Eine Gruppe befreundeter Paare fährt jedes Jahr zusammen weg — und einer meckert. Das Bett zu hart, das Essen schlecht, der Weg zum Meer zu weit. Die Hörerin, die diese Zuschrift geschickt hat, fragt sich: Wie geht man mit so jemandem um, ohne dass die ganze Gruppenstimmung kippt? Miriam und Florian nehmen den Fall auseinander — und starten dabei selbst mit einem kleinen Sofa-Zickenkrieg über die bessere Sitzseite.
Sofa-Tausch und ein ruppiger Anfang
Miriam: Bevor ich jetzt heute alle begrüße zu diesem Podcast, wollte ich erst mal sagen, dass es sich auf dieser Seite von unserem Sofa nicht so gut sitzt.
Florian: Wie auf der anderen Seite? Von mir schon mal ein Hallo, liebe Hörer. Wir haben heute die Plätze auf unserem Sofa getauscht, weil Miriam fand, dass das eine gute Idee wegen des Perspektivenwechsels ist.
Miriam: Ja, und ich finde, auf dieser Seite hier sitzt es sich nicht so gut wie auf meiner Seite.
Florian: Aha.
Miriam: Ja.
Florian: Ich finde meine Seite auch bequemer, weil da kann ich meine Füße ausstrecken.
Miriam: So, gern. Nein, es ist ein ganz spannendes Thema.
Florian: Wie viele Sekunden haben wir, um die Aufmerksamkeit des Hörers zu...
Miriam: Willkommen da draußen. Das ist wieder ein Flori-Miri-Podcast. Florian Groß, NLP-Trainer, Hypno-Coach, Scrum-Master, Agile-Coach und noch alle möglichen anderen Zertifizierungen hat dieser Mann am Leib. Und ich habe die große Freude mit ihm.
Florian: Miriam Deforth, bekannt aus Film und Fernsehen, NLP-Trainerin, Coach und noch so viel mehr.
Miriam: Du hast mich dein Positioning nicht zu Ende machen lassen.
Florian: Das stimmt. Wenn man dich zu Ende reden lässt, dann kommt man ja nicht zu Wort. Boah, das gibt Zuschriften.
Miriam: Oh, wie gemein. Ja, da sind wir schon mittendrin, würde ich sagen.
Florian: Ja, was ist denn heute das Thema?
Miriam: Viele Menschen sind im Moment im Urlaub oder fahren in den Urlaub in Deutschland. Es sind Ferien. Hey, ho, Leute, es sind Ferien. Alle machen blau. Kennst du den noch? Von Flensburg bis nach Oberammergau. Das war das ZDF-Ferienprogramm.
Florian: Nee.
Miriam: Nicht? Gab's nicht mehr bei dir? Bei mir gab's das noch. Hey, da draußen, gab es das ZDF-Ferienprogramm bei dir noch?
Florian: Was ist denn das Thema?
Miriam: Das Thema ist, wie erspare ich meiner Familie, meinen Bekannten, meinen Freunden, mit denen ich im Urlaub bin, Genörgel am Urlaubsort?
Die Zuschrift: der ewige Nörgler in der Gruppe
Miriam: Nicht mitfahren. Ja, ich habe eine Zuschrift bekommen wegen Urlaub, das fand ich super passend für diesen Zeitpunkt jetzt, für diesen Podcast. Und da schreibt eine Frau, dass sie immer mit einer Gruppe von befreundeten Ehepaaren in Urlaub fahren und da ist ein Mensch dabei, der hat immer irgendwas auszusetzen. Also sie fahren jedes Jahr woanders hin, sie geben sich viel Mühe mit der Auswahl. Du hast dann immer gleich so eine fatalistische Lösung.
Florian: Was heißt hier fatalistisch? Gleich so eine Lösung, die das Problem an der Wurzel beseitigt.
Miriam: Sie schrieb wohl, er ist sonst ein netter Mensch.
Florian: Sonst?
Miriam: Also außerhalb von der Nörgelei.
Florian: Wenn er nicht redet.
