Fitnessstudio ab Januar, eine Stunde joggen, ab morgen kein Zucker mehr — und drei Tage später ist alles wieder vorbei. Kennst du das? Miriam und Florian rechnen in dieser Folge nach, wie wenig Zeit uns am Tag für Veränderung überhaupt bleibt. Und sie erzählen von einem Mann, der 40 Kilo abgenommen hat — mit zwei Minuten Sport am Tag. Klitzeklein anfangen, statt sich zu überfordern: darum geht es hier.
Große Vorhaben, klitzekleine Aktionen
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: So, wenn ich jetzt in meinem Leben was verändern wollen würde, so zum Beispiel Sport machen, dann würde ich ja irgendwo vielleicht in ein Fitnessstudio...
Florian: Im Fitnessstudio anfangen. Ist ja bald wieder die Zeit, ne?
Miriam: Im Fitnessstudio gehen... Ne?
Florian: Es lohnt sich ja jetzt wieder mal so. 1. Januar ist ja bald.
Miriam: Ja, oder ich würde mir vornehmen, eine Stunde am Tag zu joggen oder fünf Kilometer dürften ja schon drin sein.
Florian: Damit es sich überhaupt lohnt.
Miriam: Damit es sich überhaupt lohnt, die Schuhe anzuziehen und damit es sich auch für den Körper lohnt, weil wenn ich jetzt, also wenn ich es mir so überlege, ich hätte ja dann schon schnell gerne Resultate, Ergebnisse.
Florian: Was ist denn das Thema heute?
Miriam: Das Thema heute ist, so diese großen Vorhaben mit klitzekleinen Aktionen zu erreichen.
Florian: Nur wieso würden wir denn klitzekleine Aktionen machen? Das sind doch Sachen, die vielleicht schon Jahre jetzt liegen. Also da hat jemand jetzt jahrelang keinen Sport gemacht und dann, also ich meine, da ist ja jetzt auch was aufzuholen. Mit einer Minute Sport ist da ja nichts gemacht, ne?
Miriam: Und ich weiß nicht, wie es unseren Hörern geht, da würde ich jetzt mal eine investigative Umfrage wagen, wenn die sich so in ihrem Bekannten- und Freundeskreis umschauen, wer sich da, also nehmen wir doch klassischerweise Silvester, tolle Vorsätze gibt, so ich esse jetzt ein Vierteljahr lang keinen Zucker und kein Fett. Oder ich gehe eben sporteln oder ich mache die Steuererklärung immer pünktlich und dann halten die das auch so drei, vier Tage durch und bei den Sportlern, spätestens wenn dann auch der erste Muskelkater mal da ist und es eine tolle Ausrede ist, um lieber zu Hause... Also bei dir drei Stunden nach dem Sport machen.
Florian: Richtig.
Miriam: Weil bevor ich mich verletze, weißt du, also ist ja auch, ja alles, was da so passieren kann, Muskelfaserrisse und so, da bleibe ich dann lieber erstmal wieder so drei, vier Monate zum Heilen zu Hause. Und das ist häufig das, was passiert, weil was wir uns aufbürden, um dann möglichst schnell Ergebnisse zu haben, ist ja oft auch dann schon, also viele meinen es da sehr gut mit der Einteilung.
Florian: Wir haben im Moment auch jemanden, also jemanden in der Familie, der sich extrem gut damit auskennt, auf Punkt viel Arbeit zu investieren und dann wieder gar nichts.
Miriam: Echt? Wo ist denn der?
Florian: Ach, das ist so jede Englischarbeit, jede...
Miriam: Ach, stimmt. Ja, jetzt du das sagst. Ja. So, jetzt pass auf. Wenn mich jetzt jemand verdonnern würde, ich spreche jetzt mal bei mir lieber von Mathematik, weil mit Englisch kann ich einfach nur Mathematik. Hätte ich jetzt Glaubenssätze in meinem Kopf, wie gut ich da bin.
Florian: Erdkunde oder Geschichte?
Miriam: Auch Erdkunde super, wir können auch gerne Erdkunde nehmen. Da war ich in der Schule auch also deutlich eine Pfeife. Bin froh, dass ich heute weiß, wo Osnabrück ist. Wenn ich mir das jetzt überlege, jetzt würde mich jemand verdonnern und sagen, nicht einmal im Jahr fünf Stunden Erdkunde lernen und dann glauben, dass du es kannst. Mach doch jeden Tag so 20, 30 Minuten Erdkunde. Ey, da strömen sich mir jetzt schon die Nackenhaare. Das sind 30 Minuten Lebenszeit, das ist super ätzend, das ist viel zu viel. In den 30 Minuten schreibe ich lieber einen Blogpost oder mach was für unsere Homepage oder plan ein schönes Seminar, anstatt mich mit Erdkunde zu beschäftigen.
