"Ich bin so doof." – Was machst du, wenn dein Kind das über sich sagt? Und zwar so, dass jedes gut gemeinte "Nein, bist du doch gar nicht!" sofort abprallt? Genau diese Frage hat eine Mutter an Miriam und Florian geschickt. Ihre jugendliche Tochter sagt ständig Sätze wie "Ich bin voll der Hirnie" – und je mehr die Mutter widerspricht, desto mehr Gegenbeweise liefert die Tochter. Hier geht's um Sprache, um das Meta-Modell des NLP und darum, wann Zustimmen, Nachfragen oder einfach entspannt bleiben die klügere Wahl ist.
Die Frage einer Hörerin: "Ich bin so doof"
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß.
Florian: Oh, was ist denn los? Was denn? Was ist denn das Thema heute?
Miriam: Das Thema heute ist so, ja, wir haben uns herausfordernde Themen bis zum Schluss aufgehoben.
Florian: Wieso haben wir das denn getan?
Miriam: Unbewusst. In zwei Folgen feiern wir unseren hundertsten Podcast. Es ist unglaublich, dass wir das durchgehalten haben.
Florian: Also inklusive dieser in zwei Folgen. Ja.
Miriam: Also in der nächsten. Ja, damit haben wir uns beide bewiesen, dass wir was durchhalten können.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Ja. Dann geht's auf die 200.
Florian: Was, willst du weitermachen? Ich dachte, wir hören bei 100 auf.
Miriam: Oh, na.
Florian: Doch.
Miriam: Oh, nein, nein, nein.
Florian: 100 ist doch eine schöne, runde Zahl.
Miriam: Das wäre ja doof.
Florian: Wieso?
Miriam: Also jetzt haben wir Hörer, jetzt haben wir Downloads, jetzt geht es richtig rund.
Florian: Jetzt recyceln wir den ersten wieder.
Miriam: Jetzt sind wir voll dabei. Nee, nicht den ersten recyceln, da war ich total aufgeregt. Ist der noch online?
Florian: Den gibt es noch, ja.
Miriam: Da sollten wir eher mal überlegen, ob wir die ersten Folgen rausnehmen.
Florian: Ist da eine Progression zu spüren, Tatsache?
Miriam: Ja, total. Auch bei uns beiden. Wir lernen ja bei jedem Podcast selbst total viel, finde ich. Ich höre mir unsere Podcasts auch immer noch dreimal an.
Florian: Was ist denn das Thema in diesem Podcast?
Miriam: Passt sehr schön. Eine Mutter hat uns geschrieben und hat gesagt, ihre jugendliche Tochter sagt ständig über sich selbst sowas wie, ich bin so doof oder ich bin voll der Hirnie oder ich bin nicht gut.
Florian: Und hat sie dazu geschrieben, ob das so ist oder nicht?
Miriam: Also sie hat sich eher an uns gewandt, weil sie nicht weiß, wenn sie ihrer Tochter dann widerspricht und sagt, wieso, du bist doch nicht doof, jetzt hör doch auf sowas zu sagen, dann sagt die Tochter, ach guck doch, ich mach das und das und das falsch.
Florian: Das hab ich naiv auch schon mal probiert, also das ist ja das offensichtliche Experiment, da sagt jemand, ich bin so doof und dann sag ich, nein. Das stimmt doch gar nicht. Guck mal, wie gut es schon funktioniert. Also, weiß ich nicht. Kind ist gerade anfängt, schreiben zu lernen oder so. Und die Buchstaben verwechselt. Und dann, ich bin so doof. Und dann so, nein, drei von 17 sind doch schon richtig. Und dann darf es wirklich auch am Anfang des Zählenlernens sein, dass ich denke, wow, guter Schnitt. Ja, zustimmt, oder?
Miriam: Wie zustimmen? Ich will doch meinem Kind nicht zustimmen, wenn es sagt, dass es doof ist.
Florian: Achso, ach das auch nicht.
Miriam: Nein, da kann ich sie schon verstehen, die Mutter.
Florian: Hat sie Zustimmen schon probiert?
Miriam: Sicher nicht.
