„Mit dem Einsatz aller Ressourcen können wir einen Unterschied machen“ — alle im Raum nicken, und niemand fragt: welche Ressourcen? Welcher Unterschied? Genau an dieser Stelle setzt das Metamodell der Sprache an. Miriam und Florian nehmen dich mit zurück in die 70er, zu den Ursprüngen des NLP, und zeigen dir, was passiert, wenn Menschen beim Sprechen ganze Informationen weglassen — und wie du sie mit einer einzigen guten Frage wieder sichtbar machst.
Back to the roots: Was das Metamodell der Sprache ist
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: Jetzt wird es super offiziell.
Florian: Jetzt wird es super offiziell.
Miriam: Ja, wir erklären NLP-Begriffe und heute kommt die große Sprachzauberei. Also wir machen die Zaubertruhe weit auf.
Florian: Vor allem, gefühlt kramen wir in den 70er Jahren.
Miriam: Herzlich willkommen. Machen wir uns eine Zeitreise.
Florian: Allerdings.
Miriam: Das wird retro.
Florian: Back to the 70s.
Miriam: Back to the roots of NLP. So sieht es doch mal aus.
Florian: NLP, das neurolinguistische Programmieren. Als die ersten Bücher darüber geschrieben wurden von John Grinder und Richard Bandler, da ging es um das heutige Thema.
Miriam: Das Meta-Modell der Sprache. Unsere Practitioner lernen das auswendig.
Florian: Ja, unsere Practitioner lernen das auswendig. Das ist auch eine gute Idee.
Miriam: Im Idealfall. Florian freut sich immer.
Florian: Ich freue mich immer. Es gibt da drei Kategorien, die im Meta-Modell der Sprache vorkommen. Die Überschriften des Meta-Modells der Sprache sind, wie wir Sprache verstehen. Nämlich Löschung, Generalisierung, also Verallgemeinerung und Verzerrung, wo wir die Sprache ein wenig anders verwenden, als eigentlich gedacht wäre. Ich freue mich. Das Meta-Modell der Sprache kommt tatsächlich bei uns in jedem Practitioner vor. Und Sprachspielereien, das ist doch was Großartiges.
Miriam: Na stimmt. So wozu ist denn das jetzt gut? Also wenn es da schon Bücher drüber gibt und wenn NLPler sich damit sehr gut auskennen sollten nach ihrer Ausbildung, was ist denn am Meta-Modell der Sprache so zauberhaft? What's magic about it? Wozu? Na ja, siehste.
Leere Phrasen: von Werbeplakaten bis zum Top-Management
Florian: Wenn ich in, also so, mal sehen, ob wir ein Beispiel aus meinem Kontext konstruiert bekommen. Ich bin öfter mal in Veranstaltungen drin, in denen Führungskräfte, hohe Führungskräfte eines Unternehmens was sagen. Und dann kommt sowas dabei rum wie, mit dem Einsatz aller Ressourcen können wir einen Unterschied machen.
Miriam: Und alle nicken oder applaudieren.
Florian: Und dann gucken sich alle im Raum so an und sagen, mhm, mhm, sehr gut, sehr gut. Dabei ist ja die Frage... Welcher Ressourcen jetzt? Also wer sind denn die Ressourcen? Wer oder was sind denn die Ressourcen? Meistens reden die über Wer-Ressourcen. Also meistens sind dann Menschen hintendran gebraucht. Dann können oder müssen oder dürfen oder sollen wir einen Unterschied machen? Also können wir den Unterschied machen, ist schon auch eine sehr lustige Konstruktion an der Stelle. Und Unterschied im Vergleich zu was? Im früheren, und jetzt Witz für Mathematiker, in einer Firma, in der ich war, haben wir den Fortschritt immer mal absolut gemessen auch. Also auch wenn es zurückgeht. Hallo, ihr drei Mathematiker. Oder Menschen, die sich erinnern.
Miriam: Da wird also eine Phrase gedroschen im Grunde. Ja. Das ist ja das, was wir gemeinhin so als Phrasendreschen bezeichnen und es hinterfragt niemand. Werbeslogans, manchmal steht es auf so politischen Wahlplakaten drauf. Wir immer stark.
Florian: Wer ist wir?
Miriam: Wir die Partei oder wir das Volk oder die Wähler?
Florian: Wir die Wähler oder wir auch Einwanderer dazu oder wir auch alle, die hier leben? Also es ist ja spannend. Manche Parteien machen da einen Unterschied in einem Wir.
