Ein Chef beschließt: Ab jetzt lernen alle NLP. Klingt erstmal großzügig — aber lässt sich innere Entspannung, bessere Kommunikation oder ein anderer Umgang miteinander überhaupt verordnen? Miriam und Florian nehmen genau diese Frage auseinander, die ihnen im Seminar immer wieder von Unternehmern gestellt wird. Und du merkst schnell: Es geht weniger um NLP als darum, wie Veränderung in einem System wirklich anfängt.
Volks-NLP? Die Frage aus dem Seminar
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Ich finde, jeder sollte NLP haben zu Hause.
Florian: NLP für alle, oder?
Miriam: 30 Kilo. 100.
Florian: 130. Ein Sack NLP für alle Menschen. Volks-NLP.
Miriam: Ja, mir ist aufgefallen, dass wir in unseren Seminaren, vor allem von Unternehmern, die dort teilnehmen, die Frage gestellt bekommen, ja, wäre es nicht sinnvoll, dass alle Mitarbeiter in meinem Unternehmen das können? Das ist so toll, das ist so fantastisch.
Florian: Da stoßen wir sofort an so Freiheitsgedanken von mir dran. Also da geht es bei mir sofort an die Werte ran, dass das ja was ist, was Menschen halt freiwillig machen oder auch nicht. Können wir das zwangsverorten? Zwangs-NLP.
Miriam: Herzlich Willkommen zu diesem Podcast. Zwangs-NLP. Wer ist dann?
Florian: So wie es Zwangs-Matte auch gibt und Zwangs-Englisch. Also anscheinend hat ja irgendjemand mal beschlossen, dass manche Sachen wären einfach gut, die zu machen. Also dass jemand lesen und schreiben kann, dass Englisch da ist, dass Mathe da ist, dass Deutsch da ist.
Miriam: Also wirklich nicht. Ich habe auch schon in großen Konzernen gearbeitet. Du auch, Florian. Wir wissen beide, dass es dort sowas gibt wie ein Onboarding. Und da gibt es dann Regeln, da gibt es Workshops, da gibt es Blue-Chip-Days, wie auch immer das genannt wird, wo eben neue Mitarbeiter, die neu ins Unternehmen kommen, bestimmte Regeln lernen, bestimmte Arbeitsvorgänge, Arbeitsabläufe, die vorher irgendjemand irgendwie festgelegt hat. Das ist ja auch ein Zwingen auf, weil jetzt hätte jemand eine viel bessere Idee in seiner Welt, wie so ein, ich räume mein Büro ein und lege los mit der Arbeit ablaufen könnte. Oder wie ich dann überhaupt meinen Arbeitstag gestalte.
Florian: Auf jeden Fall ist Kultur ganz wichtig. Also wie Unternehmen ihre Interaktionen über den Tag hinweg gestalten. Und Kultur ist ja dann das, was wie so ein Schatten auf der Wand entsteht von den Aktionen, die Menschen eben tun im Raum. Das ist ja dann die Summe von deren, was wir so erleben können, ist ja dann irgendwie Kultur. Und dann ist es schon eine spannende Frage, kann ich kulturell bestimmte Sachen erzwingen oder mir erwünschen? Und wahrscheinlich schon, über die Rituale, die in bestimmten Firmen oder was geschaffen werden. So jetzt ist die Frage, würde ich NLP als Mindestritual in eine Firma einziehen wollen? Ja, wenn es unsere wäre, auf alle Fälle. So? Kam die Frage von jemandem, oder?
Miriam: Mehrfach. Live. Es ist nicht das erste Mal, also tatsächlich ist es so, dass in der NLP-Ausbildung selbstverständlich auch immer 1, 2 bis 5 selbstständige Unternehmer, manchmal auch von wirklich großen Betrieben sitzen oder Menschen, die da in schon sehr hohen, sehr verantwortlichen Positionen sind, die eben NLP lernen und sich ja auch ein Stück weit diesen Luxus gönnen. Denn NLP, die Ausbildung, kostet etwas und sie kostet nicht 2,50 Euro. In meiner Welt ist es schon etwas Elitäres, was zumindest jetzt nicht oder die meisten Menschen nicht so aus der Portokasse bezahlen.
Florian: Alleine wegen den Urlaubstagen auch. Es sind ja zum einen die Ausbildungskosten und zum anderen eben auch die Kosten für die Tage, die du in dich selber steckst oder die du benutzt, um dich fortzubilden. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen es dann doch in Unternehmen gibt, die das seit Jahren nicht machen oder dann eben angewiesen sind darauf, dass das Unternehmen sie irgendwo mal hinschickt.
