"Ich weiß, wie du es besser machen könntest." Der Satz will helfen — und trotzdem knallt er oft gegen eine Wand. Miriam und Florian drehen genau das um: Warum landet ein gut gemeinter Rat so selten da, wo er ankommen soll? Und was ändert sich, wenn du wartest, bis jemand von selbst fragt? Zwischendrin geht es um einen Kopfhörer, Vollkornbrot mit Möhrensalat und einen Handstand im Wald.
Ein paar gute Ratschläge zum Anfang
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Bevor wir heute mit dem Podcast anfangen, habe ich mir überlegt, gebe ich dir, lieber Florian, erstmal ein paar gute Ratschläge, wie Podcasten richtig funktioniert.
Florian: Ja, das ist schön. Ich sehe es in deinem Gesicht noch nicht. Dein 52. Podcast.
Miriam: Oh, wir haben bald ein Jahr.
Florian: Wir haben bald ein Jahr, das stimmt.
Miriam: Oh, und in dem Jahr ist so viel passiert.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Mach ich kurz erst Werbung. Komm am 1.10. zum Sprachzaubertag nach Frankfurt.
Florian: Nach Bad Nauheim.
Miriam: Ja, ist ja in der Nähe von Frankfurt am Main.
Florian: Ja.
Miriam: Gut zu erreichen mit dem Zug. Florian und ich verbringen dort einen ganzen Tag mit all jenen Menschen, die Lust haben, ihre Kommunikation noch mehr zu verbessern.
Florian: Allerdings.
Miriam: Von morgens um 10 bis abends um 6, halb 7 sind wir da am Tun mit euch. Und es ist ein toller Platz und es gibt Verpflegung, Snacks gibt's und wird ganz toll.
Florian: Das stimmt. Und die haben ein fantastisches Restaurant da.
Miriam: Oh ja, und es ist mitten im Kurpark und dort, wo Elvis Presley gewohnt hat.
Florian: Und wenn du da übernachten möchtest, in dem Hotel, in dem wir sind, gibt es auch ein ganz tolles Spa.
Miriam: Oh ja, also es lohnt sich in jeder Hinsicht und wir freuen uns so darauf, dich kennenzulernen.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Jetzt sind wir wieder bei den Ratschlägen.
Florian: Ja, was war denn jetzt das Thema? Du wolltest mir was beibringen über Podcasts.
Miriam: Richtig. Weil mir ist aufgefallen, dass es so ein paar Verbesserungsdinge gibt, die würden dir das Leben leichter machen.
Florian: Das stimmt. Beim Podcast. Zum Beispiel?
Miriam: Zum Beispiel, wenn du dich mal gerade hinsetzen würdest. Mhm. Und wenn du dich gerade hinsetzt, dann fließt der Luftstrom besser bis zum Zwerchfell. Und du dürftest deinem Gesicht verraten, dass dir Podcasten Spaß macht, dann würden die Zuhörer das Lächeln in deinem Gesicht hören. Apropos Zuhörer.
Florian: Das haben sie eben schon gehört. Ich habe die ganze Zeit schon ein Lächeln auf dem Gesicht, weil du so einen Quatsch erzählst. Ich erzähle keinen Quatsch. Ein Quark. Du, das ist gut gemeint. Ja, das stimmt. Habe ich dich darum gebeten? Hallo, lieber Zuhörer.
Miriam: Du hast mich nicht darum gebeten und ich sehe es als Notwendigkeit. Du willst dich doch verbessern. Du willst doch besser werden.
Florian: Ja, das stimmt.
Miriam: Dann setz dich mal gerade hin jetzt.
Florian: Ich sitze doch schon gerade.
Miriam: Du sitzt überhaupt nicht gerade, du liegst auf dem Sofa.
Florian: Und du?
Miriam: Ich sitze gerade.
Florian: Weißt du, was ich mal gehört habe? Das Beine überkreuzt, dann fließt die Energie nicht richtig.
Miriam: Ich sitze im Lotus-Sitz.
Florian: Ähm, nein. Miriam hat gerade ihre Füße übereinander gestülpt.
Miriam: Ja, kann ich.
Florian: Ich nicht.
Miriam: Ich bin so gelenkig. Jetzt würde sich der aufmerksame Zuhörer zurechtfragen.
Florian: Warum höre ich mir diesen Podcast an? Und darauf ist die Antwort?
Miriam: Weil es spannend wird gleich.
Florian: Weil es gleich spannend wird. Wir bauen da eine subtile Spannungskurve ein.
Miriam: Ja, das stimmt.