Miriam: Und lustigerweise hinterfragen die wenigsten Gehirne beim Vorbeifahren oder Konsumieren dieser Slogans oder dieser Claims, wer ist denn da genau gemeint, was ist genau gemeint, worum geht es da ganz genau und hier möchte das Meta-Modell der Sprache gerne mikroskopieren. Ich sage manchmal sezieren dazu, weil wir wirklich Sätze auseinanderbauen.
Florian: Spätestens danach ist er tot. Der Trick ist einfach, dass wir aus so einer theoretischen Sicht auf wie funktioniert Sprache sagen. Es gibt so eine Oberflächenstruktur. Das ist das, was die Menschen aussagen. Das ist das, was auf so einem Werbeplakat draufsteht. Das ist das, was wir verstehen erstmal im Kopf. Und das bringen wir in Verbindung mit der tiefen Struktur in uns drin. Das ist wie unsere Landkarte von wie funktioniert Welt da draußen. Da bringen wir es mit unserer Erfahrung zusammen. Das heißt, auf dem Plakat steht, wir immer stark. Und dann denke ich mir, wir ist die Oberflächenstruktur und dann gucke ich, wer ist wir für mich in dem Moment, wenn ich das lese. Was bedeutet das für mich? Und denke mir vielleicht, ah ja, wir, wir, hier alle im Land. Und dann immer, ah ja, immer ist relativ klar und dann stark und das bedeutet stark für mich. Ah ja, okay, wir vertreten bestimmte Positionen, die für mich ganz persönlich was mit stark zu tun haben. Und das macht ja jeder Leser von dem Plakat oder jede Leserin.
Miriam: So hole ich also viel mehr Menschen ab, weil ich allgemeiner bleibe in meiner Aussage.
Florian: Und das Meta-Modell der Sprache ist jetzt dafür da, rauszufinden, wer ist wir, wirklich immer und was bedeutet stark.
Miriam: Oder den Unterschied machen.
Florian: Oder den Unterschied machen. Du hattest mir auch erzählt, wir kennen das auch aus anderen Kontexten, solche Formulierungen.
Die Kissenbezüge und „wer ist jemand?“ – Löschung im Alltag
Miriam: Ja, lassen wir es anonym.
Florian: Wir bekommen echt Ärger.
Miriam: Ja, wir kennen es auch aus anderen Kontexten.
Florian: Weil es ist nicht nur bei dem Top-Management, die leere Phrasen dreschen.
Miriam: Also damals, als unsere Kinder noch im Kindergarten waren, wurde immer sehr viel Elternarbeit auch eingefordert seitens der Kindergartenleitung, des Fördervereins, das war ein Waldorf-Kindergarten und die Eltern sehr aktiv da auch, damit dieser Kindergarten schön ist und das ist ja auch alles gut und alles vorher abgesprochen. Und die Sätze, die dann teilweise über E-Mail oder Handouts kommuniziert wurden, lauteten in etwa so, kann morgen jemand die Kissenbezüge mitnehmen zum Waschen? Liebe Grüße Kindergärtnerin Tatjana und die habe ich jetzt erfunden. Nur das war der Satz, der da kommuniziert wurde an die Elternschaft.
Florian: Die korrekte Antwort wäre, weil es ist ja eine geschlossene Frage, wäre ja oder nein gewesen. Genau. Das ist nicht das, was dann passiert ist.
Miriam: Nein, nein, nein, nein, nein. Also tatsächlich ist es lustig, dass auf solche Fragen oft erstmal gar nichts passierte, weil scheinbar alle Eltern darauf warteten, dass jemand sich meldet.
Florian: Ja, nur wer ist jemand? Genau.
Miriam: Nachdem dann einen halben Tag oder einen Tag lang überhaupt niemand in die WhatsApp-Gruppe auf diese Frage geantwortet hatte, schrieb dann irgendjemand, ich weiß nicht, ob sich jetzt schon jemand gemeldet hat, in Klammern, es hätte vermutlich in der WhatsApp-Gruppe gestanden, wenn jemand sofort hier gebrüllt hätte, war nicht. Ich kann das dann machen, wenn es noch kein anderer macht.
Florian: Und machen ist ja auch sehr spannend, was das dann konkret bedeutet.
Miriam: Ja gut, in dem Zusammenhang die Kissenbezüge mitnehmen, eine Anzahl X, die nicht näher definiert ist.
