"Du siehst aber müde aus." Manche Menschen sagen so einen Satz zur Begrüßung — freundlich gemeint, und trotzdem sitzt du danach da und fühlst dich schlechter als vorher, obwohl alles okay war. Genau darum dreht sich diese Folge: Eine Teilnehmerin hat Miriam von einer Freundin erzählt, die bei jedem Besuch mit so einem "Anti-Kompliment" startet. Wie reagierst du darauf, ohne gleich die Freundschaft zu kündigen? Miriam und Florian spielen die Türsituation durch, erzählen von Bandzeiten und Selbstbräuner-Trends — und suchen nach Antworten aus der Zauberkiste des NLP.
Was Miri aufgeschnappt hat
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Ich habe heute was aufgeschnappt.
Florian: Das klingt ja fast so, als wärst du eine Ente, die gegründelt hat.
Miriam: Gegründelt?
Florian: Ja.
Miriam: Stimmt, das ist das Wort, das habe ich schon ewig nicht mehr gehört.
Florian: Was ich so im aktiven Wortschatz habe.
Miriam: Das könnte auch ein Frosch sein.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Ja, das schnappt eher.
Florian: Das schnappt.
Miriam: Oder ein Türschloss, das zuschnappt und aufschnappt.
Florian: Was hast du denn aufgeschnappt?
Miriam: Wir kommen frisch vom Sprachzaubertag.
Florian: Das ist sehr wahr.
Miriam: Und bis zur hundertsten Folge dieses Podcasts nehmen wir ausschließlich Themen, die uns andere Menschen stiften. Ich bin sehr kreativ im Themen finden und es ist toll, was in den letzten Wochen eingetrudelt ist an schönen Ideen. Und heute habe ich mit einer Teilnehmerin dieses Sprachzaubertags gesprochen in der Pause und da stellte sie eine total schöne Frage und ich dachte sofort, wir nehmen heute noch einen Podcast auf, das möchte ich da haben. Ich möchte es gerne auch nochmal mit dir besprechen, Florian.
Florian: Welches Thema ist es denn?
Miriam: Und mit dir da draußen. Hello. Ist toll, das Thema. Pass auf, sie sagte, dass sie eine Freundin hat, die immer, wenn sie zu Besuch kommt und sie kommt drei-, viermal im Jahr zu Besuch und die beiden verstehen sich gut und haben viel Spaß und immer, wenn die Freundin kommt und sie macht die Tür auf, sagt diese Freundin als erstes sowas wie, oh, du siehst aber müde aus. Oder oh, du siehst aber überarbeitet aus. Oder oh, du siehst aber schlecht aus.
Florian: Und direkt die Tür zurück ins Gesicht und bis nächstes Mal.
Miriam: Nee, eben nicht. Also ist ja spannend. Was mache ich, wenn jemand so kommt? Ich kenne es vom Sender, da gibt es so eine Art ungeschriebenes Moderatorengesetz. Niemals, egal wie jemand aussieht, vor einer Sendung sagen, oh, du siehst aber müde aus. Das ist nicht gut. Vor allen Dingen, wenn da schon Make-up drüber ist.
Florian: Ja, genau. Das heißt, ihr würdet euch im Zweifel unehrliche Komplimente lieber machen, als ehrlich zu sagen, wow, sieht aber heute irgendwie aus.
Miriam: Wir würden es nicht sagen.
Florian: Würde dann jemand gar nichts sagen? Ja. Oder würde jemand dann ein gelogenes Kompliment machen?
Miriam: Nein, ist mir noch nicht passiert. Wir sagen nichts.
Florian: Dann Stille.
Miriam: Stille ist, genau. Erschrockenes Gesicht.
Florian: Moin.
Miriam: Und sie fragte mich, wie soll ich denn da reagieren? Florian hat seine Antwort schon gegeben.
Florian: Rums!
Miriam: Oder? Ding Dong!
Florian: Rums!
Die Tür nochmal zumachen — und die positive Absicht dahinter
Miriam: Wir tun einfach so, als wäre das eine Aufzeichnung und wir machen es nochmal von vorne. Du kommst nochmal durchs Gartentörchen, ich mache nochmal die Tür auf und du überlegst dir auf den fünf Metern vom Gartentörchen bis zur Tür, was du mir sagen möchtest, wenn wir uns nach drei Monaten das erste Mal wiedersehen.
Florian: Wir spulen wieder Druck auf.
Miriam: Und ich habe an dich gedacht. Du hast an mich gedacht? Ja, nicht, weil du schlecht aussiehst. Nein, ich habe an dich gedacht. Ich habe deine Stimme gehört in meinem Kopf.
Florian: Was habe ich denn in deinem Kopf gesagt?
Miriam: Die raunte mir zu, da ist ein Teil in dieser anderen Person, der sich liebevoll Sorgen um dich macht.
