„Ich kann das einfach nicht.“ Diesen Satz hast du bestimmt schon oft gehört – oder selbst gesagt. Aber was, wenn dahinter oft etwas ganz anderes steckt? Miriam und Florian nehmen ein kleines, mächtiges Wort auseinander und erzählen dabei von versenkten Jonglierbällen im Starnberger See und einem Stollen, der plötzlich doch gelang.
Ein Podcast, der (angeblich) gar nicht geht
Florian: Was kannst du so nicht?
Miriam: Ich kann so keinen Podcast aufnehmen.
Florian: Ja, was machen wir denn dann jetzt? Wenn das so nicht geht, dann ändern wir was.
Miriam: Nee, es geht einfach nicht. Kann nicht.
Miriam: Du kannst nicht?
Florian: Du willst doch nur nicht.
Miriam: Herzlich willkommen da draußen.
Florian: Ich dachte, du kannst nicht. Was ist denn jetzt? Du wolltest nur nicht.
Miriam: Jetzt hört uns ja jemand zu. Kann ich ja wenigstens Hallo sagen. Kann ich Hallo sagen? Das kann ich.
Florian: Das kannst du? Ja. Manche Sachen kannst du, manche Sachen kannst du nicht?
Miriam: Ja.
Florian: Aha.
Miriam: Ich kann auch manchmal so nicht arbeiten. Dann fühle ich mich sehr als Prinzessin immer.
Florian: Das Erbschen.
Miriam: Ne, nicht das Erbschen. Spannendes Thema. Ja. Hallo. Hallo. Wir zitieren heute den Stromberg.
Florian: Ja, glauben wir.
Miriam: Glauben wir. Wir haben recherchiert. Die Recherche ist bis dahin gegangen. Genau. Weil wir wollen uns ja nicht mit fremden Federn schmücken. Und der Satz, der kann nicht wohnen, denn da will nicht Straße.
Florian: Der ist schon sehr schlau.
Miriam: Der ist sehr cool.
Florian: Der ist sehr schlau. Den liebe ich. Wo auch immer der ursprünglich mal herkam.
Miriam: Wir sind bis zu Stromberg gekommen. Ja. Den haben wir als Themenaufhängerlein genommen für den heutigen Podcast.
Florian: Und die Miri kann ja nicht einen Podcast aufnehmen für euch heute. Deswegen findet der Podcast heute ohne sie statt. Warte, ich dreh dich mal leer.
Miriam: Das kannst du nicht machen.
Florian: Kannst du nicht. Jetzt willst du schon was für ich nicht. Jetzt wird es ganz kompliziert, ich liebe diese Podcasts. Dein Herr Kannich wohnt in meiner Willnigstraße.
Miriam: So sieht es aus. Das bekommen wir auch noch hin, wir zwei. Vorweg, unsere Sprachzauber-Seminare bestehen zum einen aus einem tiefen Verständnis von der Wahrnehmung von Sprache. Das ist in den Seminaren besser, da haben wir zwei Tage oder 14 Tage Zeit, um damit umzugehen. Was wir schon rausgeben, was auch meine fünf Sprachzaubertipps auf unserer Seite sind, die es kostenlos gibt, sind echte Werkzeuge, mit denen du noch präziser kommunizieren kannst und die dich dazu befähigen, andere Menschen noch besser zu verstehen. Und das Wort kann ist ein extrem spannendes Wort in der deutschen Sprache, das große, große Zauberkraft hat.
Florian: Das stimmt allerdings.
Wenn das Gehirn mithört: die selbsterfüllende Prophezeiung
Miriam: Das Wort kann setzen ja viele Menschen oft in diesem Kontext ein von, ich kann eben nicht. Also das kann ich nicht, bei aller Liebe nicht. Nicht auch noch.
Florian: Nicht auch noch, das geht nicht. Ich kann das nicht.
Miriam: Und damit passiert, zumindest behaupten Hirnforscher das, auch definitiv was mit unserem Gehirn.
Florian: Was denn?
Miriam: In dem Augenblick, in dem ich fest glaube, dass ich etwas nicht kann, werde ich auch alles tun, damit es wirklich nicht funktioniert. Also ich beweise mir das dann, das ist dieses Self-Fulfilling-Prophecy-Ding.
Florian: Genau, die selbsterfüllende Prophezeiung auf Deutsch. Das ist ja auch für uns blöd, ne? Also ich möchte ja nicht irgendwas sagen, wo ich mich selber widerlege später. Das ist ja...
Miriam: Das ist der Punkt, ne?
