Eine Bluse verschenkt, die Freundin färbt sie sofort um – und ist glücklich damit. Gutes Geschenk oder Frechheit? Genau an dieser Frage von Hörerin Daniela reiben sich Miriam und Florian in dieser Folge. Es geht um die rosa Krawatte, die Florian nie tragen würde, um eine Vase, die niemandem passt, und um die Frage, um wen es beim Schenken eigentlich geht: um die Schenkende oder die Beschenkte?
Wunschliste zum Muttertag und das Thema von Daniela
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt.
Florian: Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Miriam: Haben wir schon über meine Wunschliste zum Muttertag gesprochen?
Florian: Über deine Wunschliste zum Muttertag brauchen wir nicht sprechen. Damit habe ich nichts zu tun.
Miriam: Ja doch, du bist der Organisator.
Florian: Wie, ich bin der Organisator?
Miriam: Du bist derjenige, der sagt, die Kinder sind noch zu klein.
Florian: Und in den letzten Jahren hat das jemand anders übernommen.
Miriam: Ja und das geht so nicht.
Florian: Wie, es geht so nicht?
Miriam: Also das geht so nicht, das gibt, ja so. Ich möchte ja keine Pralinen geschenkt bekommen.
Florian: Sondern?
Miriam: Ich denke an andere Dinge.
Florian: Das heißt, wenn die Kinder morgens um sieben Uhr bei mir an der Bettkante stehen, dann machen wir dir ein richtig schönes Frühstück. Mit Eiern und Speck und...
Miriam: Das ist doch Unfug, das ist ja nicht mal vegan. Ihr denkt nur an euch. Echt. Ihr denkt überhaupt nicht an mich.
Florian: Das Wichtigste im Leben sind dir doch die Kinder, oder? Nein. Die sind schon wichtig. Was ist denn das Thema heute?
Miriam: Das Thema ist von Daniela, die wir ganz lieb grüßen an dieser Stelle. Wir arbeiten von der 80. bis zur 100. Podcast-Folge ausschließlich Hörerthemen durch. Und Daniela schrieb mir vor geraumer Zeit auf Facebook unter dem Posting, was ich da auch gesetzt habe, dass sie das Thema spannend fände mit diesem Geschenke-Ding.
Florian: Mhm.
Miriam: Und dass der, der beschenkt wird, das Geschenk A erstens benutzt und B zweitens so, wie es der, der es geschenkt hat, vorgesehen hat. Komplexes Thema.
Florian: Du hast mich jetzt völlig ab... Also was ist das Thema?
Miriam: Wenn ich dir jetzt was schenken würde, sagen wir einen Schlips, dann würde ich mir, wenn ich Daniela wäre, wünschen, dass du diesen Schlips A trägst und B um den Hals.
Florian: Wann denn?
Miriam: Ja, immer.
Florian: Ich trage doch gar keine Krawatten.
Miriam: Das ist mir ja dann egal. Ich finde, dass der dir gut steht.
Florian: Ja, nur ich ziehe ja nie Krawatten an.
Miriam: Ja, das kannst du ja dann mal tun. Dann hast du ja eine.
Florian: Für das eine Mal im Jahr.
Miriam: Wie, für das eine Mal im Jahr? Das ist ja schon mal gut. Also zum Muttertag könntest du sie schon mal anziehen.
Florian: Ich will aber keine Krawatte.
Miriam: Während wir bei 30 Grad im Biergarten sitzen und du schön mitschlippst. Ich finde es so. Und das Thema ist spannend.
Florian: Manchmal habe ich tatsächlich einen Anzug an und ich denke auch manchmal über Krawatten nach. Wenn ich überhaupt in den letzten Jahren Krawatten anhatte, dann war das immer bei Veranstaltungen, wo höhere Führungskräfte auch dabei waren. Und bei denen gibt es inzwischen auch den Trend, weg von der Krawatte. Und wenn, dann habe ich immer eine Krawatte in Firmenfarbe getragen. In Logo-Farbe. Weil dann habe ich innerlich so ein kleines Lachen dabei, dass ich mir denke, das ist ja total absurd.
Die umgefärbte Bluse: Wer soll sich freuen?
Miriam: Ich verstehe es nicht.
Florian: Wieso soll ich denn jetzt eine Krawatte anziehen?
Miriam: Ich verstehe Daniela. Daniela hat eine tolle Geschichte erzählt. Sie hat erzählt, dass sie einer Freundin eine Bluse geschenkt hat zum Geburtstag. Und die Freundin hat diese Bluse auch angezogen.
Florian: Ja, mega, voll gut, oder? Richtiges Geschenk erwischt.
Miriam: So, Vorsicht, jetzt kommt die Stelle. Jetzt wird's besonders. Diese Freundin hat die Frechheit besessen und diese Bluse umgefärbt, bevor sie sie angezogen hat.
