Kennst du das? Du erzählst jemandem von deinem Ärger — und hinterher fühlst du dich schlechter als vorher, obwohl die Person dir wirklich zugehört hat. Bei einem anderen Menschen passiert genau das Gegenteil. Miriam und Florian gehen der Frage nach, warum es einen Unterschied macht, mit wem du über welches Thema sprichst — und wie du bewusster wählst, statt dein Unterbewusstsein entscheiden zu lassen.
Ein Vorfall, ein Meta-Thema: Wer ist der richtige Ansprechpartner?
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: Ich weiß nicht, ob du jetzt der richtige Ansprechpartner bist für mein Thema.
Florian: Ich weiß noch nicht mal, was das Thema ist.
Miriam: Das ist gut, ne?
Florian: Das ist nämlich genau das Thema. Woher man weiß, wer der richtige Ansprechpartner für das Thema ist?
Miriam: Ja, so dieses Auswählen von Menschen, mit denen ich über bestimmte Sachen reden möchte oder eben auch besser vielleicht nicht.
Florian: Also wir haben jetzt kein konkretes Thema, sondern das ist ein Meta-Thema.
Miriam: Nein, schau, also es gibt schon einen Vorfall sozusagen. Eine ganz liebe Kollegin von mir hat im Moment relativ viel um die Ohren, privat und beruflich und hat gesagt, sie hat eine beste Freundin und mit der redet sie normalerweise über alles und meistens hilft oder half ihr das in der Vergangenheit auch, diese Gespräche zu führen.
Florian: Inwiefern halfen die?
Miriam: Ja, sie fühlte sich danach offensichtlich besser. Ich habe da nicht weiter nachgefragt. Und ihr Anliegen war sozusagen, dass sie im Moment das Gefühl hat, wenn sie mit dieser Freundin redet, dass sie sie zwar schon versteht und es ist ja auch ihre beste Freundin.
Florian: Also sie sprechen beide Deutsch, meinst du? Eine gemeinsame Sprache?
Miriam: Herzlich willkommen zu diesem Podcast. Wie schön, dass du eingeschaltet hast. Bis wir uns gefunden haben.
Florian: Ich versuche ja nur zu verstehen, was jetzt das Thema ist. Sie sprechen eine gemeinsame Sprache, so wie früher auch.
Miriam: Ja, und dann kamen wir drauf, dass es einen Unterschied macht, mit welchem Menschen ich über irgendwas rede.
Florian: Wir sind ja auch alle individuell unterschiedlich.
Miriam: Ja. So und das ist vielleicht an der einen oder anderen Stelle die Frage, wenn ich sowieso schon weiß, dass derjenige einfach nur mit mir in ein Jammertal einsteigt und wir dann zusammen fünf Stunden heulen. Männer machen das übrigens ja auch. Die treffen sich mit ihrem Kumpel und dann, keine Ahnung, gehen die in die Kneipe, trinken Bier, bejammern sich eine Runde, hab ich mir sagen lassen. Hast du gehört, oder?
Florian: Hast du mal gehört von ihm? Echt? Ja. Ich glaub diese, ja, ja, ja, bestimmt.
Miriam: Ja, und sie meint, es gibt eben auch andere Menschen in ihrem Umfeld, da hat sie dann auch löblicherweise mich erwähnt, wo sie das Gefühl hat, wenn wir über ein Thema gesprochen haben, das sie gerade beschäftigt, dass es ihr danach witzigerweise besser geht statt schlechter und bei anderen Menschen geht es ihr schlechter, obwohl die ihr zugehört haben und auch für sie da waren und ihr Zeit geschenkt haben. Wo ist der Unterschied?
Pacing, Lösungsvorschläge und die Kunst des Abholens
Florian: Ja, da gibt es ja zwei Unterschiede erstmal von vornherein. Und das gibt es ja nicht nur im Business, sondern das gibt es ja auch im Privatbereich. Manchmal komme ich ja zu Menschen und die haben dann einen tollen Vorschlag, wie ich mein Problem lösen könnte.