Florian: Ja.
Miriam: Also ich möchte es dann mir und allen anderen beweisen, dass das wirklich nicht geht. Und manchmal ist das auch unbewusst so. Also Menschen steuern das dann nicht bewusst. Wir beide kennen das sehr gut vom Umgang mit Bällen. Also Spielbälle.
Florian: Hahaha. Jetzt kommt die Jonglierball-Story.
Miriam: Du lachst?
Florian: Im Starnberger See liegt immer noch einer meiner Jonglierbälle.
Miriam: Ja, das stimmt. Und du hast sie mir ja gegeben. Ich habe gesagt, ich kann das nicht.
Florian: Ja, das stimmt. Und dann konntest du besser, als du dachtest.
Miriam: Nee, weiter.
Florian: Weiter, als du dachtest.
Miriam: Beim Jonglieren war das nicht... Wollen wir es aufklären?
Florian: Ja, sehr gerne.
Miriam: Florian kann wirklich ganz gut jonglieren. Also du bist kein Profi und du hast das irgendwann mal intensiv geübt und kannst mit bis zu fünf Bällen, du kannst mit Fackeln und mit Stäben und Keulen und Diabolos jonglieren. Und das finde ich total toll. Also ich finde das großartig. Florian beim Jonglieren zuzuschauen, das ist für mich Zauberei. Ich bin dann noch verliebter in Florian, als ich sowieso schon bin. Ja, ist ein toller Skill. Ich glaube, dir geht es ein bisschen so, wenn ich Klavier spiele oder so, ne? Ja, genau.
Florian: Oder wenn ich dich auf der Bühne sehe oder in so Situationen, auch wenn du Texte schreibst und so ganz vertieft bist und du ganz konzentriert an Dingen arbeitest und es dir ganz leicht fällt und es nach außen strahlt.
Miriam: Oh, schön. Ja, also ich auf jeden Fall völlig begeistert von Florians Jonglierkunst. Vielleicht drehen wir mal einen Film mit dir, damit alle das mal sehen, wie toll du das machst, wirklich großartig. Und dann wollte ich Florian natürlich auch am Anfang unserer Beziehung, wollte ich Florian ja diesbezüglich eher imponieren. Und dann habe ich gedacht, Florian kann mir das beibringen, kann.
Florian: Ja, und will auch.
Miriam: Und dann habe ich Florian gefragt, ob er mir das Jonglieren beibringen kann und ob er glaubt, dass ich das lernen kann. Weil du das nicht konntest. Weil ich schon als junges Kind, als Mädchen in der Schule bei den Bundesjugendspielen über mehrere Beweise festgestellt habe, dass ich mit Bällen nicht so gut umgehen kann. Manche kennen das da draußen. Ich habe also die Erfahrung gemacht gehabt mit zwölf oder mit elf Jahren, dass ich, wenn ich einen Ball weit werfen sollte im Sportunterricht, dass ich mir fast den Arm ausgekugelt habe dafür, dass der Ball 30 Zentimeter vor meinen Fußspitzen auf den Boden knallt. Und das war keine gute Erfahrung. Und dann habe ich festgestellt, ich kann das einfach nicht, weil es hat mir, also es hat auch nichts genutzt, dass Lehrer oder auch mein Vater, der sich viel Mühe gegeben hat, mir das jemand erklärt hat.
Florian: Inzwischen würde ich ja dazu übergehen, dass ich dich mit irgendwas bewerfen würde und du dann irgendwas zurückwirfst. Also so ein, weil da kannst du plötzlich ganz gut werfen und triffst leider auch.
Miriam: Du hast mich schon oft überlistet, ja mit meinem, ich kann nicht werfen, das stimmt. Also mit Blumenvasen Richtung Florian, klappt. Nein, habe ich noch nie gemacht. Mit Papierbällchen habe ich schon mal nachgedacht.
Florian: Mit Papierbällchen, ja. Wir hatten schon Servietten-Schlachten. Stimmt.
Miriam: Ja, also da kommt das her. Und dann kam ich auf die im Grunde ja dann fixe Idee, weil da geht es ja nicht nur um Werfen, da geht es um mit drei Bällen ziemlich virtuos jonglieren. Und Florian meinte, ja klar, bringe ich dir bei. Und dann haben wir das draußen geübt, was auch vernünftig ist, um drinnen keine Einrichtungen zu beschädigen und haben erstmal mit einem und mit zwei Bällen ein paar Übungen gemacht und das klappte sogar erstaunlich gut im Rahmen meiner Möglichkeiten. Ich war dann schon sehr stolz, war auch hoch motiviert, dass ich schon so Fortschritte machte. Das ist deine These.
