Wäsche waschen lassen, sich bekochen lassen, morgens die dreckigen Teller einfach stehen lassen — und trotzdem 35 sein. Ab wann ist man eigentlich erwachsen? Mit 18? Wenn keiner mehr für einen aufräumt? Oder gar nicht so richtig? Miriam und Florian ringen sich an dieser Frage fast wund — und finden am Ende doch einen erstaunlich versöhnlichen Gedanken darüber, wie viel Kind ein Erwachsener vertragen darf.
Kinderschokolade und die erste Provokation
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: Ich habe eben, und das ist klassisch, ich habe eben zu Florian, Florian hat sich eine Kinderschokolade, Achtung, Werbung, Hashtag Werbung, hingelegt.
Florian: Nein, wir haben dafür gezahlt.
Miriam: Also, wir haben dafür gezahlt. Nicht Hashtag Werbung. Achso, okay, weil du hast die dir gekauft. Ja. Ich habe gesagt, du wirst doch jetzt keine Schokolade essen, während wir Podcast aufnehmen. Und in dem Augenblick, als ich anschalte für die Aufnahme, kruspelt es da.
Florian: Ich weiß auch nicht, ob ihr es hören werdet, weil ich höre es mir nachher mal an. Und wenn es zu heftig ist, schneide ich es raus.
Miriam: Ich glaube, wer das jetzt auf Auto volle Kanne laut gedreht hat, dem ist gerade das Lenkrad aus der Hand gefallen. Ist aber erstmal nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass das super albern und kindisch ist.
Florian: Was?
Miriam: Ja, das dann gerade zu machen.
Florian: Ich dachte jetzt, du meinst Kinderschokolade zu essen.
Miriam: Ja, das auch. Die ist auch in deinem Alter verboten.
Florian: Was ist denn das Thema heute?
Miriam: Erwachsen werden mit 35.
Florian: Ja, ist gut, bin ich nicht mehr.
Miriam: Ja, das stimmt. Dann bist du ja erwachsen.
Florian: Oder es ist zu spät.
Miriam: Wie geht nur mit 35? Ich habe nicht gesagt, okay, dann dürfen wir sagen, erwachsen werden ab 35. Woher kommt denn das Thema? Du hast es mitgebracht.
Florian: Ich habe es mitgebracht.
Miriam: Du hattest das mitgebracht aus einem Coaching im Business-Kontext, wo es darum ging, so dieses Verantwortung übernehmen und...
Florian: und lösen von den Eltern und sich noch in so einer Kinderrolle fühlen. Ich habe ja, der eine oder die andere weiß das vielleicht, ich arbeite ja in einer Familien GmbH. Ich bin der zweite Geschäftsführer neben meinem Vater. Und da kam schon von anderen Leuten manchmal so dieses... Und? Wann machst du denn deine eigene GbH auf? Oder willst du ewig unter den Fittichen bleiben? Und dann denke ich mir immer so, hm, naja, fühlt sich jetzt nicht so nach Fittichen bleiben an, fühlt sich nach...
Miriam: Läuft.
Florian: Zwei Adler fliegen nebeneinander durch die Alpen. Ah, das klingt schön. Nur, das ist ja dieses... Und wann stehst du mal auf eigenen Beinen?
Der magische Tisch und die Frage nach Ablösung
Miriam: Ist voll lustig, dass du das jetzt so sagst, weil ich habe bei dem Thema ganz andere Ideen. Wenn ich an Werd mal erwachsen mit 35 denke, dann denke ich echt an die, die mit 35 sich noch die Wäsche waschen lassen und Hotel Mama nutzen und sich bekochen lassen und dann steht abends wahlweise das Zeug irgendwie in der Mikrowelle oder in der Gefriertruhe. Ich habe sogar einen Bekannten, der wohnt quasi in einer Anliegerwohnung von seinen, oder Einliegerwohnung heißt das, eine Einliegerwohnung. Bei seinen Eltern. Und seine Mutter putzt und räumt auf, wenn er arbeiten geht.
