NLP mit Miriam Deforth und Florian Groß Folge 149

Die NLP Grundannahmen: Die Landkarte ist nicht das Gebiet

... das Gehirn ist da eigen.

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In dieser Folge

Darum geht es

Ist Dir auch schon mal aufgefallen, dass es mit manchen Menschen in Deinem Umfeld irgendwie kein „Einigungspotential“ gibt? An den immer gleichen Themen scheitert jeder Versuch der Überzeugung zu einer besseren oder schnelleren Lösung? Im NLP führen wir dieses Phänomen unter anderem auf die Vorannahme zurück, dass jeder Mensch eine Art „Landkarte“ in seinem Kopf kreiert. Sie entsteht aus Erfahrungen, die dieser Mensch in seinem Leben gemacht hat, aus Werten oder auch aus Glaubenssätzen. Aus den Details dieser Landkarte heraus trifft ein Mensch Entscheidungen, erklärt sich die Welt und bildet sich „seine Meinung“ zu etwas.

Diese Landkarte lässt sich gut und gerne mit einer „echten Landkarte“ vergleichen. Denn eine Wanderkarte enthält andere Informationen über ein Gebiet, als eine Autobahnkarte oder eine Wetterkarte. Keine einzige Landkarte der Welt stiftet Informationen über zum Beispiel die gerade aktuell fallende Regenmenge in einem bestimmten Landstrich. Karten sind also nie „perfekt“ und immer auf die Bedürfnislage des Reisenden ausgerichtet.

Was tun wir denn nun mit dieser Erkenntnis, die ja auf's Wesentliche reduziert nix anderes heißt als: Jeder Jeck ist anders. Wir verraten es Dir in diesem Podcast… und vielleicht gibt's bei der nächsten unvereinbaren Meinungsverschiedenheit ja plötzlich ein neues Verhalten von Dir, mit dem Du Dein Gegenüber positiv überraschst.

Miriam und Florian erzählen von einer nächtlichen Stromausfall im Rheinland — sie will sofort etwas tun, er zündet ein Kerzchen an und findet es romantisch. Genau daran zeigt sich, wie zwei Landkarten dieselbe Situation völlig anders lesen. Dazu Miriams Geschichte vom geheimen Weg zum Kindergarten hinter der Müllverbrennung und wie eine NLP-Ausbildung dir neue Symbole aufs innere Kartenblatt zeichnet — vom Atemrhythmus über Körpersprache bis zu Nominalisierungen wie „Erfolg“ und „Kommunikation“. Wenn du nach NLP-Grundannahmen, der Metapher „die Landkarte ist nicht das Gebiet“, Wahrnehmung, Glaubenssätzen und dem Umgang mit unterschiedlichen Meinungen suchst, bist du hier richtig.

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Kapitel dieser Folge
  1. Stromausfall im Rheinland — und der Kühlschrank
  2. Von Papierkarten, Wander-Apps und Höhenlinien
  3. Die Landkarte im Kopf: Was wir wahrnehmen und was nicht
  4. Zwei Landkarten in einer Nacht
  5. Der geheime Weg zum Kindergarten
  6. Wahrnehmen lernen: neue Symbole auf der Landkarte
  7. Meinung heißt Meinung — und jede Landkarte hat ihren Kontext
  8. Termine: Infoabend und Master

Es ist mitten in der Nacht, der Strom ist im ganzen Rheinland weg — und während Florian sich entspannt ein Kerzchen anzündet, greift Miriam zum Telefon, um irgendetwas zu tun. Genau an so einem Moment lässt sich zeigen, was mit "die Landkarte ist nicht das Gebiet" gemeint ist: Zwei Menschen erleben dieselbe Situation und ziehen völlig verschiedene Schlüsse. Warum das kein Streitfall sein muss, sondern eine der spannendsten NLP-Grundannahmen, hörst du hier.

Stromausfall im Rheinland — und der Kühlschrank

Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Boah, alles zappenduster.

Florian: Ja, das war gestern lustig.

Miriam: Es war die Nacht, in der Menschen wirr auf Straßen herumrannten, gegen Laternenpfähle liefen. Es war eine Nacht voller Überraschungen. Und in zehn Monaten wird es viele neue Kinder im Rheinland geben. Kleine Babys. Es gab im Rheinland gestern viele Stromausfälle.

Florian: Ja, vor allem über längere Zeit. Das war was, was ich dachte, dass es in Deutschland nicht gibt. Das habe ich bisher immer nur über Amerika gelesen. Da war meine Landkarte von Deutschland echt blank. Ich dachte, sowas passiert bei uns nicht.

