Jemand zieht deine Lieblingsschuhe an, bedient sich am Parfum, klaut Pommes vom Teller — und du sagst? Nichts, weil du niemanden verärgern willst. Genau da setzen Miriam und Florian an: Wie sagst du einem Menschen etwas Unbequemes, ohne dass gleich Tränen, Ärger oder die beleidigte Leberwurst im Raum stehen? Zwischen Pommes-Egoismus, Lieblingsmarkern und einer Freundin, die sich ungefragt am Kleiderschrank bedient hat.
Zwei Gehirne, ein Dienstag und ein „schwieriges Thema“
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: So.
Florian: Hm?
Miriam: Wolltest du mir... Wieder Dienstag. Ja, ich weiß, es ist wieder Dienstag. Das ist gut. Das ist Podcast.
Florian: Sollen wir nicht mal, um was anderes zu tun, den Dienstag mal ausfallen lassen und einen Podcast am Mittwoch rausbringen?
Miriam: Oh, innovativ. Ne. Ne.
Florian: Mal was anders machen, einfach.
Miriam: Einfach sinnlos was anders machen.
Florian: Hey!
Miriam: Also das ist doch eine schöne Gewohnheit, dass es dienstags einen kontext*denken-Podcast gibt. Finde ich.
Florian: Ja. Findest du nicht? Doch. Was haben wir denn heute als Thema?
Miriam: Das Thema, ja, ist ein schwieriges Thema.
Florian: Gut, dann machen wir es nicht.
Miriam: Doch, doch, doch.
Florian: Nein, nein, nein, wir machen kein schwieriges Thema mehr.
Miriam: Oh, doch, pass auf. Das ist auch ein wichtiges Thema, weil das ist dieses...
Florian: Wir tun dann immer so, als wäre es ein schwieriges... Also, wir geben dem ja auch Bedeutung, wenn wir sagen, es ist ein schwieriges Thema und dann ist es... Ja, dann lass mich doch mal kurz in diesem schwierigen Thema jetzt sein.
Miriam: Vielleicht ist es ja danach dann auch ein noch größerer Grund, mir auf die Schulter zu kloppen, dass ich es gemacht habe überhaupt.
Florian: Vielleicht ist es auch einfach kein schwieriges Thema, wenn man es nicht als schwierig ansehen würde. Darf ich das Thema jetzt sagen? Nein.
Miriam: Wir verlieren gerade Hörer. Kann ich das Thema sagen?
Florian: Weißt du gar nicht. Da bin ich mir sehr sicher. Gleich kommt das Thema. Wer weiß, was es ist.
Miriam: Dann mache ich jetzt Hashtag Werbung. Wir haben vom 25.09. bis 15.10. unsere Practitioner-Ausbildung.
Florian: Falls du jetzt... Für die Kurzentschlossenen... Wenn du jetzt dran geblieben bist, sag uns bitte Bescheid.
Miriam: Melde dich an. So, der Kurs ist schon gut gefüllt, wir freuen uns riesig. Wird toll. Du könntest zu der Truppe noch dazustoßen. Nicht stoßen, hüpfen. Hüpfen. Stupsen.
Florian: So, war's jetzt das Thema für heute?
Miriam: Das Thema heute ist, schwierige Themen einem anderen Menschen zu sagen.
Florian: Wir haben ein Meta-schwieriges Thema.
Miriam: Ja, es ist doppelt schwierig. Ja.
Das ungefragte Parfum — und die harmoniebedürftige Freundin
Miriam: Auf die Idee gebracht hat mich eine meiner liebsten Freundinnen im Moment, die so zauberhaft ist und so wunderbar in ganz vielen Bereichen... Magie versprüht in ihrem Leben und wirklich ein energetisches Leben führt. Und sie schilderte mir, dass sie eine Freundin zu Gast hatte und dass die sehr übergriffig gehandelt hat in ihrer Wohnung, also sich bedient hat an dem Lieblingsparfum.
Florian: Ich dachte, ihr Frauen macht das so.
Miriam: dann nicht in allen Bereichen. Also ich kenne es schon, auch meine Kleidung zu verleihen oder meine Schuhe oder meine Handtaschen, wenn...
Florian: Käme ein Mann übrigens nicht auf die Idee. Weiß ich nicht. In die Turnschuhe von einem anderen Mann...
