Ein Handwerker sagt zum vierten Mal ab, wird am Telefon immer gnatschiger — und du willst ihm eigentlich Geld dafür bezahlen, dass er endlich kommt. Was tust du? Die Freundin von Miri hat dem Mann eine reingewürgt. Half nichts, wurde nur schlimmer. Also gehen Florian und Miri der Frage nach, ob man jemandem überhaupt so die Meinung geigen kann, dass er es kapiert — und danach trotzdem gerne kommt.
Ein Hühnchen zu rupfen — und das Thema des Tages
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. So.
Florian: Was?
Florian: So.
Miriam: Wir haben noch ein Hühnchen zu rupfen.
Florian: Wirklich?
Miriam: Wegen des vergangenen Podcasts.
Florian: Was? Hühnchen.
Miriam: Oh nein. Ja, du kannst mir jedes Wort im Mund rumdrehen.
Florian: Hm?
Miriam: Ja, kannst du ja.
Florian: Wieso?
Miriam: Ja, du weißt genau, was ich meine, wenn ich dir sage, wir haben noch ein Hühnchen zu rupfen.
Florian: Hm, Hühnersuppe.
Miriam: So wird das nix.
Florian: Oh, wir haben noch so eine Hühnersuppe im Schrank stehen.
Miriam: Ja, das stimmt.
Florian: Was ist denn das Thema heute?
Miriam: Das Thema ist, wie ich einem anderen Menschen die Meinung sage. Also nicht ich.
Florian: Sondern irgendwer.
Miriam: Sondern jemand. Also wie geht das mit dem, eine konkrete Frage war das. So jemand, der sich schlecht benimmt im Auge des Betrachters und dem dann höflich die Meinung sagen, sodass er es auch kapiert.
Florian: Ah, das ist die Randbedingung, oder wie?
Miriam: Ja, weil kein Dauerstress erzeugen, nur schon mal auch irgendwie, weil höflich hat es nicht funktioniert.
Florian: Also nett. Spannendes Thema. Als das auch viele Leute betrifft.
Miriam: Glaube ich auch.
Florian: Bevor es weitergeht, deshalb ein Werbeblog.
Miriam: Oh ne, bitte nicht.
Florian: Werbeblog. Werbung für kontext*denken. Ende Januar findet unser nächster Practitioner statt. Und wir haben noch Plätze frei und wir freuen uns auf dich. Das ist die Grundausbildung im neurolinguistischen Programmieren. Und die Basis auch für diesen Podcast. Nur sag es keinem weiter. Und davor findet ganz am Anfang Januar das erste Mal das Coach Basic statt. Das ist ein Seminar, wo Menschen, die an Coaching interessiert sind, einfach teilnehmen können und da schon den ersten Einblick haben in wie funktioniert Coaching und das gibt die Möglichkeit dann später Richtung zertifizierter, lizenzierter NLP-Coach zu gehen.
Miriam: Werbeblog. Ich finde es super, wenn du das machst.
Florian: Ja? Ja. Warst du selber überrascht, was wir alles machen?
Miriam: Wir könnten mal so eine Teleshop machen.
Florian: Nee, wirklich. Wir könnten das nochmal machen.
Miriam: Oh, Miriam.
Florian: Hey, Miriam.
Miriam: Everybody should have an NLP Practitioner.
Florian: Oder geht auch auf Deutsch. Melanie. Wieso sollte jeder Mensch unsere Seminare besuchen?
Miriam: Oh, weil sie so toll sind, Florian. So, jetzt geige ich dir mal die Meinung hier. Ja? Hier? Ja. Warum heißt es Geigen?
Florian: Statt was? Maultrompeten? Nein, Maultrommel. Geige ist ja so ein schönes Instrument.
Miriam: Und dann... Oder wie?
Florian: Ja, anscheinend. Kurze Unterbrechung, während Miriam und ich googeln gehen.
Miriam: Hast du eine Idee?
Florian: Nee, keine Ahnung. Ich vermute auch, dass es wegen dem Quietschen ist.