Florian: Ja.
Miriam: Wir haben ja nächste Woche den Podcast übers Recht haben, da würde das jetzt, das ist ja egal. Also, auf jeden Fall habe ich dann einen der Bälle, als Florian dann sagte, wir üben jetzt erstmal das Werfen, also so diesen Umgang generell, wirf den einfach mal und dann habe ich diesen Ball im Starnberger See versenkt. Glauben wir. Vielleicht auch in der Wiese. Also wir haben ihn auf jeden Fall eine halbe Stunde suchen nicht mehr wiedergefunden. Und Florian hat es dann super charmant gelöst, indem er gesagt hat, schau mal, wie weit du geworfen hast. Ja, genau. Das müssen 2,5 Kilometer gewesen sein. Ja, genau. So, nur grundsätzlich dieses Ich-kann-nicht-Ding scheint was zu tun.
Florian: Ja.
Miriam: Und es scheint auch überwindbar zu sein.
„Kann nicht“ oder „will nicht“ – und wo die Grenzen liegen
Florian: In gewissen Grenzen, oder? Weil ich kann ja jetzt nicht Olympische Goldmedaille im Schwimmen gewinnen, oder? Jetzt nicht. Und in einem Jahr. Also ich kann in diesem Leben nicht mehr die Olympische Goldmedaille im Schwimmen gewinnen.
Miriam: Woher weißt du das? Du bist ein junger, schicker, fitter, sportlicher Typ.
Florian: Ja, und die, die die Goldmedaillen gewinnen, die sind seit acht Jahren, sieben Jahren. Gibt es olympische Senioren? Ich glaube ja.
Miriam: Ich sage mal jetzt so ganz frei heraus.
Florian: Aha, die werden nur im Fernsehen nicht übertragen. Ja, genau.
Miriam: Ich glaube, es gibt wahrscheinlich auch bei Olympia sehr außergewöhnliche Geschichten, wann Menschen noch sportliche Höchstleistungen gebracht haben, in welchem Altersabschnitt oder nach welchen Trainingszeiten. Und worauf ich heraus will, ist, dass dieses, ich kann das nicht, oft in Wahrheit, und darauf zielt ja auch dieser Satz ab, heißt, ich will das nicht.
Florian: Also wir gehen jetzt nicht auf diese Extreme von, ich kann nicht eine Rakete bauen, mit der ich zum Mond fliege. Also nicht sowas Extremes, sondern wir reden da drüber, diese Formulierung, die im Alltag immer mal wieder von verschiedenen Menschen kommt. Ne, ich kann jetzt gerade nicht zum...
Miriam: Wir haben neulich diese spannende Kurzdokumentation gesehen über das Fliegen. Also wenn du jetzt gerade sagst, ich kann keine Rakete bauen und zum Mond fliegen, da waren diese zwei Brüder in Amerika, die völlig wahnwitzig im Grunde von außen betrachtet, fest geglaubt haben, dass sie fliegen können, obwohl die ganze Welt gesagt hat, das geht nicht. Das stimmt, ja. Und die dann wie blöde über Jahre, die Wright Brothers, ihre Flugzeuge selbst gebaut haben in einer Werkstatt. Die haben die Teile selbst zusammengelötet und geschraubt. Also nur um das nochmal ins rechte Licht zu rücken, da hätte keiner außenrum geglaubt, dass sie es schaffen, überhaupt ein paar Meter zu fliegen. Ich meine, ich rede jetzt noch nicht von zum Mond fliegen, nur vielleicht, wenn einer wahnsinnig genug ist und findet Sponsoren für so eine Sache und für welches seltsame Projekt werden heute überall auf der Welt Sponsoren und Investoren gefunden, vielleicht würde es jemandem gelingen, selbst eine Rakete zu bauen und so. Und das weiß ich nicht. Ich kann es nicht beurteilen. Nur dieses, ich kann es nicht, schließt ja auch schon alle Unternehmungen in diese Richtung komplett aus. Wenn du mir anbietest, ich bringe dir Jonglieren bei und ich sage, ich kann es nicht, ist das Thema im Prinzip erledigt.
Florian: Ja, das stimmt.
