Weißt du eigentlich, wo du hinwillst? Miriam hat ein großes Ziel und viele kleine dazu – und trotzdem gibt es diese Menschen, die scheinbar völlig ziellos durchs Leben tingeln und dabei glücklich wirken. In dieser Folge treffen Miriam und Florian eine junge Modistin auf der Walz, klettern gedanklich auf den Mount Everest und stoßen bei Viktor Frankl auf eine Antwort, die unter die Haut geht: Warum ein Ziel im Extremfall über Leben und Tod entscheiden kann.
Ein Thema von Hartmut – und die Frage: Wozu überhaupt Ziele?
Miriam: Willkommen bei kontext*denken.
Miriam: Zwei Gehirne, ein Podcast.
Miriam: Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: Soll ich jetzt damit anfangen, Hartmut vorzustellen? Oder soll ich damit anfangen... Darfst du seinen Namen sagen?
Miriam: Ja, klar. Das ist einer meiner Lieblingskollegen im Bereich Vertriebstrainerschaft. Ich liebe Hartmut. Und Hartmut ist auch einer der tollsten Stifter für unsere Podcast-Themen.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Ich bin voller Dankbarkeit.
Florian: Und bei dem Thema dürfen wir sagen, dass es von Hartmut kommt. Ja. Worum geht es denn heute? Ziele. Im Schießsport, im...
Miriam: Ja, auch wie du es interpretieren möchtest. Hallo da draußen erstmal, toll, dass du zuhörst. Dieser Podcast heute rekrutiert zum einen aus der Energie, die wir gerade mitbringen, aus unserem vollendeten Practitioner, Winter Practitioner in Arnsberg. Wir haben wundervolle Menschen kennengelernt und alle haben bestanden. Congrats nochmal. Hat einen riesen Spaß gemacht. In diesem Zusammenhang, und das ist auch Teil der Ausbildung, geht es auch um Ziele-Definitionen. Und es gibt ja da draußen unendlich viele Seminare, die sich alleine nur mit diesem Thema befassen. Workshops in Unternehmen.
Florian: Fast jeder Angestellte hat einmal im Jahr ein Gespräch mit seinem Vorgesetzten oder seiner Vorgesetzten oder ihrer Vorgesetzten.
Miriam: Und dann geht es darum, was sind die Ziele für dieses Jahr?
Florian: Also das ist so ein ganz normaler Prozess bei uns inzwischen. Und die Frage ist, wozu? Wozu diese Ziele? Können wir es nicht einfach mal lassen? Ist das der amerikanische Einfluss in unsere Gesellschaft, der Einfluss der kapitalistischen Gesellschaft bei uns, die nur mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr will? Und ist es nicht einfach okay, wenn wir einfach keine Ziele haben und einfach uns gut fühlen und... Ob das auch mal gut ist? Ja. Wie ja?
Miriam: Also ich sage jetzt einfach mal ja und nein. Das Thema ist ein großes Thema, finde ich, und es ist ein schönes Thema. Die erste Annahme, die ich mittlerweile habe, nach diesen vielen Jahren auch intensiven Beschäftigungs damit, und ich bin jemand, der viele Ziele hat.
Florian: Allerdings. Also ich bin sozusagen voller Ziele. Und Visionen. Und eine Mission.
Miriam: Mission alles. Ich habe sie alle. Träume auch. Ich bin die Weltmeisterin im Träumen.
Florian: Und wir haben schon viel davon berichtet. Und wir haben schon viel davon erreicht.
Miriam: Es ist verrückt. Und ich habe schon das Gefühl, dass ein Ziel zu erreichen, bedeutet eins zu haben. Also um ein Ziel erreichen zu können, darf da irgendwo eins sein. Das ist schon mal Punkt eins.
Die Modistin auf der Walz: ziellos oder fokussiert?
Florian: Nur es gibt ja auch diese Leute, die da hin und her driften. Die da so einfach durchs Leben tingeln und zwischendrin coole Erlebnisse generieren.
Miriam: Das stimmt. Und die lernen wir ja auch kennen.
Florian: Wir haben vor kurzem eine junge Dame, eine junge Hutmacherin kennengelernt, die auf der Wanderschaft war, auf der Walz war. Und bei der klang das so, als würde die jetzt so, die tingelt von Ort zu Ort und von Gelegenheit zu Gelegenheit, die hier halt so kommt. Und die nächsten zwei Jahre hat sie auch kein festes Ziel, außer diese, außer möglichst viele Erfahrungen zu kennen. Vielleicht hat sie doch ein Ziel.