Miriam: Dabei wollte ich gar keinen. Ja, das stimmt. Und ich habe das Gefühl, dass es auch noch eine dritte Variante gibt, weil die habe ich selbst auch schon erlebt. Und zwar, dass ich irgendwo hinkomme und sage... Keine Ahnung, früher mal, ich bin mal geblitzt worden und dann ging es mir schlecht. Nein, hoffentlich kostet es jetzt nicht so viel Geld. Und dann haben die angefangen, mir auch Geschichten zu erzählen, wie sie mal geblitzt worden sind oder Punkte bekommen haben im Straßenverkehr. So das wäre dann die dritte Variante. Wie würdest du die denn dann nennen? Die haben mir keinen Vorschlag gemacht für eine Lösung, noch haben sie mir Fragen gestellt wie ein professioneller Coach, sodass ich eine Lösung finden kann.
Florian: Also so, dass du selber für dich deine Lösung, oder Facilitator, noch hast du dich dabei besser gefühlt, das wäre vielleicht die vierte, ne?
Miriam: Ja, ja genau.
Florian: Also es ist auch nicht so, dass die dich dann abgelenkt haben und über irgendwelche Popsongs aus den 80ern gesprochen haben, weil das dir vielleicht viel Spaß bereitet? Sondern die haben sich dann noch weiter...
Miriam: Wie nennen wir die denn? Weiß ich nicht. Die sind ja keine Verschlimmerer, weil das wäre gemein, weil die meinen das ja auch gut. Also die haben das total verständnisvoll gemacht.
Florian: Das mit dem Pacing. Und Pacing ist einer dieser Begriffe aus der neurolinguistischen Programmierung.
Miriam: Ah, da erinnerst du mich an was? Es gibt einen neuen Practitioner-Termin bei uns. Weil die Nachfrage tatsächlich groß war. Wir hatten ja ursprünglich geplant, dieses Jahr einen Practitioner zu machen und einen Master. Und jetzt gibt es im September einen weiteren Practitioner. Für alle, die keinen Platz mehr bekommen haben oder den Januar-Termin nicht halten konnten oder wie auch immer. Im September vom 25. September bis zum 5. Oktober. Auf unserer Homepage www.kontext-denken.de ist es zu sehen.
Florian: Oh, sehr cool. Hast du den Termin endlich festgelegt? Jawohl. Vor allen Dingen haben wir den Raum bekommen.
Miriam: Ja, das stimmt. Gut.
Florian: Also, vielleicht geht es einfach um Pacing. Und Pacing eben als NLP-Begriff. An die Bushaltestelle des Gegenübers fahren und ihn da abholen. Also in das Gefühl reingehen, in den Zustand reingehen, um in Kontakt mit jemand anders zu kommen, vielleicht umgangssprachlich empathisch kommunizieren.
Miriam: Umgangssprachlich empathisch, mitfühlend. Mitfühlend, ja.
Florian: Was für mich schon Umgangssprache ist.
Miriam: Ja, ist in Ordnung. Also, dass ich verstehe, dass es dem anderen gerade schlecht geht aus irgendeinem Grund.
Florian: Und dann zu erzählen, dass es mir auch mal schlecht ging und dann sind wir beide in dem Driss drin. Ja. Oder zumindest schon mal nicht mehr alleine. Also ist das schon mal besser, ne?
Miriam: Ich glaube, dass das der Unterschied ist. Dass ich sagen kann, ja, ich verstehe, dass du dir jetzt gerade Sorgen machst wegen dieses geblitzten Dingsbums. Geblitzdings. Ist das nicht bei Men in Black?
Florian: Ja, das Blitzdings. Das ist super. Und schon ist es vergessen.
Miriam: Das ist ein Film, Men in Black. Das ist ein alter Film, ne?
Florian: Ja.
