NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 20

Dirigier Dein Leben!

Musikprofi Bernd Kohn spornt auf ganz eigene Weise zu Höchtsleistungen an und rät: Tu das einfach auch für Dein Leben. Erstens hast Du nur eins und zweitens darf es immer "bestmöglich" sein...

Jetzt anhören

Direkt hier starten oder später im Transkript weiterlesen.

In dieser Folge

Darum geht es

Der bekannte Komponist, Arrangeur, Dirigent und Performer Bernd Kohn verrät Miriam Deforth in diesem Podcast, wie es ihm gelingt, aus Menschen, die er anleitet, bestmögliche Performance auf der Bühne heraus zu kitzeln. Was Bernd dabei tut, ist so einfach wie anders. Nichts von allem, was Trainer in Lern- und Lehr-Seminaren an Anweisungen geben würden gehört zu Bernd's Methoden. Es gelingt ihm auf beinahe magische Weise, dass alle - Anfänger, Profis, Sänger, Musiker und Darsteller - für sein Projekt an ihre persönliche Grenze gehen. Hochmotiviert und voller Eifer. Warum die Arbeit eines musikalischen Gesamtleiters auch auf das Erfüllen von Wünschen, das Erreichen von Zielen und das "Durchhalten" anzuwenden ist, erfährst Du beim Zuhören. Und auch, wie Du im Unternehmen und im Leiten und Führen von Mitarbeitern einmal einen Umkehrschwung mit kleiner "Synkope" wagen kannst. Auf ganz zauberhafte Weise passt das Thema auch prima zum ersten Podcast im neuen Jahr 2016. Miriam empfiehlt diese Folge übrigens auch mitten im Juli oder im September. Höchstleistung mit viel Energie und Spaß ist immer gut. Egal ob zu Neujahr oder mitten im Hochsommer. Frohes Neues Jahr, liebe/r Hörer/in! www.berndkohn-music.com Facebook:https://www.facebook.com/berndkohnmusic/

www.kontext-denken.de

Konkret geht es um Bernds Arbeit als Dirigent und musikalischer Leiter zwischen Amateuren und Profis: warum er lieber von "Freude" als von "Spaß" spricht, wie er mit Selbstverständlichkeit und dem Satz "ich bin okay, du bist okay" Anfänger in fünfstimmige Gesänge führt, und was er mit der "Glocke" meint, die über einer Produktion entsteht und gehalten werden will. Bernd erzählt außerdem von seinem Musical Räuber Reloaded nach Schiller und wie er sich vor großen Auftritten durch Meditation und Fokussierung motiviert. Wenn du Impulse zu Führung, Motivation heterogener Gruppen und dem Umgang mit unterschiedlichen Leistungsniveaus suchst, findest du hier reichlich Übertragbares für Seminar, Team und Bühne.

Lesefassung

Das vollständige Transkript

Spring direkt zu einem Kapitel oder lies die Folge von Anfang an.

Kapitel dieser Folge
  1. Willkommen im neuen Podcast-Jahr
  2. Vorbereitung, soziale Kompetenz und der Blick fürs Passende
  3. Profis und Amateure – fließende Grenzen
  4. Selbstmotivation und die "Glocke" über der Produktion
  5. Selbstverständlichkeit, Strenge und Herzblut
  6. Neues Jahr, neue Projekte und wo man Bernd findet

Wie holt jemand aus Amateuren und Profis auf derselben Bühne das Beste heraus – ohne Druck, ohne "das ist zu schwer", sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die niemand infrage stellt? Bernd Kohn dirigiert Musicals, schreibt Arrangements und stand schon für Boney M. und Peter Cornelius im Studio. Im Gespräch mit Miriam erzählt er, warum er lieber "Freude" sagt als "Spaß", was es mit der "Glocke" über einer Produktion auf sich hat – und was Trainer, Führungskräfte und du selbst davon fürs eigene Leiten mitnehmen kannst.

Willkommen im neuen Podcast-Jahr

Miriam: Happy New Year! Der Miri-Podcast schlittert nach 2017. Wie cool ist das denn? Und jeden Dienstag. Super. Ich bin sehr stolz auf mich und auf euch, auf dich, lieber Hörer, liebe Hörerin, denn der Podcast hat ein tolles Feedback bekommen. Wir bekommen super schöne Zuschriften und tolle Themenvorschläge. Und es melden sich immer wieder spannende Menschen bei mir, die Lust haben, mit mir zu podcasten. Bitte macht weiter so im nächsten Jahr. Ich freue mich oder in diesem jetzt neuen Jahr. Ich freue mich, wenn ich dich kennenlernen darf. Wenn du etwas mit Sprache, mit Sprechen, mit Bühne, mit Schauspiel, mit Training zu tun hast, komm zu mir und meinem Mikrofon. Jetzt lacht mein heutiger Gesprächspartner schon. Lieber Bernd, dir erstmal frohes neues Jahr.

