Ein Etui-Kleid aus Satin, das beim Sitzen zwickt. Eine schwere Krone, die den Schauspieler plötzlich aufrichtet. Eine Lederjacke, nach der das Publikum abgeht, obwohl die Sängerin genauso gut singt wie zuvor. Miriam und Florian schauen mitten im rheinischen Karnevalstrubel an sich runter und fragen sich: Was macht Kleidung eigentlich mit dir — und wie kannst du das im Alltag für dich nutzen?
Karneval, Klappertüt und der närrische Podcast
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Narren-Tanz und Mummenschanz. Oder auch, denn erst Kleider machen Leute, Kleider machen Leute, eins, zwei, drei, darum legen Leute heute sich ne schöne... Können wir nicht ein anderes Thema nehmen? Hello!
Florian: Ich hab gestern ne Grafik gesehen, da war Deutschland aufgeteilt und es gab so einen kleinen grünen Fleck und da stand unten drunter in der Legende Menschen, die Karneval toll finden. Und dann war der Rest von Deutschland tiefrot eingefärbt, Menschen, die Karneval hassen. Echt? Ja. Sollen wir nicht ein anderes Thema nehmen?
Miriam: Ist das die belegbare Doppelblind-Studie?
Florian: Nee, ich glaube, das war eher übertrieben.
Miriam: Ja, selbst Menschen, die keinen Karneval feiern in ihrer Region, finden Karneval toll. Wir haben einen lieben Freund in Gotha, der feiert ganz alleine Karneval, weil da sonst keiner feiert. Und die sagen auch nicht Helau, die sagen Hula Hula.
Florian: Bei uns sagen sie hier auch nicht Hello. Oh, stimmt. Hier gibt es ja, und ich weiß gar nicht, ob es Klappertüt oder Klappertüt ist. Klappertüt. Ja. Sowas dazwischen. Sowas dazwischen.
Miriam: Wie im Rheinland immer.
Florian: Und Alarv sollten wir auch mal gesagt haben, nur für.
Miriam: Nur für, nur damit wir alle.
Florian: Damit wir beide reinweisen.
Miriam: Und Narinara ist im süddeutschen Stuttgart.
Florian: Ja.
Miriam: Also an alle Narren da draußen, dies ist der närrische kontext*denken-Podcast, weil Veilchendienstag und... Wir haben uns überlegt, wir könnten ja jetzt wieder so ein gereimtes Thema von uns geben. Das war letztes Jahr ein ganz schöner Kokolores, kam gut an. Wir haben gedacht, wir nehmen das Thema Verkleidung mal aufs Korn. Verkleidung. Allerdings ohne Kochen, also nicht Doppelkochen, sondern einfach nur Verkleidung. Das ist ein spannendes Thema deshalb, weil Kleidung generell, wenn wir Menschen uns irgendwas anziehen, sind wir ja nicht mehr der reine, bloße, tolle Mensch mit seinem nackten Körper. Kein Mensch auf der Welt, außer ein paar wirklich noch sehr native Völker, laufen nackert herum. Und selbst die haben ja oft irgendwas, was sie anziehen.
Florian: Das ist Zierschmuck, oder? Also es geht darum, dass sie sich zieren mit Kleidung.
Miriam: Ja, vielleicht ist es auch Statussymbol, der Häuptling hat was anderes an als, wie bei der Lufthansa so.
Florian: Wo der Käpt'n auch was anderes an hat.
Miriam: So, jetzt sagst du mir... Und, lustig, wir sind ja sozusagen beim Thema Karneval, wir sind ja beides keine Stylisten und das Thema Kleidung soll auch im NLP jetzt nicht irgendwie die Riesenrolle spielen. Und im Karneval scheinen es ja manche Menschen oder die meisten Menschen deutlich dann einmal im Jahr so richtig zu übertreiben. Auch in Brasilien oder in Venedig oder so. Also wird dann völlig alles knallbunt und die Kleidung passt nicht zusammen oder ist verrückt oder gehört nicht zu dem, was die Menschen normalerweise anziehen, andere Berufe, andere Trachten. Und das ist spannend, was das macht mit einem. Da wollte ich einfach mal drauf raus.
König Lear, die Krone und die 80 Prozent
Florian: Du schaust ja aus einer Theater-, Film- und Fernsehwissenschaftlichen Perspektive da drauf.