Miriam: Ja, es war auch überraschend, weil dadurch, dass mein Handy nicht sofort ausgegangen ist, habe ich zuerst viel zu spät gemerkt, dass ansonsten alles aus war. Ja, ihr seht, wir hatten gestern alle hier im Rheinland viel, also die vielen Menschen im Rheinland hatten gestern Spaß. Ja. Vielleicht, vielleicht auch nicht so. Das kommt drauf an. Ich hatte auch kurzfristig mal nicht Spaß. Ja. Als ich gemerkt habe, dass auch unser Kühlschrank von elektrischem Strom betroffen ist. Ansonsten war es relativ romantisch. An der Stelle hat mein Gehirn ganz kurz gezuckt.

Florian: Das ist toll, ne? Es gibt so... Weil wenn ich dich gefragt hätte, Miriam, sag mal, der Kühlschrank, braucht der Elektrizität, hättest du wahrscheinlich gesagt, klar.

Miriam: Ja, natürlich.

Florian: Nur in dem Moment eines Stromausfalls so, ja ne, der Kühlschrank kühlt doch weiter, oder?

Miriam: Auch das habe ich nicht gedacht. Ich habe erst angefangen darüber nachzudenken, dass unser Kühlschrank betroffen ist, als ich mir da eine kalte Limonade rausholen wollte. Und dann traf es mich. Ja, der Schrei von oben, lasst den Kühlschrank zu, solange wir keinen Strom haben. Ja, was ist das Thema heute? Dummköpfigkeit.

Florian: Wir sind weiter bei den NLP-Grundannahmen. Also jenen Gedanken oder Arten und Weisen über die Welt nachzudenken, die wir nicht näher begründen, die wir nicht rechtfertigen können, sondern die wir als gegeben annehmen, weil sie sinnvoll sind. Und die heutige Grundannahme heißt...

Miriam: Die Landkarte ist nicht das Gebiet. Florian lacht schon wieder. Und jetzt würden einige da draußen sagen, what? Was meinen Sie denn damit? Landkarte, Gebiet, natürlich. Hier gibt es ein Gebiet, darüber gibt es eine Landkarte, mit der Landkarte kann ich navigieren.

Von Papierkarten, Wander-Apps und Höhenlinien

Miriam: Wir hatten früher noch analoge Landkarten. Ich habe noch neben Menschen gesessen, die gefahren sind und habe Papierlandkarten gelesen. Manchmal sehr komplex zusammengefaltet. Ja?

Florian: Ja.

Miriam: Die waren nicht wieder zusammenfaltbar. Ich habe keine einzige ADAC-Landkarte gefunden, die wieder zusammenfaltbar war. Die sind nur entfaltbar. Die sind nur entfaltbar gewesen. Es gab ein Patent auf gefaltete Landkarten.

Florian: Ja, wie auf die Faltungstechnik. Und solange du das Patent nicht bezahlt hast, konntest du die nicht zusammenfalten.

Miriam: Ja, so war das. Und es waren oft Autobahnstraßenkarten, die ich da gelesen habe. Das war mein Navi heute.

Florian: Ich war vor kurzem mit meinem Vater in Österreich wandern und ich habe schon lange keine Wanderkarte mehr in der Hand gehabt. Und im Hotel gab es nur so grobe Übersichten. Und eine Variante wäre ja gewesen, nach den Symbolen, die dann irgendwo an Steinen und Bäumen festgemacht sind, zu wandern. Oder was wir gemacht haben ist, wir haben eine App genommen. There is an App for that. Und eine der Herausforderungen, die wir zwischendurch hatten, war, in dieser Wander-App, die ich habe, sind auch kleine Pfade eingezeichnet in bestimmten Gegenden. Nur nicht alle. Wir sind zweimal an so kleinen Wanderpfaden vorbeigekommen, wo wir uns gefragt haben, ob die in unsere Richtung führen, weil die völlig verlockend aussahen. Also das war dann wirklich nur so ein schmaler Pfad durchs Gelände. Nur auf der Wander-App hatte ich den nicht drauf. Deswegen, wer weiß, wo er hinführt. Ob er in 50 Metern nach links oder rechts steil abbiegt. Das ist uns nämlich auch passiert.

Miriam: Jep. Ja, es gibt sehr unterschiedliche Karten. Auch Kartensysteme oder überhaupt Arten, Karten anzulegen.

Florian: Zum Beispiel Höhenlinien waren eingezeichnet in der App.

Miriam: Ah, siehste. Das heißt, ihr wusstet, wie hoch ihr gerade wart oder auch wie hoch ihr noch dürft oder wandern werdet.

