NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 6

Die Stimme – oder darf’s auch mal kratzen?

Eis oder Suppe? Was kannst Du vor dem Auftritt tun, falls Deine Stimme einmal kratzt?

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In dieser Folge

Darum geht es

Miriam Deforth hält mehrere Vocal Coaching-Seminare im Jahr und unterrichtet Sprecher und Sänger im Bereich Mind-Setup für die Stimmbänder. Aus ihrer über 20jährigen Bühnen- und Studioerfahrung gibt sie Dir Tipps aus ihren Workshops, was Du tun kannst, falls Deine Stimme einmal heiser ist oder kratzt und der Auftritt dennoch stattfinden soll. Anstatt das "Buch der Sieben Siegel" über Stimm- und Sprecherziehung zu öffnen und Dich in wochenlanges Stimm-Workout zu schicken, bleibt Miriam in diesem Podcast praxisnah und unterstützt Dich dabei, schnell und entspannt wieder wohlklingend vor anderen Menschen zu sprechen. Egal ob auf der großen Bühne, vor Schülern, Studenten, Mitarbeitern oder einfach für Dich selbst. Dabei wirft sie einige klassische Ideen der Sprecherziehung mal eben über den Haufen und greift einige "altbewährte" Sänger- und Sprecherweisheiten auf. Viel Spaß beim Tönen, Singen und Sprechen - auch in der sogenannten Erkältungszeit!

Konkret geht es um heisere Stimme vor dem Auftritt, kratzenden Hals bei Sängern und Sprechern und die Frage, ob die Stimmlippen wirklich ständig geschont werden müssen. Miriam teilt ihre Hausmittel: die selbstgemachte "Stimmlippen-Creme" aus zerdrückter Banane mit Hefeweizen, Bibernell-Tropfen aus einer Dorfapotheke, ausreichend Schlaf und die Frage "Eis oder Suppe?". Außerdem erzählt sie die Geschichte einer Sängerin, die trotz "nicht ganz schließender Stimmlippen" glockenklar singt. Für alle, die beruflich viel sprechen — von der Bühne über QVC bis zum Team-Meeting — und lernen wollen, ihrer Stimme und ihrem Körper zu vertrauen.

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Kapitel dieser Folge
  1. Wenn der Körper funktionieren muss
  2. Der Kehlkopf als Weichenwerk – und die schnell heilende Schleimhaut
  3. Klischees der Sprecherziehung – und die Sängerin mit dem "Fehler"
  4. Die Miri-Tipps: Banane, Bibernell und die eigene Stimme lieben
  5. Vertrauen, Schlaf und die innere Stimme
  6. Wenn die Stimme ganz weg ist – kommt sie wieder

Kennst du die Kollegen, die selbst bei 35 Grad im Hochsommer mit Schal herumlaufen — aus lauter Angst, der Stimme könnte etwas passieren? Miriam kennt sie gut. Und sie kennt die Frage dahinter: Was tue ich, wenn die Stimme kratzt, aber der Auftritt trotzdem stattfindet? Aus über 20 Jahren auf der Bühne, im Studio und vor der Kamera erzählt sie hier, was für sie funktioniert — von der Banane mit Hefeweizen bis zu einer Dorfapotheke mit Bibernell-Tropfen.

Wenn der Körper funktionieren muss

Miriam: Herzlich Willkommen zum Miri-Podcast. Sie könnten sich erkälten. Und diese Angst ist bei Menschen, die vor der Kamera stehen, auf der Bühne stehen, die singen oder sprechen hauptberuflich, mehr oder minder stark ausgeprägt. Da wo andere sagen würden, naja, ist eben mal eine Erkältung, kenne ich einige Kollegen, die auch im höchsten Sommer bei 35 Grad mit einem Schal oder einem Tuch um den Hals herumlaufen, vor lauter Furcht, es könnte irgendetwas mit ihrer Stimme passieren. Und es ist gerechtfertigt. Viele meiner Kollegen sind freiberuflich, das heißt, wenn die Stimme weg ist und sie können nicht auftreten, dann bekommen sie auch kein Geld.

Miriam: Deswegen ist es ein wichtiger Podcast und ich möchte ihn nicht nur an meine Profikollegen richten, die alle ihre eigene und auch ihre richtige Einstellung zu ihrer eigenen Stimme haben, sondern auch an alle, die es kennen, dass der Körper funktionieren muss, wenn es drauf ankommt. Und da gibt es wieder viele Berufe, die das betrifft. Es ist okay, wenn ich mit einer relativ heiseren Stimme und mit Schnupfen vor einem Computer sitze und dort Arbeiten verrichte, bei denen ich relativ wenig kommuniziere. Das hört dann schon auf, wenn ich am Tag fünf, sechs Team-Meetings habe, die ich beschalle. Oder wenn ich in einem Job bin, bei dem ich Vorträge halte vor anderen, bei dem ich Anweisungen gebe, jeden Morgen, jeden Mittag, jeden Abend.