Miriam: Und die meisten, ja klar, die meisten Teilnehmer, die wir haben, gehen so begeistert daraus, wie wir das sind, von der Sache und wenden an und erleben die Erfolge, die sie neu erzielen, auch mit ihren neuen Sprachmustern.
Florian: Das ist ja der Grund dafür, dass wir uns diese Methode ausgesucht haben. Dass wir eben selbst erlebt haben, wie verändernd es sein kann, an den Glaubenssätzen was zu machen oder Situationen ganz anders wahrzunehmen mit den ganzen Werkzeugen, die wir ja schon mal beschrieben haben.
Miriam: Verändert auf das eigene Leben zu blicken, die Sprache zu sezieren, also die wirklich unter das Mikroskop zu legen, andere Menschen dadurch noch viel besser zu verstehen. Ja. Cool. Und wenn wir diese Frage jetzt einfach blank behandeln würden, also gesetzt, im Seminar steht dieser oder jener Mensch vor mir und sagt, sollten das nicht alle Mitarbeiter in meinem Unternehmen können, ist meine Antwort ganz klar.
Florian: Ja, oder?
Miriam: Ja. Also es wäre ja geschäftsschädigend, wenn ich sagen würde, nein, besser nicht. Oder es hätte auch so ein, ich finde für mich hätte es noch mehr, es hätte so ein Muff von, das sollten besser nur die Chefs können. Und das ist es für mich überhaupt nicht.
Manipulation, Angst und der freiwillige Vertrag
Florian: Da sind wir dann genau in diesem Ding drin von Manipulation. Ich habe jetzt am Wochenende wieder gelesen, in einem Kommentar, dass jemand mit NLP nichts zu tun haben möchte, weil es da eben so manipulativ ist. Und zwar egal, ob positiv oder negativ manipulativ. Und das wirkt auf mich fast ein wenig naiv inzwischen, weil ich in einigen Firmen gearbeitet habe, wo das Arbeitsklima wirklich sehr, sehr seltsam war. Und das entstand durch die Mitarbeiter, wie die Interaktionen gemacht haben, klar durch die Führungskräfte auch. Nur wenn in einem Unternehmen Angst herrscht, weil Menschen angeschrien werden in Meetings oder weil niemand genau weiß, ob er einen sicheren Arbeitsplatz hat oder ob sie da noch sicher ist oder nicht, dann ist das einfach keine schöne Geschichte. Und dann würde ich sagen, dann ist das schon ein manipulativer Arbeitsplatz, vielleicht ein unabsichtlich manipulativer Arbeitsplatz. Und dann wird es dann... Da hört es dann für mich auf, dass ich da mitgehen kann, zu sagen, ja, dann lernen wir die Werkzeuge halt nicht. Weil benutzen tun sie sowieso alle Menschen. Also da ist NLP, aus dem NLP-Werkzeugkasten bedient sich sowieso jeder.
Miriam: Weißt du, welche Erfahrung ich gemacht habe? Ich habe nach meiner NLP-Ausbildung deutlich verstärkt dafür gesorgt, dass es mir gut geht. Und zwar in allen Bereichen meines Lebens. Und das hieß zum Beispiel auch, dass ich im Firmenkontext, damals eben bei QVC im Fernsehkaufhaus, gut für mich, noch besser für mich gesorgt habe. Ich war sehr wach, ich habe anderen sehr genau zugehört. Ich habe für mich dann entschieden, will ich diese Information jetzt für mich haben oder nicht, möchte ich unvoreingenommen so objektiv wie möglich im Rahmen meiner Möglichkeiten in Gespräche mit funkelnagelneuen Menschen gehen, die ich zum ersten Mal kennenlerne dort und mir nicht vorher schon erzählen lassen, was die alle für Herausforderungen haben oder wie schwierig das ist, mit denen zu arbeiten. Ich habe das alles viel wacher wahrgenommen. Ich habe mich besser versorgt. Ich habe mir nötigenfalls eine Zeit lang Witze durchgelesen auf meinem Handy, um mich in eine bessere Laune zu bringen. Ich habe all die Mittel und Methoden angewendet und habe dadurch einen sehr, sehr viel größeren Erfolg erzeugt als jemals zuvor. Dann hatte ich schon manchmal so diese Idee von, wenn das alle dort könnten. Weil das Feedback war auch so, Miri, du bist so viel entspannter geworden, mit dir macht es jetzt viel mehr Spaß zu arbeiten, das ist noch viel cooler geworden, ich fühle mich viel wahrgenommener. Mit Ihnen, Frau Deforth, ist es gar kein Thema, über sowas zu reden. Das war das Feedback. Das kam deutlich von der NLP-Ausbildung. Und ich habe mir vorgestellt, alle würden das machen. Das ist eine Utopie. Das kommt mir vor wie so eine Utopie. Jeder im Unternehmen ist sich vollständig klar darüber, dass er oder sie freiwillig diesen Vertrag unterschrieben hat. Jetzt dort auf dem Arbeitsplatz sitzt, auf dem er oder sie sitzt, dort sowieso seine Lebenszeit verbringt. Ist jetzt erstmal so, vielleicht gibt es irgendwann eine Möglichkeit, woanders hinzugehen oder eine Beförderung zu bekommen. Vielleicht ist auch alles gut, wie es ist. Und wenn es nicht gut ist und es bleibt dir gefühlt nichts anderes übrig, als da noch ein bisschen zu bleiben, dann mach es dir doch wenigstens schön.