Florian: Sicherlich. Die Intention ist sicherlich eine positive. Die Frage ist, welche? Naja, was ist der positive Zweck hinter dem, was die andere Person da sagt? Vielleicht ist es wirklich dieses Umsorgen. Vielleicht hat die Person gelernt, dass es so geht, dass man sich andere Menschen genau anschaut und denkt, oh, oh, oh, oh, oh, was ich da sehe, sieht ja, oh. Und spannend, was dann da so rauskommt aus dem Mund von manchen Menschen manchmal.
Miriam: Ja, und vielleicht ist es, wie du es auch schon eben gesagt hast, super lieb gemeint.
Florian: Ja.
Miriam: So, was erwartet diese andere Person dann von mir?
Florian: Gibt es überhaupt eine Antwort darauf, die was damit zu tun hat, dass ich mich als Gefragter besser fühle?
Miriam: Ja, also steige ich jetzt darauf ein sozusagen und sage, oh ja, also in den letzten vier Wochen.
Florian: Gibt es überhaupt eine Antwort auf diese Frage, nach der ich mich besser fühle?
Miriam: Es ist ja noch nicht mal eine Frage, es ist ja ein Statement.
Florian: Ja.
Miriam: Das ist ja eine Feststellung. Die steht im Raum wie ein großer, irdener Klotz. Ein irdener Klotz. Und jetzt käme ja eine Reaktion. Also sowas wie, nö, wieso? Alles super, noch nicht so fit.
Florian: Oh, weißt du, bei mir brauchst du dich nicht verstellen, das ist schon okay.
Miriam: Meinst du, du kommst da noch zurück?
Florian: Das wäre dann so die Standard, das wäre dann noch so dieses, ne? Oh, oh, oh, du verleugnest es sogar. Wir sind doch Freundinnen. Nee, wir waren Freundinnen. Deswegen die spannende Frage, welche Reaktionen gibt es überhaupt da drauf, nach denen sich jemand besser fühlt?
Miriam: Also die Frage ist ja auch, um wen geht es jetzt? Also wer möchte sich besser fühlen an der Stelle? Was unternehme ich? Ich mag ja dann gerne solche überspitzteren Einsätze. Also dieses Jetzt, wo du sagst, wenn ich so drüber nachdenke, also meine Füße fangen schon an, sich schlecht zu fühlen. Gerade eben in diesem Moment. Gut, außer es stimmt. Es kann ja auch sein, dass es stimmt. Und überarbeitet. Und jetzt ein paar Monate. Und käsig und blass, blutunterlaufende Augen, rote Allerginase.
Florian: Ich sehe nur müde aus, als vor drei Monaten noch. Das ist gut. Fühlen tue ich mich noch. Müder als vor zwölf Monaten. Ja.
Blutarm, vergeistigt, käsig — wenn der Abgleich nicht stimmt
Miriam: So wäre jetzt das. Wenn es jetzt nicht stimmt, also das ist bei mir zum Beispiel, ich bin im Winter echt richtig weiß, also ich habe so eine weiß-bläuliche Haut, natürlicherweise. Und wenn ich keinen Selbstbräuner auf mich schmiere, dann kommt sowas häufig, ich kannte das auch als Kind, dass ich das oft gehört habe als Kind, dass meine Oma, meine Tanten mich sahen im Winter, Weihnachten und dann, hey, du siehst aber blutarm aus, das habe ich gehört, echt blutarm. So als Zehnjährige dann so... Was mache ich denn jetzt? Gehe ich jetzt in die Blutfabrik und hole mir Blut?
Florian: Wo gibt es das überhaupt?
Miriam: Oder eine Bekannte von mir nennt es vergeistigt. Oh, du schaust aber vergeistigt aus. Da habe ich auch mal gefragt, was bedeutet das denn? Ja, es gibt alle möglichen Worte dafür.
Florian: Wollen wir nochmal von vorne anfangen mit dem Podcast?
Miriam: Ja, schmeiß die Tür mal zu. Und es wäre ja nicht, okay, jetzt ein gelogenes Kompliment. Blass bist du, aber schlank bist du geworden. Mensch!
Florian: Denkst viel nach, hm?
Miriam: Denkst viel nach, das ist doch Unfug. Das stimmt. Ja, Florian E. Ja, und was geben wir für einen Tipp als Sprachzauberer? Komm mal um die Ecke.
Florian: Neue Freunde suchen. Das ist auch keine Lösung, ne?
Miriam: Also ich möchte es nicht. Ansonsten dann, wenn wir uns danach hinsetzen nach dem Spruch und trinken zusammen guten Tee und reden über Gott und die Welt und andere vergeistigte Menschen. Ich komme da nicht raus, echt. Ich komme aus der Nummer nie raus. Ich merke es gerade. Weil ich so groß bin. Ich kenne es so. Und bei mir ist es oft so gewesen, dass es an Tagen war, wo ich mich gefühlt habe wie das blühende Leben. Also ausgeschlafen. Gute Laune, gute Sachen passieren.