Miriam: Ja, und hier gibt es sozusagen Glaubenssätze von Schauspielern und generell von Bühnenschaffenden, von Filmschaffenden, von Regisseuren, von Schauspieltrainern, die sagen, dass die Kleidung 80% der Leistung eines Schauspielers nochmal erhöht. Also wenn die im Kostüm spielen, ist es nochmal 80% intensiver für den Zuschauer. Und zwar auch deshalb, weil der Schauspieler nochmal mehr Gas gibt. Also klar, der visuelle Eindruck kommt dann dazu. König Lear sieht dann eben auch aus wie König Lear und steht nicht mehr in Jeans auf der Bühne. Und scheinbar macht auch dieses Gewand, das ja, wenn es original historisch wäre, einige Kilo wiegt, also ganz anders sich auch anfühlt als so eine Jeanshose, das macht was mit dem Mann, der das trägt. Auch die Krone auf dem Haupt scheint etwas zu machen. Die Aufrichtung des Körpers ist anders. Eine Perücke, ein Bart, ein Umhang machen etwas. Frauen mit einer Jeans und Turnschuhen bewegen sich anders, stehen auch anders, als wenn sie einen Reifrock tragen, der mehrere Kilo wiegt.
Florian: Das ist ja jetzt eine spannende Erkenntnis fürs Theater. Und heißt das jetzt, dass ich in meiner Firma doch wieder Anzugpflicht einführen sollte?
Miriam: Ich spreche nicht von Uniform. Das macht auch was mit Menschen. Also das stimmt. Das wissen wir. Also eine Uniform kann im negativen Sinne interpretiert werden, dass eben alle gleich gebürstet werden und dass eine Individualität verschwindet. Oder sie kann auch eine Identifikation stiften. Das ist das, was wir oft bei so bunteren Schuluniformen erleben. Also wenn die einen Sweatshirt tragen und eine Jeans und auf dem Sweatshirt steht hinten Hogwarts drauf, dann ist es eine Identifikation mit einer Sache, dass Menschen sich gleich kleiden in einem Verein oder bei einer Band oder so. Und deswegen für Uniform gibt es sozusagen für mich zwei Empfindungsbereiche. Das eine ist von oben oktruiert, da wird gesagt, alle die hier sind, tragen gefälligst das und das und es gibt keine individuelle Abweichung oder kaum. Und das andere ist, wir haben so ein Dresscode, der irgendwie auch cool ist, der irgendwie was aussagt über das, was wir da tun. Und alle identifizieren sich darüber noch stärker mit diesem, mit dem Tun.
Florian: Also eine kulturelle, eine kulturschaffende Geschichte oder eine gemeinschaftsschaffende, ein gemeinschaftsschaffender Ritus, der getragen wird. Ja, manchmal auch aus dem Nutzen heraus.
Miriam: Der weiße Arztkittel ist keine Uniform.
Florian: Das ist spannend. Das ist wie bei den Minenarbeitern hier im Ruhrgebiet, die ja dann morgens auch ihre Klamotten unter die Decke gezogen haben und dann ihre Sachen angezogen haben. Und damit ist natürlich ein ganz starker Eintritt. Oder eben hattest du ja schon Flugbegleiter, Piloten. Also es ist nicht nur im Militär die Uniform, sondern tatsächlich an vielen anderen Stellen eben auch.
Uniform, Identifikation und die Franzosen im Rheinland
Miriam: Ja, und im Karneval auch.
Florian: Im Karneval gibt es Uniformen.
Miriam: Und wie, hör mal, die ganzen Vereine haben der Elferrat und dann bis hin zur Garde, ne, und das Funke-Mariechen und auch das Prinzenpaar, die haben alle von der Idee her von einem Verein der gleichen Farben.
Florian: Das wusste ich auch gar nicht, wo das herkommt, gell? Das kommt von den verhohenen People und da die Franzosen, ne?
Miriam: Na ja, wir wollen es mal jetzt nicht ganz so hart sagen. Ja, doch, stimmt.
Florian: Miriam, wir sind gestern darauf gekommen, wir waren beim Umzug hier in der kleinen Stadt, in der wir wohnen.