Florian: Die Herausforderung ist, ich bin mir nicht sicher, ob wir jetzt genau an dieser Stelle viele Menschen abholen, weil es fühlt sich für viele glaube ich schon so an, als hätten sie wenig Wahl, was die Jobsuche angeht oder wenig Wahl, was bestimmte Entscheidungen im Leben angeht.
Miriam: Oder wie gut es ihnen da gehen kann, wo sie jetzt sind. Also was sie da tun können, damit es ihnen noch ein bisschen besser geht.
Florian: Wir haben letzte Woche einen Practitioner wieder abgeschlossen und am Ziele-Tag geht es bei uns auch sehr darum, also wir haben einen Tag, wo es sehr um Ziele geht und was so zu erreichen ist und was du dir vielleicht schon erhofft hast oder erträumt hast, was einfach schön wäre, wenn es passieren würde. Und was wir da gerne machen ist auch mal über die Traumjob-Lüge sprechen. Das ist ein Buch von Cal Newport, wo es darum geht, dass eben nicht alles zu verändern ist auf einmal und man jetzt vom, weiß ich nicht, vom Manager oder von der Fachkraft in irgendeinem großen Konzern in der Fachabteilung bisher dann alles umwerfen braucht, um dann Töpfer auf Mallorca zu werden. Oder Drachensegelbauer in Manila. Irgendwie sowas. Sondern dass da eben kleine Veränderungen auch möglich sind. Dass du über kleine Schritte tatsächlich kannst du das immer ein bisschen mehr machen von dem, was du gerne hättest. Und das ist das, wie es dann vielleicht auch nachhaltig und auch umsetzbar wird für viele Menschen. Und da ist Arbeit involviert.
Miriam: Da ist Arbeit involviert, allerdings. Und es passiert eben nicht von selbst. Ich hatte mal eine Zeit lang eine Partnerschaft mit einem wirklich unfassbar talentierten Musiker und der war immer sehr traurig. Also er schrieb auch, wenn er Songs schrieb, sehr traurige Lieder. Und seine Idee von der Zukunft war, dass eben irgendwann, und es war ihm schon mal fast gelungen, bei Rock am Ring zu spielen, dass irgendwann wieder irgendein Agent anruft und sagt, jetzt spielst du doch bei Rock am Ring. Und er saß zu Hause und schrieb traurige Lieder und es rief keiner an. Zumindest nicht in der Zeit, als ich ihn kannte.
Florian: Hat er die Lieder denn veröffentlicht, oder?
Miriam: Nein. Und ich glaube, dass dieses, du tust etwas dafür, dass es dir besser und besser geht, mit einer der großen Zauber dieser Zeit ist. Und wenn es vielleicht finanziell oder auch von der Manpower noch nicht möglich erscheint, dass jetzt jeder Mitarbeiter im Unternehmen zumindest das Angebot bekommt, eine solche oder eine ähnliche Ausbildung zu machen, dann kann ja zum Beispiel der Vorgesetzte, der die Ausbildung gemacht hat, mit gutem Beispiel vorangehen.
You go first: Veränderung fängt beim Chef an
Florian: Und könnte schon einige Dinge... Nur was, wenn die Mitarbeiter das gar nicht wollen? Also dann sind wir ja doch wieder beim... Also jetzt ist es eine Optional, dass jeder das mal machen könnte, oder wie?
