„Schönes Wochenende!“ – sagst du das eigentlich noch mit Bedeutung, oder rutscht es dir raus wie ein „Mahlzeit“ auf dem Flur? Miriam und Florian nehmen genau diese kleinen Wünsche auseinander, die wir uns täglich zuwerfen, ohne hinzuschauen. Was steckt an Vorannahmen im „Mach's gut“, im „Gute Besserung“, im „Gute Reise“? Und warum wünscht ein Kollege von Miriam nicht „viel Erfolg“, sondern „viel Spaß beim Erfolg“?
Ne, nicht dieses Thema – und dann geht's doch los
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Florian: Oh ne, nicht das Thema bitte. Können wir nicht ein anderes Thema nehmen?
Miriam: Dass das so losgeht, finde ich jetzt schon lustig.
Florian: Oh ne. Miri hat gerade das Mikrofon angeschaltet.
Miriam: Ja.
Florian: Hallo liebe Zuhörer.
Miriam: Wir wünschen euch einen schönen Podcast.
Florian: Hab einen schönen Tag. Das ist das Thema heute.
Miriam: Und ein schönes Wochenende. Wie viele Wochenenden hat ein Mensch in seinem Leben? Also das Thema... Guck mal, der Florian ist total... Ey, ihr dürftet das echt sehen. Das ist so schön.
Florian: Das Thema ist, was wünschst du anderen Menschen und hast du dir darüber schon mal Gedanken gemacht? Und umso mehr Wünsche uns einfallen, umso popoloriger wird das Thema.
Miriam: Es ist doch schräg, oder?
Florian: Wir wollen uns schon noch was wünschen, nur wir wollen anderen nichts mehr wünschen.
Miriam: Ich glaube, dass bis jetzt noch kein Hörer weiß, warum wir so guter Laune sind und so ausgelassen.
Florian: Zum Beispiel. Es ist Freitagnachmittag, du bist in der Arbeit, es ist 12.30 Uhr, dein Kollege packt seine Tasche und du sagst, bei uns ist das, bei dem Projekt, in dem ich gerade arbeite, ist das so. Das ist eher 11.30 Uhr. Kollege packt die Tasche und ich sag, hab ein schönes Wochenende.
Miriam: So, da ist ja erstmal nichts dran auszusetzen. Ich finde das sehr höflich.
Florian: Gut, danke, dass ich den Stempel der Höflichkeit bekomme. So, und Miri argumentiert. Oder Miris Frage ist, sollte ich ihm sowas wünschen wie und mögen der Rest der Wochenenden deines Lebens wunderbar werden.
Miriam: Ich fände es lustig, wenn du sagen würdest, möge die Macht mit dir sein.
Florian: Mögen die restlichen Wochenenden deines Lebens wunderbar werden. Das klingt so, als würden wir uns nie wiedersehen.
Miriam: Ja, das stimmt. Dann wünsche ich ihm doch zwei Tage Erholung von dir.
Florian: Sag doch, hab ein schönes Wochenende.
Miriam: Achso, das meinst du damit, dass der Subtext...
Florian: Der braucht keine Erholung von mir.
Miriam: Nein, wirklich, ich finde die Frage sehr spannend.
Florian: Also hoffe ich.
Miriam: Die in einigen Besser-Denken-Besser-Sprechen-Seminaren, das sind unsere Wochenendseminare, da kommt sowas dann auch zur Sprache, weil wir dort sehr genau Sprache unter die Lupe nehmen. Das macht auch wirklich einen Heidenspaß.
Florian: Ach, so ein Quatsch. Wir sagen halt einfach irgendwas hier in der Arbeit. Mahlzeit.
Miriam: Es wird ja nicht nur in der Arbeit benutzt.
Florian: Mahlzeit? Hauptsächlich. Mahlzeit schon. Und habt ein schönes Wochenende auch, meistens.
Miriam: Ja, und grundsätzlich finde ich es ja immer gut, Menschen gute Sachen zu wünschen. Also von daher, nur dass wir das klar haben, für alle Sprachpräzisionäre da draußen, ich finde das in Ordnung.
Florian: Ich finde das auch super, wenn ich in einem Projekt am Mittwoch schon das letzte Mal bin und die anderen Donnerstag und Freitag für jemand anders arbeite, sage ich auch immer, schönes Wochenende.
Miriam: Das ist sehr lustig, wenn bei uns in der Firma jemand ein schönes Wochenende wünscht. Die meisten im Studiobetrieb arbeiten in Schicht, aber bei uns gibt es überhaupt keinen Platz fürs Wochenende. Also wir arbeiten Samstag, Sonntag genauso wie Montag, Dienstag.
