Ein weißes Blatt Papier, ein Stift, und die simple Frage: Was wünschst du dir eigentlich? Miriam erzählt vom 40-Jahre-Traum ihres Vaters, einmal Faust auf die Bühne zu bringen — und davon, warum das ganze Theatergremium jedes Jahr lachte, wenn er wieder damit ankam. Es geht ums Dranbleiben, ums Aussprechen und darum, warum ein Wunschzettel mehr in Gang setzt, als du denkst.
Träume erfüllen statt Träume, die wahr werden
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: Müde bin ich, Känguru. Schließe meinen Beutel zu.
Florian: Was? Ist das aus dem Kindergarten? Das kannte ich noch nicht.
Miriam: Ich fühle mich ein bisschen wie Kindergarten heute.
Florian: Ja, wieso das denn? Gestern Premieren-Party.
Miriam: Premiere, ja gestern, gestern war Premiere von Faust. Faust als Musical und ganz anders.
Florian: Hier in Assenheim bei der Theatergruppe Assenheim. Es gibt noch Karten für Baden-Anhalt.
Miriam: Ja, wenige. Ist wirklich gut verkauft.
Florian: Was ist denn das NLP-Podcast-Thema heute?
Miriam: Das NLP-Podcast-Thema ist ein sehr ergreifendes, wie ich finde. Weil ich habe erst gedacht, wir nennen das so ganz platt, so ganz so ZDF-Fernsehgarten-mäßig, so wenn Wünsche wahr werden. Oder wenn Träume wahr werden.
Florian: Das könnte auch so eine Sat.1-Show sein mit Kai Pflaume.
Miriam: Ja, genau. Und dann habe ich gedacht, wir nennen es einfach Träume.
Florian: Vielleicht Träume erfüllen.
Miriam: Ja. Weil da ist auch sowas drin von, die Menschen machen das selbst, also die erfüllen sich selbst ihre Träume. Und wenn es heißt, wenn Träume wahr werden, dann klingt es so, als würden die Träume sich dazu entscheiden, wahr zu werden oder nicht.
Florian: Und tatsächlich hatte ich den gleichen Impuls eben mit, und es war wirklich, als du gesagt hast, Träume werden wahr, dann sehe ich so eine Samstagabendshow mit irgendeinem Moderator. Und die Herausforderung an der Stelle ist, da muss jemand anders ins Leben von irgendwelchen Menschen eintauchen, damit die Träume wahr werden.
Miriam: Und wir erleben im Moment, im Moment erleben Florian und ich gehäuft, wie Menschen sich ihre Träume wahrmachen. Und das ist manchmal krass für uns. Also wir inklusive. Und es hat nichts damit zu tun, dass irgend so ein Kai Pflaume beikommt oder ein anderer Moderator oder ein ganzes Redaktionsteam und dafür sorgt, dass irgendwas wahr wird, dass irgendein Wunsch in Erfüllung geht, sondern die Leute tun einfach ganz tolle Sachen und es ist verrückt, was alles möglich ist.
Florian: Manche von den Träumen sind auch ganz klein.
Miriam: Manche sind klein und sie sind so wichtig. Es gibt so kleine goldene Träume. Im Grunde sind die vom Gefühl her riesengroß. Vielleicht würden ja manche sagen, naja, das ist jetzt nicht so ein Riesenthema.
Der 40-Jahre-Traum vom Faust auf der Bühne
Florian: Einer der Träume, die in unserer näheren Umgebung in letzter Zeit eben in Erfüllung gegangen sind, ist dieses Musical Faust. Weil wer macht denn bitte aus einem 200 Jahre alten Schulstoff, bei dem inzwischen Schüler nur noch gezwungen werden, den zu lesen, wer kommt denn auf die Idee, ein Familienmusical daraus zu machen?
Miriam: Und wessen Traum war das?
Florian: Wessen Traum war das, mal Faust aufzuführen?
Miriam: Darf ich vielleicht etwas ausholen? Ich komme aus einer Gaukler-Familie. Ich bin in einem Wohnwagen aufgewachsen.
