NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 140

Metamodell der Sprache Gedankenlesen

Wenn ich so in meine Kristallkugel schaue, dann weiss ich doch, was du denkst!

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In dieser Folge

Darum geht es

Das Metamodell der Sprache ist der investigativste Weg aus dem NLP, die eigene und die Welt unserer Mitmenschen besser zu verstehen. Diese zweite Folge einer vielteiligen Serie darüber verrät Dir etwas über das Phänomen der sogenannten „Gedankenleserei“, das Mind Reading. Viele Menschen praktizieren diese mysteriöse Art der Welterklärung täglich mehrfach - und merken es gar nicht. Dabei unterscheidet es sich nicht wirklich vom Hand- oder Kaffeesatzlesen auf dem Jahrmarkt. Außer dass hier wenigsten vermeintlichen Regeln gefolgt und Geld für die Deutung bezahlt wird. „Ich weiß genau, was Du jetzt gerade denkst“ ist einer der Klassiker - und wird selten präzise hinterfragt. Wir steigen also ein in den „Läster-Schwester-Podcast“, denn oft ist die Vermutung über das, was andere denken, eher von Befürchtungen geprägt, als von Wohlwollen. Und - wie wäre es mal in umgekehrt: Du schaust so, als würdest Du mich total klasse finden. Das ist ja super! 😊

Es geht um Mind Reading und die Verzerrungen im Metamodell der Sprache: das Hineininterpretieren in Blicke, zusammengezogene Augenbrauen und den skeptisch guckenden Kollegen am Morgen. Miriam erzählt die Geschichte ihrer Groupies und die „Geschenke-Regel“ ihrer Freundin Susanne — warum du Komplimente einfach annehmen darfst, egal aus welchem Beweggrund. Außerdem: die Schlüsselfrage „Woher weißt du das?“, zirkuläre Fragen und Check-ins aus dem systemischen Coaching, der Männer-„Nichtsraum“ nach John Lawal und die Frage, ob wirklich jeder dich toll finden muss.

Lesefassung

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Kapitel dieser Folge
  1. Augenbrauen und Vorhersagen: der Einstieg ins Gedankenlesen
  2. Warum wir meist das Schlechte unterstellen
  3. Die Geschenke-Regel: Komplimente einfach annehmen
  4. Einfach fragen: Check-ins und der Nichtsraum
  5. Muss mich jeder toll finden? Ziele statt Halluzinationen
  6. Woher weißt du das? Der Weg raus aus der Verzerrung

„Ich weiß genau, was du gerade denkst.“ Diesen Satz sagen wir öfter, als uns lieb ist — meist über andere, meist im negativen Sinn. Miriam und Florian schauen sich in dieser Folge das Mind Reading an: das Hineindenken in fremde Köpfe, das wir tagtäglich betreiben, ohne es zu merken. Und sie fragen, was eigentlich passieren würde, wenn wir uns mal das Gute unterstellen.

Augenbrauen und Vorhersagen: der Einstieg ins Gedankenlesen

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Ich glaube, ich weiß, was du denkst über die heutige Folge.

Florian: Ja, was denn?

Miriam: Ja, dass es nicht dein Lieblingsthema ist.

Florian: Was? Ja. Woran machst du denn fest, dass ich das glaube?

Miriam: Du guckst schon so komisch. Immer wenn du die Augenbrauen so zusammenziehst, bevor wir die Aufnahme starten, dann ist es nicht so dein Lieblingsthema.

Florian: Wie zusammenziehe?

Miriam: Ja, du ziehst manchmal die Augenbrauen so komisch zusammen, bevor wir anfangen mit dem Podcast.

Florian: Aha, kannst du es mir mal vormachen? Schade, dass es ein Hörpodcast ist und kein Sehpodcast. Vielleicht nehmen wir ein Foto davon als Titelbild für den Podcast. Hallo.

Miriam: Hallo. So, und jetzt mache ich das Thema am besten alleine.

Florian: Wieso?

Miriam: Ja, weil du ja besser kein Thema anfassen solltest, wo du keine Freude dran hast.

Florian: Ja, vielleicht solltest du kein Thema anfassen, woran du keine Freude hast. Wieso? Ich habe doch Freude dran.

Miriam: Oh, immer wenn du das sagst, dann weiß ich ganz genau, dass du es gar nicht toll findest.

Florian: Warum? Woher weißt du, dass ich es nicht toll finde?

Miriam: Weil du es sonst nicht sagen würdest. Was ist denn das Thema heute? Das Thema ist Glaskugelleserei oder auch Mindreading.

Florian: Mindreading?