Wo die Hörerin das Thema aufwirft
Miriam: Und zwar geht es heute um, das ist auch wieder das... Jetzt wird es Zeit.
Florian: Worum geht es?
Miriam: Das Thema stiftete wieder eine Hörerin, eine, die ich sogar persönlich kenne, die sagte, ihr habt irgendwann mal gesagt, so Ratschläge geben ist nicht so gut, nur wenn ich doch was besser weiß als die Kollegen und sehe, dass die Fehler machen. Ja. Und ich sehe die herannahende Katastrophe, dann ist es doch meine Pflicht, als gute Kollegin, als gute Mutter, als gute Ehefrau, als gute Tochter, die Menschen, die es betrifft, darauf aufmerksam zu machen, dass ich weiß, wie sie es besser machen könnten.
Florian: Darauf aufmerksam zu machen, dass du weißt, wie sie es besser machen können. Und ihnen dann sogar zu verraten, wie es besser geht. Weil das wäre auch cool, ne? Nur hinzugehen und zu sagen, Entschuldigung, ich weiß, wie du es besser machen könntest.
Miriam: Bis nachher. So meinte sie das nicht.
Florian: Ne?
Miriam: Ne. Und ich kann es so nachvollziehen.
Florian: Ja, du weißt auch immer alles besser? Immer. Ist mir schon aufgefallen. Ja.
Miriam: Und deswegen kann ich das super gut verstehen und ich finde, es ist ein tolles Thema für diesen Podcast. Jetzt hör auf zu lachen. Florian. So wird das doch nicht. Das ist ein ernstes Thema.
Florian: Wie du dieses Thema wohl in unser Leben gezogen hast.
Miriam: Hallo? Es gibt ganz viele Menschen da draußen, die Dinge auch besser können als ich und die dürfen ja zu mir kommen und mir vielleicht auch sagen, wie ich es besser machen könnte. Wenn ich gerade in der Laune bin. Hahaha.
Florian: Ich habe das schon mal probiert für euch da draußen.
Miriam: Ja, das würde alles...
Florian: Meine aktuelle These ist, das ist immer bei Vollmond, bei geraden Tagen, in Schaltjahren.
Miriam: Jetzt hör doch auf. Das stimmt gar nicht.
Florian: Nein, das stimmt nicht.
Miriam: Ich lasse mich total gerne fortbilden. Das stimmt. Und ich mag das auch, wenn ich was lerne.
Florian: Wenn du es freiwillig machst.
Miriam: Ja, stimmt. Wo ist der Unterschied?
Florian: Wenn du es an jemanden hinkarrst, versus wenn die Person freiwillig danach fragt, das ist schon ein kleiner Unterschied.
Miriam: Pass auf, das ist sehr spannend. Ich habe da einen Extremfall auch in der direkten Familie und ich nenne jetzt keine Namen. Das ist ein Mensch, der viele tolle Sachen macht, ständig und der das alles besser selbst macht, weil er glaubt, dass andere das nicht so gut können wie er.
Florian: Also ich bin es nicht.
Miriam: Nee, auf gar keinen Fall. Ja, dass wir das klar haben. Nee, nee, ich bin es auch nicht mehr. Ich war früher so. Und wenn ich anderen was übereignet habe früher, wenn ich gesagt habe, dann mach du das, dann war ich ständig dran, das zu kontrollieren und zu gucken, ob das auch wirklich gut ist und ob das in meinem Sinne ist und ob ich da nicht vielleicht noch eine Verbesserungsidee hätte. Und meistens hatte ich eine. Und dann war ja sozusagen der Appendix noch an dieser Frage für den Podcast, dass es oft auf so ein Unverständnis stößt, wo man doch nur helfen möchte.
Erst die Veränderungsbereitschaft, dann der Rat
Florian: Allerdings. Ich arbeite ja viel mit Teams zusammen, ich halte mich da extrem zurück inzwischen.
Miriam: Mit Ratschläge verteilt.
Florian: Mit Ratschlägen.
Miriam: Das klingt auch schon so hart, ne? Ratschlag.