Florian: Wobei eine halbe Stunde Erdkunde schon ganz schön viel ist am Anfang, oder?
Miriam: Ja, sag ich ja. Ich finde eine halbe Stunde mega viel, weil ich genau weiß, wenn ich mir erst, wobei, im ersten Zug so, im ersten Moment, fasst sich ja so eine halbe Stunde recht machbar an. Eine halbe Stunde Sport, eine halbe Stunde Erdkunde, eine halbe Stunde Stricken, eine halbe Stunde Steuererklärung am Tag.
48 halbe Stunden am Tag — und was übrig bleibt
Florian: Naja, wir haben halt 48 dieser halben Stunden am Tag.
Miriam: Guck mal, du hast das jetzt mal so Tutti-Completti gleich ausgerechnet.
Florian: Ja, genau. Da habe ich meine fortgeschrittenen Mathe-Skills verwendet. 48 Stunden ist ganz schön viel. Nein, 48 halbe Stunden.
Miriam: 48 halbe Stunden ist ganz schön viel halbe Stunden.
Florian: Ja, leider. Also 16 gehen davon ja vielleicht schon für Schlafen ab.
Miriam: 16? Achso, das sind 8 Stunden. Das sind 16 Stunden Schlafen. Ich hätte es dir zugetraut nur. Ja, okay.
Florian: Sind wir bei 32, ne?
Miriam: Da haben wir nur noch 32 halbe.
Florian: 32 halbe Stunden am Tag. Ja. Und dann geht ja bei den meisten Menschen nochmal 16 halbe Stunden für die Arbeit weg. Plus ein bisschen hinkommen, plus ein bisschen zurückkommen, dann sind wir schon im einstelligen Bereich.
Miriam: Boah. Und dann davon eine... Und was essen noch und so. Ja, was essen, mal auf die Toilette gehen. Das heißt, wir sind irgendwie bei... Da wird es dann schon knapp mit den halben Stunden, die wir so zur Verfügung haben. Also halbe Stunden sind schon... Sind eine rare Ware.
Florian: Sind keine rare Ware. Also es gibt schon viele am Tag, finde ich, mit 48 am Tag. Das ist schon ordentlich. Nur, das sind ja...
Miriam: So, und jetzt mal Butter bei die Fische. Ich habe ja gesagt, ich ziehe heute wieder mal blank in diesen Podcast. Ich bin ja die von uns beiden. Halbe Stunde Erdkunde oder halbe Stunde Mathe am Tag ist ein hehres Vorhaben, fühlt sich erstmal gut an in der Planung.
Florian: Echt, jetzt auch für dich so, oder was?
Miriam: Ja, fühlt sich so an, als wäre das machbar.
Florian: Wozu möchtest du eine halbe Stunde Erdkunde am Tag machen?
Miriam: Um es zu können.
Florian: Das sind ja 180 Stunden im Jahr. Also das ist ja, als würdest du vier Wochen am Stück Erdkunde machen. Also vier Wochen normaler Job, Erdkunde.
Miriam: Ja, dann kann ich so auch dann. Wäre meine Hoffnung.
Florian: Nach vier Wochen?
Miriam: Ja.
Florian: Okay, ja.
Miriam: Da kann ich viel mehr Erdkunde als du.
Florian: Viel mehr Erdkunde als jetzt, das stimmt.
Miriam: Nur wenn ich dann mit sowas beginne, also ich habe jetzt einige Projekte in meinem Kopf, die ich mal so begonnen habe mit so einer Idee. Jeden Tag nur 20 Minuten, das bekomme ich hin. Da ist die Durchhaltezeit im Schnitt bei mir so auch unter einer Woche. Ich kenne das auch von mir.
Florian: Wir haben auch ein positives Beispiel in der Familie. Ja? Wir haben jemanden, der gerade Klavier lernt und der tatsächlich jeden Tag, der lernt keine halbe Stunde.
Miriam: Nee. Der macht keine halbe Stunde und die Lehrerin hat auch nicht gesagt eine halbe Stunde.
Florian: Das sind mehr so acht Minuten oder so.
Miriam: Ja, fünf bis zehn, genau, also acht im Mittel, ja. Das ist wenig, ne?
Florian: Lohnt sich fast gar nicht.
Miriam: Lohnt sich fast gar nicht den Klavier, den du glaubst.
Florian: Weil der auch so schwer ist.
Miriam: Auf der anderen Seite sind die halt so weggeatmet, ne? So fünf Minütchen sind irgendwie gefühlt so weggeatmet.