Miriam: Ja, da würden wir ja Gedanken lesen.

Florian: Wir sind weiter im Meta-Modell der Sprache unterwegs.

Miriam: Das stimmt, das ist der zweite Teil des Meta-Modell-Kapitels.

Florian: Diesmal bei den Verzerrungen, also bei all dem, wo wir die Welt ganz anders darstellen, als sie vielleicht in ihrer Natur ist.

Miriam: Das sind Verzerrungen und das machen wir über sprachliche Mittel, wir Menschen. Gedanken und auch das, was wir teilweise häufig sogar auf den Außenlautsprecher geben, wie wir im NLP so schön sagen. Denn bevor du etwas sagst, kommt ja der Gedanke hoffentlich und danach redest du dann. Und in irgendeiner Weise formt dein Gehirn Laute zu Worten, Worte zu Sätzen, Sätze dann zu fertigen Konstrukten und die kommen dann irgendwie auch raus. Und eine sehr, sehr übliche Variante des Meta-Modells. Und das ist wieder so schön. Das NLP erfindet die Sprachen nicht neu, sondern es geht vielmehr darum, dass du dir an bestimmten Stellen in der Kommunikation bewusst wirst darüber, was da gerade passiert und wofür es nützlich ist oder wofür vielleicht auch mal nicht. Und da sind wir hier bei einem wirklich tollen Thema, weil Gedankenlesen betreiben Menschen da draußen sehr selbstverständlich und statt Geld dafür zu nehmen, so wie die Zirkus-Gedankenleser das früher gemacht haben, machen sie es kostenlos.

Florian: Kostenlos?

Miriam: Ja, kostenloses Gedankenlesen.

Florian: Bei anderen Menschen? Nur, dass ich im Zirkus, wenn ich dafür zahle, auch erwarte, dass das richtig ist.

Miriam: Ja, natürlich. Und die Menschen, die das betreiben, würden dir also Brief und Siegel dafür geben, dass das stimmt, was sie sagen.

Florian: Ja. Oh ja. Die Frage ist ja immer, woher wissen sie das denn genau? Also wenn jemand sagt, ah, meine Kollegen mögen mich nicht so, woran machen die das fest?

Miriam: Oder wenn einer von den beiden Jungs vor dir steht und sagst, jetzt schimpfst du bestimmt gleich, ist ja genau das Gleiche. Ja. Weil es ist ja weder passiert, es ist ja sogar in die Zukunft geblickt, also gedankenlesend in die Zukunft geschaut. Es ist ja nicht mal das hat's gedacht oder denkt gerade, sondern es ist richtig die Zukunft vorhergesagt.

Florian: Es ist richtig vorhergesagt. Ja, klar. Und gleichzeitig systemisch interveniert, weil was soll ich dann tun?

Miriam: Stimmt. Das wird ja jetzt richtig komplex hier mit dem Gedankenlesen-Zeug.

Florian: Wenn ich jetzt denke, mein Kollege mag mich nicht, möchte es mich aber nicht wissen lassen, macht er dann vielleicht auch freundlich und fröhlich, um mich denken zu lassen, dass er mich mag, obwohl er mich nicht mag. Aber vielleicht mag er mich ja auch tatsächlich und macht das aus guten und freien Stücken oder es ist doppelt oder dreifach verschachtelt, um mich hinters Licht zu führen.

Miriam: Ich habe gerade Gehirnsausen.

Florian: Ja, zu Recht. Wir können uns da völlig in irgendwas hineinsteigern.

Miriam: Und jeder da draußen, jeder Hörer kennt irgendjemanden, mindestens irgendjemanden, bei dem er das schon mal mitbekommen hat. Dieses Reindenken, Halluzinieren in die Köppe von anderen Menschen. Und es wird sehr, sehr selbstverständlich da draußen fabriziert. Also ohne es auch nur im geringsten zu hinterfragen. Und jetzt würden einige Schlaubis zu Recht sagen, naja, das beruht ja auch auf Erfahrungen. Da sind ja Erfahrungswerte dahinter.

Warum wir meist das Schlechte unterstellen

Florian: Ja, manchmal, manchmal nicht. Manchmal ist es eben der Blick von jemand, der einfach konzentriert schaut und dabei irgendwie ernst. Also das, was ich, wenn ich es nachmachen würde, wo ich mir denken würde, das ist ernst für mich und gleichzeitig für die Person ist es einfach konzentriert. Weil die Annahme, die dahinter steckt, ist ja immer, dass meine Welt genauso funktioniert wie die Welt von meinem Gegenüber und ich deswegen vorhersagen kann, wenn ich das machen würde, wieso würde ich das machen?