Florian: Und das ist oftmals mein Job, Teams zu helfen, dabei besser zu werden oder schneller zu werden oder ihre Arbeit schöner zu machen oder was auch immer. Und ich habe inzwischen gelernt, ja, ich sehe manchmal Dinge schon weit bevor das Team realisiert, dass es da irgendwie ein Thema gibt oder dass ich da was tun lassen würde. Und wenn ich da zu früh reingehe, ohne dass die Menschen selber die Veränderung wollen oder die Menschen selber sagen so, hey hast du mal einen Tipp da Florian oder lass uns an dieser Stelle was machen, zum Beispiel, dass wir merken, dass wir in Meetings relativ unaufgeräumt sind oder die Zeiten nicht einhalten. Also ich achte dann darauf, dass wir pünktlich enden und dann haben wir halt manchmal die Sachen, die wir uns vorgenommen hatten, nicht geschafft und dürfen die nochmal irgendwann nachholen. Und manchmal kommen die Menschen dann auf die Idee, dass wir uns vielleicht mehr an die Agenda halten sollten. Und diese Erfahrung lasse ich sie inzwischen selber machen, weil dann die Veränderung viel besser ist. Ich kann die natürlich dabei unterstützen, die Erfahrung früher zu machen.
Miriam: Ah, ich finde es, ich mag das. Also, ich kann da eine Stelle sehr gut verstehen. Viele Menschen kennen irgendjemanden, der zum Beispiel gesundheitlich vielleicht nicht so ganz am Damm ist und sich nicht wirklich so verhält, dass das besser werden würde. Obwohl vielleicht auch schon ein Arzt gesagt hat, keine Ahnung, lass den Alkohol weg oder ernähr dich gesünder oder mach mehr Sport. Und diese Menschen tun das einfach nicht. Und da geht es ja dann nicht nur darum, dass irgendwie ein Ziel nicht rechtzeitig erreicht wird, sondern da geht es um Leben und Tod, gefühlt. Und dann ist es doch ganz furchtbar, wenn ich dann, obwohl ich das sehe am Horizont, dass derjenige da auf ein Elend zusteuert, dass ich dann nicht da reingrätsche und sage, hör mal, mach das doch bitte anders. Ich weiß, wie es besser geht.
Florian: Ich unterstütze dabei, dass das Problem früher klar wird. Dass da früher klar wird, dass wir an der Stelle was tun können. Nur, ich komme nicht sofort mit dem Ratschlag.
Miriam: Wann kommst du denn mit deinem Ratschlag um die Ecke?
Florian: Wenn die Teammitglieder dann fragen.
Miriam: Das heißt, wenn die Person, um die es gehen würde, die sich nicht gesundheitlich förderlich verhält.
Florian: Cool, und wir gehen zufällig mal wandern oder so? Und die Person wäre ganz schön außer Atem, würde ich vielleicht das Tempo noch ein bisschen anziehen.
Miriam: Was? Das ist doch dann kein Ratschlag.
Florian: Nein, das ist ein Wir-holen-das-Thema-in-den-Raum-Schlag.
Miriam: Okay.
Florian: Weil dann ist Veränderungsbereitschaft da. Dann können wir vielleicht mal ganz sanft darüber reden, dass es vor zehn Jahren noch anders ging mit dem Wandern. Und dann ist vielleicht auch irgendwo der Punkt da, wo wir darüber sprechen können, vielleicht ließe sich noch was anders machen im Leben. Es ist noch Hoffnung da. Ja, und den habe ich dann immer im Raum. Also die Veränderung ist ja ganz leicht. Die Veränderung kann in jedem Moment passieren. Wenn du dich entscheidest dafür, ab jetzt etwas anders zu machen, veränderst du dich. Nur solange diese Entscheidung bei Max Müller noch im Raum steht.
Miriam: Da magst du Recht haben.
Florian: Da habe ich schon zu viele Teams zu lange getragen. Das funktioniert meiner Erfahrung nach nicht. Ja, die Erfahrung hat wahrscheinlich fast jeder da draußen. Wenn ich dann nicht mehr dabei bin, machen die das einfach nicht mehr. Und das möchte ich nicht. Nachhaltig arbeiten finde ich schön.
Miriam: Ich finde den Gedanken ganz gut. Dieses sich dann auch ein Stück weit entspannt zurücklehnen dürfen, weil solange von demjenigen Menschen dieser Impuls nicht kommt, kann ich nichts tun. Oder ist es dann, mir wurde mal so ein Vorwurf gemacht, vor gar nicht allzu langer Zeit, als ich gesagt habe, solange dieser Mensch nicht kommt und Hilfe möchte, mache ich das auch nicht. Da kam dann der Vorwurf von einer dritten Person, dass ich da kaltherzig bin.
Florian: Okay.
Miriam: Dass ich, obwohl ich weiß, wie es besser geht, das nicht sage. Weißt du? Da ist ja mehr dahinter.
Florian: Ich kann das ja trotzdem reflektieren.
