NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 22

Interviewtechnik – gibt es schlaue Fragen oder nicht?

Bring ein Gespräch ins Laufen, hol Dir die Infos, die Du Dir wünschst - und das alles mit bewussterer Fragetechnik. Miriam im Gespräch mit TV-Moderator Volker Kirst.

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In dieser Folge

Darum geht es

"Es gibt keine doofen Fragen, es gibt nur doofe Antworten." gegen "Die Qualität Deiner Frage bestimmt die Qualität Deiner Antwort." Miriam Deforth und ihr TV Kollege, Sales-Trainer und Meister im Fragenstellen Volker Kirst unterhalten sich über die richtige Frage zum richtigen Zeitpunkt. Oder im richtigen Zusammenhang. Und darüber, ob es überhaupt "falsche" Fragen gibt. Für alle Menschen, die nicht nur sich selbst, sondern auch Ihr Gegenüber genau wahrnehmen möchten, ist dieser Podcast ein Schatz. Und er birgt auch für echte Kommunikationsprofis spannende Impulse für noch mehr Bewusstheit beim Fragen stellen. Egal ob für das Interview auf der Bühne oder vor der Kamera, beim Einstellungsgespräch, in der Familienkonferenz, bei der Diskussion zwischen Partnern, mit Kindern oder beim Mitarbeitergespräch: Oft sind die Fragen, die dem anderen gestellt werden, von entscheidender Bedeutung für den Verlauf des Gesprächs. Viel Vergnügen beim Lauschen und Mit-Trainieren - wenn Du magst. https://www.facebook.com/VolkerKirstQvc/ 

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Konkret geht es um offene Fragen und W-Fragen (was, wer, wie, wo, wann, warum) gegenüber geschlossenen Ja-Nein-Fragen — und wann welche Sinn macht. Volker erzählt, warum das Wort "man" aus dem Wortschatz verschwinden darf und warum der Mut, "ich" zu sagen, Vertrauen schafft. Du bekommst Impulse für Vorgespräche, für das Denken in Nutzen (etwa im Gehaltserhöhungsgespräch) und für offene Fragen in Beziehung, Familie und Mitarbeitergespräch. Am Ende streift das Gespräch noch Emotionalisierung im Verkauf und die These, dass es keine rein rationalen Entscheidungen gibt.

Lesefassung

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Kapitel dieser Folge
  1. Vom Modenschauen-Mikrofon zum Fernsehen
  2. W-Fragen: Warum offene Fragen mehr herausholen
  3. Vertrauen als Grundlage jedes Gesprächs
  4. Wenn Fragen nicht gestellt werden: Familie, Partnerschaft, Missverständnisse
  5. Die konkreten Tipps: Nutzen, Vertrauen und der Mut, „ich“ zu sagen
  6. Emotion statt Rationalität — und wo du Volker findest

"Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten." Gegen: "Die Qualität deiner Frage bestimmt die Qualität deiner Antwort." Zwei Sätze, die sich widersprechen — und beide haben etwas für sich. Miriam sitzt hier mit Volker Kirst zusammen, ihrem Kollegen aus dem Fernsehkaufhaus, der seit den 80ern moderiert und heute Menschen im Verkauf und vor der Kamera trainiert. Es geht um die richtige Frage zum richtigen Zeitpunkt — auf der Bühne genauso wie am Küchentisch.

Vom Modenschauen-Mikrofon zum Fernsehen

Miriam: Herzlich Willkommen zum Podcast erstmal. Das wird heute ein ganz, ganz toller Podcast für alle, die viel sprechen, die viel kommunizieren. Das kann ich dir schon mal sagen, denn an meiner Seite ist kein geringerer als mein wundervoller Kollege Volker Kirst, mit dem ich hier in meinem geliebten Fernsehkaufhaus ab und zu auch schon mal Doppelmoderation machen durfte und ansonsten erlebe ich Volker gerne selbst als Zuschauerin. Ich habe Volker irgendwann mal gesagt, für mich bist du so der geborene Anchorman für Nachrichten und Talksendungen. Volker hat die coolste Stimme der Welt. Hallo Volker!

Volker: Na, dann gucken wir mal, ob meine Stimme heute auch noch funktioniert. Die ist nämlich leicht angeschlagen.