Miriam: Die verleihen dann halt ihre Asterix-Heftesammlung und bekommen sie nie wieder zurück. Ich schlüpfe ja in die Turnschuhe von ihr und das ist ja immer befindlichkeitsabhängig. Also ich bin schon gerne großzügig und gebe meine Sachen her und freue mich, wenn andere auch Spaß daran haben. Ich glaube, es ging um das Ungefragte. Also dass die einfach loszog und es gibt ja diese, meine Mutter macht das doch immer, wenn wir da zu Besuch sind, ist doch der erste Satz, fühlt euch wie zu Hause, bedient euch einfach. Ich finde, es ist eine sehr generelle Aufforderung, einfach alles leer zu essen. Aber im Kühlschrank angefangen. Wir haben das noch nie durchgezogen.
Florian: Ich glaube, sie meint das auch so.
Miriam: Und vermutlich würde sie sich tatsächlich noch freuen, wenn sie morgens den Kühlschrank aufmacht und es ist nur so eine Spinne an so einem Faden drin. Und so ein Schild, Bäuerchen.
Florian: oder Danke, bis nächste Woche.
Miriam: Ja, genau, oder so. Ich weiß es nicht. Das ist ja so eine Generalansage. Macht einfach, was ihr wollt. Und die gab es offensichtlich in dieser Situation nicht. Und dann ging es darum, wie sagt sie das jetzt dieser Freundin? Dass sie nicht beleidigt ist und nicht traurig und nicht böse, sondern dass sie es versteht. Dass sie sich selbstverständlich in der Küche bedienen kann und wahrscheinlich, wenn sie gefragt hätte, hätte sie sich auch anderen Krusch leiden können. Und es war wirklich dieses, wie sage ich dann sowas? Also wie gehe ich dann zu dem Menschen hin und sage, du, da ist was, das passt mir gerade nicht. Auch auf die Gefahr hin, dass der andere vielleicht dann beleidigt ist.
Feedback im Team: Timo redet, die Wand voller Post-its
Florian: Ich habe das manchmal in Teams. Da fällt mir eins ein, in dem ich letztes Jahr gearbeitet habe. Eins der Teammitglieder, also ein Mann in dem Fall, der hat immer sehr ausschweifend gesprochen in den Meetings. Also sehr lang erzählt, nachdem alle anderen auch den Punkt schon verstanden hatten, hat er immer noch weiter erzählt. Und noch danach und auch danach noch. und wir dachten alle nur so, ja, wir haben es verstanden. Und dann war die Frage, also klar, wenn ich dabei war und in der Moderation war, bin ich reingekratscht und so, ja, ich glaube, wir haben es jetzt alle, wer hat es verstanden und so. Also den Lustig abgefangen, nur die anderen Teammitglieder hatten so ein bisschen Herausforderungen, ihm das zu sagen. An der einen oder anderen Stelle, Saßen die da halt und so, jetzt hat der Timo schon wieder angefangen. Timo macht den Mund auf und ich sehe, wie der Stresslevel in den Augen der anderen anfängt zu steigen und sie anfangen irgendwie die Augen zu rollen.
Florian: Und heute hatte ich tatsächlich auch so eine ähnliche Situation. In einem anderen Unternehmen haben wir gerade an der Wand visualisiert, welche Aufgaben es gibt. Also da hängen jetzt vielleicht 100 Post-its an der Wand, so was ist das, was ein 15-köpfiges Team gerade alles tut. Und wir haben dann heute darüber gesprochen, wie so die ersten zwei Monate Erfahrungen damit sind. Und es kam sehr viel Positives und auch sehr viel Skepsis noch und ob das wirklich eine gute Idee ist oder nicht. Und dann haben wir uns die Wand einfach mal so von außen angeschaut, weil ich habe keine Ahnung, was die inhaltlich tun. Und dann kam an der einen Stelle, meinte ich so, aber bei dem einen da hängen schon sehr viele Zettel und der war zufällig heute nicht da. Und dann sind wir auf so eine Meta-Ebene gegangen und haben plötzlich einfach nur mal geguckt an der Wand. Wer kümmert sich eigentlich um was und wie voll sind die Sachen beieinander? Und dann habe ich gefragt, habt ihr eigentlich schon mal gefragt, warum bei dem jetzt sieben oder acht Zettel gleichzeitig... Also das sind so Aufgabenzettel, nur für alle, die sich damit nicht so auskennen. Genau, also so, weiß ich nicht, Projekt XY machen und irgendwie, da hat ein Kollege angerufen, möchte irgendwas haben. Konkret in dem Fall geht es um Programmieraufgaben, die die für andere Abteilungen machen. und dann hängen da halt so eine Handvoll Sachen und ich hab dann auch gefragt so, ja bei dem einen Kollegen sind schon mehr als bei allen anderen, habt ihr schon mal mit dem geredet, ob das normal ist, also ist das einfach gerade so eine Zeit oder ist das cool oder redet ihr da nicht drüber und dann waren die auch so, naja, dürfen wir das, wollen wir das, darf ich einen Kollegen fragen, ob er gerade zu viel zu tun hat und ist das vielleicht auch meine Aufgabe sogar. Das ist ja genau dieses Thema. Nur eben im beruflichen Kontext dann zu sagen, mir fällt da was auf, sag ich was.