Miriam: Ja. Die Blitzdingsen Gedächtnis weg. Da erinnern sich die Leute nicht mehr dran, dass sie Außerirdische gesehen haben vorher.
Florian: Und alles ist weg von vor. Wir können einstellen, glaube ich, wie lange. Wir können einstellen.
Miriam: Und dann geben sie den Leuten noch irgendeine nette Message immer mit, ne? Das heute wird ein ganz toller Tag für euch. Viel Spaß noch.
Florian: Tschüss. Genau. Also da war irgendwas doofes und dann hast du, wie auch immer.
Miriam: Ja, genau. Und da wollte ich einfach nochmal drauf einsteigen, weil sie das auch spannend fand. So die Menschen, die uns umgeben, die uns sehr schätzen, die wir sehr schätzen aus irgendeinem Grund. Und was passiert bei diesen unterschiedlichen Menschen, wenn wir mit denen sprechen oder wenn die mit uns reden. Es geht ja auch andersrum. Ich habe auch eine Freundin, die ruft regelmäßig an und dann bekomme ich ihr ganzes Leid und alles, was sie gerade wieder so an schlimmen Dingen erfahren hat, geupdatet. Und im Grunde geht es nur darum, das mal gesagt zu haben, habe ich das Gefühl. Und dann ist wieder drei, vier Wochen Ruhe. Und es gibt andere Freundinnen, die ich habe, die rufen mich vor allen Dingen an, um mir erstmal zu sagen, was sie alles schon wieder für tolle Nachrichten haben. Und das können ja auch ganz kleine Sachen sein.
Florian: Da schlagen dann mehrere Herzen in meiner Brust. Weil aus NLP-Sicht würden wir vielleicht sehr schnell in die Lösung reinspringen und sagen, wir reden über was Lustiges. Lieber über was Lustiges reden. Oder wir machen bestimmte Techniken, um einfach mit der Situation besser klar zu kommen, um dann was rauszuarbeiten, wie es uns besser geht. Das ist vielleicht das, was tatsächlich passiert. Also nur das Reden über was Lustiges, das wäre ein bisschen arg einfach. Dann war es das vielleicht mit den Freunden. Wäre übrigens auch kein Pacing, ist auch nicht abgeholt von jemandem. Und die andere Variante ist eben einfach mal auch wertzuschätzen bei deinem Gegenüber und empathisch zu sein, mitfühlend zu sein und zu sagen, okay, das ist ganz schwierig. Nur. Was ist denn das, wie wir uns jetzt fühlen wollen? Also geht es tatsächlich darum, drei Stunden am Telefon oder in Persona jetzt das neueste Light-Up zu daten? Ist das das, was was bringt? Weil wahrscheinlich hast du ja nicht beliebig viel Zeit und Fläche zu den Menschen um dir herum. Das heißt, irgendwann ist dieses Gespräch einfach um und irgendwann ist der Abend einfach rum. Und dann, wie wärs denn, wie würdest du denn gerne aus diesem Abend herausgehen? Was ist denn das? Und es kann ja sein, dass du dann sagst, naja, zwei Stunden würde ich schon gerne light updaten, weil das ist auch wichtig und das ist das, was mich beschäftigt. Und dann die dritte Stunde würde ich gerne dafür nutzen, über was Lustiges zu reden.
Miriam: Eine Agenda fürs abendliche Kaffee trinken.
Florian: Vielleicht gar nicht als Agenda, nur mal als Überlegung. Was ist denn das? Ist es okay, wenn das Gespräch die ganze Zeit nur über die Sachen geht, die nicht funktionieren? Kann ja okay sein. Dann ist das ja auch ein gut verwendeter Abend so.
Jammertal oder Lösung: Wen wählst du bewusst?