Florian: Wie viele Höhenmeter wir machen über den Tag hinweg, wenn wir einer bestimmten Route folgen.

Miriam: Ja, gar nicht meins. Nee?

Florian: Nee, hört sich schon anstrengend an. Nein.

Miriam: Da verzichte ich im Vorfeld. Wenn mir eine App schon sagen würde, jetzt noch 400 Höhenmeter, dann würde ich sagen, gut, das machst du alleine, liebe App. Ich setze mich in die Hütte.

Florian: So schön kann es da oben gar nicht sein. Das ist ja auch was, was auf der Wanderkarte nicht zu sehen ist. Wie schön die Aussichtspunkte sind oder wie die Strecke unterwegs ist. Oftmals ist ja noch eingezeichnet hier Straße, Feldweg. Aussichtspunkte sind vermerkt auf Wanderkarten. Nur ob die hübsch sind oder nicht, das ist ja eher sowas Lokales.

Miriam: Ja, das stimmt. So, was hat das denn jetzt mit NLP zu tun? Da draußen würden jetzt alle sagen, ja, gern, okay, wir haben auch noch so einen alten deutschen Straßenatlas drin. Die lagen im Handschuhfach früher. Bücher mit irgendwie 800 Seiten.

Florian: Kartenmaterial. Ich habe sowas von den USA auch noch als große Karte.

Miriam: Ja, krass. Ja, was hat das denn jetzt bitte mit NLP zu tun?

Die Landkarte im Kopf: Was wir wahrnehmen und was nicht

Florian: Wir verwenden diese Metapher im NLP dafür, um was darüber auszudrücken, dass jeder von uns auch eine Landkarte von der Welt im Kopf hat. Da draußen sind ja so viele Informationen, also wie viele Menschen es gibt und wie die atmen und wie die durchblutet sind und welchen Puls die haben.

Miriam: Oder wie die Temperatur im Raum ist und wie die sich vielleicht leicht verändert über den Tag.

Florian: Wie die Kleidung auf deiner Haut ist.

Miriam: Wie dein eigener Herzschlag ist gerade oder dein Puls oder wie schnell du atmest.

Florian: Und manche von diesen Informationen nimmst du bewusst wahr in jedem Moment und manche Informationen sind zwar da draußen und werden unterbewusst wahrgenommen, nur dringen gar nicht ins Bewusstsein vor. Und die Metapher sagt jetzt, naja, dass mindestens das, was wir bewusst wahrnehmen, das ist eben das, was auf dieser Landkarte eingezeichnet ist. Und wenn du zum Beispiel eine Coaching-Ausbildung im NLP-Bereich mal gemacht hast, dann wirst du plötzlich darauf achten, welche Worte verwenden deine Gegenüber, weil wir dem bewusst eine Bedeutung geben und sagen, das ist wichtig für uns, um in die Landkarte von jemand anders einzusteigen, um in das, wie versteht jemand anders die Welt, um da einzusteigen. Das heißt, wir haben sowas wie Höhenlinien für Wörter auf einer NLP-Coaching-Landkarte. Und das ist ja das, was wir dann in einem NLP-Coach auch üben. Dass du anfängst, neue Dinge über die Welt wahrzunehmen.

Miriam: Ganz einfach gesprochen. Wir haben so viele Folgen jetzt gemacht über NLP-Begriffe. Wenn du dir zum Beispiel unsere Folgen über das Meta-Modell der Sprache angehört hast, dann gab es für viele da draußen, viele unserer Hörer, zum allerersten Mal den Begriff Meta-Modell der Sprache. Weil in der Schule wird der nicht gelehrt. So, das heißt, du hast zum ersten Mal davon erfahren und plötzlich gibt es ein neues Zeichen auf deiner Landkarte. Du könntest, wenn du diese Folgen wirklich durchdringst und vielleicht noch und nochmal hörst und es verstehst und anwendest da draußen, neue Erfahrungen generieren und auf neue Dinge achten. Viele Sachen fallen dir plötzlich auf, die dir vorher gar nicht aufgefallen sind.

Florian: Weil plötzlich gibt es da einen Weg auf der Landkarte, der vorher nicht da war. Also auf der inneren Landkarte in dir von wie funktioniert die Welt. Plötzlich hörst du irgendwas, zum Beispiel auch eine Nominalisierung, also so ein Hauptwort, sowas wie in unserem Unternehmen möchten wir Erfolg haben durch Kommunikation mit unseren Kunden. Oh wow, Kommunikation, Erfolg, das sind ja Dinge, die wir nicht im Supermarkt kaufen können, sondern Dinge, für die wir irgendwas tun. Und wenn du das mal verstanden hast, gibt es eben besondere Zeichen auf der Landkarte in dir für solche Worte. Und dann können wir anfangen, damit zu arbeiten.