Miriam: Oh, das ist jetzt ein weiter Schritt.

Florian: Glaubst du?

Miriam: Oh, Vorsicht.

Florian: Oh, glaubst du, dass manche von unseren Hörern nicht so weit mitkommen können?

Miriam: Zu 90% habe ich erlebt, dass es eher im Negativkontext passiert. Also die wenigsten Menschen glauben ja, selbst wenn wir sagen, die kennen sich überhaupt nicht.

Florian: Ja.

Miriam: Treffen einen neuen Menschen, irgendwie unter irgendwelchen Umständen. Dann passiert es, laut Berichterstattung, die mich erreicht, eher selten, dass jemand sich denkt, oh, so wie der schaut, der findet mich toll.

Florian: Das stimmt.

Miriam: Habe ich zumindest bis jetzt noch nie erlebt.

Florian: Ja, so wie ich schaue, ich finde dich toll.

Miriam: Ja du, also dir würde ich allein schon aus Eigennutz immer unterstellen, dass du mich toll findest.

Florian: Nur es ist doch die Annahme, dass jemand anders genauso funktioniert wie wir, oder? Und dann vielleicht ist es die Selbstherabsetzung oder dieses, dass jemand selber sich gerade nicht so toll findet und dann denkt, naja, die anderen denken das dann auch.

Miriam: Ja, oder dass unser Gehirn diese Aburteilung vielleicht eher gelernt hat als das andere. Das haben wir ja auch ganz oft in unseren Seminaren zum Thema, inwieweit sind wir denn geprägt, kulturell, von unseren Eltern, in der Erziehung, eher zur Vorsicht, würde mir skeptische Hesse sagen. Denn wir Hesse gehören ja zur skeptischsten Personengruppe der Welt. Wir kommen schon als Babys skeptisch zur Welt.

Florian: Ja.

Miriam: Oh ja.

Florian: Das erste Wort ist Papa?

Miriam: Nein, der erste Gedanke, den ein hessischer Säugling denkt, wenn er das Licht der Welt erblickt, ist, da ist doch bestimmt irgendwo ein Hake.

Florian: Kein Wunder bei den vielen Mobiles, die über den Kinderbetten schweben.

Miriam: Also jetzt mal Scherz beiseite. Wenn dieses positive Halluzinieren stattfinden würde, würden wir uns ja ständig auch gute Gefühle dabei machen. Wenn wir also jedem Menschen, egal wie er guckt, immer unterstellen würden, das ist positiv gemeint. Also selbst der Blick durch die beiden zusammengezogenen Augenbrauen von Florian vor einem Podcast würde in Wahrheit heißen, das ist Zeugnis größten inneren Interesses. Dieser Podcast wird grimme preisverdächtig, weil dieser Mann sich jetzt innerlich schon so intensiv darauf vorbereitet.

Florian: Und ich zeige es halt einfach dadurch, dass ich konzentriert schaue.

Miriam: Dass du schielst, genau. Ja, das könnte ich ja auch da rein interpretieren. Irgendwas in mir scheint ja Lust zu haben, das zu bewerten, wie du guckst und da was reinzulegen.

Florian: Ich glaube schon, dass das das ist. Wann würde ich so gucken, oder?

Miriam: Kann sein. Meinst du? Hm. Okay.

Florian: Also wenn ich durch die Welt gehe und mir so Gedanken mache darüber, warum andere Menschen etwas gemacht haben, dann gehe ich immer davon aus, dass die genauso eine Informationslage haben wie ich.

Miriam: Gut, wenn wir das jetzt annehmen als den Grund, warum wir anfangen, in andere Menschen was reinzuinterpretieren, hätte das ja sehr viel, wenn wir so im Negativkontext bleiben, sehr viel mit Selbstkritik zu tun.

Florian: Das stimmt, allerdings.

Miriam: So, da möchte ich jetzt erstmal nicht näher drauf eingehen, das ist mir zu psychologisch. Ja, da habe ich jetzt keine Freude dran, wir wollen ja sprachlich bleiben. Deshalb würde mich jetzt viel mehr interessieren... Warum fällt uns das sozusagen so wenig auf? Oder warum fiel mir das früher so wenig auf, dass vieles von dem, was mir zugetragen wurde von Menschen über andere, Gedankenleserei war und ich niemals nachgefragt habe?