Der Handwerker am Telefon — ein echtes Beispiel
Miriam: Also es war ein konkretes Beispiel und zwar wurde jemand angerufen, den ich gut kenne, hat mir das Problem geschildert, von einem Handwerker, der seit vier Monaten kommen soll, um im Haus irgendetwas zu richten. Und er hat bereits drei Termine vereinbart gehabt, die jedes Mal abgesagt, weil er offensichtlich sehr, sehr, sehr ausgebucht ist mit seinem Unternehmen, was ja vornehmlich cool ist. Und je mehr er abgesagt und verschoben hat, desto unfreundlicher wurde er am Telefon offensichtlich und gnatschiger. Und irgendwann hat meine Bekannte ihm dann am Telefon in meinem Beisein, wir haben uns gerade auf einen Kaffee getroffen gehabt, hat sie ihm dann gesagt, würden Sie Ihre schlechte Laune bitte zu Hause lassen, wenn Sie mich anrufen. Und als sie aufgelegt hat, so ein bisschen schnaufend, so mit so einer grauen Rauchwolke über dem Kopf, guckt sie mich an und sagt, du bist doch Trainerin. Wie soll ich das denn machen? Ich will dem Geld bezahlen dafür, dass er kommt und hier endlich das und das umbaut. Und der behandelt mich so. Was soll ich denn machen?
Florian: Das ist doch ein Dienstleister. Wie geht das? Ja und dann?
Miriam: Sagt sie, ich bin doch nett.
Florian: Sie hat ihm doch schon die Meinung gegeigt, oder?
Miriam: Ich fand auch, dass sie das gekonnt gemacht hat. Es war richtig bitchig.
Florian: Nur funktioniert nicht, oder was? Richtig bitchig. Nö. Kommt trotzdem nicht.
Miriam: Wurde nicht freundlicher dadurch. Sie wurde unfreundlicher, als sie es vorher war.
Florian: Da ist ja eine spannende Vorannahme drin. Nämlich, dass wir das Verhalten von jemand anders beeinflussen können.
Miriam: Stimmt. Können wir das nicht?
Florian: Weiß ich nicht.
Miriam: Natürlich können wir das. Also du beeinflusst mein Verhalten ganz schön häufig.
Florian: Möchte ich jetzt gar nicht so, möchte ich jetzt nichts zu kommentieren.
Miriam: Achso. Und meinst, ich merke das nicht. Ich merke das schon. Ich habe eine lange Ausbildung gemacht.
Florian: Ich dachte, eine lange Leitung. Um das zu merken. Ja. Manchmal komisch, was mein Gehirn so vervollständigt. Ja, ja.
Spiegelneuronen und die Frage, ob wir uns anpassen müssen
Miriam: So und die Frage ist ja, inwieweit beeinflussen Menschen sich gegenseitig? Also inwieweit bist du, bin ich, sind wir beeinflussbar durch das, was andere Menschen da draußen tun oder wie sie sich verhalten? Wollen wir das zulassen? Können wir Menschen uns überhaupt dagegen wehren? Wenn jemand kommt und spielt das HB-Männchen und wir stehen dem gegenüber, sind wir dann automatisch verpflichtet, innerlich wie äußerlich auch HB-Männchen zu sein. Wir könnten ja jetzt kommen mit diesen im Moment so in der Populärdiskussion sich befindenden Spiegelneuronen im Kopf, die ja dazu führen würden, dass wir, wenn wir es nicht wach und auf dem Schirm haben, dass wir tatsächlich uns dem anpassen, was da uns gegenüber abläuft.
Florian: Da habe ich jetzt den Sprung nicht mitgemacht, was das damit zu tun hat.
Miriam: Naja, Spiegelneuronen sind ja im Moment, oder die Erkenntnisse laufen immer mehr dahin, dass es sowas gäbe wie Spiegelneuronen im Kopf irgendwo. Und diese Spiegelneuronen, die sind zuständig, wenn die Theorien stimmen, für ein Anpassen an ein soziales Umfeld. Das heißt, früher in der Höhle, als die Menschen noch im Neandertal gelebt haben, sehr wichtig, dass die sich dieser Höhlengemeinschaft irgendwie angepasst haben. Und die Spiegelneuronen haben dazu geführt, Körperhaltung, Laune, Bewegung.