Miriam: Oder einfacher gesprochen, wenn wir eben auf unserer Landkarte keine Lösung für ein bestimmtes Problem sehen oder nur irgendein bestimmtes, dann ist es manchmal überraschend, dass auf Landkarten anderer Menschen noch ganz viele andere Möglichkeiten und Lösungen existieren würden, wenn wir mit denen sprechen.

Zwei Landkarten in einer Nacht

Miriam: So gestern, als dieser Stromausfall war. Und meine Idee war, Florian und ich, wir dürfen jetzt was tun. Die können uns ja nicht einfach hier im Dunkeln sitzen lassen. Florian lag völlig entspannt im Bett, hatte sich ein Kerzchen angezündet und fand es romantisch. Und ich war in diesem, wir tun jetzt etwas. Und ja, was hätte ich tun können? Also draußen gab es kein Laufrad, in dem ich einen Generator hätte antreiben können.

Florian: Und ich bin mir sicher, Miri hätte zu denen gehört, die da drin rumzappeln. Ich muss dafür sorgen, dass hier alle Strom haben.

Miriam: Alle, genau. Und dann habe ich eben bei unserem Netzbetreiber angerufen. Und ich war offensichtlich nicht die Erste.

Florian: Er war sehr nett zu dir.

Miriam: Der war super nett.

Florian: Der war wirklich sehr nett.

Miriam: Der hat mir sehr nett zu verstehen gegeben, dass ich überhaupt gar nichts machen kann und er auch nicht. Ja. Jetzt konkret.

Florian: Und ich habe mich wirklich die ganze Zeit gefragt, was das bedeutet. Weil in meinem Verständnis von, was ist da gestern passiert, gibt es eben einen Weg, den wir gehen können durch nicht gehen. Also wir brauchten nichts tun. Um von kein Strom wieder zu Strom zu kommen, wenn hier so eine ganze Stadt oder ein ganzer Landesteil ausgefallen ist, offensichtlich wissen die relevanten Menschen schon Bescheid, dass das passiert ist. Und dann ist dann für mich nichts zu tun, sondern es ist einfach ein Warten und Genießen. Und für Miriam gab es irgendwas zu tun, also da gab es sozusagen einen anderen Weg, der darüber geführt hat, dass wir irgendwie, also es hat sich nach Umweg angefühlt für mich.

Miriam: In früheren Beziehungen hätte es auch, das wäre eine dieser Stellen gewesen, wo Potenzial für Beef... und so weiter. Nimm dir irgendwie ein Wasser und warte, bis das vorbei ist oder schlaf einfach, weil es war ja schon irgendwie mitten in der Nacht. Und ich hätte weiter diskutieren können und meine Landkarte verteidigen können von, ich will was tun, um die Welt zu retten. Und Landkarten sind eben, das ist nur ein Mini-Beispiel von so unterschiedlich funktionieren Landkarten. Landkarten, die Menschen im Kopf haben, wie sie die Welt sehen, sind ja entstanden durch alle möglichen Erfahrungen, die sie gemacht haben, die Art und Weise, wie sie Dinge verstehen oder bewerten. Und deswegen gibt es so unterschiedliche Erfahrungen, zum Beispiel nach einer Familienparty, wo irgendwie drei Leute davon erzählen und alle erzählen eine völlig andere Geschichte.

Florian: Und ich habe es vielleicht nie auf meiner Landkarte markiert, wie sie atmen, weil es für mich keine Relevanz hatte. Dann kommt eine NLP-Ausbildung dazu und ich denke mir plötzlich, oh, über den Atem kannst du ja herausfinden, wie gestresst ist jemand, was passiert gerade, wie entspannt ist jemand, wenn der Atemrhythmus sich verändert. Das sind ja Marker, wo ich sagen kann, was ist denn hier gerade passiert, wo ich dann überlegen kann, was könnte eine Hypothese sein, was könnte gerade passiert sein, dass sich der Atemrhythmus von meinem Gegenüber verändert.

Miriam: Also ist ja die gute Nachricht, dass die Landkarte sich erweitern lässt.

Florian: Das stimmt.

Miriam: Wir sind sozusagen stete Kartografen an unserer Landkarte im Gehirn.