Florian: Davon haben wir sehr viel mehr.
Miriam: Ne, bitte nicht. Das wird mir wirklich, das wird mir so viel gezahlt. Da fängt mein Gehirn plötzlich an, Sperenzchen zu machen.
Florian: Ja?
Miriam: Kannst du das ausrechnen auf 24 Stunden? Wie viel mal 5 Minuten?
Florian: Du rechnest 24 mal 12.
Miriam: Musst ja nur mal. Was? 24 mal 12?
Florian: Wie kommst du jetzt auf 12? Weil eine Stunde 12 mal 5 Minuten hat.
Miriam: 240 plus 24 sind 64, sind 88. 288 mal 5 Minuten am Tag.
Florian: Vor gut davon haben wir echt super viele, ne?
Miriam: Das fühlt sich an wie Überfluss.
Florian: Ja, eben.
Miriam: Und davon dann mal 5 abzuknapsen für, wenn ich 288 Euro im Portemonnaie hätte. Und irgendwas Tolles, was ich haben wollen würde, würde 5 Euro kosten.
Florian: Würde ja dann nur einen kosten von den 208.
Miriam: Stimmt, würde ja nur einen kosten. Entschuldigung, ja. Ist in der Mathe. Ich sollte mal fünf Minuten Mathe am Tag machen.
Florian: Ja, dieser analytische Zugang, der liegt einem von uns beiden besser als der anderen.
Miriam: Ja, ich merke schon, wie ich langsam brillanter drin werde.
Zwei Minuten Sport und 40 Kilo weniger
Miriam: Wir haben einen Teilnehmer, der was Wundervolles getan hat. Also gerade läuft in der Akademie die Ausbildung zum Kommunikationstrainer bei uns. Und es ist eine Truppe, die sehr stark natürlich auf der Bühne arbeitet. Also in der Kommunikationstrainer-Ausbildung geht es ja darum, auch in der Front eben zu brillieren als Speaker, als Trainer, als Coach. Da hat einer der Teilnehmer einen Keynote-Vortrag geübt und hatte darin erzählt, wie er 40 Kilo abgenommen hat. Und 40 Kilo, da geht bei mir schon die Alarmglocke an. Das ist schon eine Menge. Und er hatte eben damals dann nicht nur dieses Übergewicht, sondern der Arzt hatte auch gesagt, jetzt wird es Zeit. Nur er hatte natürlich auch schon ganz viele Versuche hinter sich, das irgendwie in den Griff zu bekommen. Und ein Kollege hatte ihm dann gesagt, er soll mit zwei Minuten Sport am Tag anfangen.
Florian: Oh cool.
Miriam: Und er fand das lächerlich. Also er hat gesagt, schau mich bitte an, zwei Minuten, das bringt gar nichts, da kann ich es auch wieder lassen. Und da meinte der Kollege, naja, wenn wir es hochrechnen auf einen Monat.
Florian: Das ist schon über eine Stunde, ne?
Miriam: Es ist über eine Stunde Sport, die du absolviert hast und sehr regelmäßig, wenn du es jeden Tag durchhältst. Und ich weiß auch nicht, ob du es schaffst. Zwei Minuten schaffe ich auf jeden Fall. Das ist es halt. Zwei Minuten ist irgendwie verlockend. Das hat was Verlockendes, finde ich. Das lockt mit diesem schnell vorbei. So wie Sirenen singen würden so. Ist eben weggehustet.
Florian: Nur das erste, was wir ja brauchen, wenn wir so aus NLP-Sicht auf das Thema schauen, ist doch ein Ziel in irgendeiner Form, oder? Das war bei, in dem konkreten Fall ging es eben darum, Gewicht zu verlieren oder mehr Muskeln aufzubauen.
Miriam: Wenn der sagt, er wollte 40 Kilo abnehmen, dann hieß das wahrscheinlich, es gab auch eine Endzahl auf der Waage, wenn wir in Kilo das Ziel festlegen. Keine Ahnung, er wollte auf 80 Kilo kommen oder 85 Kilo, ist ein langer Kerl auch. Und da ist ja ein Ziel drin dann.
Florian: Ja.
Miriam: So, da hätten wir es. Also ich finde es auch gut, ein Ziel zu haben.
Florian: Weil daran würden wir ja messen, möchte ich jeden Tag zwei Minuten Erdkunde machen.