Miriam: Also ich habe festgestellt, und das hat sicherlich auch was damit zu tun, dass ich mich intensiv mit dieser ganzen Thematik beschäftigt habe während der letzten Jahre, dass ich aktiv weniger Kontakt zu den Menschen suche von mir aus, bei denen ich weiß, dass es sowieso nur darum geht, also drei Stunden lang ins Jammertal einzutauchen. Es ist nicht so, dass ich jetzt Menschen nicht mehr treffen möchte, die gerade Probleme haben. Um das klar zu haben, es ist vollkommen okay für mich, wenn Freundinnen, wenn Bekannte, wenn liebe Leute, die ich kenne, zu mir kommen und sagen, hast du gerade mal ein Ohr für mich?
Florian: Kannst ja nur zwei abgeben. Und wir brauchen die auch für den Job. Also nur temporär.
Miriam: Also darf ich mal ein bisschen was darüber erzählen? Und es ist vollkommen fein und es ist sozusagen in meiner Energie schon zu spüren, dass ich dann nicht diejenige bin, die auch anfängt, ihre Geschichten zu erzählen von was schon alles schief gegangen ist im Leben. Also ich hatte da neulich einen kleinen Vorfall auf Facebook sozusagen, als eine junge Frau, die auch unsere Seminare besucht und die schon sehr wach nachdenkt über diese ganzen Geschichten, mir so eine Art, wie heißt das, Screenshot schickte, wo eine fremde Person ein großes Thema beschrieb auf Facebook offiziell oder in einer Gruppe, glaube ich, was sie gerade für ein Thema hat und wie schlimm das ist. Und bat mich dann mal um meine Meinung dazu, wie sie da jetzt helfen könnte. Und meine erste Frage ist dann immer, soll überhaupt wirklich geholfen werden?
Florian: Also weil diese Frau bat in diesem Ding nicht um Hilfe, sondern sie hat einfach nur geschildert, was gerade... Und es kann ja sein, dass das schon mal okay ist, davon einfach erzählen zu können, dass das schon eine Linderungsleistung bringt und dass sich das danach schon besser anfühlt und vielleicht hat die Frau ja dann eigene Ideen dazu.
Miriam: Genau. Und deswegen bin ich zum Beispiel bereit, bei manchen Menschen in meinem Leben deutlich dann zu sagen, ja, ich schenke dir jetzt gerne diese Stunde und lege los. Schaffe ich schon. Und bei anderen eben bin ich es nicht mehr so. Und ich mag es gerne auch, positive Energie bei anderen zu spüren. Also so ein Wunsch nach, wir finden eine Lösung, wir wollen da raus. Das soll nicht so weitergehen. Nicht für den Rest dieses Lebens. Dafür ist es zu lang. Ich habe überlegt, ich habe Freundinnen, die ich früher mal hatte, die haben das wirklich durchgezogen über Jahrzehnte. Da gab es nie einen Hoffnungsschimmer. Weil wenn ein Thema sich gerade selbst erledigt hatte gefühlt, kam schon das nächste aufs Tablett. Die haben immer wieder eins gefunden. Also die haben immer wieder es geschafft, Menschen zu treffen, mit denen sie dann nicht klarkamen. Oder die haben es immer wieder geschafft, sich in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen. Oder die haben es immer wieder geschafft, mit ihren Kindern furchtbaren Trouble zu haben und und und. Also es war immer wieder ein großes Problem. Und es gibt eben auch die anderen, bei denen ich das Gefühl habe, ja es gibt schon gelegentlich Herausforderungen im Leben und so die Grundenergie ist nach, also die wollen wirklich auch was verändern, die wollen was tun, dass es besser wird, dass es endlich besser wird.
