NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 107

Fühl genau.

Fühl genau – wie verlässlich ist der sogenannte „siebte Sinn“?

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In dieser Folge

Darum geht es

Ein schräges Thema. Wissenschaftlich betrachtet ist ein 30 Minuten Podcast deutlich zu kurz, um alles, was in Gesprächen zwischen Menschen an Gefühlsdimensionen so los ist, überhaupt darzustellen. Und irgendwie gehört das „Gefühl“ zu einem guten Gespräch einfach dazu, wie die Wärme zur Sonne. Also haben Miri und Florian sich mit einem Seufzer auf den Weg in diesen Podcast gemacht und sich darauf konzentriert, diese Gefühle beim Unterhalten mal in den Fokus zu stellen. Sind dieses Gefühle immer sinnstiftend? Beeinflussen wir mit unseren Gefühlen bei bestimmten Themen unsere Gesprächspartner? Und lässt sich das bewusst steuern? Das wäre ja schon wieder hochgradig manipulativ… oder vielleicht einfach entspannter? Viel Spaß bei diesem hochemotionalen Podcast.

Es geht um Spiegelneuronen, Rapport und Embodiment: warum du fremde Anspannung im eigenen Körper spürst und wie eng Gefühl, inneres Bild und Sprache gekoppelt sind. Miriam und Florian zeigen konkrete Wege, den eigenen Zustand zu verändern — über Körperhaltung, Atem und das bewusste Gähnen — und geben eine Spiegel-Übung für zwei mit. Dazu Beispiele aus Coaching, Vorstellungsgesprächen und von der Bühne, wo man ein Publikum erst dort abholen muss, wo es gerade steht. Der dritte Teil der Trilogie nach Hörgenau und Schaugenau.

Lesefassung

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Kapitel dieser Folge
  1. Ein neues Seminarprogramm und der Einstieg ins Thema
  2. Spiegelneuronen: Warum wir mitfühlen
  3. Gefühle, Bilder und Sprache: Wie eng das gekoppelt ist
  4. Praktische Tipps: An der Gefühlsschraube drehen
  5. Von der Bühne: Menschen an ihrer Bushaltestelle abholen
  6. Übungen für Fortgeschrittene und der Atem

Du kommst in einen Raum, in dem gerade angespannt über ein schwieriges Thema geredet wurde — und plötzlich verändert sich deine Stimmung, obwohl du gar nicht weißt, worum es geht. Genau um dieses fast magische Mitfühlen geht es hier. Miriam und Florian schließen ihre Trilogie ab: nach Hörgenau und Schaugenau jetzt Fühlgenau. Und sie zeigen, wie du selbst vorsichtig an der eigenen Gefühlsschraube drehen kannst.

Ein neues Seminarprogramm und der Einstieg ins Thema

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Hallo.

Florian: Willkommen. Jetzt hast du es bestimmt schon gehört.

Miriam: Die fröhliche, was? Was? Der fröhliche Zwei-Gehirne-Podcast.

Florian: Ja, und heute ist Umgang mit Veränderung.

Miriam: Nein, komm, nicht zu viel Veränderung.

Florian: Nicht zu viel Veränderung auf einmal. Also wir machen hier im Podcast was anderes als nächstes Jahr. Du, Miriam.

Miriam: Ja, das stimmt.

Florian: Ja. Unser neues Seminarprogramm 2019 ist draußen.

Miriam: Jahresfüllend.

Florian: Jahresfüllend.

Miriam: Das wird so cool. Es wird ein Jahr voll Sprachzauberei. Auf unserer Seite www.kontext*denken stehen alle Möglichkeiten. Wir haben neue Seminare eingezogen auf vielfachen Wunsch einzelner Teilnehmer. Wir haben zum Beispiel NLP Basics mit im Programm. Das ist vier Tage Einsteigen in die große Kunst des neurolinguistischen Programmierens. Wir haben den Coach zum ersten Mal als Ausbildung. Das heißt, du kannst bei uns Coach werden.