Miriam: Uiuiui. Also 1815 haben die Franzosen das Rheinland verlassen und dann gründeten sich Festkomitees, um das quasi zu feiern. Und aus diesen Festkomitees entstand der Karneval, wie er heute gefeiert wird. Also es ist noch gar nicht so alt, auch diese Tradition. Ja, also Kleidung macht was mit den Menschen. In dem Augenblick, wo Menschen sich in so bunte Narren oder Lumpen hüllen... scheinen sie auch mehr Bereitschaft zu haben, ein bisschen auszuflippen oder herumzutanzen. Maskiert ist es einfacher. Offensichtlich. Das war auch schon im Mittelalter so.
Florian: Ja, ist spannend, weil es ist ja zum Teil nicht maskiert. Maskiert hätte ich jetzt mit dem Gesicht verbunden.
Miriam: Und viele maskieren sich das Gesicht sehr stark, auch im rheinländischen Karneval. Mit richtig aufgesetzten Masken.
Florian: Zum Teil und zum Teil eben nicht. Also Funkenmariechen oder Elferrat wären jetzt hier, die sind ja, da erkenne ich ja, wer dahinter steckt.
Miriam: Der Elferrat ja, selbst beim Funkenmariechen mit der Perücke, die ja doch sehr entfremdet immer. Und dem starken Make-up kann es sein, dass jemand erst auf den dritten Blick sagt, ah, es ist doch der Claudia, Schmitz-Claudia. Jetzt habe ich es auch erkannt. Ja, du lachst und es ist wirklich so. Dieses Kleidertragen, das hast du selbst bei dir schon gemerkt. In einem feinen Etui-Kleid für die Frauen jetzt, das aus einem Satin gesponnen ist.
Florian: Das habe ich selbst bei mir schon gemerkt und ein feines Etui-Kleid, was?
Miriam: Ja, bei dir nicht jetzt. Ich habe ja die Frauen gerade angesprochen.
Florian: Okay.
Miriam: Das aus einem feinen Satin gesponnen ist. Der jetzt auch nicht dehnbar ist, sondern der eben, also der Spack sitzt, da bewegen wir uns automatisch anders.
Florian: Das klingt jetzt nicht so gut, dass du es gesagt hast. Ich mag es auch nicht so.
Miriam: Ich mag es wirklich nicht so. Ich fühle mich dann sehr eingeengt, auch gerade beim Sitzen. Dieses Kleid fordert gerade das Sitzen.
Florian: Ja, wir Männer können das nicht so richtig nachvollziehen. Also ich zumindest nicht. Vielleicht sollte ich mal der crosskulturellen Übertragung hier wegen nächstes Jahr als Etui-Kleidchen gehen auf den Karneval.
Miriam: Als Etui-Kleidchen. Und mein Vater hat sich zum Beispiel immer total gesträubt, eine Krawatte zu tragen, bis sie ihn irgendwann in höheren Positionen der Versicherungsgesellschaft etabliert hatten und dann wurde er gezwungen. Seine Sekretärin hat ihm dann drei Stück gekauft, die hingen im Büro und die hat er auch erst dort angezogen, also wie die Minenarbeiter.
Florian: Es war seine... Hat zu Hause nicht... Ja, das ist witzig, weil in vielen Firmen ja auch... Oder es gibt ja viel diese Galgenwitze dann auch Richtung... Gerade Richtung Krawatte, ne? Also, dass das intern bei vielen Firmen auch als super seltsam angesehen wird. Ob das jetzt gut ist, eine Krawatte zu tragen oder nicht. Ob das zu konservativ ist oder nicht. Das ist ganz spannend. Ich habe letztes Jahr auch bei einer Firma gearbeitet... Und als ich dahin kam, war es schon, also Sakko beim Herrn, Hemd ging, Hemdsakko und im Endeffekt eine schöne Stoffhose, das war es schon. Viele sind noch im Anzug herumgelaufen, Krawatten gab es immer weniger und dann habe ich mal gefragt, seit wann das denn so ist oder wie sich das so entwickelt hat und das war seit einem Jahr so. Also ein Jahr früher und die wären tatsächlich alle Herren noch voll im Anzug da gewesen, inklusive Krawatte. Weil der Vorstand hat gewechselt. Und dann machen sie alles nach. Insofern sind wir schon wieder wirklich bei einer Uniform oder bei dieser kulturschaffenden Sache, wo wir alle uns irgendwie rein konformieren, wenn wir denn dazugehören wollen.