Florian: Manche Menschen haben am Dienstag Wochenende, ne?
Miriam: Ja, Dienstag, Mittwoch oder Mittwoch, Donnerstag. Ich auch, ne? Also ich habe auch oft mein Wochenende nicht am Wochenende, am offiziellen Wochenende. Und wenn dann freitags die Leute, die Wochenende feiern ganz normal, wenn die dann mir ein schönes Wochenende wünschen, weiß ich nicht, was ich sagen soll.
Florian: Könntest du das, also bevor wir jetzt noch mehr, könntest du das Thema bitte als Frage formulieren?
Miriam: Was sollen sich Menschen überhaupt noch sinnvollerweise wünschen, damit es sich richtig gut anfühlt?
Florian: Vielen Dank. Ja, also doch next. Was next? Next Thema.
Miriam: Wir nehmen den. Florian, wir gehen da jetzt durch. Ich weiß, es ist ein Thema, für mich ist das Gold. Ich liebe das. Ich liebe es, Sprache unter die Lupe zu nehmen und genauer hinzunehmen. Ganz viele Menschen sehen ja das Wochenende wirklich als rettende Insel in einem sehr unangenehmen Arbeitsalltag.
Von der Floskel zur Abkürzung – wenn Wünsche ihren Sinn verlieren
Florian: Wobei, die meisten sagen ja gar nicht, ich wünsche dir ein schönes Wochenende, sondern nur, schönes Wochenende.
Miriam: Ja, das sind dann Angewohnheiten, so wie Mahlzeit.
Florian: Ist diese Abkürzung auch erlaubt?
Miriam: Was für ein Wochenende?
Florian: Naja, wenn jemand nur sagt, schönes Wochenende.
Miriam: Du könntest auch SW sagen. Ist auch eine Abkürzung.
Florian: Sogar ein Akronym.
Miriam: Ich finde, auf jeden Fall hat es dann plötzlich wieder Bedeutung.
Florian: Also es macht mehr... IWD ESW. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
Miriam: Ja, mach mal bei deinem aktuellen Kunden. Ich bin jetzt schon gespannt auf deinen Bericht. Ich glaube, die wenigsten würden dich darauf ansprechen. Manche würden denken, du hast ein Thema, hast irgendein Problem. Ja. Ich glaube, vieles davon ist wirklich angewöhnt und dann wird es zur Floskel. Dann ist es eh nicht so schön, finde ich.
Florian: Mahlzeit. Ja.
Miriam: Es fühlt sich nicht mehr so echt an, so als wirklich guter Wunsch. Wenn mir jemand aufmerksam was wünscht, wenn derjenige mir dabei in die Augen schaut.
Florian: Bon Appetit.
Miriam: Auch schön, ne?
Florian: Ja. Französisch geht alles gleich.
Miriam: Ist auch schön.
Florian: Echt? Sagen die bei euch Mittag?
Miriam: Mittag in Hessen. Nee, sagen auch Mahlzeit in den Firmen.
Florian: Mahlzeit, ne? In den Firmen kenne ich das nur mit Mahlzeit. Ja. Und das ist so ein, so wie bis 11.30 Uhr ist halt Morgen.
Miriam: Ja.
Florian: Ist auch nicht guten Morgen, sondern es ist einfach nur Morgen.
Miriam: Könntest du ja sagen, ja stimmt. Das ist ja Morgen, also antworten mit ja stimmt.
Florian: Ja. Ist das sinnvoller? Wir wollen ja sprachseziererisch unterwegs sein.
Miriam: Ja, wir wollen mal richtig loslegen hier. Ich finde in dem Augenblick, wo es nur noch eine Floskel ist, finde ich, gehört es eh ausgemustert. Ist meine Meinung, das ist Miriks Welt.
Florian: Nur was, wer sagt, dass wir das tun sollen? Der Knigge?
Miriam: Der Knigge sagt, dass wir aufmerksam sein sollen. Hast du den Knigge mal wirklich gelesen?
Florian: Nein.
Miriam: Die ersten 100 Seiten im Knigge sind nicht die Anweisung, wie man das Messer richtig hält oder welche Bestecke wohin gehören, sondern die ersten 100 Seiten gehen um Wahrnehmung.
Florian: Ich habe nur diesen modernen Knigge mal durchgeblättert.
Miriam: Und es ist in uraltem Deutsch formuliert, das heißt, es ist wirklich nicht so einfach für mich gewesen zu lesen.
Florian: Hast du den Knigge mal, den alten Knigge mal auf alt gelesen?
Miriam: Ja, wir haben ihn hier.
Florian: Ja, ich weiß.
Miriam: Ich habe ihn jetzt das zweite Mal.