Miriam: Also überall da, wo der Körper im Spiel ist. Berufe, die sehr körperlich sind, das heißt auch Berufe, die handwerklich sind. Berufe im Gesundheitswesen. Eine total erkältete, heisere Kosmetikerin würde bei der einen oder anderen Kundin, bei dem einen oder anderen Kunden vielleicht auch Skepsis verursachen, ob das so eine richtige Entscheidung war, jetzt eine Stunde lang von diesem Menschen behandelt zu werden.

Miriam: Es gibt die, die sagen, beim geringsten Anflug einer Erkältung lege ich mich aus Verantwortungsbewusstsein für mich und für andere ins Bett. Ich bleibe zu Hause, ich verriegele meine Tür, niemand darf zu mir, ich atme niemanden an, niemand atmet mich an. Und es gibt die, die bis zu einem gewissen Grad mit einer, ja, vielleicht nicht ganz so guten körperlichen Verfassung ihren Job machen. Es gibt die, die auch dort übertreiben, zumindest in meiner Welt. Das habe ich auch schon oft beobachtet, übrigens früher auch oft bei mir.

Miriam: Und dieser Podcast soll nicht darum gehen, dass du dich mit irgendeiner Art von bettlägerischer Erkrankung vor die Kamera oder auf die Bühne oder ins Büro schleppst. Nein, es geht vielmehr darum, wie gehe ich mit meinem Körper um? Was kann ich besser machen? Und diese Frage habe ich mir ganz häufig gestellt in den vergangenen 20 Jahren, in denen ich eben meinen Job mache. Und das zum Teil als Freiberuflerin und zum Teil auch in einer Festanstellung, so wie jetzt bei meinem aktuellen Hauptberuf, nämlich bei QVC, beim Fernsehkaufhaus vor der Kamera zu stehen.

Miriam: Sicherlich ist dieser Podcast jetzt, oder vielleicht, vielleicht ist er auch spannend für alle, die sagen, für mich ist es gar nicht so relevant. Für alle, die eben sagen, meinen Körper brauche ich, meine Stimme brauche ich für meinen Job, könnte das ganz spannend werden.

Der Kehlkopf als Weichenwerk – und die schnell heilende Schleimhaut

Miriam: Stimme und Stimmapparat sind ein großes Thema, zum Beispiel in unserem Workshop Vocal Coaching. Da kümmern wir uns eingehend darum, in welchen Registerlagen kann ich arbeiten als Sprecher. Frauen sehr hoch zum Teil, Männer haben die natürliche, entspannte, tolle Basslage meistens von Haus aus bei sich. Wirklich toll. Und wir untersuchen das, wir arbeiten daran, wir atmen bewusster, wir nehmen unsere Stimme anders wahr, wir stellen fest, wo wir mehr Druck geben können, mehr Lautstärke erzeugen können, wo es Sinn macht, das auch mal rauszunehmen. Es ist ein spannender Workshop und das Erste, was wir tun, ist, wir schauen mal nach, wo so diese Gerüchte versteckt sind, die es auch gerade in dem Fachbereich Vocal Coaching gibt.

Miriam: Der Stimmapparat per se sitzt dort, wo viele, viele Dinge stattfinden im Körper, nämlich im Kehlkopfbereich. Und dort gibt es nicht nur die Aufgabe, eine wohltönende Stimme zu erzeugen, sondern dort wird geatmet und dort wird auch gegessen und getrunken und, Entschuldigung, auch Bäuerchen gemacht. Das heißt, in alle Richtungen ist Bewegung an der Stelle und deswegen ist es so eine Art Weichenwerk im Körper. Sehr, sehr cool, dass ausgerechnet dort auch unsere Stimme entsteht und nach außen getragen werden kann auf unterschiedliche Weise.

Miriam: So richtig weit ist, und die Erfahrung habe ich bis heute gemacht, die medizinische Forschung in dem Bereich noch nicht. Also mittlerweile wissen wir klar, die Stimmlippen, früher Stimmbänder genannt, funktionieren ein bisschen wie Gitarrensaiten. Die werden in Schwingung versetzt. Je weiter sie schwingen, desto lauter können sie werden. Je mehr Platz sie dabei haben, desto mehr Volumen gibt es, desto mehr Lautstärke kann ich erzeugen.