Miriam: Da haben wir auch schon viele Podcasts darüber produziert, für wie wichtig wir es halten, dass du ein Ziel festlegst für dich. Das ist wie diese Fahrt im Nebel von Dallas nach New York. Das finde ich ist ein super schönes Beispiel oder eine schöne Metapher für dieses Ziel. Weil wenn mein Ziel feststeht, kann ich anhand der Meilensteine in Amerika feststellen, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Also die kommen ja irgendwie regelmäßig und da steht dann drauf, jetzt sind es nur noch 400 Meilen bis New York und nicht mehr 500. Und dann sehe ich eben, ich bin am richtigen Weg. Wenn es auf einmal 600 Meilen sind, sehe ich, ich bin am falschen Weg. Und wenn wir ein Ziel haben, können wir tracken, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder nicht. Und wie schnell wir uns dahin bewegen und so weiter. Kleiner Exkurs zum Thema Ziel. Sehr mathematisch übrigens.
Florian: Großartig. War nicht jetzt auch sehr witzig.
Miriam: Ich werde immer besser. Also, ihr seht schon, zwei Minuten am Tag können ja helfen. Vielleicht. Also der wollte das auf jeden Fall am Anfang nicht glauben. Und diese Geschichte hat mich sehr berührt. Weil ich in meinem Kopf, ich bin ja auch so ein Sportmupf, hab sofort gedacht, zwei Minuten würde ich jetzt hinbekommen.
Florian: Und du darfst das am Anfang ja gerne noch viel kleiner machen, wenn du möchtest. Also möglicherweise ist es ja tatsächlich auf dem Weg in die Küche, da habe ich auch schon gehört, da haben sich Leute dann Klimmzugstangen irgendwo hingehängt und jedes Mal, wenn sie halt durch die Küche durchgegangen sind, dann ein Klimmzug.
Miriam: Achso, und sonst nichts.
Florian: Und sonstiges. Nur bei dem Tag läppert sich das halt.
In kleine Schritte zerlegen — Tanzen, Jonglieren, Klavier
Miriam: Da ist was ganz Spannendes drin. Wir haben uns ja mal unterhalten drüber, Florian hat ja mal beim Musical mitgemacht. Und dadurch, dass Florian vorher zwar schon auf Bühnen stand, nur nie beim Musical, haben wir uns schon Gedanken gemacht, wie das ist, wenn jemand, der jetzt aus dem Nichts heraus sich entscheidet, mal eine große Musical-Aufführung mitzumachen, dann darf der ja viele Dinge gleichzeitig können und die auch lernen. Singen, Tanzen, Schauspielen mindestens gleichzeitig. Wenn wir jetzt anfangen, beim Proben, beim Trainieren, das alles sofort gleichzeitig zu machen und dazu eine ellenlange Choreografie noch in den Kopf zu tun und Songtexte gleichzeitig abzufragen, dann explodieren uns da Darsteller, glaube ich. Also ist es ja sinnvoll, die einzelnen Moves möglichst klein zu machen, dass das sozusagen einfach ist, dass wir sagen, das erste, was du mal machst, ist dich mit auf beide Füße hinstellen und dann ein Bein heben und wieder hinstellen. Einen Fuß hochheben und wieder hinstellen, weil das vielleicht der Anfang vom ersten Tanzschritt ist, das ist nicht der erste Tanzschritt, das ist ein Achtel, um mathematisch zu sein, ein Achtel vom ersten Tanzschritt. Jetzt könnten einige sagen, ja um Gottes Willen, wie willst du denn dann eine 5-Minuten-Choreografie hinbekommen, wenn du Tanzschritte in Achtel zerlegst? Nur erstaunlicherweise machen die Darsteller mit dieser Kleinteiligkeit schnellere Fortschritte. Weil erstens, das ist das Tolle, wir haben ein Erfolgserlebnis. Unser Gehirn liebt ja Erfolge. Wir haben diesen kleinen Move richtig gemacht. Wenn der Tanzlehrer dann sagt, genau so, dann ist es ja richtig. Dann ist es ein Erfolgserlebnis. Und das andere ist, dass es machbar scheint, dass wir uns nicht von vornherein schon sträuben, weil vor uns einer, der richtig gut tanzen kann, was vortanzt, wo unser Gehirn vielleicht sagen würde, Leute, die kann ich nicht. So hat Florian mir auch Jonglieren beigebracht. Also die ersten Moves zum Jonglieren, ich meine, ich hatte vorher Glaubenssätze, dass ich einen Ball nicht mal festhalten kann.
Florian: Mit zwei geht's.
Miriam: Mit zwei geht's. Das heißt, innerhalb von zwei Tagen haben wir es geschafft, dass ich zwei Bälle gleichzeitig in der Hand und aus der Hand hatte und sie wieder gefangen habe.