Miriam: Es erinnert mich an zwei Sachen. Das eine ist dieses harmoniebedürftig sein. Manche Menschen sagen, ich bin halt so harmoniebedürftig. Ich möchte, dass alle Menschen um mich herum glücklich sind und dass alle mich lieben und deswegen mache ich es denen lieber recht und verkneife mir die eigenen Gefühle oder ich habe die schon, die eigenen Gefühle, nur ich sage es nicht, damit der andere nicht beleidigt ist.
Florian: Ja, genau.
Miriam: Und dann eben das, was du, Florian, im Vorfeld dieses Podcasts sehr schön gesagt hast, finde ich, nämlich ist es eine mangelnde Feedback-Kultur. Also gibt es überhaupt noch eine Feedback-Kultur? Können wir Menschen offenen Herzens… Manchmal bist du auch als Konflikt-Kultur.
Florian: Ja.
Miriam: Ja, mag ich nicht so. Ich finde Feedback-Kultur schöner, weil klar, auf alles, was ich sage zu einem anderen Menschen, kommt logischerweise irgendeine Reaktion. Das ist ja ein physisches Gesetz. Wenn ich dir was Nettes sage, kommt vermutlich zumindest nichts Bösartiges zurück in den meisten Fällen. Andersrum, wenn ich Kritik äußere oder wenn ich sogar vielleicht was Garstiges von mir gegeben hätte früher, dann wäre da auch entsprechend was zurückgeplottert. Und Von daher rechne ich ja aus meinen Erfahrungswerten heraus mit irgendwelchen Reaktionen. Es ist ja nicht approved. Also ich weiß, oder beziehungsweise meine Freundin wusste ja nicht, wie ihre Freundin reagieren würde. Die ich nicht kenne übrigens. Weil sie hat es ja noch nicht ausgesprochen. Es war ja nur ein Hinhalluzinieren von... Wenn ich das sage, ist sie vielleicht oder bestimmt beleidigt.
Florian: Sie hat jetzt erstmal die schönen Schuhe angezogen oder das, wie sagt man da, Leiberl dazu, oder?
Miriam: Leiberl, ja. Leiberl ist ein sehr schönes Wort, ja.
Florian: Ein Leiberl. Sie hat jetzt das Leiberl angezogen und jetzt kämen hinterher so, ja und das fand ich aber nicht so gut.
Miriam: Zieh sofort wieder aus.
Florian: Zieh sofort wieder aus. Das ist mein Leiberl.
Miriam: Florian würde sagen, da wäre ich dann gerne dabei. Bei diesem Konflikt. Ich helfe gerne. Ich, wie heißt das dann? Facilitate? Mediation? Ich biete mich an. Wir finden da eine Lösung.
Florian: Wir finden da eine Lösung, definitiv. Erstmal sollten wir wahrscheinlich alle Sachen auf die Seite legen.
Miriam: Siehst du, geht schon los. Es liegt immer im Auge des Betrachters, er weiß, was ich meine. Also das eine dieses, ich bin so harmoniebedürftig und möchte ja, dass alle Menschen sich geliebt fühlen und auf der anderen Seite dieses, also verlernen wir dadurch auch für unsere eigenen Gefühle, unsere Bedürfnisse einzutreten und einfach zu sagen, so ist das nun mal jetzt. Ich habe bei dir das Gefühl, ich habe das Gefühl zwischen uns beiden und wir leben ja nicht nur eine geschäftliche Beziehung, sondern auch eine sehr private. Und ich habe... Was ist denn das für eine Formulierung? Podcastisch, offiziell hier, hören, was weiß ich, Millionen von Menschen zu.
Florian: Ich gucke nicht so oft auf Facebook und ich bin immer erstaunt, ich wundere mich jedes Mal wieder drüber. Auf der einen Seite sind wir beide zu sehen bei dir.
Miriam: Ja, genau. Und ich habe das Gefühl, dass wir eine sehr gute Feedback-Kultur miteinander haben. Das heißt nicht, dass wir immer einer Meinung sind. Also bei uns rappelt es auch mal im Kardon, würde der Hesse sagen.