Miriam: Schleimhäute, das hat meine Mutter mir schon gesagt, als ich ein kleines Kind war, gehören zum am schnellsten heilenden Gewebe im Körper. Das kennst du, wenn du eine kleine Zahnfleischentzündung hattest oder wenn du beim Zahnarzt mal eine Spritze bekommen hast. Das verheilt irrsinnig schnell. Also ziemlich schnell wieder gut. Eine kleine Wunde im Mund hört irrsinnig schnell auf zu bluten. Schleimhäute haben eins an sich, sie heilen wirklich fix.

Miriam: Und das hat mich dann später, als es eben drum ging, schon deine Stimme beim Gesangsunterricht und auch beim Sprecherunterricht, hat mich das in so einen Zwiespalt gebracht. Also was ist denn jetzt wahr? Wenn das Schleimhäute sind, dann heilen sie schnell und wenn ich sie ständig schone, dann ist es für mich kontraproduktiv an der Stelle, denn ich will ja auch Dinge ausprobieren. Ich will ja auch mal über die Stränge schlagen, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich will ja mal viel zu laut sein, um zu gucken, wie funktioniert das dann? Wie klingt das? Ich möchte ganz sanft und leise sprechen, ich möchte säuseln und ich möchte auch richtig Vollgas geben, wenn ich Lust habe drauf.

Miriam: Und all das auf der Bühne dann noch, also mit richtig Rums bis in die letzte Reihe, das ist nicht wirklich Schonung. Und es ist auch nicht über Anstrengung, denn nach vielen meiner Auftritte, und die gingen bei meiner Band über vier, fünf Stunden, war meine Stimme in Ordnung. So ein bisschen warm gefeuert. So wie wenn ein Sportler richtig intensiv zwei Stunden Sport gemacht hat und danach denkt, ja, okay, ich merke, dass ich meinen Körper bewegt habe und am Ende des Tages tut es gut.

Klischees der Sprecherziehung – und die Sängerin mit dem "Fehler"

Miriam: Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist, das würden mir jetzt die Schauspielschüler unter euch, die mir zuhören, sagen, dass vor der Aufnahmeprüfung auf eine Schauspielschule die Stimme untersucht wird und die Schauspielschule auch Menschen ablehnen kann, weil es Unregelmäßigkeiten gibt. Damit sind manche Sänger übrigens sehr berühmt geworden.

Miriam: Ich möchte es nur noch an der Stelle bemerken und eine ganz konkrete Geschichte habe ich von einer jüngeren Kollegin von mir, die ich kennenlernen durfte beim Musical spielen, die eine Stimme hat wie ein Engel, glockenklar singt, alle bekommen Gänsehaut, bis in die höchsten Höhen, mit Leichtigkeit, egal welche Technik sie ausprobierte, alles klang immer wunderbar. Und dieser Frau wurde der Eintritt in die große Musicalausbildung verwehrt, weil sie angeblich dieses Problem hat, mit dem die Stimmlippen schließen nicht ganz korrekt. Nicht zu hören, wohlgemerkt. Alle, die ihr beim Singen gelauscht haben, sagten, wow, was für eine Stimme. Und der Arzt sagte, ja, die Stimmlippen schließen nicht richtig. Und das war der Grund, warum die Schauspielschule oder die Musicalschule gesagt hat, dann können wir dich nicht nehmen.

Miriam: Sie durfte nicht die Ausbildung machen, obwohl alle Menschen, die ihr zugehört haben, gesagt haben, du musst auf die große Bühne. Du darfst ganz, ganz viele Menschen mit deinem Gesang glücklich machen. Auf dem Weg scheinbar nicht, weil es diese Vorbehalte gibt. Die Stimme sei dadurch nicht belastbar genug. Oder dieser kleine Fehler könnte noch größer werden. Und wer will das beweisen? Sehr seltsam. Sie singt übrigens bis heute. Sie singt viel. Sie singt über Stunden. Sie ist absolut belastbar und es gibt kein Thema damit. Die Ausbildung hat sie bis heute nicht gemacht. Sie macht was anderes.

Miriam: Ich habe das am eigenen Leib gemerkt, dass mit dieser Belastbarkeit der Stimme bei meinen vielen Bandauftritten, das war die heftigste Belastung für meine Stimme, wenn ich so im Vergleich sehe, bei QVC spreche ich drei Stunden am Stück jeden Tag. Das heißt, meine Muskeln sind sehr gut trainiert, was Sprechen angeht. Singen im Musical bedeutet über eine Show, die zwei Stunden geht, eins, zwei oder drei Nummern, das heißt nicht ständig. Bei der Band war es vier Stunden, wir waren Dienstleister-Coverband, vier Stunden fast am Meter und zwar richtig Rock'n'Roll, das heißt Vollgas.

