NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 156

NLP-Sprachtricks zum Thema Zeit

"Die Zeit rennt... nur wohin?"

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In dieser Folge

Darum geht es

Die Zeit rennt. Die Zeit läuft mir davon. Ich habe keine Zeit. Die Zeit vergeht viel zu schnell. Früher verging die Zeit langsamer. Hast Du solche Sätze schon einmal gehört? Die Sprache, die uns beigebracht wird, steckt voller Metaphern zum Zeitbegriff. Manche davon halten wir für wirklich besprechenswert – und docken damit an das Thema „Timeline“ der letzten Podcastfolge an. Was für ein Blödsinn wird mit dem Begriff Zeit denn da bitte veranstaltet? Wie sehr wollen Menschen sich hier unbewusst stressen? Und: Wie verwendest Du den Begriff Zeit? Hast Du aus Deiner Sicht „genug davon“, oder ist Deine Zeit „knapp“? Also, knapper als bei anderen Menschen? Und gibt es nicht jeden Tag ein immer gleiches Pensum an Zeit für alle? Zeitlicher Stress findet seinen Ursprung oft in der Sprache, die wir verwenden, um Zeit zu beschreiben. Und wir schauen in dieser NLP Podcast Folge sehr genau hin, lauschen diesen geflügelten Worten und zeigen Dir, wie Du Dir sprachlich helfen kannst, entspannter mit „Deiner Zeit“ umzugehen. Und Du lernst, diese Art von „Ausweidung“ auch bei anderen Menschen zu bemerken und zu intervenieren, wenn Du ihnen helfen möchtest. Gleiche Zeit für alle!! Das rufen wir voller Überzeugung und damit viel Freude beim Anhören dieser Podcastfolge mit Miri und Florian und einem Mikrophon. Ach ja – und mit jeder Menge Zeit.

Konkret geht es um NLP-Sprachmuster rund um Zeit: das Meta-Modell, Zeitmetaphern wie „die Zeit rennt“ oder „ich habe keine Zeit“, und wie das weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland zum Sinnbild für Zeitdruck wird. Miriam und Florian spielen mit Grammatik („ich werde gejoggt haben“), mit Weichmachern wie „vielleicht“ und „mal“, und mit dem Unterschied zwischen „ich kann das nicht“ und „bis jetzt konnte ich das nicht“. Außerdem: Commitment als Selbstverpflichtung, das Studentensyndrom und wie sich Zeitempfinden über Slow Motion und Zeitraffer verschieben lässt. Eine Folge für alle, die sich fragen, warum sie sich selbst ständig unter Zeitdruck setzen — und wie sich das über die eigene Wortwahl verändern lässt.

Lesefassung

Das vollständige Transkript

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Kapitel dieser Folge
  1. Keine Zeit — und das Kaninchen, das immer zu spät kommt
  2. Zeit wiegen, Zeit im Container: die Metaphern in unserer Sprache
  3. Ich werde gejoggt haben: wie Sprache motiviert
  4. Bis jetzt: Präsens, Zukunft und wie das Gehirn sich einen Reim macht
  5. Die Zeit als Fluss — und ein Blick auf andere Menschen
  6. Slow Motion, Zeitraffer — und jetzt ist gut

„Die Zeit rennt.“ „Ich hab keine Zeit.“ „Es ist ja gleich schon wieder soweit.“ Solche Sätze rutschen uns raus, ohne dass wir merken, was sie mit uns machen. Miriam und Florian hören diesmal genau hin: Wie beschreibst du Zeit — als reißenden Bach, als vollen Korb, als das rennende weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland? Und wie verändert deine Wortwahl, ob du dich gestresst oder entspannt fühlst? Ein Spielfeld für alle, die sich selbst manchmal knapp reden.

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.

Keine Zeit — und das Kaninchen, das immer zu spät kommt

Florian: Also diese Woche haben wir für den Podcast überhaupt keine Zeit mehr. Ich weiß schon wieder nicht, wie wir das reinstopfen sollen.

Miriam: Ja, es war schon wieder um. Ich habe keine Ahnung, wie wir überhaupt alles, was wir vorhaben, noch machen sollen. Ey, wenn das Jahr sowieso rum, wenn 2019 sowieso rum ist, dann können wir jetzt... 2020 ist fast schon wieder rum. Unser Terminplan ist fertig für 2020, wenn ich mir den angucke, ist 2020 auch schon wieder rum.

Florian: Oje, das heißt, wir leben schon im Kopf in 2021.

