"Ohne Fehler kein Lernen" — dieser Satz aus einem Fachartikel hat Hartmut stutzig gemacht. Muss man wirklich erst etwas in den Sand setzen, um klüger zu werden? Oder lernt man genauso gut aus dem, was gut läuft? Miriam und Florian nehmen das Wort "Fehler" auseinander und schauen, was übrig bleibt, wenn man es durch "Feedback" ersetzt.
Wo nicht geputzt wird, geht auch nichts kaputt
Miriam: Willkommen bei kontext*denken.
Miriam: Zwei Gehirne, ein Podcast.
Florian: Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: Meine Eltern hatten früher eine reine Machefrau.
Florian: Deine Eltern haben immer noch eine reine Machefrau?
Miriam: Ja, früher hatten sie eine reine Machefrau. Und die hat mal, nachdem sie oft, öfter, regelmäßig beim Reinemachen auch Sachen kaputt gemacht hat und meine Mutter sie darauf ansprach, weil es teuer wurde so langsam, sagte die: Wo nicht geputzt wird, da geht auch nix kaputt. Und den fand ich sehr gut. Weil da war meine Mutter ruhig.
Florian: Echt? War sie denn ruhig?
Miriam: Ja. Hat sie kurz nachgedacht und hat gedacht, ach so.
Florian: Logischer Fehlschluss, würde ich mal sagen.
Miriam: Willkommen!
Florian: Weil es heißt nicht unbedingt, dass da überall da, wo geputzt wird, dass da etwas kaputt geht. Ach ja, sagst du. Ja. Wie oft putzt du denn? Wie intensiv? Ja, schon regelmäßig. Als du nach Hause kamst, Vorsicht, als du nach Hause kamst, wo waren da die ganzen Essenssachen, die wir drei Männer hier gebraucht haben? Nix?
Miriam: Ich fand's brillant. Großartig.
Florian: Ja?
Miriam: Ja. Wir haben im Moment gerade eine Reihe laufen, weil wir uns ja auf unseren 100. …
Florian: Wir haben das Thema noch gar nicht gesagt. Sollen wir einfach nochmal von vorne anfangen?
Miriam: Nein.
Florian: Weil wir könnten jetzt einfach von vorne anfangen.
Miriam: Das war brillant von mir. Das war reine Poesie. Ich möchte das bitte so stehen lassen. Hier läuft gerade eine Podcast-Reihe auf die 100. Folge zu. Und deswegen haben wir uns vorgenommen, dass wir bis zur 100. Folge ein Zuhörerthema nach dem anderen abarbeiten.
Florian: Nur jetzt wüsste ja gar niemand, was das Thema heute ist.
Miriam: Das hat sich der Hartmut gewünscht und der Hartmut hat dazu geschrieben, dass wir seinen Namen so oft sagen dürfen, wie wir wollen.
Florian: Echt?
Miriam: Ja, manche wollen ja anonym bleiben, die schreiben uns eine E-Mail.
Florian: Und Hartmut dürfen wir so oft sagen, wie wir wollen.
Miriam: Und Hartmut, wir dürfen so oft, wie wir wollen. Und deswegen grüße ich jetzt den lieben Hartmut, den ich fast schon als Ghostwriter bezeichnen möchte für diesen Podcast.
Florian: Als Themenstifter auf alle Fälle.
Miriam: Was ist jetzt das Thema? Sein Thema ist … durch Fehler lernen. Und das hat er gelesen in einer Zeitschrift oder in einem Fachartikel und hat sich sehr gewundert, weil seine Idee war, dass er ja auch durch Erfolge lernt und viel lieber. Ich finde das großartig.
Florian: Die Zeitschrift hatte das wahrscheinlich pointierter formuliert, oder? Ohne Fehler kein Learning wahrscheinlich oder sowas. Oder ohne Fehler kein Lernen. Und wie ist es jetzt so?
Miriam: Naja, es gibt ja uralte geflügelte Worte, ne, durch Fehler wird man klüger oder so, auch, ne, gibt's auch, glaube ich, ja, ja, doch, gibt's, oder schlauer. Ich, puh, also als ich's gelesen hab, hab ich vermutlich das gleiche gefühlt wie der liebe Hartmut, weil in mir sich auch sowas auftat wie, oh nee.
Florian: Müssen wir unbedingt Fehler machen? Heißt das, dass ich jetzt regelmäßig absichtlich Fehler mache, nur damit ich was lernen kann? Was, wenn mir Lernen wichtig ist? Soll ich dann regelmäßig was in den Sand setzen? Manche Menschen haben diesen Glaubenssatz, dass sie durch Fehler richtig gut lernen.