Zustimmen, fluchen und was Menschen über sich sagen
Florian: Weiß ich nicht, ich habe ihr noch nicht geantwortet, weil wir eher mit dem Podcast... Also es gibt ja diese Menschen, die sagen zu sich Dinge, aber wenn andere Menschen das zu ihnen sagen, dann geht aber hier die Post rund.
Miriam: Also ich habe einen Kandidaten in meinem Bekanntenkreis, bei dem habe ich das schon ausprobiert, da habe ich gesagt, stimmt, ja, ja, stimmt schon, also ja, ja, würde ich so unterschreiben. Und dann sagt der, siehste, und ich bin nicht nur doof, ich bin auch noch bescheuert. Echt, der geht dann noch weiter ab.
Florian: Geht noch weiter nach unten.
Miriam: Das geht noch weiter.
Florian: Ja gut, dann war es ein Experiment, das so zu machen, wenn man da was dran ändern wollen würde. Dann macht man was anderes, ne?
Miriam: Viel Glück. Hahaha. Ja, es gibt so harte Fälle. Es gibt auch welche, die reagieren auf dieses Zustimmen, das stimmt.
Florian: Ja, das wäre das Einfachste.
Miriam: Das wäre das Einfachste, zu sagen, ja, wohl wahr, dann ist wohl Hopfen und Malz verloren. Es gibt keine Hoffnung.
Florian: Immer schön dran denken, einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen.
Miriam: Meinst du, falls die Doofheit auch das Stammhirn befällt? Uiuiui.
Florian: So, was machen wir denn dann?
Miriam: Alter, das ist schon heftig. Woher kommt das denn überhaupt, dass Menschen sowas über sich sagen wollen würden? Ich hab das früher auch gemacht.
Florian: Ja?
Miriam: Ja. Ich hab das gelernt, mein Vater konnte wunderbar früher über sich selber fluchen und ich hab das dann auch angenommen.
Florian: Ich mach das jetzt manchmal noch.
Miriam: Über dich selbst fluchen?
Florian: Ah ja, manchmal mach ich auch wirklich Sachen, wo ich mir denken würde, also da hab ich jetzt also wirklich, ne, 10 Minuten mitdenken letzte Woche, hätte mir jetzt viel Arbeit erspart.
Miriam: Ja gut.
Florian: Ja.
Miriam: Das ist ja noch sanft mit dir umgegangen.
Florian: Naja.
Miriam: Ich fluche eher ins Allgemeine. Ja? Ja, ich verfluche die Welt, das Universum, die Sonne, den Mond.
Florian: Zumindest hat das auch nichts mit dir zu tun. Ja, das stimmt. Also dann ist es nicht, ich bin doof, sondern diese blöde Lehrerin. Diese blöde Lehrerin, die könnte auch ganz andere Aufgaben stellen, wo ich viel besser wäre.
Miriam: Nee, ins Allgemeine. Ich schiebe es nicht auf andere. Ich sage sowas wie Mist.
Florian: Okay.
Miriam: Das ist dann mehr so ein Schicksalsfluch. So ein Schicksalsfluch.
Florian: Sind wir auf einem hilfreichen Weg unterwegs?
Miriam: Ich glaube nicht. Weil ganz viele Hörer sitzen jetzt da und sagen, ja, kann ich, kenne ich, kann ich auch, kann ich besser. Habe ich noch schlimmere Worte?
Florian: Habe ich auch.
Miriam: Ja, gut.
Aus NLP-Sicht: Identität, komplexe Äquivalenz und das Meta-Modell
Miriam: Was bedeutet es denn im Grunde aus NLP-Sicht, wenn jemand zu sich selbst und laut vielleicht sogar noch sagt, ich bin doof?
Florian: Na, Meta-Modell der Sprache ist das eine komplexe Äquivalenz. Also, dass ich als Person es wird gleichgesetzt mit doof. Und da ist ja auch keine Eingrenzung dabei zu irgendwas. Das heißt anscheinend in jedem Lebensbereich immer. Das ist ja das, was vielleicht da so mitschwingt. Also es ist nicht eingegrenzt. Auf einem – diese ganzen Fachbegriffe, die wir im Practitioner immer haben – auf einem niedrigeren Chunking-Level wäre es vielleicht an Dienstagen um 18.30 Uhr, wenn ich irgendwie im Karate bin, dann bin ich doof. Aber ansonsten nicht.