Wohin die Aufmerksamkeit geht: selektive Wahrnehmung und der Fokus aufs Positive
Florian: Früher habe ich an der Stelle dann tatsächlich nur die Erklärung dafür gehabt, es funktioniert bei mir, mich auf was Gutes einzurichten und auf das Gute zu fokussieren, ich fühle mich dann besser. Und es gibt da auch Menschen, die daran glauben und die nennen es dann vielleicht The Secret oder Bestellung beim Universum oder das Gesetz der Anziehung oder so. Und das war es soweit. Früher hätte ich gesagt, naja, probier halt mal aus, was passiert, wenn du es in einem anderen Rahmen siehst, weil du hast ja echt die Wahl, wie du was siehst. Ist, keine Ahnung, Platten beim Auto haben, heißt es dann, oh ne, scheiße, zu spät in die Arbeit und irgendwie der ganze Tag ist im Eimer oder ist es als Mann? Wow, endlich kann ich mal zeigen, was das ist. Oder ich wollte schon immer mal rausfinden, wofür dieses ganze Zeug hinten in meinem Kofferraum ist. Da finde ich das wenigstens mal raus und dann zeige ich mal, dass ich als Mann in die Arbeit komme. Und hey, wenn ich da so mit schmutzverschmierten Händen nach Hause komme und sage, ich bin der Held. Ich habe unser Auto repariert. Das ist ja das gleiche Erlebnis, bloß von zwei verschiedenen Perspektiven beobachtet. Und das Ergebnis ist tatsächlich auch genau das gleiche. So, jetzt ist die Frage, was ist das, was ich lieber, wo fühle ich mich dann besser? Und seit kurzem gibt es ja auch Studien zu dem Thema, oder eigentlich schon länger gibt es Studien zu dem Thema, wo es einfach wissenschaftlich auch belegt ist, sich auf das Positive zu fokussieren, wird dazu führen, dass das Positive eher gesehen wird und dass mehr Optionen, mehr Möglichkeiten im Leben aufgehen.
Miriam: Das ist sogar körperlich messbar. Also die Leute, die sich auf das Positive in so einer Geschichte fokussieren, haben bessere Heilungschancen in Krankheitsfällen, erkälten sich seltener, der Blutsauerstoff ist anders. Das ist total witzig. Also es lässt sich organisch messen, wenn Menschen das üben und das ist ein Training. Weil viele haben lustigerweise das Gegenteil geübt. Also wir sind sozusagen in einer Gesellschaft, die tendenziell eher auf das Negative fokussiert.
Florian: Das sind ja Nachrichten. Also das ist irgendwas, wo unser Gehirn sagt, wow, da darf ich aufpassen. Und dann ist unser Gehirn halt irgendwann auch einfach 10.000 Jahre alt und Evolution ist seitdem eher weniger passiert. Und damals war es gut, wenn so ein Tiger vorbeilief, dass wir gesehen haben, da sind Tigerspuren auf dem Boden. Wir sollten besser aufpassen hier. Ja, das ist einfach wichtig. Deswegen die negativen Nachrichten sind halt welche, die unser Gehirn eher rausfiltern muss. Muss ich mich jetzt fürchten? Und die Antwort ist nein. Wozu? Also gerade bei vielen von den Nachrichten. Ende diesen Monats kommt ein Buch raus, auf das ich mich auch schon sehr freue. Der Titel fällt mir gleich ein, wo es darum geht, wie unsere Welt komplett anders geworden ist und wie viel besser unsere Welt geworden ist.
Miriam: Ach nee.
Florian: Ja, also der Autor, der hat...
Miriam: Das ist ja cool. Weil er gesagt hat... Du hast mir doch gar nichts erzählt. Ist das jetzt, also ehrlich, es kommt raus.
Florian: Ja, es kommt jetzt raus, irgendwie nächsten Monat oder was. Ganz bekannter Autor, Steven Pinker. Und, also zumindest kommt es auf Englisch raus. Und die Idee ist, Kindersterblichkeit ist so niedrig wie nie, Hunger ist runtergegangen, Autounfälle sind runtergegangen, Blitztote sind runtergegangen, Krankheiten sind runtergegangen, wir haben etliche Krankheiten ausgelöst. Also so alle Statistiken deuten darauf hin, es ist alles gut bei dir. Und auf der anderen Seite gibt es irgendwie dieses persönliche Gefühl, wenn ich so Nachrichten gucke, so, es ist überall alles schlimm. Das passt ja nicht zusammen.