Miriam: Oh, dann wird es noch besser.

Volker: Ja, ich habe so eine leichte Erkältung hinter mir. Deswegen klingt die Stimme vielleicht gerade etwas kratziger als sonst. Hauptsache, dein Gehirn funktioniert. Ja, ich hoffe es.

Miriam: Interview-Technik. Du bist auch ganz viel auf Live-Veranstaltungen unterwegs. Wann hast du dich dazu entschieden und welche Ausbildung hast du gemacht?

Volker: Die Ausbildung ist mein Vater. Er ist über 40 Jahre in der Mode gewesen, hat in den 70er Jahren schon Modenschauen moderiert und irgendwann Ende der 80er Jahre habe ich das Mikrofon in die Hand bekommen. Und so kam ich erstens zur Mode, zweitens zu moderieren, irgendwann kamen dann die Urlaubsclubs dazu, wo ich viersprachig moderiert habe auf der Bühne und dann kam QVC.

Miriam: War das damals eine spannende Entscheidung für dich, wegzugehen aus diesen vielen Reisen und auch so ein bisschen Weltenbummler sein?

Volker: Nö, das war ja während des Studiums. Also es war ja schon so, dass ich sesshaft war, aber ich war halt dann mal einige Saisons in den Urlaubsclubs tätig, während des Studiums und nach dem Studium dann auch noch. Und direkt im Anschluss kam dann diese Bewerbung hier für QVC. Allerdings war das auch eine Zufallsgeschichte, weil ich eigentlich bei einer Castingagentur eingetragen war für Gameshow-Kandidaten. Die auch entsprechend uns so gecastet haben, wie ein Gameshow-Kandidat beim Rausgehen sagt, wenn der mal einen Moderator braucht, hier ist ein Foto von mir. Und dann drei, vier Jahre später kam dann der Anruf.

W-Fragen: Warum offene Fragen mehr herausholen

Miriam: Cool. Jetzt kommen wir zurück zum Thema. Heute geht es um die richtige Frage, zum richtigen Zeitpunkt. Das ist nicht nur wichtig fürs Fernsehen oder für Talkrunden oder für Interview-Augenblicke. Sondern, wie ich finde, auch zum Beispiel für Familienkonferenzen, also ganz im privaten Bereich für Gespräche von Partner zu Partner oder mit pubertierenden Kindern oder auch mit kleineren Kindern oder im Business-Bereich, wenn der Chef mit den Mitarbeitern ein vernünftiges Gespräch führen möchte und auch wirklich Informationen bekommen möchte. Gibt es diese dumme Frage? Gibt es die dumme Antwort? Oder steckt da ein bisschen mehr dahinter? Was meinst du?

Volker: Für mich ist einfach gerade was Interviews angeht das Wichtigste, dass jeder immer an diese W-Fragen denkt, also an die offenen Fragen mit Was, Wie, Wer, anstatt die Antwort in der Frage vorzugeben, wie es leider viel zu oft vorkommt, dass der Interviewer dann fragt, Sie haben doch auch das? Und dann kommt die Antwort entweder Ja oder Nein. Habe ich auch gerade gemacht. Kann passieren. Aber wie gesagt, je nachdem wie viel Zeit ich habe, das kommt natürlich auch noch darauf an, wenn ich jetzt natürlich nur wenig Zeit habe, dann ist die Tendenz eher, dass ich dann vielleicht doch eine geschlossene Frage stelle. Aber wenn ich was rausholen möchte aus dem Interviewpartner, dann ist es wirklich das A und O, eine offene Frage zu stellen. Und eine offene Frage fängt nun mal mit einem W an. Wer, was, wie?

Miriam: Damit bringe ich Menschen zum Reden, beziehungsweise du sagst, damit bekomme ich mehr Informationen. Das ist auch etwas, was im Interviewtraining als aller allererstes gelehrt wird. Wir kommen später in diesem Podcast noch zu Tipps, also wo wir dann wirklich sagen, das kannst du mal üben zu Hause, trainieren, vielleicht auch im Gespräch mit anderen. Das ist ja das Tolle beim Reden und beim Kommunizieren. Wir können jeden Tag üben, ohne uns irgendwie Equipment zulegen zu müssen, weil wir ständig mit Menschen sprechen. Also die W-Fragen, ganz wichtig. Das wäre, wie du sagst, schon dann wichtig, wenn wir mehr Informationen wollen, wenn wir nicht so viel Zeit haben, würden wir das ändern. Ist für dich die Intention, die hinter einem Interview oder hinter einer Sendung steht, wichtig für die Art der Fragen, die du stellst?