Miriam: Also so kann ich wenigstens sagen, ich bin hingegangen, hab gesagt, hör zu, wenn du dich gesünder ernähren würdest, wird es wieder besser wandern. Und ich kann dir auch sagen, was? Iss mehr Vollkorn, Obst, was weiß ich was. Karotten. So, dann habe ich es wenigstens getan, ob derjenige dann was damit macht oder nicht, ist mir egal, nur ich habe abgeliefert. Wäre das nicht auch eine Idee?
Florian: Ja, und ich würde sagen, viel cooler ist es doch, wenn ich mein Gegenüber, gerade im Coaching, dazu bringe, sein Verhalten tatsächlich zu verändern.
Miriam: Wir sprechen von Coaching, das ist ja dann kein Coaching.
Florian: Wo ist denn da der Unterschied?
Miriam: Naja, beim Coaching kommt einer und sagt, ich möchte gerne ein Coaching haben, dann ist es ein Deal, dann arbeiten wir zusammen. Und dann ist es ja von beiden Seiten gewünscht.
Florian: Ja, nur das ist halt ein ungefragtes Coaching, oder?
Miriam: Ich habe einen tollen Ratschlag. Ja, das stimmt.
Florian: Also ja, okay, und vielleicht bist du da draußen als Zuhörer jetzt nicht als Coach ausgebildet oder... Nur im Endeffekt ist es die gleiche Situation, oder? Ich habe eine tolle Idee, wie sich Menschen verändern könnten oder wie Menschen etwas besser machen könnten. Wie die Frau an der Wursttheke die Wurst besser schneiden kann. Und dann kann ich dir das ja mal sagen.
Die Wursttheke und der ungefragte Rat
Miriam: Einfach so als Kunde. Stellst dich vor die Wursttheke und sagst, Entschuldigung?
Florian: Wenn sie die Wurst mit der anderen Hand schon aus der Wursttheke heben würden, dann würden sie sich den einen Arbeitsschritt, das in die andere Hand nehmen, sparen. Dadurch wird die Wurst nicht so warm, es geht schneller. Das macht bei 77 Kunden am Tag, sparen sie 3 Minuten 20. Ja, kann mir ja auffallen.
Miriam: Ja, gut. Und jetzt die andere These genommen. Wenn die dann sagt, nö, ich habe keinen Bock, die drei Minuten zwanzig zu sparen, dann kannst du sagen, gut, ich habe es ihnen ja wenigstens gesagt. Ich habe es nicht für mich behalten. Ich habe die Weisheit an der Stelle mit Löffeln gefressen und ich habe es nicht für mich behalten. Ich habe es ihnen gesagt.
Florian: Hast du sowas schon mal probiert? Meine Erfahrung ist, die Leute sind dann eher nicht so begeistert.
Miriam: Ich habe jetzt nicht darauf insistiert, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, selbst wenn ich es geglaubt habe. Nur die... Das wäre ja die Idee, dass es sozusagen dann im Nachgang nicht heißen kann, aha, du hättest es gewusst und hast es für dich behalten. So was. Weißt du, dass der Vorwurf nicht kommt.
Florian: Ja.
Miriam: Dass ich dann sage, okay, ich bin hingegangen, hab's gesagt. Das Menschlein hat nicht drauf gehört.
Florian: 40 Arbeitsjahre, ne? 40 Arbeitsjahre.
Miriam: Ja, dann kommt da was zusammen. Das wäre schon fast eine Woche Urlaub. Wahrscheinlich schon. Boah, das hört sich an wie bei Momo mit den Zeitdieben. Sparen Sie Zeit auf ein Zeitkonto. Bei jeder Scheibe Wurst 0,01 Sekunden. Nein, nein, nein. Und du weißt, was ich meine.
Florian: Ja. Es ist ein wichtiges Thema, weil... Nur wenn mir der Mensch am Herzen liegt und davon würde ich jetzt mal ausgehen.
Miriam: Oder es geht um meine Firma.
Florian: Ja. Wenn mir die Menschen am Herzen liegen, dann möchte ich die Veränderung doch möglichst gut unterstützen. Also dann möchte ich die Botschaft am liebsten auch so rüberbringen, dass tatsächlich eine Veränderung leicht und witzig und schön und angenehm entstehen kann. Und wie gesagt, meine These, nachhaltig ist es einfacher, wenn die Menschen selber einsehen, dass sie an der Stelle was verändern möchten. Und ich dann, wenn sie nach meinem Rat fragen, ihnen einen Rat schenken darf.