Miriam: Sie hat ein Ziel. Sie hat ein großes Ziel. Denn sie verschafft sich gerade Exzellenz in ihrem Handwerk. Und wir haben ja mit ihr ausführlich gesprochen, weil sie länger bei uns im Auto saß. Und was sie gesagt hat war, dass sie einen eigenen Laden plant. Was sie noch nicht genau wusste war, wie genau der Laden aussehen wird und welche Art von Hüte es da gibt. Und darum ist sie jetzt zwei, drei Jahre unterwegs und verschafft sich einen Überblick.
Florian: Und witzigerweise ja zwei, drei, also ich hatte das gar nicht auf dem Schirm, also ich wusste, dass es so einen Bandkreis gibt um den ursprünglichen Ausbildungsort rum, dass sie da in einem gewissen Abstand nicht wieder hinkommen darf. Was ich nicht wusste ist, dass sie null Elektronik mitnehmen dürfen. Also sie hat kein Handy, es klang auch so, als wäre sie jetzt nicht so begeistert davon, per E-Mail in Kontakt mit irgendjemandem zu bleiben, zu Hause oder per SMS oder so. Das ist, glaube ich, eher die Ausnahme, so wie das klang, dass sie da elektronisch eincheckt. Also sehr zurückgezogen, fast schon, als würde sie sich sowas versagen, um die Erfahrung noch großartiger zu machen oder um daraus was zu lernen.
Miriam: Ich habe mal den Gedanken gehabt, dass es in Deutschland, das ist ja eines der dicht besiedelten Länder der Welt, also sozusagen alle zwei Meter kommt ein Dorf, und dass es in Deutschland überhaupt nicht möglich ist, Eremit zu sein, vernünftig. Ja, weil ich habe Phasen in meinem Leben gehabt, da hätte ich mich gerne an der niederländischen Grenze eingebuddelt und ein Jahr lang mal keinen gesehen, wirklich.
Florian: Und das ist in Deutschland echt schwierig.
Miriam: Das geht nicht, die stören mich da. Da kommt dann dauernd einer vorbei, der ins Outlet will nach Roermondt. Oder so. Es geht nicht. Und dann, so wie sie erzählte, geht es. Es geht einfach dadurch, dass sie weder in Kontakt geht mit dem Umfeld, das sie aufgebaut hat im Bereich Familie, Freunde und dass sie eben diese ganzen elektronischen Medien nicht hat, die relativ schnell Kontakt nach überall hin verschaffen. Also es ist ein bisschen eremitär. Auf der anderen Seite hat sie dann die Wahl, mit wem sie in Kontakt tritt.
Florian: Ja, also sie war sehr da, sehr im Moment. Sie hat sich wahnsinnig drüber gefreut. Miriam, wir haben an der Tankstelle, kurz bevor wir sie kennengelernt haben, hat Miriam sich noch ein Sandwich geholt, weil wir den ganzen Tag noch nichts gegessen hatten. Und dann, die hat sich wahnsinnig gefreut, als du dein Brot mit ihr geteilt hast. Ja, das war total... Ja, ich habe auch noch nichts gegessen. Ja, da, hier, easy. Mach mal.
Miriam: Und das Gespräch war so toll. Das war so beflügelnd. Und die wirkte sehr fokussiert. Die wirkte nicht larifari. Ich lass hier jetzt mal eine Runde die Flügel hängen und leg die Füße hoch und chill mal durch. Der war es nicht.
Florian: Wow, was sie erzählt hat, war auch von Arbeit, Arbeit, Arbeit, Arbeit.
Miriam: Also sie verschafft sich Exzellenz als Hutmacherin.
Florian: Dadurch, dass sie in verschiedenen Betrieben arbeitet.
Miriam: Für kein Geld, sondern für Essen und Schlafen. Ja. Und wenn sie dort alles gelernt hat, was der Hutmacher-Meister kann vor Ort, geht sie weiter.
Florian: Ja. Und zum Teil auch in anderen Gewerken, weil die, wie hieß es, es hatte doch noch einen besonderen Namen, was sie gemacht hat, die Hutmacherei. Modistin. Modistin, genau. Weil es da gar nicht so viel von geht, arbeitet sie auch mit drumherum liegenden Berufen zusammen. Also dass sie mal zu jemand geht, der sich um Ledergerberei kümmert und wie kann sie damit arbeiten oder mit Holz oder sich anschaut, was sind so die Gewerke, die noch drumherum liegen, um mehr Erfahrungen in ihrem Bereich zu finden. Ganz spannend.