Florian: Ich gucke mir den auch immer wieder an.
Miriam: Und das erste, was er tut, ist, er entflammt für dieses „Nimm dich und andere endlich wieder wahr und lauf nicht rum wie ein Roboter“. Und das war 1890 oder so. Also in einer Zeit, wo wir vielleicht sagen würden, da waren die Menschen grundsätzlich noch achtsamer. Nur stimmt nicht, weil es gab noch kein Fernsehen, es gab noch keine Computerspiele. Das wird ja oft so als... oder Stress wird ja auch vorgeschoben für einfach nicht wahrgenommen. Oder ich sage halt eben Hallo.
Zeitung vor der Nase – Achtsamkeit ist kein neues Problem
Florian: Weißt du, was ich immer denke, wenn jemand sagt, das liegt irgendwie an den Computerspielen oder an den Handys, dass wir irgendwie unaufmerksamer geworden sind? Dann denke ich immer an so ein Bild von, ich weiß nicht, Anfang des 20. Jahrhunderts. Da warten Männer... auf eine Kutsche auf dem Bild. Ist das ein Kunstbild oder ein Foto? Das ist ein Foto. Das ist schon ein Foto. Und da warten eben Männer am Straßenrand drauf. Ich glaube, das ist ein Bus oder ein Pferdebus oder was auch immer. Auf jeden Fall, also deutlich Anfang des 20. Jahrhunderts. Und die haben alle eine Zeitung in der Hand.
Miriam: Vor der Nase. Ja. Komplett gesichtsverdeckt.
Florian: Die gucken sich auch nicht an und reden auch nicht miteinander. Es liegt also nicht an den Smartphones.
Miriam: Vielleicht war ja deshalb auch der Herr Knigge so erpicht darauf, dass Wahrnehmung mal wieder stattfindet.
Florian: Ich dachte, früher haben die alle Lieder um den Herd herum gesungen und waren alle voll bei sich, weil...
Miriam: Es gab ja noch keine Computerspiele.
Florian: Genau, und keine Zeitung. Damals gab es ja noch nicht mal eine Zeitung.
Miriam: Wie auch immer. Also auf jeden Fall ist dieses aus reiner Höflichkeit irgendwas von sich geben zumindest nichts, was wirklich was tut.
Florian: Das ist eine Grundhöflichkeit, oder?
Miriam: Das ist sowas, ja, sowas Abgespultes, schnell.
Florian: Wenn dir jemand einen guten Morgen wünscht und du sagst, ich war jetzt nicht aufmerksam, ich sag jetzt nix. Das ist doch dann unhöflich, oder? Wird als unhöflich empfunden. Du kommst irgendwo rein, sagst nichts, weil du das Gefühl hast, da ist sowieso niemand aufmerksam durch die Gegend gerade. Sagst nichts.
Miriam: Das ist doch unhöflich. Ja, ist mir so anerzogen worden.
Florian: Ja, hab ich so gelernt. Wenn wir dann bei der Sprachseziererei sind, ist es dann besser, wenn du sagst, morgen...
Miriam: Nee. Ich finde, beides fühlt sich fahl an und fad und bitter. Für mich. Wenn ich so in mich reinfühle und die Situation wahrnehme und ich, du sagst immer, welches Wort hast du, ich hatsch in so einen Raum rein, wo fünf Leute sitzen und sagen, morgen.
Florian: Du schlappst eher.
Miriam: Dann ist das genauso gut wie nichts sagen. Wirklich. Wenn ich vorher die Leute wahrnehme, wenn ich vorher die Leute wahrnehme, ich finde, wenn ich diesen Raum betrete und nehme die wahr und sehe, okay, das ist XYZ und D-Kollege und dann sage ich in den Raum hinein, einen wunderschönen guten Morgen. Ich finde, das hat mehr Qualität. Und wir können uns da gerne, also da dürfen auch unsere Hörer gerne was zu schreiben.
Florian: Da hätten wir gerne Meinungen zu. Was machst du denn zu Hause oder in deiner Arbeit? Sagst du Guten Morgen oder Einen wunderschönen guten Morgen, euch liebe Kollegen. Oder wie begrüßt du deine Kollegen?
Miriam: Also klar, ich arbeite jetzt auch nicht in einer Firma, wo morgen Mahlzeit und sowas gesagt wird, sondern dadurch, dass es Schichtarbeit ist und die Leute eh an irgendwelchen Tagen arbeiten, ist es eher ein Hallöchen. Also ich begrüße schon die Leute und zeige, dass ich sie wahrnehme.
Florian: Ist es geflötet schöner?