Florian: Was hat Farbe denn jetzt mit einem Kleidungsstück zu tun?
Miriam: Also, wenn ich dir jetzt eine rosafarbene Krawatte schenke... Ich habe eine rosafarbene Krawatte. Gut, und du würdest mir jetzt das nächste Mal begegnen.
Florian: Also ich habe auch verstanden, dass sie nicht zu allen Hemden passt.
Miriam: Du willst das Thema nicht verstehen. Du willst es nicht verstehen.
Florian: Ich verstehe nicht, was die Farbe mit einem, also ist doch super, wenn sie die einen hat.
Miriam: Ja, nur die ist ja dann nicht mehr weiß, die Bluse, sondern hellblau. Ich habe, ne, wenn Daniela die dann kommt.
Florian: Wenn die sie dafür dann anzieht?
Miriam: So, du findest das gut.
Florian: Ist das ein Geschenk?
Miriam: Ich kann Daniela verstehen.
Florian: Der Gefahrenübergang ist vom Schenker zum Geschenkten.
Miriam: Ich hätte schon so ein bisschen das Gefühl, dass ich A daneben gelegen habe mit meiner Auswahl, was sich nicht so gut anfühlt.
Florian: Das ist ja auch das Feedback, oder? Und nicht, was das Kleidungsstück angeht. Es ist immerhin angezogen. Und sie putzen nicht Schuhe damit oder so. Oder es ist im, nee, also so zum, irgendwas braucht man ja zum Schuhputzen. Und es ist nicht im Altkleider gelandet.
Miriam: Ja, irgendwie tröstet es. Fühlt sich nur nicht gut an, oder? Nee, irgendwie tröstet es. Nee. Das ist ja eh, das Thema Schenken ist ja mega, ne, weil es gibt diese festgelegten Feiertage im Jahr, bei denen Menschen sich Gedanken machen dürfen, was sie einem anderen schenken. Weihnachten, Geburtstag, ganz wichtig, Muttertag, ganz wichtig.
Florian: Ja.
Miriam: Und dann ist die Erwartung hoch. Also die, wie sagt man dazu, die Latte hängt hoch. Weil viele Menschen hierzulande haben ja auch schon ganz viel. Es geht ja nicht mehr darum, denen ein Brot zu schenken oder …
Florian: Ja, ich bin auch schwer beschenkbar. Weiß ich auch aus meiner Vergangenheit. Florian gehört zu den schwer beschenkbaren Menschen. Es gibt eine Gruppe auf Facebook, da treffen die sich. Die schwer beschenkbaren.
Miriam: Die schwer beschenkbaren und tauschen sich aus.
Florian: Also ich finde mich sehr leicht beschenkbar.
Miriam: Tauschen ihre Geschenke aus.
Florian: Ich finde mich sehr leicht beschenkbar, nur Menschen haben keine Freude daran, mir die Sachen zu schenken, die ich gerne mache.
Miriam: Was soll das denn heißen?
Florian: Weiß ich nicht. Offensichtlich geht es ja mehr um den Schenker als um den Beschenkten in vielen Schenksituationen. So in der Situation auch mit der Bluse. Jetzt mega Bluse geschenkt bekommen, Farbe ist halt optimierbar, cool, schnell mal hellblau gemacht. Und jetzt vielleicht ist die Freundin jetzt total glücklich mit der Bluse.
Miriam: Okay. Glaubst du, dass Daniela egoistisch ist, weil sie ihrer Freundin eine weiße Bluse geschenkt hat, statt einer blauen?
Florian: Was? Was hat denn das mit egoistisch zu tun?
Miriam: Es geht ja nur um den Beschenkten. Es geht auch um den, der schenkt.
Florian: Inwiefern geht es denn da um den?
Miriam: Na, der, der schenkt, will ja eine Freude machen.
Florian: Würde ich mal unterstellen.
Miriam: Ja, und nicht so, wie sie sich das gedacht hat, oder?
Florian: Also sie möchte, also, oder jetzt ab von Daniela hin zu irgendwem, möchte eine Freude machen und zwar genau auf die Art und Weise, wie es gedacht ist. Nicht anders. Keine freie Freude hier. Jetzt hör halt auf. Nicht einfach anders über das Geschenk freuen. Ja, wieso denn nicht? Was, wenn wir jetzt einem von den Kindern hier, wir würden ihm einen Bleistift schenken. Und er würde den in seine Armbrust einspannen und hier auf Rattenjagd im Wald gehen. Das ist ein super Geschenk. Für einen Jungen ein mega Geschenk. Kann man immer wieder spitz machen, den Bleistift, ne? Was weiß ich? Ich wüsste nicht mal, ob wir hier welche haben. Taubenjagd. Und der würde jetzt mit seiner Armbrust hier durch den Wald rennen und er hätte den Bleistift, von dem wir dachten, er wird der neue Bleistift-Picasso. Den hätte er total verhunzt und wird zum Bleistift-Wilhelm-Tell. Vielleicht erlegt er ja auch Äpfel. Wir wohnen ja in der Nähe von einer Apfelstadt. So. Ist doch voll cool.
