldet für unseren NLP Practitioner und ich genieße dieses Seminar-Business und ich bin so gerne Trainerin und zwischendurch gibt es Stellen, an denen ich struggle, wenn wir zum Beispiel wieder eine Fortbildung machen und ich komme an meine eigenen Grenzen und merke, da ist jetzt richtig Energie drin und dann spreche ich mit dir darüber und dann merke ich, dass du das auch so empfindest, also du hast auch diesen Eindruck von, ja, das ist schon hochkomplex gerade und war schon viel Schönes dabei. Ich habe das ganz oft erlebt.

Florian: Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass ich deswegen Weißmaler bin.

Miriam: Wenn wir den Schwarzmaler so sehen.

Florian: Ich bin abgestuft in Graustufen. Ich bin einfach sehr nuanciert in Graustufen unterwegs.

Miriam: Das heißt, ein hell-hell-grau, ein hell-dunkel-grau, ein dunkel-hell-grau wäre schon besser.

Florian: Ist das wie beim Kompass? Ist es so ein dunkel-hell-dunkel-grau? Nord-Nord-Ost.

Miriam: Ich weiß es nicht.

Florian: Auf jeden Fall ist es, glaube ich, praktisch. Also ein Nachteil daran, die Welt so polig zu sehen, also in diesen Extremen zu sein, ist, glaube ich, ich kenne tatsächlich niemanden, der dann den Sprung in den Positivpol macht. Kennen wir jemanden?

Ein Planet aus Gegensätzen – und den Übergängen dazwischen

Miriam: Und es ist lustig, weil dieser Planet besteht aus Gegensätzen. Wir haben ständig Gegensätze um uns rum. Der Tag ist es gegenteilig zur Nacht. Es gibt schwarz und weiß.

Florian: Yin und Yang.

Miriam: Nass und trocken. Es gibt hell und dunkel. Es gibt kalt und heiß. Es gibt diese Gegenteile. Mann und Frau gelten ja als die beiden größten gegensätzlichen Pole im lebendigen Bereich jetzt. Und da ist es ja auch so, dass es irgendwie auch eine Verbindung zwischen denen gibt. Also es gibt einen wunderschönen Sonnenaufgang und einen wunderschönen Sonnenuntergang, an denen diese beiden gegenteiligen Farbwelten ja auch miteinander verschmelzen ein Stück weit. Es gibt ja diese Farbspiele von dunkelrot bis violettpurpur, wenn die Sonne abends untergeht. Und auf der anderen Seite so eine Morgenröte, die ich bis jetzt selten in meinem Leben erlebt habe. Ich habe einmal eine Wette verloren, da war ich auf einer Kreuzfahrt. Und dann war da morgens, es gab einen Sportkurs auf diesem Schiff, der hieß Poolgymnastik im Sonnenaufgang. Ohne Mist in der Karibik auf dem Schiff. Und da habe ich eine Wette verloren abends und dann bin ich da morgens angetreten. Das war echt nicht schön.

Florian: Da war doch gleich der ganze Tag gelaufen.

Miriam: Nö, ich habe mich danach wieder schlafen gelegt.

Florian: Du hast einen extrem kurzen Tag gemacht.

Miriam: In meiner Welt ging da noch eine richtig frische Brise an dem Morgen und ich bin dann da trotzdem in diesen kalten Pool geklettert.

Florian: Was machen wir denn jetzt mit diesem Thema?

Miriam: Und der Sonnenaufgang, den wir da erlebt haben, während wir im Pool geturnt haben, der war so schön. Das war unglaublich. Miri. Weil wir von einem tiefdunklen Blau mit Sternenhimmel haben wir gestartet.

Florian: Ist die Message, dass du auch Abstufungen siehst, oder wie? Was ist denn jetzt? Also mit jemandem, der jetzt keine Abstufung...

Miriam: Vielleicht gibt es gar kein getrenntes Schwarz und Weiß. Vielleicht gibt es das in Wahrheit gar nicht.

Florian: Ach, du meinst, das ist immer ein...

Miriam: Ja, dass uns die Welt da draußen beweisen möchte, dass es das gar nicht wirklich gibt. Ich weiß es nicht, ich bin ja kein Naturwissenschaftler, nur es kommt mir fast so vor.

Florian: Naja, nachts ist es meistens dunkel, also zumindest bei uns hier.

Miriam: Ja.

Florian: Und tagsüber ist es hell.