Bernd: Dankeschön, Miri, Dankeschön.

Miriam: Ich spreche heute mit Bernd Kohn. Bernd kenne ich schon lange. Wir dürfen einmal im Jahr zusammenarbeiten, wenn es auf die große Musicalbühne geht. Ich habe Bernd kennengelernt als einen fantastischen Musiker. Bernd, du hast das auch studiert. Das heißt, du bist Orchestermusiker, du bist Schlagzeuger, du kannst wunderbar Klavier spielen, du bist Arrangeur und Komponist und das hast du auch schon oder machst es für die ganz Großen in der Welt der Musik. Einige Beispiele sind ja, du hast für Boney M. geschrieben, du hast für Markus geschrieben, Neudeutsche Welle. Für wen hast du noch alles gearbeitet?

Bernd: Ja, also ich habe in jungen Jahren, sage ich mal, sehr viel Zeit im Studio verbracht und habe also einiges an Hits eingetrommelt. Zum Beispiel Peter Cornelius habe ich eingespielt. Ich habe, wie gesagt, schon Boney M. eingespielt. Also es sind zu viele eigentlich, ja.

Miriam: Und Bernd ist immer so bescheiden. Und dann sagt er auch noch in jungen Jahren, hier sitzt ein blendend aussehender Mann im besten Alter vor mir. Ja, sehr cool. Bernd, findest du auch im Internet, das kommt alles später dann im Podcast noch. Wir empfehlen dich da auf seine Seiten und da kannst du dir selbst ein Bild machen. Da gibt es Hörproben und Arbeitsproben und also ein toller Mensch. Und mit Bernd zu arbeiten bedeutet hochprofessionelles Arbeiten. Bernd, was genau machst du für die Musicalproduktion, in der wir gemeinsam auf der Bühne stehen?

Bernd: Die Musicalproduktion besteht ja daraus, dass Arrangements geschrieben werden und ich schreibe die Arrangements hier für die Theatergruppe Assenheim und zwar für ein 15-köpfiges oder 18-köpfiges Orchester. Und ich schreibe allerdings die Arrangements so, weil das Amateure sind, dass sie passen, die Arrangements. Das heißt, ich weiß, wer zum Beispiel Oboe spielt, ich weiß, wer Schlagzeug spielt, ich weiß, wer Bass spielt. Und versuche dementsprechend die Arrangements so zu konstruieren oder zu schreiben, dass es passt. Ich will mal sagen, dass die Messlatte nicht zu hoch gelegt wird, aber dass es auch nicht zu langweilig wird und in der kurzen Probezeit von 10 Tagen ungefähr, also reine Probezeit, 10 Tagen, wir proben immer am Wochenende, sollte das zu schaffen sein. Also es sollte kein Frust entstehen, sondern es sollte Spaß machen und es sollte aber auch eine Herausforderung sein.

Vorbereitung, soziale Kompetenz und der Blick fürs Passende

Miriam: So, da sind wir schon genau an der Stelle. Das Ensemble hier bei dieser Theatergruppe setzt sich zusammen aus Profis und aus Amateuren. Das heißt, du triffst auf sehr unterschiedlich gebildete Menschen im Bereich Musik, Gesang, Schauspiel und ich empfinde es immer wieder als unglaublich lehrreich, mit dir arbeiten zu dürfen im Vorfeld und auch während der Proben. Wenn jetzt Trainer uns zuhören, die ja auch auf Gruppen treffen, die, wie sagt man so schön, heterogen zusammengesetzt sind, also wo Menschen da sitzen, die aus ganz unterschiedlichen Beweggründen kommen, an ganz unterschiedlichen Punkten starten. Mit welcher Vorbereitung gehst du in eine Orchesterprobe? Über Gesang sprechen wir später noch.