Vom Bleistift bis zum Mount Everest: Erlebnisse und Treffer
Miriam: Was ist denn deine Strategie, um anderen was zu schenken? Weißt du, du beschenkst nicht viele Menschen. Sagen wir, die wenigen, denen du was schenkst.
Florian: Die, die ich sehr reich beschenke in meiner näheren Umgebung? Manchmal stolpere ich über Dinge, wo ich mir denke, ah, und dann kaufe ich das und schenke es denen direkt.
Miriam: Das stimmt. Das stimmt wirklich, Florians Taktik. Dafür kann es auch passieren, dass dann am Geburtstag eben ein Kuchen da ist. Weil vorher war schon alles möglich. Da war gerade nichts am Weg. Ist das dann dieses Aschenputtel-Ding?
Florian: Aschenputtel-Ding?
Miriam: Vater, bring mir das Erste mit, was dir auf deinem Weg, auf deinen Schoß fällt.
Florian: Das stimmt gar nicht. Wir hatten mal zum Beispiel eins meiner erfolgreicheren Geschenke.
Miriam: Es gibt erfolgreiche und nicht erfolgreiche. Sehr cool.
Florian: Ja, je nachdem, wie sich der Beschenkte drüber freut. Nur das ist doch Feedback für mich als Schenker. Ich mache das, weil ich mich freue, wenn sich die beschenkte Person freut. Und manchmal ist es halt nicht so, wie ich es gedacht hatte. Dann lasse ich mir was anderes einfallen und habe was gelernt an der Stelle. Eins meiner erfolgreicheren Geschenke. Wir haben ja eine Playstation hier im Haus. Und dafür gibt es einen 3D-Helmaufsatz, wo man dann... Miriam wollte schon immer mal auf den Mount Everest steigen und es gibt eine 3D-Virtual-Reality-App. Und ich glaube, das war die einzige App, die wir tatsächlich auf diesem Ding auch benutzt haben und es liegt seit drei Monaten jetzt rum. Nur dieses, das war eine wirklich erfolgreiche App, dass Miri mal den Mount Everest besteigen konnte. In 3D, auf der Playstation.
Miriam: Und ich weiß, es sollte mein Weihnachtsgeschenk sein.
Florian: Ja, nur ich hab's ja...
Miriam: Florian konnte nicht so richtig warten, bis Weihnachten ist und ich fand's auch so super, als er kam und sagte, ich hab so was da.
Florian: Das waren ja auch x Pakete, die hier ankamen.
Miriam: Das stimmt, das stimmt. Ja, gut. Und das haben wir dann auch wirklich so benutzt, wie es zu benutzen ist, weil Florian hat es aufgebaut.
Florian: Ja, du benutzt es seitdem nicht mehr.
Miriam: Wie auch, ne? Also ich könnte jetzt nochmal auf den Mount Everest steigen, was ich jederzeit tun würde, und ich weiß nicht, wie es aufgebaut wird.
Florian: Ja, ich kann dir das einfach aufbauen. Also nicht einfach, weil da sind 27 Kabel involviert.
Miriam: Ja, ja, ich wollte gerade sagen, es war ein größerer Akt, bis das da alles aufgebaut war.
Florian: Nö, wir können das einfach wieder aufbauen. So, nur, wenn du da jetzt, also wenn du jetzt nicht... Komm doch mal zurück auf dieses Schenken. Ich könnte jetzt doch, ne, ich könnte doch jetzt auch unzufrieden sein, dass du es nicht jedes Wochenende benutzt.
Miriam: Ja, das stimmt.
Florian: Nur, mir doch, also, ich freue mich, dass es dich einmal so gefreut hat und ob du es jetzt dann, ab dann benutzt oder nicht, weiß ich nicht, also spielt für mich jetzt keine Rolle.
Miriam: Hm. Ja, weil all die anderen Spiele, die damit gehen, sind eh eher dann was für dich, ne?
Florian: Nee, aber ich glaube, dieses Adlerspiel wäre auch noch sehr spannend.