Florian: Was?
Miriam: Ah ja, schon, gell?
Florian: Willst du das jetzt hier breitreden?
Miriam: War das großartig? Wir haben ja diese Beziehungskiste auf YouTube.
Florian: Ja, das stimmt.
Miriam: Wo einer mal schrub, streitet ihr euch nie, oder was? Das war so ein bisschen so mit drei Fragezeichen aus dem Rucksack.
Florian: Nach außen sieht, ich glaube, das ist ja auch das Feedback im Practitioner oder in unseren Seminaren, wenn Leute uns so kennenlernen, es sieht nach außen sehr harmonisch aus und das ist in weiten Teilen innen auch harmonisch. Ich glaube, die Zeiten, in denen wir uns kabbeln wegen irgendwas, die halten wir bewusst sehr kurz.
Miriam: Ja, das stimmt. Und wir achten beide darauf. Und ich habe das Gefühl, oder du gibst mir, kannst du mir ein Gefühl geben? Nee, ich mache mir ein Gefühl, ne? Ja. Okay, also im Zusammenleben mit dir. Bau ich mir das Gefühl? Das klingt so oder so komisch.
Florian: Wenn man so vom neurolinguistischen Programmieren, wenn man in der Linguistik drin bleibt, dann passen manche von unseren Redewendungen, die wir so haben, nicht mehr.
Miriam: Super. Also dann fühle ich, dass ich mit dir über alle Themenbereiche sprechen kann. Dass es okay ist, wenn ich dir sage, an der Stelle ist bei mir irgendwie Schluss. Also es fühlt sich nicht mehr gut an für mich, ich habe da keinen Spaß mehr dran. Zum Beispiel, wenn ich mir Pommes bestelle und Florian will davon naschen. Es gibt so Stellen, in denen ich teile so gerne mit Florian und bei Essen echt ist eine Grenze erreicht.
Finger weg von meinen Pommes! Grenzen, Pommes und Lieblingsmarker
Florian: Und manchmal, ich habe das am Anfang auch versucht, das zu optimieren, weil ich, wenn wir irgendwie Fastfood essen gegangen sind, dann dachte ich mir, ja, die Miri, die isst ja jetzt nur die Pommes und möchte ein kleines Getränk dazu und ich mag die Pommes sowieso nicht so gerne. Dann nehme ich den Burger mit den großen Pommes und dem großen Getränk und gebe dann halt die Hälfte meiner Pommes ab, weil ich will sowieso nicht mehr als die Hälfte essen. Das funktioniert nicht. Nein. Da bin ich völlig dran vorbeigesegelt, weil das ist tatsächlich ja dann die Frage oder das, was auszusprechen ist unter Freunden oder eben im Kollegenkreis. Wie hättest du es denn gern?
Miriam: Ja.
Florian: Also wie sähe das denn gerne aus? Ist das okay, das Essen zu teilen? Machen wir eine große Platte am Tisch und jeder nimmt sich halt davon und wenn es leer ist, ist leer? Oder möchte jeder seine Portion haben?
Miriam: Du, das ist bestimmt witzig, mich zu beobachten, wenn wir in so einer Runde gemeinsam im Restaurant essen gehen und es sind so drei, vier dabei, die ihren Teller erstmal jedem anbieten und sagen, guck mal, willst du mal probieren von meinem? Willst du mal probieren?
Florian: Miriams Teller danach so, alles was lecker ist, ist von den anderen Tellern runter.
Miriam: Und von meinem gibt es nichts.
Florian: Wie komme ich dazu?
Miriam: Ich habe mir das ja bestellt, weil ich es essen will. Dann sollen sie sich doch das auch bestellen. Jetzt hör auf zu lachen. Das ist doch nichts anderes, oder? Und ich würde das auch erklären. Ich würde sagen, ich mag es nicht. Ich mag nicht, wenn andere Leute sich Pommes von meinem Teller nehmen. Ich mag es nicht. Ich teile quasi fast alles. Jeder, der freundlich auf mich zukommt und mich auf Sprachzauberei anspricht, bekommt von mir die größten Geheimnisse der Sprachzauberei verraten. Binnen, keine Ahnung, zwei Stunden. Und ich, also ich teile alle möglichen Dinge total gerne. Und beim Essen fühle ich. Und es ist okay.
Florian: Und das ist, glaube ich, der Trick, zu überlegen, was ist das, wo sind meine Grenzen, was ist das, wo ich sage, das möchte ich und das möchte ich. Das fühlt sich für mich vielleicht auch ja noch nicht gut an.