Volker: Ja auf jeden Fall, also insbesondere in meinem Fall möchte ich was über den Menschen wissen, ich möchte über den Menschen den Leuten was mitteilen, weil gut, jetzt für unseren Fall hier ist es ja klar, das Produkt, das sehe ich, das Produkt wird auch noch beschrieben in der Grafik und leider wird ja tendenziell viel zu oft einfach nur beschrieben. Aber warum schauen die Menschen zu? Weil sie die Menschen kennenlernen wollen, die da sind, und deswegen möchte ich natürlich auch was über diesen Menschen eigentlich erfahren. Jetzt gibt es natürlich Leute, die geben da was preis, andere geben weniger preis, und das rauszubekommen oder rauszukitzeln ist dann die Herausforderung.

Miriam: Gut, also die Intention, etwas herauszukitzeln, den Menschen mit zu positionieren in der Sendung, das habe ich verstanden. Wenn es um das Produkt geht, habe ich auch das Gefühl, dass auch da eine offene Frage, eine W-Frage zu mehr Information führt. Also, wie bediene ich das richtig?

Volker: Ja, natürlich, aber gut, davon wollen wir jetzt halt, wir gehen jetzt einfach nur mal grundsätzlich jetzt... Das ist jetzt mal dahingestellt.

Miriam: Also die Intention ist, so viel Information wie möglich zu bekommen vom anderen. Ich frage mich gerade selbst, ob das heißt, dass ich mich als Interviewer dann in dem Augenblick sehr zurückstelle. Also dass ich die anderen Dinge mit den Fragen in den Vordergrund rücke.

Volker: Das hängt jetzt davon ab, hier für unseren Fall ist es ja oft so, dass entweder ist der Interviewpartner sehr emotional und liefert das Emotionale oder er ist sehr technisch. Und ich muss halt als Moderator in dem Fall ausgleichen können. Ich muss das, was der nicht liefert, muss ich liefern. Deswegen, wenn der jetzt emotional ist, mache ich eher die technischen Sachen oder umgekehrt.

Vertrauen als Grundlage jedes Gesprächs

Miriam: Wenn du den Auftrag bekommst, ein reines Interview zu führen auf der Bühne bei einer Veranstaltung, da ist irgendein prominenter Mensch oder ein wichtiger Mensch aus irgendeinem Bereich und du darfst aus dem Informationen herauskitzeln, wäre da die Emotion dann nicht mehr so wichtig?

Volker: Doch, gerade da, weil da möchte ich ja logischerweise auch was mehr wissen, was eben nicht überall in der Zeitung steht, sondern ich möchte eben eigentlich das Persönliche und das Private wissen. Ob der mir das sagt, weiß ich nicht, aber es ist natürlich die Herausforderung.

Miriam: Hat das nur was mit den Fragen zu tun, die du dann stellst? Also eine bewusst geschlossene Frage.

Volker: Das hängt ganz viel von Vertrauen ab. Vertrauen ist das A und O. Vertrauen seitens des Interviewpartners zu diesem Moderator, will der mich vielleicht bloßstellen. Ja. Es gibt ja so Leute, deswegen ist es irrsinnig wichtig, vorher ein Vorgespräch zu führen. Vorher einfach mal so die gemeinsame Wellenlänge festzustellen. Ist diese Wellenlänge da oder muss ich mich da irgendwie, soll ich mich da irgendwie anpassen? Und das ist einfach extrem wichtig, Vertrauen vom Interviewpartner.

Miriam: Das wäre jetzt wieder gerade für Familiengespräche, also auch zwischen Partnern, die sich vielleicht nicht mehr so vertrauen oder wo es um ein Thema geht, das beide mit gemischten Gefühlen angehen. Oder auch im Businessbereich, wenn der Chef jetzt nicht so gute Nachrichten hat oder aus dem Mitarbeiter Informationen herausholen möchte, die vielleicht auch eher brisant wären. Wenn da ein Vertrauensverhältnis an aller vorderster Front steht, ist ja, bevor ich anfange zu fragen, sozusagen ein Prolog wichtig. Also in unserem Fall wäre das ein Vorgespräch vor der Sendung zum Beispiel.