Miriam: Ich weiß überhaupt nicht mehr, wo ich... vielleicht bin ich schon tot. Ich hab keine Ahnung, echt. Ich hatte heute Morgen ein super Gespräch mit einem lieben Bekannten. Heute ist übrigens, also für alle, die den Podcast irgendwann hören, heute ist der 11. August 2019. Und er sagte mir wirklich heute Morgen: Boah, es ist fast schon wieder Weihnachten. Und für mich ist so draußen 25 Grad, die Sonne scheint, es ist mitten im August, die Bienen summen. So, nein, es ist doch nicht Weihnachten. Es ist Mittsommer.

Florian: Manche Menschen sagen ja auch, dass mit dem Alter die Jahre schneller vergehen.

Miriam: Ja, manche Menschen sagen, dass das nicht so ist. Dass die Jahre immer länger dauern.

Florian: Ich glaube, es kommt auf die Erlebnisdichte an.

Miriam: Meinst du?

Florian: Ja, ich glaube schon. Was ist denn das Thema heute?

Miriam: Das Thema ist NLP.

Florian: Das ist ja ein sehr breites Thema, neurolinguistisches Programmieren könnten wir ja jetzt.

Miriam: Pass auf, weil wir keine Zeit haben. Ganz schnell, ganz zackig: Letzter Podcast hatten wir Timeline, haben wir erklärt, was wir im NLP unter Timeline, also Zeitlinien verstehen. Jetzt knüpfen wir an, wir docken an an dem Begriff und nutzen die Motivationskraft, die in den Zeitbegriffen von Sprache steckt. Weil Zeitbegriffe in der Sprache sind sehr spannend, wenn du da genau hinhörst, wie Menschen mit ihrer Zeit spielen in der Sprache, wie sie Zeit beschreiben. Dass die Zeit rennt zum Beispiel, hat dieser Bekannte heute Morgen zu mir gesagt und ich stellte mir vor, die Zeit rennt, die rennt für mich auf so einem Leichtathletikplatz, das habe ich schon immer gehasst, in diesen roten Bahnen, in diesen 100-Meter-Bahnen.

Florian: Wie sieht die Zeit denn aus, die da rennt?

Miriam: Für mich ist das wie so ein Licht mit zwei Beinen, was so rennt. The Flash.

Florian: The Flash, genau.

Miriam: Und dann überlege ich mir, wie kann ich sie anhalten? Kann ich hinterherrennen? Kann ich so schnell rennen wie die Zeit? Wie schnell rennt die Zeit? 120 Sachen, habe ich keine Chance. Lasso. Abschießen.

Florian: Ich dachte jetzt, du wärst bei sowas wie der Hase in Alice im Wunderland.

Miriam: Oh, der ist auch witzig. Das ist für mich der Inbegriff von einer Zeitmetapher.

Florian: Also Disney, Alice im Wunderland.

Miriam: Das ist ein Kaninchen, das ständig zu spät ist. Also es glaubt, zu spät zu kommen. Es plant schon, zu spät zu kommen, wenn es losrennt, und hat immer eine riesige Taschenuhr in der Hand, auf die es guckt, während es rennt. Und sein einziges Mantra, was es vor sich hin redet, ist: zu spät, zu spät, zu spät, zu spät, zu spät, zu spät, zu spät. Ey, ich würde durchdrehen. Ich bin jetzt schon hektisch.

Florian: So richtig entspannt sieht das Kaninchen dabei auch nicht aus.

Miriam: Nie, nie. Der verrückte Hutmacher und der Herzhase hauen irgendwann auf die Uhr drauf. Dann ist die kaputt. Dann ist das weiße Kaninchen völlig hilflos. Es bleibt völlig hilflos zurück.

Florian: Und dann eben der ganz andere Ansatz von, die feiern ja da Nicht-Geburtstag.

Miriam: Ja, bei Alice im Wunderland.

Florian: Also tatsächlich, Glück wünschen sie ja Alice dazu, dass sie Nicht-Geburtstag hat, und die Nicht-Geburtstage wären viel besser, weil davon gibt es viel mehr im Jahr. Richtig. Also der Geburtstag ist der einzige traurige Tag sozusagen, weil da hat man keinen Nicht-Geburtstag.

Miriam: Ansonsten wird gefeiert.

Florian: Das stimmt.

Miriam: Ich habe extra das Lied vom Weißen Kaninchen nicht gesungen, um diesen Podcast sinkfrei zu halten.