Miriam: Auf der anderen Seite, wenn ich dann für mich sagen würde, ich will nicht, weil ich es auch einfach nicht so wahnsinnig spannend finde, mit Bällen zu hantieren. Ich könnte ja die Zeit investieren, jeden Tag zehn Minuten jonglieren zu üben. Ich habe mir schon ganz andere Sachen beigebracht, wo auch viele Menschen gesagt hätten, na also.
Florian: Jetzt hören wir mal auf. Lesen. Schreiben.
Miriam: Das war früher. Rechnen. Als Kind hatte ich keine Vorbehalte. Ich hätte niemals vor Schulantritt sowas gesagt wie, ich kann nicht lesen lernen. Als Kind. Vielleicht, ich will nicht nach einem Jahr Schule.
Florian: Ich will nicht mehr. Ich habe mir das wirklich gut überlegt. Ich glaube, für mich ist es einfach nichts. Ich gehe lieber auf den Spielplatz.
Miriam: Mama, Papa, ich möchte euch kurz meine Situation darlegen.
Florian: Ich habe hier auch eine kleine PowerPoint-Präsentation vorbereitet, in der ich das kurz aufarbeite.
Miriam: Nur, damit ihr es versteht. Danach erledigen wir es hier. Das wäre sehr aktiv, ne?
Florian: Ja, genau. Da ist dann eine aktive Entscheidung dabei. In diesem Kann nicht ist so eine passive Entscheidung dabei.
Miriam: Es hindert mich irgendwer oder irgendwas daran, das zu tun. Vielleicht habe ich andere Arme als andere Frauen, die Bälle werfen können. Ich bin also Opfer meiner Arme.
Florian: Ein Armopfer. Ein armes Opfer.
Miriam: Ja, im wahrsten Sinne, wer weiß. Oder ich könnte wirklich, wenn ich ganz ehrlich in mich reinfühle, an der Stelle, wenn wir über Bälle sprechen, sagen, ich habe Zeit meines Lebens nie wirklich große Energie verspürt, irgendeine Art von Ballsport zu betreiben.
Florian: Und völlig egal, ob das von den Bundesjugendspielerfahrungen kommt oder nicht. Richtig. Weil das ist ja auch nur, wer auch immer der Auslöser damals war.
Miriam: Ich hatte keine Freude, Steine weit übers Wasser zu werfen. Ich hatte Freude daran, sehr große Steine plumpsen zu lassen, sodass es geplatscht hat. Ich konnte die Begeisterung für Titschern lassen, aber ja. Nee, nicht so. Florian hat ungefähr einen Wackerstein eben angedeutet. Wir sollten doch Videos machen statt Hörpodcasts. Ab dem 1.
Florian: März-Wochenende. Wir machen einen Videopodcast? Ja. Aha. Wann gehen wir denn dafür Klamotten einkaufen? Weil so mit meinem aktuellen Kleiderschrank kann ich das nicht tun.
Miriam: Du kannst das nicht. Guck, das ist toll. Das ist ein Klassiker, ne?
Florian: Ja.
Miriam: Das ist ein Klassiker. Du würdest das ganze Projekt kippen? Ist das jetzt, weil du keine Lust hast, Videopodcasts zu machen? Oder ist es, weil du neue Klamotten willst?
Florian: Nein, das war ein Beispiel für, ich möchte eigentlich mal wieder neue Klamotten einkaufen.
Miriam: Und eigentlich auch. Ja. Wir haben Ramon vor der Tür.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Das große Outlet. Der Florian hat gerade einen Firmenbudget-Antrag gestellt für neue...
Florian: Bei sich selbst. Bei sich selbst. Liebes Finanzamt.
Miriam: Das ist ja noch dieses, ich begründe das auch noch. Also ich kann jonglieren nicht lernen... Weil ich zwei linke Arme habe.
Florian: Ja.
Miriam: Linkshänder würden sagen, weil ich zwei rechte Arme habe. Nur damit wir alle im Boot haben. Ja. Und das Ich-Kann-Nicht schiebt ja im Prinzip so eine vordere Instanz davor.
Florian: Ich bin unschuldig. Da lässt sich jetzt auch nichts dran ändern. Vor allem ich ändere da nichts dran. Oder selbst wenn ich mich anstrengen würde, ich kann da nichts dran tun. Ich bin unschuldig. Ich bin ein armes Opfer.
Miriam: Ja.
Florian: Meiner Umstände oder was auch immer. Meiner zwei linken Arme.
Miriam: Stimmt, weil immer wenn ich was nicht machen kann, hört es sich ein bisschen so an, als würde irgendeiner neben mir stehen und das verhindern oder irgendetwas.
Florian: Also nicht ich, sondern etwas da draußen.