Volker: Gut, jetzt ist natürlich bei so einem Mitarbeitergespräch vom Chef zum Mitarbeiter wahrscheinlich nicht ganz so einfach, da noch ein Vorgespräch zu führen, sicherlich. Grundsätzlich würde ich jetzt aber einfach mal davon ausgehen, dass wenn ich da als Mitarbeiter zum Chef komme... Einer von beiden wird wohl Vertrauen zum anderen haben, sonst würde ich da nicht arbeiten vermutlich. Aber das ist halt auch sehr viel mit Vertrauen in Verbindung. Aber ich gebe zu, das ist sicherlich eine sehr schwierige Situation, weil ich einfach nicht weiß, wie bekomme ich entweder meine Information raus oder wie bekomme ich vielleicht die Gehaltserhöhung? Also was überzeugt ihn? Und da kommen wir meines Erachtens wieder auf einen Punkt zurück, der auch jetzt für uns im Verkauf eben zählt, ist der Nutzen. Das heißt, was hat mein Gesprächspartner für einen Nutzen von diesem Gespräch oder von den Informationen, die ich ihm gebe? Das heißt jetzt beispielsweise im Gehaltserhöhungsgespräch wäre vielleicht der Nutzen, wie kann ich mehr liefern, wie kann ich mehr bieten, was bringt dem Unternehmen was? Schon bin ich wieder bei den W-Fragen und das ist eben genau wie ich dann in so ein Gespräch gehen würde, was kann ich bieten? Nicht was will ich, sondern was biete ich?

Miriam: Super, und Fragen, die ich mir vorher selbst stelle. Also auch da, bevor ich in ein Gespräch gehe, mich selbst zu hinterfragen, was ist genau mein Ziel, was kann ich geben, statt nur zu nehmen in dem Fall, passt auch zum Beziehungs- oder Familiengespräch sehr gut, finde ich. Denn da ist ja oft auch dieses, ich zeige auf den anderen und sage, du hast ja nicht abgeliefert, du bist ja derjenige, der behauptet hat dies und das und dann kommt das. Also auch da mit offenen Fragen, die Raum lassen, um auch wirklich Informationen zu finden, mich selbst zu interviewen. Finde ich eine tolle Vorbereitung.

Wenn Fragen nicht gestellt werden: Familie, Partnerschaft, Missverständnisse

Volker: Auf diese Familiensituation nochmal bezogen, würde ich es allerdings auch so sehen, dass es nicht unbedingt immer nur Sinn macht, jetzt nur darzulegen, was ich liefern kann, also was ich bieten kann, was ich an Nutzen bringen kann, sondern wirklich auch mal einen Standpunkt festzusetzen und zu sagen, so, für mich sieht es so am besten aus, ich hätte das gerne so. Und ich habe halt immer wieder im Leben gemerkt, dass es ganz oft als Schwäche ausgelegt wird oder negativ ausgelegt wird, wenn wir uns immer nur anpassen oder wenn wir immer nur so uns verhalten, wie die anderen das möchten.

Miriam: Das mag sein. Und um überhaupt mal festzubekommen, was der andere sich wirklich wünscht, wäre ja hier auch schon wieder eine Frage, was wünschst du dir denn? Oder was könnten wir jetzt tun, damit es dir besser geht? Oder was könntest du tun, was könnte ich tun, damit es dir besser geht?

Volker: Das ist natürlich schön, wenn es solche Gespräche gibt. Es ist super schön, wenn es solche Gespräche gibt. Solche offenen Gespräche, leider landen die dann doch oft erst bei Paartherapie-Gesprächen, wenn es dann tatsächlich mal so weit kommt, wo dann plötzlich offen gesprochen wird, weil nämlich es keiner geschafft hat, vorher offen zu sprechen.

Miriam: Und vorher vielleicht auch danach zu fragen?

Volker: Ja, ich meine ja, eben, also schon Fragen schon, aber dann wird ausgewichen. Ja, das passiert leider viel zu oft.