Miriam: Ansonsten nicht, das ist gut. Oder beim Buchstabenüben.
Florian: Beim Buchstabieren bin ich doof, nur in Mathe bin ich super. Das wäre ja schon viel eingegrenzter. Also ich bin doof ist halt sehr breit und hat fast schon was von einer Identität.
Miriam: Das stimmt.
Florian: Dann wäre die Frage, Identität, was für eine? Ich bin ein Doofi oder ein Dofus.
Miriam: Römischer Vorname.
Florian: Dovizian.
Miriam: Ist ja sehr angesagt. Titus und Julius.
Florian: Titus, Dovius, Maximus. Das ist das, was dahinter steckt. Die Frage, wie im Meta-Modell der Sprache, wie kann ich das auflösen? Sagt wer zum Beispiel? Ja.
Miriam: Oder eben Fragen immer, ständig. Also gab es noch nie in deinem Leben einen Augenblick, wo du dich schlau gefühlt hast oder wo du was Schlaues gemacht hast oder zumindest nichts Doofes. Vielleicht fangen wir so an.
Florian: So ein Gegenbeispiel finden. Um zumindest das Ganze schon mal einzuschränken auf... Also es gibt diese Highlights, diese kleinen. Diese Lichtblicke.
Miriam: So alle zehn Jahre mal einen.
Florian: Diese Hoffnungsschimmer.
Miriam: Dann dürfen wir nur noch die Jahre zählen, wann es wieder so weit ist und auf diesen Punkt so viele wichtige Dinge und Entscheidungen wie möglich packen.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Wäre auch eine Strategie. So kommen wir der Sache sprachlich auf die Schliche. Und das ist wunderbar. Es funktioniert wie von Zauberhand. Das ist ganz schön. Wir sind jetzt schon in einem ziemlich großen Ding von NLP drin. Also wir würden im Practitioner darauf eine Menge Zeit verwenden, dieses sogenannte Meta-Modell der Sprache zu erklären und auch damit zu arbeiten. Das ist ein unglaublich schönes Zauberwerkzeug zum Sprechen. Und es bedarf einer sehr, sehr großen Wachsamkeit, das zu bemerken an der richtigen Stelle. Also das heißt, für mich selbst, also wann sage ich sowas über meine Identität? Also ich bin ein Barz, ne? Und dann wach zu sein und zu sagen, ups, was habe ich denn da gerade über mich gesagt? Ich habe ja sehr viele schlaue Stellen schon an mir entdeckt. Das ist ja gar nicht wahr.
Florian: Nur was, wenn so ein Teenager gerade gar keine schlaue Stelle findet?
Miriam: Ja, dann gibt es ja, ich weiß nicht, ob es Maßnahmen gibt, um irgendwie mit Doofen umzugehen. Also vielleicht gibt es besondere Bücher, besondere, die wir demjenigen dann schenken könnten.
Florian: Beim Doofen.
Miriam: Ja, oder nur noch so alles ganz langsam mit demjenigen sprechen. Wie in diesem Film, wie heißt der, wo diese sieben Schläfer, nee, was sind das, Murmeltiere?
Florian: Und täglich grüßt das Murmeltier? Nee, dieser Zeichentrickfilm, wo dieser Beamte ganz... Oh, das sind, ja genau, Englisch wäre Sloths. Faultiere.
Miriam: Faultiere. Sprechen ganz, lachen auch langsam. Und verzögert, wenn ein Witz erzählt wird. Ja.
Florian: Oder wie Dory in Findet Nemo mit den Walen spricht. Eben auch ganz andere. Ja. Wenn sich mein Gegenüber doof fühlen will, dann können wir ja helfen.
Entspannt bleiben statt gut zureden
Miriam: Das wäre jetzt schon, also da würde ich jetzt schon so richtig einsteigen. Da darf ich sehr entspannt sein als Eltern, wenn der Teenager da hockt. Wir erfahren das ja auch mit jüngeren Kindern schon. Also wir haben ja auch zwei hier im Rudel, wo der eine das gut kann, wenn eine Aufgabe nicht sofort funktioniert, irgendwie sich und die Welt verdammen. Und dann auch deswegen nicht mehr weitermachen können. Das ist ja auch eine nette Ausrede, um keine Hausaufgaben mehr machen zu müssen.