Miriam: … oder Fehler, die sie im Leben gemacht haben, sehr schlau geworden sind. Das höre ich auch öfter, also gerade wenn es um so größere Krisen geht, wurden verlassen, betrogen.
Florian: Ja, und da ist einmal dieser zweite Teil drin, dieses, sie haben mal durch eine Krise vielleicht was richtig Tolles gelernt, so, heißt das jetzt, dass sie nur durch sowas richtig toll lernen können?
Miriam: Und dass sie das wollen auch.
Florian: Weiß ich nicht. Kommt drauf an, ob Lernen die Intention ist, ob Lernen das Ziel ist, oder?
Miriam: Ja, also da würde ich ja dann in dem Augenblick, würde ich ja hinterfragen, bei diesen Menschen, gab es denn auch Augenblicke, wo du durch ganz großartige Geschehnisse etwas gelernt hast?
Florian: Ja. Warum nicht? Wie ist es denn bei dir da draußen? Oder bei dir da, du bist ja da, wo du bist, aber wir sind hier. Wie ist es denn bei dir? Hast du auch schon durch ganz großartige, erfolgreiche Sachen was gelernt?
Aus Erfolgen lernen: Applaus, Klavier und richtig schreiben
Miriam: Ich deutlich.
Florian: Ja, zum Beispiel?
Miriam: Ich habe zum Beispiel mein Moderieren an ganz vielen Stellen durch Erfolge gelernt, die ich erlebt habe. Durch Zwischenapplause an bestimmten Stellen.
Florian: Da hast du keinen Fehler gemacht? Also die haben nicht applaudiert, weil du gerade was Tolles gelernt hast, also durch einen Fehler, sondern die haben applaudiert, weil du gerade was Großartiges gemacht hast und dann hast du gesagt, das mache ich nochmal so.
Miriam: Ja, das mache ich das nächste Mal wieder. Oder ich habe beim Klavierüben, ich habe ja mal sehr intensiv Klavier geübt, eine Zeit lang in meiner Kindheit und Jugend. Und da war das auch so, dass es, es gab beides. Also wenn ich einen Fehler beim Üben eines sehr schweren klassischen Klavierstücks gemacht habe.
Florian: Sowas wie den Flohwalzer, ja?
Miriam: Genau.
Florian: Ach Florian. Das ist die Küchen aufräumen Rückrunde.
Miriam: Da war es ganz witzig, da hatte mir mein Lehrer mal gesagt, wenn sowas passiert beim Klavierüben, dass also beim Üben ein Fehler passiert, dann gibt es Methoden, an der Stelle neu und anders zu üben, damit der Fehler sich nicht einübt. Weil das Gehirn ist manchmal schneller als Menschen denken. Und das ist also so eine, da durfte ich als Klavier-Elevin damals ganz aufmerksam sein.
Florian: Wir haben das auch bei unserem, oder bei meinem größeren, kleinsten Mitbewohner …
Miriam: Größerer, kleinsten Mitbewohner.
Florian: … mitbekommen. Der hat ja lesen und schreiben gelernt. Und am Anfang war es voll okay, wenn er beim Schreiben einfach was geschrieben hat. Nur ab irgendeinem Zeitpunkt haben wir auch ganz bewusst darüber nachgedacht, dass wir sagen, ab jetzt reicht nicht mehr nur Worte schreiben, weil die Buchstaben sind jetzt drin und auch die Kombinationen sind jetzt irgendwie drin. Ab jetzt geht es auch darum, richtig zu schreiben. Weil, damit sich solche Fehler nicht einschleichen, damit er nicht übt, Worte irgendwie komisch zu schreiben.
Miriam: So gut zu schreiben, wie er sie spricht oder so.
Florian: Genau. Sondern dass er tatsächlich die von seiner inneren Tafel abschreibt und die so schreibt, wie sie eben aussehen, weil das ist ja eine der guten Rechtschreibstrategien. Apropos Strategien. Da gibt es noch was Wichtiges zu diesem Thema. Im NLP gibt es eine Grundannahme, also neurolinguistischen Programmieren.
Miriam: Und unser Practitioner, darauf möchtest du jetzt bestimmt wieder hinweisen, findet irgendwann statt im … Am 25.09. bis zum 05.10.2018 in Arnsberg. Wir freuen uns riesig. Melde dich an. Es gibt noch Plätze.
Keine Fehler, nur Feedback
Florian: Genau. Und eine der Grundannahmen, die wir da auch besprechen, wo wir Übungen zu machen, die wir euch vorleben, ist, es gibt keine Fehler, es gibt nur Feedback.