Miriam: Wenn die Frage ernst gemeint, ja okay, vielleicht ist der Podcast auch dafür da, also dass die Menschen, bei denen das ansteht, vielleicht sind ja einige Hörer hier dabei, die sagen, ja da ist bei mir was, dass sie sich wirklich was ziehen können aus diesem, wie fragst du denn? Also ist das wirklich eine offene Frage, die keine Vorannahme beinhaltet? Und lässt die wirklich den Raum für den anderen, seinen Standpunkt mal zu erklären oder seine Wünsche zu äußern?

Volker: Ja, wobei es einfach ganz oft, um jetzt nochmal Thema Mann und Frau anzugehen, es ist halt ganz oft leider so, dass Frauen meinen, der Mann muss es doch merken. Und fragen nicht. Und der Mann fragt natürlich auch nicht, weil er denkt, da ist alles okay.

Miriam: Das sind klassische Missverständnisse. Vielleicht ist es auch gar nicht mal so klassisch Mann und Frau, sondern in eingespielten Beziehungen. Also ich habe schon das Gefühl, oder das habe ich so in meinem Leben gemerkt, dass am Anfang einer Beziehung mehr Fragen gestellt werden.

Volker: Also wir sind ja jetzt hier mit unserem Thema, sind wir ja so, dass wir eigentlich schon diese Interviewsituation haben, wo wir Fragen stellen. Aber bis es, also jetzt in Bezug auf Familien oder Paar oder wie auch immer, bis es da überhaupt erstmal dazu kommt, zu einer Fragesituation, das ist ja schon mal ein Fortschritt. Perfekt. Das ist schon mal toll.

Miriam: Vielleicht haben wir den Impuls jetzt gesetzt. Dann wäre dieser Podcast, hätte sich schon 30.000 Mal gelohnt. Ich habe im Gegensatz zu, es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten, was ja ein bisschen Druck rausnimmt aus Fragesituationen, dass Menschen sich überhaupt mal wieder trauen, was zu fragen. Viele trauen sich ja auch gar nicht, Fragen zu stellen, eben aus der Befürchtung heraus, die könnten mich für dumm halten oder vielleicht bedeutet das Schwäche, wenn ich das jetzt frage. Ich habe zwar das Fremdwort nicht verstanden, nur bevor ich jetzt die Hand hebe, lieber nicht. Hab ich gehört, die Qualität deiner Frage bestimmt die Qualität deiner Antwort. Das hat mir mal ein Trainer gesagt. Und da ist auch was dran in meiner Welt. Weil ich, je genauer ich meine Frage formuliere oder je bewusster ich mir der Worte bin, die ich wähle, oder auch der Vorannahmen, die sich in der Frage verstecken, eben, was erwarte ich als Antwort? Erwarte ich überhaupt schon irgendwas Bestimmtes?

Volker: Du setzt es ja dann ganz gerne, also wenn du merkst, der andere versteht dich nicht, dann setzt du es ganz gerne auch in deine Frage mit rein.

Miriam: Also die Antwort.

Volker: Und dann heißt es nachher nur noch Ja oder Nein. Und wenn du Glück hast, erklärt er das noch, aber das ist dann schon ein Fortschritt.

Miriam: Richtig. Und den meine ich. Also, dass ich mir wirklich vorher Gedanken mache, was erwarte ich denn jetzt als Antwort? Will ich nur das hören, was ich eh schon weiß? Also, will ich eine Bestätigung für meine Annahme? Und das gibt es bei uns im Fernsehen genauso wie auf der Bühne, genauso wie irgendwo anders. Auch in Talkshows erlebe ich das häufig, dass ich dann doch merke, der Moderator, der sich neutral verhalten sollte. Der verhält sich eben dann nicht mehr neutral.

Volker: Ja, das habe ich auch schon wieder beobachtet, dass die dann doch ganz gerne mal ihre Meinung kund und zu wissen tun. Ja, der Interviewer ist ja eigentlich mehr die neutrale Person. Trotzdem, dadurch unterscheiden sich natürlich auch verschiedene Moderatoren, Interviewer, wie auch immer, dass sie eben ihre Persönlichkeit dann doch auch mal zeigen und dementsprechend haben sie dann entweder Sympathisanten, sprich sie polarisieren vielleicht sogar, kann ja auch sein. Und das ist ja im Endeffekt das, was den Menschen interessant macht.