Miriam: Was soll denn das noch da drin? Ich habe nicht gesagt, dass ich das jemals ändern möchte.
Florian: Das ist ja beim Essen auch okay.
Miriam: Ich schau mal bei Amazon, ob es so einen kleinen Elektrozaun gibt für Teller.
Florian: Wir haben gerade diese leckeren Amaranth-Riegel gerade wieder.
Miriam: Das machst du nicht.
Florian: Das ist... Du merkst doch gar nicht, wenn da ein Zentimeter fehlt. Ich hab die abgezählt. Ja, du hast die abgezählt. Und ausgemessen. Also mindestens gleich, wenn der Podcast aufkommt.
Miriam: Jetzt geht's los.
Florian: Mit dem Maßband.
Miriam: Und jetzt kommen wir wieder zurück zu dem Thema, weil ich glaube tatsächlich, dass für manche Menschen eine riesen Hemmschwelle besteht. Ich habe es nicht mehr und ich trainiere seit mehr als vier Jahren fleißig im Bereich Kommunikation solche Situationen, weil für mich persönlich klar geworden ist, dass es total okay ist, anderen Menschen eine gute, klare Auskunft zu geben, über was es gerade in mir macht.
Was kann schlimmstenfalls passieren? Durchatmen, reframen, sich trauen
Florian: Und ich kann das nachvollziehen. Also ich komme immer mal wieder in so eine Situation rein, wo ich mir denke, gerade im Beruflichen auch, jetzt ist so eine Stelle da, jetzt kann ich was sagen. Und das zu sagen fühlt sich gefährlich an. Oder ich merke so, ja, auf der einen Seite eine Chance und auf der anderen Seite, wer weiß, wie gut das ankommt, wenn ich jetzt was sage. Und dann spüre ich ja auch in mir irgendwie so dieses Gefühl und die Frage ist... Fühlt sich das schon gut an oder müsste ich es eigentlich mal rumdrehen und mal irgendwie ganz anders betrachten oder ganz anders spüren, um mir dann zu trauen, tatsächlich was zu sagen? Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, diese Chancen zu nutzen.
Miriam: Und du bist ein sehr tiefenentspannter Mensch. Also in so einer Situation dann nicht in die Anspannung zu gehen. Ich bin dann früher dadurch, dass ich mir Gedanken gemacht habe, wie der andere im Zweifel reagieren könnte, wie schief oder krumm. habe ich mich total verkrampft. Ich hatte dann auch keine schönen Formulierungen mehr im Kopf, geschweige denn mit Humor oder sowas. Das wäre gar nicht möglich gewesen, weil ich vorher schon, ich habe die Welt untergehen sehen sozusagen. Wie machst du das denn im Moment?
Florian: Du nimmst einen tiefen Atemzug in solchen Situationen? Oder wie machst du es genau?
Miriam: Ja, und tatsächlich ein Satz, der mir hilft, und das ist jetzt echt auch für Menschen, die mit NLP noch gar nichts zu tun hatten oder die keinen unserer Kurse besucht haben. Für mich stellt sich dann ganz bewusst, stelle ich mir die Frage, was kann schlimmstenfalls passieren? Stirbt einer von uns beiden?
Florian: Und pass auf, ich gehe mit Absicht in dieses... Beim großen Pommes-Drama von 2018 vielleicht. Warte. großen Pommes-Drama von 2018. Das gab es überhaupt nicht.
Miriam: Tatsächlich stirbt keiner. Es könnte jemand danach behaupten, die Miriam ist ein Pommes-Egoist. Ja, gut. Stimmt. Würde ich mitleben dann. Würde ich sagen, ja, das ist richtig.
Florian: Und in vielen Situationen lässt es sich ja über kleine Euro-Beträge tatsächlich sogar regeln. Also jetzt zum Beispiel bei den Pommes. Wir könnten einfach an die Theke gehen und einfach noch eine große Portion Pommes kaufen und es ist irgendwie im Mini-Euro-Betrag.
Miriam: Das stimmt.
Florian: Also das wäre ja dann, das wäre was, was ich dann auch abprüfen würde. Keine Ahnung, ein Kollege von mir leiht sich meine Lieblingsmarker, und ich habe tatsächlich Lieblingsmarker für Flipcharts. Ja, das stimmt. Um mal Flipcharts zu schreiben. Wow, wow, wow. Ja, ein Kollege von mir leiht sich jetzt einen aus und vergisst den dann auf seinem Schreibtisch. Nur auch da rede ich über, weiß ich nicht, natürlich, wenn der Tausend davon nehmen würde.