Florian: Dass es eben in uns auch repräsentiert wird und dadurch so ähnliche Gefühle entstehen oder das Gefühl von wir sind alle ein großer Stamm.
Miriam: Genau. So und das passiert im Kleinen wie im Großen laut dieser Theorie, das heißt, vielleicht hast du das ja auch schon mal erlebt, dass du in irgendeinen Raum gekommen bist, schicke Vernissage, gepflegte, gedämpfte Jazzmusik, alle stehen vor großen, tollen, gemalten Bildern mit einem Glas Champagner in der Hand und du kommst da rein in Jeans und T-Shirt und deine Spiegelneuronen fangen an zu knirschen.
Florian: Oh, das ist jetzt wirklich, oh.
Miriam: Ja nun, ja sag ich ja.
Florian: Das streckt jetzt die armen Spiegelneuronen schon sehr.
Miriam: Und es ist genau das, was passiert. Also ich möchte mich gerne anpassen, sozusagen. Ich möchte gerne nach Hause fahren, mir ein Hemd holen oder einen Rock oder ein Kleid und mich irgendwie so dazwischen stellen, dass es passt. So, das wäre so ein Urwunsch dann, der dann dahinter stehen würde. Oder die Nachbarin steht unten im Hausflur und jemand kommt gut gelaunt dran vorbei.
Der Flexiblere führt: was man wirklich tun kann
Florian: Was machen wir denn jetzt mit der Freundin, die diesen Handwerker da hat?
Miriam: Ja gut, jetzt klingelt das Telefon. Ich nehme jetzt mal dich, Florian. Das Telefon klingelt, du gehst dran und es ist ein sehr übellauniger Schornsteinfeger dran, der den Termin für die Kaminreinigung hier in der Wohnung vereinbaren möchte. Und der kackt dich erstmal an.
Florian: Oder nicht.
Miriam: Ich rufe schon zum dritten Mal hier an.
Florian: Er hat gar nicht meine Telefonnummer. So kommen wir in dem Podcast ja nicht weiter.
Miriam: Ich würde ja gerne von dir wissen, was du dann machst, wenn eins so vor dir steht.
Florian: Die Grundannahme, die im Raum steht, gerade wenn du das Beispiel mit dem Handwerker hast, ist ja, dass ich irgendwas, also ist es tatsächlich so, dass ich irgendwas tun kann, was das Verhalten vom Handwerker beeinflusst, wenn der nicht will. Jetzt bei deiner Freundin.
Miriam: Sie hat mich gefragt heute, sie hat gefragt, was hättest du gemacht? Ich hätte ihm, und ich bin so dreist und Florian kann das bezeugen, ich hätte ihm nach ungefähr 20 Sekunden Redezeit meinen Lieblingswitz erzählt. Und ich hätte die Überleitung bekommen. Um dann? Um dann mal zu checken, was passiert.
Florian: Und die Annahme ist da, dass der Flexiblere führt. Also, dass... Dadurch, dass Miriam besonders flexibel ist, geht es mit Drohen und Schimpfen nicht weiter. Also er kommt damit ja nicht. Irgendwas anderes auszuprobieren. Und dann wäre der Witz eben dran gewesen.
Miriam: Ja. Ich mag radikale Maßnahmen, das wäre eine radikale, weil es völlig außerhalb jeder thematischen Zusammenhangslosigkeit ist.
Florian: Manch einer oder eine hätte dem vielleicht damit gedroht, zu sagen, hol mir halt einen anderen. Ich erzähl dir einen Witz. Ich erzähl dir einen wirklich schlechten Witz.
Miriam: Und der geht 20 Minuten.
Florian: Und dann am Schluss ist keine Pointe da.
Miriam: So. Ja, das geht auch. Das ist dann der Witz. So. Manchmal geht auch ein thematischer Schlenz. Also unauffällig.
Florian: Ich möchte ja, dass der kommt, ne? Also das ist ja das Verhalten, was ich am Schluss gerne hätte.