Miriam: Ich finde immer, wenn es eine Authentizität hat, ist es schön.
Florian: Also du möchtest diese Aufmerksamkeit drin haben. Das heißt, es ist völlig egal. Ich könnte auch... Ich würde lachen. Wenn ich sagen würde, mit der Intention, dir ein schönes Wochenende zu wünschen. Also eins. Eins. Nicht schöne Wochenenden für den Rest deines Lebens, weil wir sehen uns ja hoffentlich nochmal vor Wochenende zwei. Ist es... Ist das, also ich war ja mal ein Jahr in Amerika. Ja. Und da gibt es immer ein Jahrbuch am Ende jedes Jahres, egal ob jetzt Abi ist, Abschlussklasse oder nicht, haben die jedes Jahr ein Jahrbuch. Und so hatte auch ich ein Jahrbuch. Und das Unhöflichste, was man tun konnte, weil es gab leere Seiten hinten drin. Und die waren dafür gedacht, dass wir gegenseitig uns tolle Wünsche da reinschreiben oder was über das Jahr oder was auch immer. Ich habe das immer noch zu Hause auch. Und das Unhöflichste, was ich damals hätte reinschreiben können für irgendjemanden, rat mal.
Miriam: Mahlzeit.
Florian: Nein. Nein. Have a nice summer. Also hab einen schönen Sommer. Weil das der Ausdruck war eben von, ich nehme mir nicht die Zeit, etwas Persönliches zu formulieren, sondern das Persönliche reinzuschreiben. Das wäre so ein bisschen das Äquivalent zu...
Miriam: Einfach irgendwas vor sich hin sagen, weil es gesagt wird. Und weil da null Achtsamkeit mehr drin ist, sondern einfach nur ein bei manchen Geblöke, bei manchen Geflöte. Ich finde, es liegt irgendwo dazwischen. Und wie gesagt, Florian meint ja, es ist immer noch besser, morgen zu sagen, als gar nichts zu sagen.
Florian: Vor allem in dem Ton finde ich es sehr lustig.
Miriam: Du, viele machen das.
Florian: Ja, viele machen das unabsichtlich.
Miriam: Da gucke ich dann von meinem Computer hoch und denke, was soll ich jetzt da drauf reagieren?
Florian: Ich gucke immer, wie die Kollegen drauf sind, ob sie reagieren, wenn ich morgen sage.
Miriam: So, jetzt würde ja einer sagen, ey, so froh, dass ich überhaupt was sage, ne? Ey, Bern, ne? Ey, Bern, du bist ja auch viel mit IT-Leitung.
Florian: Also, wenn du hier anfängst mit, wir dürfen hier einen wunderschönen, also erstmal gucken, wahrnehmen, einen wunderschönen guten Morgen wünschen.
Miriam: Nee, nicht einen. Nein, nein, nein, nein, nein.
Florian: Hab wunderschöne guten Morgende für den Rest deines Lebens.
Miriam: Es ist wieder einer dieser wunderschönen Morgende.
Florian: Es ist Morgende oder Morgense oder Morgens.
Miriam: Morgenei.
Florian: Morgenei. Morgenei.
Miriam: Schon wieder erwischt. Ja. Nicht einen guten Morgen. Ganz viele wünsche ich den Menschen. Ich wünsche denen ständig nur, dass sie morgens jubilieren vor Freude. Auf dem Tisch tanzen, nackt. Keine Ahnung.
Florian: Einen wunderschönen guten Morgen und viele weitere noch mehr.
Miriam: Und jeden Tag, was weiß ich. Dann wird es auch verfloskelt, oder? Die Leute werden aufmerksam. Hier ist der Unterschied.
Florian: Und es klingt schon so, als würdest du dich für immer von denen verabschieden.
Miriam: Wenn sie dann nachfragen würden, würde ich sagen, nein, nein, ich bleibe.
Florian: Und morgen wünsche ich dir wieder wunderschöne guten Morgens, bis nächstes Jahr.
Miriam: Bei mir wundert sich schon gar keiner mehr, weil die ja sagen, die Miri lebt ja auf irgendeinem Sprachplaneten. Und ich denke dann, ja Gott sei Dank.
Gute Reise, gute Besserung – die versteckten Vorannahmen
Florian: Weißt du was, ich bin jetzt das erste Mal in einem Projekt, wo ich wirklich viel Aufzug fahre. Ich weiß auch nicht warum. Also es gibt auch Treppen. Nur normalerweise liegen die Aufzüge nicht so gut, wie sie jetzt in diesem Großraumbüro liegen. Und dann habe ich mir auch, ich habe mir lange überlegt, was ich sage, weil wir sind, das ist schon eher ein zugeknöpfter Laden, in dem ich gerade bin. Also es ist deutlich Großkonzern. Und das ist ja schon beim Einsteigen immer so ein Hallo. Hallo. Wir verbringen ja Zeit in einem kleinen geschlossenen Raum zusammen. Und ich habe lange überlegt, was ich sage, wenn ich als erster aussteige. Und? Was würdest du sagen?