Florian: Das ist eine super Strategie, um aufzuhören zu schreiben, also für immer.
Miriam: Um nie mehr in die Schule gehen zu brauchen.
Florian: Das ist sehr hoffnungslos. Und das ist diese Identitätsebene, dann fühlt sich das so an, als ob, oh je, da ist überhaupt nichts dran zu ändern. Dabei ist das doch Quatsch.
Miriam: Ja, natürlich. Und da entspannt zu bleiben an der Stelle ist Job Nummer 1, finde ich, von uns Eltern. Also uns nicht beeindrucken zu lassen von einer dramaturgisch sehr perfide, fantastisch gut gespielten Geschichte. Weil es geht ja nicht um Leben und Tod, es geht um keine echten Probleme, wir alle wissen vermutlich.
Florian: Es ist nicht mal eine Bitte, irgendwas zu tun drin, sondern es ist ja eigentlich nur ein, es ist auch sowas wie, der Sessel ist grau. Oder...
Miriam: Es ist ein konversationelles Postulat, es ist eine Aussage. Ja.
Florian: Und da ist noch nichts drin, da könnte ich auch als Eltern einfach gähnen und weitergehen.
Miriam: Wäre das gut? Weiß ich nicht. Wäre alles zu probieren, der Flexiblere führt, wir hatten es im letzten Podcast.
Florian: Es ist natürlich blöd, wenn ich meinen Kindern beibringe, dass sie Aufmerksamkeit dafür bekommen, dass sie sich selbst irgendwie kleiner machen, als sie sind.
Miriam: Mhm. Was ist das für eine Strategie? Was passiert normalerweise, wenn Menschen meinetwegen auch in Tränen aufgelöst über irgendeine Aufgabe sitzen und dann von sich behaupten, dass sie doof sind?
Florian: Also witzigerweise oder so ist es bei den beiden, die hier auch immer mal rumhängen, bei den Kindern. Das machen sie nicht bei sich im Zimmer, sondern sehr lautstark irgendwo an einer Stelle, wo es auch jemand anders wahrnimmt. Also scheint es ja schon als Nachricht an die Welt da draußen zu sein, dass sie was gerne ändern möchten. Und es kann sich in dem Moment tatsächlich ja so anfühlen. Also das ist ja überhaupt nicht, das möchte ich gar nicht wegdiskutieren, dass es für die Person oder für das Kind oder für den Teenager sich gerade wirklich so anfühlt, als wäre echt alles doof. Und jetzt kann ich eben mit Gegenbeispielen kommen oder ich kann mit, wer sagt denn sowas? Ist das überhaupt so? Wer auch immer das mal eingepflanzt hat. Vielleicht stimmt es ja gar nicht. Vielleicht war das ja ein Lehrer und was wissen Lehrer schon? Dann geht es eben in diese Spielerei damit rein. Nur eine spannende Frage, möchte ich überhaupt einsteigen in dieses Spiel? Was machst du da?
Miriam: Ja, das habe ich von dir gelernt. Da bin ich dir auch sehr dankbar für. An der Stelle sehr entspannt zu bleiben. Also eben sehr wenig darauf einzugehen, in so einen Tröstmodus zu gehen. Weil warum soll ich ein offensichtlich schlaues Kind dafür trösten, dass es von sich behauptet, dass es doof ist?
Florian: Weil es eine neue Strategie gefunden hat, getröstet zu werden.
Miriam: Dann kann ich ja direkt fragen, komm, willst du auf den Schoß? Also willst du mal umarmt werden, willst du mal gehutscht werden, alles gut.
Florian: Ist das gerade anstrengend? Also ist das, was hier Wörter schreiben oder Klavier üben oder was auch immer es ist, ist das gerade was, was einfach sehr anstrengend ist und deswegen ist da so ein bisschen Frust drin, voll gut. Also dann ist es ja genau der richtige, genau richtig, jetzt dran zu bleiben.