Miriam: Und dann kommt dieser magische Augenblick. Zwei Mal sogar pro Tag kommt dieser magische Augenblick. Und wenn Mann und Frau sich vereinen... Ich werde jetzt mal ganz Tantra-mäßig hier, wenn Mann und Frau sich vereinen, dann ist es ja auch eine bipolare Vereinigung. Oder wenn wir in der Sauna erleben, wird es ja auch die Wohltat von diesem, dass es sehr heiß sein kann irgendwo und dann sehr kalt, bitte. Plötzlich geht das, dass Leute sich so eine Ice-Cube-Geschichte über den Kopf kippen.

Florian: Weißt du, was das Witzige ist? Für mich ist da tatsächlich, also gerade bei dem Sauna-Beispiel, da wäre für mich halt schon ein Übergang dazwischen, gell? Also geht ja nicht aus der Sauna ins Frierbad normalerweise. Vielleicht in Finnland und selbst da wäre Sauna in die Minusluft ins 4 Grad kalte Wasser oder so.

Miriam: Ja genau und das ist auch wie ein Sonnenaufgang. Es bleibt ja erstmal dunkelblau und dann geht es nach lila und dann geht es nach rot. Also es ist ja nicht ein, jetzt ist es dunkel, jetzt ist es hell. Es ist nicht kalt heiß, sondern es gibt einen Übergang in irgendeiner Weise. Manchmal ist der ein bisschen heftiger und manchmal ist der ein bisschen zarter.

Chunking: Wie groß mache ich meinen Realitätsausschnitt?

Florian: und was hat das denn jetzt mit dem Leben zu tun? Und mit Menschen, die Dinge schwarz-weiß sehen. Aber, also tatsächlich, ich kenne, typischer Kommentar in der Arbeit irgendwie, das ist jetzt schon das dritte Mal, heute ist einfach ein schlechter Tag.

Miriam: Das kenne ich auch.

Florian: So, das ist doch schwarz-weiß-denken, oder?

Miriam: Das ist pessimistisch.

Florian: Ja, nur das ist doch jetzt so, es ist irgendwie was, also keine Ahnung, jemand hat morgens, ich musste morgens Eis kratzen, deswegen ist mein Tag jetzt gelaufen.

Miriam: Oh, den Spruch höre ich auch oft, ja stimmt. Ja, wegen einer gefühlten, nicht lebensbedrohlichen Geschichte.

Florian: So, was machen wir damit jetzt? Was ist denn da die Empfehlung hier aus NLP?

Miriam: Ja, wieder heimfallen und ins Bett legen. Habe ich ja nach der Wassergymnastik auch gemacht. Wenn ich wirklich glauben würde, dass der Tag dann gelaufen ist, wäre die einzige Konsequenz, wieder nach Hause zu fahren und ins Bett zu gehen. Und zu warten, bis der nächste Tag kommt und zu hoffen, dass der besser wird. Oder wärmer.

Florian: oder sich einfach durchkämpfen.

Miriam: Durch einen Tag, der schon gelaufen ist?

Florian: Ja, naja. Wo ist der Sinn? Du bist irgendwo angestellt und die erwarten halt, dass du kommst, auch wenn du jetzt heute Morgen, selbst wenn du versehentlich Sojamilch in dein Müsli gekippt hast. Wie versehentlich? Nur als Beispiel. Selbst wenn du eiskratzen musstest.

Miriam: Ja. Die erwarten das, ne? Ja.

Florian: Anrufen, sagen, ich muss da eiskratzen. Sorry. Ich komm heut nicht.

Miriam: Das geht gar nicht, mein Tag ist gelaufen.

Florian: Mein Tag ist gelaufen, ich bin jetzt raus.

Miriam: Ja, und im Grunde ist meine Frau schuld, die hat das Auto draußen stehen lassen, ich bin in die Garage gefahren.

Florian: Wie beschließt du, dass nur der Tag gelaufen ist und nicht die Woche?

Miriam: Wie ich das mache? Ja. Ich würde niemals beschließen, dass mein Tag gelaufen ist, weil ich eiskratzen musste. Hm. Nicht mal, wenn ich auf dem, ich wurde einmal auf dem Hinweg zur Arbeit geblitzt, selbst da hatte ich nicht das Gefühl, dass der ganze Tag gelaufen ist. Ich habe kurz ein Schimpfwort gedacht.

Florian: Im NLP nennen wir das Chunking. Also im neurolinguistischen Programmieren nennen wir das Chunking. Die Frage ist, wie groß wählst du deine, wie groß machst du die Auswahl deines Realitätsausschnitts?