Florian: Grundsätzlich ist es ja auch gar nicht so verkehrt, finde ich. Also wenn jemand fünfmal schief schaut, wenn ich morgens ins Büro komme, dann kann ich ja mal nachfragen. Also dann kann ich mir vielleicht Gedanken darüber machen, ob das was mit mir zu tun hat. Und dann der nächste Schritt, das ist der, den viele Menschen nicht tun, nämlich zu der Person zu gehen und zu fragen. Weil vielleicht ist es ja irgendwas. Also vielleicht lasse ich die Tür hinter mir immer zurumsen oder irgend sowas. Was Einfaches wäre, was auch einfach abzuschalten ist.

Miriam: Dann würdest du ja eventuell Kritik von jemand anderem freiwillig in Kauf nehmen.

Florian: Und ich wüsste es dann, oder? Vielleicht ist es ja auch einfach der entspannte Gesichtsausdruck von jemand anders. Dann kann ich das kalibrieren. Dann weiß ich, dass es entspannt ist. Oh, außer die Person sagt es mir gar nicht richtig.

Miriam: So, wenn das Gedankenlesen weitergeht, obwohl ein gesprochenes Wort im Raum steht.

Florian: Ja, ja, genau. Ah, wer weiß. Nur dann wird es mir zu kompliziert.

Miriam: Dann wird es dir zu kompliziert.

Florian: Ja, dann greift für mich die Miri-Regel. Die Geschenke-Annehmen-Regel.

Die Geschenke-Regel: Komplimente einfach annehmen

Miriam: Ja. Da bin ich mittlerweile sehr entspannt geworden. Das war früher anders. Und ich habe mir das angewöhnt, nachdem im Grunde ja dieser kleine Exkurs, der nichts mit NLP zu tun hat, über meine damalige beste Freundin Susanne stattgefunden hat. Das ist ja eine Geschichte, die ich sehr gerne erzähle, wenn es darum geht. Und tatsächlich ist das kein NLP gewesen, also weit entfernt davon, nur ich finde es sehr cool. Und zwar gab es bei der Band, in der ich 16 Jahre gesungen habe, auch Groupies. Und diese Groupies, denen habe ich grundsätzlich unterstellt, dass sie mich vier Stunden lang in einer sehr engen Lederhose über die Bühne am Springen sehen und danach männliche Groupies eins im Sinn hatten, nämlich irgendwie mich dann ins Bett zu bekommen.

Florian: Also aus der Hose raus.

Miriam: Aus der Hose raus zu bekommen, genau. Und dass die deswegen vor der Bühne warteten und mir deswegen Komplimente gemacht haben und mich deswegen auf einen Drink einladen wollten. Und deswegen habe ich die immer relativ kalt am ausgestreckten Abend verhungern lassen, war, ja Florian guckt jetzt traurig, ich war regelrecht böse zu denen, also ich habe die teils zum Teufel gejagt. Und ich bin dann auch oft sehr sauer, dass die aus meiner Sicht damals nur mit diesem einen Hintergedanken mich loben wollten und nicht, weil ich wirklich wunderschön gesungen habe. Das habe ich denen wirklich unterstellt, dass die nicht meine Künste, obwohl die das gesagt haben, sie haben gesagt, sie fanden es gut, was ich gemacht habe oder es wäre toll gewesen oder meine Stimme sei so wunderbar, das habe ich denen alles nicht geglaubt. Und irgendwann griff dann die zweite Sängerin dieser Band, damals war auch meine beste Freundin Susanne, mich hinter der Bühne und sagte, sag mal Miri, hast du sie eigentlich noch alle? Und ich sag, warum? Und sie sagte, ja, da draußen stehen diese ganzen jungen Männer und du, Entschuldigung, denen jedes Mal vom Koffer. Und ich sag, ja natürlich, weil ich ja weiß, was die wirklich denken. Und dann sagte sie, pass mal auf, du lernst jetzt mal eins. Die machen dir Komplimente. Komplimente gehört zur Kategorie Geschenke. Und Geschenke wollen wir in unserem Leben immer annehmen. Und ich sage, nein, auf keinen Fall. Wenn jemand mir mit schlechtem Hintergedanken was schenkt, dann kann er das Geschenk gerade einpacken und wieder mitnehmen. Dann sagte sie, nein, nein, nein, nein, das darfst du dir jetzt wirklich mal merken. Wenn dir jemand ein Geschenk macht, nimmst du es immer an. Warum? Zwei Gründe. Erstens, wenn er dir es schenkt, weil er dich wirklich toll findet, weil er sich freut, wenn du dich freust, weil er dir eine Freude machen möchte, dann ist es doch toll, wenn du es annimmst, dich freust und beide freuen sich. Also dann haben doch beide was davon und das ist doch toll. So sollte ja schenken sein. Dem habe ich vollständig beigepflichtet. Dann kam der zweite Ansatz und sie sagte, und wenn dir wirklich einer was schenken will, aus intrigantesten, hinterlichsten Beweggründen, strategisch vorbereitet, dann nimmst du es auch an, weil dann hat das nichts Besseres verdient. Das war dann ein Satz, wo ich dachte, ja stimmt, verdammte Axt, wenn die doch mir was Gutes sagen, wenn die mir sagen, ich habe eine tolle Figur, ich habe eine super Stimme, ich habe ihnen den ganzen Abend Freude bereitet, dann kann ich das doch annehmen als Geschenk für mich. Es ist eine gute Nachricht für mein Gehirn. Es ist eine gute Nachricht für dein Gehirn, wenn dir jemand ein Kompliment macht oder was schenkt, ohne zu interpretieren, ohne zu denken, der macht das bestimmt nur. Nein, einfach nur, wenn dir jemand sagt, du bist schön oder du bist so schlau oder du bist ganz toll oder du bist liebevoll oder du bist witzig oder was auch immer, dann wäre der richtige Text: Danke, weil dann nimmt es dein Gehirn an.