Miriam: Oder wenn es auf die Vergangenheit bezogen ist, wenn sie irgendwo sitzen und sagen, ich bin so doof, dass ich das gemacht habe, dann wäre es ja auch nur ein Spot, ein Verhalten in der Vergangenheit gewesen, das jetzt nicht mehr da sein braucht.
Florian: Das ist sowieso der Punkt, oder? Also gibt es überhaupt, ich bin doof oder habe ich halt was Doofes gemacht?
Miriam: Vermutlich ist das die Wahrheit. Und ich würde alle diese Dinge mal ausprobieren. Ich kenne die Tochter von dieser Frau nicht und ich weiß nicht, wie die so aufgestellt ist.
Florian: Und Teenager sind halt zum Teil sehr flexibel.
Miriam: Ja, das stimmt. Also darf ich als Eltern mindestens genauso flexibel sein. Wenn das eine nicht so gut funktioniert, nehme ich die nächste Strategie. Das heißt, das erste wäre zum Beispiel zu fragen, wer behauptet das? Oder war das immer, also bist du wirklich immer doof? Gab es in deinem Leben noch nie Augenblicke, wo du dich schlau gefühlt hast oder wo du was Schlaues gemacht hast? Ja. Wenn das nicht funktionieren würde...
Beim Wort nehmen: Wenn schon doof, dann Konsequenzen
Florian: Bei einem Gymnasiasten würde ich dann auch gleich empfehlen, dass wir ihn am nächsten Tag vom Gymnasium abmelden. Das wäre die Konsequenz, oder?
Miriam: Ja, stimmt.
Florian: Zu sagen, oh, wow, wow, wow, wow. Glaubst du das wirklich? Ja, okay. Du bist über 15? Gut, dann melden wir dich jetzt von der Schule ab. Das hat sowieso keinen Wert. Blöd ist natürlich, wenn die dann zustimmen. Und dann, und dann. Dann sind die wieder flexibler als die Erwachsenen.
Miriam: Na gut, wenn sie von der Schule abgemeldet sind, hat es Konsequenzen, ne?
Florian: Das hat alles Konsequenzen, ja klar.
Miriam: Also da bin ich sowieso, früher wäre ich glaube ich anders abgegangen. Ich glaube, dass viele Eltern einfach von ihren Kindern oder sich für ihre Kinder wünschen, dass sie einen tollen Bildungsgrad erzielen und dass sie glücklich werden und viel Geld verdienen irgendwann und sorgenfrei leben können. Das sind ja auch alles sehr, sehr noble, edle, schöne Wünsche. Und dass das mit einer entsprechenden Schulbildung und mit einer gewissen Form von Disziplin zu tun hat. Wir sind ja alle irgendwie über die Pubertät gerutscht und wir haben alle irgendwie es geschafft, diese Schule zu überleben. Manchmal frage ich mich selber, wie? Nur, wir haben es alle irgendwie geschafft. Und solche Augenblicke auch gibt es, in Ordnung. Ich weiß gar nicht, ob ich heute noch die Energie hätte, das zu tun, was meine Eltern getan haben. Ich war jetzt nicht so ein Kind, das ständig nicht in die Schule wollte, nur die hätten schon dafür gesorgt, dass ich hingehe, glaube ich. Also nötigenfalls mit heftigen Methoden. Das war nie nötig und ich weiß nicht, ob ich mir den Stress heute geben würde. Und ich glaube, dass der Satz, ich bin doof, nicht so weit führt. Da geht es nicht darum, nicht mehr die Schule zu gehen.
Florian: Naja, das wäre meine These. Was bedeutet das? Oh, dann schaffen wir die Playstation ab und statt dem Smartphone bekommst du jetzt einfach nur ein Handy, wo man nur mit anrufen kann. So, wo vier große Zahlen drin sind. Wir machen es dir einfacher, weil offensichtlich, wenn das alles viel zu viel ist da draußen und es keinen Spaß macht, sich auch da zu strecken und rauszufinden, was da alles geht und was im Moment halt noch schwierig ist oder was früher schwierig war und jetzt schon viel einfacher wurde. Voll gut, dann helfen wir. Das ist kein Thema.