Miriam: Und wenn sie nicht fragen und du siehst in deiner Firma, wir könnten eine Menge Zeit und Geld sparen, würdest du dann endlich Sanktionen irgendwie auch? Also, das kann doch nicht sein. Das kannst du mir doch nicht erzählen. Da sitzen jetzt Unternehmer und hören diesen Podcast. Ich weiß, dass Unternehmer uns zuhören. Die greifen sich doch jetzt am Kopf.
Florian: Ich bin da in einer sehr luxuriösen Situation, weil ich nicht als Chef unterwegs bin in den Firmen, in denen ich bin, sondern immer als Facilitator. Das heißt, als Veränderungsbegleiter oder jemand... Ich habe keine disziplinarische Gewalt, ich kann denen nicht sagen... Ihr macht das jetzt sonst, weil das sonst heißt, dass sie dann einfach... Sonst bring ich keine Gummibärchen mehr mit. Weiß nicht, also ich finde das total blöd zu drohen. Das mag ich tatsächlich auch nicht. So, ich mag das viel lieber... Mir eine Position zu erarbeiten, wo die Menschen Dinge tun, die ich vorschlage, weil sie schon die Erfahrung gemacht haben, dass wenn ich was vorschlage, dass das Hand und Fuß hat. Also dass sie, wenn sie das dann gemacht haben, ausprobiert haben für eine Weile, dass sie dann merken, das bringt ihnen tatsächlich was.
Miriam: Also gibst du doch Ratschläge?
Florian: Ja, nur die Menschen fragen vorher oder die Teams fragen oder wir sind uns im Team einig, dass wir an der Stelle was machen möchten. Und da gibt es ja ganz einfache Techniken, um das rauszufinden.
Miriam: Auch in der Firma?
Florian: Auch in der Firma. Da mache ich das ja meistens.
Der Kopfhörer, den ich dreimal abgelehnt habe
Miriam: Ja, stimmt. Und bei mir auch.
Florian: Bei dir auch, ja.
Miriam: Ja, heute hast du mir einen neuen Kopfhörer angedreht. Ja, das stimmt.
Florian: Aber wie habe ich denn das gemacht?
Miriam: Du hast ihn mir aufgesetzt. Ich habe ihn dir aufgesetzt. Und da sind wir an der Stelle. Ich hätte den mir selber nicht freiwillig aufgesetzt.
Florian: Das stimmt. Und dann habe ich deine Lieblingsmusik angemacht.
Miriam: Und damit war dein Verkauf. Ich habe die ganze Zeit mit einem Kinderkopfhörer gehört. Den fand ich am bequemsten. Ich mag diese Stöpsel im Ohr nicht.
Florian: Ja, du möchtest On-Ear haben.
Miriam: Ja, die drücken so im Ohr. Und dann mag ich lieber so ganz, das ist ein ganz billiger Schaumstoff.
Florian: Und ich hatte den kurz auf und habe beschlossen, dass meine Traumfrau etwas Besseres haben darf.
Miriam: Und dann habe ich einen, den Florian nicht mehr benutzt, der sehr, sehr gut ist, den habe ich heute einfach auf die Ohren bekommen. Nur verstehst du, da machst du das auch einfach, weil du denkst, das ist besser für mich. Und das machst du auch, wenn ich habe dreimal Nein gesagt.
Florian: Das stimmt doch gar nicht.
Miriam: Doch, ich habe dreimal Nein gesagt.
Florian: Außerdem hast du den Anstoß einer Beratung schon angestoßen. Den Veränderungswunsch hast du im Endeffekt, den hast du schon gesagt, weil du gesagt hast, du bestellst dir jetzt so einen Kopfhörer bei Amazon, weil du jetzt auch so einen haben möchtest.
Miriam: Weil ich mir immer den von unserem jüngsten Sohn ausgeliehen habe.
Florian: Exakt. Das heißt, du wolltest was haben. Deswegen von mir aus, für mich war da schon der Punkt drin, wo du sagst, du möchtest da was tun. Da war ja nichts zu verlieren. Der tolle Kopfhörer lag sowieso oben rum. Ich habe ja schon einen anderen.
Miriam: Der ist mega, der Kopfhörer. Jetzt habe ich voll den Luxus-Kopfhörer. Das stimmt. Da hast du mich zu meinem Glück gezwungen.
Florian: Ja, und wenn du Nein gesagt hättest, wäre die Sache für mich auch gegessen gewesen.
Miriam: Ich habe dreimal Nein gesagt und es war nicht gegessen.
Florian: Ja, du hattest sie nur noch nicht aufgegeben.