Florian: Das ist ja so Quatsch. Ganz spießig hier in Frankfurt. Ja, das stimmt. Vorort.
Miriam: Mein Vater hat schon ganz früh vor 40 Jahren angefangen Theater zu spielen, damals ganz amateurhaft mit einer Elterngruppe, die für Kinder im Kindergarten kleine Märchen aufgeführt hat. Und das Ganze ist über 40 Jahre gewachsen zu einer wirklich, also semi-professionellen, fast schon professionellen Musical-Truppe, die mit über 100 Menschen einmal im Jahr auch Live-Orchester ein ganz großes Musical inszeniert. Und das sind selbstverständlich so Märchen-Musicals, also die Schöne und das Biest oder was haben wir noch aufgeführt? Die Sternenjäger, die Schneekönigin, genau. Also ganz zauberhafte Märchen, großes Musical, großes Kino, immer Happy End. Und mein Vater als Theaterschaffender hat seit 40 Jahren diesen Traum, einmal Faust aufzuführen. Dafür hat er die falsche Gruppe gegründet.
Florian: Da wäre so eine dröge Theatergruppe, die sich schwere Stoffe vornimmt und sozialkritische Stücke spielt, wäre wirklich die korrektere Gruppe gewesen.
Miriam: Da hätte er es schon viel schneller gehabt, diesen Traum. Das wäre viel schneller wahr geworden. Und jedes Jahr kam er wieder damit an. Wenn die Autorengruppe dieser Musical-Einheit da zusammensaß, um das neue Stück zu beschließen, stand er da mit triefenden Äuglein und sagte, wäre es auch okay, wenn wir mal Faust spielen? Und alle lachten.
Florian: Zu Recht.
Miriam: Und sagten, die Leute warten, kommen bei uns mit der ganzen Familie, Opa, Oma, Kinder, alle dabei und am Ende alle tot. Bei Faust sind am Ende alle tot. Und was willst du machen? Ja. Das ist eine ganz schlimme, traurige Geschichte, finde ich, Faust. Hat ganz viel, selbstverständlich ganz viel Weisheit drin und ganz viel Verarbeitung von Goethes eigenem Leben und auch seinen Ansichten übers Leben, sehr viele philosophische Ansätze, sehr viele Auseinandersetzungen auch mit Zeitgeschehen und am Ende sterben alle, es nutzt nichts. Also wir können dieses Stück...
Florian: Das passt ja nicht in ein Musical.
Miriam: Das passt nicht in ein Musical dieser Gruppe. Es gibt noch nicht das... Gibt's Musicals? Oh, es gibt Musicals, die hochdramatisch enden, Phantom der Oper. Gibt es am Ende Tote? Hier Sunset Boulevard ist auch ein ganz, ganz trauriges Ende.
Florian: Um die bin ich bisher drum rum gekommen, wenn wir zusammen irgendwo hingegangen sind.
Miriam: Miss Saigon ist auch ganz traurig am Schluss. Und das gibt es schon. Es gibt ja auch komische Opern. Nur Faust als Musical in diesem Kontext dieser Theatergruppe, wo eben Familien hindackeln in der Vorweihnachtszeit, um so ein bisschen Zauberhaftes und große, bunte Bühne zu erleben.
Florian: Und da ist ja dann auch die Frage, welcher Traum soll wahr werden, wenn die Menschen kommen? Oder ihr hättet ja auch einfach Faust so spielen können, wie der halt im Stücke steht. Und wieso wurde es dann umgeschrieben oder was?
Miriam: Und es gibt dramatische Entwicklungen innerhalb des Stücks, die zum Teil ganz anders sind als gedacht.
Florian: Und sehr nah am Originalwerk auch. Was war das, was ihr liefern wolltet? Oder was war der Traum, den ihr für die Zuschauer wahr werden lassen wolltet?