Der Mount Everest und Sir Edmund Hillary: „Weil es ihn gibt“
Miriam: Und noch etwas ist mir über den Weg gepurzelt, jetzt im Bereich dieses Reinfühlen in das Thema Ziele. Das war, ich bin ja sehr begeistert von Mount Everest-Geschichten, weiß auch nicht warum, will gar nicht unbedingt hoch, wenn da irgendwann eine Hubschraube hochfliegt, ja. Und ich war oben, ich hab's auch schon erzählt, ich war oben, Florian hat's mir zu Weihnachten geschenkt, ich war in Virtual Reality war ich auf dem Mount Everest und es war so geil.
Florian: Das Spiel kann ich wirklich empfehlen, Playstation VR und dann Everest VR, also Virtual Reality Spiel.
Miriam: Gänsehaut bis jetzt, wenn ich dran denke, das war so mega. Also ich hab mit 21, hab ich mir in meine Kladde geschrieben, in diesem Leben einmal auf den Mount Everest gehen. Und ich weiß auch, was mich davon abhält. Oder wie ich mich davon selbst abhalte, indem ich mir Gedanken darüber mache, was ich da vorher trainieren dürfte, damit ich fit genug bin und was dieses Ding bedeutet. Das ist ja verrückt, weil das ist ja nicht wie jetzt, wenn ich in Österreich auf so eine Bergführung und wir steigen halt morgens los und sind irgendwann mittags auf dem Gipfel und abends wieder unten.
Florian: Ja und wie viele Menschen haben das denn schon gemacht?
Miriam: Und wie viele Menschen haben das schon gemacht?
Florian: Also es gibt viele sportliche und viele vielleicht, die lieber auf ihrer Couch sitzen bleiben, als mal fünf Stunden zu laufen.
Miriam: Leute, den Mount Everest besteigen heißt sechs Wochen, vier bis sechs Wochen ständig rauf ein Stück und wieder ein Stück runter. Ja. Eine Nacht irgendwo übernachten und wieder ein Stück runter.
Florian: Weil der Körper sich dann oben an weniger Sauerstoff gewöhnt, mehr rote Blutkörperchen macht, dann geht es wieder runter. Brauche ich Regeneration. Dass er regenerieren kann, dass er die tatsächlich erzeugen kann und dann geht es wieder rauf und wieder runter.
Miriam: Und erst ab dem Kumbu-Eisfall, und der ist schon relativ hoch, sehen die zum ersten Mal den Gipfel. Da sehen die zum ersten Mal, wo es hingehen soll. Vorher wissen die nur, dass es das gibt. Das ist nicht zu sehen von da. Die wissen, dass da irgendwo der Gipfel ist, die sehen es noch nicht mal. Und wenn sie es dann zum ersten Mal sehen, sehen sie es für eine Nacht und dann gehen sie wieder zurück, weil sie sich wieder regenerieren. Das ist so cool. Und Sir Edmund Hillary hat ja die Geschichte des Bergsteigens am Mount Everest nun maßgeblich geprägt. Und der wurde mal gefragt, warum er denn überhaupt diese damals noch mit einer mäßigen Ausrüstung, also nicht vergleichbar mit Hightech wie heute, sondern eine deutlich, allein schon Lebensgefahr dadurch, dass die keine guten Schuhe hatten, warum er das auf sich nimmt, warum er unbedingt auf diesen Berg will. Und seine Antwort war, weil es ihn gibt. Und das hat mir zu denken gegeben. Ich habe viele Trainer schon erlebt und einen auch besonders intensiv, der so sehr dafür plädiert hat, ein Mensch braucht eine Vision, ein Mensch braucht ein klares Ziel. Und ich dachte immer, okay, dann ist es, diesen Gipfel vor Augen haben und zu wissen, da oben ist die Erleuchtung. Da oben passiert dieses, wenn ich da angekommen bin, habe ich den höchsten Punkt dieser Welt erreicht. Dann bin ich erleuchtet, dann ist nichts mehr im Weg. So. Dann bin ich auf Jumbo-Jet, Flughöhe.
Florian: Naja, fast.
Miriam: Ja doch, wir haben es ausgerechnet.
Florian: Zwei Kilometer sind echt schon viel.
Miriam: Ja, und wir haben es ausgerechnet, Flughöhe nach Amerika, haben wir die Fuß umgerechnet, wir hatten einen Flugbegleiter mit im Practitioner.
Florian: Zehn Kilometer versus acht Kilometer oder 8,8, also es ist schon viel.