Miriam: Ja, genau. Du hast sie überhaupt nicht aufgegeben. Wenn ich jetzt zu jemandem hingehe und sage, pass auf, iss lieber nur noch Vollkornbrot und Möhren. Ja. Dann haben wir dich in vier Wochen wieder auf der Spur mit dem Wandern. Dann würde derjenige Nein sagen, weil er sagt, es schmeckt mir nicht.
Florian: Ja.
Miriam: Oder ich habe gehört, das geht auch mit Schokolade. Ja. Und ich würde sagen, nee, ich weiß es besser, weil ich habe da viele Sachen drüber gelesen und selbst auch schon Erfahrungen gemacht.
Florian: Ja, der Vorteil an dem Beispiel mit dem Kopfhörer ist halt, dass wir es in einer halben Minute ausprobieren konnten. Also ich hatte den sowieso zufällig heute schon geladen, wie es manchmal so kommt, und habe dir den dann halt einfach aufgesetzt. Das war ja ein 30-Sekunden-Experiment, um herauszufinden, funktioniert es oder funktioniert es nicht.
Miriam: Gut, einmal lecker selbstgebackenes Vollkornbrot mit Möhrensalat. Handgefrickelt.
Florian: Ja, da gibt es so einen kleinen Unterschied.
Miriam: Ah ja?
Florian: Ja. Wenn ich mir jetzt vorstelle, die nächsten drei Monate jeden Tag Vollkornbrot mit Möhrensalat zu essen, dann ist meine Begeisterung... Da geht noch was jedenfalls. Und ja, du hast recht, ich könnte es auch meinem Gesicht sagen, wie sehr ich mich darauf freue. Vielleicht habe ich es schon getan.
Vorschlag oder Idee — was die Sprache verrät
Miriam: Na, wie ist das denn nun mit den gut gemeinten Ratschlägen? Ich finde, im Wort steckt das schon. Wir sprechen über Sprachzauberei und wir sind beide einer Meinung, dass Sprache nicht zufällig aus Menschen heraus blubbert, sondern dass es ein Unbewusstsein gibt, das immer mitspricht und das die Worte wählt. Wenn ich also von einem Vorschlag spreche, dann ist da ein deutlich aggressiver Wortteil drin. Ich mag sowieso lieber Menschen meine Ideen oder Menschen von meinen Ideen zu erzählen, statt einen Ratschlag oder einen Vorschlag zu machen. Und dann sind es meine Ideen dazu und nicht das, was sie vielleicht zu tun hätten oder zu lassen. Und ich habe mich mittlerweile deutlich verbessert im Hineinentspannen, in dass jeder Mensch, mit dem ich spreche, die meisten Menschen, mit denen ich spreche, sind erwachsene Menschen, die ihre Entscheidungen vollverantwortlich selbst treffen dürfen, über das, was sie tun oder lassen. Und da gehe ich jetzt raus auf den Firmenkontext.
Florian: Das ist ein großer Luxus, das ist die Arbeit mit Erwachsenen.
Miriam: Ja, das stimmt. Wobei Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sehen das auch als Luxus.
Florian: Und sehen die auch als... Ja, also Erwachsene, also Menschen, die Entscheidungen für sich selber treffen können und auch eine Bewusstheit an der Stelle haben.
Miriam: Und ich habe auch selbst mittlerweile die Entspanntheit wahrgenommen, die dahinter steckt, wenn du Menschen erstmal sein lässt, wie sie sind.
Florian: Ja.
Miriam: Und zwar egal wie viele Katastrophenszenarien du dir vielleicht ausmalen könntest in deinem Kopf. Für die anderen. Weil meistens tun sie ja Dinge, weil es für sie die beste Entscheidung ist.
Florian: Gerade.
Miriam: In dem Augenblick. Und wie du schon sagst, wenn irgendwann der Wanderweg so mühsam wird, dass die Lunge pfeift, dann kann es sein, dass der Mensch selbst auf den Gedanken kommt, nachzufragen.
Florian: Und dann kann ich ja mal so eine Observation äußern und kann mal sagen, wow, als wir letztes Jahr gegangen sind, da ging das noch besser, oder? Und wenn mein Gegenüber dann darauf einsteigt, ja. Cool. Dann geht vielleicht auch was mit dem Vollkornbrot mit Möhrensalat. Und wenn die Person sagt, wieso? Geht doch. Ja, die Menschen sein lassen, wie sie sind. Ja, finde ich schön. Ich mag diesen Impuls, den du am Anfang auch gesagt hast, oder der von der Hörerin auch kommt, zu sagen, ich möchte den Menschen um mich herum noch helfen. Das ist toll. Und die Menschen, die in meiner näheren Umgebung sind, so wie du, Miri, die bekommen halt mal ein Kopfhörer aufgesetzt. Mit mir wurde das auch schon gemacht, dass hier vegan gekocht wurde.