Florian: Von Coaching Basics, wie funktioniert es eigentlich, wie kannst du die Welt sehen.

Miriam: Wie ziehst du eine eigene Coaching-Praxis hoch, wie findest du Kunden bis hin zu, so geht Coaching.

Florian: Jetzt sitzt da jemand, was mache ich denn dann?

Miriam: Ich kann es kaum erwarten. Wir haben jetzt erstmal den Practitioner, 25.9. Wenn du dich noch entscheidest, dann jetzt.

Florian: Ja, was machen wir denn jetzt heute als wirkliches, also theoretisch sollten wir wirklich Umgang mit Veränderung machen, nur in der Praxis machen wir jetzt was?

Miriam: Wieso sollten wir Umgang mit Veränderung machen, wenn du es jetzt schon so offen stehst?

Florian: Wir machen hier, was heute? Fühlgenau oder so, ne? Ja, das ist richtig. Wie fühlt sich das an? Veränderung fühlt sich im Moment toll an.

Miriam: Es ist im Grunde die dritte, wir haben eine Trilogie, wie Herr der Ringe, wir haben eine Trilogie produziert.

Florian: Und dieses dritte Thema, also wir haben Hörgenau, Schaugenau und jetzt eben Fühlgenau. Und tatsächlich, als wir eben darüber gesprochen haben, was wir alles tun könnten, bei Fühlgenau haben wir wirklich eine Herausforderung. Weil Fühlgenau könnten wir auf so vielen verschiedenen Ebenen machen. Die erste wäre ja einfach nur, nimm mal wahr, wo die Kleidung auf deiner Haut aufliegt und wie die sich anfühlt. Oder wo deine Hände aufliegen und wie das Material unter deinen Händen ist.

Miriam: Jetzt mach nicht zu viel Entspannungsprogramm an der Stelle. Die Leute hören den Podcast im Auto oder so.

Florian: Ja, dann ist es eben das Lenkrad.

Miriam: Nein, guck auf die Fahrbahn. Ja, guck auf die Fahrbahn. Vorsicht!

Spiegelneuronen: Warum wir mitfühlen

Miriam: Den haben wir auch gleich wieder gelassen, denn auch bei den anderen beiden Teilen, bei Schaugenau, bei Hörgenau, geht es ums Dialogische. Viele Menschen fühlen ja, die meisten Menschen fühlen etwas, während sie sich mit einem gegenüber, mit mehreren Menschen unterhalten, anderen Menschen etwas beibringen, präsentieren, referieren, wie auch immer. Und diese Gefühle mal genauer zu checken, vor allen Dingen unter dem Aspekt der sogenannten Spiegelneuronen, ist uns ein Anliegen, weil das im NLP tatsächlich auch eine Rolle spielt. Also was fühlt es in mir, während ich einem anderen Menschen lausche? Gibt es so etwas wie einen... siebten Sinn, der da tanzt in meinem Körper, was mir schon oft aufgefallen ist in Gesprächen mit Kollegen oder je nachdem, wo wir uns aufgehalten haben, auch mit Kunden, war zum Beispiel eine erste Anspannung. Im Coaching auch ganz häufig. Die Leute kommen zur Tür rein und wollen sich mit einem Thema befassen, was sie sonst nicht so gerne anfassen.

Florian: Und das heißt, du spürtest dann eine Anspannung in dir?

Miriam: Ich spüre das dann. Das ist total witzig. Ich würde gerne unsere Hörer jetzt fragen an der Stelle, wie oft hast du das schon wahrgenommen, dass du etwas fühlst, weil ein anderer gerade irgendwie fühlt?

Florian: Im NLP würden wir das wahrscheinlich Rapport nennen. Also wir sind gemeinsam irgendwie unterwegs, wir tanzen miteinander, um dem eine Metapher zu geben. Und dann spüre ich eben auch, wie es meinem Gegenüber vielleicht in der Situation geht.

Miriam: Ja, ohne berühren. Beim Tanzen würde ich vielleicht berühren sogar. Und hier eben nicht.