Florian: Es ist ein Sprach... Sinkfrei?

Miriam: Sink.

Florian: Es sinkt tief ein in das Unterbewusstsein.

Zeit wiegen, Zeit im Container: die Metaphern in unserer Sprache

Miriam: Und es ist lustig, wie Menschen Zeit beschreiben, wenn sie über Zeit sprechen. Die Zeit kann ein wilder, reißender Bach sein oder ein Meer von Zeit oder ein Universum.

Florian: Ich habe noch viel Zeit, also als hätte ich so ein Körbchen voller Zeit oder eben einen großen Korb voller Zeit oder weiß ich nicht, so ein Container.

Miriam: Ja, Container. Und wenig Zeit, was ist das dann?

Florian: Ja.

Miriam: So eine Handvoll.

Florian: Da brauchst du dann so eine kleine Briefwaage für.

Miriam: Achso, wo man, ja. Wie heißen die dann?

Florian: Mikrogramm. Ja, Mol ist was anderes.

Miriam: Also ja, so Minimalmengen.

Florian: Minimolmengen. Theoretisch könntest du Zeit auch da drin lassen, warum nicht? Ich war jetzt irgendwie bei Gramm. Wiegen. Die Zeit auf die Waage legen.

Miriam: Wieso, hat er Drogen? Zeit in Gramm. Preis pro Gramm.

Florian: Nanogramm.

Miriam: Ja, wie sprichst du über Zeit? Und wenn du über deine Zeit nachdenkst zu Hause, die du jetzt gerade planst oder die vergangene Zeit — oder ist Zeit schon mal schneller vergangen und langsamer vergangen als sonst?

Florian: Da sind wir ja dann auch wieder beim Meta-Modell der Sprache. Also aus NLP-Sicht, wenn jemand sagt, die Zeit vergeht jetzt viel schneller als früher. Also ja, da ist eben dieser Vergleich drin, schneller als früher, nur die Zeit vergeht, deswegen auch die Nachfrage: Wie sieht die Zeit denn da genau aus, oder was ist denn dann die Zeit, die da vergeht?

Miriam: Kann die schneller vergehen und langsamer? Ist Zeit etwas, was überhaupt sich verändert dadurch, dass wir anders drüber reden?

Florian: Manchmal so beim Sitzen im Wartezimmer oder ich habe mir vor kurzem einen neuen Reisepass machen lassen und stand in einer Schlange von 27 Menschen an einem Samstagmorgen ganz hinten und die hatten keine Nummern, sondern es war tatsächlich eine Schlange und die Frage war, wie können wir uns einen Platz reservieren in der Schlange? Na, durch da stehen bleiben. Und da dachte ich auch: Wow. Jetzt eine Möglichkeit zu haben, die Zeit schneller vergehen zu lassen, das ist doch sehr praktisch. Und dann bei schönen anderen Aktivitäten, bei so romantischen Aktivitäten, wo ein Abend wie im Fluge vergeht und wir uns wundern, dass es schon 4:30 Uhr morgens ist und um 6 Uhr geht es schon wieder auf Richtung irgendwo anders. Also offensichtlich können wir Zeit unterschiedlich wahrnehmen. Vielleicht hast du dir das auch schon mal vorgestellt.

Miriam: Nicht nur vorgestellt, irgendwie hat es was mit Erfahrung zu tun. Also wir erfahren Zeit in irgendeiner Weise und ich habe den Eindruck, dass wir unser Zeitempfinden sehr maßgeblich darüber beeinflussen, wie wir über die Zeit sprechen. Welche Worte wir wählen, um Zeiten zu beschreiben oder auch Sätze und ganze Konstruktionen von Satzmustern. Wie wir uns zum Beispiel dadurch auch motivieren, bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen. Denn da sind wir dann wieder bei Unterlassungsstrategien. Wie schaffen es Menschen, Dinge nicht zu tun, indem sie sich zum Beispiel die Zeit kurz und knapp schwätzen? Also das habe ich schon ganz oft erlebt. So je mehr sich Menschen reinsteigern in dieses, oh Gott, das ist ja gleich schon, das ist ja gleich schon — wie gelähmt, dann machen die gar nichts mehr. Weißt du, wenn ich mir vorstelle, okay, heute Abend zum Beispiel fahre ich wieder nach Arnsberg, unser Sales-Pro-Seminar geht los. Ich habe jetzt noch ein, zwei Stündchen Zeit, um Koffer zu packen, die Seminarsachen ins Auto zu tun, mich dorthin auf den Weg zu machen, damit ich dort dann noch genug Zeit habe, um alles herzurichten. Jetzt könnte ich mir das ziemlich kurz und knapp reden, indem ich sage, oh je, ich will ja um fünf da sein, jetzt ist es schon — wie soll ich denn das schaffen? Das geht ja gar nicht. Wenn ich überlege, ich habe noch Wäsche zusammenzulegen, wir sind gestern aus dem Urlaub gekommen, die Waschmaschine läuft noch, es gibt viel zu viel zu tun, dann schrumpft auf einmal für mich gefühlt dieses Maß an Zeit, was ich empfinde, zusammen — da passt das alles gar nicht rein.