Florian: Vielleicht, um diese Metapher noch auszubauen, ist es ja tatsächlich so, dass wir auch verschiedene Landkarten haben, um in verschiedenen Situationen einfach die passende rauszuholen. Wenn wir von hier aus mit dem Auto nach Italien fahren, ist es vielleicht auch sinnvoll, die Autobahn eingezeichnet zu haben. Wenn ich mich hier, da wo wir wohnen, um uns herum bewege und mit den Kids zusammen ein tolles Abenteuer erleben möchte, dann brauche ich eher die ganz kleinen Wege. Und das ist ja genau das. Also es ist eine tolle Fähigkeit unseres Kopfes und unseres Geistes auch zu sagen, bestimmte Sachen aus der Welt lasse ich einfach auch weg. Also dass wir bestimmte Informationen nicht die ganze Zeit im Bewusstsein haben brauchen. Und manchmal ist es sinnvoll, die im Bewusstsein zu haben. Und dann ist eben, was immer da sein darf und das ist eben diese Grundannahme ist, dass wir nicht ein volles Abbild der Realität in unserem Kopf haben. Also dass nicht alle Informationen in unserem Kopf sind von dem, was da draußen gerade passiert.

Miriam: Deswegen kommt es ja auch zu schönen Überraschungen an der einen oder anderen Stelle.

Florian: Ja, Menschen, die ihrem GPS-System nachgefahren, in einen See gefahren sind, weil die Straße nicht da war oder nicht mehr da war.

Miriam: Das ist keine schöne Überraschung, außer es ist sehr warm an dem Tag. Ich rede von schönen Überraschungen, Florian.

Florian: Das ist bestimmt.

Miriam: Also, hallo?

Florian: Ja, okay. Was ist denn eine schöne Überraschung, Miriam?

Der geheime Weg zum Kindergarten

Miriam: Eine schöne Überraschung ist ja zum Beispiel festzustellen, dass es zwischen zwei Stellen, die ich von der einen zur anderen möchte, einen kleinen Weg gibt, den ich vorher noch nicht wusste, den ich vorher noch nicht kannte. Ich habe eine sehr, sehr coole Geschichte erlebt damals, als unser ältester Sohn noch zum Kindergarten ging und ich jeden Morgen, also der Kindergarten in Düsseldorf, dort, wo ich auch gearbeitet habe, und es war sehr praktisch für mich, den Kindergarten in Düsseldorf zu haben, weil ich eben von der Arbeit relativ schnell dort und wieder weg war. Und von zu Hause aus war das eine relativ üppige Strecke über die Autobahn. Das heißt, wir sind jeden Morgen in der Rushhour über die Autobahn dahin gestanden, weil die 57 eben stets Stau hat morgens und damals noch verstärkt, weil Riesenbaustelle. Und Kindergartenzeit ist ungefähr drei Jahre lang und gegen Ende der Kindergartenzeit, so nach zwei Jahren, habe ich gemerkt, dass ich morgens ab und zu schlechte Gefühle entwickelt habe, wieder mit diesem kleinen Kind irgendwie eine Dreiviertelstunde zum Kindergarten zu brauchen, obwohl das ohne Stau eine Strecke von etwa zwölf Minuten gewesen wäre. Und ich habe immer mehr Frust darüber entwickelt, dass das so ist und irgendwann morgens war ich im Kindergarten und neben mir war eine andere Mutter und ich fragte zum ersten Mal, ich habe das immer nur mit mir selber ausgetragen, dieses Thema, und ich fragte nach zweieinhalb Jahren Kindergarten zum ersten Mal eine andere Person, ob sie vielleicht eine Idee hat, wie ich damals von einem kleinen Dorf im Rheinland nach Düsseldorf reinkomme und sie sagte, nö. Wir sind selbst erst vor drei Jahren hierher gezogen, ich kenne auch nur diese Autobahn, alles andere macht ja keinen Sinn. Und dann sagt sie, aber, und es ist ein großes aber, du kannst ja mal Frau Brandt in der Küche fragen, das war die Köchin im Kindergarten, weil die ist hier geboren und aufgewachsen, die kennt sich aus. Ich also ganz wacker in die Küche und dort grinst mich die immer fröhliche Frau Brandt an und ich sage, Frau Brandt, würdest du mir bitte helfen? Weil ich fahre jeden Morgen über die 57 durch diesen elendigen Stau und brauche wahnsinnig lange und sie guckt mich groß an und sagt, ja bist du denn verrückt? Und ich sage, ja, mein Navi, alle Nachbarn, die da wohnen, wo ich wohne, die sagen alle, es gibt nur diese Strecke. Und sie sagt, nein, nein, nein, schau, wo fährst du denn auf die Autobahn? Dann habe ich ihr die Auffahrt gesagt, dann sagte sie, schau, da biegst du ja normalerweise rechts ab zur Autobahn, da fährst du mal geradeaus. Und ich sage, da geht es zur Müllverbrennung. Und sie, ja, auch. Weil nach der Müllverbrennung geht es weiter geradeaus, das ist nur nicht ausgeschildert, das ist eine offizielle Straße, da darfst du mit deinem Pkw fahren. Und ich, aha. Und dann fährst du diese Straße, die ist nicht groß, das ist eine kleine Straße, die fährst du, bis du zur Neusser Südumgehung kommst. Dann fährst du auf die Neusser Südumgehung und dann bist du drei Minuten später hier in dieser Straße, wo der Kindergarten ist. Am nächsten Morgen bin ich, und es war für mich mutig, weil alle meine Navigationsgeräte im Auto und auf dem Handy haben gesagt, dreh um, dreh um, dreh um, dreh um und ich bin weiter diese kleine Straße gefahren. Tatsächlich ging es nach der Müllverbrennungsanlage weiter. Und ich war original in 13 Minuten im Kindergarten. Das war kurz bevor das Kind eher eingeschult wurde. Wir hatten noch sechs Wochen Spaß, weil die Straße sogar teils parallel zu dieser Autobahn lief, wo ich die anderen stehen sah. Und ich bin einfach nur gefahren, Mutterseelen alleine auf dieser Straße. Ich habe sogar Geschwindigkeitsüberschreitungen gemacht, weil ich dachte, jetzt mal Spaß hier.