Florian: Stopp, Stopp, Stopp, Stopp, Stopp, Stopp, Stopp, Stopp, Stopp.

Miriam: Sozusagen und aus. Also wenn jemand das wirklich machen möchte, aus voller Freude, alles gut, dann sind doch beide glücklich. Und dann gibt es ja auch kein hintenrum und noch eine Ebene und noch eine Ebene. Und wenn jemand für sich diese ganzen komplizierten Hundertfach-Ebenen da reinziehen möchte, bitte, dann soll er sein Gehirn damit beschäftigen. Ich habe das Kompliment als Geschenk angenommen, das Blümchen, das Gläschen Sekt, mit was auch immer die kommen, das verpflichtet mich zu gar nichts. Es gibt keinen Vertrag. Viele Menschen glauben ja, dass sie damit diese Gegenverpflichtung auch wieder eingehen oder dass es eben dann eine Erwartungshaltung gibt. Nein, eben nicht. Wenn wir von dem wahren, echten, liebevollen Schenken ausgehen, wenn wir davon ausgehen, dass Menschen es grundsätzlich gut mit dir meinen, dann war es das auch einfach. Dann ist es das.

Florian: Das heißt auch der skeptisch guckende Kollege morgens?

Miriam: Hat vielleicht ein ganz anderes Thema. Und ich denke wirklich nicht mehr drüber nach, weil wenn Florian zu viel Sauerkraut gegessen hat, guckt er mehr als skeptisch. Nur dann hat das mit mir nichts zu tun.

Einfach fragen: Check-ins und der Nichtsraum

Florian: Das ist eben auch meine Erfahrung im Büro. Also wir haben vor vielen Meetings, das ist tatsächlich, also es gibt zwei sehr witzige Übungen zu dem Thema, die ich manchmal mache mit Teams. Die eine ist die, dass wir eine Runde starten am Anfang des Meetings, wo jeder mal sagt, was sein linker Nebenmann über das Thema denkt. Und da kommen dann Sachen raus, wo sich die Menschen, selbst wenn wir es vorher ausmachen, dass sie es einfach nur zuhören sollen. Wo sie dann anfangen, sich zu wehren, weil sie sagen, das habe ich noch nie über dieses Thema gedacht. Nur manchmal ist es ja so. Also manchmal werden einzelne Äußerungen in verschiedenen Kontexten dann dazu gewertet, dass jemand über ein bestimmtes Thema eine Meinung hat. Dabei ging es über einen sehr speziellen, ganz kleinen Kontext. Dann sind wir wieder bei den Löschungen vom letzten Mal, wo jemand sagt, das gefällt mir jetzt nicht. Und dann ist halt die Frage, dass...

Miriam: Das bietet Interpretationsspielraum.

Florian: Genau, also was möchte ich da alles hineindenken und was sagt es in Wahrheit über dich aus?

Miriam: Also was sagt es über dich aus? Genau, was sagt es über mich aus, wenn ich bei jedem Menschen, der seine Augenbrauen zusammenzieht, anfange drüber nachzudenken, was der jetzt vielleicht schlecht ist. Und das habe ich früher gemacht. Ich habe früher wirklich gedacht, vielleicht habe ich irgendwas falsch gemacht. Das ist ja ein Kopfkino, was ich gar nicht haben möchte. Es hält mich ja von den vielleicht wichtigen Dingen des Lebens ab.