Miriam: Da darfst du nicht so drüber huschen, finde ich. Das finde ich ist auch ein Fehler. Das ist ja eine ganz wichtige Grundannahme. Wir beide lehren das ja. Und wir haben uns mit diesen Grundannahmen, glaube ich, so intensiv befasst, weil es einfach sozusagen die Säulen dieser Kommunikationsart darstellt. Deswegen finde ich es sehr, sehr wichtig, das nochmal zu betonen. Es gibt keine Fehler, es gibt nur ein Feedback darauf, was du gesagt, getan oder gedacht hast. Und dieses Feedback bestimmt dann oder dieses Feedback bewertest du in deiner Welt, ob das für dich ein gutes Feedback oder ein schlechtes Feedback ist. Und wenn es ein schlechtes Feedback wäre, würdest du was ändern an dem, was du tust. Oder wenn es ein Feedback wäre, was dir nicht gefällt.
Florian: Ja, genau. Oder auf die Intention bezogen. Irgendwas wolltest du ja tun. Also du hattest irgendein mini oder großes Ziel, das du erreichen wolltest. Irgendwas, was du mit dem, was du getan hast oder gesagt hast oder gefühlt hast, erreichen wolltest. So, jetzt kommt nicht das dabei raus, was du gerne hättest. Und dann ist das einfach nur Feedback. Und die Lektion aus NLP-Sicht ist einfach, dann mach was anderes.
Miriam: Das können wir konkret feststellen, wenn wir die Situation nehmen, keine Ahnung, jemand telefoniert mit seiner Geliebten, ein Mann telefoniert mit seiner Geliebten und sagt irgendwas völlig nett gemeintes, sowas wie, ah Schatzi, lass uns doch heute Abend, welche Serien sind im Moment angesagt, was gucken die Menschen so auf Netflix, lass uns heute Abend ein Videoabend machen, Video gibt's gar nicht mehr, jetzt hilf mir doch mal, guck nicht so.
Florian: Ich weiß auch nicht, was gerade in ist. Unsere zwei Kleinstmitbewohner schauen Drachenzähmen leicht gemacht.
Miriam: Lass uns heute Abend Drachenzähmen leicht gemacht gucken.
Florian: Das ist die Serie, die gerade bei uns in der Wohnung geschaut wird.
Miriam: Du bekommst ein Feedback, das so ähnlich klingt wie, sag mal, hast du noch alle Latten am Zaun?
Florian: Ich will doch keine Kinderserie gucken.
Miriam: Und schon gar nicht den Abend damit verbringen. Der ist voll unromantisch und legt auf. Das ist ein Feedback. Und dann könnte derjenige, der da gerade jetzt telefoniert hat, sich überlegen, ob er das nochmal machen möchte, seiner Freundin vorzuschlagen. Diese Serie mit ihm zu gucken. Und dann wäre es ein Learning. Dann wäre es ein Learning.
Florian: Also, was gelernt.
Miriam: Was gelernt. Und es wäre okay. Es wäre nicht dramatisch, verstehst du? In dem Augenblick fühlt es sich auch nicht mehr so schlimm an.
Florian: Ihr hättet ja auch vorschlagen können, heute Abend Sissy 1 zu gucken. Weil Sissy kann man immer gucken. Oder was gibt es da noch? Dirty Dancing.
Miriam: Dirty Dancing?
Florian: Dirty Dancing zu gucken.
Miriam: Oder im Moment La La Land, glaube ich, ist so ein Ding.
Florian: Ja, ist schon ein bisschen älter, gell?
Miriam: Dirty Dancing ist Asbach.
Florian: Ja, im Vergleich ist LaLaLand voll up-to-date, genau das stimmt.
Miriam: Siehste, kommt immer auf den Referenzwert drauf an.
Florian: Immer auf den Rahmen, immer der Kontext. Der Kontext ist das, was es Sinn ergeben lässt oder nicht. Ja, gut. So, hättet ihr auch so einen Vorschlag machen können? Wäre vielleicht das Feedback gekommen, wow, ja voll gerne, lasst uns heute Abend zusammen auf der Couch kuscheln.
Miriam: Ich glaube, man nennt es Netflix and Chill.
Florian: Netflix and Chill. Als Euphemismus für, lass uns einen romantischen Abend verbringen.
Miriam: Ich mag das. Chili Milli hat uns der Bro beigebracht.
Florian: Nee, ist das was anderes? Ja, ja, genau.
Miriam: Ist das was anderes? Echt? Nein. Habe ich jetzt wieder irgendwas gesagt? Habe ich einen Fehler gemacht? Dann lass mich was daraus lernen.
Florian: Nein.
Miriam: Kannst du auch ohne Fehler lernen?