Florian: Und es hat dir geschmeckt?
Miriam: Und es hat mir geschmeckt. Es gibt ja von Badesalz, das mag ich immer so gerne an der Stelle, diesen herrlichen Sketch. Ich bin 40 Jahre Elektroingenieur, ich kann mir so ein Kopfhörer auch wieder absetzen, wenn er mir nicht passt.
Florian: Geht ein bisschen andersrum, gell? Ja, ich weiß.
Miriam: Und hey, ich finde ihn gut. Ja, das stimmt. Und mit gut gemeinten Ratschlägen bin ich sehr, sehr leise geworden. Außer es kommt jemand und fragt mich um Rat oder bittet um meine Meinung zu irgendeinem Thema. Denn ich zolle jemand anderem auch Respekt an der Stelle, wenn ich sage, das ist dein Leben, das sind deine Entscheidungen, die du triffst. Und ja, ich weiß, es gibt Situationen, und ich bin selbst Mutter von zwei Kindern, wo ich sagen würde, ich habe einen unglaublich starken Impuls, was zu unternehmen, damit es diesem Menschen wieder besser geht, wenn es gerade Probleme gibt. Also es gibt sozusagen eine Schallgrenze. Wo ich sagen würde, dann gehe ich jetzt da rein, auch wenn derjenige nicht gefragt hat.
Florian: Weil es gerade in meiner Umgebung ist.
Miriam: Ne, genauso wie du mir einfach den Kopfhörer aufgesetzt hast, weil ich voller Liebe gerne etwas tun möchte, damit es diesem Menschen wieder gut geht oder noch besser geht. Und wenn es nicht ankommt, auch beim dritten Mal nicht, und dieser Mensch sich beim dritten Mal den tollen Kopfhörer wieder vom Kopf reißt und drauf besteht, sich ein Plastikbesteck auf die Ohren zu packen, dann ist es eben so. Und dann kann ich auch voller Liebe loslassen und sagen, gut, dann buchen wir es unter Erfahrungen.
Erfahrungen sammeln dürfen — und selbst vorleben
Miriam: Ich liebe das so sehr, wenn, ja, unser Ältester macht das ja jetzt schon super. Mit dem habe ich neulich darüber gesprochen, dass er gern selbst mal... Also Ältester 10. Ja, dass er gern selbst auch Erfahrungen sammeln würde und dass neulich eine Person in seinem Leben auch gesagt hat, tut das und das nicht oder seid da und da vorsichtig, da ist mir als Kind schon mal was passiert bei. Und er dann gesagt hat, das ist doch nicht meine Angst. Und ich gesagt habe, ja das stimmt, das ist sehr schlau von dir, weil dir braucht das nicht zu passieren.
Florian: Du brauchst keine Angst haben mehr, genau.
Miriam: Ja, du bist da in Sicherheit und du hast selbst Augen und Ohren und einen Körper, der gut funktioniert. Also go for it. Und irgendwie haben wir dann im Wald rumgetobt und er hat versucht, einen Handstand zu machen und purzelte um und ratzelte auch richtig aufs Kreuz. Und dann stand er auf, guckt mich an und sagt, das zum Beispiel, Mama, war jetzt eine Erfahrung. Habe ich gesagt, alles klar, Deal. Passt schon, auch wenn ich als Mutter dachte, ouch, ich habe es knirschen gehört. Ich habe es nicht ganz unterdrücken können, ihm kurz mal an den Rücken zu greifen, ob da noch alles so ist, wie ich es zur Welt gebracht habe. Es war noch da. Das Kind ist auch weitergelaufen. Ja, stimmt. Also Menschen haben das Recht drauf, ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln.
Florian: Und es gibt Abkürzungen. Ich frage ständig auch meine Kollegen oder erkundige mich, wie könnte ich was besser machen. Möchte Feedback haben an vielen Stellen. Klar, das sind Abkürzungen, um Wissen schneller aufzunehmen. Wir fangen nicht alle in einer Höhle an, ohne Fell, ohne Feuer. Und erfinden das Rad neu, erfinden das Feuer neu, erfinden Häuser neu, sondern wir sind ja schon in einer Gesellschaft, wo wir auf ganz vielen Erfahrungen aufbauen und wo du schon ganz viele Erfahrungen von anderen Menschen in dein Leben integrieren kannst, um dann den nächsten Schritt zu gehen. Nur an irgendeiner Stelle darfst du deine eigenen Erfahrungen machen.