Florian: Im systemischen Coaching gibt es diese Technik auch. Zirkuläre Fragen. Also dieses, was glaubt jemand anders darüber, was ich glaube, um das mal transparent zu machen nach außen. Was da manchmal für komische Glaubenssätze auch im Raum sind, wo jemand anders sagt, so habe ich noch nie über das Leben nachgedacht. Nee, ich war wirklich... Das, worüber ich gerade nachgedacht habe, ist, warum meine Tochter heute morgens Müsli über meine Hose gekippt hat, über meine Lieblingshose und ich mich nochmal umziehen durfte. Das ist das, weshalb ich irgendwie beschäftigt bin gerade. Oder was auch immer.

Miriam: Da ist ja auch so toll, was John Lawal erzählt über Männer. Und er ist selbst ein Mann, der darf das. Und er sagt ja, dass es bei Männern tatsächlich diese Nichtsregion gibt im Gehirn, was wir Frauen überhaupt nicht verstehen würden wollen. Also dass wenn Männer sozusagen, wenn wir Männer fragen, was denkst du gerade?

Florian: Nichts.

Miriam: Und dann stimmt es wohl. Und bis heute knabber ich an diesem Gedanken rum, weil ich es mir nicht vorstellen kann, dass jemand tatsächlich gerade mal nichts denkt. Das geht in meinem Kopf gar nicht. Ich denke ständig irgendetwas, außer wenn ich schlafe. Nur dann merke ich es vielleicht nicht und es denkt immer noch weiter. Ich weiß es nicht. Und wenn doch dieses Gehirnschachtal so gerne vor sich hin denkt, dann hätte ich gerne Zugriff da drauf, was es denkt.

Florian: Und es ist relativ einfach. Ich kann jemand anders einfach fragen, was los ist. Das ist die zweite Technik in den Meetings.

Miriam: Und es auch hinnehmen, was derjenige dann sagt?

Florian: Das ist dieses am Anfang eines Meetings ein Check-In machen und einfach zu sagen, was beschäftigt die Person gerade? Also was fühlt jemand gerade? Das ist eine ganz spannende Geschichte, weil dann manchmal rauskommt, ja, jemand zieht gerade um und hat irgendwie bis vier Uhr morgens Kisten gepackt und weiß nicht so recht, wie das noch alles in den Umzugswagen passen soll. Und das ist das, was jemanden morgens in der Arbeit am meisten beschäftigt. Kann ich verstehen, ich bin auch schon umgezogen. Und ich mach das so, boah. Eine Kiste nach der anderen, bis es dann endlich, also dann irgendwann ist es ja alles erledigt. Und dann geht es auch erstaunlich zügig meistens. Nur am Anfang kann das mal irgendwie puh aussehen. Und wenn dann jemand so in dem Meeting drin ist, dann kann es sein, dass die Person auch mal verkniffen da ist oder an was anderes denkt, nicht so ganz konzentriert dabei ist. Und wenn das alle wissen, fair enough, dann sagen wir vielleicht gemeinsam auch, wow, heute darfst du dir mal Urlaub gönnen.

Miriam: Wir hatten auch schon den Fall und den, finde ich, sollten wir noch anbringen in diesem Podcast, dass jemand sagt, gut, ich glaube, meine beiden Kolleginnen können mich nicht leiden. Das wäre Mind-Reading aus NLP-Sicht, also Gedankenleserei, und die Frage, die wir im Meta-Modell der Sprache stellen würden, wäre ja, woher weißt du das?

Florian: Hast du sie schon gefragt?

Miriam: Oft kommt dann ein Nein, gefragt habe ich die nicht, die mögen mich sowieso nicht oder da kommt eh nicht viel warum oder die reden nicht offen mit mir oder die lügen mich dann eh an. Also das sind dann solche Aussagen. Wo wir ja dann an der nächsten Stelle wären, woher weißt du das? Wir könnten da immer tiefer einsteigen.

Florian: Da knuskeln wir ja schon den ganzen Podcast dran.

Muss mich jeder toll finden? Ziele statt Halluzinationen

Miriam: Richtig, so. Und es gibt ja auch die Annahme, das entspannt zu sehen und zu sagen, manche Menschen haben vielleicht wirklich so Grunderfahrungen gemacht mit anderen, um sowas validiert zu behaupten. Also das ist, vielleicht ist was Wahres dran. Dass wir jemandem unterstellen können, der kennt seine Kollegen so gut, dass er die relativ gut einschätzt. Dann wäre ja eher die Frage, ist die Situation so in Ordnung? Also dann kannst du dir jeden Morgen, wenn du die siehst, kannst du dir immer denken, die mögen mich nicht und kannst dich dann an deinen Schreibtisch setzen und halt deine Arbeit machen.