Bernd: Orchesterprobe, also generell, wenn ich... Nervenstärke. Nein, generell ist es so, dass ich mich natürlich vorbereite, sehr gut vorbereite, always be prepared, wie man so schön sagt. Dann mache ich mir natürlich Gedanken. Wie ich das Ganze umsetzen könnte, dann gehe ich in die Probe rein und schaue mir an, was geht, wie man so schön sagt. Wichtig ist natürlich auch, dass man eine gewisse soziale Kompetenz hat und dass man auch... Dieses, ja, eine gewisse Selbstverständlichkeit. Also ich gehe hin und sage, hallo, hier bin ich und ich bin auch so wie ihr. Ich bin okay, du bist okay und ich habe das jetzt hier für euch vorbereitet und jetzt spielt es doch einfach mal. Also ich sage nicht, das ist schwer und da müsst ihr üben oder so oder irgendwas. Natürlich versuche ich erstmal die Messlatte hochzulegen, aber ich passe es dann später an der Situation, was geht oder was geht nicht. Das ist ganz klar.

Miriam: Ich habe gerade gehört, die Vorbereitung ist ganz wichtig. Und wenn wir Seminare vorbereiten oder wenn Trainer ihre Workshops oder ihre Seminare gestalten, dann heißt es ja auch oft, es ist wichtig, extrem gut vorbereitet zu sein. Das heißt, voll inhaltlich ist für dich dieses Musical von A bis Z klar. Kennst du dann auch die Handlung? Also bist du auch sozusagen in der Geschichte drin? Hast du ein Bild davon, was später mit dem Orchester auf der Bühne passieren wird? Also wie die einzelnen Musikstücke eingebaut sind?

Bernd: Ja, das wird ja im Vorfeld auch schon besprochen bei der Musikauswahl, sage ich mal. Da wird ja auch schon besprochen, was könnte passen. Was weiß ich, wenn es ein Liebeslied ist, dann kann man keinen Marsch spielen oder so. Oder vielleicht doch, weiß ich nicht. Aber eben, und das muss natürlich auch passen und dann überlegt man sich, wenn es spannend wird. Wenn ein Showdown kommt, das wird von der Zeit an angepasst, dass die Musik sich auch steigert. Und dann auch zu dem Punkt, wo der Böse quasi vernichtet worden ist.

Miriam: Beim Musical siegt immer das Gute.

Bernd: Genau. Und am Schluss kriegen sich immer die beiden Verliebten. Das ist ganz wichtig. Das ist immer so.

Miriam: Also gibst du da dem Orchester auch schon Input zu? Also bekommt das Orchester von dir, die wissen ja wahrscheinlich nicht so genau, für was ist dieses Stück jetzt dienlich?

Bernd: Ja, man erkennt ja teilweise auch schon an dem Titel vom Stück, was es ist und ich versuche das natürlich dann auch schon klar zu machen. Was man oft bei Profis nicht so hat, weil die es jetzt dann im Orchester graben und denken, so habe ich schon oft erlebt, auch als... Wieder mal als junger Mann, wie ich in der Oper ausgeholfen habe, in Frankfurt, so, ach, was interessiert mich das Stück auf der Bühne, ich spiele meine Musik und gut ist. Das ist hier natürlich nicht der Fall. Und es hat auch seinen ganz eigenen Charme, weil es natürlich auf der Bühne und auch im Orchestergraben Amateure sind, nicht? Und ich denke, das ist auch für das Publikum, ja, auch was ganz Besonderes. Und das Publikum erwartet dann auch das, was geht und wenn was nicht geht, dann hat das Publikum hier auch Verständnis dafür. Also so sehe ich das.

Profis und Amateure – fließende Grenzen

Miriam: Dein Anspruch ist trotzdem, habe ich das Gefühl, immer sehr professionell. Also du lässt wenig durchgehen bei den Proben. Das hört sich jetzt so an, als wenn dann halt einer einen schiefen Ton singt, dann singt er eben einen schiefen Ton. Leute, so ist es weiß Gott nicht. Was ich sehr spannend finde an dieser ganzen Arbeit, ist eben, dass ja doch viele, die mitmachen, bei dieser Produktion sehr aufgeregt sind, wenn sie hören, wer du bist und woher du kommst. Also erstmal finde ich es total toll, dass du mit der gleichen inneren Begeisterung spürbar und auch mit der gleichen Intention, das Bestmögliche rauszuholen, an eine solche Produktion gehst, wie so fühl ich das zumindest auch bei den Produktionen, die du ja häufiger hast, wo du eben mit absoluten Profis arbeitest. Ich sehe da keinen so großen Unterschied, außer vielleicht diese soziale Kompetenz, den Leuten etwas mehr Zeit zu geben oder dergleichen.