Miriam: Da hat es mich oft gewundert, dass ich, wenn ich dann abends aus diesen Auftritten raus bin, das eben wie ein Sportler, der viel trainiert hat, gespürt habe. Also es war eine leichte Schwellung wahrzunehmen, die Stimme klang an der einen oder anderen Stelle so ein bisschen erotischer als sonst. Und ich dachte, hoffentlich kann ich dann morgen den nächsten Auftritt machen. Da war ich jung, 23, 24. Und ich habe mir dann Sorgen gemacht und ich habe eine Nacht drüber geschlafen und habe ausgeschlafen und am nächsten Tag war die Stimme wieder vollständig da und ich konnte auch den nächsten Auftritt wieder machen.

Miriam: Ich habe auch zum Teil leicht erkältet diese Auftritte gemacht, einfach weil ich als Studentin das Geld verdienen wollte. Mit dem Gedanken im Kopf, das könnte jetzt auch bedeuten, dass ich dann morgen oder übermorgen ein wenig heiser bin, dann ist es eben so und ich wurde es nie wirklich. Ja, mit einer erkälteten Stimme war die Abnutzungserscheinung nach dem Auftritt vielleicht etwas größer, mit der dazu passenden Portion Schlaf, lustigerweise ist das auch einer der Tipps, die ich dir nachher gebe, war es dann schon wieder viel besser und die Stimme erholte sich sehr schnell, so wie ich es als Kind gelernt hatte, eben als schnell heilende Schleimhaut.

Miriam: Ich könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere Kollege vom Fach an dieser Stelle die Hand hebt und sagt, ja, so ganz so möchte ich das nicht akzeptieren. Das ist auch fein. Ich bin kein Arzt, schon gar nicht Hals, Nasen, Ohren und ich bin kein Fachmann im Bereich medizinische Betreuung von stimmlichen Dingen. Und zwar ohne ständig die Angst zu haben, da könnte ja jetzt, vielleicht kann ich ja dann morgen nicht mehr in die ganz hohen Höhen oder die ganz tiefen Tiefen. Für mich hat es was von, ich könnte ja auch jeden Tag von einem Auto überfahren werden und deswegen gehe ich dann nicht mehr auf die Straße. Für mich ist das keine Option. Dann ist es langweilig, weil dann sitze ich nur im Wohnzimmer. Für mich nichts. Für den einen oder anderen mag das was sein. Deswegen habe ich das für mich so entwickelt und es funktioniert seit über 20 Jahren sehr zuverlässig.

Die Miri-Tipps: Banane, Bibernell und die eigene Stimme lieben

Miriam: Jetzt kommen wir zu den Tipps, die ich dir bei diesem Podcast gerne geben möchte und es sind wirklich Miri-Tipps. Es sind Teile der Tipps, die ich bei meinem Workshop Vocal Coaching rausgebe an die Teilnehmer, die viel sprechen und die davon verwenden dürfen, was sie wollen. Mir ist es gleich, ob diese Tipps dir wirklich etwas nutzen oder ob du sie sinnvoll findest. Ich kann sie dir aus meiner Erfahrung heraus schenken und das tue ich jetzt.

Miriam: Das erste ist, liebe deine Stimme, so wie sie ist. Und das ist schon ein richtig großer Schritt. Denn das, was oft passiert in den ersten Augenblicken dieses Workshops ist, dass die Teilnehmer mir sagen, ich finde das nicht gut und das nicht gut und das nicht gut. Hier kieks ich zu sehr, hier finde ich mich zu hoch. Wenn ich mich auf einer Aufnahme höre, dann finde ich das genauso schlimm, wie wenn ich mich auf einem Foto sehe. Ich finde, meine Stimme quäkt. Ich finde, meine Stimme ist nicht laut genug, ist nicht leise genug, ist nicht sanft genug. Diese ganze Leier.

Miriam: Wo setze ich an, wenn ich als Sprecher arbeiten möchte? Jeder Mensch hat eine Stimme bekommen. Und diese Stimme ist in Ordnung, weil sie passt zu diesem Menschen. Und wenn du andere fragen würdest, wie findest du denn meine Stimme, bin ich mir sicher, dass in 99,9% aller Fälle alle Menschen um dich rum sagen, deine Stimme ist super, die ist schön, die passt zu dir. Liebe deine Stimme. Das ist der erste wichtige Tipp. Freu dich, dass du sie hast, dass sie klingt in eine bestimmte Richtung.