Miriam: Ich finde es auch wichtig, wenn ich von anderen erwarte, dass sie meinen Ideen lauschen und vielleicht das ein oder andere umsetzen, von dem ich glaube, dass ich schon mehr Erfahrungen gesammelt habe, dass ich das Gleiche auch tue. Da sind wir wieder bei diesem Gesetz der Resonanz. Also wie oft gehst du irgendwo hin und fragst um Rat oder die Meinung eines anderen und holst dir ein Feedback? Und ich habe gemerkt, je häufiger ich das tue, desto mehr kommt das auch andersrum in meinem Leben. Dass Menschen mich als Berater besser wahrnehmen. Also ich öffne mich für das Wissen und die Erfahrung anderer, merke, dass ich dadurch Abkürzungen nehme. Und werde dadurch auch immer besser und werde auch andersrum so wahrgenommen.
Florian: Das ist auch einer der Aspekte in der Zusammenarbeit mit Teams. Ich lebe das vor. Also ich mache manchmal absichtlich Fehler, um die dann wieder auszubügeln, um zu zeigen, wie möchte ich mit Fehlern umgegangen haben, dass das ganz normal ist, dass wir manchmal irgendwie komische Sachen machen. Und dann machen wir halt was anderes. Schön. Das dann gut funktioniert. Solche Themen gibt es natürlich, das hat mich jetzt gerade von dir daran erinnert. Ich darf das vorleben, wie ich gerne hätte, dass die Menschen um meine Umgebung auch leben, lernen.
Miriam: Oh, voll schön. Also das heißt...
Florian: Ganz entspannt.
Miriam: Wenn ich möchte, dass ein Mensch in meiner Familie sich gesünder ernährt oder mehr Sport macht, dann darf ich...
Florian: Dürfte ich vielleicht bei dir selbst anfangen? Sag ich ihm vielleicht nicht, wenn ich mit den Chips auf der Couch sitze vom Fernhaufen.
Miriam: Leicht übergewichtig.
Florian: Sag mal, hast du mal drüber nachgedacht, um nochmal wieder joggen zu gehen? Möchtet ihr gut tun.
Miriam: Das mit dem Kopfhörer war nicht inkongruent, weil Florian ist immer bis an die Zähne bestens aktuell ausgerüstet mit Hi-Fi und IT-Equipment. Von daher ist das absolut vertrauenswürdig, dich zu fragen, was soll ich mir kaufen. Dankeschön dafür, dass du mich gerettet hast vor einem Plastikbesteck. Bitte, bitte.
Florian: Es ist mir auch wirklich ein großes Bedürfnis. Ich hatte den Kopfhörer auf, den du dir dann nochmal kaufen wolltest.
Miriam: Ich danke dir.
Florian: Ja, cool.
Bald einjährig — Ausblick aufs Jubiläum
Miriam: Dann war das ein Thema, das mir auch persönlich am Herzen lag und schön, dass wir es im Podcast dran nehmen durften. Weißt du, was nächste Woche passiert?
Florian: Nächste Woche ist...
Miriam: Wir feiern Einjähriges mit dem Podcast. Hast du die Feuerwerkskörper gekauft?
Florian: Nein, ich dachte mir, wir pusten ein paar Kerzen aus.
Miriam: Bitte? Eine, wenn? Ist ja ein Jahr.
Florian: 53 Folgen.
Miriam: Stimmt. 53 Kerzen auspusten?
Florian: Nee, eine. Stimmt schon.
Miriam: Wir sollten ein Jubiläumsthema ausrufen.
Florian: Ja, was... Ja.
Miriam: Entweder ich frage auf Facebook, die Leute haben super Ideen, oder wir überlegen uns eins.
Florian: Nein, wir überlegen uns ein Geburtstagsthema.
Miriam: Ein Jubiläumsthema.
Florian: Witzigerweise sind wir nächste Woche auch genau an dem Ort, wo wir das erste Mal den Podcast aufgenommen haben.
Miriam: Oh, das wird toll. Mal schauen, ob wir das Meeresrauschen mit aufnehmen können.
Florian: Wir machen einen Urlaubspodcast. Da haben wir auch Podcasts angefangen.
Miriam: Ja, vielen Dank fürs Zuhören bis hierhin und wir freuen uns darauf, nächste Woche einjähriges mit dir zu feiern.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Ja, dann bis dann.
Florian: Tschüss.
Miriam: Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.