Miriam: Das finde ich besser, weil ich glaube, dass das bei den Teenagern, die tatsächlich in so eine richtig krasse Richtung unterwegs sind, gerade phasenweise oder bis eben waren, dass das schöner ist. Also zu sagen, dann machen wir es dir hier einfacher. Wenn du dich tatsächlich zu doof fühlst, dann wäre das mit dem Handy eine super Maßnahme. Dann ist das nicht so komplex.
Florian: Ich glaube, es ist eher für Senioren gedacht, die sich nicht so gut mit Technik auskennen. Ja, oder die nicht mehr diese Sehschärfe haben. Wo nur so große Knöpfe drauf sind und wo es quasi nur so Schnellwahltasten gibt. Ja, das gibt es.
Miriam: Die sind toll. Wir verkaufen die bei QVC. Ja, super.
Florian: Nächste Woche, diese Woche, Lisa sagt, ich bin doof. Nächste Woche, Smartphone weg. Vier-Kurzwahl-Handy hin.
Miriam: Ja. Oder nur noch so eine, es gibt so Ketten, da ist so ein Knopf dran. Der wählt dann eine bestimmte Nummer und dann wird die Nummer aktiviert und derjenige weiß, hat so einen Order, weiß, darf jetzt da hin, weil die braucht jetzt irgendwie Unterstützung, ein Auto, das sie irgendwo hinfährt oder so. Gibt's auch.
Florian: Wobei die Menschen, die sowas nutzen, ja selbst vielleicht gar nicht doof sind, nur es wäre die Konsequenz einfach von, wir machen es einfacher.
Miriam: Wir haben ja vorhin uns gefragt, was gibt es für Möglichkeiten, da dürfen wir eben improvisieren.
Florian: Klar sind die Sachen für was anderes erfunden worden, nur... Ja, für Menschen, die vielleicht geistig sehr, sehr wach sind, nur in anderen Situationen Unterstützung brauchen. So jetzt, wenn ein Teenager sagt, ich bin doof, ja, dann treiben wir es... Dann nehmen wir den halt mal beim Wort und nutzen das, dass das tatsächlich im Moment das Gefühl ist, das halt da ist. Um vielleicht auch die Gegenreaktion zu erzeugen und dann eben mehr Fokus darauf zu legen, was alles gut ist. Weil meine Erfahrung bisher ist, wenn ich Menschen das Gegenteil beweisen möchte, dann gehen die oft nicht mit. Da kann ich auch mit einer Wand reden.
Miriam: Also dieses gut zureden.
Florian: Dieses gut zureden, dieses, nein, du bist doch gar nicht doof. Guck mal, du hast es doch erst 37 Mal probiert. Du übst doch erst seit drei Jahren Schreiben. Klar fühlt sich das in der Situation für die Person oder für den Menschen vielleicht so an, als wäre das doof. Dabei ist es vielleicht nur ein ganz kleiner Teilaspekt des Lebens. Nur der ist vielleicht die letzte halbe Stunde halt wichtig gewesen. Und jetzt wieder den Rahmen größer zu machen und zu sagen, wow, guck mal, über das ganze Leben. Oder wenn schon, denn schon. Den eben auf den großen Rahmen zu nehmen und die Leute wörtlich zu nehmen und zu sagen, ja, ich hatte schon immer die Vermutung, dass das alles zu schwierig ist hier.
Person und Verhalten trennen – und mit sich selbst freundlich sein
Miriam: Ja, ich finde, das ist eine sehr schöne Technik und es bedingt, das möchte ich an dieser Stelle nochmal sagen, sehr, sehr große Entspannung auf der anderen Seite. Also sich nicht in dieses Gefühl mit reinziehen zu lassen. Und von daher ist es schon, also kannst dir überlegen, was du machst. Ich finde die Fragetechnik immer noch, also wenn sozusagen emotional schon ein bisschen was gelaufen ist, finde ich die Fragetechnik einfacher dann. Wer sagt es denn immer zu?
Florian: Ist es wirklich immer so?
Miriam: Was bedeutet eigentlich doof? Dumm.
Florian: Was bedeutet dumm?
Miriam: Tja, stimmt. Könnte man auch mal machen.