Miriam: 9.300 Meter. Ja, das ist gar nicht so viel, ich dachte es wäre mehr. 8.890, das ist fast, das ist fast Flughöhe. Komm, jetzt sei nicht so klein.
Florian: Hier, paar Prozent hin oder her.
Miriam: Und da habe ich dann mit Florian drüber gesprochen und habe gesagt, das hat mich ein bisschen verwirrt, dass der sagt, er will da hoch, weil der da ist.
Florian: Ich verstehe diesen Impuls so gut. Ich weiß da tatsächlich, ich bin da hin und her gerissen. Weil auf der einen Seite verstehe ich total diesen Impuls zu sagen, wieso denn immer schneller, schneller, schneller, weiter, weiter, weiter, es muss noch mehr, mehr, mehr, mehr, mehr. Das fühlt sich schon so ein bisschen nach unserer Konsumgesellschaft an. Also viele Elemente davon finde ich irgendwie, wenn ich in Real gehe oder in Rewe gehe, wo jetzt, wow, jetzt gibt es Erdnüsse in noch einem neuen Geschmack, der noch besser ist als der Geschmack, den es letzte Woche gab. Wozu? Also was ist der, was ist das, es ist irgendwie so, muss das sein? Und auf der anderen Seite scheinen ja Ziele das zu sein, was uns als Menschen wirklich voranbringt. Und wissenschaftlich gesehen ist es einfach sinnvoll, Ziele zu haben. Also da gibt es überhaupt keine Diskussion mehr.
Viktor Frankl: Sinn und Ziele als Überlebensfrage
Miriam: Wir kommen da jetzt zu einem sehr spannenden Punkt. Also ich hätte ihn gerne nochmal in langsam wiederholt. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen. dass es wichtig ist für Menschen, Ziele oder ein großes Ziel zu haben. Und das hat mich wirklich berührt. Und es kam nicht daher, dass Florian mir eine neurowissenschaftliche Studie vorgelegt hat von irgendwelchen Gehirnforschern, die über Jahre irgendwelche Menschen verfolgt haben, die Ziele haben oder auch nicht, sondern ein im Grunde fast philosophischer Text dazu. Da habe ich Gänsehaut bekommen am ganzen Körper, als du mir den vorgelesen hast. Und deswegen haben wir entschieden für diesen Podcast,
Florian: Wir lesen das ganze Buch vor.
Miriam: Das wollte Florian machen, das geht aus urheberrechtlichen Gründen nicht. Und die wichtige Stelle aus diesem Buch lesen wir dir jetzt vor, weil wir das Gefühl haben, dass das ein Geschenk sein könnte, wenn du zu den Menschen gehörst, die sagen, ich weiß schon seit Jahren nicht mehr, wo ich hin will. Ich weiß, dass es irgendwo hingehen sollte und irgendwie fällt es mir schwer, das klar zu haben für mich. Und das ist wirklich schön. Liest du, Florian?
Florian: Also wir dürfen, glaube ich, so ein bisschen was zum Autor sagen. Es geht um Viktor Frankl, der als Neurologe eine... Sehr beschissene Zeit hat. Oder eine Zeit, wo, glaube ich, niemand mit ihm tauschen möchte. Der war nämlich in einem Konzentrationslager im Zweiten Weltkrieg. Und die spannende Frage ist jetzt, aus seiner Sicht rückblickend auch, und in dieser harten Zeit drin. Wie überlebt man das? Wie geht das? Und dann schreibt er solche Sachen... Letzten Endes war die Überlebenschance davon abhängig, ob da einer auf die Zukunft hin orientiert war, auf eine Aufgabe hin, die er in Zukunft in Freiheit zu erfüllen gedachte. Das ist ja schon, also auch in solchen, gerade in solchen schwierigen Zeiten, dann, dass das das ist, was auch wissenschaftlich bestätigt ist, also wo es noch mehr Studien gibt zu Kriegsgefangenenlager und Menschen, die unter diesen extremen Bedingungen sind, wie kommen die da gut raus und können hinterher wieder ein normales, in Anführungszeichen, oder ein halbwegs normales, ein schönes Leben vielleicht führen, über den Sinn, den die im Leben sehen. Und der ist ja spannend.
Miriam: Hier geht es ums Überleben.
Florian: Bis hin zum Überleben. Wir sind wirklich in einer Extremsituation. Das ist ja was, was hier kaum jemand mehr hat. Und aus seiner Position raus... Es war so bei Videoaufnahmen von Viktor Frankl oder bei Interviews von ihm, der hat auch bis in die 90er rein einfach noch geglüht.