Miriam: Florian! Was denn? Ich habe ja gerade einen Blogpost auch zu dem Thema geschrieben. Stimmt. Ich möchte das gar nicht verurteilen. Verstehst du, wenn jemand ankommt am Urlaub in meiner Welt, darf jeder Mensch für sich das Beste erwarten. Immerhin sind das zahlende Kunden. Sondern dürfen ja wohl auch alle Erwartungen erfüllt werden. Das stimmt. Na und? Wieso dem dann den Mund verbieten? Du würdest dem den Mund verbieten.
Florian: Nein. Der kann sagen, was er will an seinem eigenen Tisch.
Miriam: Also zu Hause. Wenn das so eine ganze Gruppe ist von Menschen oder in einer Familie.
Florian: Wahrscheinlich ist es ja schon so, dass das halt mal ist und mal nicht.
Miriam: Ja, sie schrieb das etwas extremer aus, auch mit vielen Beispielen. Echt? Ja, ich habe mir gar nicht alle dann auch durchgelesen.
Florian: Weil es selbst beim Durchlesen schon anstrengend war.
Miriam: Da hatte ich schon das Gefühl, oh mein Gott, will ich niemals hin zu dem Ort, wo die da waren. Also scheinbar... Und zwar eigentlich ganz schön, oder wie?
Florian: Ja, genau.
Miriam: Also alle finden es toll. Und einer ist da, der ständig irgendwo in der Ecke steht und sagt, das ist doof, das Bett ist zu hart, das Essen schmeckt nicht, der Weg zum Meer ist zu weit, das Wetter ist nicht ordentlich, die Ausflugsziele stimmen nicht. Nee, nee, nee.
Florian: Und wieso ist jetzt nicht mitnehmen keine Option?
Miriam: Naja, wenn der irgendwo dazugehört zu irgendeiner Frau oder wenn das eine Frau ist zu einem Mann.
Florian: Achso.
Miriam: Da müsstest du ja das ganze Pärchen dann ausladen. Oder wenn das die Mutter ist von der Familie, die auch noch nebenbei dann kocht in der Ferienwohnung. Oder der Vater, der hat alles bezahlt. Du kannst ja nicht sagen, du zahlst, aber bleibst so.
Florian: Morgens Streichhölzchen ziehen, wer sich am heutigen Tag um ihn kümmert.
Miriam: Vor seinen Augen. Ja, ich weiß, du würdest den bringen. Ich hätte da echt Skrupel. Ich würde das glaube ich nicht machen.
Florian: Wieso nicht in den, ja. Joa.
Grundannahme: Jeder will für sich etwas Positives
Miriam: Ja, was machst du mit so Nörglern als Sprachzauberer?
Florian: Wenn ich so jemanden im Team habe, dann geleiten wir ihn langsam in andere Richtungen.
Miriam: Klassenkeile. Also okay, ich dachte alle auf einen.
Florian: Weil das ist einfach das, also das kann tatsächlich die gesamte Stimmung einer Gruppe drücken.
Miriam: Ja genau, das schrieb sie auch.
Florian: Also tatsächlich, ich habe die Erfahrung schon in vielen Teams gemacht, wenn eine Person regelmäßig so negativ drauf ist, das drückt schon die Stimmung. Also da dürfen sich die anderen dann besonders viel Mühe geben, spaßig zu sein. Und dann geht es ja oft, dass die Leute auch mitgehen, nur da darf dann was getan werden. Was machst du denn in solchen Situationen?
Miriam: Also erstmal ganz, ganz tolles, das war ein Geschenk in unseren Ausbildungen für mich.
Florian: Ja.
Miriam: Und das ist jetzt schon wirklich im Grunde Profitipp.
Florian: Ja, genau, das ist die Herausforderung.
Miriam: Nee, nee, pass auf, ich überrasche dich jetzt. Du denkst jetzt an was anderes. Das machen wir nur im NLP Practitioner. Das, was ich meine, ist, dass ich davon ausgehe, und ich glaube, das ist auch eine dieser ganz großen Kommunikationsregeln, dass jeder Mensch immer was Positives will, wenn er was sagt.