Miriam: Nee, ich... Nein, pass auf. Wenn es ein Unternehmen, irgendeinen Chef gibt, der sagt, hör mal, alle machen jetzt dieses... Das hatten wir ja auch schon und das haben wir regelmäßig. Dass uns Leute vor die Nase gesetzt werden und der Chef hat beschlossen, die lernen das jetzt.
Florian: Bei uns ist das, finde ich, noch ganz okay. Ich habe schon für andere Unternehmen Trainings gehalten. Auf dem offenen Trainingsmarkt, da ist das nochmal eine Spur heu, heu, heu.
Miriam: Ja, also da sitzen Menschen drin, die haben erstmal das Gefühl, dass sie jetzt die Zeit, die sie da hocken, viel besser woanders verbringen sollten.
Florian: Um das mal auszuprobieren, war ich bei Unternehmen, die tatsächlich relativ günstig Trainings für Konzerne anbieten, um mal zu schauen, wie ist das denn so? Also wenn wirklich unfreiwillig Menschen in den Trainings drin sitzen, was ist da zu lernen und was ist das, was wir dann tun können? Und das ist ein ordentlicher Kraftaufwand. Also es ist viel einfacher, mit Menschen zu arbeiten und die Schritte sind, finde ich, auch viel größer, wenn die freiwillig gemacht werden.
Miriam: Nur wie bekommen, wenn ich jetzt als Chef wirklich wünschen würde und gehen wir mal weg von dieser Frage, alle sollten NLP können. Wenn jetzt ich als Chef mir wünschen würde, dass es weitgreifende Veränderungen im Unternehmen geben soll, dass mir bestimmte Dinge gar nicht mehr gefallen und dass ich es mir anders vorstellen könnte. Der Chef hat schon eine Art Utopie im Kopf, in der Milch und Honig fließen für alle. Was wäre dann der erste Schritt wiederum aus der Sicht von NLPlern? You go first.
Florian: Ja, na klar, die Veränderungen bei sich selbst.
Miriam: Das heißt, ich würde plötzlich bei meinem Chef Veränderungen feststellen. Der wäre irgendwie witziger, entspannter.
Florian: Vielleicht reicht das ja sogar schon.
Miriam: Und manche Mitarbeiter, also die Schnellen zum Beispiel, die würden ja sowas machen wie, was hat sich denn da verändert? Ist auf einmal netter mit dem. Was hat der denn gemacht? Und den dann mal fragen, selbst wenn sie skeptisch fragen würden. Wenn das so, ist das vielleicht eine neue Masche? Selbst dann wäre es ja sinnvoll, mal anzuklopfen und zu sagen, was ist denn da los? Und wenn das jetzt anhaltend wäre, also wenn es jetzt nicht nur ein paar Wochen wäre über das nächste Projekt, sondern das Büro würde auf einmal anders aussehen.
Florian: Oder eben die Kultur hat sich verändert, weil darüber verändert sich ja dann tatsächlich die Kultur und es würde den Mitarbeitern ein bisschen besser gefallen. Dann wäre natürlich eine spannende Frage, wie ist das denn passiert oder was war denn da? Es wird für die Mitarbeiter oder selbst wenn es ein Kollege ist und das unter seinen Kollegen jetzt macht, das ist ja immer so, egal in welche Richtung sich jemand verändert, also egal ob es NLP ist oder gewaltfreie Kommunikation oder Cognitive Behavioral Therapy oder... Oder ein Chef plant Agilität im Unternehmen, auch da könnten wir das ansetzen, das Konstrukt. Dann wird es immer, also es wird am Anfang immer ein wenig ruckeln, weil wir versuchen andere Dinge jetzt aus oder jemand verhält sich plötzlich mal anders und dann sind diese eingefahrenen Verhaltensautobahnen im Gehirn sind plötzlich irgendwie anders. Und irgendwie dürfen wir an anderen Stellen jetzt abbiegen und plötzlich gibt es da eine Kreuzung, wo vorher keine Kreuzung war und dann gibt es irgendwie...
Miriam: Ich liebe das Zitat von dieser, und mir fällt der Name nicht ein, von dieser Trainingskollegin. Also das Zitat ist nicht von mir. Die hat gesagt, wenn wir im Auto einen Gang hochschalten, ruckelt es halt kurz. Und ich mag diese Metapher sehr dafür. Das ist okay. Und derjenige, der es beschließt oder der glaubt, dass es einen besseren Weg gibt. Ich finde, er sollte den auch zuerst beschreiten und sich nicht irgendwo ins hinterste Zimmerchen setzen und sagen so, ja, anderen alle, verändert euch jetzt mal. Seid mal netter, seid mal fröhlicher, seid mal entspannter und dann gucken wir mal, was hier besser im Unternehmen ist.