Miriam: Geht's noch?
Florian: Nur im Normalfall, wenn dann mal einer verschütt geht, geht halt einer verschütt.
Miriam: Und auch da stirbt keiner. Es geht ja zum Zwischenmenschlichkeiten. Da dann hinzugehen und zu sagen, hör mal, ich möchte bitte, das sind meine absoluten Lieblingsmarker. Ich lege die unter mein Kopfkissen nachts, ich schlafe da drauf. Das sind, für mich ist das ein wichtiges...
Florian: Und das ist tatsächlich so. Und auf der anderen Seite stelle ich mir nicht nur die Frage, wie fühlt sich das für mich an, sondern auch die Frage, wie möchte ich an der Stelle sein? Also möchte ich wegen einem Stift jetzt mit jemandem darüber reden wollen, dass das irgendwie mein Marker war? Fühlt sich irgendwie doof an. Also, ja, weiß ich nicht. Also, wenn ich mir diesen Florian vorstelle in der Zukunft, das ist gar nicht der, der ich werden möchte. Sondern dann kaufe ich mir halt einfach nochmal einen Marker. Oder klaue ihn vom Schreibtisch zurück.
Miriam: Dann ist es vielleicht nicht so wichtig oder drängend, wie das Thema war, das meine Freundin hatte. Ja.
Florian: Vor ein paar Tagen. Und viele von den Themen sind wahrscheinlich nicht so dringend oder wichtig, ne?
Miriam: Genau.
Florian: Manche vielleicht noch wichtiger. Ja. Und viele sind einfach unterschwellig.
Miriam: Ja, das stimmt.
Florian: Dann kauft man halt einen zweiten Block noch.
Miriam: Ich finde dieses Durchatmen und Entspanntbleiben erstmal, weil sowieso keiner stirbt, weil es vielleicht eine beleidigte Leberwurst geben könnte oder früher gegeben hätte in so einem Kontext oder weil jemand sich einen Augenblick lang geärgert hätte, wäre es lange noch nicht ein dramatischer Vorfall. und echte Freunde, die Erfahrung habe ich in meinem Leben gemacht auf diesem Planeten, kündigen mir nicht die Freundschaft, weil ich sage, mein Teller ist ein Heiligtum. Du kannst dir gerne meine Nagellackfarben leihen, habe ich kein Thema mit, die Pommes.
Florian: Lass sie mir.
Miriam: So, kein Freund hat bis jetzt, keine Freundin hat bis jetzt deswegen die Freundschaft gekündigt. Das heißt, ich gehe davon aus, dass dieses entspannt durchatmen und es vielleicht witzig verkaufen, sogar mit diesem, ich schlafe nachts, unter meinem Kopfkissen liegen acht Marker verschiedener Farben, die dann für den nächsten Tag dadurch eingeschwungen sind. Und dann nehme ich die mit in die Firma. Also es wäre ja fast schon ein witziger Gedanke.
Florian: Bei mir ist es eher, ich bereite, und das bespreche ich dann auch mit den Kollegen, ich mache manchmal Schwellenvorbereitungen für irgendwelche Workshops oder Meetings. In manchen Formaten mache ich einfach keine Vorbereitung, außer dass ich meinen Markertopf auf den Tisch und ein paar Post-its greife und dann in ein Meeting reingehe. Wenn die dann nicht da sind, wird meine Flexibilität getestet.
Miriam: Das ist noch ein anderer Ansatz, ne?
Florian: Dann reframe ich mir das in dem Moment.
Miriam: Dann machen wir einen anderen Podcast zu.
Florian: Exakt. Nur auch eine Variante, eine Art.
Miriam: Reframing ist der Begriff für, ich finde, ich gebe der Sache einen anderen Rahmen oder ich finde was Gutes dran und konzentriere mich eher darauf. Wie war das denn dann mit diesem jungen Mann in dem Team, der immer zu viel geredet hat?
Eine Team-Regel, ein positives Feedback und lauter Schneeflöckchen
Florian: Erstmal, wir haben uns heute darauf geeinigt, wenn die vor der Wand stehen und die schauen sich an, was ist all das, was da an der Wand hängt, dass es okay ist. Und ich glaube, das war der Trick heute, dass wir mal in der Gruppe darüber gesprochen haben, dass es okay ist, dass die, wenn die was sehen, was sagen. Also da hängen irgendwie viele Aufgaben bei einer Person. und wir brauchten einmal diese bewusste Absprache, dass wir gesagt haben, es ist wichtig und gut, wenn wir darüber sprechen. Also ihr habt eine Regel. Wir haben uns eine Team-Regel gegeben an der Stelle, so wie wir es auch in der Beziehung machen können.