Florian: Das bedeutet es genau. Weil das ist ja das Spannende jetzt gerade gewesen. Wir nehmen dann ein einfaches Smartphone oder so. Offensichtlich geht es irgendwie, zumindest bei uns in den Köpfen, jetzt erstmal darum zu sagen, mit so vielen verschiedenen Einflüssen oder verschiedenen Inputs von außen ist es schwierig umzugehen. Deswegen, wir vereinfachen alles.
Miriam: Das ist süß, weil unser Jüngster heute Morgen das so schön, er hat sich über seinen Bruder geärgert aus irgendeinem Grund. Und dann stand er vor mir und sagte, ich bin wütend. Und da habe ich gesagt, okay, was passiert? Sagt er, ich habe mich über das Verhalten von meinem Bruder geärgert. Und das finde ich sehr, sehr schlau für einen Sechsjährigen. Also, dass er sich nicht über seinen Bruder ärgert, sondern über das Verhalten des Bruders. Das heißt, er hat die Person ausgeklammert. Bei ich bin, wenn einer sagt, ich bin sauer, ich bin wütend, ich bin doof, ist er ja in einem Ich-Modus.
Florian: In einer Identität, hatten wir ganz am Anfang.
Miriam: Und den hätte ich gerne nochmal aufgegriffen an der Stelle. Es kann sein, dass ich mich gerade doof anstelle bei dem, was ich mache. Also das ist durchaus möglich und das habe ich in meinem Leben schon hundertmal erlebt oder auch selbst über mich gedacht, dass ich neue Dinge ausprobiert habe und dann funktioniert es nicht sofort. Und ich mittlerweile sehr wach bin in dem, ich bin doof, nö bin ich nicht. Das, was ich gerade tue, das funktioniert noch nicht so prickelnd. Da ist noch Luft nach oben. Und ich habe es ja auch noch nicht so häufig gemacht. Das ist das erste Mal.
Florian: Ich hatte den Großen, während Miri den Kleinen um sich herumschwirren hatte, hatte ich den Großen um mich herumschwirren und habe auch mal gefragt, ob im Moment der kleine Bruder was hätte machen können. Also ob es nur Dinge gibt, die der kleine Bruder machen kann, die jetzt gerade auch nerven. Und die Antwort war ja. Und ich habe dann auch nachgefragt. Also selbst wenn er atmet, oder? Selbst im gleichen Raum, heizt den Raum auf. Bei diesen Temperaturen einfach katastrophal. Kann der nicht kühl bleiben? Und manchmal fühlt sich das ja dann so an. Ich glaube, es war eine ganz lustige Situation, weil nach kurzem Überlegen kam wirklich, im Moment geht einfach nichts, was jetzt passen würde von der Person. Und es ist ja schön zu wissen, dass es gerade kein Verhalten gibt, was irgendwie positiv wäre. Dann ist vielleicht auch eine ganz gute Idee, dass die beiden sich in ihre jeweiligen Zimmer zurückziehen und erstmal eine Weile alleine spielen.
Miriam: Genau. Oder eine Pause machen. Beim Klavier üben mache ich auch eine Pause, wenn es gerade nicht mehr so gut klappt oder geklappt hätte. Ja, ich finde das alles okay. Also ist vor allen Dingen eins, entspannt, bitte, bitte entspannt bleiben. Weil es geht nicht um Leben und Tod. Es geht um eine Formulierung und da, wo eine sprachliche Formulierung etwas auslöst, ist auch deutlich mit Sprache etwas dagegen zu unternehmen. Nur nicht auf dem Weg von Ratschlag. Schläge verteilen war noch nie gut.
Florian: Eine der Sachen, die ich auch gelernt habe im NLP, und das kommt auch von vielen unserer Teilnehmer oder Hörer, wir sollen ja immer auch neutral bleiben. Es ist nicht nur alles immer positiv, sondern es gibt auch negative Aspekte. Und genauso, es gibt nicht nur negative Aspekte im Leben, sondern es gibt auch positive Aspekte im Leben. Und deswegen, manchmal sage ich zu mir, boah ey, Florian, vor einer Woche 10 Minuten Arbeit investiert, hättet ihr jetzt 2 Stunden Arbeit gespart. Und manchmal kommt es auch vor, dass ich in einem Workshop stehe und mache meine Workshop-Tasche auf und denke mir so, boah, da hat der Florian vor einem Monat aber echt mitgedacht. Das ist jetzt genau das, was ich brauche. Dankeschön. Weil manchmal ist das ja die andere Seite.