Florian: Das ist ja auch das, wenn wir Workshops geben für Firmen, dass da oft eine Komponente drin ist, wo wir mit dem, also meistens haben wir die Auftraggeber mit im Raum. Also das ist das Schöne an den Aufträgen, wie wir sie haben, dass mindestens die Führungskraft, die uns gebucht hat, auch eben mit drin ist. Und wir an der einen oder anderen Stelle dann an den Punkt kommen auch, dass alle unter sich, weil das ist eben das, wie wir das auch gerne haben als Konzept dann, dass die dann auch gefragt sind, ihr Ziel für die Zukunft oder auch klar zu machen, was sie gerne hätten, weil wenn ich das als Chef nicht kann, wie soll das denn dann funktionieren für die Mitarbeiter? Also insofern, klar, alle in so einem System dürfen sich dann verändern. Und jetzt so die Frage, wenn sich nur eine Person verändert, wie schnell kann die Veränderung dann sein? Oder wenn mehrere Personen gleichzeitig einen positiven Sprung in eine bestimmte Richtung machen? Dann ist da gefühlt mehr Zug drin für mich. Also dann sind halt größere Schritte zwischendrin möglich. Ansonsten dauert es halt vielleicht einfach eine sehr lange Zeit oder es ist einfach ein sehr viel langsamerer Prozess, ein mühsamerer Prozess zwischendurch.
Miriam: Aus der Erfahrung, die ich gesammelt habe, ist es so, dass sobald du anfängst, dich überraschender zu verhalten, also irgendetwas anderes zu tun, als du es normalerweise getan hast, gibt es auch verändertes Verhalten in deinem Umfeld. Weil Menschen sich einfach auf dein neues Verhalten irgendwie einstellen. Und das ist sehr witzig zu beobachten, wenn du einfach mal so dieses Gut oder Schlecht rausnimmst oder einfach nur guckst, manche strugglen da ganz schön mit, manche sind super entspannt damit.
Florian: Also manche haben Herausforderungen.
Miriam: Wir können das im ganz Kleinen auch beobachten, wenn einer von zwei Partnern in einer Beziehung so etwas macht wie eine NLP-Ausbildung und dann nach Hause kommt und auf einmal witziger und aufgeräumter drauf ist und entspannter reagiert auf frühere Konfliktsituationen.
Florian: Also das ist unser Ziel, wie Menschen bei uns aus dem Practitioner rausgehen. Das klingt so ein bisschen, wenn ich dir jetzt so zuhöre und mir überlege... Ist das glaubbar sozusagen? Also was ist das, was ich mir erhoffe? Weil die meisten Menschen kommen ja eher zu uns und wollen ein oder zwei oder drei neue Kommunikationswerkzeuge haben. Die sie auch bekommen. Das gibt es auf jeden Fall geliefert. Nur die Anwendung dieser Kommunikationswerkzeuge führt dann typischerweise eben auch gleich noch dazu, dass wenn sie die auf sich selbst anwenden, und insofern ist das Teil der Practitioner-Ausbildung. Es klingt so ein bisschen, ähm, ja. Wenn ich mir vorstelle, jemand hört das so und dann kommt jemand zurück aus einer Practitioner-Ausbildung und dann ist dann anders in der Beziehung. Na klar ist die Person anders, also hat ein paar neue Erfahrungen gemacht.
Miriam: Und es ist immer noch der gleiche Mensch. Es ist ja so, wir Menschen können so viel, wir können uns auf so vielfältige Weise verhalten und wir zeigen das ja auch im Leben an ganz vielen Stellen. Wir zeigen ja auch vor einer NLP-Ausbildung in der einen oder anderen Situation echte Größe, Entspanntheit, vielleicht sogar Humor und in anderen Situationen gelang das vielleicht bis jetzt noch nicht so. Und auch da wollen wir ja angreifen. Das ist ja das, was Menschen sich auch wünschen, die in eine Practitioner-Ausbildung kommen. Mehr sprachliche Werkzeuge für Deeskalation, im Bereich Krisenmanagement.