Miriam: Der Güllegrube.

Florian: Von mir aus auch sehr. Heißt das, mein Auto stand irgendwie so im eiskalten Düsseldorfer Wind, dass ich heute Morgen eiskratzen muss und ist damit der Tag gelaufen, die Woche, der Monat, das Jahr oder sind einfach zwei Minuten eiskratzen in der Kälte und dann ist alles wieder jut, weil dann sitze ich ja in der Heizung drin.

Miriam: In der Heizung, im Heizkessel. Im Heizkessel, im Auto. Nur mit der Nase rausgucken.

Florian: Genau.

Miriam: Ich habe meinen Laptop mitgenommen.

Florian: Das ist ja tatsächlich, das ist wirklich eins von den zentralen NLP-Modellen, über die nicht so viel geredet wird. Wie groß wähle ich den Realitätsausschnitt? Also idealerweise würde ich ja sagen, wow. Heute, ich hatte heute Geburtstag, oder ich hatte letzten Monat Geburtstag, das trägt mich immer noch, weil das so cool ist, Geburtstag zu haben. Oder irgendjemand, ein Kollege hat mir irgendwie was Leckeres mitgebracht oder ein Kompliment gemacht und ich sag, das macht meine ganze Woche schön. Und morgens hab ich Eis gekratzt, das waren echt die schlimmsten anderthalb Minuten des ganzen Tages.

Miriam: Damit habe ich die dann auch schon erledigt, was mich wieder beruhigen würde.

Florian: Ja, das stimmt. Also es gibt halt Sinnvolles, ein sinnvolles, wie mache ich meine Erfahrung.

Miriam: Ich glaube, da sind wir auch wieder bei diesen geflügelten Worten, bei den Metaphern, die Menschen benutzen, ohne wirklich darüber nachzudenken. Weil diese Schwarz-Weiß-Säerei ist ja nichts anderes als eine Metapher. Unser Auge ist ja imstande, sehr viel mehr zu erkennen als Schwarz und Weiß. Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt irgendein Lebewesen mit Augen gibt auf diesem Planeten, das nur Schwarz und Weiß sieht. Weil die Bilder, die ich kenne in Schwarz und Weiß, das sind ja Scherenschnitte.

Florian: Also das ist ja nichts... Und selbst dieses Schwarz ist nicht so schwarz wie Vantablack.

Miriam: Ja gut, okay, toll, dass du das entdeckt hast und alle Hörer... Und toll, ne?

Florian: Du hast wirklich jetzt... Also da ist sogar in Schwarz ist sogar eine Abstufung drin. Und selbst das ist nicht ganz schwarz, weil das filtert irgendwie nur 99,6% des Lichts. Oder absorbiert 99,6% des Lichts. Da wird auch noch was gehen.

Miriam: Warum regst du dich denn jetzt so auf? Ist dein Tag jetzt gelaufen?

Florian: Nur die Podcast-Minute.

Miriam: Das ist gut.

Florian: 41 Sekunden noch in dieser Minute.

Miriam: Und oft ist es ja so, dass eher das Menschen, und ich glaube, du hattest es schon mal kurz erklärt, dass Menschen ja dazu neigen, solche Geschichten bei anderen festzustellen. Also mein Kollege auf der Arbeit, der sieht auch immer nur Schwarz-Weiß-Kategorien. Mein Chef. Wenn nicht alles funktioniert hat bei dem neuen Projekt, dann ist gleich alles Kacke. Und das bin nicht ich, sondern das ist ein anderer, bei dem ich das merke. Und für mich ist es ja immer spannend festzustellen, wie ist es denn bei mir? An welchen Stellen neige ich dazu, wie wir im NLP sagen, zu chunken oder riesig zu chunken?

Florian: Möchtest du dich jetzt etwa noch verändern?

Miriam: Ich bin ständig in Veränderung und ich bin auch immer sehr froh, wenn ich noch was dazu lernen kann. Meistens macht es mein Leben noch besser und witziger. Ist wirklich so. Habe ich die Erfahrung jetzt gemacht. Manchmal eine Nuance, also sagen wir eine klitzekleine Grauschattierung und manchmal einen deutlichen Schritt Richtung Licht.

Florian: Manchmal deutlich. Geh nicht ins Licht.