Miriam: Ja, was kannst du tun? Was schon oft funktioniert hat bei mir am Telefon, war jemandem ein Kompliment für seine Stimme zu machen.
Florian: Und dann kommen die.
Miriam: Es hat oft funktioniert.
Florian: Das war jetzt sehr doppeldeutig. Für die wacheren Zuhörer.
Miriam: Ich hab's gehört. Ich wollte nicht drauf eingehen. Das ist dafür zuständig, dass sich plötzlich in seiner Laune etwas verändert.
Florian: Und dann?
Miriam: Und dann ist es einfacher, wieder freundlicher zu werden im Gesamton. Weil was erwartet einer, der uffgebürstet ist, wie wir Hessen sagen?
Florian: Dass ihm ein Uffgebürsteter entgegenkommt.
Miriam: Dass mindestens einer zurückkackt. Vielleicht übt er das jeden Tag mit seiner Frau. Vielleicht ist das der gewohnte Umgangston in der Firma. Ich weiß nicht, ob es in manchen Handwerkbetrieben immer noch so ist, dass da eher ein rauer Ton herrscht. Weiß ich nicht. Und dass die es gewohnt sind, so zu sein. Und wenn ich denen fragen würde, kannst du mal nett sein am Telefon, es sind doch Kunden, mit denen du sprichst, dass der sagt, ich war total nett. Im Vergleich zu in der Firma war ich am Telefon total nett.
Florian: Im Vergleich zu zu Hause finde ich so.
Miriam: Im Vergleich zu zu Hause, genau.
Florian: Echt? Kein Wort verwendet ihr. Ja, spannend.
Miriam: So, tu was Überraschendes. Mach was, was der andere nicht erwartet.
Florian: Und die größere Intention, die immer im Raum steht, ist, auf dem Schirm zu haben, ich möchte, dass der kommt. Also, dass der irgendwas repariert. Weiß ich nicht.
Miriam: Die größere Intention ist...
Florian: Dass der was repariert oder was auch immer die jeweilige Situation erfordert.
Miriam: Ja, mir wäre es recht, wenn der dabei auch noch ganz nett ist. Wenn der schon Stunden in meinem Haus verbringt.
Florian: Okay.
Miriam: Wäre ja schön, wenn der dann gerne kommt, um was zu reparieren.
Florian: Gerne kommen ist sowieso viel besser. Siehste?
Miriam: Und jetzt ist die Frage, ist es dann besser oder ist dann die Lösung, demjenigen die Meinung zu sagen? Denn das war ja die Frage dieses Podcasts. Wie kann ich jemandem, der sich so benimmt, mal endlich so die Meinung sagen, dass er es versteht, nur mir danach nicht 50 Jahre böse ist? Und den halte ich leider für ausgeschlossen. Weil wenn ich mich auf das gleiche Nerven- und Schwingungsniveau begebe, wie dieser Mensch am Telefon ist, dann führt ja quasi eins zum anderen.
Der heiße Stuhl, Ziele und die Miri-Energie
Florian: So, ich habe heute mit einem anderen Coach darüber gesprochen, was wir so machen können in einer vertragten Situation, wo ein Team sich nicht so gerne mag, also die einen oder anderen Teammitglieder die anderen nicht mögen und er hat vorgeschlagen, wir könnten doch so eine heiße Stuhlübung machen. Heiße Stuhl, was brauchen wir dafür? Einen Bunsenbrenner oder können wir das nur Outdoor machen, wenn es gerade feucht draußen ist? Und dann meinte er, ne, da sitzt sich ein Teammitglied vorne mit dem Rücken vor die anderen und dann sagen die anderen hinter dem Rücken die ganzen Sachen, die sie sonst nicht sagen würden. Also die ganzen Negativen. Und ich dachte mir so, oi, oi, oi, oi, oi. Und meine nächste Frage war auch gleich wieder, gut, also wenn die sich dann alle nicht mehr mögen, was machen wir denn dann mit dem Team?
Miriam: Wenn dann gar keiner mehr, irgendeiner.