Florian: Ist das schon verjährt?

Miriam: Das hat mich auch keiner erwischt. Es war super cool und meine Landkarte gab das nicht her. Auf meiner Landkarte war eingezeichnet, es gibt nur diesen vernünftigen Weg zum Kindergarten. Und ich bin dieser Anweisung meiner eigenen Landkarte ewig und drei Tage gefolgt. Natürlich könnten jetzt einige Schlaubis da draußen sagen, das hätte sie ja schon mal früher machen können.

Florian: Und was eben auch auf dieser Landkarte, also das ist ja eine sehr, bei dem Beispiel ist der Bezug zur Landkarte sehr eng, nur was auf der Landkarte von Miriam über Beziehungen zwischen Menschen auch nicht drauf war, ist, dass es überhaupt helfen würde, jemand anders an der Stelle zu fragen. Das ist ja auch eine Dimension in dieser Landkarte drin. Bringt mir das was, wenn ich eine andere Person frage? Also komme ich dann auf eine neue ...

Miriam: Oder ich habe schon zehn Leute gefragt, die dort wohnen.

Florian: Und das reicht dann sozusagen, also dann gibt es keine neuen zusätzlichen Informationen, ne?

Miriam: Genau.

Wahrnehmen lernen: neue Symbole auf der Landkarte

Florian: Und das ist eben eine Art und Weise, die Landkarte zu erweitern. Wir hatten vor kurzem ein Beispiel im Practitioner, das wirklich mein Lieblingsbeispiel ist. Ich erzähle das regelmäßig jetzt, weil einer der Teilnehmer am letzten Tag des ersten Blockes reinkam und auf einer Geburtstagsfeier am Abend vorher war. Und wie gesagt, wenn ich ihn vorher gefragt hätte, hätte er gesagt, klar atmen die. Nur das, was spannend war, ist das mal bewusst wahrzunehmen und dann eben damit auch Dinge erkennen zu können. Also wo regt sich jemand auf, wo entspannt sich jemand? Das wahrnehmen zu können. Und vorher gab es das als Information nicht auf dieser Landkarte. Es gab keinen auf der inneren Landkarte von was passiert da draußen in der Welt, wie funktioniert das alles, wie hängt das zusammen, welche Wege gibt es, da gab es kein Symbol für jemand atmet schnell oder jemand atmet langsam.

Miriam: Oder du ertappst dich nach dem Hören dieses Podcasts oder mehrere Folgen plötzlich dabei, wie du, wenn ein Kollege sagt, wir wollen ja Erfolg haben, nachfragst, was genau bedeutet denn Erfolg? Für dich, für mich? Das ist ja auch eine neue Einzeichnung, die zum Beispiel entsteht dadurch, dass du dich weiterbildest, dass du diesen Podcast hörst, dass du dich mit NLP beschäftigst und vielleicht selbst deine Experimente plötzlich machst oder für dich neue kleine Wege erschließt.