Miriam: Es gab eine schöne Energie in dieser Entscheidung, dass mein Vater, der der Regisseur-Gesamtleiter dieser Gruppe ist, dass der zum 40-jährigen Bestehen den Faust machen darf. Und ich weiß, dass da Freudentränen flossen, als die gesamte Gruppe entschieden hat, wir ziehen den Faust durch. Und es war uns klar, dass das viel Arbeit ist, weil wir dieses Werk umarbeiten dürfen auf das, was wir tun für unsere Zuschauer. Ich glaube knapp 8000 Leute kommen jedes Jahr zu diesen Aufführungen. Was die auch erwarten für sich, für ihre Familie, für die Ticketpreise. Und dass wir trotzdem da so viel Faust drin haben, dass es Faust ist und auf der anderen Seite ganz in der Tradition dieser Gruppe sind und bleiben. Und das zu verbinden schien am Anfang wie zwei Pole, die nicht zusammenpassen. Und es war die Arbeit von einer ganzen Gruppe und einem sehr konzentrierten Kern von drei, vier Menschen, die sich sehr schlau mit diesem Werk auseinandergesetzt haben. Um dann eben daraus einen Stoff zu stricken.
Wenn Träume wahr werden — und wer sie wahr macht
Florian: Und welchen Traum wollt ihr euren Zuschauern jetzt erfüllen? Weil irgendein Richtwert oder wenn ich in irgendwelche Unternehmen reinkomme, heißt es jetzt immer North Star, der Nordstern, an dem wir uns ausrichten als Unternehmen, den darf es ja da geben. Denkt ihr da so drüber nach, dass du sagst, das soll irgendwie, wie sollen die Zuschauer aus dem Raum rausgehen? Ist das das? Du stellst dir das vor, Miriam. Miriam nickt schon.
Miriam: Das ist ja das, was diese Gruppe so erfolgreich macht, aus meiner Sicht. Weil die Leute dort in einer sehr grauen Jahreszeit, im November, Dezember, sowas ganz Wärmendes für die Seele bekommen. Und Theater ist ja eine Sinneserfahrung. Das heißt, die bekommen wunderschöne Musik, die bekommen tolle Bilder, die bekommen Träume aus Licht. Und die... Das Verlassen des Theaters erfolgt immer unter diesem Aspekt, etwas Zauberhaftes erlebt zu haben. Viel gelacht zu haben, sich gefreut zu haben, vielleicht ein bisschen im Kopf mitgesummt zu haben bei der einen oder anderen bekannten Melodie. Und das durften wir jetzt einfach, diese Aufgabe, die die Gruppe hat, für das Publikum durften wir in diesen Faust hineinstopfen. Für mich war das am Anfang eine große Herausforderung. Und es ist geglückt. Wir haben jetzt die Premiere erlebt, die wurde gefeiert, es gab Standing Ovations ohne Ende, die Leute haben während des Stückes, sind die ausgeflippt, wir hatten Standing Ovations zwischen den Szenen, also es war wirklich eine ganz großartige Aufführung und ein ganz toller Faust ist da entstanden, eine wunderschöne Version davon und da sind viele Träume wahr geworden. Da ist zum einen der ganz große Traum meines Vaters wahr geworden, der auch gestern auf der Bühne wirklich sehr sentimental reagiert hat. Und zum anderen sind da auch Träume wahr geworden von dem Arrangeur und Komponisten, weil der das auch super spannend fand, sich vorzugreifen, hat auch wirklich selbst komponiert für dieses Musical, was wir normalerweise nicht tun in dieser Gruppe. Wir haben den Traum vielleicht von einigen Zuschauern erfüllt, Faust mal in angenehm und in erheiternd und auch in unterhaltsam zu sehen.
Florian: Wenn ich mir anschaue, wie viel Aufwand da reinfließt in den letzten Monaten, also wirklich 20, 25 Schauspieler auf eine Bühne zu bringen, ein großes Bühnenbild, mit dem Orchester das Ganze zu verheiraten, irgendwann... Wie viele einzelne Leute da so viel Zeit auch mit verbringen. Quasi die ganzen Wochenenden ab Ende August sind alle im Theater dann für die Schauspieler. Da sind auch Träume für die in Erfüllung gegangen. Und was auch immer es ist, vor dem Publikum stehen, andere zum Lachen bringen, auf der Bühne sein, da gibt es ja ganz viele unterschiedliche Motivationen. Nur, was ich sehr berührend und sehr schön finde an der Gruppe ist, dass da eben auch ganz viel getan wird für.