Miriam: Und ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich klipp und klar sage, ich will das nicht, ich habe mich entschieden, das nicht zu machen.
Florian: Ja, ja, ja, entscheiden, dann trenne ich mich ja von irgendwas.
Miriam: Ja genau, von Jean-Pierre Bellen, das ist eine gute Idee, weil das wird ein teurer Spaß, wenn ich die auf der Uhr... Ist es wirklich ein Traum von dir, händisch eine Rakete zu bauen und zu... Jetzt, wo ich drüber nachgedacht habe?
Florian: Nein.
Miriam: So, dann ist es eine Entscheidung.
Florian: Ja, und ich kann es nachvollziehen. Manchmal fühlt sich das doof an zu sagen so, oh, vielleicht würde ich ja doch gerne noch olympische Goldmedaille im Schwimmen gewinnen oder zum Mond fliegen oder eines von diesen einer Milliarde Projekten, die da draußen möglich werden, angehen. Und dann ist es viel einfacher zu sagen, ich kann nicht, als jetzt zu sagen, nee, mache ich nicht.
Miriam: Und gab es in deinem Leben schon Dinge, von denen du so begeistert warst, dass selbst wenn andere gesagt haben, das kannst du doch nicht, du gedacht hast, doch, wohl. Also ich habe eine These, dass da eine Menge schon war. Gerade wenn andere sagen, du kannst es nicht.
Florian: Was? Ja. Nein, normalerweise höre ich immer genau drauf, was mir die lieben Menschen in meiner Umgebung sagen und halte mich dann daran. Vor allem, wenn das von dir kommt.
Miriam: Dazu sage ich jetzt nichts, das wird zu brisant hier in diesem Podcast.
Florian: Jetzt sind wir wieder beim Rechthaben.
Miriam: Nächste Woche gibt es Rechthaben. Also, wenn ich ganz klipp und klar an einer bestimmten Stelle sage, ich will es nicht, ich habe da keine Lust drauf, es macht mir keine Freude, ich sehe mich schlichtweg da nicht.
Florian: Ich entscheide mich dagegen, da irgendwas zu tun. Ich entscheide mich für etwas anderes.
Miriam: Cool. Und eben auch mit diesem Wissen, wenn ich etwas in meinem Leben wirklich können wollte oder tun wollte, wenn da volle Begeisterung war, nicht so dieses, oh, es wäre ja auch ganz schön, mal selbst eine Rakete zu bauen und zum Mond zu fliegen, sondern dieses, boah, was ich auf jeden Fall noch mache. ist einmal in diesem Leben auf Mount Everest klettern. Vielleicht nicht bis ganz oben und zumindest bis zum Basislager Nummer 5. Und andere würden sagen, hast du noch alle?
Florian: Oder mich mit Menschen zu umgeben, die das tun. Da näher dran zu kommen, das ist ja auch schon der erste Schritt. Auch wenn dieses Raketenbauen, wenn wir es nur als Beispiel nehmen. Ich könnte ja jetzt mal anfangen, nebenbei Astrophysik zu studieren oder mehr Zeit mit Physikern zu verbringen, mehr Zeit mit Mechanikern zu verbringen, um einfach rauszufinden, ist denn das tatsächlich das, was ich machen möchte? Weil da gibt es ja auch Jobs.
Miriam: Also wenn du es wirklich wollen würdest?
Florian: Würde ich zumindest näher dran kommen an das Ganze. Und könnte damit Zeit verbringen, könnte damit Energie verbringen. Wenn mich das so begeistert, das Thema, dann komme ich da auch in die Nähe und komme da natürlich auch näher dran. Und wie weit es dann geht, ob ich dann mal in so einem Raumschiff sitze oder nicht, das wird die Zukunft zeigen.
Der Stollen, den es angeblich nicht gab
Miriam: Das ist Jahre her, da habe ich wirklich auch noch öfter selbst gesagt, das kann ich einfach nicht. Zum Beispiel hatten wir in der Sendung, das war kurz vor Weihnachten bei QVC, das Thema mit diesem Stollenbacken. Ich weiß gar nicht mehr, wie es zustande kam. Es war noch nicht mal eine Küchensendung. Und es war in einer Nachtsendung, da haben wir noch über Nacht gesendet. Und ich hatte mit meinem Gesprächspartner das Thema Stollen backen. Und dann habe ich sowas von mir gegeben wie, wow, Stollen, das ist ja so das Komplexeste, was Menschen an Weihnachten backen können. Ich kann's nicht.