Florian: Und alle oder nicht alle oder nur die dreckigen oder finde ich das selber raus, das hätte mich ja schon als... Und waschen bedeutet es, ich wasche die und bringe die dann nass wieder zurück zum Kindergarten und die hängen die auf.
Miriam: Oder trockne ich die zu Hause, lege die zusammen, bügele ich die, weil die ja für den Kindergarten sind. Also das wären dann alles Fragen gewesen, die noch offen sind nach dieser Ankündigung und vermutlich für Kindergärtnerin Tatjana alle schon längst beantwortet waren, bevor sie diesen Satz geschrieben haben.
Florian: Das macht ja, also gerade in solchen Kontexten werden die Begriffe ja nicht explizit rausgesucht oder es wird ja nicht so grob gesprochen. So unspezifisch gesprochen, nur deswegen, damit möglichst alle verwirrt sind, sondern es ist alles klar für den Sprecher, ne? Ja. Also aus Tatjanas Sicht war alles klar?
Miriam: Ja. Ja, vollständig.
Florian: Das ist doch logisch. Also es ist klar, welche Kissen, es ist klar, dass die gewaschen und gebügelt werden, also gewaschen, getrocknet, gebügelt werden, dass die wieder zurückkommen am korrekten Tag und der korrekte Tag ist ihr ja auch bewusst. Ja. Nur für die, die es lesen, ist noch die Frage, wer ist jemand?
Miriam: Und wer sich jetzt noch fragt, wozu es gut ist, liest dir deine letzten Textnachrichten, E-Mails, die du geschrieben hast, ruhig nochmal durch. An welchen Stellen du vielleicht auch, wenn wir vom Meta-Modell der Sprache ausgehen, in einer sehr weitläufigen Struktur unterwegs warst und es dann sehr viele Nachfragen gab oder Menschen was fehlverstanden haben, obwohl für dich alles klar war, als du den Satz oder die Frage formuliert hast. Und welche Informationen hätten gefehlt, um das sehr viel deutlicher zu machen? Also wo hättest du spezifischer sein können und wo reichen eben auch allgemeine Aussagen, wie zum Beispiel bei so einer politischen Proklamation, wo es ja besser ist, wenn keiner deutlicher nachdenkt.
Florian: Auch bei vielen Business-Meetings. Wenn ich so Visionstermine mache, Workshops, wo es darum geht, wo wollen wir eigentlich in ein, zwei, drei Jahren. Vision klingt ja dann immer so, wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.
Miriam: Ich bin da sehr dafür.
Florian: Es kann sehr hohl sein, wenn die Begriffe plötzlich so groß werden und so unspezifisch werden. Und dann ist es schön, das wieder auf konkrete Sachen zurückzuziehen. Was bedeutet denn für uns Erfolg? Geht es da um Einsparungen? Geht es um Gewinn? Geht es um Umsatz? Was ist das? Oder geht es um irgendein Kundenengagement, das entsteht? Was ist Erfolg? Was ist das, was wir haben wollen? Wie genau wollen wir das haben? Wer genau macht da was? Das wieder in den Raum reinzuholen. Dafür ist das Meta-Modell der Sprache dann auch da.
Miriam: Und wir kennen es auch aus dem Coaching. Ganz deutlich. Also alle Coaches und Trainer und Lehrer, die da draußen jetzt zuhören und damit vielleicht noch nicht so viel zu tun hatten. Doch, wir kennen es ganz deutlich. Da kommt jemand zur Tür rein und du fragst, wie kann ich ihnen denn helfen? Oder wo wünschen sie sich Unterstützung? Wie soll es denn sein in besser? Und viele Menschen würden sowas formulieren wie, ich will einfach auch mal Glück haben im Leben. Oder ich wünsche mir, dass da wieder mehr Hoffnung ist. Und wir würden es als Coach erstmal oder als Mensch würden wir erstmal sagen, ja, das ist eine gute Idee. Also Glück ist einfach eine gute Idee und ich gönne es jedem Menschen.
Florian: Hoffnung wäre auch sinnvoll.
Miriam: Hoffnung ist toll, Freiheit, Liebe, mehr Liebe wieder, mehr Liebe oder mehr, was gibt es da noch? Mehr Sicherheit, mehr Selbstsicherheit auch.
Florian: Und jetzt sind wir schon in zwei Episoden.
Miriam: Ja, ich sag's nur. Das könnte auch passieren.