Bernd: Na gut, die soziale Kompetenz braucht man auch bei Profis. Also ich bin auch musikalischer Leiter der Ich-will-Spaß-Show und das sind alles Profis und das ist da genauso gegeben. Ich sage mal so, also ich habe Profis, Amateure, die ganze Geschichte, ja. Für mich ist das ein fließender Übergang. Ich habe schon mit sogenannten Profis zusammengearbeitet. Da hat sich das Profi, der Name Profi, dadurch generiert, dass man gesagt hat, okay, er verdient damit sein Geld. Und dann habe ich aber auch schon mit Amateuren oder Leuten, die das nur aus Hobby machen, gespielt, habe ich gedacht, naja, wenn die noch ein bisschen weitermachen würden, könnten sie durchaus in der Profiliga arbeiten. Also da muss man, die Grenzen sind eigentlich fließend.

Miriam: Ist es so, dass du dann bei jedem, den du triffst, jedem Darsteller, jedem Musiker auch sowas wie das Beste siehst, also das Bestmögliche, das was noch gehen würde? Also gibt es sowas, was für dich dann erscheint, wenn du sozusagen, also unsere Sänger, Darsteller sind ja auch alle sehr nervös bei den ersten Proben, wenn sie zum ersten Mal mitmachen und ich habe das Gefühl, dass du Potenzial erkennst. Auch wenn es noch nicht ganz da ist bei den ersten Proben. Also ergibt sich das für dich auch? Bei uns im Seminar passiert es oft, dass wir Menschen haben, die zum allerersten Mal mit einer professionellen Sprechweise oder einer professionellen Rhetorik überhaupt in Berührung kommen. Und mir sofort klar ist, wenn wir da jetzt ein bisschen Heckantrieb zünden, dann werden es echte Granaten auf der Bühne.

Bernd: Ja, sowas ist auch durchaus gegeben, dass man auch sieht, wenn zum Beispiel jetzt einer ängstlich ist, weil er ein Instrument spielt, ein Musiker jetzt zum Beispiel, sag ich mal, und dass man dann guckt, ja, also vielleicht kann man es ein bisschen modifizieren, vielleicht lassen wir den Ton weg und machen das so und dann wird er selbstsicherer und auch zufriedener und ich denke einfach, es dreht sich in dem Moment nicht darum, dass ich jeden Ton genauso gespielt haben will, wie ich es arrangiert habe, sondern wie gesagt, ich bin da auch soweit mittlerweile zu sagen, nee, das funktioniert jetzt nicht, das lassen wir weg. Wichtig ist für mich, und das sage ich immer allen im Orchester und auf der Bühne, ihr müsst euch wohlfühlen. Also wenn zum Beispiel Sänger auf der Bühne nicht genau diese Gesangslinie singen, wie sie in den Noten steht, weil sie erstens die Noten – und zwar, wenn sie sich mit einer anderen Gesangslinie, die dieser Gesangslinie ähnelt, wohlfühlen, dann sage ich, dann singst du doch so. Das ist der Punkt. Ganz davon abgesehen, dass auch bei professionellen Musicalsänger alle irgendwas singen, was nicht unbedingt in den Noten steht.

Miriam: Das ist ja schon mal beruhigend. Also alle aus der Theatergruppe, die uns jetzt zuhören, haben eben spürbar ein- und ausgeatmet. Es ist eine tolle Einstellung. Für mich fühlt sich das sehr tolerant an. Es geht ja ein bisschen gegen dieses, ich habe ein Konzept. Und in dieses Konzept gehen alle rein und wer nicht reinpasst, der fliegt raus. Also das gibt es ja auch als Idee. Also ich kenne viele Trainer, die ein fantastisches Konzept für Sprache oder für Metaphorik oder für irgendwelche anderen Dinge, komplexe Dinge entwickelt haben und wer nicht mitgeht, der darf das Seminar eben verlassen, wenn er keine Lust hat. Ich habe das Gefühl, dass du da mehr Raum öffnest für Individualität.

Bernd: Ja, wir sind ja jetzt wieder im Amateur- oder semiprofessionellen Bereich und da ist es schon wichtig, dass man schaut, dass es einfach fließt, dass man einfach sagt, ja, also... Ich habe zwar eine Idee, dass es so funktionieren soll, aber wenn es jetzt halt nicht geht, dann geht es nicht. Weil die Leute, das ist ja der Unterschied, die Leute, die hier spielen, sind motiviert und wollen Freude haben. Ich sage nicht mal Spaß, ich sage lieber Freude. Freude ist für mich ein besserer Ausdruck. Während ein Profi, der muss eigentlich immer funktionieren, der kriegt Geld dafür, der spielt nicht unbedingt immer mit Freude und Spaß, aber er darf es sich nicht anmerken lassen. Er muss schauspielern, ein Profi muss schauspielern, also das ist ganz klar. Währenddessen die Leute, wenn es hier ihnen keinen Spaß macht, dann merkt man das schon und dann muss man dementsprechend gucken, was kann man tun, wie kann man die Leute motivieren.