Florian: Ist doch auch praktisch, oder?
Miriam: Ja. Dafür zahlen andere Leute viel Geld.
Florian: Wieso was ändern?
Miriam: Ja, ja, das ist ja genau die Stelle.
Florian: Lohnt sich's dann noch mit 35?
Miriam: Also sozusagen, ich habe mir dann überlegt, wäre es mir recht, wenn meine Mutter in unserer Wohnung ständig präsent ist? Ich habe gefragt, ob es mir recht ist, nicht ob es dir recht ist. Ja, es ist dir nicht recht. Lass mich doch mal ausreden. So. Und dann habe ich mir vorgestellt, wie sie da täglich käme, was meine Mutter übrigens nicht tut, weil sie hat Besseres zu tun. Und morgens unser Bett macht, saugt, die Bäder sauber macht, unsere Überbleibsel findet, weil wir morgens schnell das Haus verlassen haben und da werden dann auch mehr Überbleibsel, weil wir hätten ja dann jemand, der die weg macht. Achso, ja stimmt. Ist das dieser magische Tisch im Wohnzimmer?
Florian: Ja.
Miriam: Das war das Beste, was ich in letzter Zeit gesehen habe. Gibt es da einen Link, den wir posten können?
Florian: Ja, wir können den Link in die Shownotes reinmachen.
Miriam: Oh, hab ich Tränen gelacht, ne?
Florian: Wenn wir den jetzt wirklich im Raum hängen lassen, willst du diesen Cliffhanger im Raum hängen lassen?
Miriam: Ich war ja eben bei meiner Mutter.
Florian: Ja, und dann warst du beim magischen Tisch.
Miriam: Das ist eine super Geschichte, oder? Die ist eh auf Englisch, wir können sie jetzt auf Deutsch erzählen. Du kannst es besser als ich, oder? Die Freundin kommt in die Wohnung.
Florian: von der Arbeit, total fertig, den ganzen Tag gearbeitet, kommt nach Hause und meint, oh, ich schaffe heute den Abwasch nicht mehr und ich habe auch keine Lust noch was zu kochen und das mit der Wäsche ist mir, das ist alles zu viel, ich bin so, ich habe so viel zu tun gerade in der Arbeit. Und dann guckt ihr Mann sie an und meint so, Schatz, also ich weiß gar nicht, ob ich dir davon erzählen soll, weil... Seit du hier eingezogen bist, hat sich hier nämlich was verändert. Es gibt diesen Tisch in unserem Wohnzimmer und wenn man da Geschirr drauf stellt, am nächsten Morgen, magisch, ist alles aufgeräumt und im Schrank. Sogar durch die Waschmaschine, durch die Spülmaschine durch. Und dann gibt's diesen, da gibt's so einen Korb im Badezimmer. Und die dreckige Wäsche, wenn man die in die Nähe von diesem Korb wirft, dann taucht die ein paar Tage später wieder gefaltet im Schrank auf. Dein Gesicht jetzt. Und sie schaut ihn immer entgeisterter an. Und er so, nein, nein, wirklich.
Miriam: Wirklich. Wirklich. Ich hab schon Vollgas gegeben. Ich hab auf diesem Tisch ein Chaos hinterlassen. Ich hab Schokolade überall hingeschmiert und hab dreckigste Teller und am nächsten Morgen alles weg. Und wie das ausgeht, wie dieser Clip ausgeht, wir verlinken den. Wir verlinken den. So egal. Also wenn ich mir das vorstellen würde, meine Mutter wäre dieser magische Tisch. Also meine Mutter würde das jeden Tag machen und würde unsere Schubladen öffnen und würde unsere Unterlagen überall sehen und würde alles, was wir tun. Das ist so das eine. Also ja, es wäre nicht schlimm für mich.
Florian: Es ist dieses Unterlagen sehen und...