Florian: Um ein ganz klassisches Beispiel zu geben, falls du schon mal Vorstellungsgespräche von der Firmenseite geführt hast, da ist es total witzig zu sehen, weil oftmals die Bewerber ja sehr angespannt, sehr nervös kommen, gerade wenn es jüngere Menschen sind oder die erste Bewerbung auf einen Job oder einen Praktikant oder so. Wie angespannt die Personen dann reinkommen und wie das in mir auch eine Resonanz auslöst auf der anderen Seite des Tisches.

Miriam: Und jetzt eben abgesehen von den äußerlichen Zeichen oder von den stimmlichen Zeichen, die wie gesagt behandeln wir in anderen Folgen dieses Podcasts. Es ist mir schon häufig aufgefallen oder ich komme in einen Raum und bin in einer Stimmung XY, bin entspannt und witzig drauf, betrete einen Raum, in dem sich Menschen aufhalten, die gerade angespannt über irgendein schlimmes Thema geredet haben und ich komme rein und meine Gefühlswelt verändert sich, ohne dass ich weiß, um was es gerade geht. Es hat fast was magisches und es ist nicht ganz greifbar und mittlerweile sind Forscher der Sache auf der Spur mit diesen Spiegelneuronen, die ich eben schon angesprochen habe. Und ich weiß, Florian runzelt die Stirn, das seht ihr jetzt nicht, nur es gibt tatsächlich Artikel darüber. Also sie gehen davon aus, dass es das gibt im Moment.

Florian: Ja und populärwissenschaftlich wird das Ganze ein bisschen weiter getrieben, als es bisher in Studien bewiesen ist.

Miriam: Ja, und Studien gibt es dazu. Und ich wollte es nur mal angeführt haben, weil scheinbar gibt es so ein Sozialisationsareal in unserem Gehirn, was ja auch Sinn machen würde im Kontext von, wir haben mal alle in einer Höhle zusammen gehaust. Und darum geht es ja. Also, dass wir imstande sind, aufgrund dieser Spiegelneuronen bestimmte Gefühlszeichen wahrzunehmen und die gleichsam in unserem Körper zu produzieren, um dazu zu gehören.

Florian: Und das ist ja auch spannend, um zu verstehen, wie es jemand anders vielleicht geht, dann zu überlegen, ja, dann macht unser Körper eben die gleiche Körperhaltung nach oder die gleichen, gleicht sich von der Haltung her an und fühlt dann plötzlich das Gleiche. Dann sind wir ja auch plötzlich im Embodiment drin, in der Forschung von eben, und wir tun ja so gerne so, als wären wir unsere Ratio, unser Großhirn und als wäre das... Als könnten wir rationell durch die Welt gehen, nur tatsächlich ist ja unser ganzer Körper an unseren Emotionen beteiligt und an dem, wie es uns geht und auch am Denken. Viel mehr Neuronen gibt es um den Darm rum, im Darm drin, als im Kopf.

Gefühle, Bilder und Sprache: Wie eng das gekoppelt ist

Miriam: Praktisches Beispiel, wenn du jetzt anfangen würdest, an die Karibik zu denken, mit weiten Stränden, türkisfarbenes, klares Wasser, weißer Strand, Schmetterlinge überall, bunte, große, tolle, exotische Blüten, du liegst auf einem Handtuch, das macht auch gefühlsmäßig was mit uns. Also in mir schwankt es zwischen plötzlich mehr Entspannung und Freude fühlen, wenn ich so ein Bild vor meinem geistigen Auge abrufe. Das kann ich auch andersrum haben, indem ich zum Beispiel an die beflissene Hektik des Düsseldorfer Flughafens denke, wo Menschen durcheinander laufen und ich schaue, auf welchem Gate ich jetzt als nächstes bin und vielleicht mich ein bisschen fürchte, dass meine Flugverspätung hätte und ich hätte große schwere Koffer dabei und wüsste, ich habe jetzt ungefähr 3,2 Kilometer Fußweg bis zum Check-In. All das macht ja sofort auch gefühlsmäßig ein Feedback. Also mein Körper reagiert sofort auf diese und ich imaginiere das nur. Ich sitze hier mit Florian auf der Couch und es macht ein Feedback in mir. Das heißt, unsere Gefühle sind extrem gekoppelt an das, über was wir gerade mit jemandem sprechen, was wir uns gerade vorstellen.