Miriam: Das stimmt. Also es gibt beide Fälle. Eine Frage kann natürlich auch dadurch, dass sie ein bisschen provokativ gestellt ist, in so einem Kontext spannend werden, gerade für die Zuhörer einer solchen Veranstaltung. Und auch da wieder, da kommen wir wieder zurück, finde ich, auf den Punkt, was will ich denn erreichen? Will ich wirklich was lernen? Will ich wirklich eine reine Information vom Anderen haben, die nicht schon vorintendiert ist von mir? Will ich vielleicht auch das Gespräch in eine bestimmte Richtung lenken?

Volker: Es wird nicht immer gehen, nicht in jeder Gesprächssituation, aber wenn wir zum Beispiel irgendwie jetzt uns mit einem Thema beschäftigen auf der Bühne, ich spreche jetzt mal wirklich bewusst von Bühne, von Bühnentalks, von Talkrunden oder sowas, wenn wir da schon uns intensiv mit den Menschen beschäftigt haben, die da sitzen oder die da stehen und wissen, worauf die nachher raus wollen, dann kann ich natürlich entsprechend die Frage auch anders formulieren. Also das ist schon sehr, sehr sinnvoll, aber es wird leider nicht immer möglich sein. Also ich habe ja auch viele hier Schulungssituationen, wo ich die Leute auf Castings vorbereite und ich sage denen immer, das Casting mache ich aber nicht. Das Casting kann ich nicht machen, weil ich euch zu gut kenne und das wäre nicht die Realsituation.

Die konkreten Tipps: Nutzen, Vertrauen und der Mut, „ich“ zu sagen

Miriam: Das stimmt. Und jetzt kommen wir zu dem spannenden Punkt dieses Podcasts, nämlich zu den Tipps. Wenn du unseren Zuhörern jetzt Tipps geben möchtest für das gezieltere, das bewusstere, vielleicht auch das sinnvollere Fragen oder noch sinnvollere Fragen. Dann steht für mich jetzt schon als erster Tipp, überleg dir, was du wirklich willst, jetzt in der Situation.

Volker: Also Punkt 1. Worauf will ich eigentlich raus? Was will ich dem Zuschauer mitteilen? Also sprich, was soll der Nutzen für den Zuschauer sein? Und grundsätzlich, um diese Sache persönlich und emotional zu gestalten, ist es ganz, ganz wichtig, dass ich als Interviewer auch von mir selbst spreche, dass ich nicht immer sage, also wenn ich jetzt irgendwie was einleite, ja, man macht ja sowieso, und nein, ich spreche nicht von irgendwem, nicht von man, sondern ich spreche von mir selbst. Ich sage also, ich habe, oder wir von mir aus, oder Sie, aber eben nicht dieses Man, dieses Wort Man. Ich versuche das komplett aus meinem Wortschatz zu verbannen, weil es unpersönlich ist, weil es nicht die Identifikation bedeutet. Und ich möchte mich ja nicht nur mit der Person, die interviewt wird, identifizieren, also als Zuschauer jetzt, sondern ich möchte mich auch mit dem Interviewer. Ich möchte auch wissen, was ist das eigentlich für ein Mensch, der da interviewt? So, natürlich ist der eher neutral, klar, aber trotzdem hat er eben diese gewisse Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit kann er am besten unterstreichen, wenn er durchaus auch mal durchscheinen lässt, ja, ich mache das so und so, wie machen Sie das denn? Zum Beispiel als Frage. Also dass er wirklich diesen Interviewpartner so auf der emotional-persönlichen Ebene erwischt und dadurch vielleicht auch einfacher dieses Vertrauen aufbauen kann, worauf wir ja vorhin schon abgehoben haben, Vertrauen.

Miriam: Also Tipp Nummer 2 wäre Vertrauen aufbauen, dadurch, dass ich den anderen kennenlerne, vielleicht durch eine Recherche oder vorher sich Gedanken zu machen, vorher mit ihm sprechen.