Florian: Ja.
Miriam: Also zumindest für sich. Das heißt, da gehe ich schon mal von aus.
Florian: Er möchte was beschützen oder was erhalten oder es ist eben das, wie du vorhin schon gesagt hast. Es ist Urlaub, es ist gezahlt und dann hat er bestimmte Ansprüche. Oder möchte halt dafür sorgen, dass dann tatsächlich auch der Gegenwert erreicht wird oder der Spaß auch erreicht wird, der erreicht werden kann.
Miriam: Oder glaubt, dass es für die ganze Gruppe noch komfortabler sein könnte. oder dass sie noch mehr Spaß generieren könnten, wenn da diese Nebenfaktoren aus dem Weg geräumt wären. Und das ist schon, das ist wirklich professionell, an der Stelle einen Gang runterzuschalten und nicht im Kopf dieses Schild von Nörgler auszupacken und es über den zu hängen, so mäh, mäh, mäh, sondern das in sich zu haben, dass jeder Mensch grundsätzlich erstmal gar nichts Böses will. Selbst wenn es echt so klingt. Also es ist schon wirklich, das ist professionell gedacht.
Florian: Die Menschen sind ja nett. Manchmal legen sie halt blödes Verhalten an den Tag. Ja, genau. Also aus meiner Sicht blöd und in ihrer Welt, in ihrer Sicht eben um irgendeinen Zweck zu erreichen.
Miriam: Das heißt, entweder erreicht er oft mit Nörglerei sein Ziel, also dass er sich eben irgendwo hinstellt, vielleicht in der Firma und nörgelt da rum und dann macht irgendeiner das für ihn oder es wird erledigt oder es wird geändert.
Florian: Oder zu Hause.
Miriam: Oder zu Hause, haben wir öfter den Fall. Dass also, wenn sie oder er ständig rumnörgeln und alle springen dann, nur damit der eine glücklich ist, dann ist das ja im Grunde so eine richtig gut funktionierende Strategie. Eine Megastrategie. Jetzt ist es im Urlaub ein bisschen blöd, zu Ikea zu fahren und neue Matratzen zu kaufen für eine Ferienwohnung, die einem nicht gehört. Das würde ich jetzt auch nicht machen. Nur, wenn das so ein angeübtes Ding ist, macht das Gehirn da vielleicht keinen Unterschied mehr.
Florian: Ja, es ist ja dann auch energetisch sinnvoll, weil das einfach die Autobahnen im Gehirn sind. Da lässt sich, da fahren die Gedanken am schnellsten, am leichtesten, am effizientesten. Das heißt, da ist es ganz einfach für diese Person so zu denken. Und nicht geübtes Verhalten ist halt oftmals ungewohnter, kostet mehr Energie. Das ist am Anfang, bis sich das in den ersten zwei, drei Wochen eingeschliffen hat bei dir. Ja, darf das ein wenig Aufmerksamkeit bekommen.
Mensch und Verhalten trennen — und bei sich bleiben
Miriam: Vor allen Dingen glaube ich auch, und das ist dann schon der nächste Tipp, also der erste Tipp wäre eben diese Annahme, dass jeder Mensch grundsätzlich was Positives will. Für sich, für andere.
Florian: Dann habe ich schon den zweiten. Es gibt einen Menschen und es gibt sein Verhalten. Richtig. Man kann den Menschen mögen und Einzelverhalten doof finden.
Miriam: Genau, dann kommen wir wieder zu diesem Punkt, wir deuten dann eben auf den anderen, statt dass wir uns auf uns konzentrieren.
Florian: Was schwingt da bei uns mit, wenn es da einen Nörgler gibt?
Miriam: Ich mag die Betten hier. Ich schlafe hier wie ein Stein. Da ist das schon mal gut. Kann es ja jemand anderem nicht gefallen, kann ja auch sein, dass es da ganz unterschiedliche Befindlichkeiten gibt. Nur wichtig ist ja erstmal, dass ich mich frage, wie gut geht es mir denn gerade an der Stelle. Kann ich mich da jetzt mal entspannen?