Florian: Also im letzten Practitioner-Konfliktgespräche war ein Riesenthema. Also entweder selber ruhiger bleiben oder eben Werkzeuge an die Hand bekommen. Um da einfach flexibler zu sein und nicht untergebuttert zu werden, irgendwie sowas. Und das andere sind eben sprachliche Werkzeuge, um die eigene Meinung besser auszudrücken, um Verträge abzuschließen, um solche Sachen zu machen, entspannter einfach in vielen Situationen zu bleiben. Und das immerwährende Thema Präsentation. Also vor anderen Menschen etwas präsentieren und du bleibst dabei ruhig und du bist einfach du selbst und du hast die Kraft in dir. Und das sind so Themen, an denen wir dann im Practitioner natürlich auch noch arbeiten, wenn wir wissen, dass das die Ziele sind von den Teilnehmern.
Warum sich nichts erzwingen lässt — der Ernährungsapostel
Miriam: Und deswegen NLP für alle. Florian guckt ganz kritisch und wird zusammengezogen.
Florian: Also wir haben sehr, sehr, sehr positive Erfahrungen mit NLP gemacht.
Miriam: Das klingt doch wie auf so einer Mission sein. Wenn jemand was für sich entdeckt, was ihm total Freude macht und was ihn bereichert und so weiter, dann neigt er ja auch dazu, das an alle weitergeben zu wollen und an alle zu verteilen und sein neues Wissen, sein neuer Glaube. Und es kann alles möglich sein, es kann was religiöses sein, es kann auch was anderes sein. Das sehe ich auch so. Wissen über Ernährung, wenn jemand sich jetzt vegan ernährt und glaubt dann, dass das gesund ist für alle, alle, alle da draußen und jeder sollte sich vegan ernähren, dann hätten wir nur noch gesunde, fitte, schlanke Leute und ja, vielleicht ist da sogar eine Spur Wahrheit dran, nur ist es so einfach? Ist es so einfach? Können wir einfach verordnen? Können wir einfach zwingen? Können wir einfach sagen, jawohl, nee, ist es eben nicht. Weil wir da draußen so viele unterschiedliche Menschen mit so unterschiedlichen Weltanschauungen, mit so unterschiedlichen Erfahrungsbereichen haben. Und deswegen melden sich ja auch nicht alle zu so einer Ausbildung an.
Florian: Leider.
Miriam: Wohl immer mehr. Nur nicht alle. Und es ernähren sich auch nicht alle gleich. Auch nicht gleich gesund. By the way. Obwohl sie es besser wissen.
Florian: Da gehen ja die Meinungen dann nochmal auseinander. Da sind wir eben dann wieder. Ich glaube, viele Menschen haben den Wunsch, besser zu kommunizieren. Nur dann die Frage, was ist denn besser kommunizieren? Welche Werkzeuge wären denn tatsächlich dafür nützlich? Die erste Entscheidung, die du ja für dich selber treffen darfst, ist, ja, es geht, dass du besser kommunizierst mit anderen Menschen. Also das funktioniert wirklich. Und nach dieser Entscheidung kommt dann, was kannst du dafür tun?
Die Kantine, das Ikea-Büro und die kleinen Schritte
Miriam: Ich durfte letztes Jahr und vorletztes Jahr einem großen Unternehmen aus der Gesundheitsbranche Trainings geben, die mich eingekauft hatten für Kommunikation, einmal am Telefon, im Kundenservice und dann auch nochmal generell für den Vertrieb und Marketing. Und die haben jetzt ein sehr neues Firmengebäude bekommen, also gebaut, nach eigenen Vorstellungen für ihre Leute. Das ist wunderschön. Das ist wirklich verrückt, was die für ihre Mitarbeiter tun, aus meiner Sicht, im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen. Und unter anderem gibt es dort eine Kantine, in der die Mitarbeiter mittags sehr leckeres Essen bekommen können, wahlweise vegetarisch oder vegan. Und es gibt eine Köchin dort, die die Bestellungen annimmt und dann entsprechend der Menge eben auch kocht. Und die kocht das alles frisch und die ist selbst da und sie ist auch diejenige, die das ausgibt und sie ist diejenige, die das vorbereitet und das ist so eine ganz Engagierte. Und der Gedanke dahinter ist, auch die Atmosphäre dort ist nicht wie in einer Kantine, wie ich sie kannte, sondern gemütlich mit einer ganz wunderschönen Einrichtung aus Naturmaterialien und vielen Ecken, wo die Leute sich ganz unterschiedlich zum Essen auch hinsetzen können und die werden dort regelrecht in ihrer Pause verwöhnt. Und das Gefühl hatte ich auch. Also sie hat sich so liebevoll um mich gekümmert, gleich als ich dort ankam, weil sie meinte, na wenn sie jetzt gleich hier ein Training geben, dann dürfen wir doch mindestens dafür sorgen, dass ihr Magen nicht knurrt und dass sie sich richtig gesund und fit fühlen. Dann können sie doch viel besser arbeiten mit den Menschen. Das heißt, sie hat so eine Grundvoraussetzung geschaffen für, dann läuft auch alles im Unternehmen. Und das ging deutlich von der Geschäftsführung aus, weil wer sonst deichselt, wie gesund die Mitarbeiter sich ernähren können im Unternehmen. Und es ist auch ein Angebot.