Miriam: Voll schön auch als Lösung, ne? In der Beziehung auch, stimmt.
Florian: Also idealerweise, ich würde mir vielleicht vorstellen, dieses Team ist jetzt noch nicht so lange zusammen, die gibt es irgendwie seit zwei oder drei Monaten. und die waren sehr individuell unterwegs vorher, dass es mit der Zeit vielleicht so ist, dass wir keine expliziten Regeln brauchen an der Stelle, sondern dass da so eine Großzügigkeit herrscht und das Vertrauen entwickelt sich ja dann auch Schritt für Schritt mit der Zeit und jeden Tag... Wächst ja dein Vertrauen in deine Fähigkeiten und die Leute um dich herum, die dir Gutes tun und mit denen du gerne Zeit verbringst. Und es braucht vielleicht an der einen oder anderen Stelle dann auch einfach ein bisschen Zeit, bis das ohne Regel geht. Und bei denen haben wir heute explizit eine Regel besprochen und dann gesagt, cool, das ist das. Und jetzt eine der kritischsten Personen, witzigerweise, der nimmt es jetzt mit, dass der immer mal auch so eine Meta-Betrachtung macht und so, wo stehen wir denn eigentlich gerade jetzt, ohne inhaltlich reinzugucken. Einfach nur, was ist das, was zu sehen ist. Und bei dem anderen Team, ja, irgendwann hat es einer auf den Tisch gebracht. Guck mal, der blickt dabei.
Miriam: Ist einer gestorben.
Florian: Irgendwann hat jemand gesagt, können wir jetzt das bitte abkürzen. Und es ist niemand gestorben. Der Kollege hat es auch nicht gewusst.
Miriam: Okay.
Florian: Also da war auch Fremdwahrnehmung, Eigenwahrnehmung. Es gab halt wichtige Dinge. Das ist ja oft so. Es gibt ja ein gemeinsames, größeres Ziel oft. Also was weiß ich, bei zwei Freundinnen ist es vielleicht, gerade wenn ich mir jemanden in meine Wohnung einlade, dann ist es einfach vielleicht viel Spaß zusammen zu haben oder große Freude zusammen zu haben. Und mit der Rückbesinnung da drauf... gehen auch Unterschiedlichkeiten an der einen oder anderen Stelle. Und in dem Team letztes Jahr war es tatsächlich so, der Kollege wollte halt sicherstellen, dass bestimmte Sachen nicht untergehen durch 17 Mal wiederholen. Und wenn wir ihm vorher klar machen konnten, ja, wir haben es verstanden und wir achten da drauf, dann hat er auch automatisch früher aufgehört. Nur das war einmal so ein, den durften wir einmal lernen gemeinsam. Und jetzt, was ist da hier
Miriam: Ja, du hast ja eh gerade angesprochen, die Freundin in der Wohnung, die da alles einfach mitbenutzt hat. Ich hätte ja auch lustige Ideen gehabt, wie ich da umgegangen wäre mit. Kam nicht so an.
Florian: Mit Niespulver in den Puder rein und so.
Miriam: Zum Beispiel, wenn die mein Parfum benutzen möchte, ich habe ja immer noch so ein paar alte Schätze im Schrank stehen, dann hätte ich die mal rausgeräumt und dann benutze ich wenigstens ein paar. Ja, gut, war jetzt nicht so in dem Fall. Tatsächlich hat meine Freundin sich dann getraut, mit ihr zu sprechen und es war ein Trauen, weil sie hatte alle möglichen Vorannahmen und Bedenken, dass es schief laufen könnte. und hat es sehr positiv formuliert, also ist auch ausgebildet in dem Bereich und hat es so formuliert, dass sie eben sagte, ich habe dich so gerne hier und das ist so eine tolle Zeit und ich möchte dich zu jeder Zeit, so lange du willst, so oft du willst, hier haben und dieser Schrank und diese Kleidung, das gehört einfach auch mit zu meinem Beruf, das ist was, was ganz wichtig ist für mich. und da lege ich sehr viel Wert darauf, dass ich da dran gehe und dass ich das Wenn verteile oder dass es eben auch einfach geschlossen bleibt und ich freue mich, wenn du da einfach Rücksicht auf mich nimmst. Und dann kam ein fantastisches Feedback, das sie selbst kaum geglaubt hätte, weil diese Freundin sagte, oh, da wo ich bin, wo meine Bekannten sind, die wohnen sehr weit weg, da ist es ganz normal, dass wir alles teilen und vielen Dank, dass du es mir gesagt hast, dann kann ich mich viel besser darauf einstellen, ich bin sowieso total glücklich, dass ich hier sein darf, wie schön es bei dir ist.