Miriam: Viel Spaß noch.
Florian: Ich sag jetzt, gute Weiterfahrt.
Miriam: Das ist auch gut. Und auch da ist eine Vorannahme drin. Ja, dass sie weiterfahren. Nee, dass das Ding abstürzt, dass es eine schlechte Weiterfahrt gibt, oder?
Florian: Was? Nein.
Miriam: Ja, das ist auch ein spannendes Thema. Dass wenn ich jemandem eine gute Reise wünsche, so ganz unten drunter in der untersten Ebene ja mitschwabbert.
Florian: Dass du auch mit vorannimmst, dass es auch schlechte Reisen auf dieser Welt gibt.
Miriam: Richtig. Und dass das zu vermeiden wäre. Sorry. Da sind wir bei Sprachzaubern.
Florian: Gute Reise im Rahmen dessen, was du dir unter gut vorstellst. Ja, es könnte ja sein, dass sich jemand eine schlechte Reise wünscht und jetzt hast du der Konter gewünscht.
Miriam: Vielleicht ist die Reise an sich neutral. Dann würde ich ja schon was Schöneres implementieren, wenn ich sage, viel Spaß auf der Reise. Oder maximalen Spaß auf der Reise. Maximal ist besser, weil dann ist auf jeden Fall Spaß dabei. Nur ich wünsche maximalen Spaß. Noch viel mehr Spaß beim Weiterfahren. Maximalen Spaß beim Weiterfahren. Maximalen Spaß in diesem Aufzug und Männer haben Bilder im Kopf. Das ist toll. Frauen auch.
Florian: Weiß ich nicht. Nach allem, was wir an Feedback bekommen haben auf die sexuellen Beziehungskisten der letzten zwei Wochen, würde ich sagen, Frauen erst recht.
Miriam: Es gibt ja auch so abergläubische Sachen bei Wünschen, ne? Das Toi-Toi-Toi beim Theater zum Beispiel.
Florian: Ja, da sagt man, was darf ich nicht sagen?
Miriam: Da darf nicht gedankt werden danach. Also wenn einem Toi-Toi-Toi gewünscht wird, dann ist die richtige Antwort laut des Aberglaubens im Theater, da gibt es viele Aberglauben, „wird schon schiefgehen“. Was anderes wird nicht gesagt. Ja. Und wie hässlich. Das möchte ich mir ja selber nicht wünschen.
Florian: Ich hatte ja jetzt kurz Zeit, über deinen maximalen Spaß bei deiner Reise nachzudenken. Da ist auch eine Vorannahme drin. Nämlich, dass es auch minimalen Spaß gibt.
Miriam: Und es gibt Spaß. Da sind wir schon mal einen Schritt weiter. Immerhin ist Spaß dabei.
Florian: Und wenn es Spaß gibt, kann es auch negativ Spaß geben.
Miriam: Nee, nee, wenn ich maximalen Spaß wünsche, heißt es, es gibt auch minimalen Spaß. Minimalen Spaß.
Florian: Ja, vielleicht sind die ja gerade Neutralspaß und jetzt wünschst du denen Maximalspaß und sie denken darüber nach als erstes so, oh, vielleicht gibt es auch Minimalspaß. Vielleicht gibt es auch weniger Spaß, als ich bisher hatte. Kann es sein, dass wir uns zu viele Gedanken machen darüber?
Miriam: Unsere Hörer würden das jetzt unterschreiben. Nur wir haben gesagt, wir ziehen den durch. Das wird ein verwirrender Podcast. Das ist okay. Verwirrung ist auch ein gutes Gefühl.
Florian: Also, halten wir fest. Schöner ist, wenn du da draußen mehr wahrnimmst, was passiert um dich herum. Und dann einen schönen Wunsch deiner Wahl aussprichst, oder?
Miriam: Ja.
Florian: Und dann gibt es Wünsche mit Vorannahmen und Wünsche ohne Vorannahmen. Das stimmt. Was auch immer Vorannahmen sind. Was ist eine Vorannahme? Falls damit jetzt noch nie jemand, also jemand noch nie Kontakt damit hatte und jetzt sich denkt, was reden die denn da?