Miriam: Es ist lustig, dass du den so siehst, weil ich habe das Gefühl, dass ich, also auch wenn ich im Bereich Sprechen bin, ich Profi und bin vor der Kamera fast jeden Tag und es macht mir auch genauso einen Spaß. Also ich bin mit genau der gleichen Freude dabei und ja, ich bekomme Geld dafür, also ich verdiene damit mein Geld und ich habe das Gefühl, dass ich einen Job mache, der großen Spaß macht und du hast recht. Ich glaube, dass es in jedem Job so ist, also egal, ob ich jetzt Kindergärtnerin bin oder ob ich Teams betreue in großen Unternehmen, ob ich vielleicht da sogar einer der Supervisor bin, es gilt sozusagen nicht, meinen eigenen Frust, den ich vielleicht irgendwann am Tag mir irgendwo einsammle, mitzutragen in eine solche Produktion oder vor die Kamera oder vor das Team. Und das bedeutet für mich jetzt persönlich, also du hast gesagt, der muss dann schauspielern, weil er hat es eben zu tun, weil es ist sein Job und er bekommt dafür Geld. Für mich hat es mehr diesen... Also wenn ich ständig schauspielern müsste, würde ich den Job nicht mehr machen wollen. Und wenn ich mich beobachte, dann sehe ich, dass der Job an sich, den ich mache, mir schon ganz viel Motivation auch wieder rückspiegelt. Also es ist ein Konzept von, ich mache das wahnsinnig gerne, was ich tue. Das ist auch zu meinem Job geworden. Beides zusammen gibt dann wieder viel Spaß. Wenn das Rotlicht angeht, spätestens vor der Kamera, bin ich gut gelaunt. Mittlerweile passiert das auch schon an roten Ampeln, weil ich so auf dieses rote Licht gebrieft bin. Nein, war nur ein Witz.

Bernd: Okay. Ja, das kann schon sein, aber... Ich sage mal, auch ein Profi hat mal einen schlechten Tag. Das meine ich jetzt damit. Das habe ich jetzt damit gemeint. Ich habe nicht gesagt, natürlich muss er versuchen, deshalb hat er diesen Beruf ja gewählt, also in dem Fall, sagen wir jetzt mal Musiker, Instrumentalist oder Sänger oder was. Aber man hat nicht immer nur gute Tage und dann muss man halt so, muss man sich selbst motivieren und muss sich selbst so weit in Form bringen, dass es nicht unbedingt bemerkbar ist, dass man vielleicht nicht so einen guten Tag hat. So meine ich das jetzt. Und da dazu gehört auch, was halt auch nur ein großer Unterschied ist zwischen Amateuren und Profi, bei Profi hat man fast immer die gleiche Leistung. Bei Amateuren hat man immer mal wechselnde Leistungen, also da sind sie mal ein bisschen besser drauf, mal ein bisschen schlechter und manchmal fühlen sie sich richtig gut. Und das kann sich ein Profi nicht leisten. Ein Profi muss immer gleiche Leistung abliefern. Das ist einfach so. Er hat ja sein Handwerk gelernt. Er weiß ja, wie es geht am Instrument zum Beispiel. Und dementsprechend, er kann sich seine Kräfte einteilen. Er kann sagen, okay, ich weiß genau, ich habe jetzt, was weiß ich, 25 Musical-Shows zu spielen. Da muss ich gucken, dass ich mir die Kräfte einteile. Hier gehe ich voll rein, voll raus. Hier gehe ich wieder zurück. Ruh mich aus, also während dem Stück meine ich natürlich jetzt, was ich auch mache als Dirigent. Also wenn ich zum Beispiel jetzt, es gibt Stücke, die fordern mich, da muss ich das Orchester zusammenhalten und die Sänger und es gibt Stücke, da spielt das Orchester von selbst. Da muss ich mich gar nicht so anstrengen. Also mit den Kräften haushalten.