Florian: Also wenn die dann nicht mehr miteinander reden, dann ist es auf jeden Fall mal anders. Versuchungswert. Und er meinte, nee, also ich bin mir nicht sicher, ob er schon mal ausprobiert hat oder nicht. Kam nicht so ganz raus für mich. Und dann meinte er, und da kommt dann immer noch ein Wunsch dazu. Also ich find's total doof, dass du meine E-Mails immer ignorierst. Ich wünsch mir, dass sie mich mehr beachten. So, ich bin da ja skeptisch, ob das tatsächlich eine Veränderung hervorruft, die ich haben wollen würde. Weil da ganz schön viel vorausgesetzt ist, nämlich, dass die Person eine Motivation hat, ein intrinsisches Interesse daran hat, sich so fühlt, als ob, dass unsere Beziehung mittel- und langfristig was wert ist. Also im Team-Kontext ergibt es vielleicht sogar noch in manchen Situationen Sinn für mich, weil wir länger zusammenarbeiten und wir sagen, ja okay, es lohnt sich in die Beziehung was rein zu investieren. Und selbst da würde ich die Meinung nicht so geigen, glaube ich. Ich kenne die Übung nämlich auch anders. Da setze ich ein Teammitglied mit dem Rücken zu den anderen und dann loben die anderen hinter dem Rücken. Und da habe ich es schon ein paar Mal gemacht und das ist eine mega gute Übung.
Miriam: Gut, jetzt in der 1 zu 1 Situation, also hier ist ein im Prinzip fremder Mensch am Telefon, der sich nicht gut benimmt im Weltbild der Person, die das Gespräch empfängt.
Florian: Oder dass der sein Verhalten verändert in irgendeiner Form.
Miriam: Genau, und vielleicht geht es gar nicht mal darum, das Verhalten zu verändern, sondern sich eben nicht endlos zur Verfügung zu stellen für die schlechte Laune eines anderen.
Florian: Und da wäre es schon gut, ein konkreteres Ziel zu haben. Also geht es darum zu sagen, ich möchte nicht das Opfer dieser verbalen Ausbrüche sein, weil da ist es vielleicht relativ einfach dann zu sagen, gut, gerade am Telefon, Entschuldigung, die Leitung, klick. Oder geht es darum, mit Kollegen oder mit jemandem, mit dem ich öfter Kontakt haben darf, dass es darum geht, etwas zu erreichen oder bei einem Handwerker, dass er endlich etwas repariert, weil jede Situation ein anderes Verhalten nach sich ziehen würde vielleicht. Bei dem Handwerker geht es mir vielleicht darum, mittelfristig eine sinnvolle Beziehung zu haben mit ihm, eine sinnvolle Geschäftsbeziehung, das heißt, über Loben wäre vielleicht schon mal nachzudenken. Bei jemanden, der einfach nur rumnüllt und mit dem ich sonst auch nichts zu tun habe, wo ich eine Alternative habe, würde ich vielleicht auch sagen, obwohl wir kommunikativ sehr stark sind, würde ich vielleicht auch sagen, und es lohnt sich einfach nicht, klick.
Miriam: Ja, wozu? Es ist lustig, ich mache ja jetzt seit vier, fünf Jahren solche Erfahrungen gar nicht mehr so oft. Ja. Und ich habe das Gefühl, dass ich von Anfang an so fröhlich in Gespräche und in Dinge hineinstiefel, dass das auch nicht viel Fläche bietet, um unfreundlich zu sein. Und wenn dann wirklich mal eins dabei ist, was nur vor sich hin knötert, dann tatsächlich frage ich mich, wie wichtig ist es jetzt, dass ich Zeit damit verbringe, wenn es der einzige Handwerker weit und breit ist, der das machen kann, dann wäre es sozusagen... Mein Bestreben zu sagen, ich komme irgendwie mit dem klar und das hat nichts damit zu tun, dem jetzt die Meinung zu geigen und damit die Stimmung oder die Luft noch weiter anzuheizen, sondern vielleicht finde ich eine tolle Strategie, zeigt mich sehr flexibel, dem sowas fast wie ein Lächeln zu entlocken.