Miriam: Also nicht in die 90er Jahre, sondern in seine 90er.
Florian: In seine 90er rein, ja genau. Da ist eine Power dahinter gewesen, auch in dem, was er schreibt. Die Bücher sind, das ist super spannend, was er schreibt. Er hat dann auch die Logotherapie gegründet. Und ich finde es ganz cool, wir sind ja auf einer ganz anderen Ebene unterwegs als NLP-Trainer. Nur auch da stellt sich ja die Frage, wozu Ziele? Und ich finde, Viktor Frankl liefert da ganz spannende Antworten drauf. Weil wenn es in diesen Extremen wichtig ist, natürlich tut es den Menschen auch im normalen Leben gut. Und da ist vielleicht der Impuls noch nicht da, das so wichtig zu haben. Eine der Stellen ist, die Erziehung von heute lässt es sich nicht nehmen, einseitig davor zu warnen, dass man es wagt, den jungen Menschen mit Forderungen zu konfrontieren, dass man ihm etwas zumutet, dass man ihn am Ende gar in Spannung versetzt. Und dann weiter. Weltweit leiden die Menschen, insbesondere junge Menschen, unter einem Sinnlosigkeitsgefühl. Sie besitzen die Lebensmittel, die Mittel zum Leben, aber sie entbehren einem Lebenszweck, auf den hinzuleben, weiterzuleben, es sich dafür stünde. Jetzt ist natürlich da schon Spannung mit drin. Das ist jetzt jemand, der Extreme erlebt hat und dann sagt, dieser Sinn ergibt, einen Sinn im Leben zu sehen, das ist ganz wichtig für eine gesunde Psychologie. Und der kommt aus einer anderen Ecke als NLP, also als das, was wir tatsächlich auch lernen. Deswegen hat er zum Teil andere Formulierungen auch mit drin, weil er dann sowas schreibt wie, die jungen Menschen sind dann unfähig, Frustrationen wegzustecken, sie sind unfähig, auf die Erfüllung ihrer Wünsche zu warten, sie sind unfähig, auf etwas, das sie noch nicht haben, zu verzichten oder gar etwas, das sie bereits besitzen, zu opfern. Und tatsächlich... Schwingt es mit mir mit, so wie ich manchmal Zieldiskussionen höre oder wie ich junge Menschen auch erlebe, wie ich Menschen in Unternehmen erlebe, wo grundsätzlich alles gut ist. Die verdienen gutes Geld, die... Die haben ein Haus, ein Auto oder beide ein Auto, zum Teil Kinder, zum Teil nicht Kinder und irgendwas fehlt. Und irgendwie ist doch eine Unzufriedenheit drin mit 40 oder mit 45. Und dann? Was ist da noch? Und da schwingt für mich sehr stark dieses Sinn mit rein. Das Buch heißt Bergerlebnis und Sinnerfahrung. Wir haben es in unserem Newsletter schon mal empfohlen. Wir hatten es im Newsletter, den gibt es auf unserer Seite zu abonnieren, schon mal empfohlen, weil das eine ganz kurze Einführung da dran ist, wie Viktor Frankl darüber denkt. Es gibt auch noch andere, längere Bücher von ihm. Und das Spannende ist halt wirklich, dass es da Studien dazu gibt, dass Ziele setzen für die Zukunft etwas ist, was den Menschen beim Überleben hilft.
Miriam: Es ist etwas Biologisches. Ich würde es auf, es ist etwas Biologisches hinschieben. Also ein natürliches Bedürfnis, so wie Schlafen, so wie Lieben, so wie Essen, so wie Trinken. Und es hat sich in der Evolutionsgeschichte des Menschen früher eher auf natürliche Weise ergeben. Sozusagen, weil eben die Mittel zum Leben teils einfach nicht da waren oder nicht so einfach da waren wie heute oder weil es auch nicht so einfach war, von A nach B zu kommen oder mit jemandem zu sprechen per Telefon, zack, bumm. Das heißt, es gab eh ganz andere Herausforderungen körperlich und um auch Kleinstziele zu erreichen, war ein größerer Aufwand nötig. Das heißt, der gesamte biologische Organismus war deutlicher beschäftigt. mit dem Erreichen von Zielen. Jetzt machen wir es uns heute an vielen Lebensstellen unglaublich bequem.
Bewegung, Bequemlichkeit und der Weg des Spaßes
Florian: Du hast irgendwie gesagt, es gibt eine junge Autorin, die geschrieben hat, dass wir... Also die hatte diese schöne Einsicht, dass sie sich all diese tollen Erfindungen, die wir in letzter Zeit gemacht haben, mal angeguckt hat und dann gesagt hat, was die alle gemeinsam haben, ist, dass wir uns dann weniger bewegen brauchen.