Selbstmotivation und die "Glocke" über der Produktion

Miriam: Alle Profis da draußen, egal in welchem Bereich, ob Profi-Arzt oder Profi-Erzieherin oder Profi-Verkäuferin oder Profi-Sprecherin oder Profi-Bühnendarsteller oder Profi-Musiker, das ist vermutlich der Anspruch, mit dem du auch an deinen Job gehst. Und wenn ich dich jetzt ganz persönlich fragen darf, dann Bernd, wie motivierst du dich denn an den Tagen, die nicht so gut sind? Weil du sagst, es gibt immer mal einen Tag zwischendurch, an dem es nicht so gut ist. Wie kannst du dich besonders gut motivieren? Liest du dir Witze vor?

Bernd: Ich mache das schon von klein auf. Ich habe das gelernt. Man kennt das ja, wenn man irgendwann mal was längere Zeit gemacht hat, dann wird es quasi zu einer Art Routine. Ich denke da gar nicht mehr drüber nach. Also ich kann in die Kamera lachen, obwohl ich vielleicht gar nicht so gut drauf bin. Aber in dem Moment strahle ich das aus und gut ist. Und in dem Moment ist es für mich auch so. Hinterher bin ich vielleicht wieder down. Das weiß ich nicht. Also von der Seite her, gut, was ich oft noch mache, vor großen Auftritten meditiere ich einfach halt auch noch. Ich meditiere und ich fokussiere mich, wie gesagt, Disziplin und auch diese Fokussierung auf etwas. Das ist ja das Wichtige zum Beispiel, wenn man jetzt so eine Produktion als musikalischer Leiter hat, als Dirigent. Ich spreche da von der Glocke. Es entsteht eine Glocke bei der Produktion, also auch während der Aufführung. Und wenn ich die Glocke nicht halten kann, dann werden auch die anderen Musiker unkonzentriert oder auf der Bühne wird es unkonzentriert. Das ist eine Energie, die kann man spüren. Man muss die Glocke selbst halten. Das heißt, man muss selbst in der Lage sein, wie gesagt, was ich schon gesagt habe, führen oder loslassen und wieder geben und wieder nehmen.

Miriam: Oh, wie schön, ihr Trainer da draußen. Ich weiß genau, dass viele Kollegen von mir auch zuhören. Ein wunderschönes Bild über ein Seminar, das du gibst mit 10, 20, 30, 40 Teilnehmern. Das Gefühl kenne ich nämlich, dass da auch eine Glocke entsteht, die ich als Seminarleiterin oder als Workshop-Leiterin halte, über ein ganzes Wochenende oder über 14 Tage. Auf der einen Seite ist es ein Energiewechsel und auf der anderen Seite ist es ein ganz tolles Gefühl, plötzlich zu spüren, dass diese Glocke auch da ist. Denn für mich entsteht die während der Proben Stück für Stück und wird dichter und stabiler. Also wie so ein Schutzschild von so einem Raumschiff, Enterprise oder so was, die so ausfahren. Das ist großartig.

Selbstverständlichkeit, Strenge und Herzblut

Miriam: Jetzt noch zu den Sängern. Du triffst hier auf tatsächlich Profisänger und Amateursänger gemischt im Ensemble. Das haben wir von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich besetzt. In den Hauptrollen oft Menschen, die schon lange viel singen, die das gelernt haben, die wissen, wie sie mit ihrer Stimme umgehen. Menschen, die zum allerersten Mal auf der Bühne stehen, vielleicht im Schulchor mal gesungen haben und das auch schon die gesamte Gesangserfahrung ist, die sie mitbringen für eine Musical-Solorolle. Und was mich so beeindruckt ist, dass wir in diese Proben gehen, du sagst Hallo und dann geht es selbstverständlich in für mich schon sehr komplexe, vier-, fünfstimmige Gesänge und das machen einfach alle mit. Ich hätte mich früher mit Händen und Füßen gesträubt und erstmal gesagt, das ist viel zu schwer. Wie machst du das, dass die einfach einsteigen, dass die gar nicht hinterfragen, dass die nicht ihre Hand, ich habe das noch nie erlebt, dass von unseren Anfängern oder Gesangslaien jemand die Hand gehoben hat und gesagt hat, nee, das geht nicht. Die haben einfach alle mitgemacht.