Florian: Zimtstern.
Miriam: Findest du noch komplexer als Stollen? Ja. Also ich empfand Stollen als das Komplexeste und habe dann sowas gesagt wie, das kann ich einfach nicht. Und mein Gesprächspartner gab mir recht. Ja, das ist schon, also Stollenbacken ist schon, also das ist schon ein Job. Also das ist auch aufwendig und... Und dann hatten wir eine Anruferin in der Sendung, die dann nicht anrief wegen des Schmucks, den wir verkauft haben, sondern die sagte, also Frau Deforth, ich höre Ihnen jetzt schon die ganze Zeit zu, Stollen backen, da kommt es darauf an, welcher Teig. Wenn Sie einen Hefeteigstollen backen, dann kann das sein, dass Sie da ein bisschen Erfahrung brauchen. Nur es gibt Quarkstollenrezepte, die werden genau wie ein Rührkuchen einfach nur angerührt und dann kommen die Rosinen und die Mandeln und was auch immer Sie haben wollen darin, dann kommt das in den Ofen, fertig ist der Lack. Am Schluss ein bisschen Puderzucker.
Florian: Also weil du von außen einen Tipp bekommen hast, schaffst du Dinge?
Miriam: Nee, nur es war ein witziges Feedback, weil ich in dem Augenblick dann dachte, habe ich überhaupt Lust, Stollen zu backen? Also geht es wirklich drum? Geht es wirklich drum? Ich fand es super, dass die angerufen hat. Und die hat mir dann witzigerweise das Rezept für diesen Quarkstollen auch noch in der Bestellannahme hinterlegt. Und dann dachte ich so bei mir, war das einfach nur so diese Faulheit, diese Bequemlichkeit zu sagen, wenn unser Bäcker doch so leckeren Stollen backt oder die Oma macht es.
Florian: Und das ist so einfach, wenn du dich entscheidest, dich auf die wirklich schönen Dinge in deinem Leben zu konzentrieren und da Zeit reinzustecken, dann fällt dir das Leben viel einfacher.
Miriam: Nur als sie dann sagte, so einfach ist es, habe ich den ersten Stollen meines Lebens gebacken und zwar nach genau diesem Rezept.
Florian: Ja, sehr cool.
Miriam: Der war extrem lecker.
Florian: Und jetzt bist du Stollenbäckerin.
Miriam: Und ich kann Stollen backen.
Florian: Ja.
Miriam: Ich kann's.
Florian: Ja.
Miriam: Ja, wenn ich will. Und die letzten zwei Weihnachten wollte ich keinen Stollen backen.
Florian: Nee, wir haben keinen Stollen. Also ich hab Stollen gegessen. Ja, nicht meinen.
Miriam: Ja, genau. Genau, also ich hab keinen Stollen gebacken. Nur dann will ich's einfach nicht. Das heißt nicht, dass ich's nicht kann. Sondern ich wollte es dann nicht. Der Aufwand ist immer noch relativ groß. Und ich wollte's nicht. So war's.
Florian: Lieber Papette.
Vom „Kann nicht“ zum bewussten Wollen
Miriam: Ja, das ist das Thema, oder? Ja, das ist das Thema. Und dann wären wir jetzt wieder am Anfang dieses Podcasts. Es gibt ja so allgemeine Aussagen, das hören vielleicht manche von euch da draußen auch mal im Kollegenkreis oder im weit entfernten Bekanntenkreis, dieses, ich kann so einfach nicht arbeiten.
Florian: Ja.
Miriam: Was steckt dann da dahinter? Auch ein, ich will im Grunde nicht?
Florian: Ja, ich glaube schon. Und du darfst dir das einfach gönnen, dass du dich an den Stellen tatsächlich auch ernst nimmst und sagst, möchte ich nicht, möchte ich. Und du dich dann richtig entscheidest für dich.
Miriam: Und wenn jemand sagt, ich kann so nicht arbeiten, könnte ich dann fragen, wie wäre es denn besser? Oder könnte ich mich selbst fragen? Wenn ich sage, ich will so nicht arbeiten, also wenn ich das kann gegen das will austausche, ich will so nicht arbeiten.
Florian: Plötzlich wird es viel konkreter.
Miriam: Was kann ich denn an diesem Prozess, wenn ich jetzt der Überzeugung bin, dass ich das arbeiten möchte? Nur so gefällt es mir nicht. Kann ich dann meinen Schreibtisch schöner gestalten? Kann ich meinen Chef bitten, umzuziehen in ein anderes Büro, wenn vielleicht das was zu tun hat mit den Menschen, mit denen ich zusammensitze?