Florian: Dann da sind wir wieder. Wenn all das, was um uns herum passiert, einfach nur Feedback ist, da drauf, also auf Deutsch eine Rückkopplung auf unser Verhalten, auf das, wie wir uns geben oder fühlen oder was wir sagen. Dann können wir einfach aufgrund dessen lernen. Dann brauchen wir keine Fehler, um das zu lernen, sondern dann können wir einfach aufgrund dessen, was passiert, lernen. Was auch immer es ist. Manchmal ist es das, was wir haben wollten, dann machen wir vielleicht mehr davon und manchmal ist es noch nicht das, was wir haben wollten, dann machen wir was anderes.
Fehlerkultur in Firmen und sich lohnende Experimente
Miriam: Vernünftig wär's. Was wir nur erleben, ist eher das Gegenteil. Und das ist lustig. Also, dass wir das beobachten. Wir beide sind ja dran. Das merkt ihr bei jedem unserer Podcasts. Wir nehmen uns sehr wörtlich, Florian und ich. Und aus diesem sehr wörtlich nehmen, können wir da sehr große Fortschritte generieren. Und wir lehren es in unseren Seminaren. Das heißt, es ist sowieso unsere Profession. Und wir beobachten es täglich in unseren beruflichen Projekten, in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen, dass hier sowas gemacht wird. Es gibt ein Telefonat, es gibt eine Aussage und es gibt eine Gegenaussage. Der, der die Aussage getätigt hat, ist kreuzunglücklich danach. Und überlegt sich dann aus der Folge heraus, nee, dann rede ich mit dem Menschen gar nicht mehr. Oder er schreibt eine E-Mail mit exakt dem gleichen Wortinhalt nochmal, also bleibt bei dieser Strategie. Und dann ist es kein Learning. Also dann sozusagen in die Vorwurfsgeschichte zu gehen bei der Freundin und zu sagen, wir gucken immer nur, was du willst.
Florian: Nie Kinderserien.
Miriam: Wir gucken nie Kinderserien zusammen. Du verstehst mich einfach nicht. Das ist sozusagen, ich meine, da kommt auch wieder ein Feedback, klar. Und du als unser sehr wacher Hörer kannst dir vorstellen, wie das aussieht ungefähr. Von daher ist es, glaube ich, da sind wir wieder mal an der Stelle von Wachheit. Also ja, ich kann aus Fehlern klüger werden.
Florian: In den Teams, mit denen ich arbeite, in Unternehmen, in denen ich arbeite, da kommt schon auch sowas wie das, was in dieser Überschrift drin stand von der Zeitung. Also diese Fehlerkultur, eine positive Fehlerkultur zu etablieren. Oder wir haben Ende letzten Jahres einen Feedback-Workshop auch für eine kleine Firma gegeben, wo es darum ging, wie können wir uns gegenseitig sagen, wenn mal was schief lief, damit wir daraus lernen können. Also dann geht es ja auch um sowas wie, wie gehen wir mit Konflikten um, wie sage ich überhaupt jemandem das, was schief gelaufen ist. Und all das kann da hinten dranhängen. Ich glaube, warum das bei vielen Firmen im Moment ein Thema ist, ist, dass die sich mal wieder trauen wollen, Dinge zu tun, von denen sie vorher nicht genau wissen, ob die funktionieren oder nicht.
Miriam: Wir hatten das schon mal in einem anderen Podcast so touchiert, dieses Thema. Dass es schön wäre, oder vielleicht wäre es für diese Firmen auch einfach nur hilfreich, gar nicht eben von Fehler auszugehen. Weil das Wort Fehler ist im Deutschen schon tendenziell negativ belastet. Keiner macht gern Fehler.
Florian: Niemand möchte geplanten Fehler machen. Angeblich aus einer Außensicht von, wie sind die Deutschen? Sind wir ja überkorrekt und genau darum geht es. Made in Germany hat ja genau dieses, da ist dann alles richtig. Da ist dann die Qualität voll eingebaut und wir haben den gesamten Weg alles richtig gemacht.
Miriam: Und dieser Satz von, es gibt keine Fehler, es gibt nur Feedback. Also dieses Wort mal rauszunehmen und zu sagen, wir haben mit bester Absicht das so gemacht. Und es war ein toller Plan. Und das Ergebnis sah nicht ganz so aus, wie wir uns das vorgestellt hatten.