Bernd: Na gut, du hast ja das Wort schon ausgedrückt, hast schon gesagt, selbstverständlich, Selbstverständlichkeit, ausstrahlen, Selbstverständlichkeit, ausstrahlen, hier ist was, das ist jetzt so da, das machen wir jetzt und dann schauen wir einfach mal, ganz einfach. Und von der Seite her, ja, selbstverständlich, ja. Wie gesagt, da haben wir wieder dieses, ich bin okay, du bist okay. Und vielleicht merken die Sänger und die Mitwirkenden dann auch, dass ich was will und dass da auch mein Herzblut dabei ist. Das kann natürlich auch sein, dass ich nicht nur einfach da bin und bezahlt werde, ja, der macht jetzt und tut. Es geht sowieso nicht bei so einer Produktion, generell Musical oder Kunst oder was auch immer, wenn man was macht. Wenn man das ohne Herzblut macht, dann kann man es von vornherein vergessen. Das ist ganz klar. Und vielleicht merken die das. Also ich kann es nicht sagen, vielleicht ist es auch so ein bisschen... Ausstrahlung, ich habe keine Ahnung, was es ist. Auf jeden Fall bin ich eigentlich auch sehr streng.

Miriam: Das stimmt, die Redaktion.

Bernd: Aber ich hatte selbst auch strenge Lehrer und ich glaube, wenn man strenge Lehrer hat, lernt man am meisten. Man kann heute natürlich nicht mehr so streng sein, wie man früher streng war. Man muss immer so, ja auch wieder dieses Coachen, also früher hat man ja gesagt, Zuckerbrot und Peitsche, sage ich mal.

Miriam: Das schneiden wir nicht raus, weil dieser Podcast geht ungeschnitten raus.

Bernd: Ja, heute heißt es eigentlich führen und motivieren, aber einmal führen, das würde ich eher so als dieses Peitsche, das ist das Führen und dieses andere, dieses Zuckerbrot, das ist dieses Motivieren und dieses... Ja, motivieren sage ich einfach mal. Motivieren und was gut finden, sagen wir. Das war schon mal gut jetzt irgendwie. Und von der Seite her, ich kann es wirklich nicht sagen, was es ist. Aber wie gesagt, ich bereite mich gut vor. Ich versuche selbst, gut vorbereitet zu sein und dementsprechend das auch rüberzubringen, das Ganze.

Neues Jahr, neue Projekte und wo man Bernd findet

Miriam: Um jetzt gerade nochmal auf das Thema neues Jahr zu kommen, ganz viele fangen jetzt an mit Diäten und wieder Sport treiben und gute Vorsätze und für das Jahr 2017 vielleicht auch berufliche Pläne, vielleicht gibt es tolle Projekte da draußen, von denen wir auch noch hören. In unseren Workshops, in unseren Seminaren am 28. und 29. Januar starten Florian und ich mit unserem ersten Seminar ins neue Jahr, freuen uns auf die Teilnehmer. Da kommen auch Menschen, die bereit sind und motiviert sind, etwas Neues zu lernen. Wie gehst du damit um, dass so viele das Anfang des Jahres tun? Ist es für dich Blödsinn oder sagst du, es ist ein guter Zeitpunkt, um in neue Projekte zu gehen?

Bernd: Ja, ich denke mal, jeder Monat hat seine Energie. Und so, sag ich mal, wie der Dezember diese Energie hat, diese besinnliche, wo man eher so ein bisschen runterkommen soll und was eigentlich auch die Natur widerspiegelt, der Schnee, der Winter und so, so ist der Januar auch wieder so eine Art Anfang des Aufbruches. Geht dann in Februar, März, März wird dann die Natur... Da fängt es dann an, langsam wieder zu blühen und der Schlamm und alles löst sich auf. Du bist ja auch Fische. Ich bin auch Fische. Wir sind ja geboren. Wir sind also die Auflösung. Nach uns kommt wieder was Neues. Und der Januar, das kann dann so eine Art Neubeginn sein. Also ich finde es durchaus, wenn man das tiefer hinterfragt, finde ich das durchaus. Und nicht einfach sagt, ja, ich habe wieder so viele Vorsätze oder so. Das kann durchaus Sinn machen.

Miriam: Oh, wie schön. Hast du denn Pläne für 2017?

Bernd: Pläne für 2017? Ja, es wird also, ich habe ja ein Musical geschrieben, also mein drittes Musical mittlerweile, Räuber Reloaded, das hat erste Aufführungen in Mannheim, sind da, allerdings nicht mit mir selbst, sondern ich habe das in den Verlag gegeben und das wird von dem Gymnasium aufgeführt und auch in Alsenau wird es auch aufgeführt. Da freue ich mich sehr, weil es so ein bisschen mein Baby auch ist. Also Räuber Reloaded von Schiller, Schillers Räuber in einem neuen Gewand mit rockiger Musik und ja, und ich schreibe auch gerade zusammen mit dem Franz Spengler, der hat ein Theaterstück geschrieben, das heißt »Honey, das Lebkuchenpferd« für Kinder. Da schreibe ich gerade mit ihm zusammen, beziehungsweise ich schreibe die Musik. Er hat die Texte gemacht, das wollen wir auch Mitte des Jahres, also dieses Jahres, fertigstellen. Und dann schauen wir mal, was noch so kommt. Kommt immer was.