Miriam: Das ist so cool.
Florian: Also wir haben das Telefon, dann müssen wir nicht mehr zum Nachbarn gehen, sondern wir können einfach anrufen. Wir haben das Auto, dann brauchen wir nicht zum Laden laufen.
Miriam: Und das Zweitauto.
Florian: Und das Zweitauto, genau. Das führt alles immer dazu, dass die Menschen eher noch mehr in ihr einfach rumsitzen können.
Miriam: Ja. Selbst Erlebnisse generieren ja viele über Virtual Reality. Ich fand das jetzt mega, über Virtual Reality. Jetzt brauchen wir da nicht rauf. Jetzt brauchen wir den hoch. Finde ich jetzt bei so einer extremen Nummer echt cool. Und ich glaube einfach, um mir das mal zu ermöglichen, würde ich mich freuen, mit Florian mal eine richtige Bergtour machen zu dürfen, mitklettern. Also mal auf so einen Gipfel zu gehen, das braucht jetzt kein Achttausender sein. Also einfach, um den mal gehabt zu haben. Und ich darf das dann initiieren. Ich gehe da nicht hoch, weil ich das Edelweiß pflücke, um Tee für meine kranke Oma zu machen. Sondern ich gehe da hoch, um die Erfahrung zu machen. Und weil ich es hier jetzt auf natürliche Weise, diese Bewegung nicht habe. Es ist lustig, weil auf dem Trip war ich schon und bin ich in meinen Fernsehsendungen, wenn wir über dieses Thema sprechen, Abnehmen, Gewichtsmanagement, mit Barbara Klein, mit meiner lieben Freundin Barbara Klein. und sie mir bestätigt als Physiotherapeutin und Ernährungswissenschaftlerin, dass es nicht wahr ist, wenn Menschen sagen, mit 40 oder 50 ist es einfach schwerer abzunehmen, weil der Stoffwechsel da langsamer ist. Nein, mit 40 oder 50 bewegen sich fast 90 Prozent der Menschen viel, viel, viel weniger, als sie es mit 20 getan haben, weil sie mit 20 noch kein Auto hatten, sondern mit dem Fahrrad zur Uni gefahren sind oder mit dem Zug und da mussten sie dann erstmal hinlaufen. Das heißt, Das stimmt, ich unterschreibe das sozusagen mit meinem Eigenblut, wenn es notwendig wäre. Wir bewegen uns einfach nicht, deswegen gibt es Joggen.
Florian: Ja, ist witzig, ne? Wir kaufen uns ein Auto, damit wir nicht in die Arbeit laufen brauchen und nicht zum Supermarkt laufen brauchen und dann gehen wir Joggen.
Miriam: Weil diese Bewegungsart wegfällt. Es ist so cool. Und ich mag die Idee dahinter sozusagen, dass das Ziel, dass ein Mensch ein Ziel hat, eine Vision vielleicht sogar, das wäre toll, wenn Menschen wieder mehr zu ihrer Vision finden würden, weil es biologischen Sinn macht, weil es sogar fürs Überleben in diesen Extremsituationen messbar eine Rolle, eine große Rolle gespielt hat. Und deswegen, wenn mich jetzt jemand fragen würde, nachdem wir der Sache von dieser Weise mal Licht drauf getan haben, ist es in deiner Welt wirklich notwendig, dass ich ein Ziel habe oder eine Vision oder eine Mission fühle in meinem Leben, würde ich jetzt mit einem großen, dicken, goldenen Ja antworten. Ja, ja, ja.