Volker: Und ihm auch zu zeigen, ich spreche gerne mal von mir selbst, einfach um ihm zu zeigen, pass auf, ich mach das, mach du das bitte auch, so ungefähr.

Miriam: Ja, ja, sehr schön. Also auch eine tolle Sache. Wir sprechen ja nicht, wie gesagt, in dem Podcast nur von, es gibt auch Zuhörer dafür, die ich dann bedienen möchte, die wären dann mit in diesem Ziel drin. Es gibt auch die Situation, in der einfach zwei Menschen ein Interview führen, in Anführungszeichen, wo ich mir als der, der Informationen haben möchte, vorher Gedanken machen darf, erwarte ich schon bestimmte Antworten oder darf das wirklich ganz frei laufen und ich höre mir mal an, ich öffne mich mal dafür. Entsprechend offen würden die Fragen sein.

Volker: Wie lange haben wir Zeit? Das ist natürlich im Endeffekt, also es kann schon sein, dass die W-Fragen, die offenen Fragen eher zu Anfang kommen und dann zum Ende das Ding wird natürlich dann wahrscheinlich eher eine geschlossene Frage sein, um das Ganze irgendwie dann...

Miriam: Nur nochmal für alle, auch für die Anfänger, die jetzt noch nicht so firm sind mit dieser Technik, was genau ist eine W-Frage?

Volker: Eine W-Frage beginnt entweder mit was, wer, wie, wo, wann. Warum? Warum natürlich auch, weil derjenige, der antwortet, eben nicht mit Ja oder Nein antworten kann.

Miriam: Ja, ganz wichtig. Und das ist etwas, was du wunderbar trainieren kannst. Also immer dann, wenn diese Fragen, die wir geschlossene Fragen nennen, die mit Ja oder Nein zu beantworten sind. Die wahrzunehmen in deinem Wortschatz, also wann passieren die? Die machen ja auch hin und wieder Sinn. Gehen wir jetzt spazieren? Ja, nein, also ich kann mir ja auch hin und wieder ein Ja oder Nein holen, nur wenn es eine offene Gesprächssituation werden soll. Wenn du Informationen möchtest, wenn du willst, dass dein Gegenüber anfängt zu reden, dann ganz bewusst diese W-Fragen, die bieten den Raum dafür.

Volker: Das ist für mich das einfachste Prinzip. Und wie gesagt, wenn ich das vorher noch einleite mit eben einer kleinen Story jetzt vielleicht über den Menschen, der interviewt wird, oder eben was ich erlebt habe, und dann in Frage, was haben Sie erlebt, und das ist wieder eine W-Frage, und dann merkt er schon, aha, wir sind auf der Ebene und da kommt er dann auch mit mir klar. Also sprich, dann geht er dann auch hoffentlich normalerweise eher auf mich ein. Es gibt auch Leute, die antworten dann mit genau und legen dann mit ihrem Text los. Das ist ja immer das große Problem bei solchen Interviews, dass eben die Interviewpartner sich immer gerne schon was im Kopf zurechtgelegt haben, was sie loswerden wollen. Und deswegen macht eben auch so ein Vorgespräch immer Sinn, dass ich weiß, was die sagen wollen.

Miriam: Das ist super, das ist ein sehr professioneller Bereich.

Volker: Das Problem ist natürlich jetzt nur, das geht im Familiengespräch wahrscheinlich eher nicht und im Mitarbeiter-Chef-Gespräch geht das auch nicht.

Miriam: Ah, da wäre ich schon wieder voll. Wenn jemand kommt mit der Intention Gehaltserhöhung oder der Chef kommt mit der Information, es gibt dieses Jahr keine Gehaltserhöhungen, dann ist ja auch schon vorher eine Richtung da. Und das Gespräch, wenn es ein offenes Gespräch sein soll, bedeutet gegenseitiger Informationsaustausch, vielleicht auch emotionaler Austausch, dann darf ich da wieder sehr offen sein in meinen Fragen. Ich finde das super spannend. Das ist auch ein Thema, das sicherlich mehr füllen könnte als ein 20-minütiger Podcast. Es gibt ja auch wochenlanges Interview-Training. Von daher, das ist nur ein klitzekleiner Einblick und darf Impulse setzen für vielleicht einfach den bewussteren Umgang mit Fragen und der Idee dahinter.