Miriam: Und da sind wir jetzt an dem Punkt mit dem Träume erfüllen, dass ein Mensch wie mein Vater sich nicht zu Hause aufs Sofa setzt und vielleicht durch sein Wohnzimmerfenster in die Sterne guckt und sich innigst wünscht, mal den Faust auf die Bühne zu bringen und dann wartet, dass es passiert oder dass Kai Pflaume um die Ecke kommt oder dass einer aus seiner Familie auf die Idee kommt, Kai Pflaume anzurufen, was von uns wirklich keiner tun würde. Die Chance ist relativ gering.
Florian: Und vielleicht bist du ja auch in einer Familie, wo keiner Kai Pflaume für deine Wünsche anrufen würde.
Miriam: Obwohl du schon überall so kleine Post-its hingeklebt hast, weißt du so. Ich würde mir wirklich wünschen, dass Kai Pflaume mir meinen Traum erfüllt. Und die Einstellung empfange ich sehr häufig eher als dieses, ich tue jetzt was dafür, dass dieser Traum wahr wird. Mein Vater hätte sich 1979, als er diese Gruppe gegründet hat, niemals vorstellen können wie groß das wird. Er wusste nur, dass er Theater total liebt.
Florian: Und sehr spannend. Also da könnte er, ja jetzt so früh gegründet und dann halt einmal im Jahr das gemacht und über die Jahre und dann nur, dein Vater hatte tatsächlich ja auch einen Vorstandsjob in einem großen Konzern. Das waren viele Jahre, wo er sehr viel Zeit in diese, jetzt nennen wir es Traum oder sei es Wunsch oder Vision oder Hoffnung oder wie auch immer du sowas nennst, reingesteckt hat. Also jetzt rückblickend klingt es so linear und nachvollziehbar und einfach.
Miriam: Null. Mein Vater hat gelitten und es waren sehr, sehr anstrengende Jahre, das angesprochen eben, der kam manchmal mit dem Flieger aus Zürich wirklich und presst zur Aufführung noch, um sich dann direkt noch im Anzug von der Firma hinter die Bühne zu schwingen an die Nebelmaschine und irgendwie noch die Bühnentechnik zu fahren. Also ich habe da sehr große Stressmomente auch erlebt bei ihm und der Traum war so intensiv und ist es noch, dass das unter das geht schon fällt. Das nehme ich dann in Kauf dafür, dass das wahr wird oder dass ich da was für tun kann in dem Augenblick. Und ich habe Menschen beobachtet, die sich viele Träume in ihrem Leben schon erfüllt haben. Und von keinem einzigen, weil ich kenne keinen Lottomillionär. Und selbst dafür dürften Leute ja was tun.
Florian: Es gibt da auch sehr wenige von. Es gibt sehr wenige von, ne? Genauso wie eben so Samstagabendshow-Wunscherfüllung im Vergleich zu wie viele Menschen haben wir hier in Deutschland oder wie viele Menschen haben wir auf der Welt, sehr wenige sind.
Miriam: Und dafür gibt es erstaunlich viele, die sich schon große Wünsche in ihrem Leben erfüllt haben. Und bei manchen Träumen ist es erstaunlich, wie schnell die wahr werden können. Ich habe in meinem Leben beides schon erlebt. Ich habe erlebt, dass ich mir was gewünscht habe inniglich und dachte, das ist viel zu groß, das wird niemals stattfinden und habe es wieder so beiseite gelegt. Es war nur schön, dass ich mir es mal vorgestellt habe, wie das wäre.
Florian: Darüber nachzudenken. Genau. Ach, dass du einfach nur, du denkst einfach nur mal drüber nach, wie schön es wäre, in sowas reinzutauchen, also wie schön es wäre, was auch immer du dir mal gewünscht hast zu bekommen?