Florian: Und ist es tragisch, wenn du die noch nicht genau kennst? Nein. Richtig. Ich glaube, es ist einfach wertvoll, daran zu arbeiten, das auch rauszufinden. Nur das Rausfinden geht in meiner Welt nicht darüber, auf der Couch zu sitzen und mir vorzustellen, wie es wäre, wenn... Ich habe heute auch, wir machen unsere Seminare an so einem wunderbaren Ort, in der Country Lodge in Arnsberg im Sauerland. Ich habe mich da auch kurz unterhalten mit einer Dame, die jetzt angefangen hat, in der Jugendarbeit Sachen zu machen, weil sie gesagt hat, sie merkt in ihrem Alter... Dies wird irgendwo um die 50 rum sein, Ende 40, Anfang 50. Sie hat gesagt, sie merkt, es ergibt so viel Sinn, ihr Wissen, das sie übers Leben angehäuft hat, weiterzugeben und jungen Menschen zu ermöglichen, aus diesem Wissenspool zu schöpfen und sich weiterzuentwickeln und da Dinge zu machen. Und da dachte ich heute Morgen dann auch schon dran. Das ist doch... Da fing sie richtig an zu leuchten, als sie darüber gesprochen hat, wie schön das ist, anderen Menschen an der Stelle auch zu helfen. Das scheint Teil dessen zu sein, was für sie wahnsinnig viel Sinn ergibt. Da zieht sie dann Sinn draus. Und das kann diese Arbeit zusammen sein, das kann sein, dass ich Menschen auf den Mars schicken will, so wie Elon Musk von Tesla, der sagt, wir brauchen einen zweiten Lebensraum. Hilary, der sagt, da gibt es diesen Berg, da muss jemand rauf. Bei dir, Miriam, vielleicht die Bühne oder auch dieses Lehren und dieses Weitergeben und Menschen zum Leuchten bringen. Mega, das sind, wenn ich so drüber nachdenke, wieso bist du so begeistert im Leben und was sind die Dinge, die dich begeistern? Dann hängt der Sinn schon sehr stark mit der Begeisterung oft zusammen. Also entweder sind es Sachen, die dir wirklich viel Spaß machen.
Miriam: Das ist die Straße des Spaßes. Das ist eine Möglichkeit, der Sache auf die Spur zu kommen.
Florian: Ja. Wo hast du Spaß im Leben? Was ist das, was dir Spaß bereitet? Wo sagst du, wenn ich das mache, dann... Da kommt die Fröhlichkeit ganz automatisch.
Miriam: Kommt übrigens oft ein Einwand auch von den Menschen, die wir treffen, die dann sagen, mir macht gar nichts mehr Spaß. Sag ich, dann gab es vielleicht früher was, was dir Spaß gemacht hat. Vielleicht erinnerst du dich als Kind, dass es Sachen gab, die dir mega Spaß gemacht haben.
Florian: Oder, um dir das zu vereinfachen, vielleicht kannst du dir dich ja vorstellen, wie du in 10 Jahren bist oder in 15 Jahren oder irgendwann, wo du dir vorstellen könntest, dass du vielleicht an irgendwas Spaß haben könntest. Und dann darfst du dir einfach... Darfst du mal reinfühlen in die Person in der Zukunft, die mal wieder Spaß hat, was die dann gemacht hat.
Miriam: Auch schön.
Florian: Und zwar wie ein Träumer.
Miriam: Also in die Position des Träumers gehen, der keine Grenzen hat. Ohne darüber nachzudenken, hätte ich jetzt dafür genug Geld, habe ich die richtige Ausbildung, habe ich die richtige Lokalität.
Florian: Da kommt dann der Kritiker oder Realist. und sagt dann so, ja, aber es geht doch nicht. Und das ist vielleicht nicht die richtige Stelle. Deswegen ist es ja viel einfacher, auch mal in die Zukunft zu springen und mal zu gucken, wenn du in der Zukunft mal irgendwann, wenn du dir nochmal vorstellen könntest, also jetzt nur mal hypothetisch, dass du Spaß an irgendwas hast, falls du nicht sowieso schon die ganze Zeit Spaß hast. Womit hast du denn dann Spaß? Was ist denn das? Einfach nur mal so, nur mal unter uns.
Miriam: So vor dich hingesponnen. Genau. Denn ich bin mir sicher, als dieser Herr Hillary zum ersten Mal in seinem Freundes- und Bekanntenkreis erzählt hat, dass er auf diesen Berg steigen wird. haben wahrscheinlich nicht nur, hat nicht nur sein innerer Kritiker gesagt. Das ist echt wahnsinnig.
Florian: Ja, das sind so die Extreme auch. Der riskiert ja sein Leben. Und offensichtlich muss der Berg bestiegen werden. So in meiner Welt, jojo.
Miriam: Und in seiner eben schon, da sind wir dann unterschiedlich. Menschen sind von unterschiedlichen Dingen begeistert.
Florian: Müssen wir auf den Mars? Joa, vielleicht. Also schon cool.
Ein großes goldenes Ja – und deine eigenen Ziele
Miriam: Ich fand's mega traurig, als wir diese Modestin aus dem Auto gesetzt haben. Ich hätte die gerne noch zwei Stunden mitgenommen und noch zwei Stunden mit ihr gesprochen.
Florian: Hab auch überlegt, auf jeden Fall noch weiterfahren.