Florian: Wie wir es uns genau vorstellen, also wie umso detaillierter es wird. Diese Flughafenszene, wenn wir uns noch Töne dazu imaginieren, wird das Gefühl plötzlich auch stärker, zumindest bei mir ist es so. Also das ist ja dann schon fast nicht mehr eine Erinnerung, sondern es gibt ja noch Hyperamnesia. Also ich erinnere mich, ich habe eine übergenaue Erinnerung an irgendeine Situation, die ich da mal erlebt habe und plötzlich kommen die Gefühle auch sehr stark wieder aus dieser Situation heraus. Wir hatten jetzt vor kurzem tatsächlich auch hier am Küchentisch sowas, als eins unserer Kinder Hausaufgaben gemacht hat und ein Freund saß daneben und er hatte irgendwie Schwierigkeiten damit was zu verstehen und dann plötzlich Bauchschmerzen entstanden sind. Also eine ganz körperliche Verbindung zu dem Stress, der auf einer rationalen Ebene da auskam, dann in den Körper einmal entladen und dann eben über die, boah, endlich geschafft. Auch wieder nach außen gegeben, ne?

Miriam: Ja.

Florian: So. Also, was ist das, wenn wir jetzt über einen Dialog reden, was ist dann unsere Empfehlung?

Miriam: Oder was ist... Guck mal, willst du jetzt schon zur Tipps-Fraktion? Ich finde den... Sektion. Ich finde diesen Podcast so spannend vom Inhalt. Ich würde ja gerne noch...

Florian: Wo spürst du diese Spannung in dir? Ah!

Miriam: Ach, herrlich, überall, aber bis in den kleinen Zeh finde ich das Thema cool. Wir sind im Bereich des Neurolinguistisches Programmieren genau da unterwegs. Neuro steht für diese ganze Gefühls- und Nervenwelt, das Gehirn. Dann kommt dieses Linguistische dazu, also wie übersetze ich das in Sprache und wie beeinflusst das eine das andere. Denn, was mir auch aufgefallen ist, ich bin in Situationen beeinflussbar, was mein Vokabular angeht. Ich bin sprachbegeistert und verfüge über ein relativ großes Vokabular, würde ich sagen.

Florian: Also, da dürfen wir wahrscheinlich auch noch unterscheiden, ein großes aktives Vokabular.

Miriam: Ein großes aktives Vokabular.

Florian: Also, dass wir Deutsch die meisten Wörter verstehen, sind wir uns voll einig. Voll gut. Voll gut, aber... Du kannst sie sogar noch verwenden.

Miriam: In Poesie ausarten, genau. Und wenn ich in einer Situation bin, in der es düster ist und angespannt und unangenehm und es riecht nicht gut und es sind so viele, viele Faktoren, merke ich, also ich fühle viel und gleichzeitig verändert sich auch mein Wortschatz.

Florian: Okay.

Miriam: Und genauso andersrum. Ich merke zum Beispiel, dass ich, wenn ich im Fernsehkaufhaus, diese Ära geht ja nun bald vorbei, wenn ich im Fernsehkaufhaus zwischen Juwelensitze gesessen habe und wir hatten den tollen Kronleuchter als Kulisse und waren alle schick gekleidet und es ging um wertvollste Preziosen, dann hat sich mein Vokabular dahingehend verändert, weil mein Gefühl vorher anders wurde. Ich fühlte mich erhabener, ich fühlte mich wie ein Chefjuwelier und entsprechend anders habe ich dann auch gesprochen. Es ist toll, wie das eine das andere beeinflusst.