Kleidung als Aktivierung: von Witzen bis zum Wortschatz
Miriam: Und wenn wir jetzt mal von dieser Perspektive drauf schauen, dass ein Kleidungsstück bei einem Schauspieler nochmal 80% Leistungssteigerung bewirkt, dann würde ich es als sehr schlau von einer Firma empfinden, Menschen in ein bestimmtes Kleidungsstück zu stecken, wenn die Firma glauben würde, dass das die Leistung erhöht.
Florian: Ja, das heißt also doch wieder, sag ich doch.
Miriam: Und ich weiß nicht, ob eine Krawatte das wirklich ist. Also da würde ich mir Gedanken drüber machen.
Florian: Also ich merke das zumindest bei mir, wenn ich Anzug und Krawatte anhabe.
Miriam: Ja, und wir haben ja auch die Annahme, dass wir zum Beispiel, wenn wir ein wichtiges Telefonat haben, uns nicht im Schlumpi-Schlafanzug irgendwo hinsetzen oder mit der zerrissenen Jogginghose, weil wir uns selbst wahrnehmen in dieser Kleidung. Und wenn wir dann einen wichtigen Gesprächspartner am Telefon haben, benehmen wir uns automatisch und unbewusst so ein bisschen in Richtung dieser Kleidung. Also zumindest würde ich an der Stelle wach werden wollen. Ich habe gemerkt, dass es mich zumindest jetzt wörtlich nicht mehr so beeinflusst, was ich anhabe, wenn ich nicht zu sehen bin. Wenn ich zu sehen bin, ist es ein wichtiger Punkt. Was ziehe ich an? Kleide ich mich in den Raum, in dem ich mich bewege?
Florian: Also hier beim Podcast ist dir egal, oder wie? Das heißt, wir machen den nächsten Podcast nackisch.
Miriam: Das würde dir so passen. Und danke für die Bilder in meinem Kopf. Ja, können wir machen. Ich habe eine bestimmte Sache vor, egal ob das jetzt meine Arbeitsstelle ist oder ob das eine Besprechung ist irgendwo oder bei QVC unterschiedliche Sendungen. Ich persönlich liebe es, mich entsprechend in dieses Gewand zu kleiden. Das hilft mir sehr bei der intensiven Performance für die Sache.
Florian: Spannend.
Miriam: Wenn ich bei einer Diamantensendung ein schickes Abendkleid anhabe, dann habe ich auch lustigerweise plötzlich einen anderen Wortschatz zur Verfügung. Den habe ich in meinem Kopf, nur scheinbar wird der mit, auch durch diese Situation mit meinem Styling und mit meiner Erscheinung,
Florian: Naja, das passt schon ein bisschen zu dem, was das erste Mal, als ich das gelesen habe, war, glaube ich, bei der Frau Birkenbiel, die ja auch davon gesprochen hat, zum Beispiel, dass Humor eben aktiviert wird in bestimmten Situationen. Also manche Menschen glauben ja, dass sie sich keine Witze merken können, bis dann Witze erzählt werden und dann fallen ihnen auch welche ein. Nur die Netzwerke, die wir im Gehirn haben, die werden eben aktiviert über bestimmte Muster, zum Beispiel die Kleidung oder zum Beispiel... Der Sound einer Serie aus den 80ern oder so und dann ist plötzlich im Gehirn sind alle Erinnerungen alles aktiver, ein ganz kleines bisschen, was damit was zu tun hat. Insofern haben viele Menschen eben Herausforderungen früher noch gehabt. aus dem Stehgreif aus einer schlechten Laune heraus Witze zu erzählen, weil sie das nie geübt haben. Sondern Witze erzählen ist ja oft was, was sie üben in einem sehr lustigen Setting. Und da erzählst du dann deine Witze oder bist witzig und ausgelassen. Und dann, wenn es mal ernster wird, dann sind die plötzlich nicht so greifbar. Dann sind die so ein Stückchen weiter weg. Und so ist es ja dann auch mit der Kleidung. Die aktiviert halt bestimmte Erfahrungsnetzwerke in deinem Gehirn.
Miriam: Sehr cool, ja.
Florian: Das heißt, an der einen oder anderen Stelle ist dann halt einfach das ein oder andere, das du da mitnimmst.