Miriam: Okay, gut. Wir schweifen ab. Es geht ja jetzt nicht um uns beide. Wir haben sowieso, finde ich, einen sehr schönen Modus, uns was zu schenken. Und mittlerweile weiß ich, ich schenke Florian nicht auch einfach nur irgendwas, sondern ich schenke was, wo ich ihn begleite, damit das auch stattfindet. So wie ich mir das vorgestellt habe, dass es stattfindet. Das ist ja eben so. Weil sonst geht das auch in eine ganz andere Richtung. Und ich mag es total, mir nochmal Gedanken zu machen über den eigentlichen Gedanken des Schenkens. Also wenn ich einem Menschen was schenke, um wen geht es dann?
Florian: Ja. Um den Beschenkten.
Miriam: Nee, es geht um beide.
Florian: Es geht um beide?
Miriam: In meiner Welt geht es um beide.
Alles nur Feedback: Der NLP-Gedanke hinter dem Schenken
Miriam: Es gibt im NLP, übrigens herzliche Einladung zu unserem Practitioner im September, die Gruppe ist noch nicht ganz vollständig, wir freuen uns auf dich, neue Sprachzauberer auf den Berg. Es geht aus meiner Sicht, und das ist diese NLP-Geschichte, um das Feedback-Ding. Es gibt im NLP eine Grundannahme, die sagt, dass es tendenziell auf das Feedback ankommt, das du erhältst, wenn du etwas tust oder sagst, und nicht um das, was du getan oder gesagt hast. Also wichtig ist das, was zurückkommt. Um dann für dich zu entscheiden, aha, das ist die Reaktion, die ich erwartet habe, und richtig spannend und toll wird es für Sprachzauberer, wenn was anderes kommt. Weil dann darf ich mich hinterfragen, okay, was hat jetzt hier nicht geklappt? Weil ich hatte es mir anders vorgestellt vorher.
Florian: Ja, kann ja auch passieren. Wie? Also, wenn ich jetzt immer, also, worüber freuen sich die meisten Menschen wahrscheinlich? Einfach Geld. Könnte ich ja machen. Also tatsächlich, es funktioniert sogar schon bei den Kindern hier. Wenn Oma den 20er in die Hand drückt, dann können die sich genau das kaufen, was die haben wollen. Nur da haben die meisten Schenker irgendwie keinen Spaß dran. Dann gehen sie lieber zwei Stunden für 20 Euro irgendwas kaufen, was dann vielleicht die falsche Farbe hat und umgefärbt wird. Und dann? Ist das der bessere Prozess?
Miriam: Ist das deine Regel dafür?
Florian: Was denn?
Miriam: Weil mir, also ab und zu sozusagen finde ich Dinge ganz toll, die ich irgendwo sehe, so wie du es vorhin geschildert hast und denke, das könnte dem doch gefallen.
Florian: Ja.
Miriam: So, dann besorge ich es in der besten Hoffnung.
Florian: Nur da ist ja dann immer so ein bisschen Risiko drin und das ist ein wesentlicher Teil des Schenkens, finde ich. Dieses, dass ich es nicht hundertprozentig weiß, weil sonst, also wenn das Hauptziel wäre, hundertprozentig zu wissen, dass mein Gegenüber was damit macht, dann würde ich doch einfach Geld schenken.
Miriam: Das stimmt und es gibt Vorherabsprachen. Also es gibt Menschen, die sprechen zum Beispiel über ihre Wünsche. Oder haben Amazon-Wunschlisten oder Wunschlisten für... Oder ich erkundige, du wärst so ein Mensch, bei dem ich mich jetzt immer ordentlich erkundigen würde, was du gerne dir gerade wünschst. Das ist einfacher. Das ist wirklich einfacher.
Florian: Nur weil, puh, da einen Treffer zu setzen tatsächlich... Oh, du hast schon auch so Treffer gemacht. Tendenziell, was ich inzwischen ja auch mit den Kindern cool finde, ist viel mehr Erlebnisse zu verschenken. Das ist ja nochmal die Trickkategorie. Das, was du eben gesagt hast, Miri. Wenn ich möchte, dass mein Gegenüber viel Spaß hat, so wie ich mir das eben vorstelle, verschenke ich einfach ein Event. Also irgendwas, was wir zusammen machen. Das ist doch sowieso das Beste. Bleibt auch.
Miriam: Und auch da, schau, darf ich mir sicher sein, möchte der andere das wirklich haben? Oder ist das überhaupt umsetzbar? Ich habe hier zum Beispiel einen Gutschein am Kühlschrank hängen für eine fantastische Rückenmassage bei einer der besten Rückenmassagerinnen dieses Planeten im Heimatdörfchen meiner Eltern. Ich sitze in Düsseldorf, 240 Kilometer davon entfernt. Wenn ich meine Eltern besuche, ist meist Wochenende.
Florian: Kann man ja mal anrufen.
Miriam: Ja, sie hat am Wochenende geschlossen und ich bin nicht so ein VIP-Kunde da, dass sie für mich sonntags diesen Laden aufmacht. Das heißt, vermutlich noch nicht. Das heißt, ich komme sozusagen nicht bei mit diesem Gutschein und ich würde ihn gerne einlösen.