Miriam: Es gibt diese glockenhellen Silberstimmchen bei Frauen. Ich habe eine Anruferin gehabt im Fernsehkaufhaus, die habe ich mehrfach jetzt schon angerufen, vermutlich, weil ich mich auch immer so freue, wenn sie am Telefon ist. Das ist eine noch junge Kundin, die mir einfach nur sagen wollte, wie gern sie zuschaut und dass es ihr Spaß macht, dass es keine schlechten Nachrichten gibt. Und sie meldte sich und fing an zu sprechen und original habe ich eine Disney-Prinzessin nach der anderen von meinem geistigen Auge vorbeimarschieren sehen. Und ich habe keine Ahnung, wie diese Kundin aussieht. Ihre Stimme klingt so, wie die perfekte Synchronstimme für all diese wunderbaren, feenhaften, elfengleichen, herrlichen Disney-Prinzessinnen.

Miriam: Das macht dann diesen Sound von satter Männerstimme, die durch den ganzen Körper glüht. Oder die Frauen, die in so einer schönen Mittellage sehr klar, sehr laut sprechen können, die sehr angenehme Sprecherinnen sind in Seminaren oder in Workshop-Situationen. Die brauchen kein großartiges Mikrofon, die kommen auf angenehme Weise durch. Jede Stimme hat ihre wundervollen Seiten. Finde mindestens 10 Teile an deiner Stimme, von denen du sagst, das funktioniert richtig gut. Dann hast du schon den ersten Schritt gemacht, um mit deiner Stimme achtsam und wohlwollend umzugehen und das richtige Maß zu finden an Belastung, Entlastung und einfach Begeisterung am Klang.

Miriam: Wenn es dann mal so ist, dass deine Stimme dir anzeigt, ich bin jetzt ein bisschen trocken, ich bin jetzt ein bisschen heiser, ich bin jetzt ein bisschen kratzig, ich bin jetzt ein bisschen tiefer, ich bin ein bisschen höher, ich bin ein bisschen leiser, dann darfst du gerne befeuchten. Das machen Sänger, das machen Sprecher. Du darfst dir jeden Tee zubereiten mit Ingwer, mit Salbei, mit Hagebutte, wenn es dir gut tut. Kommen wir später noch zu, was sagt dir dein Körper, was er gerne hätte. Worauf du Lust hast, das ist meistens das Richtige. Kommen wir später noch drauf. Also Befeuchtung über Trinken, Tipp Nummer 2.

Miriam: Tipp Nummer 3, der ist hot, der Tipp. Es gibt einen Apotheker in ganz Deutschland. Und ich bin gespannt, welchen Ansturm der nach diesem Podcast erlebt, der Arme. Der selbst handgeerntete Bibernell-Kräuter zu Bibernell-Tropfen verarbeitet und er macht es auf eine sehr spezielle Weise. Das ist ein altes Familienrezept. Und dieses Bibernell-Kraut hat scheinbar sowieso schon positive Auswirkungen auf die Stimme. Die Tropfen, die er daraus macht, sind so hoch konzentriert, dass sie eine angegriffene Stimme sofort in einen besseren Zustand verzaubern. Ich weiß nicht, wie es funktioniert.

Miriam: Ich verrate euch diese Apotheke. Es ist die Apotheke Assenheim mit Doppelsiegfried in der Mitte. Und die gibt's nur da in dieser Art, weil der Apotheker macht sie selbst. Also, kannst dir gerne bestellen, er schickt sie dir, wenn du das Porto und die Tropfen bezahlst. Und wie gesagt, das ist eine Dorfapotheke, es wäre sehr witzig, wenn da jetzt 100 Leute anrufen gleichzeitig und sagen, ich hätte gern Bibernelltropfen, weil dann weiß der wahrscheinlich nicht so genau, wo er die im Wald ernten soll, diese Bibernellkräuter. Gut, auf jeden Fall, die sind ein sehr probates Mittel. Die habe ich auch schon oft an Kollegen weitergegeben. Die werden auf ein kleines Stückchen Zucker oder ein kleines Stückchen Brot gemacht und dann lange im Mund behalten, schließlich untergeschluckt. Diese Bibernelltropfen sind toll. Einziges Thema, es ist Alkohol drin. Sie werden mit Alkohol, mit einer alkoholischen Essenz angesetzt und zehn Tropfen reichen. Für Kinder deshalb nicht geeignet und Menschen, die gänzlich auf Alkohol verzichten wollen, auch nicht.