Die Sängerin, die Lederjacke und der goldene Schlüpper
Miriam: Ich finde den Gedanken total spannend und oft werden wir ja gefragt, gibt es denn auch einen ganz einfachen Weg, wie ich mich unterstützen kann bei einem Bewerbungsgespräch, bei einem Casting, bei was auch immer ansteht. Und wir geben dann aus Sicht des NLP irgendwelche Tipps.
Florian: Genau, da gibt es zum Beispiel Ankern, wäre eine einfache Variante.
Miriam: Richtig. Und der noch einfachere Weg oder das, was wirklich Menschen auch tun können, die jetzt noch keinen NLP Practitioner bei uns gemacht haben oder kein Besser-Denken-Besser-Sprechen, ist zum einen gute Musik aufs Ohr, welche die dich aufbaut.
Florian: Das ist Miris Lieblingstipp, egal was die Frage ist.
Miriam: Auditiver Kanal, fertig.
Florian: Hauptsache gute Musik.
Miriam: Richtig. Und das andere wäre dieses Kleidungsthema. Ich habe ja früher sehr viel Musik gemacht in Bands und in zwei Bands war ich erst am Keyboard, bevor ich gesungen habe. Und es gab eine andere Sängerin. Und beide Sängerinnen, die ich kennengelernt habe in diesen Bands, waren extrem gute Sängerinnen. Also die waren das Brett. Ich bin ja jetzt keine Whitney Houstoner, ich habe mich sehr gut verkauft. Und die wirklich von der Stimmgewalt her unglaublich. Und beide haben sich immer zu meiner Verwunderung, ich habe das damals noch nicht so bewusst wahrgenommen und war mir auch egal, war ja nicht mein Gewerk, beide standen oft in sehr verransten Wollpullis und so ausgebeulten Baumwollleggings und irgendwelchen verransten Turnschuhen auf der Bühne beim Auftritt. Und was vom Publikum oft bemängelt wurde, war, also erst kam immer dieses, boah, geile Stimme, aber den Anblick, also da ist ja so stimmungsmäßig. Und es waren beides wunderschöne Frauen, nur auf der Bühne nicht zu sehen sozusagen. Also es war wie ein unsichtbar machen beim Singen. Und meine These ist...
Florian: Das ist der reine Fokus auf die Stimme gewesen.
Miriam: Ja, pass auf. Der reine Fokus auf die Stimme wurde immer wieder disturbed. Das haben wir beim Publikum gemerkt, weil die sozusagen die passende Frau zur Stimme gesucht haben.
Florian: Oder deutsch gestört. Ja, okay. Ach, die haben über die Bühne geguckt und geguckt. Ja. Wo ist es denn jetzt?
Miriam: Weil, wow.
Florian: Weil Whitney. Richtig.
Miriam: Das war völlig, also das war irgendwie kontrovers. Und bei einer haben wir es dann mal durchbekommen, dass die sich hat stylen lassen von einem Profi. Also da kam dann wirklich, das haben wir bei der Band dann öfter gemacht, immer wenn wir ein neues Programm gemacht haben, hatten wir auch eine Stylistin da, die uns einmal komplett angezogen hat. Weil ein paar von der Band waren da sehr verlässlich, manche auch nicht so. Also. Und es war tatsächlich ein riesen Unterschied im Publikumsfeedback zu spüren. Die hat genauso geil gesungen wie vorher auch. Und mit dem Outfit dazu und dem Make-up, dem bisschen, was die gemacht hat, hatte die einen extrem größeren Impact aufs Publikum. Die Leute sind abgetobt ohne Ende, hatten die Arme oben. Die hätte Stage-Diving machen können. Und es ging letztlich um eine Lederjacke und eine coolere Jeans.
Florian: Also was auch immer dazu passt, dass du dich wohler fühlst oder dass das sehr konkurrent zu dem ist, was du tust.
Miriam: Ja und trau dich mal was, nicht nur an Karneval. So an Karneval scheinen ja alle zu sagen und dann wird es richtig übertrieben. Und im normalen Leben ist es okay, wenn du dich für den Tag in ein bestimmtes Montags-, Dienstags-, Mittwochs-, Donnerstags-, Freitagsgewand hüllst, dass dir noch mehr Energie gibt für die Dinge, die du vorhast.
Florian: Vielleicht den goldenen Schlüpper anziehen.