Florian: War es dann ein schlechtes Geschenk?
Miriam: Ich finde nicht, dass es ein schlechtes Geschenk war. Meine Mutter hat mir Entspannung geschenkt. Ich finde es super. Und es ist wirklich, ich habe einmal eine Massage bei dieser Frau gehabt, das ist unglaublich. So, jetzt sitze ich da mit meinem Gutschein. Sie ist eben nicht da, wo ich wohne. Also sozusagen Event zu verschenken heißt ja auch immer, es gibt ein Datum, es gibt irgendeinen und damit binde ich denjenigen, dem ich das schenke, ja auch ein. Also seine Zeitabläufe, seine so und das, wenn wir beide das miteinander machen, wir haben einen gemeinsamen Kalender, ich kann sozusagen gucken, wann du Zeit hast und wann nicht, dann kann ich dir ein Event für irgendein bestimmtes Datum schenken. Bei anderen geht das schon wieder nicht. Weil ich gar nicht weiß, ob die im Juli Zeit haben, um abends in Hamburg in ein Musical zu gehen.
Florian: Meine Annahme wäre schon, also da würde ich es mir dann halt einfach machen und in eine Zeit, wo wir sowieso was gemeinsam vorhaben, da halt ein Event reinlegen. Nur... Ja, mach du mal.
Miriam: Ich frage mich, um wen es geht. Ich möchte dem, den ich beschenke, eine Freude machen. Unfraglich. Und auf der anderen Seite ist ja Schenken auch etwas, was mir Freude macht.
Florian: Und da gibt es bestimmte Kriterien für deine Freude als Schenkender, oder?
Höflichkeitszwang, rosa Hasenkostüm und die grüne Vase
Miriam: So, und es gibt auch Höflichkeitsformen, die völlig Banane sind. Dieser Film mit dem amerikanischen Kind, das drei Stunden üben durfte, sich über eine Avocado zu freuen.
Florian: Wobei, ganz ehrlich, dafür habe ich jetzt schon genug Kinder gesehen, wie die sich über Geschenke freuen. Also es war Jimmy Kimmel, ein amerikanischer Late-Night-Talkshow-Moderator hat das mal aufgerufen. Da haben die Eltern den Kindern irgendwelchen ganz blöden Schrott geschenkt und haben dann geguckt, was die Kinder dann tun. Ob die sich dann freuen oder nicht. Und ein Kind hat eben eine Avocado bekommen. Und es hat sich richtig gefreut auch. Es hat geübt.
Miriam: Es war dieses, wo er das üben sollte. Oh, hey, I got an Avocado. Doch, die haben das nur dem Kind geübt.
Florian: Das war nichts für eine Übung.
Miriam: Das war ein anderes, was ich meine. Ich meine nicht dieses Late Talk. Das war auch ein Clip auf YouTube, der relativ lang war, weil sie immer wieder, na, das war noch nicht genug für Tante Elma. Das darf noch mehr sein. Weil offensichtlich Tante Elma immer irgendwas mitbringt, was den Kindern nicht gefällt. Und dann durften die Kinder aus Höflichkeit, durften die trainieren, wie sie dann entsprechend fröhlich reagieren. Oder hier der Film Fröhliche Weihnachten.
Florian: Ja, da dachte ich auch gerade dran.
Miriam: Mit dem rosa Hasenkostüm. Das war auch von irgendeiner Tante.
Florian: Ein Kind hat ein rosa Hasenkostüm, also ein Junge hat ein rosa Hasenkostüm geschenkt bekommen und muss das dann auch anziehen. Weil man muss ja zeigen, dass es geht.
Miriam: Und dann? Es stand eine Zeit lang auf der Treppe. Ich glaube, es hat sich fotografieren lassen damit. Es sah sehr traurig aus dabei. Und dann hat es, nachdem also alle gesagt haben, oh wie süß, oh du siehst ja süß aus, hat es dann irgendwann gefragt, darf ich den Hasen wieder ausziehen?
Florian: Und die Mutter hat gesagt, ja natürlich. Und dann rum, rum, rum, die Treppe hoch, weg. Staubwolke. Nie wieder angezogen.
Miriam: Also das ist ja nicht das, was ich möchte, wenn ich jemandem was schenke, oder?
Florian: Ich glaube, es gibt auch Leute, die Geschenke, so rumstehende Geschenke, immer wieder rausräumen, wenn die Person, die es geschenkt hat, zum Besuch kommt. Also was weiß ich, dann hängt man das Bild von der Schwiegermama halt wieder an die Wand, weil die jetzt da ist und sobald sie wieder weg ist, kommt sie wieder auf den Dachboden und das hübsche Bild kommt wieder hin. Ist das für beide Seiten cool? Ich find's... Ist das cool?