Florian: Beziehungsweise anders, wenn ich ein größeres Unternehmen habe und habe da einen Raum, in den ich eine Kantine reinmache, dann kann ich auf den Markt gehen und kann mir Angebote von Bewerbern da holen, die da eine Kantine reinbauen wollen und die werden dann irgendwie finanziell unterstützt und da kann ich mir alles mögliche reinholen. Ich könnte mir auch eine Frittenbude da reinholen. Klar. Und Currywurst und Pommes mittags machen oder eben holländische Frittier, die holländischen Frittiersachen. Die Frage ist, was möchte ich als Unternehmer, als Geschäftsführung an der Stelle denn haben? Und wieso? Geht es darum, möglichst viel Geld zu sparen? Geht es darum, dass das möglichst schlank läuft? Oder geht es darum, dass ich tatsächlich meinen Mitarbeitern vielleicht was Gutes tue?
Miriam: Das Irre ist, das Unternehmen subventioniert dieses Essen.
Florian: Na klar.
Miriam: Es ist trotzdem dadurch, dass es Bio ist und frisch gekocht wird und in keiner Massenabfertigung, relativ teuer in Anführungszeichen. Ich glaube, die Gerichte kosten pro Person zwischen 4,50 Euro und 9,90 Euro. Das ist so das Teuerste. Dann hat sie allerdings auch wirklich Feinstes irgendwoher. Und das kommt auch mal vor und dann haben die Mitarbeiter natürlich die Wahl. Und da legt, wie gesagt, das Unternehmen dann noch was drauf. Also das ist wirklich sehr, sehr hochwertig, was es da gibt, auch an Vorspeise und Nachspeise. Das ist alles frisch und selbst gemacht. Und die Gefahr war sozusagen im Raum, dass von den 280 Mitarbeitern an dem Standort nicht so viele das nutzen. Und dass es sich dann nicht rechnet, weil das alles irgendwie auch rund laufen darf. Es läuft wie Hulle. Die brauchen nicht jeden Tag 280 Leute da drin, das ist auch klar. Und es gehen so viele dahin, dass es locker finanzierbar ist, auch mit den entsprechenden Küchenfachhilfen, die die dann brauchen, um eben für so viele Menschen was zuzubereiten. Nur es läuft ja. Und diese Köchin kalkuliert eben auch ganz fantastisch. Natürlich gibt es dann auch einmal in der Woche einen Topf. Und der ist so lecker, dass an dem Tag die meisten da sind.
Florian: Und im Endeffekt ein Reste-Essen, ne?
Miriam: Ja, genau. Also sie macht richtig Wirtschaftsküche. Also es ist ganz, ganz toll.
Florian: Natürlich.
Miriam: Und ja, also ich war beeindruckt. Ich hatte Gänsehaut. Ich habe das ja über zwei Tage miterlebt dort und habe dort auch mitgegessen. Und ich habe mit Wolllust mitgegessen. Bei vielen Unternehmen verziehe ich mich mittags und setze mich nicht in die Kartine.
Florian: Ich esse, ich habe immer Eiweißriegel dabei und Eiweißshake.
Miriam: Zum Beispiel, ja. Und es geht eben schon, dass wir sozusagen in diese Unternehmenskultur Dinge von außen auch implementieren, die den Menschen noch besser tun. Oder eben zu schauen, wie sieht es aus. Ich habe jetzt im Moment zu tun mit einem Unternehmen, mit dem ich zusammenarbeite, wo einer der Chefs auch sehr künstlerisch begabt ist. Und er hat dafür gesorgt, dass als sowieso eine Renovierung anstand, jetzt eben auf mehr angenehme Möbel und schönere Sitzmöglichkeiten. Das war so ein sehr klassisches Unternehmen mit Büros, die so, also nicht schön, sondern im Idealfall waren sie praktisch. Selbst das war manchmal nicht erfüllt. Und er hat gesagt, er hätte gern auch da, also er hat sehr motivierte Mitarbeiter und er hätte gern für die irgendwie mehr Freude auch beim Gucken um sich rum, an dem Umfeld, in dem sie sitzen den ganzen Tag. Und hat das, damit es eben nicht so viel kostet, selbst gestaltet und selbst mit in die Hand genommen und mit seinen Mitarbeitern zusammen entwickelt, welche Farbwelten die sich wünschen und die waren dann auch mal bei Ikea einkaufen. Also so das, das geht alles, weißt du? Und ich freue mich immer, wenn Menschen entscheiden, dass sie einfach mal Sachen ausprobieren und es geht mir nicht darum, dass alle Menschen NLP können. Das wäre aus Florians und meiner Sicht, yeah, juhu, diese Welt wäre ein besserer Ort.