Praktische Tipps: An der Gefühlsschraube drehen

Miriam: Wenn ich es jetzt im Dialog betrachte und jetzt kommen wir meinetwegen auch zur praktischen Sektion. Eine hatten wir ja schon, wir haben diese zwei Übungen gemacht. Wenn ich das im Dialog betrachte, also wenn ich jemandem gegenüber sitze und spüre, aufgrund der Zeichen, die derjenige sendet, eine Veränderung in meinen Gefühlen, was machst du dann, was mache ich dann?

Florian: Abonniere meinen Kanal und aktiviere die Glocke. Das ist ja die einfachste Art und Weise, meinen Zustand zu beeinflussen. Also zum Beispiel, wenn meine Schultern ein Stückchen zurück und nach hinten sind und wenn ich meinen Brustkorb so ein bisschen frei mache und tiefer atme, dann fühlt sich das für mich automatisch anders an als irgendwelche anderen Positionen. Und insofern, wenn ich sowas wahrnehme, dass das im Gespräch passiert, ist das vielleicht eine einfache Interventionsmöglichkeit. Du darfst sie einfach ausprobieren bei dir. Wo du sagen kannst, okay, ohne große NLP-Techniken oder Techniken aus irgendwelchen anderen Coaching-Praxen, einfach nur mal die Sitzhaltung ein bisschen zu verändern, um zu sehen, was tut es mit dem Gefühl. Wenn es ein schönes Gefühl ist, vielleicht wird es stärker oder wenn es eins ist, da wäre ich jetzt gerne los, dann eben, du kannst es einfach immer schwächer werden lassen, dadurch, dass du tief einatmest und ausatmest und dich in eine kraftvollere Position reinversetzt.

Miriam: Also wenn ich merke, etwas fühlt sich für mich nicht so gut an, ich möchte das Gespräch gerne fortsetzen, vielleicht sogar mein Gegenüber unterstützen, indem ich, wenn es wie ein Tanz wäre, also angenommen es wäre wie ein Tanz, dass mein Gegenüber mich beeinflusst und ich mein Gegenüber beeinflusse...

Florian: Ganz automatisch, weil wir gemeinsam Zeit verbringen und esoterisch gesagt Energie austauschen. Wie auch immer. Also vielleicht auch nur rational und vielleicht eben über dieses Spielneuronen oder was auch immer. Auf jeden Fall ist da irgendwie ein Austausch von Informationen da. Und dann, wenn ich mich beeinflussen lasse, kann ich natürlich auch das Angebot machen, sich beeinflussen zu lassen. Im Coaching manchmal, wenn es um Themen geht, wo vielleicht viel Stress involviert war oder die eine oder andere Situation ein bisschen blöd war in der Vergangenheit. Manche Menschen... halten dann die Luft an. Und wenn ich sowas sehe, dann einfach ganz bewusst einmal auszuatmen. Weil das einlädt, dass mein Gegenüber das auch macht.

Miriam: Du hast uns ja in einem vorherigen Podcast schon mal eine ganz, ganz fantastische Intervention geschenkt, das Gähnen. Auch das funktioniert in heftigsten Situationen.

Florian: Weil wir gähnen dann, wenn keine Gefahr herrscht. Mit Hunden funktioniert das ja auch. Einer der Wege, um Hunden zu signalisieren, das ist alles okay. Indem ich als Herrchen gähne.

Miriam: Und dafür achte ich insbesondere auf meinen persönlichen emotionalen Haushalt. Denn da sind wir uns sicher alle einig. Also es geht mir auch schon mal so, wenn ich neben unserem Größten sitze und der hat jetzt da komplexere Hausaufgaben und fängt an rumzuzicken dabei oder da kommen auch ein paar Tränchen, dann gehe ich als Mutter gerne mit in diese Anspannung. Also das Experiment habe ich jetzt schon ein paar Mal gemacht, das führt jetzt nicht wirklich zu sinnvollen Ergebnissen, weil irgendwann sitzen wir beide da und sind völlig unterwegs, also im negativen Sinne. Das heißt angespannt, aufgeregt, vielleicht sogar sauer, also so fühlt sich das dann an. Da extrem wach zu sein und zu merken, oh, oh, oh, stopp, das reicht ja zumindest, wenn einer von uns beiden jetzt hier abgeht wie ein Zäpfchen, braucht der andere nicht auch noch mitzumachen.