Miriam: Vorannahmen sind schon ein maximales Thema auch im NLP Practitioner, deshalb schon für die Profis. Die Profis würden es jetzt eh schon wissen und die, die noch nie was damit zu tun hatten, das ist etwas, was sozusagen als zweiter Inhalt in einem Satz oder in einer Geschichte mitschwingt. Der nicht ausgesprochene Teil, nur er ist da. Also wenn ich zum Beispiel jemandem gute Besserung wünsche, ist das grundsätzlich, finde ich, ein sehr liebevoller Wunsch. Und er ist verfloskelt im Deutschen. Das ist ein Teil davon, genau, verfloskelt. Und die Vorannahme ist, dass es auch eine schlechte Besserung gibt. Also dass das eben auch nicht so gut funktionieren könnte mit dem Heilen. Ja, sonst würde ich es ja nicht wünschen. Und deswegen wünsche ich grundsätzlich immer eine schnelle Heilung, weil dann heilt es auf jeden Fall.
Florian: Dass es langsame Heilung gibt und schnelle Heilung.
Miriam: Genau. Und ich wünsche schnelle Heilung, weil ich finde es toll, wenn Menschen schnell heilen, wenn sie krank sind. Und das ist die Sprachseziererei, die wir jetzt haben.
Florian: Und ein paar von den Beispielen hattest du ja schon.
Miriam: Oder wenn ich jemandem sage, mach's gut. Da ist die Vorannahme drin, dass er es auch schlecht machen könnte. Ja, ist so, Florian. Da kannst du jetzt die Augenbrauen hochziehen, so viel du willst. Ich weiß, dass du und ich bin da sehr genau und du weißt auch, dass ich das alles höre, wenn Menschen das sagen. Ich mag so gerne den Wunsch von einem Kollegen von mir.
Florian: Wir sorgen dafür, dass Menschen am Mittwochmorgen in die Arbeit gehen. Und 10 Minuten vor ihrer Bürotür stehen bleiben. Und sich denken, ich weiß gar nicht, was ich jetzt sagen soll.
Miriam: Ich auch.
Florian: Und ich bin mir nicht sicher, ob das besser ist als vorher.
Miriam: Komm, das wird lustig. Also du verstehst nicht, ob es besser wird als vorher.
Florian: Ob das besser ist als vorher.
Miriam: Jede Menge Vorannahmen drin. Deswegen sage ich ja, was ich grundsätzlich klar haben möchte, ist, ich finde es immer gut, wenn Menschen einander gute Dinge wünschen. Egal, ob da jetzt irgendwelche versteckten Vorannahmen wahrgenommen werden oder nicht. Genau.
Florian: Und egal, ob da welche drin sind. Also die positive Intention des Wunsches ist die erste Stufe. Richtig. Und die zweite Stufe ist, einen schönen Wunsch aussprechen.
Miriam: Ja, genau. Und Menschen liebevoll wahrzunehmen und zu grüßen. Bei Einzelpersonen übrigens habe ich mir sagen lassen und auch jetzt mehrfach gelesen in verschiedenen Büchern, dass Menschen ihren eigenen Namen am liebsten hören.
Florian: Also einen wunderschönen guten Morgen Miriam.
Miriam: Nur wenn da fünf Kollegen sitzen und ich stelle mich dann hin.
Florian: Einen wunderschönen guten Morgen Miriam, einen wunderschönen guten Morgen Hans, einen wunderschönen guten Morgen Dieter und einen wunderschönen guten Morgen auch dir, lieber Stefan.
Miriam: Ja, habe ich eine Menge zu tun. Und wahrscheinlich gucken alle, ich stelle mir vor, wie die alle von ihrem Computer hochgucken und mich angucken wie Morg vom Org. So, hallo.
Handschlag-Wellen, Florian-freie Zeit und viel Spaß beim Erfolg
Florian: Letzte Woche war ich in einem Seminarzentrum. Da sind mehrere sehr, sehr lustige Sachen passiert. Und eine der lustigen Sachen war, dass neben uns eine Firma, die jetzt hier nicht näher genannt wird, auch einen Workshop-Raum gebucht hatte. Und offensichtlich haben die den Deal, dass die sich mit Handschlag begrüßen. Weil da standen vielleicht 30 Leute im Gang und haben Kaffee getrunken und jedes Mal, wenn jemand neu dazukam, hat er oder sie sich so durch alle durchgewurstelt mit Handschlag. Das heißt, es waren mehrere Wellen Handschlag in Gange, weil da wirklich immer wieder Menschen kamen. Und wir haben uns dann so ein bisschen in die Nähe von denen gestellt und dann kam so eine... So eine Unsicherheit auf, ob wir jetzt auch mit Handschlag oder ob wir nicht zur Gruppe gehören.