Florian: Wie im Flugzeug. Erstmal um sich selber kümmern und dann um die anderen Passagiere, die noch Hilfe benötigen.
Miriam: Wird einem immer wieder gesagt. Allerdings. Zitiere ich jetzt gerne unseren lieben Paddy, einen unserer wirklich guten Freunde. Der hat in einem unserer Workshops mal diesen Sicherheitsding komplett durchgefahren. Dieses ganze Ding. Unglaublich, was der kann. Wenn die da sagen, die Gasmasken fallen runter und die Stopps sind ja gar keine. Doch, da kommt das. Doch.
Florian: Sauerstoffmasken, ja. Ist doch ein Gas. Ja, stimmt.
Miriam: Sieht so aus auch, die Dinger. Ist egal. Also auf jeden Fall ja erstmal sich selbst aufsetzen und dann den anderen helfen. So, das heißt, wenn ich dann in einem stabilen Zustand bin von, ich mag dieses Meer, ich mag diesen Strand, ich liebe diese Berge, mir schmeckt das Essen, wenn mir das in dem Restaurant nicht schmeckt, gehe ich morgen in ein anderes. Die Betten sind super, ich freue mich schon auf den nächsten Ausflug morgen. Dann bringe ich mich zumindest nicht auch in diesen Nörgler-State. Denn das wäre absolut erstrebenswert für mich im Urlaub.
Florian: Dass du in den Nörgler-State auch kommst?
Miriam: Ne, genau das Gegenteil. Das ist ja auch mein Urlaub. Also wenn ich mit meiner Familie im Urlaub bin, mit Freunden, irgendwas, ich stelle mir die Situation ja dann immer vor. Und wir sind da in der Gruppe, wir waren früher immer in einer großen Gruppe Skifahren. Also als ich noch eine Band hatte mit der ganzen Band und Techniker und was weiß ich, alle in einem Ferienhaus. Alle Mann.
Florian: Wieso?
Miriam: Bämme die Bäm. Weil wir uns so lieb gehabt haben. Und wir waren auch alle ganz unterschiedlich und fanden ganz unterschiedliche Sachen gut.
Florian: Ja, das kann ja ganz einfach funktionieren.
Miriam: Wir hatten zum Beispiel zwei, die haben an Tag zwei sich beim Abendessen zu Wort gemeldet mit Ernsttermine. Wir dachten jetzt alle schon, was ist denn jetzt los? Die haben geguckt, als wollten sie abreisen. und halten uns damit, dass sie also diesen frühen Lift, den wir immer gerne genommen haben, morgens um 8, damit wir auf einer leeren Piste losstarten da, dass sie das nicht mittragen im Urlaub. Und dass sie sich wünschen, dass wir, dass uns das allen mal egal ist und dass wir mal einen um 10 nehmen, damit die mal ausschlafen können. Und dann haben wir uns in der Gruppe geeinigt, dass die einfach später kommen und wir dann uns zusammen telefonieren darum, wenn die da sind, dass das schon geht.
Florian: Ja, genau.
Miriam: Dass jeder das so machen darf, wie er will. Und dass auch nicht in so einer Gruppenreise alle ständig aufeinander hängen brauchen.
Unterschiedlichkeit als Vorteil — und der Nörgler als Qualitätsantrieb
Florian: Das ist auch der Trick irgendwie. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass manchmal ist diese Heterogenität, also diese Unterschiedlichkeit der Personen in der Gruppe, Manchmal wird die als Hindernis gesehen und manchmal ist die halt wirklich auch ein Vorteil.
Miriam: Es kam immer auf die Situation an.
Florian: Also ich habe zum Beispiel, bin ich jetzt nicht jemand, der super strukturiert und aufmerksam Linien an die Wand kleben kann und der es wahnsinnig toll findet, so ein gemeinsames Taskboard, also wo unsere Aufgaben draufhängen, zu pflegen. Das ist für mich dann schon, da darf ich mich dann schon hinsetzen und dann finde ich mich da drin und dann mache ich das. Und es gibt normalerweise immer jemand in Gruppen, Der das lieber macht, der das schöner macht, der sich dann darum kümmert, dass das hübsch aussieht und so. Da freue ich mich wahnsinnig drüber.