Florian: Und dann sind wir wieder bei der Timeline. Also dann sind wir beim Podcast von letzter Woche. Weil irgendeine Repräsentation gibt es da ja. Vielleicht sind es Bilder, die wir uns intern machen von was noch alles zu tun ist. Also Koffer packen, Spülmaschine ausräumen, Waschmaschine ausräumen, Trockner anwerfen. Und irgendwann ist sozusagen zu wenig Raum, wirklich physisch Raum, um noch mehr Bilder einzufügen, wie in so einem Dia-Projektor, wo die so einzeln drinstecken und irgendwann ist einfach der Platz zu Ende. Und dann sagt man, jetzt ist keine Zeit mehr. Und auf der anderen Seite könnten wir ja auch, wenn das tatsächlich die Repräsentation in uns drin ist, das einfach ein Stückchen weiter strecken und sagen, naja, wenn wir die einzelnen Bilder ein bisschen kleiner machen oder die Zeitlinie ein bisschen länger machen, dann passt das vielleicht alles ganz entspannt drauf, ohne dass wir was an der tatsächlichen Zeit geändert haben. Also an der Zeit, die draußen messbar vergeht.

Miriam: Ist total spannend, ne?

Florian: Weil manche Menschen, das ist ja das Studentensyndrom, kommen auch überhaupt nicht aus dem Quark, wenn es sich nicht so anfühlt, als ob es nur noch wenig Zeit ist. Also für manche Menschen ist es ja sehr wichtig, das Gefühl zu haben, dass das, was sie alles vorhaben, kaum noch machbar ist und sie jetzt dringend loslegen müssen mit all den Dingen. Dass sie überhaupt mal anfangen. Ach ja, das Semester hat ja gerade erst angefangen. Lernen geht ja auch noch morgen oder übermorgen. Das ist ja die Kehrseite für manche Menschen.

Ich werde gejoggt haben: wie Sprache motiviert

Miriam: Das passiert vielen Menschen, wenn sie sich vornehmen, zum Beispiel Sport zu machen. Wir nehmen ja gern klassische Beispiele, wenn wir über motivierende Sprachmuster sprechen, und da wollen wir dir heute mit diesem Podcast wirklich was mitgeben. Wie motivierst du dich dazu, Dinge zu tun, die du dir vornimmst, und was hat der Begriff von Zeit damit zu tun? Und wir haben in unserer Sprache sehr viele Begriffe, die Zeit ins Boot holen, ins Verständnis holen. Zum Beispiel eben mit diesem: Morgen geht's los mit dem Joggen.

Florian: Ja. Es ist sehr spannend, was ich da alles zu mir sagen könnte, wenn ich das machen möchte. Ich werde morgen joggen. Oder nur, ich werde joggen. Oder, ich will joggen. Oder, ich werde gejoggt haben. Würde ja auch gehen.

Miriam: Das macht was anderes, als ich werde joggen.

Florian: Ich werde gejoggt haben. Ich werde gelaufen sein, wäre vielleicht die deutschsprachigere Version davon.

Miriam: Ja. Cool. Hast du es schon mal ausprobiert zu Hause? Das ist ein super Experiment, was du einfach mit dir selbst mal durchführen kannst.

Florian: Oh, es geht auch noch. Ich werde gejoggt gehabt haben.

Miriam: Wow, da gehen wir jetzt wirklich tief. Wir steigen ein in die deutsche Grammatik. Und unsere Sprache lässt das zu. Wir haben diese Möglichkeiten.

Florian: Genau, dass ich mich an einen Ort imaginiere in der Zukunft, wo ich darüber nachdenke, dass ich mal joggen war.