Florian: Das Jonglage ist sowieso ein wunderbares Mittel, weil das ist der einzige Weg, das zu lernen.
Miriam: Echt?
Florian: Ja.
Miriam: Also selbst sehr talentierte Menschen oder Menschen mit Glaubenssätzen.
Florian: Zerlegen das in möglichst kleine Schritte und üben diese kleinen Schritte, bis sie sie richtig gut kennen und können und setzen die dann wieder zusammen.
Miriam: Was wäre denn der erste?
Florian: Wie beim Tanzen doch auch, oder?
Miriam: Ja, ja. Und je professioneller die Tänzer sind, desto mehr wird ihnen zugemutet, auf einmal zu tun.
Florian: Ist bei der Jonglage dann auch so. Eben. Wir möchten ja dann auch möglichst schnell vorankommen. Nur am Anfang, als ich jonglieren gelernt habe mit elf, da ging es auch darum, einen Ball von einer Hand in die andere zu werfen.
Miriam: Das kannst du zu Hause gerne mal probieren, wenn du möchtest. Nimmst einen Ball und wirfst ihn von einer in die andere Hand. Also und das kriegen viele Menschen hin auf Anhieb. Also das können viele Menschen ziemlich schnell. Dieses einen Ball nehmen und von der einen Hand in die andere Hand werfen.
Florian: Och.
Miriam: Och auch nicht?
Florian: Och. Ich glaube, dass das so ähnlich wie beim Tanzen ist, weil es dann korrekt zu tun ist Teil der Methode. Also am Anfang darf das ja noch sehr krumm aussehen oder dann fliegt der Ball halt ein bisschen mehr nach vorne oder ein bisschen mehr nach hinten. Und in diesem Schritt übe ich schon auch, korrekt zu werfen und sehr präzise zu werfen. Das gleiche ist, wenn unser kleiner Sohn sich ans Klavier setzt. Also der sitzt ja auch nicht irgendwie dann da, sondern der setzt sich für seine fünf Minuten auch richtig hin.
Miriam: Und hält die Hände richtig.
Florian: Also streckt die Arme richtig aus. Falls du mit Klavier nicht so viel zu tun hast, so wie du dir einen Pianisten vorstellen würdest. Erst den Frack hinten über die Sitzbank werfen und dann die Arme ausbreiten und schön von oben aufstellen.
Miriam: Wie Flügel aufs Klavier senken, genau. Das macht er ganz wunderschön, finde ich.
Florian: Ja, nur das gehört dazu, selbst bei einer einzelnen Note. Und so ist es eben auch beim Jonglieren mit einem einzelnen Ball. Wenn die Form da nicht stimmen würde... Okay.
Miriam: Deswegen ist es gut, sich vorher zu informieren vielleicht.
Florian: Also den kleinen Schritt eben einen sinnvollen, eine sinnvolle zwei Minuten Rezeption zu machen.
Miriam: Vielleicht wäre ja sogar der erste Schritt, den Ball in irgendeiner Weise zu halten in einer Hand und die andere Hand dann irgendwie zu halten. Also dass wir so eine Art noch klein, also wir können das alles noch kleiner machen.
Florian: So klein, dass es eben ganz leicht ist.
Miriam: Das ist die Idee, ja. Dass es leicht ist und dass es auch leicht fällt, das jeden Tag zu tun und dass es schwer wird, da eine Ausrede für zu finden. Weil das mir auch aufgefallen ist.
Florian: Weil es schneller geht, es zu tun, als eine Ausrede zu finden.
Miriam: Genau. Und wenn wir das jetzt auf dieses Sportprogramm münzen, also statt sich zu sagen, ich gehe jetzt gleich mal fünf Kilometer joggen, weil vor 15 Jahren konnte ich das mal, oder ich mache jeden Tag 30 Minuten Sport, zu sagen, ich mache jeden Tag zwei Minuten Sport, das hat mich wirklich sehr gewundert. Und der Teilnehmer hat mir geschildert oder hat uns geschildert, dass er das dann gemacht hat und gemerkt hat, das schafft er. Also Erfolgserlebnis. Er schafft es, zwei Minuten lang kurz Hampelmann zu hüpfen, dann eine Liegestütze auszuprobieren mit damals noch im Knien, also eben diese leichten Liegestützen, dann eine kleine Kniebeuge zu machen und zwei Treppen hoch und runter zu laufen. Das war sein Sportprogramm, mehr hat er nicht gemacht. Und er hat gesagt, na, am ersten Mal war er danach auch schon etwas außer Puste. Nur zwei Minuten gehen. Und zwei Minuten gehen. Also es war auf jeden Fall absolut möglich und es war sehr schnell vorbei. Und es war ihm dann möglich, aufgrund dieses, es war schnell vorbei, das wirklich jeden Tag zu tun. Auch am Sonntag. Weil es ging so zwischen Badezimmer und Küche, konnte der sein Sportprogramm erledigen. Und es hat ihm Mut gemacht, weil es ihm gezeigt hat, erstens, er kann dranbleiben, er kann das durchhalten und es zeigte Wirkung. Diese Kleinteiligkeit dieses, wenn du etwas ändern möchtest in deinem Leben, wenn du dir eine Veränderung wünschst in einem bestimmten Bereich, was wäre denn das kleinstmögliche, was du tun könntest, um einen Schritt einfach nur in die richtige Richtung zu gehen? In die richtige Richtung. Wenn wir uns jetzt vornehmen würden, jeden Tag einen Apfel zu essen. Selbst das halten ja ganz viele Menschen nicht durch. Obwohl es schnell geht und gar nicht groß erscheint.