Miriam: Wunderschön. Dann vielen Dank, lieber Bernd, für so viel Einblick in die Arbeit eines Menschen, der so hochprofessionell mit Musik umgeht und gleichzeitig so viele unterschiedliche Menschen, ich hätte jetzt beinahe gesagt betreut, das klingt so nach Klinikaufenthalt, mitnimmt auf die Reise durch musikalische Erfahrungen und auch ins Profi werden. Viele der Menschen, die du hier gecoacht hast über die letzten Jahre, sind jetzt Profis, sind jetzt im Musical-Fach. Das haben wir gar nicht erwähnt, dass also ganz viele der ehemaligen Amateure wirklich auch tolle Geschichten geschrieben haben hier aus dieser Gruppe. Und wenn die irgendwann mal den Grammy gewinnen, dann werden die sich bedanken bei Bernd Kohn. Das ist ja auch schon eine tolle Sache. Vielen Dank an dich da draußen fürs Zuhören. Wir wünschen dir von Herzen ganz viel Freude beim Umsetzen aller Pläne, aller Projekte in 2017. Wünsch dir was, heißt die Devise, denn Menschen, die noch wünschen können, die kommen im Leben immer noch ein Stückchen weiter, auch wenn die Wünsche am Anfang gar nicht so aussehen, als könnten sie wahr werden. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal mit so einem tollen Musiker zusammen regelmäßig arbeiten darf. Auch ein großer Wunsch wahr geworden. Jetzt auch der Podcast ist wahr geworden.

Bernd: Kompliment kann ich nur zurückgeben.

Miriam: Dann jetzt noch Bernd, wo finden dich unsere Hörer im World Wide Web bei Social Media?

Bernd: Ja, also ich habe eine eigene Website, www.berndkohn-music.com, da kann man immer sehen, was ich für Projekte mache und kann auch ein bisschen erfahren, wo ich zum Beispiel, mit wem ich zusammengespielt habe, also es gibt eine ganze Seite, das ist so viel, dass mir das nicht eingefallen ist. Egal, auf jeden Fall habe ich dann auch noch eine Facebook-Seite. Und da gibt es demnächst auch noch, das kann ich vielleicht noch kurz sagen, ich arbeite gerade an einem neuen Unterrichtskonzept, wo man Schlagzeug und Keyboard oder Klavier gleichzeitig zusammen lernen kann.

Miriam: Sehr cool.

Bernd: Da bin ich gerade dabei, das zu entwickeln und auch so Testphasen mit verschiedenen Musikschulen zu machen. Und dann gibt es natürlich von meinem Lieblingsmusical Räuber Reloaded gibt es natürlich auch eine Facebook-Seite. Wäre schön, wenn ihr vielleicht mal schaut, vielleicht gefällt es euch ja. Dankeschön.

Miriam: Ich schreibe die ganzen Links auch nochmal unter diesen Podcast, unter Notes, das heißt auf unserer Seite www.kontext-denken.de findest du den Podcast und wenn du auf Notes klickst, dann erschließt sich alles, was Bernd eben gesagt hat, auch nochmal in der Schriftsprache, sodass du da ganz schnell hingelangst. Am nächsten Dienstag geht es weiter. Das neue Podcast-Jahr hat begonnen. Wir freuen uns natürlich, wenn wir dich kennenlernen dürfen. Vielleicht bei unserem Workshop Besser Denken, Besser Sprechen. Vielleicht auch im Juli bei unserem NLP Practitioner, bei unserem ersten Schwerpunkt Sprache sprechen. Melde dich einfach bei uns. Wir informieren dich gerne. Und jetzt viel Spaß beim Hineinschlittern, Hüpfen, Springen, Tanzen ins neue Jahr. Tschüss.

Bernd: Ja, tschüss und bleibt gesund!

Weiterdenken

Wenn es etwas Neues gibt, geben wir dir Bescheid.

Im Newsletter landen neue Episoden, Seminartermine und Gedanken, die sich auch ohne Kopfhörer weiterdrehen.

Zum Newsletter