Miriam: Da sind wir jetzt so bei abgesprochenen Sachen. Also ist es die Policy, die mich sozusagen in ein Unternehmen integriert, dass ich durch den Gang hatsche und sage, Mahlzeit.
Florian: Ist das unser Deal?
Miriam: Wenn es der Deal ist und wenn es ein Kündigungsgrund ist, wenn ich es nicht mache, dann go for it.
Florian: Oder halt ein Höflichkeitsgrund, es zu tun.
Miriam: Ja, und kann höflich auch ein echtes Wahrnehmen von jemandem sein?
Florian: Ja, und das ist vielleicht Stufe 3 oder Stufe 4. Also minimal mal was, also minimal... und Augenkontakt wäre auch gut, ne? Augenkontakt wäre auch echt gut. Kenn ich auch Beispiele für. Augenkontakt ist schon schön. Morgens rein, Augen zur Wand, morgen. Das gibt's bei dir nicht so viel, ne? Ich hab da wirklich, also ich hab's da wirklich manchmal...
Miriam: Ich glaube, dass die Menschen, die unseren Podcast hören, ja auf dem Weg sind sprachlich. Das sind wahlweise eh selbst Profis und haben sich vielleicht schon ihre eigenen Gedanken gemacht oder machen es jetzt zum ersten Mal, was das angeht. Und je kreativer da ein Mensch ist, umso schöner finde ich das.
Florian: Also ich kenne normalerweise... Du nimmst deine Kollegen einfach ganz wunderbar wahr. Das ist wirklich ganz schön.
Miriam: Und alle Menschen, die dich umgeben. Ich habe einen Kollegen, der wirklich, der hat den schönsten Wunsch ever entwickelt für unser Business. Also ich bin ja bei QVC zum einen Moderatorin und zum anderen auch Vertrieblerin. Das heißt ja, wir haben da ordentlich Sales. Und da geht es auch richtig zur Sache zum Teil. Und wenn so eine Sendung richtig gut läuft, haben alle Gewerke voll viel zu tun. Und ich finde das toll. Das britzelt dann so in der Luft. Und natürlich würde sich jeder wünschen, dass wir ständig solche Sendungen haben. Und vielleicht ist es auch ganz gut, dass es nicht so ist. Auf jeden Fall habe ich einen Kollegen, der nicht das Klassische vor der Sendung viel Spaß oder viel Erfolg wünscht, sondern der wünscht immer kategorisch viel Spaß beim Erfolg. Und ich finde das so schlau. Diesen Satz habe ich mir in Gold ausgedruckt.
Florian: Da ist die Vorannahme drin.
Miriam: Da ist eine mega gute, tolle Vorannahme.
Florian: Nämlich, dass es Erfolg geben wird.
Miriam: Da ist die Vorannahme drin, dass es erfolgreich wird. Auf jeden Fall. Weil der Erfolg findet statt. Jetzt wünscht er nur noch den Spaß dazu.
Florian: Die kritische Miri würde sagen, oh, da ist ja auch die Vorannahme drin, dass man beim Erfolg keinen Spaß hat.
Miriam: Deswegen habe ich daraus gemacht, maximalen Spaß beim Erfolg. Weil da gibt es nur eine, es gibt vielleicht nicht so ganz so viel Spaß drin. Nur Spaß ist auf jeden Fall dabei und Erfolg. Weil ich will auch Spaß dabei haben. Das ist mir ganz wichtig. Und ich liebe den. Also das ist zu Ende seziert, möchte ich sagen.
Achtsamkeit statt Autopilot – und ein Wunsch fürs ganze Leben
Florian: Was ist die Message dieses Podcasts?
Miriam: Achtsamkeit. Ich wünsche mir, dass wieder viel mehr Menschen darauf aufmerksam werden, was sie so in den lieben langen Tag von sich geben und was davon Verfloskulationen sind und was wirklich ernst gemeinte gute Wünsche sind, die sich persönlich an die Menschen richten, die ihnen über den Weg laufen.
Florian: Und dann vielleicht weg von sowas wie hau rein, gib Gas und hin zu schöneren Wünschen.
Miriam: Ja, oder eben wirklich diesen Blickkontakt dabei haben oder das vorher fühlen, bevor ich das sage. Ich weiß, das ist schon viel verlangt. Ja. Und ich nehme mir die Zeit und den Augenblick, wenn ich begrüßt werde mit einem vielleicht so dahingesprochenen Moin, dass ich demjenigen bewusst in die Augen schaue und sage Danke und guten Morgen.
Florian: Und Moin könnte es auch ausdrücken, ne?