Miriam: Ach, Pille-Palle. Ich wollte schon immer wissen, wer da sitzt. So. Deshalb, also erstmal würde ich sozusagen, wenn der Gedanke in mir aufpoppen würde, dass jetzt Schwarz-Weiß-Seherei, meistens stelle ich es ja, wie gesagt, bei einem anderen Festlich bei mir, wenn der Gedanke in meinem Gehirn plötzlich da wäre, würde ich bei mir und weil ich mir selbst eben auch sehr genau zuhöre, sofort sagen, naja, das geht ja gar nicht wirklich. Kein Mensch da draußen kann schwarz und weiß und sonst nichts sehen. Alle Menschen sind imstande, Farben zu sehen. Und dieses Chunken, das ist wiederum eine andere Geschichte, dass einer also in eine bestimmte Richtung, nein.

Florian: Ne, finde ich nicht. Es geht genau um das Chunk. Also wie groß will ich den Ausschnitt der Realität? Sehe ich, sage ich, dieses kleine Ding, das Haar in der Suppe sorgt dafür, dass das Restaurant blöd ist? Dass ich das Restaurant wegwerfen muss? Oder ist das Haar in der Suppe sorgt es nur dafür, dass ich das Haar aus der Suppe nehme und rauslege? Das ist genau Chunking.

Miriam: Und da ist doch jeder Mensch sehr individuell drauf, oder?

Florian: Wie groß will ich den Realitätsausschnitt? Und es gibt, und dann sind wir ja wieder auch zentral, was ist die Intention? Ich kratze morgens das Eis von der Scheibe, heißt das, dass mein ganzer Tag gelaufen sein soll, dass ich mich wieder ins Bett lege und dann warte, bis morgen ist? Wie weine. Und vielleicht friert es wieder und dann... Oder sag ich einfach, ja, das sind halt irgendwie jetzt frostige 30 Sekunden oder anderthalb Minuten oder wie lange auch immer. Und das ist der, das ist die, dann ist das vielleicht schwarz in dem Moment. Und danach, mal gucken. Danach wird es vielleicht gräulich, weißlich, weiß.

Empathisch begleiten statt umerziehen

Miriam: Das ist lustig, weil ich höre sozusagen bei anderen Menschen, die sowas sagen, irgendjemand kommt zur Tür rein in der Redaktion beim Fernsehen und das erste, was er ruft, ist so, mein Tag ist jetzt schon gelaufen und dann kommt irgend so eine Geschichte.

Florian: Und da kommt irgendwas, irgendwas Kleines.

Miriam: Meistens. Was nichts mit dem ganzen Tag zu tun hat. Meistens. Meistens hat es nichts mit dem ganzen Tag zu tun und es ist sehr individuell und es ist sicherlich was lästiges und demjenigen gefällt es auch nicht, nur es ist eben so. Nur, wie kann ich sozusagen, wenn ich mit solchen Menschen regelmäßig zusammenarbeite, wäre ja dann die Frage, wie kann ich die denn verändern, dass die sowas nicht mehr machen. Und da ist unsere Antwort gar nicht. Nicht in dem Sinn, dass ich zu ihm gehe und sage, weißt du was, nur wegen dem bisschen Eiskratzen ist doch nicht dein ganzer Tag gelaufen. Ich sag dir jetzt mal was, das wäre doch schade. Weil derjenige steht da halt mit so einer Krabatte. Das Einzige, was ich ja tue, ist bei mir drauf achten. Und mir rutschen solche Sachen nicht mehr raus.

Florian: Wie hast du das gemacht?

Miriam: Indem ich darauf geachtet habe.

Florian: Hörst du dir etwa selbst zu, wenn du redest? Genau.

Miriam: Und ich frage mich, was ich mit meinem eigenen Gehirn mache, wenn ich das tue. Also wenn ich mir selbst sage, indem ich es anderen erzähle, sage ich ja auch mir selbst, dass mein Tag gelaufen ist. Ich bin ja mir, mein, ich.

Florian: Wobei, wenn ich jetzt so drüber nachdenke, wenn du ein Kompliment bekommst, dann hast du doch einen Megatag. Das darfst du mir doch nicht erzählen. Ja.

Miriam: Ja. Und bei dir kenne ich das auch. Wenn dein neuer Computer hier geliefert wird von Herrn.

Florian: Da ist der ganze Monat.

Miriam: Da ist der ganze Monat. Ist ein Freudenmonat. Das ist ein Gejunkie hier. Also, Florian geht mit einem Grinsen schlafen und wacht mit einem Grinsen wieder auf. Und es kann passieren, was will das alles im Bereich gut. Ja.