Florian: Wir haben im Master, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, jemanden drin, die schon sehr viele Ausbildungen gemacht hat in Richtung Körpersprache. Und wo plötzlich Bewegungen, die vielleicht jemand zu Hause sagen würde, ja sitzt halt da, ne? Sitzt halt. Wo, wenn sich jemand mehr damit beschäftigt, sagen kann, oh, und guck mal hier und da und das Bein und wie steht der Winkel von dem einen zum anderen und was passiert im Gesicht und wann verändert sich die Körperhaltung. Das sind ja alles Dinge, auf die du erstmal achten darfst. Und wo du anfängst, wach zu werden für was passiert da, die Herausforderung ist, dann dürfen wir raus aus unserem Kopf. Ja. Also dann kann ich halt nicht so sehr mit meiner Geschichte beschäftigt sein, wie ich auf den Malediven irgendwie schön tauchen will. Sondern dann darf ich halt eben gucken, was passiert da draußen in der Welt. Und dafür darf es ja dann auch eben erstmal diese Annahme geben, dass das relevante Information da draußen ist.

Meinung heißt Meinung — und jede Landkarte hat ihren Kontext

Miriam: Ich finde dieses Meinungsaustauschen da sehr, sehr spannend. Also wenn wir jetzt nach diesem Podcast und das Thema ist ja riesig, dass wir da aufspannen. Also die Landkarte ist nicht das Gebiet, betrifft viele, viele Lebensbereiche und viele, viele Landkarten und viele Aufzeichnungen, die du hast oder viele Sichtweisen, die in deinem Kopf sind. Gestern wurde ich angehalten auf der Straße vom WDR. Es kann sein, dass ich demnächst im Fernsehen gezeigt werde mit meiner Meinung zu Leihfahrrädern in der Stadt.

Florian: Tatsache?

Miriam: Ja, Tatsache. Und ich durfte meine Meinung dazu sagen. Und Meinung ist okay. Ich habe gesagt, meine Meinung dazu ist. Und ich mag es ganz gerne, wenn Menschen etwas, was sie von sich aus, also was aus ihrer Landkarte heraus da draußen so ist, auch einfach so verbal deklarieren, also so markieren. Das heißt, ich sage ganz bewusst, in meiner Welt ist es so und so oder ich sehe das so und so oder ich fühle das so und so.

Florian: Da ist der Beobachter plötzlich mit im Satz drin. Also es wird ihm genau gesagt, es gibt hier jemanden, der das so empfindet. Und das ist eben Miriam in dem Moment.

Miriam: In meiner Welt ist es sehr seltsam, dass bei Stromausfall auch das Licht im Kühlschrank aus ist. Also war es bisher.

Florian: Ich bin da wirklich leicht amüsiert.

Miriam: Ich kann sowas. Mein Gehirn kann solche Sachen. Und sich selbst überraschen. Und dann feststellen, meine Landkarte hat sich erweitert. Um eine Ansicht, um eine Erfahrung, um ein bewussteres Wahrnehmen. Und ich genieße das sehr.

Florian: Und das eine oder das andere ist nicht besser oder schlechter, sondern in bestimmten Kontexten ist es einfach nützlich oder unnütz. Und dann ist es gut, wenn du Symbole auf deiner Landkarte einblenden kannst oder ausblenden kannst, plötzlich wahrnimmst, wie jemand da sitzt, wie jemand atmet, was die Stimme von jemandem tut oder wie jemand seine Stimme benutzt, dass du das plötzlich einblenden oder ausblenden kannst, um in einem bestimmten Kontext an einen bestimmten Zweck zu kommen.

Miriam: Ja, genau.

Florian: Vielleicht in einem Raum mit 500 anderen Metallica, oder ne, 500 gibt es da nicht nur, oder? Ein Kollege von mir war auf einem Metallica-Konzert, ich habe keine Ahnung, wie viele Menschen da sind. Er war in Köln auf einem Metallica-Konzert, nicht nur 500 wahrscheinlich, ne?

Miriam: Oh nein, nein, nein, nein.

Florian: Da anzufangen sozusagen das Atmen der anderen Menschen wahrzunehmen, ist vielleicht einfach nicht nützlich für die Entspannung oder den…

Miriam: Wenn wir dafür unsere Ohren benutzen wollten, würden auch. Also wenn wir es nicht feinstofflich wahrnehmen, sondern zum Beispiel über Atemgeräusche, ausgeschlossen bei einem Metallica-Konzert.

Florian: Also in bestimmten Kontexten ergibt es Sinn, in einem Coaching, in einem Meeting mit Kollegen, auch in Zusammenarbeit. Ich bin wirklich im Berufskontext im Moment unterwegs. In Zusammenarbeit mit deinem Kind.