Miriam: Also, ist das das, was ich haben wollen würde? Nein.
Florian: Das Schlimmste daran finde ich, dass der Feedback-Zyklus unterbrochen ist. Also ich möchte ja aus NLP-Sicht heraus, möchte ich ja auf meine Umwelt reagieren können. Und in dem Moment brechen wir irgendwie den Feedback-Zyklus. Aber vielleicht aus Höflichkeit oder wahrscheinlich eher aus Angst oder aus Befürchtung, was dann alles passieren könnte. Und da kommt dann keine richtige Reaktion mehr zurück, sondern dann kommt halt so eine überspielte Reaktion. Und dann kommt also eine ganz komische Ebene in die Beziehung rein, wo ich sagen würde, möchte ich sowas in meinem Leben haben? Ganz klare Antwort, nein.
Miriam: Ja, ich finde auch nach wie vor Geschenke, die mit sowas verbunden sind, sind ja gar keine Geschenke mehr, sondern in Wahrheit ist das ein Deal.
Florian: Kann ja sein.
Miriam: Völlig unvoreingenommen, einem Menschen etwas zu schenken, weil derjenige sich total freuen darf darüber.
Florian: Ja, nur dann darf ich, das war, da sind wir doch am Anfang gestartet. Wenn die Freundin die Bluse blau färbt, mega.
Miriam: Find ich auch. Find ich auch.
Florian: Und wo ist denn dann die, also wo ist dann die Herausforderung?
Miriam: Ich wollte es einfach nur mal durchgehen, weil ich glaube, dass viele Menschen auf beiden Seiten immer noch große Herausforderungen damit haben. Und was würde passieren an deiner Geburtstagsparty? Wenn jemand kommt, alle Gäste sind schon da, er überreicht dir das Geschenk, du packst es aus, es ist diese grüne Vase drin mit dem gelben Rand, die überhaupt nicht zu deiner Einrichtung passt. Und du hältst sie hoch und sagst, hey Leute, zu wem passt die grüne Vase mit dem gelben Rand? Er darf sie mitnehmen. Super, ein Geschenk für alle hier. Was würde passieren? Würde das irgendeiner machen?
Florian: Tun wahrscheinlich nicht.
Miriam: Siehste, und das wäre cool, wenn das erlaubt wäre, in Anführungszeichen. Weil vielleicht würde sich irgendjemand aus dieser Menschenmenge melden und sagen, hey, das passt original in unser Wohnzimmer. Wir haben die Wand gerade grün gestrichen und gelbe Punkte drauf gemacht. Was Besseres gibt's nicht. Das ist eine Designer-Vase. Kann ich die bitte haben? Und du sagst, hey, zwei Leute glücklich gemacht. Vier. Fünf.
Florian: Vier, gleich weiter geschenkt.
Miriam: Die ganze Familie von dem, mich und dem, der es geschenkt hat. Ich finde, das ist eine tolle Maßnahme, nur...
Florian: In unserer aktuellen Höflichkeitssituation und Familiensystemik, die wir so haben, weit draußen. Und auch insofern spannend, weil inwieweit fühle ich mich denn solchen Systemen verpflichtet? Also inwieweit sind solche Systeme einfach Zwang? Ich sage, ich habe nicht die Wahl, das zu tun. Oder geht es in, naja, ich hätte die Wahl, ich will es aber nicht. Oder ist es, ich habe tatsächlich die freie Wahl. Und wenn mir die Vase nicht gefällt, dann gefällt die Vase nicht. Deswegen wurde ich übrigens als schwer beschenkbar bezeichnet, weil ich das Feedback mal gegeben habe, dass ich gesagt habe, das möchte ich nicht. Und das ist das Feedback. Spannend, ne? Weil, ja, ist halt so, oder? Ich möchte mit Menschen lieber ehrlich umgehen.
Ehrlich schenken: weitergeben, dazulernen, Freude verdoppeln
Miriam: Ich finde es sehr spannend, mich selbst zu hinterfragen und zu durchleuchten, was es in mir fühlt und denkt, wenn ich an so eine Situation, also wenn ich mir das vorstelle, wenn ich mir das herhalluziniere. Ich habe das noch nie gemacht. Zu jemandem gesagt, oh, sorry, das geht gar nicht. Schön, dass du was mitgebracht hast, nur am liebsten wäre es mir, du würdest es mitnehmen und jemandem schenken, der sich darüber freut. Ich habe es noch nie gemacht.
Florian: Und dazu darf man wissen, Miriam hat auch schon wirklich als Veganerin Fleischprodukte geschenkt bekommen. Wir verwerten die dann in der Familie, also ist ja alles gut.