Florian: Und ein Apfel a day keeps the doctor away.
Miriam: So, that's what they say. Und wenn ich jetzt sagen würde, ich beiß jeden Tag einmal in einen Apfel.
Florian: Weißt du, was die Herausforderung ist? Was, wenn keine Äpfel da sind?
Miriam: Ah, es ist zu groß, weil keine Äpfel da sind. Oder kann ich mir einfach einen Sack Äpfel kaufen?
Florian: Wir dürfen uns, glaube ich, dann tatsächlich einfach vorbereiten und einen Sack Äpfel kaufen.
Miriam: Oder was wäre, wenn, was gibt es noch so für Klitzekleinigkeiten, wenn ich Zahnseide benutzen wollen würde in Zukunft? Also wenn es mein Ziel wäre, auch die Zahnzwischenräume immer richtig toll sauber zu machen. Und ich fange an mit einem Zahnzwischenraum pro Tag. Weil schau mal, das ist immerhin schon einer mehr als sonst. Und das geht schnell. Nach dem Zähneputzen ist das schnell erledigt. Die Frage ist ja, was macht es dann auf Dauer mit uns, wenn wir so eine minimale Veränderung in die richtige Richtung tun? Was tun wir da mit unserem Leben?
Was im Gehirn passiert — Zinseszins, Autofahren, Londons Taxifahrer
Florian: Unsere Intuition geht ja tatsächlich nicht so wahnsinnig gut damit um. Das ist halt eine dieser Einschränkungen, die wir haben. Wie das funktioniert mit dem Zinseszins. Weil wenn wir anfangen, eben einmal am Tag uns nur einen Zahn mit Zahnseide zu pflegen, über die Zeit von ein paar Jahren, also möglicherweise verändert sich dann ja irgendwann daran was, nur selbst wenn wir es so lassen würden, hätten wir halt trotzdem einmal im Monat alle Zähne sauber. Das stimmt. Also wenn jeden Tag ein anderer, dann wärst du einmal im Monat durch. Da ist jetzt ein Zahnarzt, wird wahrscheinlich nicht vor Freude umkippen. Nur besser als nicht.
Miriam: Das ist das, was ich auch fühle. Besser als nichts.
Florian: Und das ist ja auch das, was bei dem Teilnehmer eben war. Die Stunde Sport im Monat, natürlich gegen einen Olympioniken, der eine Stunde wegreist vor dem Frühstück morgens, ist das nichts. Nur im Vergleich zu vielen Leuten, die da draußen überhaupt keinen Sport machen, ist es eben eine Stunde Sport im Monat.
Miriam: Ich finde, dass wir das mal so betrachten sollten. Außerdem macht unser Gehirn ja was sehr spannendes. Wir wissen ja, unser Gehirn möchte sich gerne Dinge angewöhnen. Das nennen wir automatisieren. Darauf können wir uns verlassen. Die meisten Menschen machen die Erfahrung beim Autofahren. Wenn wir einen Führerschein machen, dann sind wir oft noch sehr unbeholfen. Und haben am Anfang, wenn wir dann den Führerschein haben und fahren los, sehr viel zu tun noch mit Kupplung, Gas, Bremse, wie auch immer. Und nach einer gewissen Zeit, das dauert vielleicht so ein Jahr, bei manchen zwei Jahre, da telefonieren wir beim Fahren über die Freisprechanlage, wir essen gleichzeitig ein Croissant, wissen, wo wir hinfahren und bedienen das Auto. Ist doch so. Freisprechanlage ist erlaubt. Ist ja in Ordnung. Das heißt unser Gehirn hat bestimmte Prozesse des Autofahrens komplett durchautomatisiert, über die denken wir gar nicht mehr nach.