Erst die Intention, dann der Weg — der NLP-Blick
Miriam: Ja, ich habe zum Beispiel, und das ist ja gar kein so kleiner Traum, ich habe mir, ich habe eine gescheiterte Ehe hinter mir und das war natürlich nicht die Ehe, die gescheitert ist, sondern ich habe mir vorgestellt, wie das wäre in so einer total, in einer total harmonischen, schönen, bereichernden, liebevollen, witzigen Beziehung zu sein. Und hatte damals den Eindruck, dass das für mich einfach nicht in Frage kommt, weil ich viele Glaubenssätze gehört hatte von anderen Menschen, dass ich beziehungsunfähig bin. Und ich habe nicht aufgehört, darüber nachzudenken. Ab und zu mal in so einer stillen Minute habe ich irgendwo gesessen und habe gedacht, es wäre schön, wenn ich sowas auch hätte. Wenn ich es bei anderen beobachtet habe, habe ich mir gedacht. Das könnte für mich auch sein. Ich habe auch schon materielle Träume geträumt, die wahr geworden sind. Manchmal auf ganz unfassbare Weise, wo ich auf einmal dann vor diesem wirklich Gegenstand saß oder stand und gedacht habe, das ist jetzt, wir haben das jetzt. Wir haben das jetzt. Wir besitzen das, das ist unser. Und wir haben immer etwas dafür getan und andere Menschen auch, wenn ich andere Menschen sehe, die ihre Träume, die ihre Träume leben, selbst wenn das manchmal, und ich kenne welche, die haben sehr viel Geld und können sich damit jetzt ihre Träume erfüllen, die haben irgendwann mal was für dieses Geld gemacht.
Florian: Ich wollte gerade sagen, nicht, dass wir jetzt hier in eine The Secret-Folge abrutschen.
Miriam: Nein, in keinster Weise. Ich bin auch kein Fan von The Secret und ich glaube an Physik an der Stelle. Und das ist die Idee beim NLP, warum wir bei Zielen anfangen. Also was ist das Ziel oder die Intention, was ist das, was wir erreichen möchten?
Florian: Weil ohne sowas zu haben, ist es schwierig, in einer Situation irgendetwas in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Klar können wir in Situationen auch reingehen und wenn du entspannt bist, darf sich auch an der einen oder anderen Stelle was entwickeln oder lustig sein, nur auch dann ist ja eine Intention im Raum. Also dann wäre es eben, ich möchte ein schönes, entspanntes Leben haben oder ich möchte witzige Sachen mit Menschen erleben und bin ganz offen für neue Veränderungen. Irgendwie sowas und dann aus dem Impuls heraus entstehen dann halt einfach ungeplante Situationen. Nur im NLP, wir brauchen irgendwie so ein, wo soll es denn hingehen, diese Energie, die in uns drin ist? Wo möchten wir die denn investieren?
Miriam: Es kann sein, dass solche Träume auch manchmal länger auf sich warten lassen oder dass es ein bisschen dauert, bis Menschen ihre Träume erreichen. Weil ein Haus ist nun mal nicht in zwei Stunden gebaut, nicht dieser Tage, nicht mal ein Fertighaus ist so schnell aufgebaut. Da brauchen...
Florian: Wir haben das mal ausprobiert. Also alleine Baugrund finden in manchen Regionen von Deutschland...
Miriam: Dauert ein bisschen. Hat was mit Ausschreibungen zu tun und so. Also es geht eben nicht von heute auf morgen. Manche Träume dauern 40 Jahre, so wie der von meinem Vater. Und er ist wahr geworden. Und zwar zu Lebzeiten. Und mein Vater hat gestern Abend nach der Aufführung auf seinen eigenen zwei Beinen auf der Bühne gestanden, hat sein Publikum gefeiert und uns gefeiert, die wir auf der Bühne gespielt haben. Und war das Glück, also das Glück leuchtete aus allen Poren dieses Mannes. Und ich glaube, dass das, ja, hätte es gern auch schon ein bisschen früher gehabt. Und mein Vater ist so ein Dranbleiber, ne? Jedes Jahr wieder kam er da vor dieses Gremium. Manchmal schon mit so einem verschmitzten Blick. Ich habe auch einen Vorschlag einzubringen für die kommende Saison. Und alle so, haha, Faust.