Miriam: Dann ist es gut, wenn du deine Stimme genauso pflegst wie dein Gesicht. Jetzt könntest du dich fragen, wie soll das denn gehen? Eine Schleimhaut ist auch eine Haut. Unsere Gesichtshaut würden wir, wenn sie mal durch starken Wind, Regen, Kälte, Sonne sehr trocken geworden ist, mit einer guten Feuchtigkeitscreme versorgen. Vielleicht mit Aloe Vera oder mit Hyaluron. Also so etwas Feuchtigkeitsspendendes. So eine Creme gibt es für die Stimmlippen noch nicht. Vielleicht würde ich Millionär, wenn ich sie erfinden und entwickeln würde. Was es gibt, ist ganz einfach. Mach dir deine Creme für die Stimmlippen selbst.

Miriam: Du nimmst eine Banane, du schälst sie bitte, das empfiehlt sich immer bei Banane, dann drückst du sie klein wie für einen Babybrei mit einer Gabel und dann mischst du, Achtung, wirklich, so vier Esslöffel Hefeweizen drunter. Du darfst gerne alkoholfreies Hefeweizen nehmen. Wichtig ist die Hefe, die da drin ist. Und für die, die Alkohol in kleinen Mengen zu sich nehmen wollen an der Stelle, ja es desinfiziert dann auch noch ein bisschen, wenn es ein akuter Zustand wäre. Den Trick habe ich von einer Opernsängerin gelernt, die mich eine Zeit lang unterrichtet hat und die an der Oper Dortmund sang damals. Eine ganz zierliche Frau, auch da sind wir wieder bei Klischees, eine irre zierliche Frau und singt die Walküren von Wagner, also die Walküre, ganz heftig. Was aus diesem kleinen, zarten Körper einer Ballerina an Stimme rauskam, unglaublich. Und die sagte mir, wenn es mal ein bisschen kratzt, wenn es mal ein bisschen schubbert, eine Banane zerdrücken, vier Esslöffel Hefe, Weizen vermischen und dann schön lutschen. Das ist Creme für die Stimmbänder, Heilcreme, hilft auch direkt.

Vertrauen, Schlaf und die innere Stimme

Miriam: Der nächste Tipp ist Vertrauen. Klingt jetzt ein bisschen pathetisch, ist es auch. Vertrau in dich und deinen Körper. Du spürst, wann es zu viel ist. Du spürst, wenn noch was geht. Und du darfst den Organen und auch den Heilvorgängen in deinem Körper vertrauen. Du hast vielleicht schon öfter beobachtet, dass deine Haut bei einer kleinen Verletzung, bei einer Schnittwunde, bei einem Mückenstich, vielleicht auch mal eine größere Verletzung, ziemlich schnell heilt. Die Blutung hört nach 10 Minuten spätestens auf. Dann ist da eine Kruste. Unter der Kruste wächst sehr schnell eine neue Haut nach. In normalen Fällen. Also ich spreche jetzt immer von der normalen Situation. Und dann fällt die Kruste ab und schon nach einigen Wochen ist nicht mal mehr zu sehen, dass da jemals eine Verletzung war. Das funktioniert auch in deinem Körper. Das heißt, wenn eine Abnutzung da gewesen wäre, würde sie sehr schnell von alleine gehen, weil dein Körper weiß, was zu tun ist.

Miriam: Du unterstützt das Ganze, nächster Tipp, mit erholsamem, tiefem, ausreichendem Schlaf. Bei Auftritten, bei denen ich nur drei, vier Stunden schlafen konnte zwischen einzelnen Etappen, habe ich persönlich festgestellt, dass es länger dauert, bis ich regeneriert bin, auch mit meiner Stimme. Wenn ich acht, neun, zehn Stunden wirklich entspannten Schlaf hatte dazwischen, war die Hälfte der Miete schon wieder drin, mindestens, meistens mehr. Sorge für Erholung, Entspannung, Schlaf, damit dein Körper regenerieren kann.

Miriam: In der Nacht, das wissen wir, betreibt unser Körper sowas wie eine olympische Disziplin. Während unser Gehirn sich verabschiedet und sich eine Vollpause gönnt, geht unser Körper auf Leistungssport. Er regeneriert alle Zellen einmal durch, er entgiftet. All das, was er über den Tag angesammelt hat an Dingen und Informationen, die er nicht braucht, scheidet er aus. Über Schweiß, über den Atem. Also wir verdunsten regelrecht die Dinge, die wir nicht gebrauchen können. Tolle Maßnahme. Bei Erkältungskrankheiten merkst du, da ist es mehr, weil es gibt mehr zu tun, mehr schwitzen. Das macht der Körper mit allen Organen, mit allen Stellen.