Florian: Ist ja auch gut, ist der abgehakt.

Miriam: Oder du könntest dich eben fragen, fühlt sich das für mich gut an, fühlt es sich nicht so gut an, was kann ich tun, damit sich das verändert? Manche würden auch sagen, nix, denen passt einfach meine Nase nicht und zum Chirurgen will ich nicht gehen. Auch in Ordnung, dann kann es so bleiben. Oder vielleicht wirklich mal ansprechen.

Florian: Oder vielleicht am eigenen Verhalten was ändern.

Miriam: Oder so.

Florian: Also wenn die eine bestimmte Art und Weise Dinge zu machen mögen, dann vielleicht einfach mal die Dinge so machen, wenn mir das so wichtig wäre, das zu tun.

Miriam: Ich hätte dann glaube ich Experimentierfelder vor mir. Also ich würde mit Pralinen versuchen. Schokolade ist ja immer was Nettes. Ich würde immer Pralinen hinstellen. Also ich würde das mal so eine Zeit lang abtesten, was ich machen kann sozusagen. Also ob das irgendwie, ob es von mir ein Verhalten gäbe, was die Situation verbessern könnte, wenn es wirklich so wäre. Also wenn die mir bestätigen würden...

Florian: Und ich habe den einen oder anderen Kollegen, mit dem ich mich ganz gut verstehe und ich glaube, wir mögen uns auch beide und wir haben einfach nicht viel miteinander zu tun. Also es ist einfach ein, wir leben sehr unterschiedliche Leben und deswegen haben wir nicht wahnsinnig viel auszutauschen. Das heißt, glaube ich, weder, dass wir uns wahnsinnig gern mögen, noch, dass wir uns wahnsinnig ungern mögen, sondern es ist einfach ein... Ja, wenn wir was zusammen tun können, machen wir das. Und wenn nicht, ist auch fein. Vielleicht ist das so ein Männerding dann?

Miriam: Ja, denn von Frauen höre ich an der Stelle und eher noch von Männern auch manchmal und eher von Frauen dieses, ich bin halt so harmoniebedürftig. Also ich hätte so gerne, dass alle mich mögen und dass ich alle mag und dass alles honigfein ist und ja, da so eine Entspannung zu entwickeln, das empfand ich als Weg, auch aufgrund meiner ständigen Öffentlichkeit früher im Fernsehen und so weiter, dieses... Wenn 100 Zuschauer mich gerne sehen und einer meldet sich dann zu Wort und meckert irgendwie rum, dann habe ich in denen ungefähr alles Schlimme reininterpretiert, laut Mindreading. Also das konnte ich dann.

Florian: Ich habe einfach zu viele Kollegen schon in diesem Leben gehabt, die, wenn sie einen guten Tag haben, schauen die auf meine Füße. Und wenn die einen schlechten Tag haben, schauen die auf ihre eigenen Füße. Also in deiner Branche hast du wenig... Zu viele, genau, viele ITler, das ist ja auch der Stereotyp,

Miriam: Reden nicht mit anderen.

Florian: Schauen einem nicht in die Augen. Manche mögen das einfach nicht. Fair enough. Sie sitzen vor Computern, können es den ganzen Tag machen. Das kann an der einen oder anderen Stelle ganz praktisch sein, Augenkontakt aufzubauen. Das ist einfach eine gute Idee. Nur, gut, wenn sie es nicht machen, machen sie es halt nicht. Da ist null Aussage darüber drin, ob die mich schätzen oder nicht. Sondern das ist einfach nur, mögen die halt nicht. Und? Alles andere ist dann bei mir.

Miriam: Ist es wirklich wichtig, dass jeder Mensch anfängt, Halleluja zu singen, wenn ich den Raum betrete? Also ist es der Zielzustand? Möchte ich das gerne?

Florian: Ganz schön beschäftigt dann auch, ne?

Miriam: Ja. Also früher hätte ich das vielleicht sogar, oder ich hätte es mit Nein beantwortet und Ja gemeint. Heute, heute, ja, ja und da darf ich ja auch ehrlich zu mir sein. Und bekomme ich das hin, ist der Kraftaufwand groß? Ja. Weil ich eben auch Menschen kenne, die gar nicht so wild darauf sind, eine enge soziale Bindung aufzubauen oder meine Interessen zu teilen oder...