Miriam: Ich bekomme die unter, das ist nicht das Thema. Hier freuen sich drei Leute.
Florian: Nur das ist so ähnlich wie dieses Blaufärben, dann sind wir schon wieder zurück.
Miriam: Richtig, das Geschenk wird benutzt. Es wird nicht so benutzt, wie es ursprünglich gedacht war. Und ja, ich kenne mittlerweile sehr viele Menschen, die da unglaublich entspannt sind. Wirklich irrsinnig entspannt. Und ich kenne auch... Noch mehr dieses, noch so nach diesem Oldschool-Klassisch, ist ja eine Höflichkeitsform. Zum Geburtstag wird was mitgebracht, der, der es mitbringt, ist verpflichtet, was mitzubringen. Der, der es bekommt, ist verpflichtet, sich zu freuen. Fertig.
Florian: Und dann ist einfach die Frage, wo hört die Freude auf? Weil ich finde auch, also wenn mir jemand was schenkt, vielen Dank, voll gut, freue ich mich total drüber. Nur habe ich dann eine Verpflichtung, dieses Ding durch mein ganzes Leben mitzunehmen? Weiß ich nicht. Also sei es so eine grüne Vase mit goldenem Rand, die nirgends in unsere Wohnung passt. Wie lange ist denn dann die Obligation, die aufzuheben? Stelle ich die dann auf den Dachboden und warte drauf, dass wir in eine Wohnung ziehen, in die sie reinpasst? Wie viele Wohnungen ziehe ich? Also das passt ja auch gar nicht mehr dazu. Zumindest passt nichts dazu, nicht dazu, wie wir leben. So viel Platz haben wir.
Miriam: Richtig, richtig. Was machen wir denn damit?
Florian: Also wir möchten halt die Sachen hier haben, die uns Freude machen und die, die wir schön finden und dann lieber weiter verschenken. Und was auf alle Fälle ja zählt, ist der Gedanke des Schenkenden und dafür, das ist ja das Coole so. Oh, da hat sich jemand Gedanken gemacht. Richtig. Sehr cool, vielen Dank.
Miriam: Richtig, ganz genau. Und jetzt kommt wieder mein Anspruch als Schenkender, denn das ist ja das Spannende an dem Podcast, wir sprechen ja nicht nur über das Schenken im Allgemeinen.
Florian: Ja, die Frage kam ja von der Schenkenden.
Miriam: Richtig, sondern ich als Person, die etwas schenkt, freue mich selbstverständlich, wenn ich dem anderen Menschen damit eine Freude gemacht habe und ich bin, ich persönlich bin extrem entspannt, wenn derjenige sagt, darf ich das an den und den weitergeben. Was, wie gesagt, bei unserem Bekanntenkreis, die ja alle sehr entspannt und witzig sind, auch schon vorgekommen ist. Was super ist, weil ich dann merke, okay, derjenige hat sich Gedanken gemacht um dieses Geschenk, er legt es nicht einfach in die unterste Schublade seiner Kommode und holt es raus, wenn ich mal zu Besuch bin, sondern er sagt... Ich kann damit nichts anfangen. Ich habe das schon viermal oder es ist nicht mein Ding. Nur ich weiß genau, meine Tochter würde sich riesig darüber freuen. Darf ich es ihr geben? Und ich freue mich nochmal, freue mich ein zweites Mal als diejenige, die schenkt. Und im Nachhinein betrachtet, ich habe Florian schon so eins, vielleicht zwei Sachen geschenkt, wo er mit hochgezogenen Augenbrauen nicht wusste, was er jetzt anfangen soll. Und dann zu lernen, diesen Menschen besser kennenzulernen, zu wissen, wie ich ihm eine noch größere Freude machen kann beim nächsten Mal, ist das Nächste. Sozusagen nach der gefärbten Bluse zu wissen, blau.
Florian: Hellblau.
Miriam: Es ist hellblau. Gut zu wissen.
Florian: Das ist ja, vielleicht denke ich, deswegen zwischendurch so viele Sachen. Ich glaube, die meisten Menschen machen das wirklich einfach. Also womit kann ich Miri immer erwischen? Theaterkarten, Musicalkarten, Opernkarten, Musikkarten.
Miriam: Wobei das auch was mit dir zu tun hat, ne Florian? Weil ich ja so gerne mit dir auch ausgehe.
Florian: Wir machen das dann zusammen. Und das ist das Coole, da schenke ich uns dann was. Und die einzige Herausforderung ist immer das Datum.
Miriam: Ja, das stimmt.
Florian: Das ist das Schwierigste daran. Das absolut Schwierigste, weil da darf ich wirklich in die Kalender gucken und dann einen Fake-Blocker irgendwann einstellen. Also irgendwo was, einen Termin blockieren mit irgendeinem hanebüchenen Irrsinn. Damit ich nicht was dahin tue. Damit die Miri nicht irgendwas dahin tut. Das ist die einzige Herausforderung. Aber nur das ist sehr, sehr einfach.