Florian: Vielleicht ist der Counterpart und dann eine spannende Frage, hast du dafür, welche Worte hast du dafür, welche Konstrukte hast du dafür? Ist das entspannt oder voll in deiner Kraft zu sein, die Energie im Körper zu spüren, ganz gerade da zu sitzen, das sind ja alles die Alternativen, auch in der Linguistik dann.

Miriam: Das heißt nicht, dass ich jetzt von 0 auf 100 anfangen brauche, den Clown oder Casper zu geben, sondern einfach nur den nächsten Schritt nach oben, in die positivere Richtung. Von, ja, keine Ahnung, fühlt sich miserabel nach geht so. Von geht so nach ... schon besser. Und so kann ich darauf achten, was kann ich tun, damit sich das so anfühlt. Ich mache es ganz bewusst, das Bild von der Karibik abzurufen oder von den tollen Plänen, die Florian und ich 2019 haben. Im Moment meine Allheilwaffe, nein nicht Waffe, mein Allheilmittel. Also ich brauche nur ans Jahr 2019 zu denken, die vielen tollen Menschen, die wir kennenlernen werden in unseren Seminaren, die viele Zauberspracharbeit, die wir tun werden, der tolle professionellere Umgang mit Sprache. Wenn ich daran denke, dann geht es mir sofort besser. Und ich glaube, dass du, Hörerinnen, Hörer, dass jeder in seinem Leben so ein paar Highlights findet, wenn du daran denkst, aus der Vergangenheit oder aus der Zukunft. Tolle Urlaube, die du erlebt hast, tolle Orte, die du gesehen hast, wunderbare Menschen, die du kennst. Wenn du dich auf das fokussierst, um dich selbst etwas besser gelaunt zu halten und wenn du besser gelaunt bist und es gäbe diese Spiegelneuronen, die dafür sorgen, dass wir uns anpassen aneinander, könnte es sein, dass es auch ein Feedback in eine positivere Richtung von deinem Gegenüber gibt. Es könnte sein.

Von der Bühne: Menschen an ihrer Bushaltestelle abholen

Miriam: Ich habe es auf der Bühne schon oft erlebt und konnte es mir nicht wissenschaftlich erklären. Also mit der Intention, mit der Energie, ich mache ja zum Beispiel bei unseren Musical-Produktionen auch hin und wieder das Warming-up. Und das ist besonders spannend bei Aufführungen um 15 Uhr. Dann haben nämlich alle Mittag gegessen, der Bauch ist voll und dann sitzen die da im Publikum, die Leute. Und das Bäuerchen ist noch nicht gemacht. Und sie sind wirklich so... So was mach ich dann. Wenn ich komplett außer mir auf die Bühne tobe, matcht es nicht. Dann sitzen die alle da und denken, eine wahnsinnige...

Florian: Ich hab hier, unser kleines Städtchen hat hier Stadtfest gehabt und um den Moderator auf der Bühne hier standen irgendwie sechs Leute rum, die alle ein Bierchen in der Hand hatten und er hat Kaspar auf der Bühne gemacht. Das ist dieses Ding, wenn ich die Leute nicht an ihrer Bushaltestelle abhole, also nicht ein Stück weit in die Richtung gehe von meinem Gegenüber. Schwierig.

Miriam: Das heißt, ich beginne sozusagen meine Performance in Trägheit und ich rufe eine Situation in meiner Erinnerung ab, in der ich mich schon immer mal träge gefühlt hätte. Zum Beispiel direkt nach dem Essen, voller Bauch, Sofalaune. Und so gehe ich dann auf die Bühne, was sehr lustig ist.

Florian: Das ist bestimmt auch mit ein bisschen Übung verbunden, dann da rauszukommen.