Miriam: Ist das dann auch Aufgabenverteilung? Auch so delegieren können? Ich delegiere da nichts.
Florian: Meistens passiert das dann automatisch. Also meistens ziehe ich krumme Linien an irgendeine Wand und nach zwei Tagen hat es dann irgendjemand repariert.
Miriam: Das wäre ja dann die Strategie vom Nörgler, finde ich.
Florian: Wieso?
Miriam: Naja, also halt einfach irgendwie alles abnörgeln, bis irgendeiner sich drum kümmert.
Florian: Was, ich habe überhaupt nicht genörgelt. Ich nörgle da ja nicht drüber. Für mich könnten wir es auch schräg lassen. Ich freue mich nur tatsächlich dann auch drüber, wenn jemand diese Unterschiedlichkeit einbringt. Also vielleicht ist der Nörgler ja auch in der Lage dazu, noch bessere Vorschläge zu machen, wo man dann am nächsten Tag hingehen könnte oder was man unternehmen könnte. Irgendwie, was ein Nörgler ja gut kann, ist den Kontrast suchen im Vergleich zum idealen Bild. Also irgendwie hat so ein Nörgler ja eine bessere Version des Urlaubs im Kopf.
Miriam: Ja, stimmt.
Florian: Das ist ja spannend.
Miriam: Also sozusagen der Mensch wächst mit seinen Ansprüchen.
Florian: Ja, und dann ist ja die Frage, wie viel davon lässt sich realisieren? Wie könnten wir es vielleicht noch ein Stückchen besser haben? Also, wir waren heute in einem Restaurant, da war es vielleicht gut schon und vielleicht hat die Person ja eine bessere Idee. Darauf würde ich die übrigens dann auch langsam verpflichten oder langsam hingehen. Das wäre dann mein Profi-Tipp. Irgendwann reinzugrätschen zu sagen, nörgeln nur noch mit besserem Vorschlag. Haben wir auch schon gemacht.
Miriam: Sehr cool. Ja, weil das Ansprechen, glaube ich, in so einer Gruppe dann, sich so an den Tisch setzen, ich empfand die Situation als ziemlich doof, weil es hat sich erst so angefühlt, als wäre irgendwie der Haussegen schief, war es dann gar nicht, es ging nur um dieses blöde länger schlafen. Hey, alles gut, jeder so lange er will, bleibt den ganzen Tag im Bett, mir egal.
Florian: Wenn die nicht mitgekommen wären, wäre auch egal gewesen.
Miriam: Ich möchte meinen Skipass ausnutzen und fertig.
Florian: Ja, die auch nur eben anders ausnutzen, das ist anders definiert.
Miriam: Ja, ich fand es auch schön, dass es in der Gruppe immer wieder Angebote gab, auch in die Richtung. Also ich war zum Beispiel deutlich die, ich sage jetzt mal technisch, ich will nicht sagen die schlechteste Skifahrerin. und die anderen hatten alle schon mehr Erfahrung im Skifahren. Und ich habe dann auch, wenn wir so mit der ganzen Truppe unterwegs waren, das Tempo bestimmt. Klar, weil ich war halt die Langsamste. Das heißt, die haben alle relativ lange immer auf mich gewartet unten an den Pisten, bis ich dann irgendwann das Angebot auch gemacht habe, ich kann auch einfach hier jetzt so ein bisschen auf diesem sonnenbeschienenen Hang rumfahren und diesen Lift fahren und ihr könnt einfach mal abhauen. Also ich bin hier nicht jetzt, ich bin ganz glücklich, wenn ich hier einfach jetzt vor mich hingondeln kann.
Florian: Und was war da?
Miriam: Da haben die gesagt, nö, da hätten sie ja nichts zu lachen.