Florian: Hey, wenn jemand bestimmte Hobbys hat, also Briefmarken sammeln finde ich zum Beispiel einfach nicht spannend. Wenn mir jemand davon erzählt und das ist das Hauptthema, das jemanden beschäftigt den ganzen Tag, dann haben wir erstmal nicht viel gemeinsam. Dann kann ich mit meinem Bus, das hatten wir ja auch schon bei Pacing und Leading, kann ich mit meinem Bus an seine Bushaltestelle fahren und ich kann dafür auch Neugier entwickeln. Da gibt es ganz viele spannende Fakten zu wissen. Wie die Zähnchen sind und wie die Geschichte davon ist. Und es ist eben an der einen oder anderen Stelle habe ich Gebiete, die mich von vornherein mehr interessieren. Und dann ist es einfach eine Frage, was ist das, was ich gerne haben möchte? Was ist dein Ziel? Was ist das, was du für jede konkrete Interaktion haben möchtest? Wenn es nahe Familienangehörige sind oder wenn es gute Freunde sind oder die Eltern von nahen Familienangehörigen, dann ist es vielleicht auch spannend, da eine gemeinsame Basis zu finden. Weil ich sage, das ist mir wichtig, dass wir eine gute Beziehung haben. Und an anderen Stellen ist es vielleicht einfach der Kollege, der Briefmarken gerne sammelt und wenn der mir was erzählt, höre ich dem auch mal eine Weile zu. Und wenn es dann wieder gut ist, ist es auch wieder gut.

Miriam: Also dieses rausnehmen von, dass jeder einen toll finden sollte oder wie auch immer.

Florian: Jeder auch das toll finden soll, was ich toll finde.

Miriam: Oder so. Oder dass alle genauso agieren auf diesem Planeten wie ich. Genau, das ist ja, hui, hui, hui, hui, hui. Ich stelle mir vor, wenn lauter Miri-Klone rumlaufen, das wäre schon anstrengend. Also von daher, gut, dass es dich, dass es mich, dass es alle da draußen einmal gibt mit all dem, was uns auszeichnet. Und dann docken wir eben auch an bestimmte Typen an. Und das klappt dann hervorragend. Und da ist so ein Auge in Auge und offen und da ist eine Glaskugelleserei und ein Gedankenlesen überhaupt nicht nötig, weil wir uns sowieso tolle Sachen unterstellen würden. Wenn wir dann schon anfangen, Gedanken zu lesen, wenn ich schon anfange, Florians Gedanken zu lesen, dann lese ich mir die doch so schön, wie ich nur kann.

Florian: Allerdings.

Miriam: Dann denke ich doch, wenn Florian die Augenbrauen zusammenzieht, vielleicht denkt er schon darüber nach, was wir gleich nach diesem Podcast gemeinsam machen.

Woher weißt du das? Der Weg raus aus der Verzerrung

Florian: Kommen wir zum Ende.

Miriam: Also Mindreading, Gedankenlesen, Glaskugelleserei auch genannt, gehört zum Meta-Modell der Sprache unter die Kategorie...

Florian: Verzerrung. Und die eine Antwort darauf ist, woher weißt du das? Oder die eine Frage dazu ist, woher weißt du das? Nämlich, um rauszubekommen, gibt es dafür überhaupt eine Faktenbasis oder ist das einfach nur gedacht? Weil das Zweite ist dann tatsächlich in die Aktion gehen und testen, ist es denn so, wenn dir das wichtig genug ist? Wenn du es wirklich wissen möchtest, ansonsten ist da ja dieser schöne Nichtsraum im Kopf, in den wir gehen können.

Miriam: Das wäre schön, wenn du mir das mal erklärst, wie das geht. Was machen wir jetzt als erstes nach dem Podcast?

Florian: Wir kommen noch zur Hypnose, in der Entspannung kommen wir auch noch.

Miriam: Also jetzt sagen wir erstmal Tschüss, ins Nichts hinein und denken uns mal nüscht dabei.

Florian: Wir freuen uns über deine E-Mails an info-at-kontext*denken.de. Und wenn wir dich persönlich kennenlernen dürfen. Oh. Es kann sein, dass du nächste Woche diesen Podcast in neuem Gewand vorfindest. Dann wundere dich nur im Rahmen deiner Möglichkeiten.

Miriam: Stimmt. Wir relaunchen ja alles mögliche jetzt.

Florian: Ich weiß nur noch nicht genau was.

Miriam: Das ist nur der Anfang. Das ist nur der Anfang. Jetzt habe ich Kopfkino hier.

Florian: Aus grün mach rot.

Miriam: Meine Gedanken möchtest du jetzt nicht lesen da. Sehr schön. Bis bald. Florian, möchtest du noch was sagen oder bist du im Nichtsraum?

Florian: Ich bin im Nichtsraum.

Miriam: Tschüss ihr Lieben. Wir stören Florian mal nicht. Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.

Weiterdenken

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