Miriam: Und ich weiß, dass uns Profis zuhören. Ich weiß, dass da Menschen sind, die vor anderen sprechen, die nach der Mittagspause in der Firma die nächste Präsentation halten dürfen.

Florian: Ich kenne das aus, wenn ich in so tief entspannte Zustände in unserem Seminar auch gehe, wenn wir so Teile mit Hypnose machen und ich begebe mich in einen tief entspannten Zustand. Und eins der Phänomene, eins der Tiefstrauß-Phänomene ist eben nicht mehr der Wille, unbedingt jetzt zu sprechen. Und das ist für mich auch Übung, aus diesem Zustand heraus trotzdem ganz normal schnell sprechen zu können.

Miriam: Ja, ist großartig. Es gibt wunderschöne, auch so viele verschiedene Nuancen von Farbe in unseren Gefühlen. Und du kannst im Prinzip die gesamte Klaviatur benutzen, dafür hast du sie ja. Es ist ja großartig, dass wir über diese ganze Range verfügen und damit imstande sind. Du hast vorhin das Fremdwort Rapport eingeführt, also dieses Miteinander wahrzunehmen und was macht mein Gegenüber, wie fühlt der sich, wie kann ich das nachfühlen, was fühlt es in mir, damit zu spielen, damit zu arbeiten, dafür ist diese Podcast-Folge. Das heißt, ich fasse nochmal kurz zusammen. Wichtig ist, dass du bemerkst, dass du wieder anfängst zu bemerken oder dass es bei dir klar ist, wie fühlt sich das gerade in mir an? Was für Gefühle habe ich gerade in dieser Situation? Und die ruhig auch zu benennen.

Florian: In dem Ding, mit dem du deinen Kopf durch die Gegend trägst.

Miriam: Nennst du Körper, hast du meistens dabei. Dann, wenn das passiert ist, wenn du das stabil hast, kannst du versuchen, vorsichtig an dieser Gefühlsorgel ein bisschen zu spielen. Also wie kannst du das verändern ganz aktiv?

Florian: Und der erste Trick, Haltung.

Miriam: Richtig. Die Körperhaltung ist der klassische Charlie Brown Cartoon. Wenn er sich aufrichtet und nach oben guckt, kann er nicht mehr traurig sein. Das ist, glaube ich, ganz berühmt, findest du überall auf Social Media. Das nächste ist eben die Wahrnehmung des Gegenübers und wenn sich deine Laune verbessert, wie konkurrent würdest du feststellen, verändert sich auch die Laune des anderen? Kann da was passieren? Wenn ja, wie viel? Also so vorsichtig an diesen Schräubchen mal zu drehen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist es ja, dass es beiden besser geht. Also es wäre ja cool. Also das ist dann eben, ich konzentriere mich auf ein inneres Bild, rufe eine Erinnerung ab oder halluziniere mich in die Zukunft, wo ich weiß, da kommt was Tolles und drehe somit so ein bisschen an dieser Gefühlsschraube nach oben. Kannst du einfach zu Hause alleine für dich mal üben. Diese unterschiedlichen Situationen, mal eine stressige Situation erinnern, mal eine ganz tolle Situation erinnern, eine entspannte Situation und ob das in dir sofort eine emotionale Resonanz gibt oder ob es was dauert.

Übungen für Fortgeschrittene und der Atem

Florian: Eine der Übungen, auch eher für Fortgeschrittene, dafür brauchst du einen Freund, eine Freundin, einen Partner, wie auch immer, ist, dass ihr euch gegenüber voneinander stellt und eine Person spiegelt erstmal die Körperhaltung der anderen Person, macht dann die Augen zu, währenddessen verändert das Gegenüber irgendetwas in der Körperhaltung. Und dann Augen wieder auf und du darfst deinem Körper einfach an der Stelle folgen, dass der automatisch auch für dich mit verändert, was dein Gegenüber verändert hat. So, und jetzt ist die Frage, wie fühlt sich das Neue an? Nicht im Gedankenlesensinne, nicht im, oh... Das ist jetzt, der denkt jetzt an irgendwas oder das bedeutet, dass diese Person sich jetzt besser fühlt, sondern einfach nur, wie fühlt sich das an? Ist das Atmen jetzt einfacher? Ist der Brustkorb ein bisschen auseinander gebeugt? Sind die Schultern ein Stückchen nach runter gegangen? Ist der Fuß irgendwie in einer anderen Position? Lauter solche Wahrnehmungen, um mal im Außen zu sehen, was verändert sich an der Haltung von meinem Gegenüber, das in mir selber auch wahrzunehmen, was verändert das bei mir dann?