Florian: Ich kann mir schon vorstellen, dass jetzt der eine oder die andere Zuhörende auch denkt, ja und wenn das jetzt nicht mehr erlebt hätte, sozusagen, wenn es nicht geklappt hätte.
Miriam: Ist ja nicht relevant. Für mich ist es nicht relevant, weil er hat es ja erlebt. Wir könnten, wenn jetzt ein Mensch einen großen Traum gehabt hat und hat den nicht verwirklicht und es steht auf seinem Grabstein, hat es nicht gepackt in diesem Leben. Dann wäre es für mich ein Thema. Dann könnten wir uns fragen, was hat er denn irgendwie nicht gemacht, was andere gemacht haben? Oder wo war denn die Stelle, wo wir vielleicht in Zukunft selber darauf achten wollen würden, dass es wahr wird?
Florian: Oder wir hatten es letzte Woche beim NLP Info und Übungsabend. Wenn das Leben dann daraus bestanden hätte, an diesem Traum zu arbeiten und das der Weg gewesen wäre und dann vielleicht viel Spaß und Erlebnisse und Erfahrungen generiert worden wären auf dem Weg durch diese Taten, wäre das dann schlimm gewesen sozusagen oder ist das dann falsch oder so. Weil dann ist, es klingt immer so, der Weg ist das Ziel. Ja und auf dem Weg dürfen wir halt auch Spaß haben und irgendwie Erfahrungen machen und in die Situation reingehen. Eine Geschichte bei diesen 40 Jahren ist ja auch, dass dein Vater wirklich überprüft hat, ist das das Richtige? Also er hatte ja immer wieder, regelmäßig hätte er von Jahr zu Jahr auch sagen können, nö, wir machen jetzt doch irgendwie eine Babyschwimmgruppe auf oder so.
Miriam: Ja, würde auch passen, ja, weiter.
Florian: Ja, hätte ja sein können, dass er so, puh, die arbeiten mit Kindern und Erwachsenen, ich möchte es irgendwie anders haben. Nur ist ja nicht passiert, sondern offensichtlich war auch in dem Weg schon ganz viele Highlights drin und das war gestern ja auch zu sehen und zu hören.
Der Wunschzettel — kunterbunt und ausgesprochen
Florian: Was machen wir denn jetzt hier aus diesem, also es ist kurz vor Weihnachtszeit und wir machen einen Podcast über Träume und Wünsche und sowas. Was machen wir denn da jetzt mit? Das ist mir noch zu unactionable.
Miriam: Ja, ich wollte auf den Wunschzettel raus.
Florian: Ja?
Miriam: Ja, weil es ist bald Wunschzettelzeit.
Florian: Also eine Zeit, wo zumindest ein großer Teil der Population sich die Zeit nimmt, mal wieder auf den Wunschzettel zu gucken.
Miriam: Und letztes Jahr hatte Florian auch einen Wunschzettel bei uns. Ich glaube, ich war die Einzige, die keinen hatte. Ansonsten hatten im Rudel alle einen Wunschzettel geschrieben. Und ich werde es dieses Jahr auch tun, einfach um es mal wieder zu üben. Weil ich hatte mich auch mal nachts hingesetzt und habe gedacht, ich hänge meinen auch mal so klammheimlich mit an den Kühlschrank mit einem Magneten. Vielleicht reagiert ja einer drauf. Und dann saß ich vor diesem Wunschzettel und hatte Schwierigkeiten und das hätte ich bei mir nicht erwartet. Normalerweise blubbern Visionen, Wünsche, Träume, Ziele so aus mir raus. Und ich saß vor dem Wunschzettel und dachte ja, das ist zu groß für unter den Weihnachtsbaum, das ist zu teuer. Es war lustig, was mein Gehirn gemacht hat. Und Florian und die Kinder haben ungeachtet dieser Einwände einfach ihren Wunschzettel aufgeschrieben. Da standen ziemlich hanebüchene Sachen drauf. Was heißt denn hier hanebüchen? Da standen Sachen drauf, die einfach nicht gegangen wären. Zu groß.