Florian: Ich kann auch meine Einstellung ändern.
Miriam: Die Einstellung ändern. Nur, wenn ich aus dem Gedanken, ich kann so nicht arbeiten, nein, ich will so nicht arbeiten, mache, ist ja schon mal ein guter Schritt, weil ich dann aktiver werde.
Florian: Du wirst viel, das wird dir viel einfacher fallen alles, ja.
Miriam: Dann, wäre der nächste Schritt zu fragen, also wenn ich es erstmal verneint habe, so will ich nicht arbeiten, wie will ich denn arbeiten?
Florian: Ja, das rauszufinden. Und dann kann es sein, dass es doch wieder, das ist so wie in deinem Stollenbeispiel, dass das vielleicht doch das Richtige ist, wenn du mal so drüber nachgedacht hast. Spannend, ja.
Miriam: Ja, ja.
Florian: Das ist ja nochmal ein interessanter Punkt, den du aufgebracht hast. Wenn jetzt jemand kommt und sagt, ich kann nicht, wie hilfst du dem denn dann oder der?
Miriam: Erstmal ist es schon schön, wenn ich das höre, wenn ich es mitbekomme. Ich brauche demjenigen ja nicht gleich, also bei manchen Leuten, von denen ich weiß, das ist okay, weil die sowieso schon reflektierend sind und Spaß daran haben.
Florian: Dadurch, dass du viel mehr Aufmerksamkeit auf die Sprache legst, fällt dir sowas ganz automatisch auf.
Miriam: Genau. Fällt mir automatisch auf. Und dann kann ich demjenigen, wenn es ein witziger Mensch ist oder wenn ich weiß, das ist ein entspannter Typ, kann ich sowas sagen. Ja, der kann nicht wohnen, der will nicht Straße. Ich mag den Spruch. Der ist pfiffig und der hilft an der Stelle manchmal schon.
Florian: Und dann so ein verschmitztes Lächeln, ein ganz liebevolles.
Miriam: Eine ganz süße Kollegin bei QVC korrigiert sich dann immer sofort und sagt, ja stimmt, will ich nicht.
Florian: Also das ist ganz süß. Und dann kommt dieses, genau das hast du eben nämlich auch gemacht, dann kommt dieser Blick nach oben so, stimmt das denn? Und was heißt das denn eigentlich?
Miriam: Interessant. Und eigentlich auch. Also das wäre dann quasi humorvoll darauf reagiert. Und wie gesagt, nicht bei jedem Menschen. Erstmal finde ich es schon toll, dass ich es mitbekomme, dass jemand sagt, ich kann das so nicht.
Florian: Eine sanftere Frage wäre wahrscheinlich, was können wir denn tun, damit dir das möglich wird? Also welche Randbedingungen dürfen wir verändern?
Miriam: Ja, wenn es darum geht, das Ding unbedingt zu machen. Wenn jemand fest davon überzeugt ist, dass er es nicht kann und es geht mich im Prinzip auch nichts an.
Florian: Ja, das kommt dann darauf an, in welcher Situation.
Miriam: Also wenn mir eine Freundin eine Geschichte erzählt und sagt, ich kann einfach mit dieser Kindergärtnerin nicht ordentlich reden, dann denke ich bei mir, okay, dann lass es eben. Also dann mache ich mir da keine weiteren Gedanken drüber.
Florian: Und wenn ein Mitarbeiter mir das sagt und ich bin Vorgesetzter, dann darf ich mir natürlich Gedanken machen, wie kann ich die Person unterstützen an der Stelle, dass sie mindestens mal das möchten.
Miriam: Wenn ich für mich das austausche, in meinem Kopf dann und die Freundin hat mir das gesagt und ich sage, also ich übersetze jetzt, ich will einfach mit dieser Kindergärtnerin nicht reden.
Florian: Okay, hat sie ihre Gründe wahrscheinlich.
Miriam: Und als Chef darf ich mich fragen, okay, vielleicht warum will derjenige so nicht arbeiten? Gibt es Möglichkeiten, das zu verbessern? Kann ich fragen?
Florian: Und dann wäre ich eben dabei, wie können wir da die Diskussion oder das Gespräch dahin lenken, was möchte mein Gegenüber denn, was möchte mein Mitarbeiter und welche Ressourcen darf ich zur Verfügung stellen?