Florian: Und vielleicht ist es ja gut. Also gerade wenn Firmen innovativ unterwegs sind oder wenn Teams was Neues ausprobieren wollen. Sehr cool. Lernen ist an der Stelle, wo ich mag das total gerne. In vielen Teams ist das Thema. Wenn wir gemeinsam uns unseren Arbeitsprozess anschauen und dann schlägt einer im Team vor, wir sollten mal was ganz Seltsames ausprobieren. Und die eine Hälfte im Team schlägt sich voll auf die Seite und sagt, ja, das ist genau richtig. Was könnte sowas sein? Wo habe ich das schon gesehen? Es gibt ja oft Zwischen-Großraumbüros. Und dann habe ich schon Teams gehabt, die sich so Regelungen gemacht haben, wie wenn die Kopfhörer aufhaben, möchten die sich gerade fokussieren und möchten nicht angesprochen werden. Und andere haben gesagt, ich kann doch, aber wenn ich jetzt was Dringendes habe, dann möchte ich den doch ansprechen. Und dann war die eine Hälfte war dafür, das auszuprobieren, die andere Hälfte dagegen, das auszuprobieren. Aus meiner Sicht … mega gut. Ein sich lohnendes Experiment. Weil? Wir werden wahrscheinlich unglaublich was lernen. Mindestens die Hälfte des Teams lernt was dabei.
Miriam: Cool. Ja.
Florian: Die einen aus dem heraus, ja, hat funktioniert, also wir haben unser Ziel erreicht und die andere vielleicht, was sie sagten, ich hätte gar nicht gedacht, dass das funktioniert. Oder vielleicht, wow, wie vermutet, völlig schief gegangen. Nur wenn wir uns einig wären, ist es ja kein Experiment mehr, sondern dann machen wir es einfach. Und in diesen Momenten, wo wir uns uneinig sind, da ist ja schon fast eingebaut, dass irgendjemand jetzt was lernt aufgrund dessen, dass was funktioniert oder eben auch nicht funktioniert. Nur es lohnt sich. Da steckt Lernen drin. Und ich glaube, das ist das, was auch dieser Artikel wahrscheinlich sagen will. Nämlich dieses, wir lernen halt auch bei Fehlern. Es gibt eben auch was, was wir aus dem Feedback lernen können, wenn was nicht so funktioniert, wie wir es uns gedacht haben. Und dann eben diese deutsche Kultur aufzubrechen und zu sagen, und es ist einfach nur Lernen. Also es ist einfach nur, wir haben nicht das bekommen, was wir wollten, lasst uns was anderes tun. Bei solchen Teams kann das zum Beispiel sein, dass wir Rückzugsräume schaffen, dass sie in Einzelbüros reingehen, wenn sie Ruhe haben möchten. Oder dass es vielleicht, vielleicht brauchen wir einfach einen Teamchat, wo wir miteinander, wo wir einander ansprechen können, ohne dass es jetzt jeden Einzelnen stört, weil er die Benachrichtigungen einfach ausschalten kann, wenn es gerade nicht passt.
Lernen aus dem Ergebnis — und aus dem Prozess
Miriam: Ich würde den Artikel einfach umbenennen.
Florian: Also die Überschrift. Wie würdest du den denn benennen?
Miriam: Lernen aus dem Ergebnis.
Florian: Ist ja jetzt schon radikal.
Miriam: Ja, dann ist es kein Fehler mehr, verstehst du? Weil so würde ja auch im Team wieder die einen hätten Recht gehabt und die anderen nicht, egal wie es ausgeht. Und ich fände es viel cooler zu sagen, es gibt dieses Wort Fehler erstmal nicht mehr. Es gibt Feedback. Es passiert irgendwas, wenn wir was Neues tun. Wenn wir was Neues tun und wissen nicht, wie es ausgeht. Also wenn ich zum Beispiel Spaghetti mit Tomatensauce koche, weiß ich ziemlich genau, wie es ausgeht. Ich kann das. Ich kann das nachts im Schlaf. Wenn ich ein ganz neues Rezept koche, dann weiß ich noch nicht, ob mir das an allen Ecken und Enden gelingt. Und es gibt viele Möglichkeiten, wie das Ergebnis aussehen könnte. Es könnte vielleicht nicht so gut aussehen, dafür könnte es toll schmecken und so.
Florian: Es lohnt sich, dass du Dinge tust, von denen du noch nicht genau weißt, ob die funktionieren oder nicht.
Miriam: Super cool. So und dann lerne ich aus dem Ergebnis, lerne ich was. Ich lerne wahlweise, so mache ich das genau wieder oder ich lerne, da kann ich mir noch was anderes einfallen lassen oder ich darf meine Fähigkeiten noch verbessern oder ich möchte vielleicht gar nicht mehr in die Richtung arbeiten oder wir machen einfach einmal im Monat machen wir für Netflix, wie heißt das?
Florian: Wenn wir Serien auf Netflix schauen.
Miriam: Netflix and Chill. Und einmal im Monat machen wir Dirty Dancing.
Florian: Und es läuft vielleicht aufs Gleiche raus. Wer weiß, wer weiß. Glaubst du?