Florian: Hallo, entweder man glaubt an den Nikolaus oder nicht.
Miriam: Das geht nicht, das kannst du denen nicht zumuten. Oder wo sollen die das denn herbekommen? Oder ich werde es einfach lassen. Ich werde einfach nur aufschreiben. Und wenn da 100 Wünsche stehen, ist es auch in Ordnung. Weil das Christkind darf sich dann die schönsten drei aussuchen. Oder was auch immer es tut, es ist mir egal. Dieses erste Mal sich hinsetzen und das vielleicht zu Papier bringen oder so, dass es auch eine Form hat, diesen Wunsch. Das macht was. Und es zulassen. Und dann ist es mir nicht wichtig, ob das dieses Jahr an Weihnachten unterm Weihnachtsbaum liegt. Weil dieser Wunschzettel, der könnte ja auch übers Jahr abgearbeitet werden. Oder ich kann mir den einen oder anderen Wunsch davon selbst erfüllen, der da draufsteht.
Florian: Ja.
Miriam: Und wenn wir unsere Wünsche nicht äußern, egal ob jetzt ans Christkind oder an die Menschen um uns rum, dann weiß ja auch niemand, dass wir uns was wünschen.
Florian: Eine der größten Herausforderungen in Beziehungen, aus unserer Wahrnehmung so.
Miriam: Generell auch bei Menschen, die hocken so auf ihrem Traum irgendwie und sagen es nicht mehr. Die reden nicht mehr drüber. Und als Florian und ich angefangen haben, über unsere große Vision, unser großes Ziel, eine eigene Akademie mit eigenen Räumen zu haben, ich weiß nicht, der ganzen Welt haben wir davon erzählt. Egal wo wir waren, wenn wir gefragt wurden, und was ist so euer nächster Schritt? Am liebsten wäre uns, wenn wir schon die eigenen Räume hätten. Und wisst ihr was, wir hatten das für in fünf Jahren geplant. Und wir eröffnen am 2.1.2020, in ein paar Tagen, eröffnen wir unsere Räume. Wir haben die jetzt. Bam! Und Florian hat die gefunden. Und wir sind da hingefahren und haben die uns angeguckt und wir können da mit dem Rad hinfahren von zu Hause aus. So nah sind die bei uns vor der Haustür. Träume sind wirklich erfüllbar. Florian und ich haben vier Jahre alles mögliche getan. Also da kriege ich Schnappatmung. Nicht, dass ihr denkt, die haben sich gestern überlegt, sie hätten dann mietet doch einfach was an. Wie kein Geld, um was anzubieten. Wir haben vier Jahre Tag und Nacht an diesem Ding gearbeitet, gefühlt.
Florian: Gefühlt schon, ja. Weil wir beide immer noch andere Jobs nebenbei hatten oder nebenbei haben, andere Dinge noch tun, andere Standbeine haben, um das zu ermöglichen jetzt in dem Moment. Und klar haben wir sehr viel Glück auch an der einen oder anderen Stelle gehabt. Und mein Eindruck ist eben, also wenn ich Miriam so betrachte, dann, das hat viel damit zu tun, sag die Dinge, die du gerne hättest, also sprich deine Wünsche aus, fang an drüber zu reden, fang an dich mit Menschen drüber auszutauschen, weil plötzlich sind da andere Menschen, die dann sagen, achso, ja, da könnte man doch das machen. Unsere Wohnung, unsere gemeinsame, kam auf eine Empfehlung von jemandem hin. Die Seminarstühle, die wir ab Januar haben werden, die kommen, weil wir in Seminarräumen in vielen verschiedenen Stühlen saßen und uns überlegt haben, welche wir gerne hätten in unseren Räumlichkeiten. Also es sind so, entweder haben wir uns für bestimmte Erfahrungen gesorgt oder, weil wir darüber gesprochen haben, kamen andere Menschen auf uns zu und haben gesagt, mach doch einfach mal oder tu das doch einfach mal so.