Miriam: Es gibt nur einen einzigen Menschen auf der Welt, der wirklich weiß, was gut für dich ist und was dir gerade hilft. Hör auf den. Und vielleicht hast du jetzt schon im Kopf, wer das wahrscheinlich ist. Genau. Wenn wir Menschen auf unseren Körper hören und auf die Signale, die der Körper senden möchte, dann ist meistens auch die Bedürfnislage schon klar.

Miriam: Das ist die klassische Frage bei Sängerinnen, Sängern, Sprechern, die glauben, dass mit ihrer Stimme etwas nicht in Ordnung ist. Eis oder Suppe? Also darf es eher was Kühlendes sein oder darf es eher was Heißes sein, was Wärmendes? Und an der Stelle ist es wichtig, auf den Körper zu hören. Eine grundsätzliche Regelung, dass bei Halsschmerzen ein Eis hilft, halte ich für Banane, nicht Eis. Also für völlig Gaga. Denn jeder Mensch, jeder Organismus kann anzeigen, was jetzt gerade besser wäre. Und wenn du Lust hast, darauf Eiswürfel zu lutschen, dann ist ein Eis vermutlich eine gute Idee, weil dann würde das am besten helfen. Und wenn dein ganzer innerer Kerl schreit, gib mir eine Suppe, dann gib Suppe, dann gib was Warmes, weil vermutlich hilft das dann gerade auch richtig.

Miriam: Dafür dürfen viele Menschen auch wieder lernen, auf diese innere Stimme zu hören, diese, ich nenne es immer ganz gerne, Lust auf Sauerkraut, wieder wahrzunehmen. Frauen erleben das oft sehr intensiv in den ersten Wochen, Monaten der Schwangerschaft, denn da ist der Körper sehr abgekoppelt durch die Hormonlage. Das ist super. Da ist so ein Cocktail-Hormon im Blut, dass für das Gehirn die Ratio erstmal nicht wichtig ist. Wenn eine schwangere Frau in den ersten Wochen der Schwangerschaft Bock hat auf Sauerkraut, dann wird sie nachts zur Tankstelle fahren, um sich eine Dose zu besorgen und es zu essen und es gibt auch kein Halten mehr. Es gibt auch keinen Zweifel, dass Sauerkraut zum Frühstück total cool ist. Diese Stimme in unserem Körper haben wir immer, auch ohne die extreme Hormonlage von Schwangerschaft. Wir dürfen nur lernen, wieder zuzuhören.

Miriam: Das heißt, achte auf das Signal, was kommt. Was tut dir jetzt gut, bevor du auf die Bühne, in den Meetingraum, in den Seminarraum, in den Vortrag, zu deinen Schülern, Studenten, Patienten gehst? Wenn es mit der Stimme was zu tun hat, schickt dir dein Körper vermutlich auch eine Idee, was du jetzt machen könntest, um das Ganze wieder zu verbessern. Und auch ganz klar, wenn du dann hörst, leg dich hin und halt die Klappe, das könnte deine innere Stimme zu dir sagen, dann ist es an der Zeit, das zu tun. Den Fall gab es in meinem Leben nicht oft und es gab ihn und ich habe es dann auch gemacht. Es nutzt niemandem etwas, wenn du in einem Zustand, der nicht bühnenreif ist, in Anführungszeichen, auf die Bühne gehst.

Miriam: Also hör auf diese innere Stimme, du bist der Mensch, der am besten weiß, was gut für dich ist und es hat auch was damit zu tun, dass du sanft zu dir bist, dass du liebevoll zu dir bist. Liebe deine Stimme, liebe dich selbst, streichelst gerne mal deine Schulter und sagst, alles gut, ich höre auf mich, ich weiß, was gut für mich ist und genau das tue ich jetzt auch.

Wenn die Stimme ganz weg ist – kommt sie wieder

Miriam: Das ist so ein Einschätzungsding. Ist es jetzt sinnvoll, mit dieser Stimme auf die Bühne zu gehen oder ist die Grenze da? Und das Signal kommt ganz oft von innen. Manche Menschen hören zu spät drauf. Und es ist trainierbar, es ist lernbar. Das heißt auch nicht, dass ich mich wegen jedem Zipperlein oder wegen jedem kleinen Krächzen sofort ins Bett lege, sondern wie gesagt, die Stimme ist belastbar, da geht auch eine ganze Menge und es gibt diese natürliche Schwelle, die ich dir empfehle wahrzunehmen.