Die drei Löschungen: worüber, im Vergleich zu was und wer ist wir?
Florian: Um welchen Teil des Meta-Modells der Sprache kümmern wir uns denn heute jetzt? Die Löschung.
Miriam: Wir löschen heute alle draus, genau.
Florian: Wir löschen alle draus. Weil es gibt eben diese drei großen Überschriften im Meta-Modell der Sprache, unter der du merkst dir das darunter. Erstens die Löschung, zweitens die Generalisierung, die Verallgemeinerung und drittens die Verzerrung.
Miriam: Dafür machen wir auch drei Podcast-Folgen. Also steigen wir mit euch richtig ein.
Florian: Bleibt der Podcast kostenlos?
Miriam: Das ist das, was wir als Geschäftsführer die Frage stellen.
Florian: So, Löschung.
Miriam: Ich bin traurig.
Florian: Du bist traurig? Worüber bist du traurig?
Miriam: Ich bin traurig, weil wir dieses Jahr nicht nach Holland in Urlaub fahren.
Florian: Da war die Löschung drin, bei dem ich bin traurig. Worüber bist du traurig? Ist dann eine der Fragen, die man im Meta-Modell der Sprache stellen kann, die du ab jetzt stellen kannst, um rauszufinden, was ist denn da jetzt genau das, worüber jemand traurig ist? Dass einfach was gelöscht worden ist.
Miriam: Ich freue mich.
Florian: Worüber freust du dich?
Miriam: Ich freue mich darüber, dass wir beide jetzt wieder hier sitzen und Podcasts aufnehmen. Ich freue mich immer drüber. Immer, immer, immer, immer.
Florian: Was kann noch passieren? Es kann sein, dass jemand sowas sagt wie, ich mach das mit dem Protokoll nachher.
Miriam: Oh, das ist komplexer, ne? Wann ist nachher? Das ist bei Florian immer wichtig nachzufragen.
Florian: Nachher ist es spannend. Und da ist noch was anderes drin. Nämlich das Machen. Wie genau mache ich es denn jetzt? Also, was heißt denn Machen? Viele, gerade im Büro, ist Machen für mich eins dieser Worte, wo meine Ohren sich von alleine spitzen. Im Kopf geht bei mir der Highlighter an. Du kannst dir das so vorstellen, dass du die Worte deines Gegenübers vor dem inneren Auge vorbeifließen siehst und plötzlich ist ein Teil so mitten zum Neonmarker anmarkiert. Mache. Dann ist es so, na, Sekunde.
Miriam: Florian ist hier unser Meta-Modell-Professor.
Florian: Wieso bin ich der Meta-Modell-Professor? Den Teil darf ich immer machen im Practitioner und im Master.
Miriam: Und unsere Teilnehmer lieben dich da. Sie lieben dich auch an anderen Stellen und das ist wirklich toll, wie du es machst.
Florian: Am Wochenende war ich im Fotogeschäft, um eine neue Videokamera auszusuchen.
Miriam: Eine so schöne Florian-Geschichte.
Florian: Ja.
Miriam: Zum Niederknien, wirklich.
Florian: Ja, das war eines der frustrierendsten Erlebnisse, die ich in letzter Zeit hatte, weil ich bin mit meinem ganzen Geld wieder rausgelaufen.
Miriam: Das ist eine Geschichte, die werde ich auch in meinem Sales-Seminar erzählen, weil es ist wirklich wieder eins dieser Beispiele für, wie verkaufst du garantiert was nicht.
Florian: Ja, das stimmt. Und an einer Stelle habe ich zum Verkäufer gesagt, das ist zu teuer. Und dann gibt es im Meta-Modell der Sprache, wenn wir bei den Löschungen sind, da ist was gelöscht. Und vielleicht kannst du ja schon im Auto oder wo auch immer du uns hörst, schon mal überlegen, was wäre deine Frage, wenn ein Coach dir sagt, das ist zu teuer.
Miriam: Oder wenn ein Kunde von dir sagt, das ist zu teuer. Dann wäre nämlich hier die Frage, im Vergleich zu was? Zum Beispiel.