Miriam: Nee, das ist sowas dazwischen. Es wäre nicht schlimm, sie dürfte das alles sehen und es wird sich komisch anfühlen, sie als meine Mutter so als Hausgeist da irgendwie zu haben.
Florian: Ich möchte nicht, dass jemand anders in meinem Kuhstrom griffelt.
Miriam: Ja gut, wir haben eine Frau, die uns hilft, einmal in der Woche.
Florian: Ja, die hat einen Job.
Miriam: Und die darf dann?
Florian: Ja, die habe ich mir ausgesucht und wenn sie da drin rumgriffelt in einer Art und Weise, wie ich das nicht möchte, dann kann ich darüber mit ihr reden und kann ihr sagen, sie soll es bitte lassen.
Miriam: Okay. Also ist es sowas wie Privatsphäre-Gefühl?
Florian: Witzig, dass du sagst, es hat für mich wenig mit Privatsphäre zu tun, sondern tatsächlich mit Ablösung von diesen, für mich mit Ablösung von diesen alten Sachen, wo ich sagen würde, möchte ich tatsächlich nicht. Ich möchte entscheiden, wie meine Sachen aufgeräumt sind oder nicht und ob mir jemand dabei hilft oder nicht, ist völlig meine Entscheidung. Und dann, Miriam und ich wohnen zusammen, eben unsere Entscheidung für die Bereiche, in denen es uns betrifft.
Bällchen Eis, Konsequenzen und die Frage: Bist du erwachsen?
Miriam: Was ist denn das dann überhaupt mit diesem Erwachsenwerden? Was bedeutet das denn?
Florian: Ja, normal ist das schon nicht, wenn man mit 35 noch die Wäsche gewaschen bekommt von der Mama, oder?
Miriam: Ja, manche bekommen es dann halt von ihrer Frau gewaschen oder vom magischen Tisch.
Florian: Ist das anders?
Miriam: Ja, das ist nämlich die Frage, die habe ich mir gerade gestellt. So, wenn das dann nur ein anderer übernimmt, das, was ich die ganze Zeit schon, also was die Eltern vorher gemacht haben, übernimmt dann der Partner? Ich weiß nicht. Und hat das was damit zu tun? Ist das damit gemeint? Ist Erwachsenwerden damit gemeint? Was bedeutet denn Erwachsensein?
Florian: Die schönste Definition von Erwachsensein, die ich kenne, ist dieses, oh, ich weiß gar nicht, wo die her ist.
Miriam: Guck mal, ich bin richtig aufgebürstet hier, das ist ein richtig gutes Thema für mich, ja? Sag mal.
Florian: Ist dieses, der Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen ist, dass du so viele Bällchen Eis essen kannst, wie du möchtest, nur du zahlst sie selber.
Miriam: Ja, zieht bei mir nicht so. Du hast mir den schon mal gesagt und ich finde ihn nicht...
Florian: Doch, ich finde den sehr schlau.
Miriam: Also auch Kinder können ja schon Konsequenzen tragen aus ihrem Verhalten zum Beispiel. Das ist ja wie ein Bezahlen, wenn wir schon bei dieser Metapher sind. Also wenn, jetzt vielleicht nicht mit zwei oder mit drei, wobei mit drei schon, doch auch da schon, nur nicht in dem Umfang, wie es ein Erwachsener machen würde. Für Kleinigkeiten schon. Also auch unser Jüngster, der ist ja sieben, der kann schon verstehen, dass bestimmte Handlungsweisen, die er macht, eben zu bestimmten Ergebnissen führen. Und dass er das dann war.
Florian: Und wir stecken sozusagen noch die Grenzen für... Also so endgültig geht das mit den Konsequenzen nicht. Was war denn zum Beispiel... Er hat mal mit einer Münze gegen die Tür geklopft, weil es lauter war als nur mit der Hand. Das ist was anderes als wenn er den Tintenkiller für sein Heft nimmt und einfach einen Fehler einfach so raus macht. Dass es da halt Unterschiede gibt in wie stark sind die Konsequenzen, das ist schwierig abzuschätzen, finde ich.