Miriam: Wenn die Stimme weg ist, das hat mir auch meine Opernsängerin aus Dortmund gesagt, weil ich gesagt habe, was mache ich denn, wenn die Stimme ganz weg ist? Und dann sagt sie, erstens würdest du es nicht planen wollen und zweitens, wenn es so wäre, dann kommt sie irgendwann wieder. Das war ihre ganz einfache Geschichte. Und ich glaube, da an der Stelle dürfen wir, gerade wir Sprechkünstler, uns entspannen.

Miriam: Und was ich sofort gemacht habe, war mich irrsinnig aufregen. Was tue ich jetzt? Was mache ich jetzt? Wie lange bleibt es jetzt? Wann kann ich wieder? Hier ist dieses Seminar, hier ist der Workshop, hier ist die Sprecherziehung, hier ist mein Sender, hier ist die Aufnahme im Studio, hier planen wir dies, hier planen wir das. Nein. Wenn die Stimme weg ist, Bindestrich, kommt sie wieder. Das hat meine Gesangslehrerin gesagt, die in Dortmund an der Oper professionelle Opernsängerin war. Und sie hat recht. In meinem Leben kann ich an meinen beiden Händen abzählen, wann die Stimme wirklich mal tutu completi weg war. Und sie ist jedes Mal wiedergekommen. Sehr zuverlässig.

Miriam: Übrigens hat sich in den Situationen sehr viel Witziges entwickelt. Sobald ich mich entspannt hatte und gesagt habe, gut, dann bleibe ich mit meinem vergoldeten Hintern zu Hause, lege mich ins Bett und kuriere meine Stimme aus. Zum Beispiel habe ich mit meinen Familienmitgliedern eine sehr spannende eigene Kreation von Zeichensprache entwickelt. Sehr, sehr witzig. Oder wir haben uns, obwohl wir im gleichen Zimmer saßen, per WhatsApp unterhalten übers Handy. Auch sehr cool. Es ist einfach, sobald ich anfange etwas mit Humor zu nehmen, kommt die Entspannung quasi auf den Fuß und wenn die Entspannung da ist, dann hat mein Körper deutlich bessere Karten, schneller zu heilen und schneller wieder da zu sein, wo er ist.

Miriam: Es gibt ja auch diese Ansätze zu fragen, warum bleibt einem Menschen die Stimme weg. Es gibt Louise Hay mit ihrem Buch Heile Deinen Körper, da geht es dann um Glaubenssätze. Es gibt noch andere Werke, eine Freundin von mir ist Osteopathin, begnadete Osteopathin, die hat ein Buch, da geht es dann mehr um Bewegungsabläufe, also Bewegung in bestimmte Richtungen und sind diese Richtungen richtig, gibt es für alle Organe, dann also auch sehr spannend. Kann helfen, kannst du probieren, kannst dich auch fragen, gibt es irgendetwas, was ich nicht aussprechen möchte, wo ich im Moment ein Thema habe mit, ich will da nicht mehr drüber reden, war das ein Satz, den ich gedacht habe vor drei, vier, fünf oder 14 Tagen, kann sein, muss nicht.

Miriam: Ich möchte gar nicht so weit gehen, dass Menschen sich eine Heiserkeit oder eine Erkältung selbst bauen. Die meisten wollen sowas ja nicht haben. Und wenn es passiert, am besten, wirklich der beste, beste Trick überhaupt, so witzig wie möglich damit umgehen. Das hilft dem Körper, dem Geist, der Seele zu entspannen. Und die drei Kerle brauchen wir, um zu heilen.

Miriam: Wenn du noch Fragen hast zum Vocal Coaching, wenn du noch Fragen hast zu unserer Art mit Stimme und Sprache umzugehen, bitte schreib uns über www.kontext-denken.de. Da gibt es dann info at kontext-denken.de oder miriam at kontext-denken.de. Geht alles, kommt alles bei mir an und ich beantworte diese Mails selbstverständlich persönlich.

Miriam: Vielen Dank fürs Zuhören, vielen Dank fürs Dabeisein, vielen Dank fürs Weiterempfehlen und vielen Dank für deine Bewertung bei iTunes. Viele haben das gemacht oder versucht und es klappte irgendwie nicht. Ich bin noch nicht so richtig weit. Also ich freue mich über jede Bewertung des Podcasts. Er ist kostenlos, er soll es bleiben und deswegen gibt es den auch in einer Woche wieder, dann mit einem neuen Thema. Ich wünsche dir wohltönende, stimmliche Kapriolen in dieser Woche. Viel Freude beim Erneuentdecken und Lieben deiner Stimme. Zehn Dinge, die dir an deiner Stimme gefallen, weißt schon. Und ja, tschüss.

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