Miriam: Ja. Okay. Es ist ja wurscht. Also es ging mir nur drum, dass wir, dass so dieses Wort, das ist ja auch so fast schon geplant.
Florian: Wir haben vor kurzem eine Serie tatsächlich auch auf Netflix geschaut.
Miriam: Wir gucken Netflix?
Florian: Echt? Ja, die mir gerade in den Sinn kam, wo es drum ging, dass Menschen so Desserts gemacht haben. Gucken wir denn Netflix?
Miriam: Wir haben noch nicht mal einen Fernseher.
Florian: Auf unseren Laptops.
Miriam: Da kommt Netflix? Ja. Ich dachte, das ist ein Fernsehkanal.
Florian: Nee.
Miriam: Oh Gott. Ja, wir dürfen nachher reden. Da kann ich den Florian echt jedes Mal die Wand hochtreiben, wenn ich sowas sage. Vor allem, der traut mir das zu. Habt ihr das eben? Ja, ist ja gut. Also, wenn wir jetzt so einen Netflix-Abend machen.
Florian: Wir haben eine Serie geguckt auf Netflix, wo es darum ging, dass Menschen wunderbare Desserts machen durften. Also so eine typische Kochserie mit wunderbaren Desserts. Und die hatten immer so ganz schwierige Aufgaben, wo es darum ging, technisch unglaubliche Desserts zu kreieren. Desserts, die über 30 Zentimeter hoch sind oder Desserts aus ganz fragilen Teilen, wo so Schokolade hauchdünn aufgetragen wird oder so. Und die Menschen wurden besser, also die Leute, die in dieser Serie mitgemacht haben, die wurden besser über die Zeit, obwohl zwischendrin echt ihre Sachen auch schief gegangen sind. Und warum wurden die besser? Weil die sich gestreckt haben. Weil die Sachen ausprobiert haben, die vielleicht funktioniert haben und manchmal kam einfach echt auch nix dabei rum. Darum geht's hier auch noch. Sagen auszuprobieren, die so am Rande dessen liegen, wo wir denken, das kriegen wir noch voll in den Griff. Also die so ein bisschen weiter sind, wo wir noch nicht so genau wissen, noch nicht genau verstehen, wie funktioniert das genau, wie kann ich das machen. Weil auch da steckt viel Lernen drin. Und auch das ist was, was in diesen Aspekt mit reingehört, mal was auszuprobieren, wenn du mal Dinge machst, die am Rande dessen liegen, der Fähigkeiten, die du im Moment beherrschst, da steckt natürlich viel Lernen drin und vielleicht auch die Gefahr, dass es schief geht und dann ist es einfach nur Feedback.
Miriam: Ich mag das total, dass es einfach nur Feedback ist und dass es eben aus jedem Ergebnis ein Learning gibt.
Florian: Und wenn du dich streckst, wird es ein oder andere Mal halt was direkt klappen und vielleicht auch mal …
Miriam: Das hat ja nicht nur was mit Strecken zu tun. Das passiert ja auch im ganz Alltäglichen. Dass es Ergebnisse gibt. Es gibt ständig Ergebnisse. Es gibt ständig einen Wiederklang auf das, was ich tue. Ständig. Selbst wenn es gewohnte Abläufe sind. Manchmal ist der Wiederklang dann auch gewohnt, also das gewohnte Ergebnis. Manchmal passiert irgendwas, wo ich denke, normalerweise hat es doch immer geklappt. Oder es passiert sowas wie bei dem Telefonat, wo jetzt gar nicht ein großes Strecken geplant war. Manchmal sind es auch Situationen, und das haben wir beim Practitioner sehr häufig, dass Menschen sich beruflich total verändern wollen oder plötzlich auf die Bühne streben oder ins Fernsehen oder was auch immer. Und da strecken die sich enorm. Und dann ist es natürlich nicht mal planbar. Also dann ist es noch nicht mal ein aus dem gewohnten Sein heraus diese Erfahrungen machen. Nur jede Erfahrung, jedes Ergebnis bringt uns im Leben ein kleines Stückchen weiter. Und das als Feedback zu werten, hilft mir total. Ich bin früher, wenn das Feedback, das ich auf meine Aktionen bekommen habe, nicht so war, wie ich mir das vorgestellt habe, da hast du mich aber wie das HB-Männchen von der Wand kratzen können.
Florian: Wirklich. Von der Decke.
Miriam: Auch. Also ich bin sofort, und es waren immer alle anderen schuld und es war nie ich, also ich bin sofort sozusagen die Wand hoch. Und jetzt ist es so, dass wenn ich, seit ich weiß, dass es einfach nur ein Echo ist dessen, was ich gerade getan habe.