Miriam: Ja, wo es schon erledigt ist, sozusagen. Ich sehe mich abends auf der Terrasse, wo es schon erledigt war, genau. Da gibt es auch noch andere Worte, die darauf deuten, dass es vielleicht morgen stattfinden könnte mit dem Joggen. Ich könnte ja morgen mal joggen. Also, das bringt mich nicht vom Sofa hoch.

Florian: Ja, das sind dann noch Weichmacher, ne? Mit dem vielleicht oder mal oder könnte.

Miriam: Ich würde ja auch morgen gerne noch joggen gehen.

Florian: Guck mal.

Miriam: Oh, da verzieht sogar der Florian bald hin.

Florian: Oh, und wie wahrscheinlich wäre das für dich? Und in einem Podcast wie diesem hier, da geht es uns am meisten drum: Wenn du solche Sachen zu dir selber sagst, also vielleicht erwischst du dich ja in den nächsten Tagen einfach dabei, also vielleicht hörst du dir mal genau zu und merkst an der einen oder anderen Stelle, dass du irgendwie so etwas sagst, ah, das mache ich morgen. Passiert das dann? Oder eher nicht? Oder was könntest du tun? Wir kennen auch Leute, die dürfen zu sich sagen, was ich auf keinen Fall mache, ist morgen joggen gehen, um dann am nächsten Tag joggen zu gehen. Und das ist der Einstieg in diese Arbeit mit Sprache im NLP und dann heute eben Sprache mit Zeit, um mal rauszufinden, was könntest du denn zu dir sagen, um wahrscheinlicher zu machen, dass du deine Ziele erreichst.

Miriam: Wir sprechen da auch von einem Commitment, also dass du mit dir selbst so eine Art kleinen Vertrag machst. Und da hatten wir im letzten Master das Thema mit einer begnadet talentierten Teilnehmerin in vielen Bereichen, die tolle Blogs macht und Instagramerin ist und wirklich schon auf dem Weg des Erfolges — und bei der ist es wirklich zum Beispiel hoffnungslos, dass sie ein Commitment mit sich selbst macht. Die hält sich an ihre eigenen Commitments mit sich selbst nicht. Die braucht es mit jemand anderem. Also die braucht sozusagen jemanden, den sie anruft und sagt, ich gehe morgen um 9 Uhr joggen.

Florian: Und dann macht sie es?

Miriam: Und dann macht sie es. Wenn jemand anders noch mit im Boot ist und das weiß. Und das war der Trick, den wir rauszufinden hatten, weil klar im Kopf super tolle Ideen, fantastisch, und im Prinzip das, was sie braucht, ist jemand, der weiß, dass sie es tut und sich vielleicht sogar noch erkundigen könnte.

Florian: Da gibt es tatsächlich inzwischen spannende Tools auch im Internet dann dafür, wo wir solche Sachen eben einer sozialen Plattform klar machen können, das ist das Ziel, um dann darüber Commitment zu erzeugen, wenn das für jemanden wichtig ist, also eine Selbstverpflichtung oder eine Verpflichtung in dem Fall. Super spannend. Eine Außenverpflichtung.

Bis jetzt: Präsens, Zukunft und wie das Gehirn sich einen Reim macht

Miriam: Und unsere Sprache weist immer in irgendeine zeitliche Richtung, wenn wir Pläne schmieden, wenn wir über unsere Vergangenheit sprechen, selbst wenn wir uns im Heute, Hier und Jetzt bewegen. Denn im Deutschen haben wir ja zum Beispiel auch eine sehr spannende Sprachrezeption, dass wir, wenn wir in der Gegenwart reden, auch die Zukunft einbeziehen. Also: ich gehe joggen. Könnte ja bedeuten, oder bedeutet ja, das mache ich jetzt im Moment nicht, sondern ich mache es erst später.

Florian: Ich jogge, ist ja dann Präsens.

Miriam: Ist Präsens. Und ich gehe, ist auch Präsens. Nur es weist in die Zukunft.

Florian: Eben auf die Zukunft, ja.

Miriam: Und wenn wir eben unserem Kopf diese Gegenwart vor Augen führen, dann ist es sehr in Stein gemeißelt, dass Dinge so sind, wie sie sind, und auch in der Zukunft so sind. Also: ich kann das nicht, ist ein zukunftsweisender Satz, der sozusagen auch meinen könnte: für immer.

Florian: Weil wir keine Zeitrepräsentation drin haben, ne?