Miriam: Finde ich auch. Bist du denn erwachsen?
Florian: Ich? Im Rahmen meiner Möglichkeiten.
Miriam: Und was bedeutet erwachsen für dich?
Florian: Dass ich so viele Bällchen Eis essen kann, wie ich will, nur ich zahle selber dafür. Nimmst dir auch selber zu. Ich nehme dann selber zu. Und das heißt auch, dass ich bei irgendeinem Kunden irgendwelche Business-Geschichten mache. Oder dass wir einen Practitioner geben oder was auch immer. Und das hat auch noch andere Gründe. Ich habe mir ja die Art von Arbeit, die ich möchte, rausgesucht.
Miriam: Ist es immer noch der Gedanke von, du versorgst dich selbst?
Florian: Inklusive, ich räume morgens im Bad meine Wäsche weg.
Miriam: Ja.
Florian: Im Rahmen meiner Möglichkeiten.
Miriam: Im Rahmen meiner Möglichkeiten und dessen, was ich für sinnvoll halte. Tja, gut, dann beenden wir diesen Podcast hier. Ich habe jetzt schon keine Lust mehr. Echt, das ist dieses Thema, auf der einen Seite wird ja von vielen Menschen, auch Mentalcoaches, Lifecoaches da draußen gepredigt, dass wir wieder zurückkommen zu dieser kindlichen Begeisterung und dieser kindlichen Freude über die Welt und dass wir uns über Gänseblümchen am Wegesrand freuen und über die Wolkenbilder am Himmel. und dass wir ein Liedchen pfeifen, während wir im Supermarkt einkaufen gehen und uns auch nicht davon abhalten lassen, egal für wie verrückt die Leute uns halten. So, auf der anderen Seite predigen die, die sagen, jeder hat für sein Leben die volle Verantwortung, was wir wollen, ist Kinder erziehen, die selbstverantwortlich handeln und die sich gut um sich selbst kümmern. Gut. Dann ist es ja doch so eine Art Ernst des Lebens, der da kommt. Oder was jetzt nicht? Oder wenn ich pfeifend und sinkend meine Wäsche zu meiner Mutter trage und mich freue, dass sie das immer noch macht und ich dafür dann lieber am Wegesrand Gänseblümchen pflücken gehen kann. Wo ist der Sinn? Ich verstehe es nicht. Wann bin ich denn erwachsen? Bin ich erwachsen? Ich bin Mitte 40. Bin ich jetzt erwachsen? Ich benehme mich manchmal nicht erwachsen. Manchmal schon.
Florian: Ist es nicht auch erwachsen, sich in Situationen, wo man sich nicht erwachsen benehmen braucht, nicht zwingend erwachsen zu benehmen? Wach, wach, wach, wach, wach, so wie du mich jetzt gerade anschaust.
Miriam: Ich hab's auch nicht verstanden. Ich hab's gemerkt.
Florian: Also dass ich als Erwachsener eben abschätzen kann, wann sind Situationen, wo bestimmte Sachen gehen und andere Situationen, wo es nicht geht. Also es gibt Situationen, in denen die kindliche Freude super schön ist und dann gibt es eben Situationen, in denen das nicht angebracht ist.
Miriam: Und was heißt angebracht?
Florian: Mir ist jetzt das Thema auch zu schwer. Jetzt hast du mich auch dazu gebracht.
Miriam: So, so. Das ist der erste Podcast, wo wir kapitulieren. Wir streichen die Segel. Werdet doch erwachsen da draußen ohne uns. So.
Florian: Wir steigen aus. Nee, so können wir nicht aufhören.
Miriam: Nee, das geht nicht, ne?
Florian: Nein, nein, nein.