Miriam: Dieses persönliche Gefühl kann ich ja noch verstärken, wenn ich mich ständig mit Tante Enne und meinem besten Kumpel Markus umgebe. Das sind jetzt alles nur Fantasienamen, die gibt es nicht wirklich, nur das sind Menschen, die ständig nur am Klagen sind. Dann fühlt es sich auch irgendwann so an, als gäbe es da draußen nur Mist. Als würden da aller Ecke Blitzer stehen. Ich habe das wirklich teils schon so gehabt, dass ich mich so in so eine Sache reingerannt habe, dass ich wirklich dann geglaubt habe, hinter jeder Ecke lauert ein Polizist mit einem Blitzer in der Hand.
Florian: Wir haben die Story auch in den Seminaren immer wieder. Bevor wir den Toyota Prius gekauft haben, gab es in Deutschland keinen einzigen Prius. Ich weiß das, ich habe aufgepasst, es gab keinen Prius. Und dann gibt es, wenn man bei Toyota einen Prius kauft und das ist wirklich eine Geheimnachricht jetzt. Also das ist wirklich, das wissen nicht viele Leute. Nur ein Teil des Prius-Kaufgeldes geht dafür drauf, dass Toyota ab dann eine Flotte von so 20, 30 Prius haben, die regelmäßig um uns rumfahren.
Miriam: Um dich.
Florian: Also ich sehe die immer wieder.
Miriam: Ich habe das gar nicht so.
Florian: Du hast das nicht? Ich sehe überall Prius jetzt plötzlich. Überall. Mein Name steht auf dem Vertrag. Plötzlich, die fahren mir die Prius so vor die Augen. Das ist meine Vermutung. So, das ist eine Verschwörungstheorie von Toyota, damit ich mich besser fühle.
Miriam: Bis jetzt konnte ich, Florian, davon abhalten, einen offenen Brief an Toyota zu schicken.
Florian: Dass ich das ganz schön dreist finde. Und so ist es doch mit Schwangeren auch, ne? Selbst schwanger, also, hab ich gehört, hast du mir erzählt. Und plötzlich überall Schwangere.
Miriam: Ich hab nur noch Schwangere gesehen. Ich hatte mich jahrzehntelang mit dem Kinderthema nicht befasst und wollte ursprünglich auch keine. Deswegen habe ich auch nirgendwo welche gesehen. Und als ich plötzlich wusste, ich bin schwanger, waren überall Schwangere. Überall. Egal wo ich hinkam. Im Kaufhaus, in der S-Bahn.
Florian: Und das ist einfach selektive Wahrnehmung. Es ist einfach die Frage, worauf möchtest du deine Aufmerksamkeit legen? Und wenn du dir die einfach mal beantwortet hast, was ist das, von was du mehr haben möchtest im Leben, dann ist das das, was du wahrscheinlich auch über Dauer bekommst. Und ja, es ist einfach. Also es geht bergauf auf der Welt. In vielen Statistiken.
Miriam: Es gibt viele Statistiken, die sagen, es geht bergauf. Es gibt genauso viele, die das Gegenteil behaupten.
Florian: Also es geht nicht darum, das Leid in bestimmten Teilen der Welt runterzureden oder zu sagen, das gibt es nicht. Oder nicht zu sehen, dass es da bestimmte Krisenzonen gibt. Alles wahr. Nur wenn wir uns die Statistiken anschauen, wie geht es den Menschen... In der Gesamtheit, also allen ganz groß zusammen, dann geht es denen halt im Schnitt einfach viel, viel besser als vor 100 Jahren noch oder als vor 200 oder vor 500 Jahren.
Miriam: Und ich finde, das ist ein sehr schöner und vielen Dank, Florian. Ich freue mich auf das Buch.