Miriam: Und unser Gehirn zieht es dann sozusagen gerne auch über die Zukunft drüber. Das heißt, was wäre die Alternative? Zu sagen: Bis jetzt konnte ich es nicht. Bis jetzt konnte ich keine Zehn-Liegestütze. Und ich gebe meinem Gehirn eine Möglichkeit, zumindest eine freie Bahn, um ein Training jetzt zu machen oder jeden Tag eine mehr zu machen oder so.

Florian: Da wird es dann wirklich interessant für jeden Einzelnen, jede Einzelne, weil es könnte auch sein: Bis jetzt habe ich nie die Zeit investiert, oder bis jetzt habe ich nie Liegestützen geübt. Das ist ja auch was, was dahinterstecken könnte. Versus: ich kann Liegestützen nicht.

Miriam: Ja. Oder ich schaffe keine Zehn, oder wie auch immer wir unser Gehirn dazu bringen, dass wir uns nicht bewegen. Und alles, was du im Präsens formulierst, darfst du sozusagen oder könntest du mal unter die Lupe nehmen und genau mikroskopieren, was da an Inhalt in die Zukunft hineinfedert. Das ist wirklich so.

Florian: Das ist auch total lustig, manchmal rutschen ja Menschen auf solche Sachen raus wie: Ich bin heute mit dem falschen Bein aufgestanden. Heute, also da ist der ganze Tag dann als großer Blob in ihrem Kopf anscheinend, so der ganze Tag ist überschattet von ihrem Aufstehen morgens. Manche Menschen sagen das ja so. Und theoretisch könnten sie auch andere Sachen sagen oder es anders fühlen. Vielleicht ist es ja nur der Morgen oder vielleicht ist es nur bis zum Frühstückscafé oder vielleicht ist es ja nur bis zur Zimmertüre. So: ich bin mit dem falschen Bein aufgestanden und dann mit dem richtigen durch die Zimmertüre gegangen.

Miriam: Das ist super cool, wie wir mit der Zeit, die uns zur Verfügung steht, oft total haushalten, als wäre das egal. Vielleicht ist es das sogar ein Stück weit. Vielleicht können wir zu jeder Zeit, zu jeder Sekunde des Tages neue Pläne machen. Das ist das Coole daran. Sobald du es bemerkst, würdest du dir denken: Will ich jetzt den ganzen Tag mit diesem linken Fuß irgendwie da auf dem Kopf rumlaufen? Nein. Oder mit dem rechten. Ich weiß nicht, mit welchem du falsch aufstehst. Nur dann könntest du zu jeder Sekunde des Tages sagen: Ab jetzt wird es vielleicht schon besser. Vielleicht habe ich es nur bis eben noch nicht gemerkt, dass es schon besser geworden ist. Es ist schon besser geworden. Ein bisschen.

Florian: Weil wir unser Gehirn ja darauf fokussieren wollen, wovon wir mehr erleben möchten. Weil das ja die Annahme ist. Der Gunther Schmidt sagt an der Stelle so schön — also ein Hypnosystemiker, der auch Milton H. Erickson noch kennengelernt hat. Und Milton war einer der, die unter NLP drunter stehen oder die dafür Beispiel gestanden haben. Der Gunther Schmidt sagt immer: eine Kindheit, tausende. Weil wir ja immer aus dem Hier, Heute und Jetzt zurückschauen nach hinten und sagen, da war meine Vergangenheit mal irgendwo, und was selektiere ich im aktuellen Moment aus der Kindheit heraus an Erinnerungen. Und genauso nach vorne gerichtet natürlich auch eine Zukunft. Na, da sind tausende von möglichen Zukünften und ich könnte mir Sachen aussuchen, du suchst dir Sachen aus, die dir Freude machen und die dich freuen in die Zukunft schauend. Also worauf freust du dich im nächsten halben Jahr? Was ist das, wenn du in die Zukunft schaust, dass du da einfach entspannt reinschauen kannst? Weil klar können wir uns alles Mögliche ausmalen, was in der Vergangenheit irgendwie war oder was in der Zukunft ist. Das ist ja die Idee von NLP dann auch. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf was Bestimmtes und das ist dann das, was wir in der Welt draußen sehen. Im NLP-Kompakt, unserem Online-Training, das auch demnächst bald mal herauskommt — da gab es kleine zeitliche Herausforderungen. Bis jetzt. Bis jetzt gab es die, genau. Da geht es ja auch darum, dass wir eben bestimmte Dinge in der Welt da draußen wahrnehmen, weil wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten. Siehst du, bist du gerade schwanger, siehst du vielleicht lauter Schwangere da draußen. Hast du gerade ein neues Auto gekauft, siehst du vielleicht dieses Auto überall herumfahren plötzlich. Und genauso ist es sicherlich auch mit der Zeit. Wenn es in dem einen funktioniert wie in dem anderen, dann ist es eben auch, wenn du das Gefühl hast, viel Zeit für Dinge zu haben und du machst einfach Sachen jeden Tag, dann ist das wahrscheinlich ein entspannteres Vorgehen.