Miriam: Das stimmt, wenn es um mich selbst gehen würde und da wollen wir dich, lieber Hörer, liebe Hörerin, ja immer wieder auch fordern mit diesem Podcast, nicht nur bei den anderen zu sein und was die alles so verzappen, sondern auch in deinem eigenen Gehirn immer mal genau hinzuhören, genau hinzuschauen, was es da so denkt, was es da so spricht und wie du mit dir selbst umgehst und zwischendurch dich zu loben, statt nur zu schimpfen, ist eine sehr gute Idee für den Anfang. Und das hilft ungemein, um auch in Situationen mit anderen Menschen entspannt zu bleiben. Das heißt, bei mir zu sein, dass ich mir sage, cool, ich kann zwar nach vier Jahren Florian immer noch nicht mit drei Bällen jonglieren, nur vor einem habe ich schon mal keine Angst mehr. Florian jongliert sehr gut und zu Beginn unserer Beziehung gab es auch mal den Ansatz, mir das beizubringen. Und ich wollte es lernen und mittlerweile habe ich das wieder aufgesteckt.
Florian: Eine Frage der Priorisierung.
Miriam: Eine Frage der Priorisierung, ja.
Florian: Das ist mir wichtig.
Miriam: Und ich habe auch eingesehen, dass ich nicht doof bin, nur weil ich mit Bällen jetzt nicht die Geschickteste bin, sondern dass es eben einfach eine Fähigkeit ist, die ich nicht so erlernt habe, aus gutem Grund. Das langweilt mich. Ist gut. Dafür kann ich andere Sachen ganz toll. Und beweist mir, dass ich schlau bin.
Ausblick: 100 Folgen, ein Gewinner und ein Wohlfühl-Paket
Florian: Dann hören wir uns nächste Woche wieder.
Miriam: Das ist wohl wahr, mit der 99.
Florian: Sendung.
Miriam: Eben hast du gesagt, es ist die 98.
Florian: Nein, das hier ist die 99.
Miriam: What? Wir haben nächste Woche 100-jähriges Jubiläum?
Florian: Ja.
Miriam: 100-jähriges. Stimmt ja nicht. 100-folgiges. 100-folgiges. Wie cool das echt ist. Ich hab das so wichtig. Das fühlt sich für mich so wichtig an wie 100 Jahre.
Florian: Ich hab mich schon gefragt, ob die 104. nicht viel spannender ist.
Miriam: Warum?
Florian: Das sind zwei Jahre dann, 52 Wochen.
Miriam: Dann streichen wir die Feier zur 100. Ist ja wahr.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Super. Überlegen wir uns diese Woche nochmal.
Florian: Ob wir nächste Woche feiern oder dann die 104. Weißt du was? Wir können auch beide einfach feiern.
Miriam: Noch besser.
Florian: Das wäre ja nur unverhältnismäßig über die Maßen. Ja.
Miriam: Ja. Lass uns Überfluss erzeugen. Genau. Zweimal hintereinander Party gemacht. Super. Weil nächste Woche gibt es einen Gewinner. Ich habe gesagt, zur 100. Folge gibt es auf jeden Fall einen Gewinner unter denen, die uns Themen geschickt haben.
Florian: Was gibt es denn zu gewinnen?
Miriam: Es gibt ein Miri-Wohlfühl-Paket mit einem tollen, schlauen Buch und mit, ich bin ja Kosmetikexpertin geworden über die Jahre, mit was Feinem für Sommerrituale. Irgendeiner bekommt es von denen, die uns Themen geschickt haben.
Florian: Sehr cool.
Miriam: Ja, sehr schön. Dann bis nächste Woche.
Florian: Wenn es wieder heißt.
Miriam: Ja, was denn nun? Jede Woche hast du eine andere, seltsame Idee dazu. Zwei Podcasts.
Florian: Zwei Podcasts, eine Meinung.
Miriam: Und die Gehirne.
Florian: Und auch Gehirn, genau. Passt auch gut zum Thema. Bis dann. Dankeschön, tschüss. Tschüss.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.