Volker: Also ich würde wirklich als Fazit oder als Tipp wirklich nochmal auf jeden Fall diese offenen Fragen im Kopf halten, das Wort Man weglassen, ruhig auch mal sich trauen, von sich selbst zu sprechen. Oder eben von, wir in unserer Familie machen das so und so, zum Beispiel. Das ist ja auch von sich selbst sprechen, da muss ich nicht immer das Wort ich verwenden, weil ich habe ganz oft erlebt, dass diese Leute sich nicht trauen, ich zu sagen, weil sie immer gelernt haben, das wäre doch egoistisch. Ja. Und das ist einfach nicht so, wir wollen den Menschen kennenlernen, das geht nur, wenn er von sich selbst spricht. Also das sind so die Haupttipps, die ich bei Interviews geben würde.

Emotion statt Rationalität — und wo du Volker findest

Miriam: Wunderschön. Volker, wenn die Hörer mehr von dir wissen möchten, dann finden sie dich sicher auf Facebook?

Volker: Ja, unter volkerkirstqvc, da ist meine Facebook-Seite. Ich habe auch ein persönliches Profil, aber da mache ich fast nichts, eigentlich gar nichts. Über Xing bin ich erreichbar. Gibt es eine Homepage? Es gibt auch eine Homepage, wo ich so ein paar kleinere Auszüge drauf habe, aber nur sehr wenig, unter volkerkirst.de. Aber das ist jetzt wirklich, das behandle ich eher stiefmütterlich, muss ich zugeben.

Miriam: Ja, und natürlich bist du im Fernsehen zu sehen und zwar sehr regelmäßig.

Volker: Ja, das kommt dann hin und wieder auch mal vor über QVC. Mittlerweile mache ich Seminare hier bei der Fachakademie für Handelsmanagement in Düsseldorf, eben Seminare für Emotionalisierung im Verkauf und war jetzt auch schon mal Gastredner bei der Buhr-Trainerakademie, die unter anderem Verkaufstrainer in Unternehmen trainieren. Und da hoffe ich, dass wir das nächstes Jahr noch ein bisschen ausbauen können. Also das fasziniert mich einfach total, wie wichtig dieses Thema Emotionalisierung einfach geworden ist und gerade auf dem Thema Neuromarketing, aber das würde jetzt zu weit führen, jetzt auch noch Neuromarketing zu erklären, aber das ist einfach ein unglaublich faszinierendes Thema. Es geht einfach heutzutage nicht mehr darum, einfach nur Produkte zu beschreiben, und die meisten Leute schockiert es immer, wenn ich dann die Frage stelle im Seminar, sagen Sie mir doch mal bitte, was ist für Sie eine rationale Entscheidung? Und da kommen wir nämlich am Schluss drauf, es gibt keine rationalen Entscheidungen. Jede Entscheidung ist durch irgendeine Emotion begründet.

Miriam: Und dann ist es eine Entscheidung und braucht vielleicht noch nicht mal mehr begründet werden. Also das ist dann wieder, das ist noch feinere Sprachzauberei. Ihr seht schon, es gibt ganz viele Menschen, die das super können. Wir schreiben all diese Internetdaten unter dem Podcast, so dass du Volker sehr schnell finden kannst. Also wir verlinken Volkers Facebook-Seite und auch gern die Homepage. Bei QVC findest du einen Programmplan auf der Internetseite, wo du Volker stalken kannst, wenn du ganz gezielt Volkers Sendungen sehen möchtest. Es lohnt sich auf jeden Fall. Gerade wenn du noch ein bisschen genauer zuhörst, dann erlebst du hier ein sehr feines Frage-Antwort-Spiel, das ich immer sehr mag. Und ich gucke auch Volker nicht nur zu, weil ich gut unterhalten bin, sondern weil ich da immer noch ganz viel lernen kann. Alle Informationen zu unseren Seminaren und zu dem, was wir so tun, Florian und ich, findest du unter www.kontext*denken.de, wie immer. Ich sage danke an Volker für die vielen Infos und das offene Gespräch. Und zu dir sage ich Tschüss, bis nächsten Dienstag mit neuem Thema. Dieser Podcast bleibt kostenlos. Tschüss.

Volker: Tschüss.

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