Florian: Im Vergleich zu einem Cappuccino bei einer großen Kaffeerösterei oder im Vergleich zu einem Sportwagen oder im Vergleich zu dem, was ich dafür, also was ist das, das ist ja das, was ich dann rausfinden darf in der Landkarte meines Gegenübers, in dieser tiefen Struktur. Wie sortiert jemand seine Welt? Da darf ich das ja rausfinden. Im Vergleich zu was ist das zu teuer oder zu günstig oder zu wenig erfolgsversprechend? Was wäre das dann im Vergleich zu was anderem? Eine Kategorie gibt es noch, ne?
Miriam: Bei den Löschungen?
Florian: Ja.
Miriam: Ja.
Florian: Nachher kommt der Nachbar vorbei, der bringt uns den Hund zurück. Und dann gehen wir in den Wald und drehen noch eine Runde.
Miriam: Wer wir? Ich gehe nicht wandern.
Florian: Das ist dieses Unspezifische manchmal, was wir gerade in der deutschen Sprache auch drin haben. Das ist das vom Werbeplakat, ne? Wir. Ja. Wer ist denn wir? Wer ist jetzt genau gemeint? Oder er macht das nachher noch. Wer ist denn jetzt genau gemeint? Manchmal ist das aus dem Kontext, wir denken manchmal, wir könnten das aus dem Kontext einfach rausnehmen und an der einen oder anderen Stelle lohnt es sich, das nachzufragen.
Miriam: Da überschneiden sich auch zwei Meta-Modelle so ein bisschen, denn wir haben im Deutschen noch diese wunderschöne, in der deutschen Sprache, diese wunderschöne Mann-Formulierung, die ja auch sehr unspezifisch ist. Wo ja auch rausgetilgt ist, wer genau da gemeint ist. Man kann einen Blinddarm mit so einer Endoskopie rausnehmen oder man kann den Bauch aufschneiden. Wer? Am besten ein Arzt. Also am besten, wirklich. Von ganzem Herzen.
Florian: Ein ganz genereller Mann kann das wahrscheinlich nicht. Also raus vielleicht schon noch.
Miriam: So, deswegen finde ich, also da nochmal dann auch... So nationalpoetisch hinzuschauen, weil unterschiedliche Sprachen da noch unterschiedliche Spielwiesen bieten. Und ja, manchmal ist es gut, wenn wir Sprache mit Absicht benutzen. Also in bestimmten Fällen grenze ich sehr gerne ein, worüber ich wirklich spreche. Florian und ich formuliere ich sehr, sehr gerne aus als Einheit, damit das Wir nicht zu weit gezogen ist, wenn ich einen romantischen Abend plane. Weil wenn ich zu einer lieben Freundin oder Bekannten sowas sage wie, wir gehen heute Abend noch zu unserem Lieblingsitaliener, sagt die vielleicht, super, kann ich vielleicht auch noch meinen Mann mitnehmen? Und dann sind wir schon zu viert. Die Grundidee war Florian und ich.
Florian: Unser Großer ist ja jetzt auch schon elf und der könnte auch, wir schauen nachher noch einen schönen Film nach dem Abendessen. Und dann denkt der vielleicht, cool, heute länger aufbleiben.
Miriam: Und ist ja verständlich, ist ja allzu verständlich.
Florian: Weil das machen Menschen ganz generell. Menschen ja nicht dafür, um andere zu verwirren, sondern weil sie denken, es wäre klar. In ihrer Struktur ist es ja ganz klar, wer gemeint ist. In deiner Struktur ist es vielleicht auch ganz klar, wer gemeint ist. Und die Frage ist, passt das zusammen?
Miriam: Kinder verstehen Sprache sehr eins zu eins. Da ist es immer schön zu messen, wie die dann teils auch verwirrt reagieren oder wenn es zu Missverständnissen kommt. Es ist sehr süß. Also es ist wirklich dann ohne irgendeine Strategie dahinter, sondern die nehmen das so an. Und genauso kann das auch in Köpfen von Erwachsenen passieren. Und was wir im NLP wollen, ist, dass du Sprache genauer wahrnimmst, damit du nicht nur eine Ebene von Sprache hörst, sondern so einen Röntgenblick oder ein Röntgenhören oder ein Röntgenfühlen entwickelst für, was sagt denn das Gegenüber jetzt wirklich? Also was ist die Kernaussage? Was steht da noch drin? Vielleicht auch welche Befürchtungen? Oder wo ist vielleicht jemand, wo möchte jemand gar nicht so spezifisch werden in seiner Sprache? Weil es sich vielleicht auch ein bisschen unangenehm anfühlen würde.