Florian: Und das Spannende, und dann sind wir ja auch wieder voll in der Hirnforschung drin, da entstehen ja veränderte Strukturen im Gehirn. Also wir tun ja so, als wären wir irgendwie, wie hast du es letztens gesagt? Hardware und Software. Als hätten wir so eine Hardware, das ist das Hirn, das sich nicht verändert und das, was wir verändern drauf, ist das Betriebssystem, das da drauf läuft, die Software. Als könnten wir einfach die Software umschreiben. Nur in der Praxis ist das nicht so. Zum Beispiel gibt es Studien zu Taxifahrern in London. Also wenn jemand wirklich so ein Black Cab fahren möchte, diese ikonischen englischen Taxis, die in London rumfahren, dann ist die Prüfung dafür sehr schwierig, weil die tatsächlich alle Straßen Londons auswendig lernen und ein eigenes Navi im Kopf installieren. Also die Prüfung läuft dann tatsächlich so, dass ein Prüfer sagt, du bist jetzt in der Hammersmith Street 123 und dein Kunde möchte zum... Piccadilly Circus an die Ecke. Und dann ist die Erwartung in der Prüfung, dass der Taxifahrer sagt, alles klar, dann fahre ich in Richtung der Straße, dann biege ich dort links ab, dann fahre ich da rechts rum, dann biege ich da links ab, dann fahre ich da wieder rechts, dann biege ich in die Straße ab, danach kommt die Straße, dann kommt die Straße und dann links. Also dass die tatsächlich ein menschliches Navi nachspielen. Um das zu können, das dauert Minimum, was ich mal gelesen habe, zwei Jahre, eher drei Jahre, dass die Menschen das können und die laufen dann viel auch durch London und gucken sich eben den Plan an. Da verändern sich Hirnstrukturen bei denen. Also die entwickeln bestimmte Areale des Gehirns, die was mit dieser räumlichen Wahrnehmung zu tun haben.
Miriam: Die bei anderen Menschen nicht vorhanden sind.
Florian: Doch, die sind vorhanden, nur nicht so ausgeprägt.
Miriam: Ah, okay.
Florian: So wie eben jemand, der Apnoe-Tauchen geht, also nur mit der eigenen Atemluft tauchen geht, mit der Zeit ja auch ein größeres Lungenvolumen bekommt und eben mit jedem Training ein bisschen länger die Luft anhalten kann. Das gleiche passiert auch im Gehirn. Das heißt, das Gehirn... Eignet sich eben an, dass es sich sehr viel mehr von diesen räumlichen Informationen merkt, wenn wir das trainieren. Und das ist ja dann das gleiche mit dem bisschen Sport machen oder mit dem einen Tanzschritt oder sonstigen Sachen. Da verändert sich ja auch was im Gehirn. Das Hebb'sche Gesetz heißt es, da geht es eigentlich dann darum, dass Zellen, die gemeinsam feuern, sich auch miteinander vernetzen. Nur wir lernen eben dadurch, dass wir Dinge häufiger tun. Dadurch werden die Autobahnen gebaut. Und wenn wir Dinge gemeinsam häufiger tun, dann werden die eben auch noch gemeinsam miteinander verbunden. Und dann ist eben diese Freude an den zwei Minuten ist vielleicht besser, um was zu lernen, als einmal im Monat eine Stunde joggen zu gehen und dann total außer Atem und total kaputt wieder nach Hause zu kommen und zu sagen, den September habe ich jetzt abgehakt.
Miriam: Ja, es stimmt. Es stimmt wirklich. Also das Erfolgserlebnis, die Euphorie, die sich einstellt, ist deutlich größer. Das Gehirn kann sich daran gewöhnen, jeden Tag zwei Minuten Sport zu machen. Es kann es automatisieren. Die Koordination wird besser. Genau, die Koordination wird besser. Und wir implementieren da sozusagen ein neues kleines Verhalten. Also etwas, was einfach dann auch zum Tag dazugehört. Oder dieses einen Zahn mit der Seide bearbeiten pro Abend. Das ist wirklich großartig und es soll so ein, also für mich fühlt sich das dann auf, also es fühlt sich leicht an, vielleicht ist das auch noch so ein Begriff. Es erscheint nicht wie so ein Riesenberg, den ich abzutragen gedenke in meinem Leben. Weil alles, was sich zu groß und zu mächtig anfühlt, die Erfahrung habe ich gemacht für mich. Das ist für mich dann so, dann schiebe ich das eher vor mir her, als wenn ich, da ist das Ausredending drin, als wenn ich weiß, in zwei Minuten erledigt.