Florian: Sodass der gerne Dinge tut in dem Kontext, in dem wir zusammenarbeiten. Zum Beispiel.
Miriam: Und das geht eben über dranbleiben. Ruhig bleiben, dranbleiben.
Florian: Und rausbekommen, was da passieren könnte.
Miriam: Ausprobieren. Habe ich von Florian gelernt. Florian lässt nicht los. Wenn ich irgendwie mal so zwischendurch die Ohren hängen lasse und auch wirklich mal vor mich hin motzeln möchte, glaubt mir Leute, ich habe noch nie einen Menschen erlebt, der so dranbleibt. Florian lässt sich 1000 Sachen einfallen und... Manchmal erwischt er mich mit Maßnahme Nummer 3 und manchmal mit Maßnahme Nummer 5, nur irgendwann lache ich dann oder lächle oder grinse oder was auch immer.
Florian: Und der Hintergrund ist für mich einfach, dass jemandem die Meinung geigen eine Aufgabe ist oder ich möchte das Verhalten von jemand anders beeinflussen, ist einfach nichts, wo ich einen Plan habe, den ich Schritt A bis Schritt Z irgendwie folge. Weil so funktionieren Menschen in meiner Welt nicht. Sondern in der Interaktion, was weiß ich, vielleicht hat, manchmal habe ich das, dass Kollegen, neue Kollegen gerade ein Kind bekommen haben und da sitzt jetzt zu Hause, ist irgendwie ein zwei Monate altes Kind, das irgendwie die ganze Nacht nicht geschlafen hat. Und dementsprechend hat auch kein Erwachsener in dieser Wohnung geschlafen. Und dann kommt der irgendwie morgens rein und dann gehe ich anders mit dem Kollegen um, als wenn der gut ausgeschlafen aus dem Urlaub kommt gerade. Und das ist einfach so kontextabhängig, dass ich sagen würde, was ist die Intention, was ist mein Ziel an der Stelle und dann eben dranbleiben. Weil worauf der heute reagiert, finde ich halt raus, indem ich mal mache. Ja, das ist gut. Was weiß ich, was jetzt bei der Miri gut ziehen würde? Natürlich haben wir den ein oder anderen Trick in unserer Beziehung, den wir zum Beispiel, ne, Beziehungskiste haben wir nie verraten, was wir da machen miteinander.
Miriam: Ja gut, manche Sachen sind nicht jugendfrei. Jetzt.
Florian: Und andere Sachen kommen direkt aus, zum Beispiel aus dem NLP oder gewaltfreier Kommunikation oder anderen Techniken, die wir gut kennen.
Miriam: Oder einfach nur Florians seltsamem Gehirn.
Florian: Wir gehen da die Ideen tatsächlich nicht aus. Und manchmal arbeiten wir vor. Also zum Beispiel kann es ja eine schöne Idee sein, wenn du Menschen, mit denen du viel zu tun hast in deiner Umgebung, an einem Tag, wo es dir sowieso gut geht, wenn du denen einfach auch was Gutes tust, dann geht es dir ja vielleicht noch besser. Das ist doch mal schön. Und dann ist es vielleicht viel einfacher an einem anderen Tag mal.
Die Band und die Beauty-Messe: entspannt bleiben als Strategie
Miriam: Das war übrigens bei mir schon immer eher so. Deswegen kenne ich das vielleicht nicht. Früher in der Band zum Beispiel, ganz klassisch, wir waren eine Dienstleistungsband. Wir haben Songs gecovert, nicht selbst geschrieben, zum größten Teil zumindest. Und wir wurden eingekauft über Agenturen, um bei Großveranstaltungen dafür zu sorgen, dass die Leute lange da bleiben und viel feiern. Und so war auch das Programm ausgelegt. Und wenn das Publikum nicht von der ersten Sekunde ab auf den Tischen stand und irgendwie nackt getanzt hat, dann hatten wir ein Bandmitglied, das dann sofort angefangen hat, über das Publikum zu schimpfen. Also, boah, heute, die sind ja lahm oder so. Und bei mir hat es sofort im Kopf, egal wo wir waren, um was es ging, wenn die nicht sofort gezuckt haben, dann wurde es für mich spannend. Da habe ich gemerkt, wie es in meinem Kopf sowas macht wie Klick. Wie kann ich die jetzt auf den Tisch bekommen? Mir fällt was ein. Und dann war ich die ersten drei, vier Songs, war ich damit beschäftigt. Seltsame Dinge auszuprobieren. Ja, streckenweise mich sogar... Ja, Miriam bleibt dann nämlich auch dran. Richtig. So, das war dann genau die Aufforderung für mich zu sagen, und jetzt will ich hier Stimmung haben. Und genau so beobachte ich das bei mir auch, wenn mir jemand gegenübersteht, der gerade einen unentspannten, gestressten oder was auch immer Eindruck macht, dass ich denke, was kann ich jetzt tun, damit es dem ein bisschen besser geht.