Florian: Übrigens bei allen anderen Menschen auch. Es gibt ja da draußen eine von den kognitiven Einschränkungen, den Cognitive Biases, die relativ gut belegt ist sogar, die wir Menschen haben, ist, dass wir bei uns selber, wenn was nicht so funktioniert, wie wir es dachten, immer sagen, ja, nee, da draußen, das war jetzt widrige Umstände oder was auch immer, da ist was schiefgegangen außerhalb meiner Kontrolle, ich bin das arme Opfer. Nur wenn es bei jemand anders was schief geht, dann ist es die Vorbereitung, die einfach gefehlt hat. Also da hat die Person was falsch gemacht. Und das war vom Setup her. Da dürfen wir natürlich auch nochmal drauf eingehen. Also auch bei anderen Menschen ist es einfach so, wenn was nicht so funktioniert, ist es auch einfach Feedback für die. Und auch in dem Unterstellen, dass da eine positive Absicht dahinter lag und dass das genauso war wie bei uns. Es ist einfach noch nicht das erreicht, was wir vielleicht gemeinsam erreichen wollten. Und dann darfst du einfach was anderes machen, wenn du noch nicht das erreicht hast, was du gerne hättest. Das ist eine sehr spannende Geschichte. Finde ich auch. Wir sollten noch … Ja, bitte. Wir sollten noch eine kleine Schleife drehen.
Der Rock-Pop-Preis: wenn der Weg das Learning war
Miriam: Wir drehen noch eine kleine Schleife in diesem Podcast. Ich finde das Thema auch großartig.
Florian: Eine kleine Schleife ist noch, und dann sind wir wieder bei einem der Themen, die uns auch ständig beschäftigen. Dieses … du hast eben gesagt, wir messen uns am Ergebnis. Also wir gucken uns das Ergebnis an. Wir lernen aus dem Ergebnis. Manchmal könnte es jetzt sein, dass das Ergebnis, was rauskam, nicht das ist, was wir wollten, nur der Prozess, wie wir da hingekommen sind, schon sehr gut war.
Miriam: Oh, das ist super, ja.
Florian: Also einen Unterschied zu machen zwischen, vielleicht ist es einfacher, diesen Prozess vorher einfach die Entscheidung zu nennen oder die, wir haben uns entschieden, etwas in einer bestimmten Art und Weise zu tun und dann kommt nicht das bei rum, was wir wollen. Und da ist es super sinnvoll, nochmal wirklich darauf zu reflektieren und zurückzugucken. War mein Entscheidungsprozess denn der richtige? Weil wenn der richtig war, brauche ich vielleicht gar nichts ändern. Dann ist einfach, weil was weiß ich was.
Miriam: Wir haben mit der Band, also ich war in einer Dienstleistungsband früher. Wir wurden gebucht, haben Lieder gecovert, wir haben die nicht selbst komponiert und wir wurden eingekauft, damit die Leute Party feiern, am besten vier Stunden am Stück. So, das war unser Job. Und irgendwann kamen wir, nachdem wir 16 Jahre zusammen Musik gemacht hatten, auf die völlig verrückte Idee, wir wollen auch mal eigene Songs schreiben und wir wollen damit berühmt werden. Und wir haben es tatsächlich geschafft, mit der Aufnahme von einem Song und den entsprechenden Bewerbungen bis zum Deutschen Rock-Pop-Preis zu kommen und dort unter die drei Finalisten, um dann wirklich kurz vor dem Ziel … eben nicht den ersten Platz zu machen, sondern diesen undankbaren Vizemeister. Und da gab es dann keine Presse, da gab es auch keinen Plattenvertrag, da gab es gar nichts, da sind wir einfach wieder nach Hause gefahren. Nur dieses zum ersten Mal mit ganz viel Hirnschmalz und ganz viel Gefühl einen Song schreiben, dieses im Studio aufnehmen, dabei sehr korrekt sein, das war unser eigenes Ding, dieses wir wollen nicht schummeln, wir wollen nicht irgendwas beiziehen, wir wollen den wirklich sauber einspielen, wir wollen total … wir wollen ganz authentisch Musik abliefern, wir wollen rocken. Eine Stylistin hat uns die Kostüme ausgesucht für die Sachen. Es war wirklich der schönste Weg meines Lebens, führte in dieses Finale vom Deutschen Rock- und Poppreis. Und bis heute denke ich an diese ganze Zeit mit großer innerer, beinahe kindlicher Freude zurück. Und deswegen kann ich das total nachvollziehen, was du sagst.
Florian: Weil dann war alles gut, ne? Es war alles gut. Dann ist es vielleicht was auch immer.