Miriam: Das ist eher für die Profis.

Florian: Ja, und wir treiben das so ein bisschen auf die Spitze gerade. Das ist eher für die Profis, wenn wir es so beschreiben. Und normalerweise treiben wir das noch so ein gutes Stückchen weiter.

Miriam: Ja, das stimmt. Also, wenn du eine NLP-Ausbildung machen würdest, würden wir da deutlich noch ein bisschen... Nur zum Experimentieren, weil der ist einer der einfacheren.

Florian: Was passiert, wenn dein Gegenüber die Luft anhält?

Miriam: Oh ja, sehr spannend, was dann ist.

Florian: Wie fühlt sich das, also den mal wahrzunehmen?

Miriam: Ich hab ja da, ich könnte ja jetzt was erzählen. Das ist lustig. Soll ich? Es gibt den Asterix, einen Asterix-Comic, Asterix bei den Spaniern, da ist ein kleiner Junge, der von Julius Cäsar, von einem spanischen Häuptling entführt wird und dann bei den Römern ist und der landet dann bei den Galliern und die wollen den zurückbringen zu Papa nach Hispanien oder so. Und der Kleine ist halt Häuptlingssohn und ist deutlich mit einem Sturschädel und auch sehr, sehr selbstbewusst ausgestattet. Und immer wenn ihm was nicht passt, immer wenn er was nicht bekommt, hält er in diesem Comic die Luft an. Das sagt er auch. Und dann ist der so gezeichnet, dass der immer röter wird im Gesicht und das auch wirklich durchzieht. Und Obelix hält auch immer die Luft mit an. Der kann nicht anders. Obelix sagt dann auch irgendwann, atme wieder. Und als ich den Comic gelesen habe, habe ich das auch immer, bis das Bild kam, wo der dann so bläulich wieder ausgeatmet hat und da stand dann auch zisch. Ja, dann habe ich auch wieder ausgeatmet. Manchmal hat das lang gedauert. Es ging nicht anders.

Florian: Genau, weil... Regelmäßig und sanft in einem schönen Rhythmus ein- und ausatmen ist gut.

Miriam: Atme ich nicht ordentlich. Meine Güte. Du darfst wirklich auf deinen Atem achten. Ja, schön auf deinen Atem achten. Ja, sehr, sehr cool, wie unser Körper mitfühlt und auch immer mit dem richtigen Gefühl am Start ist. Also bis hierhin soll es erstmal genug sein. Es ist ein deutlich komplexes Thema. Wir haben ganz bewusst viele Bereiche ausgeklammert.

Florian: Zum Beispiel Propriozeption.

Miriam: Ach, herrlich.

Florian: Und der Sinn für Zeit, das Gefühl für Zeit und all diese Dinge.

Miriam: Die so spannend auch werden. Schauen wir mal, ob wir das irgendwann anders nachholen. Zeit machen wir auf alle Fälle. Der nächste Podcast ist erstmal wieder über das große Thema Veränderung. Das wissen wir jetzt schon. Und diesen Podcast wollen wir beschließen mit einem fröhlichen, erleichterten Gefühl, tiefen Atemzügen und dem deutlichen Hinweis, schau auf unsere Seite. Hier ist der neue Seminarplan.

Florian: Fühl dich gut dabei. Ja, unbedingt.

Miriam: Bis nächste Woche.

Florian: Bis nächste Woche. Tschüss.

Miriam: Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.

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