Die Zeit als Fluss — und ein Blick auf andere Menschen

Miriam: Und das Wachwerden wieder. Sei wach über das, was andere Menschen für Worte benutzen, wenn sie über ihre noch verbleibende Zeit für diesen Tag sprechen oder für den Abend oder für die kommende Woche. Wie kommunizieren deine Kollegen oder einzelne Kollegen über Zeit, die Manager, die Geschäftsführer? Wie wird der Begriff Zeit da auch zum Teil ausgeschlachtet? Das ist wirklich so. Ja, ich habe ganz bewusst dieses Wort gewählt, weil ich manchmal das Gefühl habe, der Begriff Zeit wird so ausgeweidet, so als wäre Zeit wirklich etwas, was wir wie so ein Ding vor uns haben. Dabei läuft die Zeit, ob wir das wollen oder nicht, wenn wir sie schon als Begriff bei uns haben wollen. Dann läuft die doch einfach da draußen ab. Also da draußen ist dieser natürliche Kreislauf. Da wird es Tag und Nacht, da wird es dunkel und hell. Da sind die Sterne am Himmel und dann die Sonne. Und dann gibt es Wolken tagsüber, die wir nachts nicht sehen, weil es dunkel ist. Und dann gibt es die Jahreszeiten, die immer wiederkehren. Und wir tun so, als hätten wir die Zeit in so einer kleinen Uhr, wie sie dieser Hase irgendwie immer aus seiner Jackentasche holt bei Alice im Wunderland. So eine Taschenuhr, als hätten wir die persönlich dabei und könnten die durch irgendetwas beeinträchtigen. Wir können unser Empfinden dazu, das können wir beeinflussen. Wenn wir durch die Gegend hüpfen wie dieser Hase, zu spät, zu spät, zu spät, zu spät, zu spät, zu spät — ja, dann viel Spaß weiterhin. Also das führt ja schon allein durch den Takt bei mir dazu, dass ich anfange schneller zu atmen. Ich kann mir die Zeit vorstellen, wie ich will. Wie einen ruhig dahinfließenden, breiten, goldenen Fluss mit wunderschönen Trauerweiden.

Florian: Und du kannst eins dieser Kanus sein, die da entlang fließen. Das ist jetzt nicht okay. Wir haben da eine Geschichte. Vielleicht erzählen wir dir die mal irgendwann. Auf jeden Fall, vielleicht ist es ja dieser ruhige Fluss der Zeit. Und du kannst dich einfach mittreiben lassen oder du kannst mit dem Fluss auch ein Stück weit schneller paddeln, wenn du möchtest, und mehr sehen da draußen. Du darfst dann eben auch anfangen, mehr Dinge da draußen wahrzunehmen und mehr Erlebnisse zu gewinnen.

Miriam: Dieser Fluss könnte ja so sanft fließen, dass sogar Zeit ist, am Ufer anzulegen und sich noch Details anzusehen von der Landschaft oder eine Blume zu pflücken, die da wächst. Ich werde jetzt mal ganz poetisch. Und dann wieder einzusteigen oder sich wieder ein Stück weit mitnehmen zu lassen oder ein Stück weit kräftig zu rudern und das zu nutzen, dass das ein Fluss ist. Die Zeit kann auch fliegen und sie kann sanft segeln und sie kann ihre Schwingen ausbreiten. Ich finde, wir haben so viele Möglichkeiten, Bilder zu schreiben für, wie gut Zeit uns tun kann.

Florian: Das ist ja auch der Wunsch von vielen Menschen, dann wieder mal Zeit zu haben für die schönen Dinge. Oder sich Zeit zu nehmen für etwas, für ein gutes Buch oder im Business-Kontext, im Geschäftskontext, vielleicht ja auch tatsächlich einfach nur anwesend zu sein in einem Meeting und nicht gleichzeitig noch etwas anderes zu machen. Gleichzeitig wäre auch eins dieser Worte. Und gleichzeitig noch aufs Handy zu gucken, gleichzeitig noch dies zu machen, gleichzeitig was anderes zu machen. Sondern tatsächlich mal eine Sache zu tun in der Zeit.