Miriam: Mag sein, Florian, dass bei dir die Tage sind, an denen du hervorragende Geschäfte abschließt und dann abends den goldenen Schlüpper feierst. Der wird auch nie gewaschen. Dann bringt er kein Glück mehr.
Florian: Sowas wäre ja fies.
Miriam: Auch wenn es riecht. Ja und, wieso? Ist doch cool. Ja. Ich find's cool. Ja, der goldene Schlüpper.
Florian: Der Glücksschlüpper. Der Glücksschlüpper.
Miriam: Ja. Ist auch vielleicht ein Geschäftsführer.
Florian: Oder vielleicht sogar nach draußen, ne? Oh, Glücksschlüpper.de Glücksschlüpper.de Nach draußen? Ja, du hast, ich sehe ja dein Gesicht, Miriam, und ihr da draußen nicht so. Du möchtest das auch nach außen sehen, ne?
Miriam: Ja, absolut. Es geht nicht um eine Unterwäsche. Sondern es geht darum, sich zu überlegen, was plane ich heute? Plane ich die große Diamantensendung oder den Heimwerkermarkt? Ja. Und was passt schön dazu. Klar darf dabei nicht mehr, also dieses, es soll zu dir passen, zu deiner Persönlichkeit, deswegen ist ja auch Stylistin ein eigener Beruf, weil die da wirklich nach allem gucken. Und so ein kleines bisschen bewusster in den Kleiderschrank zu greifen und sich zu überlegen, wie kann ich mich heute bestens unterstützen für das, was ich vorhabe. Zum Beispiel, wenn ich weiß, ich treffe mich, keine Ahnung, mit Menschen, die normalerweise dafür sorgen, dass ich energetisch gegen Stress arbeite in mir, würde ich extrem bequeme Kleidung wählen und nicht was, was mich da noch einengt zusätzlich. Und das geht auch im Business-Bereich schon, weil wir so viele Hosen, die sehr elegant sind, kennen, die einen Tunnelzug haben und richtig bequem sind.
Florian: Stretch-Anzüge. Ach, alles.
Miriam: Gibt keine Grenzen mehr. So da den Gedanken zu haben, wie kannst du dich heute durch die Verkleidung in Anführungszeichen besser unterstützen bei dem, was du vorhast. Und im Karneval ist es ja das Bützen hier im Rheinland.
Florian: Das Bützen hat was mit der Verkleidung zu tun.
Miriam: Naja, wenn ich das wollen würde, hauptsächlich im Karneval, würde ich mich entsprechend kleiden. Ja, will ich nicht. Ich habe ja dich zum Bützen.
Florian: Das stimmt. Wir haben uns gebützt gestern.
Miriam: Ja, wir haben uns gebützt.
Florian: Das war sowieso spannend. Was ich immer wieder hervorragend finde, gerade hier im Rheinland, ist, wie viele Kostüme es dann gibt. Und auch wie unterschiedlich. Manche Grüppchen, wir haben gestern eine Elmo- und Krümelmonster-Gruppe gesehen, die offensichtlich alle die gleichen Kostüme irgendwo gekauft hatten. Und dann gibt es auch Familien oder Grüppchen, die völlig unterschiedlich angezogen sind. Also wo es dann Cowboys, Indianer und irgendwie DJs und ein Paintballer habe ich gestern gesehen. Also ganz witzig. Hier nehmen die das halt echt ernst, gell?
Miriam: Ja, allerdings. Das ist ja auch ein Kulturgut, ne?
Florian: Das stimmt.
Miriam: Und es ist ein schönes Experiment, um erstens mal zu übertreiben und zweitens, um dann eben im Alltag zu schauen, warum mache ich nicht jeden Tag ein bisschen Karneval, ein bisschen. Es ist dann nicht verkleidet, sondern es ist ein Unterstützen durch die Kleidung. Mindestens der Goldschlüpper.
Florian: Ja, der Goldschlüpper.
Miriam: Ich weiß nicht, wie viele Leute jetzt nach dem Podcast googeln, wo es Goldschlüpper gibt. Hoffentlich. Willkommen in Goldschlüpperhausen. So, weg von der Uniform hin zur Identifikation. Danke für diesen wunderschönen Podcast, lieber Florian.
Florian: Hello, I love und all die Dinge. Klappertüt. Klappertüt. Bis nächste Woche.
Miriam: Und bis nächsten Dienstag.
Florian: Tschüss.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext-denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.