Florian: Am Wochenende hatte ich die Situation auch wieder. Wir waren auf einer Beauty-Messe in München und als Stage-Manager für Miriam wurde ich ausgewählt, die ganzen Catwalk-Trainings zu machen. Wer mich jetzt kennt, weiß, dass ich nicht unbedingt Catwalk-Training...
Miriam: Ich finde, du hast es toll mit den Hüften gewackelt.
Florian: Ja, ich bringe die immer zum Lachen. Also ich mache denen immer vor, wie sie es machen sollen, auf der affigsten Art, die möglich ist, weil dann lachen die mal und das ist in meiner Welt entspannt. Das ist schon das Erste. Und dann habe ich ausprobiert, dann habe ich die vor der Bühne... und die Models gehen dann gleich auf der Bühne in verschiedenen Kontexten, also ich hatte bestimmt 40 Models, also Männer und Frauen, die ich da so Richtung Miri geschickt habe, wenn sie sie aufgerufen hat und da hatte ich gut Material und Potenzial, um mal auszuprobieren, was funktioniert denn gut, möglichst entspannt auf die Bühne zu gehen und lächeln oder ihren Job möglichst gut zu machen. Und unterschiedliche Menschen sind da sehr unterschiedlich. Viele habe ich zum Beispiel zugetextet, damit die nicht mit sich selber reden können im Kopf. Weil meine Außenstimme dann vielleicht sinnvoller ist, wenn ich denen was Schönes erzähle, als deren Innenstimme gewesen wäre. Das war eine so der Vorannahme.
Miriam: Und es hat super funktioniert. Es hat sehr gut funktioniert. Es war eine der besten Messen, die wir jemals hatten mit so vielen Catwalks, die wirklich super funktioniert haben alle.
Florian: Tolle Komplimente machen ist auch das. Fühle ich gut, ne? War immer meine Intention dahinter.
Miriam: Ja. Und bleib entspannt.
Florian: Ja, sei stolz auf das, was du schon erreicht hast. Das waren so die Gedanken, die ich im Kopf hatte als Ziel für die Menschen, die da vor mir standen, um drüber nachzudenken, was könnten wir jetzt noch machen? Und dann war eben dieses Kompliment oft, wie toll die aussehen, wie wunderbar das ist, wie toll es auf der Bühne aussieht, wenn sie es das zweite Mal gemacht haben, wie gut es schon funktioniert hat beim ersten Mal und wie viel einfacher dann beim zweiten Mal.
Miriam: Es waren keine professionellen, altgedienten Models, sondern das waren teils sehr junge Mädchen, die noch nie auf einer Bühne gestanden haben oder auch Männer, Frauen, die das zum allerersten Mal getan haben. Das war schon sehr spannend und auch die Reaktionen auf Florians Komplimente, wenn Komplimente nicht funktioniert haben, ging was anderes. Dieses Flexibelsein, von dem hatten wir es ja am Anfang, dass der Flexiblere führt, das ist eine der Grundannahmen des neurolinguistischen Programmierens. Um flexibel zu bleiben, ist es sinnvoll, auch selbst in einem entspannten Zustand zu bleiben. Und sich eben nicht abhängig zu machen, oder du machst dich frei von dem, was der andere gerade fühlt. Weil wir ja nicht wissen, aus welcher Situation er kommt. Nicht geschlafenes Baby, viel Stress in der Firma, sowieso kein guter Tonfall. Sondern trifft er plötzlich auf einen Menschen, der ihm entspannt gegenüber tritt. Und seine Laune nicht zur eigenen erklärt. Großartig. Es funktioniert zu 100 Prozent. Es hat auch bei der Band immer funktioniert, weil ich sozusagen nicht vom Publikum etwas erwartet habe, zu dem ich nicht selbst bereit war.