Florian: Oder es manchmal einfach auch viel kürzer ist. Also an der einen oder anderen Stelle ist es wahrscheinlich auch sehr praktisch, eben Dinge rauszulöschen, weil wir sonst den ganzen Tag damit beschäftigt sind, zu erklären, wie genau wir was meinen und was was bedeutet.
Miriam: Und gelegentlich ist es besser, zum Beispiel an einem Samstagnachmittag sowas zu sagen, also anstatt zu sagen, jemand müsste noch den Rasen mähen, ist es vielleicht besser, das spezifischer zu machen, weil vielleicht reagiert dann keiner. Also bei unserem Rudel hier, drei Männer, eine Frau, wäre es durchaus möglich, dass wenn ich sowas sagen würde, an einem Samstagnachmittag, so dass es alle hören. Der eine sitzt vielleicht in seinem Zimmer am Schreibtisch, der andere guckt irgendwie gerade auf seine Playstation und der dritte übt Ukulele. Vielleicht, und ich würde es laut sagen, jemand müsste noch den Rasen mähen, würde null Reaktion kommen. Null, weil das könnte ja auch ich sein. Also ich als Frau könnte ja auch den Rasen mähen. Und dann kommt sozusagen dieses Ding zustande mit, hört mir hier eigentlich keiner zu, merkt es außer mir keiner, seht ihr wie verwahrlost unser Garten ausschaut und dann gucken alle ganz entgeistert von ihren gerade wichtigen Beschäftigungen hoch und sagen, ja wieso?
Wann du aufhörst nachzufragen – und wann Löschungen sogar nützen
Florian: Das heißt, die große Idee beim Meta-Modell der Sprache ist, dass, wenn wir das wollen, wir uns ein ganz gutes Stück besser verstehen können. Also du nimmst mehr auf von dem, wie funktioniert Sprache und dann eben darüber auch Welt von jemand anderem, wenn du solche Fragen stellst, wenn du nachfragst, wie genau, was genau, wer genau hat da was gemacht. Das ist die Idee. Du nimmst einfach mehr von der Welt des Gegenübers auf und kannst dann damit besser anfangen, auch Dinge zu verstehen. Und damit dann auch zu arbeiten. So, jetzt ist die Herausforderung, irgendwann aufzuhören.
Miriam: Mit dem Podcast?
Florian: Nein, mit dem Nachfragen. Weil wir können auch Menschen in den Wahnsinn treiben.
Miriam: Gut, das wäre jetzt ein Feldversuch. Wenn Menschen anfangen zu schielen oder Blutverlust in den Lippen haben.
Florian: Da sagt jetzt jemand zu uns, der Müll müsste noch rausgebracht werden. Welchen Müll meinst du denn genau?
Den aus dem Bad und den aus der Küche.
Florian: Was heißt denn müsste?
Miriam: Müsste heißt, morgen kommt die Müllabfuhr und zwar um 8 Uhr morgens, da will vielleicht keiner von uns runterlatschen.
Florian: Wer wäre denn der eine, der dann runterlatscht?
Miriam: Ich habe eine Idee.
Florian: Weil wir können dieses Spiel auf die Landkarte von unserem Gegenüber zu kommen, können wir beliebig lang spielen und immer weiter Worte herausfinden und herausfinden, wie funktioniert es denn genau im kleinsten Detail. Und an der einen oder anderen Stelle darfst du mit den Menschen um dich herum sanft sein, wenn du diese Woche hörst, dass sie das eine oder andere weggelassen, gelöscht haben in ihren Sachen. Dann ist es vielleicht mal witzig, wenn du nachfragst, was dir aufgefallen ist. Und wenn dann immer noch Löschungen drin sind, die du erkennst, dann irgendwann darfst du dich zurücklehnen und einfach dir bewusst sein, dass es reicht. Wann genau?
Miriam: Ja, genau. Ja, das ist echt die Herausforderung an der Stelle.
Florian: Als Coach ist das genau auch die Frage, wann hast du genug Informationen, wann hast du genug verstanden. Um das Ziel zu erreichen. Also für den Kontext, in dem du gerade arbeitest, für das, was du gerade tust, wann ist genug gemeinsames Verständnis da?