Florian: Die können ja dann auch zweimal fahren, während du einmal fährst.
Miriam: Richtig, das haben die auch zum Teil gemacht oder sind mit der Kamera in der Hand rückwärts vor mir hergefahren. Das fand ich dann schon ein bisschen gemein. Es war schon frech. Also ich hatte das Gefühl, dass ich ziemlich viel Humor bewiesen habe in der Zeit. Nur ja, auch das ist einer der Tipps. Das ganze Humor vollnehmen nimmt oft die Spannung raus. Das ist natürlich sensibel. Also die Menschen kennen sich ja meistens untereinander ein bisschen, die zusammen in Urlaub fahren. Außer es ist eine Reisegruppe. Nur da wäre für mich dann der Reiseveranstalter mehr verantwortlich als ich, wenn jetzt in so einer Busformation einer sitzt, der auch ständig nur meckert. Dann würde ich auch zwischendurch einfach ein iPod aufsetzen. und wir denken, ach nö. Nur in so einer Gruppe, wo sich Menschen gut kennen, kann ich ja den einen oder anderen, da weiß ich ja so.
Florian: Deswegen nehmen wir den ja mit oder deswegen fahren wir ja in der Gruppe, die wir sind. Wir mögen uns ja. Ja, genau.
Miriam: Ich wüsste ungefähr, an welchen Stellen du zum Beispiel in einem Urlaub nicht mehr zufrieden wärst. Ich hätte eine Idee. Und ich glaube, die hättest du bei mir auch, wenn wir zusammen im Urlaub sind. Also wo bei mir sozusagen es in eine Zone geht, wo ich dann meine ganzen Kenntnisse anwende, um mich weiter bei Laune zu halten.
Florian: Ja, na klar.
Miriam: Ja, und das ist eben, also ich kann es ja sagen, ich würde niemals campen, wenn ich mir vorstelle, dass diese ganzen Mückenbiester da einfach...
Florian: Das ist das größte Thema überhaupt.
Miriam: Oder dass ich 150 Meter zur Dusche laufe.
Florian: Nee. Nee. Und die Dusche dann auch noch teilen mit jemandem. Ach, überleg mal. Also bitte.
Miriam: Nee, das ist überhaupt nicht mein Urlaubsding. Da schüttelt es mich. Und Ferienwohnungen, die so in Richtung Camping gehen, von der Innenausstattung, da geht das dann bei mir los, das Kopfkino. So, also nur damit wir das klar haben, es sind Insekten. Also es gibt eben so Stellen, da bin ich empfindlicher vielleicht als andere Menschen.
Florian: Zumindest gewesen in der Vergangenheit, wer weiß.
Miriam: Auch ich pflege das ab und zu noch.
Florian: Ich weiß.
Miriam: Bisher hast du es gepflegt. Du warst heute noch nicht draußen auf dem Balkon.
Florian: Vielleicht hat es sich ja über Nacht spontan geheilt.
Miriam: Das kann sein. Gut. Also wenn einer dabei ist, der über bestimmte Sachen nörgelt, das irgendwann auch reingrätschen, hast du gesagt.
Florian: Also irgendwann ist dann auch gut und dann... Naja, es ist halt, wer auch immer die Verantwortung für die Gruppe dann übernehmen möchte. Und irgendwann darf ich dann eben auch sagen, ja okay, was machen wir denn jetzt? Deswegen dieser Trick. Also tatsächlich habe ich das in Teams schon mitentschieden, dass wir sagen, es hilft jetzt nichts mehr. Wir haben uns das jetzt angehört, das stimmt. Also das Essen war jetzt vielleicht nicht so prima. oder die Betten sind jetzt hier ein bisschen härter als zu Hause. Nur jetzt ist es halt so und es macht uns nicht bessere Laune, wenn wir drüber reden. Dann lassen wir das jetzt, bis wir einen besseren Vorschlag haben, was wir tun können. Und dann ist es ja wieder fair. Also dann zu sagen, lasst uns heute Abend doch mal in die Nachbarstadt gehen. Ich war im Internet, ich habe recherchiert. Da ist ein ganz tolles Restaurant. Mega Idee. Ganz großartiger Service für die Gruppe.