Miriam: Mit deinem Traumpartner. Ihr arbeitet ja auch für eure Beziehung. Ah, herrlich. Im Prinzip ist es so ein bisschen dieses Meinung heißt Meinung, weil es nicht Deinung ist, wenn wir es ganz volkstümlich formulieren wollen.

Florian: Weil jeder von uns eine andere Landkarte hat.

Miriam: Genau. Und es ist okay, jedem anderen erstmal die Möglichkeit zu lassen, seine eigene Landkarte auszuleben und zu erkennen, ich brauche das nicht so zu adaptieren, ich kann auf den Hauptwanderrouten bleiben, ich brauche diese kleinen Pfade nicht auszuprobieren und jemand, der sagt, ich möchte meine Landkarte eigenständig erweitern, bitte.

Florian: Ein guter Glaubenssatz an der Stelle, eine schöne Erweiterung wäre erstmal, diesen Glaubenssatz mit aufzunehmen, dass ich meine Landkarte erweitern kann. Also dass Veränderung möglich ist. Manche Menschen fokussieren sich ja voll darauf, dass Dinge gleich bleiben oder dass Menschen sich nicht verändern können. Und andere sehen da eine Verbindung und sagen, nein, nein, dieser Mensch, der war mal so und jetzt ist er ganz anders. Und das ist eben auch schon was, was drauf ist oder auch nicht.

Miriam: Herrliches Thema. So, Licht haben wir wieder. Allein dadurch, dass die Sonne aufgegangen ist, zuverlässig übrigens. Ich brauchte gar niemanden anzurufen.

Florian: Als ich heute Morgen mit dem Kaffee zu Miriam ans Bett kam, hat sie auch als erstes gefragt, ob wir wieder Strom haben. Und ich habe wortgewandt, wie ich bin, gleich geantwortet, nein, Strom ist noch nicht da. Ich habe den Kaffee draußen auf dem Grill gemacht.

Miriam: Ja, ich kann sowas. Ah, herrlich.

Termine: Infoabend und Master

Miriam: Bald geht unser Master los. Am 27.06., das ist der Donnerstag in dieser Woche, wenn du diesen Podcast quasi noch warm hörst. Also der 27.06.2019. Nein, haben wir unseren letzten NLP-Infoabend vor der offiziellen Sommerpause. In Erkrath. Das Thema ist großartig. Wir stellen uns allen Vorwürfen, die NLP gemacht werden. Ist auch groß ausgeschrieben auf Meetup, auf Facebook, Social Media, auf unserer Seite. Schau's dir gerne an. Am 27.06. um 19.30 Uhr in der Stahlhausener Straße 35.

Florian: Ich glaube 31.

Miriam: Nee, in der Stahlhausener Straße, so heißt sie, 35. Ich habe geguckt.

Florian: In Erkrath.

Miriam: In Erkrath, genau. In der Tanz- und Bühnenschule Iris Graf im Café Foyer. Fünf Euro nehmen wir für Raumnutzung, Kaffee, Tee, Kaltgetränke und ein paar Kekse. Hartmut hat versprochen, er stellt Kekse hin. Wir hatten schon Kontakt.

Florian: Eis wäre auch gut, ne? Eis wäre... Hartmut, wenn du...

Miriam: Du bist herzlich willkommen als völliger Anfänger. Jemand, der neugierig ist, der sich mit NLP ein bisschen befassen möchte. Florian und ich gestalten den Abend und wir nehmen auch Profis. Das heißt, wenn du ein bisschen fresh-uppen möchtest, vielleicht, wir lassen immer noch Zeit danach, um ein bisschen zu networken und miteinander zu reden.

Florian: Und vor allem auch die ein oder andere Übung zu machen. Also wenn du mal wieder etwas auffrischen möchtest, was du mal gemacht hast, Miriam und ich stehen auch gerne zur Seite, um dich zu unterstützen, wie eine Aufgabe oder wie ein bestimmtes Werkzeug aus dem Werkzeugkoffer von NLP funktioniert, um das nochmal zu üben.

Miriam: Genau. Also du bist herzlich willkommen, egal ob ganz neu oder schon lang dabei. Und der Master ist voll dieses Jahr. Das heißt, wir freuen uns auf eine ausgebuchte Truppe, einen ausgebuchten Kurs mit einer tollen Truppe auf unserem Zauberberg im Juli. Ich würde am liebsten jetzt schon Koffer packen. Ja, ja, ja, ja. War's das?

Florian: Das war's.

Miriam: Okay, meine Landkarte sagt Tschüss für heute.

Florian: Bis nächste Woche. Tschüss. Tschüss.

Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext-denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.

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