Florian: Also wenn jetzt jemand das noch nicht so für sich selber im Griff hätte, also so, da der Impuls noch wäre zu sagen, naja, das ein, ich würde, also manchmal passieren die Dinge ja, bevor du dir überhaupt vorstellen kannst, dass du da dich änderst, kann es ja sein, dass es schon passiert ist, nur jetzt, wenn jetzt jemand das unterstützen wollen würde.

Miriam: Wie fange ich denn dann an?

Florian: Ich finde es schon mal ganz cool, an diese Grauabstufungen zu denken. Also auch an dem Tag gab es was.

Miriam: Oder vielleicht ist es ja auch ganz cool, was ich vorhin bei dir super fand, war dieses, die schlimmsten anderthalb Minuten dieses Tages sind jetzt schon rum. Mich würde das beruhigen. Und das wäre ja auch, ganz liebevoll gesagt, eine sehr gute Antwort auf jemanden, der vielleicht so auch in die Familie kommt oder in die Partnerschaft oder ins Büro.

Florian: Wir sind voll dabei, dass wir sagen, empathisch. Also offensichtlich, wenn dein Kollege das hat oder wenn deine Partnerin oder dein Partner irgendwie jetzt einfach genervt ist oder irgendwas Blödes ist passiert. Es ist ja okay, dass die Person jetzt gerade in dem Zustand ist und dann hilft es eben nicht, vielleicht in den Gegenzustand zu springen und zu sagen, hey, Party, cool, sondern einfach, vielleicht wäre so ein witziger Spruch mit sowas, ja, die schlimmsten anderthalb Minuten des Tages, jetzt haben wir, manchmal gibt es dann halt Leute, die dann beweisen wollen, dass es nochmal eine Stufe tiefer geht. Venta Black. Venta Black. Wir könnten einen Venta Black Club gründen. Extremely White könnten wir dann auch gründen. Komm ins Licht. Extremely White. Wir haben ja einer von den kleinen Menschen, die hier auch bei uns in der Wohnung leben, der würde dann nämlich auch anfangen zu beweisen, dass es da nochmal was drunter gibt. Da hätte ich überhaupt keine Lust zu.

Miriam: Ja, das stimmt.

Florian: Ich glaube, es geht gar nicht darum, irgendjemand anders zu beweisen, dass da noch was drunter geht oder noch was drüber geht, sondern es ist einfach die Entscheidung, was möchtest du haben. Sollen die anderthalb Minuten, in denen ich mich über irgendwas geärgert habe, sollen es die anderthalb Minuten gewesen sein und ich möchte den Resttag schön verleben? Wenn du das als Ziel hast, dann ist es einfach so, dass du die Erfahrung vielleicht kleiner machst für dich.

Sich positiv überraschen lassen

Miriam: Und was auch geht, ist ganz vorsichtig nachfragen, gab es denn vielleicht auch schon mal Tage in deinem Leben, die nicht so prickelnd angefangen haben und sind dann doch noch ganz gut geworden? Vielleicht gab es ja mal so einen oder zwei von den Tagen schon.

Florian: Echt jetzt? Das ist ja auch ein Spannende. Ja. Also es ist nicht, wahrscheinlich ist es nicht immer so, dass wenn was irgendwo mal...

Miriam: Wenn morgens Eiskratzen war, dass dann wirklich der ganze Tag nur noch schrottig war. Sondern vielleicht ist was klitzekleines an dem Tag auch noch passiert, was ganz nett war.

Florian: Oft sind die Tage... die sehr kalte Nächte haben, ja dann auch die fangen mit so einem Sonnenaufgang an.

Miriam: Manchmal sind die Partys, wo du vorher geglaubt hast, dass die ganz fürchterlich werden, ja dann die coolsten gewesen. Haben wir alle mal erlebt.

Florian: Und das Haar in der Suppe?