Miriam: Also sich selbst stabil halten in der Laune, davon ausgehen, dass der andere auch in seiner besten Option handelt, also mit besten Absichten und dass es eben eine Strategie ist, die er oder sie sich angeeignet hat irgendwann und damit auch Ziele erreicht hat.
Florian: Es ist ja dieses, diese Unterschiede sehen, das Sehen, was noch nicht perfekt ist, das ist ja auch, da ist ja tatsächlich ein Skill drin, ne? Eine Fähigkeit drin, um eben Verbesserungen noch zu machen. Ja. Aus dieser Unzufriedenheit mit dem Status Quo entsteht ja ganz viel Energie, Aktion, irgendwas zu tun. Nur manche Menschen haben sich den irgendwie abtrainiert da, ne?
Miriam: Wir hatten früher im Theater so einen Techniker. Das erinnert mich total daran. Die ganzen Proben liefen auf Hochtour und alle waren gut drauf. Es ging zur Premiere zu, die Aufregung war im Raum, es war super. Und egal zu welchem Zeitpunkt dieser Proben oder der Abläufe oder wie auch immer, wenn der sich zu Wort gemeldet hat, dann war irgendwas nicht machbar so oder so noch nicht perfekt oder noch nicht gut oder optimierungsbedürftig. Und irgendwann... Gegen mir das früher so richtig, ich sag mal ganz platt, auf den Sack. Nur weil ich dachte jetzt, hör halt auf. Jetzt steht hier alles.
Florian: Jetzt lass uns einfach dieses Ding aufführen.
Miriam: Ich hab mir das eine Zeit lang angehört und dann dachte ich noch ein Wort und ich spring jetzt hier von der Bühne. Und so, wenn du es jetzt sagst, der Typ hat rückblickend gesehen, er ist jetzt nicht mehr dabei, rückblickend gesehen. hat der grandios gearbeitet. Also der hat grandios abgeliefert.
Florian: Der hat euren Level von Qualität gesteigert.
Miriam: Der hat diesen Level gesteigert. Mittlerweile habe ich auch Menschen kennengelernt, die das auf positive Art machen und nicht die ganze Gruppe immer abbürsten, bevor sie dann...
Florian: Das ist ja eine Lernmöglichkeit, die Unterschiede zu sehen und dann zu sagen, okay, wo wir jetzt sind, ist gut und wir arbeiten jetzt auf ein cooles Ziel hin. Das ist ja auch ein einfacher Weg, damit umzugehen. Den Kontrast mit der Vision oder mit dem Traum oder dem schönen Ziel, das du hast.
Notbügel Humor, Ablenkung und Verantwortung für den eigenen Urlaub
Miriam: Wenn alle Stricke reißen, flach wird sie nett. Echt, das ist so ein Notbügel. Wer hat der Gruppe vorlesen? Irgendeiner fängt an zu lachen, die anderen lachen auch. Einfach auf dem Handy. Einen Blödsinn nach dem anderen.
Florian: Einen fiesen schlechten Witz nach dem anderen. Was ist grün und schaut durchs Schlüsselloch?
Miriam: Jetzt kannte ich, warte mal. Das war der Spionat.
Florian: Exakt.
Miriam: Ja, also auf diesem Niveau arbeitet sich diese Website quasi durch eine Million Witze. Erstmal selber wieder zum Lachen kommen.
Florian: Ich liebe auf YouTube auch diese Nicht-Lachen-Challenges, wo die Wasser im Mund haben oder so. Großartiger Blödsinn vor dem Herrn.
Miriam: Also sich wirklich zum Lachen bringen, wirklich lachenentspannt, so sehr entspannt auch dann die ganze Gruppe, entspannt auch die Kinder. Das ist ein ganz fantastischer Schachzug. Wenn du jetzt denkst, der meckert so intensiv, da geht das doch nicht. Glaub uns, wir haben das getestet.