Miriam: Es interessiert mich am Ende, dass diese drei Bands, die da am Schluss noch in der Auswahl waren, waren alle drei voll gut. Logischerweise.
Florian: Dann wäre das Learning an der Stelle vielleicht, also klar gab es da Feedback, ihr wurdet Zweite. Dann wäre das Learning vielleicht, nächstes Jahr einfach nochmal. Wenn es euer großes Ziel gewesen ist, das zu gewinnen oder da dabei zu sein, dann ist es vielleicht einfach dranbleiben und nochmal machen.
Miriam: Ja, da gab es die Band nicht mehr.
Florian: Ja, alles gut. Deswegen vorhin die Frage nach der Intention. Was ist die Intention? Was ist das, was man gemeinsam machen möchte? Nur dann eben nicht alles in Frage zu stellen an der Stelle, sondern du darfst dann auch dabei bleiben, wenn dein Prozess der richtige ist, wenn du die richtigen Entscheidungen getroffen hast und dann einfach am Ball bleiben. Und dann war es eben mal ein Ausreißer-Outcome. Diese Gedanken darf ich mir schon machen. Also ein Ausreißer-Ergebnis. Weil was auch immer. Wir sind ja in Systemen unterwegs, wo vielleicht auch andere Menschen einfach eine Rolle spielen. Wo der Kontext eine Rolle spielt, wo wir einfach sagen, ja okay, hat jetzt nicht geklappt, hatte nichts damit zu tun, dass irgendwas schief lief zwischendurch, sondern es ist einfach Blödklopfer am Schluss. Und das passt natürlich nur so halb zu dem, wie wünsche ich mir die Sachen. Ich möchte trotzdem immer da drin bleiben, dass ich mir vorstelle, wenn du dir vorstellst, wie du das erreichst, was du gerne hättest. Das ist ja das, was dich dann auch motiviert, die Dinge zu tun, aufzustehen, jetzt was zu machen. Voll gut und im Zweifel am Ball bleiben.
Schlau werden durch tun
Miriam: Finde ich auch. Und an der Strategie was ändern, wenn das Ergebnis eben noch nicht so ist, also das was rauskommt noch nicht so ist, wie du es dir vorgestellt hast. Und dann wäre jetzt ja final die Sache mit dem deutschen geflügelten Wort, durch Fehler wird man klüger oder schlau. Ja. Ja, könnten wir so sagen.
Florian: Dadurch, dass man was tut, wird man schlau.
Miriam: Dadurch, dass man was tut. Und dadurch, dass dadurch irgendwas entsteht. Ein Ergebnis. Ich finde es auch super.
Florian: Schlau werden durch tun.
Miriam: Auf das Wort Fehler mal ein bisschen allergisch zu reagieren, statt auf irgendwelche Pollen. Echt mal auf dieses Wort allergisch zu reagieren.
Florian: Sollen wir das auch noch als neues T-Shirt haben? Schlau werden durch tun.
Miriam: Schlau werden durch tun ist auch schön. Da dürften wir nur mal gucken, wie dieses geflügelte Wort so richtig heißt. Und da, wo was getan wird, gibt es eben Reaktionen. Deswegen finde ich das, was unsere Putzfrau oder die Putzfrau meiner Eltern damals von sich gegeben hat, war sehr weise. Da, wo was getan wird, gibt es eben irgendeine Art von Feedback. Wenn einer sich nur still auf die Couch setzt und hält die Hände hoch, dann passiert auch nichts. Deswegen finde ich das sehr motivierend und sehr cool, zu sagen, wichtig ist am Ende, was bei rauskommt. Und danach würdest du deine neuen Entscheidungen ausrichten wollen.
Florian: Voll gut.
Miriam: Sei ein Abenteurer.
Florian: Werd schlau durch tun.
Miriam: Werd schlau durch tun.
Florian: kontext*denken.de Wir hören uns nächste Woche wieder.
Miriam: Oh ja, weiter mit Hörerthemen. Hörerthemen einreichen darfst du bitte, solltest du, darfst du, machst du bitte auf unserer Facebook-Seite kontext*denken. Da gibt es auch nur die eine. Und da ist ein Posting von mir, da steht ganz groß Thank you und da unten drunter bitte dein Thema. Oder per E-Mail an uns, wenn du nicht möchtest, dass es publik ist.
Florian: Genau.
Miriam: Ja. Sehr gut.
Florian: Dann bis nächste Woche.
Miriam: Yes. Immer schön weitermachen.
Florian: Wenn es wieder heißt, zwei Podcasts eingehören.
Miriam: Oh Mann, oh.
Florian: Oder so ähnlich.
Miriam: Tschüss.
Florian: Schlau werden wir euch tun. Bis nächste Woche.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.