Florian: War das jetzt ein konversationelles Postulat für, ich kaufe das. Ich dachte, ich bin mir sicher, dass du das kaufst. Ja, hatte ich schon vor und ich für dich.
Miriam: Ich darf da mal reingucken vielleicht. Dann kaufe ich es mir selbst.
Florian: Ich weiß nicht, wann es auf Deutsch rauskommt.
Miriam: Ich kann es auch auf Englisch lesen. Geht doch um Statistiken.
Die Fünf-Menschen-Regel und was dir persönlich wirklich hilft
Miriam: Ja, also vielen Dank dafür, weil genau das ist das Thema dieses Podcasts. Denn auch die Menschen, mit denen ich mich direkt umgebe, da gibt es ja diese Fünf-Menschen-Regel. Die bringen viele Coaches, irgendwann zücken die die. Die ziehen die aus ihrer Coaching-Tasche. Ich weiß gar nicht, wer das erfunden hat mit diesen Fünf-Menschen. Also auf jeden Fall, die fünf Menschen, mit denen du deine meiste Zeit verbringst, sind oft ein Spiegel deiner eigenen Stärken und eben auch deiner eigenen Herausforderungen. Das heißt, die beste Freundin, mit der meine Kollegin vermutlich besonders häufig auch sich trifft und spricht, da dürfte sie sozusagen selbst mal gucken, was verbindet uns denn im Grunde? Also wo gibt es denn da diese Parallelen? Weil Menschen, die parallel ungefähr im gleichen Alter sind, gerade in dem Alter mit Kindern oder Hausbauen, klar, die haben die gleichen Herausforderungen, deswegen haben die auch viel Gesprächsstoff, deswegen verstehen die sich auch oft sehr gut. Dann kommt noch ein bisschen Familie dazu. Da ist dann wieder die Frage, wie viel Zeit verbringst du tatsächlich mit den Menschen in deiner Familie? Viele verbringen ja mehr Zeit mit ihren Kollegen zum Beispiel als mit ihrem Ehemann oder ihrer Ehefrau. Das heißt, es geht darum, mit welchen Menschen verbringst du die meiste Zeit, nicht welche Menschen hast du per Ehering oder per Geburtsurkunde an dir dran. Außer die wohnen mit dir in einem Haus und sind wirklich jeden Tag bei dir. Und dann mal so zeitlich gucken. Sehr, sehr spannend. Und auch wieder die Idee, da aktiv zu werden, bewusst zu werden. Also welchen Menschen wähle ich aus, um abends einen Kaffee trinken zu gehen oder mich zum Essen zu verabreden? Bringt mir das jetzt gerade wirklich was, wenn ich mich jetzt mit diesem Menschen treffe?
Florian: Bringen klingt so utilitaristisch.
Miriam: Ja, das klingt utilitaristisch, ich weiß. Und der steht ja so ein Stückchen weit dahinter. Außer, ich sage ganz bewusst, das ist jetzt eben diese Freundin, die... Ich glaube, es ist auch einfach okay, möchte ich das tatsächlich tun?
Florian: Und dann mal zu beobachten, wie fühle ich mich danach und dann fühle ich mich dann gut. Ja, also... Es ist ja immer die Frage auch, wenn eine Person mir jetzt was Tragisches erzählt oder im Coaching kommt was Tragisches raus, wann kann ich am besten damit umgehen, wenn es mir gut geht? Also wenn ich in meinen Ressourcen bin, wenn ich in meiner Kraft bin, wenn ich verstehe, also wenn ich viele Dinge sehe, weil ich gerade entspannt bin und relaxed bin und wenn du all deine Ressourcen zur Verfügung hast, dann kannst du dir auch am besten auf die Menschen in deiner Umgebung einwirken und kannst denen am meisten helfen. So, jetzt ist die Frage, bringen nur solche Gespräche mit über Tragisches was? Wahrscheinlich nicht. Und dann eben zu gucken, dass es dir zumindest zwischendurch auch immer gut geht, wenn du den Menschen helfen möchtest, was ja super gut auch für die Gesundheit ist, ne? Anderen Menschen zu unterstützen, anderen Menschen zu helfen, ganz toll.