Miriam: Und die Zeit vielleicht auch als einen Freund zu betrachten. Also nicht als etwas, das wegrennt von uns, wie mein Bekannter das heute Morgen so metaphorisiert hat.

Florian: Die Zeit als treuer Begleiter.

Miriam: Als treuer Begleiter, ja.

Florian: Oder wie heißt denn diese Buchserie? Es gibt auf jeden Fall den Spruch: Wenn du es eilig hast, gehe langsam.

Slow Motion, Zeitraffer — und jetzt ist gut

Miriam: Oh ja, stimmt. Und wir sind diejenigen, die in unserer Zeit, in unserem Zeitempfinden auf Slow Motion gehen können oder auch mal auf Zeitraffer.

Florian: Wir machen diese Experimente auch im Practitioner und im Master. Also gerade über hypnotische Sprachmuster, über Hypnose, können wir uns mal in einer anderen Zeit bewegen und mal sehen, wie wäre es denn, wenn die Menschen da draußen viel schneller sich bewegen, oder eben viel langsamer im Außen sind und bei mir drin passiert was ganz schnell. Beide Wahrnehmungsarten sind ja sehr praktisch. Manche Leute beschreiben das ja, wenn sie irgendwie ein großes Abenteuer erlebt haben, dass plötzlich das Draußen wie in Zeitlupe verging und sie viel Zeit hatten, über bestimmte Dinge nachzudenken. Oder eben andersrum, dass draußen wahnsinnig schnell verging und drinnen war die Zeit gefühlt sehr langsam. Da sind wir in ganz anderen Erfahrungsmustern.

Miriam: Sehr schön in Bildwelten auch dargestellt in diesem Film Matrix am Ende.

Florian: Ja.

Miriam: Wenn alles irgendwie, also wenn Dinge plötzlich schneller und langsamer und gleichzeitig schneller und langsamer laufen, ganz beeindruckend.

Florian: Manche Filme spielen tatsächlich damit, ja. Inception wäre ein anderer, wo es darum geht, dass Menschen in Träume von anderen Menschen sich reinklinken können und im Traum vergeht die Zeit in diesen Filmen sehr viel langsamer. Und im Traum vergeht sie nochmal langsamer.

Miriam: Wow. Ja. Das ist schön. Das heißt: Welche Worte benutzt du, um deine Pläne zu machen für morgen oder übermorgen oder für den heutigen Tag? Und wie würdest du die Zeit beschreiben, die dir bleibt, bis du heute Abend vielleicht planst, schlafen zu gehen oder so? Und achte mal drauf, was da so sich für Sätze bei dir bilden oder welche Sätze du bildest oder welche Wortwahl du triffst dafür.

Florian: Und wie viel Zeit möchtest du dir heute Abend für dich nehmen?

Miriam: Oh, wie schön. Ja, sei aktiv. Sei du derjenige, der...

Florian: Oder fürs Rausgehen und Laufen.

Miriam: Joggen.

Florian: Joggen.

Miriam: Ich gehe jetzt joggen.

Florian: Jetzt ist auch gut an der Stelle. Jetzt ist gut, ja.

Miriam: Jetzt ist gut. Ihr Lieben, ein ganz spannendes Thema mit diesen zeitlichen Begriffen. Übrigens nicht nur für dich selbst, sondern acht ruhig auch bei deinen Gesprächspartnern.

Florian: Wenn du möchtest, dann darfst du diese Woche tatsächlich mal deine Aufmerksamkeit darauf legen. Und wir freuen uns, wenn du uns eine E-Mail schreibst an info at kontext*denken.de mit dem, was dir aufgefallen ist.

Miriam: Was du erfahren hast, genau.

Florian: Dann greifen wir das gerne wieder auf im nächsten Podcast.

Miriam: Im September startet ja unser bis jetzt letzter Practitioner für 2019. Der letzte. Für dieses Jahr. Und wir sammeln schon Informationen. Wir freuen uns sehr auf diese Reise nochmal. Ja cool, dann hören wir uns am nächsten Dienstag wieder pünktlich. Pünktlich wie die Maurer, das ist auch zeitlich. Oder wie die Bahn.

Florian: Wenn es wieder heißt.

Miriam: Die zwei Gehirne in der Zeit?

Florian: Mit einem Podcast. Tschüss. Tschüss, bis nächste Woche.

Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.

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