Miriam: Oder mein Kind oder meine Frau oder genau, also es anzunehmen als Geschenk, dass du es in Zukunft hörst, dass du es schon mal wahrnimmst, auch bei dir selbst, wenn dir sowas rausrutscht, wie ich kann das nicht, wenn du es austauschst mit ich will das nicht, dich dann zu fragen, vielleicht warum so nicht? Was kann ich ändern, dass es mir leichter fällt oder dass ich es dann doch will?
Florian: Oder bewusst diese Entscheidung zu treffen.
Miriam: Oder bewusst entscheiden, ich will es schlichtweg nicht.
Florian: Punkt. Ich will nicht jonglieren lernen. Ich möchte etwas anderes.
Miriam: Darum geht es ja immer. Gut, auch wenn ich einfach nur beschließe, ich in diesem Leben keine Jongliererei.
Florian: Punkt.
Miriam: Und es fühlt sich super entspannt an. Echt. Auch kein Völkerball mehr. Nie mehr. Ich entscheide mich bewusst, voller Freude.
Florian: Dass die Bundesjugendspiele alle in deiner Vergangenheit liegen.
Miriam: Dass ich weiterhin bewundernd zu dir aufblicke, als der Traummann schlechthin sowieso, nee, der Traummann gut hin, der so herrlich jongliert und mich damit beeindruckt. Und es ist toll, dass du das kannst.
Florian: Ja, und das ist toll, dass du Texte schreiben kannst und dass du ganz viele andere Fähigkeiten hast an der Stelle, dass du so vor Energie sprühst. Ja, das ist wirklich toll. Und dann sind wir plötzlich in dieser Ressourcendiskussion und in diesen, die Stärken des anderen wahrnehmen und mehr wahrnehmen. Was sind denn meine eigenen Stärken? Und wenn du dir deiner Stärken bewusst wirst, ist dein Leben auch viel einfacher an der Stelle.
Miriam: Und dann darfst du in Zukunft die Dinge wollen, die dir Spaß machen und die dich begeistern. Ja, genau. Voll gut. Ja, ich finde, dem ist nichts hinzuzufügen.
Florian: Allerdings.
Miriam: Wir wünschen dir ganz viel bewusstes Wollen und Entscheiden in der nächsten Zeit.
Florian: Genau. Und der nächste Podcast wird ein Rechthaber-Podcast. Ja, Rechthaber-Podcast und danach
Miriam: Oh, danach kommt der Karnevals-Podcast.
Florian: Der Karnevals-Podcast, oh jemine.
Miriam: Und nach dem Karnevals-Podcast, wo wir unseren Hörern versprochen haben, dass wir... Oh, das Thema verraten wir noch nicht. Okay. Nach dem Karnevals-Podcast kommt jeden Samstag im März... Eieiei, ach, darauf wolltest du nochmal hinaus, ja.
Florian: Eieiei. Ja, ich kann leider doch nicht diesen Videopodcast machen.
Miriam: Florian ist aufgeregt.
Florian: Wir haben gar keine Videokamera.
Miriam: Wir haben Handykamera.
Florian: Ah, ja und wir möchten euch natürlich tolle Qualität liefern, von Anfang an.
Miriam: Das reicht am Anfang. Du hast eben schon Hemden beantragt für den Videopodcast.
Florian: Ja.
Miriam: Okay.
Florian: Und bunte Socken. Die sieht doch keiner. Ja, und es geht darum, dass ich mich damit wohler fühle. Ja, sehr schön.
Miriam: Vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank fürs Feedback. Hier kommt die Werbung. Unter www.kontext*denken.de findest du unsere Seminarangebote, unsere Blogs und alle Folgen dieses kostenlosen Podcasts zum Nach- und Vorhören. Wir freuen uns über dein Feedback, über deine Bewertung bei iTunes. Und fühl dich bitte gerne und von Herzen aufgefordert, uns zu schreiben, zum Beispiel bei Facebook unter diesem Podcast.
Florian: Was du bisher nicht konntest und jetzt vielleicht nicht willst.
Miriam: Oh, das hört sich kompliziert an. Oder was du jetzt auf einmal willst und dann vielleicht auch kannst.
Florian: Ja, genau.
Miriam: Oder wo du es gehört hast bei anderen Menschen und bei dir in letzter Zeit, nachdem du den Podcast gehört hast. Ja. Deine Meinung zum Thema Ich kann nicht und will nicht. Der Herr kann nicht wohnt in der Will-nicht-Straße. Ganz liebe Grüße von uns und bis nächsten Dienstag.
Florian: Tschüss.
Miriam: Tschüss.