Miriam: Jipp, könnte es, wenn derjenige nicht zur Wand geguckt hätte. Ich treffe sehr viele Menschen, die mich sehr wach wahrnehmen und sehr bewusst begrüßen, auch wenn ich in einer Gruppe bin gerade.
Florian: Ja, das ist bei dir auch so, ne? Du darfst halt wach sein in deinem Leben und die anderen Menschen wahrnehmen. Und bei dir ist das ganz besonders so.
Miriam: Also das ist ein schönes Gefühl. Und dadurch, dass wir beide uns ja auch auf die Fahne geschrieben haben, dass die Sprache das Thema... Ja, vielleicht. Ja, stimmt schon. Ist für mich... Ich will dann nicht an einer bestimmten Stelle sagen, ich gebe mir jetzt besonders Mühe bei bestimmten Teilen, bei Muss und Aber und welchen Worten auch immer.
Florian: Und dafür sage ich... Mahlzeit!
Miriam: Genau. Das kommt nicht in Frage. Deswegen mache ich mir gerne darüber einen Gedanken mehr. Und wähle es für mich dann sehr bewusst und achte auf, was ich sage. Und dieses, ich wünsche dir ein schönes Wochenende, habe ich sowieso aus meinem kompletten Repertoire rausgenommen. Diesen Wunsch gibt es bei mir nicht mehr. Weil ich mir wünschen würde, dass Menschen einfach ein wahnsinnig tolles Leben insgesamt leben. Das nicht aufgeteilt ist in fünf Tage doof und zwei Tage Wochenende und dann wieder fünf Tage doof und dann zwei Tage. Es ist zu wenig Anspruch da drin.
Florian: Also womit ich immer wieder Lachen produziere bei meinen Kollegen ist, wenn ich ihnen eine wunderschöne Florian-freie Zeit wünsche, wenn ich mehr als zwei Tage weg bin.
Miriam: Das ist süß, finde ich. Das finde ich süß, weil das bringt das Gehirn so, also es macht wach. Ja. Weil es nicht irgendwas Vorgekautes, Breiiges, wie Mahlzeit zu hören bekommt, sondern weil es einen tollen individuellen Spruch bekommt.
Florian: Ja.
Miriam: Und das braucht nicht, Florian ist sehr kreativ, finde ich. Du bist auch sehr, du bist sehr witzig. Du kannst auch sehr witzig sein.
Florian: Hm.
Miriam: Und du hast ein schönes Gefühl für andere Menschen.
Florian: Und du darfst das einfach wieder wahrnehmen.
Miriam: Ja, genau. Cool. Allerdings.
Florian: Ich bin echt gespannt, was ihr uns schreibt, was eure Begrüßungen für eure Kollegen so morgens und nachmittags und abends sind.
Miriam: Florian hat es wirklich getan. Er hat wirklich diesen Podcast mit mir. Vielen Dank.
Florian: Ja, bitte. Fühlt sich auch schon ganz anders an als am Anfang.
Miriam: Was wünschst du jetzt, wenn einer niest? Gesundheit oder Schönheit? Und welche Vorannahme ist das?
Florian: Ich frage mich, was wir jetzt am Schluss dieses Podcasts sagen.
Miriam: Auf Wiedersehen ist doof, weil die sehen uns ja gar nicht, die Leute. Und auf Wiederhören ist uralt, ne? Kommt auch vom Telefonieren.
Florian: Meistens sagen wir ja sowas wie, bis nächste Woche.
Miriam: Tschö. Ja, das stimmt, bis nächste Woche, sagen wir auch. Ist auch eine Vorannahme drin.
Florian: Ja, dass es eine nächste Woche noch gibt. Dass es eine nächste Woche gibt.
Miriam: Und dass es dann auch wieder einen Podcast gibt. Und ich schätze uns beide so ein, dass das schon noch ein paar Folgen lang so geht, ne? Ich nehme den an, den Wunsch. Der ist schön.
Florian: Darf ich jetzt sowas sagen wie, hab eine wunderschöne Woche? Nee, nicht eine. Wir hören uns. Ja. Naja, jetzt erstmal eine. Und nächste Woche darfst du dir dann die nächste abholen.
Miriam: Ach so. Das ist ja geschickt, hör mal. Da hast du ja den Podcast mit reingesponnen, sozusagen.
Florian: Von Podcast zu Podcast.
Miriam: Gibt's immer. Du gehst, junger Jedi. Möge die Macht mit dir sein.
Florian: Hab eine wunderschöne Zeit und wir freuen uns, wenn wir uns nächste Woche wieder hören.
Miriam: Hab viele wunderschöne Zeiten und wann immer du sie willst.
Florian: Bis nächste Woche.
Miriam: Bis dann. Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext-denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.