Ab 18 erwachsen? Was der Spruch wirklich meint
Miriam: Das geht nicht. So funktioniert das auch nicht. Schließlich werden wir ja körperlich schon irgendwie erwachsen.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Irgendwann hat irgendjemand und ich habe keine Ahnung wann und wie gesagt, wenn wir 18 sind in Deutschland, sind wir qua erwachsen.
Florian: Exakt. Dann gilt zumindest, dann dürfen wir wählen, dann dürfen wir Auto fahren.
Miriam: In bestimmte Kino, also in alle Kinofilme gehen und wir wandern in den richtigen Knast.
Florian: Ja.
Miriam: Wenn wir irgendwas gemacht haben, ne?
Florian: Wir sind geschlechtsreif. Schon ein paar Jahre früher, nur das ist auch schon.
Miriam: Guck mal, ich habe neulich wieder gehört von meiner Nachbarin, die werden immer früher geschlechtsreif.
Florian: Die Menschen. Ja, ich gucke ja keine Nachrichten, ich weiß es nicht.
Miriam: Ja, okay, also das heißt, es gibt so eine Art Schwelle, wo sozusagen körperliches Wachstum ziemlich dann zu Ende ist, was jetzt in die Höhe so und wo alle Knochen ausgebildet sind und alle Organe und das Gehirn im Rahmen der Möglichkeiten und so weiter. Das wäre dann die Stelle, wo wir sagen, biologisch erwachsen. Können wir uns damit abfinden? Wäre das okay, zu sagen, alle sind halt ab 18 erwachsen und aus? und was sie dann tun damit. Also sie haben diesen wunderbaren Körper, sie haben dieses dann ausgewachsene Gehirn. So, dann sollen sie doch Spaß haben damit. Also ist doch gut. Dann haben die Männer viel Kraft und können Marathon laufen und Gewichte stemmen und die Frauen auch.
Florian: Sie können für sich selber Entscheidungen treffen und die Konsequenzen tragen oder erhoffen. Sie können andere Menschen in die Welt bringen und sinnvoll auch an den gleichen Punkt bringen
Miriam: Wo wird es seltsam? Warum gibt es diesen Podcast dann?
Florian: Wenn wir davon ausgehen, dass wir hauptsächlich von erwachsenen Menschen... Weil den Spruch kennen wir schon, ne? Vielleicht kennst du als Hörer den Spruch da draußen auch schon. Der sollte endlich mal erwachsen werden.
Miriam: Aha.
Florian: Und gemeint sind meistens ja Personen, die sehr naiv handeln und kindlich handeln, die nicht abschätzen, was die Konsequenzen ihrer Handlungen sind. Die vielleicht auch romantisch sich ja hoffen, dass da draußen die Welt ein ganz klein bisschen schöner sein könnte für sie, was auch immer das dann konkret bedeutet, als die Erfahrung der Leute um sie herum ist.
Miriam: Stimmt. Das wird auch oft so interpretiert, ne? Also statt diesen Schwung aufzunehmen von, jetzt bin ich von Gesetzes wegen und biologisch betrachtet erwachsen, gehe wachsen.
Florian: Ich kann politisch Entscheidungen treffen.
Miriam: Und kann mein Leben gestalten oder gestalte mein Leben, trage die Konsequenzen aus meinen Entscheidungen. Ja, und in den meisten Fällen werden die positiv sein, denn Konsequenz kann ja auch etwas Positives sein. Die meisten Menschen gehen ja immer davon aus, dass Konsequenz klingt so huiuiui. Erfolg ist ja auch eine Konsequenz eines Handels. Und wäre das okay zu sagen, ab dann einfach jeder wie er will? Nein, offensichtlich nicht. Denn dieses Erwachsenwerden wird ja, so wie du es zitierst, hergenommen so nach dem Motto, der freut sich zu viel. Der hat wohl irgendwie den Flo an der Wand nicht husten gehört. Ja, so wenn der mal die Augen aufmachen würde, dann... Das ist ja dieses, jetzt werde doch endlich mal erwachsen. So einfach ist das Leben nicht. Und sich darauf einzuschwingen, huiuiuiui, also da, da sträuben sich mir die Nackenhaare. Das eben nicht.