Florian: Aber warum muss ich denn, wenn ich gute Laune habe, mich von jemand anders anknürzen lassen und dann auch noch nett zu dem sein?
Miriam: Das ist ja genau der Spaß daran.
Florian: Meine Annahme ist auch immer, gerade in so einer Situation wie am Wochenende, ich bin halt da der Entspantere gewesen in der Situation. Das heißt, ich kann mein Gegenüber auch abholen, um gemeinsam was Sinnvolleres zu machen. Und ich hoffe, dass irgendwann sich das widerspiegelt, dass die entspannter sind oder dass mal jemand zu mir, mir auch in einer Situation was schenkt. Weil wenn ich gerade die Ressourcen habe, dann verwende ich die gerne dafür, dass wir gemeinsam bessere Dinge machen.
Miriam: Und wie du gesagt hast, ich glaube, dass es im Rheinland insgesamt recht viele Handwerksbetriebe gibt, die entsprechend gleich Dienstleistungen anbieten. So es gibt vielleicht auch bei mir irgendwann, das hatte ich noch nie, nur es kann sein, dass es einen Punkt gibt, wo ich sage, gut, der ist mir einfach immer zu knörzig, dieser Handwerker. Dann gehe ich jetzt, lassen wir das besser.
Florian: Einen Schritt nach vorne machen und den nächsten finden.
Miriam: Mach ich es mir einfach und finde mir einen lustigeren Handwerker. Das geht ja auch. Also im allernötigsten Fall. Und ja, wie gesagt, es gibt diese Miri-Energie, die gerade, wenn so ein Knörzelchen irgendwo auftaucht, dann sagt, mal schauen, wie schnell ich das jetzt irgendwie hinbekomme.
Florian: Um zu gucken, weil die Annahme ist, die Menschen wollen sich ja gut fühlen.
Miriam: Ja. Und bei Florian ist es mir klar, am aller, aller wichtigsten. Und deswegen würde ich da jetzt nicht auf die Finde gehen.
Florian: Nach einem neuen, oder was?
Miriam: Sondern mich nötigenfalls... Auf die Finde nach was? Sondern mich nötigenfalls nach einem neuen Handwerker.
Florian: Sondern mich nötigenfalls... Entschuldigung, Entschuldigung.
Miriam: Mal anknörkeln lassen als seine Traumfrau, kann ich das aushalten. Und es ist ja viel seltener schon als früher.
Bleibt entspannt — der kontext*denken-Tipp
Florian: Wir hören uns nächste Woche wieder, wir haben noch was zu besprechen.
Miriam: Florian geigt mir jetzt mal die Meinung.
Miriam: Allerdings. Ihr Lieben, vielen Dank fürs Zuhören und bleibt entspannt. Das ist tatsächlich der kontext*denken-Tipp im Rahmen der Möglichkeiten.
Florian: Haben wir schon mal irgendwo gelesen, so eine Karte, auf der steht, bleibt entspannt.
Miriam: Und die Laune des anderen braucht nicht unbedingt die deine zu sein. Braucht nicht.
Florian: Könnte. Vielleicht. Ah, wer weiß, wer weiß. Besser nicht. Ob du das diese Woche schon schaffst, wer weiß, wer weiß.
Miriam: Wir warten mal auf das Feedback zu diesem herrlichen Podcast.
Florian: Nächsten Dienstag geht's weiter.
Miriam: Mit den zwei Gehirnen.
Florian: Und einem Podcast. Nee, einem Mikrofon. Auf kontext*denken.de Bis dann. Tschö.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.