Miriam: Oder vielleicht schon mal von dir aus nicht einzusteigen auf dieses Jammertal. Also wenn mir jemand sagt, oh, hier ist gerade der Wellensittich gestorben, das ist ja immer so unser Lieblingsbeispiel, der Wellensittich ist tot, dass ich dann nicht anfange, alle Haustiere aufzuzählen, die ich in meinem Leben schon zu Grabe getragen habe. Das waren einige. Nur, dass ich damit eben nicht anfange, sondern ganz bewusst sage, oh, das war doch so ein süßer Kerl, also das verstehe ich ein Stückchen weit, Mensch, das ist bestimmt traurig und...
Florian: Ja, natürlich ist es traurig. Und?
Miriam: Und dann eben auch nicht selbst noch Öl ins Feuer zu kippen an der Stelle. Also mir es zu verkneifen, dann die traurigen Geschichten zu erzählen, sondern vielleicht setze ich an mit, ich erinnere mich, als ich dich besucht habe und er hat sich mal auf meine Schulter gesetzt. Das war cool, der war ja richtig zahm.
Florian: Ja, genau. So diese lustigsten Ereignisse dann zu erzählen. Dann ist es auch wahrnehmen von dem, was da ist, bloß eben vielleicht langsam in eine andere Richtung geführt. Es ist ja genauso empathisch, genauso mitfühlend, weil es ist einfach wichtig, sich mit dem Thema da zu beschäftigen. Und es gibt noch mehrere Wege, wie man sich mit dem Thema beschäftigen kann.
Miriam: Das stimmt. Dazu gäbe es dann mehr im September, Oktober in unserem NLP Practitioner in Arnsberg.
Florian: Was jetzt hier mit Agenda für Gespräche oder was? Das ist überhaupt nicht so agendaartig für Gespräche, ne?
Miriam: Ich mag auch Agenda für Gespräche.
Florian: Vorher kurz Notizen machen, festlegen. Du sag mal, wie viel Zeit hast du denn heute und wann wird es knapp werden, weil wenn wir bis 22 Uhr hier raus sein wollen, weißt du, dann hätte ich diese 17 Themen, die ich gerne mit dir erzähle. Oh nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein. Und es ist gut, einen gemeinsamen Zielkorridor zu haben.
Miriam: Wenn ich jetzt meine Kollegin einfach nochmal fasse, und das war ein sehr schönes Gespräch mit dir, wenn ich jetzt diese Kollegin nochmal fasse und sage, okay, wenn ich doch weiß, da ist ein Mensch, der dann tendenziell eher mit mir noch tiefer rutscht in dieses, dann überlege ich mir vorher, möchte ich mit dem über das Problem sprechen oder rufe ich lieber meine Mutter an oder spreche ich mit dir, Florian, oder spreche ich mit eben einem Menschen, wo ich weiß, da ist mehr Potenzial für Lösungen. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich den einen lieber habe als den anderen. Sondern es hat einfach nur was damit zu tun, auch an dieser Stelle wieder wacher und bewusster zu werden.
Florian: Was würde dir was helfen?
Miriam: Richtig. Was würde dir persönlich jetzt was helfen? Und fertig. Um was anderes geht es nicht.
Florian: Voll gut.
Miriam: Ja. Und ich finde es eine gute Idee. Eine sehr gute Idee.
Florian: Kam ja von dir, brillant.
Miriam: Stimmt. Dann freuen wir uns ja auch schon wieder auf nächsten Dienstag. Bis nächsten Dienstag. Wenn es wieder heißt, Zwei Gehirne, ein Podcast. Hier bei kontext*denken.
Florian: Bis dann, tschüss.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext-denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.