Polynesisches Segeln und die Kraft der naiven Vision
Florian: Vor allem, weil es da auch Forschung in andere Richtungen gibt. Das, was mir gerade eingefallen ist, wenn ich in Firmen komme, mit einem neuen Team zusammenarbeite, dann wünsche ich mir immer, dass wir ideal zusammenarbeiten. Also diese ganzen Unterschiedlichkeiten der Menschen, die im Raum sind, zusammenkommen, um gemeinsam ein großes Ganzes, noch viel, noch was viel Tolleres zusammenzumachen, als die Summe der Einzelteile, weil wir diese Unterschiedlichkeiten so wahnsinnig gut nutzen können. Und das ist ja so eine könnte man schon sagen, ne? Eine romantisch-naive Vorstellung darüber, wie vielleicht 52-jährige Programmierer in Großkonzernen arbeiten. Also da trifft ja meine naive, meine schöne Vorstellung von der Welt dann auf 40 Jahre in einem Konzern gearbeitet, gell? noch in einem sehr trocken analytischen Beruf und Erfahrungen da gemacht. Nur dann auf der anderen Seite gibt es eben diese Forschung dazu, dass es im Wesentlichen davon abhängt, wie lange in so einer Coaching-Beziehung, nicht wie lange, wie in einer Coaching-Beziehung der Coach über den Coachie nachdenkt. Also sehe ich denn dieses Potenzial in den Leuten? Wenn ich als Coach dieses Potenzial schon nicht sehe, wie wahrscheinlich ist es denn dann überhaupt, dass die das erreichen können? Oder anders den Sprung, wenn ich nicht kindlich naiv auf die Welt schaue und sage, wow, da sind Dinge möglich, wo ich vielleicht im Moment gar keinen Weg weiß, wie wir da hinkommen wollen. Wenn ich das nicht habe, dann fange ich vielleicht nie an, in diese Richtung zu arbeiten und dann kommen wir nicht so weit, wie wir vielleicht kommen könnten.
Miriam: Also schon ein paar Flausen im Kopf haben.
Florian: Schon ein paar, na klar.
Miriam: Na klar. Wenn wir es auf dieses kreative, fröhliche, die Welt genießen, im Moment sein, also beobachte Kinder.
Florian: Ja.
Miriam: Wie die handeln. Ein Stück davon sich zu erhalten, in diesen vielen Möglichkeiten und Freiheiten, die ich als Erwachsener dann dazu bekomme.
Florian: Weil es ganz rational schlau ist. Weil es selbst aus der Erwachsenenperspektive sehr schlau ist, der Gunter Schmidt bezeichnet es als das polynesische Segeln. Dieses, wir stehen auf einer Insel, irgendwo im Pazifik und das ist unsere Insel und am Horizont ist nirgends eine andere Insel zu sehen. So und jetzt haben die irgendwie den ganzen Pazifik erobert und wie? Irgendjemand hatte offensichtlich den Traum, von dieser Insel wegzukommen, aufs Meer zu gehen, irgendwas anderes zu entdecken. Vielleicht waren auch die Ressourcen das, die gesagt haben, okay, unsere Ressourcenlage treibt uns daraus, nur es ist diese große Vision von was da draußen, das uns den ersten Schritt machen lässt. Und das ist oftmals vielleicht eine Vorstellung von, da sind dann in der Vorstellung weniger Probleme, als ein Kritiker oder ein sehr skeptischer Mensch sie vielleicht von vornherein sehen würde und sagen würde, naja, es geht ja sowieso nicht. Am Wochenende waren wir doch auf den Musicalproben.