Miriam: Wir haben die Erfahrung gemacht mit dem Meta-Modell der Sprache, dass es schon relativ schnell funktioniert. Dass ein kleines Rütteln an dieser Löschung schon was macht im Kopf des Gegenübers. Und hier steht ja auch eine der Grundannahmen des NLP, dass das Gehirn keine Information verarbeitet, ohne sie zu verarbeiten. Sprich, wir hatten eine Mutter in unserem Practitioner, die uns das Problem geschildert hat mit ihrem Kind, das in der zweiten Klasse war und sowas gesagt hat wie, ich bin zu doof. Beim Hausaufgaben machen. Und das ist eine Löschung. Und dann da nochmal reinzugehen und zu sagen, im Vergleich zu wem oder was. Ist vielleicht keine so schlechte Idee, um einfach diesen Grundgedanken, diesen großen, diesen riesigen Glaubenssatz, der dahinter steht, einfach ein bisschen aufzuweichen, so ein bisschen dran zu packen und so ein kleines bisschen zu schütteln. Und dass dann eben so eine Antwort kommt, die das Ganze etwas relativiert. Und dann können wir sanft, ohne sowas zu tun wie, nein, nein, du bist nicht doof, was ja dann bei demjenigen oft gar nicht durchdringt, sondern durch eine Frage das Ganze anzufassen.
Florian: Warum glaubst du das denn?
Miriam: Ja, dann kommen auch ganz viele Begründungen. Und vielleicht wollen wir das gerade mal nicht. Vielleicht ist es ein schönes Experiment, sprachlich auch mal was anderes auszuprobieren. Gut. Dann wäre es das heute mit den Löschungen.
Florian: Allerdings. Und ich lasse die oft stehen, also gerade im Geschäftskontext, wenn jemand sowas macht, weil es eben zusammenschweißt, weil wir halt gemeinsam hinter einem Ziel stehen können. Es weiß keiner genau, um was es geht, nur die grobe Richtung ist klar. Und das ist ja ein guter Anfang.
Miriam: Das stimmt.
Florian: Damit können wir anfangen zu arbeiten und es sukzessive ausdetaillieren.
Ausblick: Verallgemeinerung, Termine und der „geilste Master Deutschlands“
Miriam: Noch ein paar mehr wunderschöne Sprachzaubereien, die wir dir in den kommenden beiden Folgen präsentieren werden. Für heute sei es mit der Magie genug.
Florian: Dann geht's nächste Woche weiter? Das stimmt. Zum Thema Verallgemeinerung. Alle lieben dieses Thema.
Miriam: Oh ja. Apropos, wenn du es noch intensiver lieben lernen möchtest, dann komm in unseren Practitioner. Und zwar im Mai hätten wir noch Plätze. Der Mai-Practitioner ist zwar jetzt kurzfristig gedacht und es liegt wirklich cool, weil der aufgeteilt ist in zwei Blöcke und du brauchst Tatsache.
Florian: Der geht am 1. Mai los, glaube ich.
Miriam: Am 1. Mai geht der los am Feiertag und du brauchst insgesamt nur drei Tage Urlaub, um zehn Tage Ausbildung zu machen. Die Situation hatten wir noch nie. Und für alle, die den Practitioner schon gemacht haben und unseren Podcast lieben, im Sommer startet wieder der geilste Master Deutschlands, haben wir jetzt gehört? Der kontext*denken-Master. Die Masterausbildung, das ist die Folgeausbildung, wer nach dem Practitioner NLP noch intensivieren möchte, die hat auch noch Plätze frei, die ist vom 16. bis 28. Juli in Arnsberg und wer sagt, das ist mir alles zu kurzfristig, im September gibt es noch einen weiteren Practitioner. Und vom 23.09. bis 3.10. läuft er, genau.
Florian: Sehr gut.
Miriam: Ja.
Florian: Wie kam der denn auf geilste Master Deutschlands?
Miriam: Das ist schon lustig. Super cool. Ich werde das jetzt immer wieder sagen. Das habe ich auch auf unserer Homepage. Weil das ist wirklich schön. Also es fühlt sich auch schön an.
Florian: Ja, wir synthetisieren ganz viel und bringen aus ganz vielen verschiedenen Ecken Sachen zusammen, die tatsächlich sehr einzigartig sind.
Miriam: Ja, das stimmt. Also wir freuen uns auf dich im Practitioner, im Master, weiterhin als Hörer dieses Podcasts oder als Leser unseres Newsletters. Melde dich gerne an auf unserer Seite. Und auf nächste Woche freuen wir uns auch, wenn es den nächsten Podcast gibt mit den beiden Gehirnen. Bis dahin.
Florian: Tschüss. Ciao.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.