Florian: Ja, nur zwei Minuten bringt, also wenn mein Ziel jetzt wäre, nächstes Jahr irgendwie zur Bodybuilding-Weltmeisterschaft zu fahren, dann bringt es mir doch nichts, wenn ich hier jetzt irgendwie meinen Kaffeebecher morgens fünfmal hebe.
Miriam: Also das auf Dauer bringt es nicht. Es bringt vielleicht den Einstieg in eine Freude am Bewegen. Und eine Gewohnheit an, morgens findet da irgendwas statt in der Art und Weise. Also wir gewöhnen unser Gehirn daran, zum Beispiel auch dadurch, dass wir es immer zum gleichen Zeitpunkt machen, dass es morgens dann schon von alleine sagt, Kaffeetasse 15 mal heben. Und wenn ich jetzt wirklich ein Jahr lang, also wenn ich mir einen festen Termin setzen würde für Marathon laufen können oder zu Olympia gehen und hätte das wirklich vor, dann würde ich mir ähnlich wie beim Jonglieren vielleicht doch einen Fachmann holen, der mich ein bisschen unterstützt bei der Planung.
Florian: Und manche von den Zielen sind eben sehr sportlich in unseren oftmals sehr geschäftigen Tagesabläufen. Also wenn jemand sagt, ich möchte jetzt plötzlich anfangen Sport zu machen und eine halbe Stunde Sport soll in den Tagesablauf reinpassen, nur es ist eben eine von 48 Halbstunden am Tag und ich habe auch noch 100 andere Halbstunden am Tag, die ich noch viel lieber mache bisher.
Deine mini kleine Veränderung — und wie du dranbleibst
Miriam: Dann erscheinen diese zwei Minuten etwas realistischer. Wunderschön finde ich das. Gerade auch in diesem mathematischen Beispiel. Vielleicht hast du ja einen kleinen Impuls jetzt einfach mitgenommen. Vielleicht hast du ja gerade schon in deinem Kopf angefangen, dein Leben mal so abzuscannen und zu gucken, wo sind denn die Stellen?
Florian: Was würdest du denn gerne mal verändern oder mal tun? Wo würdest du gerne ein bisschen besser sein oder wo möchtest du dir dein Leben ein bisschen anders gestalten? Weil dann ist es ja fast so eine 30-Tages-Challenge mal. Du hast das mal, Miri, auf Facebook gemacht. Ja. Mit den Komplimenten zum Beispiel. Also 30 Tage lang jeden Tag jemandem mal ein Kompliment geben. Das reicht ja schon um...
Miriam: Die Nettigkeit zu erhöhen. Die Grundnettigkeit.
Florian: Die Grundnettigkeit. Vielleicht ein Kompliment mehr als vorher. Ja, genau. Oder in 30 Tagen dann 30 mehr als vorher.
Miriam: Ist messbar. Ist messbar. Also schlägt sich schon wieder. Und das eben dann in dem Bereich, den du spannend findest oder wo du gerne eine Veränderung hättest, eine mini, mini, mini kleine Veränderung in deinem Leben auszurufen, die du dann auch regelmäßig machen kannst, weil sie sich so leicht und so einfach und so klitzeklein anfühlen. Deswegen passt es wieder mit dem Klitz.
Florian: Kleine Veränderung, große Wirkung.
Miriam: Das mag ich sehr. Und das war's auch für heute.
Florian: Voll gut.
Miriam: Ein klitzeklitzekleiner Podcast mit großer Wirkung.
Florian: Also geh raus und tu was. Nach jedem Podcast kurz tief ein- und ausatmen und einfach spüren, wie sich der Körper gerade anfühlt.
Miriam: Herrlich. Oder du hast Lust auf mehr NLP? Da haben wir auch eine klitzekleine Lösung, wenn du sagst, der große Practitioner ist noch nichts. kontext*denken, wie wäre es mit unserem NLP-Kompakt? Das bekommst du online nach Hause geschickt, die Videolektionen und kannst NLP in klitzekleinen... Das ist die gleiche Idee dahinter.
Florian: Alle zwei Wochen eine halbe Stunde. Da ist es ein bisschen mehr Zeitinvestition. Nur die Übungen zwischendrin laufen in sehr kleinen Einheiten auch, um dann eben über ein halbes Jahr hinweg ganz viel NLP zu lernen.
Miriam: Informiere dich gerne auf unserer Website www.kontext-denken.de. Und wir hören uns dann nächste Woche wieder.
Florian: Wenn es heißt...
Miriam: Die klitzeklitzekleinen Gehirn... Nein.
Florian: Und der große Podcast.
Miriam: Macht's gut. Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext-denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.