Miriam: Ja, das stimmt. Florian und ich stehen gemeinsam auf der Bühne im November und im Dezember eine 14-tägige Musical-Tournee und wir werden gemeinsam im gleichen Stück Schauspielern singen und tanzen.
Florian: Und beteiligt sind wie viele Leute?
Miriam: Insgesamt fast 100.
Florian: Fast 100. Und wir waren an diesem Wochenende zum Proben so fast 60 Darsteller. Und dann kommt noch ein Orchester dazu.
Miriam: Ja, auch 20.
Florian: Plus eben alle, die hinter den Kulissen dafür sorgen, dass das alles funktionieren kann. Und da würden viele Leute wahrscheinlich sagen, ein Verein, wo das alles Freiwillige sind, die da dran arbeiten, das ist doch gar nicht machbar, oder? Also wie geht das denn?
Miriam: Ja, weil ein Kindskorb an der Spitze ist wahrscheinlich. Einer, der tatsächlich an diesen Zauber der Bühne glaubt, so fest wie an, dass die Sonne morgen aufgeht und am Abend wieder untergeht. Und der sein ganzes Leben dieser Sache verschreibt und so viel Energie und Kraft in seine Vorstellung von so wird das am Ende aussehen hineingibt, dass er 60, 70, 80 Leute mit sich ziehen kann. Und da findet er selbstverständlich dann wieder Andockstellen. Ist das dann dieses Kindliche? Ist es dieses, der ist nie richtig erwachsen geworden? Ist es das?
Florian: Für mich auf jeden Fall ein Aspekt davon.
Miriam: Und ist Erwachsen dann nicht fürchterlich schlecht konnotiert? Wenn ich Erwachsen mit ich sitze nur noch zu Hause und denke mir die Welt schlecht irgendwie verbinde?
Der Träumer, der Realist und der Kritiker — und wann man welchen Hut aufsetzt
Florian: Wir geben ja jetzt hier einen NLP Practitioner und eins der schönen Modelle, die es da gibt, ist das von Walt Disney. Robert Dilts, einer von den ganz frühen Miterforschern von NLP dann noch, gegründet wurde das Ganze ja oder erfunden, erforscht von Richard Bandler und John Grinder und dann Robert Dilts war einer der frühen Mitforscher, die dazu kamen und der hat eben mal überlegt, wie funktioniert eigentlich Walt Disney, wie kommt der auf solche kreativen Ideen? Woher kommt sowas wie der Zauberlehrling damals noch? Mickey Mouse, Bambi, Donald Duck, die Klassiker. Wie ist diese Kreativität entstanden? Und diese Brillanz und das, dass es über Jahrzehnte Menschen begleitet. Und er sagt, der Walt Disney hat drei explizite Rollen eingenommen. Nämlich einmal diesen Träumer, wo es erstmal nur darum geht, in die Möglichkeiten reinzugehen und einfach nur zu träumen. Bevor dann der Realist kommt als zweite Rolle, der dann überlegt, wie können wir das jetzt umsetzen, also was davon ist denn überhaupt machbar? Und wie könnten wir das, was der Träumer geträumt hat, wie können wir das jetzt Wirklichkeit werden lassen? und dann der Kritiker als dritte große Rolle, der dann sagt, das geht nicht wegen Weil und dann vielleicht auch gute Gründe hat und die wieder den Träumer informieren und sagen, ja und dann mit dem Wissen von dem Realisten und dem Kritiker, wie kann der Träumer dann wieder neu träumen und wie kann der Realist dann wieder anfangen, das in die Wirklichkeit, das schaffen zu machen und wie kann der Kritiker dann wieder, was kritisiert er dann neu daran?
Miriam: Also ist voll gut eine multiple Persönlichkeit.