Miriam: Stimmt, Florian war schon drauf und dran, die bis Leipzig durchzufahren. Und es war überhaupt nicht unsere Strecke. Und ihr zuzuhören, wie sie völlig entspannt und mega fokussiert diese Entscheidung getroffen hatte, sich drei Jahre lang mal abzukoppeln in einem Altersabschnitt, wo es noch keine Kinder gibt, kein Haus, kein Auto, keine Verpflichtungen und das mitzunehmen.
Florian: Wo andere vielleicht total einfach zu Hause rumsitzen und Playstation spielen oder
Miriam: oder sogar aus der Theorie heraus behaupten würden, das geht doch nicht, die verhungert. Nee, die hat echt ein leckeres Sandwich von mir bekommen, für kein Geld. Und gerne, weil das so toll war, mit ihr zu reden, weil es echt super, super cool war in dieser Situation. Und unsere Hoffnung ist, dass wir jetzt, dass hier ab und zu mal einer klopft und sagt, ob er hier übernachten kann von diesen fahrenden Gesellen. Wir haben gesagt, wir stellen den gerne im Bett zur Verfügung. Das ist voll cool.
Florian: Das ist ja easy.
Miriam: Das ist easy, genau.
Florian: Weil das passt mehr zu dem, was wir vorhaben im Leben oder wo wir sagen, da ist es, bei uns ist es im Moment zumindest eher statisch, was die Lokalität angeht, wo wir wohnen. Da ist es eher, da sind wir an einem Ort.
Miriam: Bei uns ist es sternförmig, von da aus.
Florian: Also wir haben eine Homebase. Wir sind mal an verschiedenen Seminarorten, wir wohnen irgendwo fest und die wandern halt. Genau. Die ziehen Kreise, ja.
Miriam: Sehr, sehr spannend. Wunderbar. Deswegen, lieber Hartmut, wir beantworten die Frage mit einem großen goldenen Ja. Ein Ziel zu haben ist was ganz Tolles und es ist vielleicht sogar organisch. Es ist schon in dir. Wer weiß, wenn du es jetzt noch nicht spürst während des Podcasts, könnte es passieren. Das war ein bisschen längerer Podcast und wir haben uns das auch erlaubt. Also wir haben gesagt, nee, sind wir in Time? Super. Ich habe jetzt gefühlt irgendwie gedacht, da ist jetzt viel, das ist ein ordentliches Päckchen.
Florian: Das haben wir schon deutlich länger gemacht. Was uns natürlich interessiert an der Stelle ist, wie gehst du denn mit Zielen in deinem Leben um? Weil es gibt ja diese Aufoktruierten in der Firma. Objektivs und Key-Results. Und wie gehst du denn damit um? Also nimmst du dir Jahresziele vor? Nimmst du dir für 2018 was vor? Nimmst du dir was vor? Genau. Hast du dir was vorgenommen? Nimmst du dir was vor? Gibt es da dieses große Ding? Gibt es das noch nicht? Gibt es das im Beruf?
Miriam: Gibt es das privat und oder? Und? Ja. Das wäre toll, wenn du es teilst. Wir freuen uns riesig, dass es hier möglich bei dem Podcast auf unserer Seite, unter dem Blog oder wenn du möchtest, kannst du uns auf Facebook eine Notiz schreiben, wo auch immer die Menschen das lesen. Vielleicht hilft es, so eine Motivation oder einen Impuls zu geben.
Florian: Und wir bleiben dran an den Zielen.
Miriam: Selbstverständlich.
Florian: Was ein spannendes Thema ist.
Miriam: Weil es Spaß macht.
Florian: Ja, Tatsache. Und weil es immer wieder die Frage aufwirft.
Miriam: Richtig.
Florian: Welche Ziele hast du?
Miriam: Wenn du Lust hast, ein bisschen daran rumzufrickeln, dann bist du herzlich willkommen am 3. und 4. März.
Florian: Wir werden höchst professionell auch über Ziele sprechen. Das stimmt.
Miriam: Geben wir unser sehr intensives Kompakt-Seminar. Zwei Tage für deine Kommunikation in Arnsberg an diesem herrlichen Ort. Lass die Seele baumeln, komm mit uns dahin. Die Anmeldemöglichkeit ist freigeschaltet auf der Homepage. Florian hat grünes Licht gegeben. Ab jetzt kannst du dich einschreiben. Wir freuen uns auf dich und wir freuen uns auf den nächsten Podcast.
Florian: Bis dahin.
Miriam: Auch ein Ziel. Tschüss. Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.