Florian: Weil es für uns zum Grundwerkzeug dazu gehört.
Miriam: Ja, und wenn nicht, wenn die Menschen so einfach liebevoll zueinander sind, toll. Und wenn ein Vorgesetzter etwas dafür tut, dass sich seine Mitarbeiter wohler fühlen dürfen, vielleicht auch gerade in besonders stressigen Zeiten oder wenn ganz viel zu tun ist und wenn die nicht nur acht Stunden im Büro sind, sondern viel, viel länger, dann ist doch toll, wenn die Büros irgendwie schön sind und wenn der Kaffee, der ausgeschenkt wird in der Kantine, ein richtig guter Kaffee ist. Also es sind ja, natürlich kostet das was. Auf der anderen Seite, wie erhöht sich vielleicht auch der Outcome, wenn Menschen dann schwärmen und sagen, Mensch, wir sind doch hier gut versorgt. Die scheren sich drum, dass es uns gut geht. Oder noch besser.
Florian: Und dann gibt es eben diese kleinen Schritte. Wir haben ein NLP Basic, um mal reinzuschnuppern. Es gibt eben kürzere Seminare auch oder mal ein Buch zu lesen oder mal zu schauen, inwieweit funktioniert denn die Materie. Wenn ich so zurückdenke, wie ich das ausprobiert habe alles, dann war es das auch. Dann waren das erst eben sowas wie die Podcasts hören, damals hieß es noch CDs. Da habe ich von Tony Robbins Sachen gehört, wo dann einmal im Monat habe ich da tatsächlich sogar eine Kassette bekommen, wo er jemanden interviewt hat, der sehr erfolgreich war im englischen Sprachraum. Und dann eben über diese Kassetten hinweg die ersten Sachen zu machen. Und dann Schritt für Schritt das, was für dich Sinn ergibt. Also was ist das, was in dein Leben reinpasst?
Miriam: Ich kann schon so eine Zwangsverordnung für einmal die Woche Podcast hören mit allen...
Florian: Ja, Podcast finde ich auch. Podcast ist ja easy.
Miriam: Mit allen, ne?
Florian: Ja, in diesem Sinne. Apropos, wir freuen uns, wenn du uns Sternebewertungen hinterlässt bei iTunes oder bei Spotify oder wo auch immer, auf welcher Plattform auch immer. Bei Google Maps gibt es uns jetzt auch neuerdings. Falls du schon in unseren neuen Räumlichkeiten in Krefeld warst, da freuen wir uns sehr, wenn du eine Sternebewertung hinterlässt, um einfach auch anderen zu zeigen, wie es so bei uns ist oder vielleicht einen kleinen Kommentar.
Miriam: Und unser sehr spannendes Seminar, ja, mit ganz, ganz, ganz vielen neuen Formaten, zum Teil auch nicht von uns, sondern mit anderen Kollegen zusammen. Ganz krass, wirklich, findest du auf www.kontext*denken.de. Und um jetzt nochmal wegzugehen von diesem Unternehmertum vielleicht hin zu den Pädagogen, wir haben dieses Jahr zum ersten Mal die NLP Workweek, in der NLP in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vorgestellt wird von Experten. Florian und ich werden das einrahmen, also werden dabei sein und ein paar Teile deshalb übernehmen, um so grundsätzliches Wissen zu schaffen. Und dann haben wir tolle Kollegen da, die eben aus ihrer Praxis in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sprechen. Wir freuen uns insbesondere, wir freuen uns über jeden, der kommt. Wir freuen uns insbesondere über Lehrer und über Eltern. Und deswegen sag's gern weiter, erzähl's überall, es gibt noch Plätze. Und wir machen diesen Raum so voll, wie wir nur können, damit so viele wie möglich... Und es ist ein großer Raum. Es ist mittlerweile ein großer Raum, wir bekommen da ein paar rein. Ihr Lieben, wir sagen euch auf Wiedersehen und enden mit dem schönen Spruch NLP für alle. Bis bald. Ciao. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.