Florian: Vielleicht ist es die gleiche Persönlichkeit, bloß mit unterschiedlichen Hütern. Sehr cool. De Bono, ne? Einer von den brillanten Denkern des 20. Jahrhunderts. Einer mit einem der größten IQs auch. Der hat sich dafür einfach sechs Denkhüte geschaffen, die man theoretisch sich anziehen kann. Dann gibt es halt verschiedene Hutfarben, die verschiedene Sachen bedeuten. Gleiche Idee. Und vielleicht ist es dann gut, den Erwachsenenhut an der einen oder anderen Stelle mal abzusetzen. Und da waren wir ja auch. Vielleicht ist es auch gut, den Erwachsenenhut manchmal aufzusetzen.
Miriam: Ja. Ja. Ach schön. Das mag ich.
Florian: Nur was heißt das denn für jemand, der sich bisher seine Wäsche hat laschen lassen und mit 35 noch zu Hause wohnt?
Wenn es für alle gut ist — der versöhnliche Schluss
Miriam: Wie du schon gesagt hast, wenn das für alle Beteiligten voll gut ist. Also, verstehst du, solange die Mutter nicht irgendwann sagt, ich kann und will nicht mehr, ich wandere jetzt aus nach Australien.
Florian: Oder vielleicht gibt es diese anderen großen Traum, diese andere Vision von selber Familie gründen, irgendwo autark leben oder sonst irgendwas, wo vielleicht bisher Ängste im Raum waren oder irgendwelche Befürchtungen im Raum waren, was dann passieren könnte. Das ist, glaube ich, dann tatsächlich die Frage. Weil wenn es für alle gut ist, ist es für alle einfach gut.
Miriam: Ja. Also ich schuckele den mittlerweile exakt so. Weil wenn wir, auf der einen Seite sagen wir ja auch im NLP Geschenke annehmen, also es ist etwas, was, wenn es fein ist, ist es fein. Wir beide würden es nicht wollen, so weil wir sagen, wir wollen an der Stelle eben auch unseren eigenen Rhythmus entwickeln und uns selbst versorgen dürfen oder uns das gestatten, dass wir uns da so eine eigene Freiheit auch erschaffen, dadurch, dass wir das können und wollen. Und für uns gehört es dazu, ja. Vielleicht gehört für dich das auch dazu. Ja, stimmt.
Florian: Weil wir darüber ganz viel Interaktion schaffen, ganz viel Gemeinsamkeiten schaffen auf einer Ebene, die uns beiden sehr viel Spaß macht.
Miriam: Weißt du, was mich da auch am meisten dran stört eigentlich?
Florian: Was denn?
Miriam: Eigentlich.
Florian: Ja, was denn?
Miriam: Dass du nur eine Kinderschokolade trinkst.
Florian: Ist noch was drin, glaube ich.
Miriam: Ist noch was da? Zeig mal. Dann esse ich die jetzt. So. Kann ich mal mit vollem Mund den Podcast zu Ende moderieren?
Florian: Go for it.
Miriam: Ihr Lieben, werdet genauso viel erwachsen, wie es für euch richtig ist, echt. Und den Rest lasst sein. Egal, was die anderen sagen. Wer mehr über Disney erfahren möchte, vielleicht verlinkt ja Florian neben dem magischen Tisch auch irgendwie den Dilts. Finden wir da was? Haben wir da ein Buch?
Florian: Ja, es gibt, klar. Oh, cool. Ich weiß nicht, ob es auf Deutsch gibt. Ich such mal den Link raus.
Miriam: Danke fürs Zuhören. Bis zur nächsten Woche!
Florian: Wenn's wieder heißt... Wow!
Miriam: Weißt du, wie der Claim geht?
Florian: Wir gehen ins Thema rein. Ja. Nächste Woche suchen wir uns wieder ein schweres Thema aus. Mit den schweren Themen kommen wir irgendwie besser klar.
Miriam: Ich fand's auch super. Das war der erste Podcast, wo wir fast ausgestiegen wären in der Mitte. Boah, den markieren wir uns. Ihr Lieben, bis nächste Woche!
Florian: Bis dann, tschüss!
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.