Miriam: Beim Haar in der Suppe würde ich schon, unser Andreas Jung, ganz lieber Bekannter von uns und Freund, der würde jetzt sagen, Abmahnung. Ja, ganz klar. Ist ja unhygienisch. und hey, entspann. Wenn es um mich selbst geht, ich übe mich im Entspanntsein, ich übe mich im klare Entscheidungen treffen. Wenn mich ein Haar in der Suppe ganz fürchterlich stören würde, würde ich mir tatsächlich dann einfach eine neue Suppe bringen lassen und ganz gewiss den Abend in diesem Restaurant weiterhin genießen, im Rahmen meiner Möglichkeiten. Und ich würde mich erinnern, dass es eben auch schon Begebenheiten gab, die nicht so wirklich witzig und prickelnd angefangen haben und die dann doch noch irgendwie ganz gut wurden. Und wenn ich anfange, darüber nachzudenken, sammelt sich ein Buch bei mir von solchen Sachen. Das reicht von Auftritten, die ganz fürchterlich angefangen haben, mit drei Leuten im Publikum, die dann am Ende ein rauschendes Fest wurden, wir dann verlängert haben, weil als der Saal endlich voll war, hätten wir nur noch zehn Minuten zu spielen gehabt mit der Band. Oder von Kochvorhaben, bei denen ich am Anfang, ich bin jetzt nicht so eine begeisterte Meisterkirche.

Florian: Das ist schon ganz schön anstrengend, so lange schlechte Laune zu halten. Also es ist viel einfacher dann irgendwann zu sagen, okay.

Miriam: Es gibt diese Tage, es gibt diese Partys, es gibt diese Fernsehsendungen, es gibt diese Gespräche mit dir, es gibt diese Augenblicke mit den Kindern, es gibt diese Tage. Und ich weiß, dass ich mich immer positiv überraschen lassen darf.

Florian: Auch bei den Workshops oder wenn wir eben selber Veränderungen erleben, wenn wir uns irgendwas haben.

Miriam: Das ist gemein, dass du das jetzt nochmal ansprichst.

Florian: Ja, findest du? Ja, ich war gerade drüber weg. Ich habe den Eindruck, es ist halt dann dieser eine Abend. Also deswegen, der ist tatsächlich dann auch nicht mehr so wichtig für mich.

Miriam: Das stimmt. Und ohne Nacht und Tag gäbe es auch dieses Farbenspiel nicht, das eben einen Sonnenaufgang und einen Sonnenuntergang verursacht. Dann hätten wir das gar nicht. Und das wäre echt schade. Also ich mag es, mich daran zu erinnern. Ja. Und ich würde gerne mal dieses Venta Black sehen.

Florian: Da ist ja nichts zu sehen. Da ist ja nichts zu sehen, oder? Da gibt es nichts zu sehen. Das Spannende ist, da ist nicht mal die Form zu erkennen, die das hat, weil es so viel Licht absorbiert.

Miriam: Wie cool. Gibt es da im Internet Bilder von?

Florian: Ich glaube, es gibt Videos, ja. Ich habe da mal irgendwas gesehen, ein paar Monate her.

Miriam: Super.

Florian: Es gibt einfach diese Abstufungen, ne? Wenn wir hinschauen.

Miriam: Und wach sind. Und es bei uns bemerken, in erster Linie.

Florian: Weißt du, was wir noch nicht gemacht haben in diesem Podcast?

Miriam: Jetzt kommt's.

Florian: Den Werbeblog, den Werbeblog.

Miriam: Oh, wenn du Sprachzauberer lernen möchtest, intensiv, dann haben wir für dich zwei tolle Themen, äh, Themen, das ist jetzt nicht bei Themen. Zwei tolle... Nein, jetzt ist der Werbeblog gelaufen.

Florian: Wir machen im Herbst wieder einen NLP Practitioner.

Miriam: Vom 25.09. bis zum 15.10. Ruf uns an, schreib uns eine E-Mail, das wird so cool oben in Ernstberg. Mehr Infos auf www.kontext*denken.de Und am 9.06. sind wir live in Mönchengladbach.

Florian: Und wenn du der Miriam Gefallen tun möchtest, dann schreib noch einen Themenvorschlag auf unsere Facebookseite.

Miriam: Nein, das ist anders. Wenn du mit mir gemeinsam dem Florian beweisen möchtest, dass wir noch diese zwölf Themen zusammen... Entschuldigung. Wobei ich jetzt Hartmut mal ausklammere. Hartmut, wir lieben dich. Du bist ein Schatz. und alle, die uns bis jetzt schon geschrieben haben. Wir nehmen alle Themen dran. Es ist eben Woche für Woche. Wir arbeiten die alle, alle, alle durch. Jetzt noch zwölf, die wir brauchen. Bis zum hundertsten Podcast. Dann kann ja nur noch der Grimme-Preis kommen.

Florian: Bis nächste Woche, ihr Lieben. Vielen Dank, bis dann. Tschüss. Tschüss.

Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.

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