Florian: Das stimmt. Und wir hatten auch Podcasts schon dazu, ne? Ja. Zum Thema Umgehen mit Nörglern oder mit was, wenn mein Kollege irgendwelche komischen Sachen macht oder so. Das geht so in Richtung, ich sage nur ein paar Stichworte so in Richtung mal ablenken, über was anderes reden. Vielleicht gibt es da ja ein Lieblingsthema, über das die Person auch spricht.
Miriam: Oh, das ist auch super. Wenn du den Menschen gut kennst. Sprich einfach mittendrin, wenn er anfängt zu nörgeln, mal sein Lieblingsthema an. Egal ob das Modelleisenbahn, Fußball, Tanzen, Briefmarkensammeln ist. Das tut Wunder.
Florian: Oder ein Kompliment machen.
Miriam: Kompliment machen.
Florian: Wow, siehst du heute gut aus.
Miriam: Ah, schön. Ja, solcherlei Dinge. Kreativ sein an der Stelle.
Florian: Die Verantwortung dafür übernehmen. Wenn du die Verantwortung dafür übernimmst, dass es jetzt besser wird, dann ist der Nörgler quasi schon eingefangen.
Miriam: Und einen hätte ich gerne noch besprochen, das ist der letzte Satz dieser Zuschrift gewesen, den hätte ich gerne von dir noch weggewischt.
Florian: Wisch ihn selber weg.
Miriam: Wisch ihn selber weg, ja. Sowas verdirbt mir dann den ganzen Urlaub. Wow.
Florian: Und was sagst du da als Coach?
Miriam: Du, da sind wir am ersten, allerersten Tipp. Meinen Urlaub.
Florian: Verderb ich mir nur selbst.
Miriam: Ach, das hast du so poetisch formuliert. Aber genau. Danke, das war's. Richtig.
Florian: Wer kann einem den Urlaub verderben? Nur jemand selbst.
Miriam: Das kann bei mir noch nicht mal das Wetter. Weil ich weiß, was ich drin mache, wenn ich frei habe. Echt.
Florian: Ja, das hat was damit zu tun, dass ich die Verantwortung dafür übernehme und sage, okay.
Miriam: Meine Zeit, meine Tage, mein Leben, mein Urlaub, mein Spaß, mein Körper, mein Geist, meine Seele, meine Frikandel in Holland.
Florian: Du isst Frikandel? Ich dachte, du wärst vegan. Nee, ich esse keine Frikandel. Also würdest vegan essen.
Miriam: Das fiel mir jetzt nur gerade ein.
Florian: Meine Blaubeeren in Deutschland, in Holland. Guck mal hier.
Miriam: Ja, wir freuen uns schon auf unseren Urlaub.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Und wir genießen jede Sekunde, wa?
Florian: Ja, machen wir.
Miriam: Ich lasse mir von dir gerne meinen Urlaub genießen.
Florian: Genießen, ja genau. Sehr schön.
Miriam: Gut, dann vielen Dank fürs Zuhören. Viel Freude im Urlaub. Vielleicht bist du gerade im Urlaub. Dann allerbeste Grüße an den Strand.
Florian: Vielen Dank auch für die Frage, auch wenn wir ein bisschen provokant damit umgegangen sind. Ich fand's gar nicht. Wir haben den sehr ernst genommen. Ja, es ist ein interessantes Thema. Den können sicherlich in diesen Monaten viele Menschen nachvollziehen.
Miriam: Ja, dann freuen wir uns auf dein Feedback, auf deine Urlaubs-Stories, auf deine positiven und deine guten Erlebnisse und die wunderschönen Eindrücke, die du hattest. Und die tollen Sonnenuntergänge in den Bergen oder am Meer, die sind überall wirklich schön.
Florian: Du nimmst so viele schöne Sachen wahr.
Miriam: Ja, genau. So, ein poetisches Ende für einen ruppeligen Anfang. Bis zum nächsten Dienstag, ihr Lieben.
Florian: Bis nächsten Dienstag, tschüss.
Miriam: Oder auf kontext*denken.de