Miriam: Ja, das stimmt. Ja.
Florian: Und ich glaube, dass die meisten Menschen was haben, was sehr, sehr einfach ist. Viele Leute freuen sich über die Kleinigkeiten dann auch. Vielleicht mag jemand total gerne Schokolade oder... Ich zum Beispiel.
Miriam: Ja, ich habe jetzt von unserem Freund Andreas wieder drei große Päckchen Schokolade geschenkt bekommen. Einfach zwischenjährig, ohne irgendwas, ohne Anlass. Und das ist die beste Schokolade, die ich seit langem gegessen habe. Also wirklich unglaublich lecker. Tatsächlich, damit ist es sehr einfach. Also damit... und die Frage ist immer, wenn ich einen Menschen kenne und weiß, da hat er wirklich ein besonderes Faible, da freut er sich besonders drüber, kann ich immer sozusagen in diese Richtung marschieren oder ich kann auch mal die Augen und die Ohren spitzen, um was Neues kennenzulernen, um zwischendurch was rauszuhören. Florian hat eine tolle Bucketlist. Die meisten Sachen darauf kosten nur richtig viel Geld. Oder es ist richtig, richtig elendschwer zu bekommen. Oder das, genau. Das sprengt wirklich erstens mein Zeitlimit, um Geschenke auszuwählen und auch dann gelegentlich einfach das finanzielle Budget für ein Weihnachtsgeschenk. Und es ist ja schön, diese Listen zu kennen. Ja. Ich finde es in Ordnung, mich zu erkundigen, weil wenn ich einen Menschen gar nicht kenne, finde ich es in Ordnung oder mir nicht vorstellen kann, über was der sich freuen würde, mich zu erkundigen. Mit was würde ich dir denn eine Freude machen?
Florian: Und ist es dann, also zumindest wenn ich von mir ausgehe, freue ich mich auch tatsächlich über eine Kleinigkeit, irgendwas, was leicht zu schnabulieren oder leicht zu verbrauchen ist, weil das ist was, was wir sowieso brauchen. Ja. Und dann ist es eher das als eine Art Deco-Vase, wo man unsere Wohnung kennen darf.
Miriam: Ja, naja, richtig. Also wie gesagt, dieses Erkundigen vorher finde ich absolut in Ordnung, wenn es nicht ganz klar ist, wenn was Überraschendes passiert beim Schenken. Super für mich. Weil ich mir dann immer sage, da lernst du jetzt noch was dazu. Da kannst du was über dich lernen, da kannst du was über den anderen lernen. Gleich aufschreiben. Ja, fürs nächste Mal. Auch für mich selbst. Also bei der blauen Bluse hätte ich vielleicht auch im ersten Moment gedacht, ach Menno, ich fand die in Creme viel besser.
Florian: Und dann kommt bei mir so, genau. Die Bluse wird verwendet. So gut.
Miriam: Bluse wird verwendet, ein bisschen anders als ich es dachte und sie wird verwendet. Voll schön. Tja, unser Podcast wird ja auch gehört, hoffentlich.
Florian: Du hörst ihn ja auf alle Fälle.
Miriam: Das stimmt. Du, der du ihn gerade gehört hast.
Florian: Wir sind nächste Woche wieder da, wieder mit einem HörerInnen-Thema.
Miriam: Allerdings, bei welcher Folge sind wir mittlerweile? Bei Folge 100 gibt es eine Verlosung. Das hier ist 89.
Florian: 89, da haben wir noch ein bisschen was vor uns hier.
Miriam: Wir haben auch eine tolle Liste liegen, ihr Lieben.
Florian: Bald sind wir in Mönchengladbach.
Miriam: Vielen Dank für die lieben Themen. Ja, am 9.6. treffen wir dich in Mönchengladbach vielleicht. Das ist super, die Seminarlocation liegt wirklich direkt am Hauptbahnhof, sind fünf Minuten zu Fuß, nicht mal. In der Innenstadt ganz einfach ein ganzer Tag mit uns und unter www.moringahaus.de, dort Veranstaltungen, gibt es die Tickets online.
Florian: Oder eben auf kontext*denken.de gehen und dort ist es auch verlinkt. Ja. Und ansonsten der Practitioner im Herbst. Und dann laufen ja noch die ein oder anderen Geheimprojekte für das nächste Jahr.
Miriam: Allerdings. Wir bleiben bei dir. So oder so.
Florian: Und wir freuen uns über dein Feedback und...
Miriam: Richtig.
Florian: Bis nächsten Dienstag. Tschüss.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.