Miriam: Das ist so ein vollkommenes Seligkeitsgefühl. Astrid Lindgren hat das in, ja, hat das als Weihnachtsgeschenk.
Florian: Da ist auch Glück mit drin. Also da ist so, die Dinge kommen zu dir, wenn du auf dem Weg bist, sozusagen. Die kommen nicht auf der Couch. Oder erfahrungsgemäß weniger auf der Couch, zumindest nicht, wenn du auf der Couch nicht einen Laptop auf dem Schoß hast und an irgendwas arbeitest, sondern dadurch, durch die Beschäftigung mit Themen, durch das, was wir tun, durch die Welt gehen, Erfahrungen machen, Menschen kennenlernen, dadurch passiert manchmal was, dass du an der einen oder anderen Stelle entdeckst du eine Überraschung.
Ein vorweihnachtlicher Gruß und deine Einladung
Miriam: Vielleicht ist das jetzt schon unser vorweihnachtlicher Gruß, dieser Podcast hier. Weil wir uns so freuen auf das neue Jahr und auf all die wunderschönen Träume, die dann wieder wahr werden. Und aus jedem Traum darf ein neuer Traum erwachsen. Und ich glaube, so lässt sich ein gutes Leben leben. So freue ich mich. Und wir hoffen, dass wir ein bisschen ansteckend sind jetzt in dieser Podcast-Folge, die wirklich auf das Wunschzettel-Thema rausläuft. Wenn du etwas tun möchtest nach diesem Podcast, dann setz dich hin und schreib deinen Wunschzettel für Weihnachten. Und hier darf vielleicht die kleine Lieblingsschokolade, die gar nicht viel Geld kostet, drauf, genauso wie ein ganz großer Traum, den jetzt so, wenn du es niederschreibst, niemand, auch nicht mal das Christkind jetzt erfüllen könnte.
Florian: Vielleicht ja auch einen Film, den du schon lange mal wieder sehen möchtest. Wir hatten gestern Abend auch bei der Premierenparty wieder über die Feuerzangenbowle gesprochen und über alte Filme vom Winde verweht oder so. Vielleicht ist das ja einfach nur mal was so, das würde ich gerne mal wieder sehen. Also es darf ja auch was Kleines sein. Oder ich würde gerne mal beim Frühstück... Was weiß ich? Poschierte Eier haben. Zum Frühstück. Bei uns zu Hause. Das geht ja. Das ist ja einfach nur eine Frage des Tuns. Und an solchen Stellen, was ist das, was du haben möchtest? Die kleinen und die großen Wünsche mal wieder aufzuschreiben.
Miriam: Kunterbunt durcheinander.
Florian: Ja.
Miriam: So viele, wie dir einfallen. Und vielleicht fallen dir beim Schreiben noch ein paar tolle ein, die du vielleicht schon längst vergessen hast. So, ein Wunschzettel-Podcast, rechtzeitig vor Weihnachten diesmal.
Florian: Wir freuen uns, wenn du den mit uns teilst.
Miriam: Wir, ja. Hier sitze ich mit meinem Traummann und nehme Podcast auf.
Florian: Weil heute Nachmittag läuft wieder Theater.
Miriam: Ja, ich darf jetzt gleich los. In die Maske. Ihr Lieben.
Florian: Ungelogen, vier Stunden vorher geht Schminken los.
Miriam: Ja, viele aufwendige Masken, ja. Himmel und Hölle, möchte ich sagen, sind da.
Florian: Allerdings.
Miriam: Sind da zu schminken.
Florian: Bleibt viel zu tun.
Miriam: Ja, danke fürs Zuhören und am nächsten Dienstag geht's wieder los mit uns beiden.
Florian: Exakt. Und euch. Zwei Gehirne, ein Podcast, bis dann.
Miriam: Bis dann, tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.