Florian: Gerade über diese kulturellen Grenzen. Wir tun ja immer so, als wären wir alle gleich nur. Du hast ja deine Vorlieben und jemand anders hat vielleicht seine Vorlieben und du darfst es der anderen Person manchmal einfach sagen.
Miriam: Und es war ein grandioses Feedback auch, also voller Größe, voller Verständnis, voller Toleranz, voller, auch, also es war so eine große Wichtigkeit zu spüren bei beiden in diesem, wir wollen diese Freundschaft. Diese Freundschaft ist viel wichtiger als das, nur... Wir nehmen es eben kurz an, so ähnlich wie wahrscheinlich in deinem Team auch. Und vielleicht ist es auch die Art und Weise, wie wir dann formulieren, wenn wir oder wenn du einmal kurz durchgeatmet hast.
Florian: Und das Tolle ist ja, in dieser Unterschiedlichkeit der Leute steckt ganz viel Wert drin. Also ich sehe das immer wieder, umso unterschiedlicher die Teams sind, umso... Vielleicht herausfordern oder, ja, hören wir schon, umso schwieriger ist diese initiale Phase des einmal Zusammenruckelns, aber machbar, aber schwierig, aber machbar. Und das lohnt sich. Also gerade wenn ich an den Timo zurückdenke und so, da ist tatsächlich Wert daraus entstanden, dass da sehr unterschiedliche Charaktere in dem Team drin waren. Das ist ja das, was dann oftmals dieses Salz in der Suppe ist.
Miriam: Das Kraftvoll, da ist plötzlich Musik drin, da ist Energie im Raum.
Florian: Damit können wir ja arbeiten, um was Tolles zu erreichen.
Miriam: Ich denke auch gerade im beruflichen Umfeld ist das eine Energiewertung und unser Gehirn wertet es irgendwie.
Florian: Und bei Freundinnen genau das gleiche.
Miriam: Und in der Beziehung auch.
Florian: Schneeflöckchen, ja genau. Wir sind alle Schneeflöckchen. Was meinst du damit? Wir sind alle sehr individuelle Schneeflöckchen.
Miriam: Keiner ist wie der andere. Und da steckt ganz viel Chance drin. Allen anderen immer gut geht. Manchmal ist es auch wichtig, dass Menschen sich darum kümmern, dass es ihnen selbst gut geht noch.
Florian: Das stimmt. Und darum ging es ja heute auch. Machen wir das nächste Woche wieder am Dienstag, oder wie?
Miriam: Natürlich. Wir verschieben doch jetzt nicht aus einer Laune heraus diese feste Instanz auf irgendeinen sinnfreien Wochentag. Der Dienstag ist gesetzt.
Florian: Es bleibt auch so.
Miriam: Ich habe mich daran gewöhnt. Ich mag es gerne, wenn Sachen immer gleich sind. Ihr dürftet jetzt Florians Gesicht sehen. Manchmal wünschte ich, wir würden mitfilmen. Vielleicht machen wir das irgendwann mal, dass wir den auch filmen, den Podcast. Ja, gut. Dann bis nächste Woche. Oder bis zum 25. in Arnsberg. Oder am 20. in Erkrad steht auf unserer Seite nächster NLP-Übungs- und Infoabend für 5 Euro. Bist du dabei?
Florian: für 5 Euro und da gibt es auch noch was zu trinken.
Miriam: Da gibt es sogar noch Wasser und einen Kaffee und einen Tee, glaube ich. Ganz süß organisiert, da üben wir NLP, da kannst du ein bisschen fühlen, was ist NLP, da sind Leute, die schon Ausbildung gemacht haben, Leute, die noch gar nichts...
Florian: Wir machen auf jeden Fall was Praktisches und falls du noch gar keinen Kontakt dazu hattest zu dem ganzen Thema und einfach nur mal reinschnuppern möchtest... Darfst du dich auch einfach zurücklehnen und dann wirst du da unterstützt. Da sind immer Leute dabei, die schon eine Ausbildung gemacht haben, die sich schon besser auskennen. Und das war eine sehr schöne Gruppe.
Miriam: Ja, beim letzten Mal. Das wird immer eine andere Gruppe sein, was auch toll ist.
Florian: Ja.
Miriam: Ja. Cool. Dann bis nächsten Dienstag oder wann anders.
Florian: Bis dann. Tschö.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.