Florian: Das ist sowieso, das passiert manchmal. Das kenne ich aus meiner Vergangenheit auch. Ich komme endlich, ja. Es ist die Nacht der Nächte in den letzten drei Monaten. Ich habe wahnsinnig, aus irgendeinem Grund bin ich wahnsinnig früh ins Bett gegangen. Ich bin wahnsinnig ausgeschlafen morgens. Frühstückszeit gehabt, Kaffee getrunken noch zu Hause. Ich komme wie das, gefühlt wie das blühende Leben in die Firma rein. Und der erste Satz ist auch, oh. Hast du nicht viel geschlafen heute Nacht? Ich denke mir so, was denn hier los? Und offensichtlich nehmen diese Menschen nur einen Unterschied wahr im Vergleich zu vorher und wahrgeben dem dann irgendetwas anderes als das, was ich mich gefühlt habe.
Miriam: Soll ich das dann in Zukunft nicht mehr machen? Wenn mir jetzt auffallen würde bei irgendeinem Menschen, den ich sehr mag, dass mein Gehirn sowas feststellt wie blass, vergeistigt.
Florian: Blutarm.
Miriam: Soll ich dann nix sagen? Soll ich dann einfach nix sagen?
Florian: Hallo, wie geht's dir? Ich kann doch auch einfach fragen. Vielleicht ist es wirklich, unser Gehirn aktiviert ja auf diesen Unterschied drauf. Also, dass es was Neues gibt, dass es irgendwas Interessantes Neues gibt. Und vielleicht ist es ja das, dass mir was auffällt beim Gegenüber, dass ich mir denke, irgendwas ist anders als gestern. Und vielleicht wäre es nett, einfach zu fragen, bevor ich mir zum Holzhammer drüberziehe von wegen, was bei dir denn heute Nacht passiert?
Miriam: Ja, ich mag den Gedanken. Nur, wenn jemand mit schreckverzerrter Miene sowas sagt, wie ist alles in Ordnung?
Die Bandgeschichte: nach dem Haar in der Suppe suchen
Florian: Hatten wir Konkurrenz, Konkurrenz hatten wir heute beim Sprach-Roboter.
Miriam: Das ist so cool, was auch im anderen Gehirn passiert. Ich habe ja mal in einer Band gespielt, ne? Also lange Jahre, 16 Jahre und das war eine coole Zeit. Und mein Partner damals und auch mit mir zusammen in der Front im Gesang, ein fantastischer Sänger. Und ich, wir sind auch immer so zu Konkurrenzbands gefahren, die das gleiche gemacht haben, wie wir, um uns anzugucken, was die so machen. Und mit einer dieser Bands waren wir tatsächlich auch, also waren wir mit den Mitgliedern befreundet. Es war super, es war super lustig. Wir waren so eine Konkurrenz, das wussten wir schon. Und wenn dann einer ein Lied einstudiert hat, was der andere auch hätte machen wollen, war es immer so, ah Mist.
Florian: Ja. Ne, das machen wir nicht.
Miriam: Wollten wir nie machen. Auch wenn es ein Hit ist.
Florian: Beatles sind sowieso out.
Miriam: Und was wir unglaublich gerne auch gemacht haben, war uns gegenseitig foppen. So, und hier war dieses Konzert von der anderen Band, wir waren da, wir haben im Publikum gestanden, es ging ab, die Leute sind ausgerastet, die sind durchgedreht, die haben getanzt auf Tisch mit Bängen. Super cool, eine mega Stimmung, so ein bisschen neidisch haben wir uns gefühlt. Und also die Hände oben, alles was die da vorne auf der Bühne gesagt haben, hat das Volk gemacht, es war ein Riesenauftritt, es war ein Triumph sozusagen. Und wir gehen hinter die Bühne, als das Konzert fertig ist und ich war in diesem Ansatz von, ich gratuliere denen jetzt allen und falle denen allen um den Hals und sage denen, wie geil die gespielt haben und so. Und mein Partner damals stellt sich vor den Frontsänger, der da steht mit seinem Handtuch um den Hals, pitschnass geschwitzt und sagt, oh, was war denn heute los? Und ich dachte, what? Und der andere reagiert echt genau so. Ja, ich weiß, an der einen Stelle mit dem Gitarrensolo, hast du es gehört? Oh, nee, ich weiß auch nicht, was da los war. Und da, wo normalerweise hier das Drum-Solo ist, war es nicht tight. Wir haben alles gegeben, ich weiß auch nicht. Und ich denke so, was ist denn jetzt los? Hast du nicht gesehen, was heute los war? Das war echt so dieses völlige drauf einsteigen und als wir raus sind, sagt mein Partner so, siehste, so einfach geht das. Wie gemein ist das denn?
Florian: Das ist wirklich gemein.
Miriam: Das ist nur unverschämt.
Florian: Die Idee dahinter ist, wenn ich jemand anderem anbiete, nach Fehlern zu suchen oder nach der Fliege in der Suppe zu suchen, dann finden wir halt auch irgendwas. Klar, klar. Ist ja auch bei uns so. Wir finden immer irgendwas, was verbesserungsfähig ist oder wo wir sagen, ah ja, okay, hier, dort. Nur die Frage ist, wie zufrieden sind wir mit dem, was wir tun? Und ich mag den Ansatz dann zu sagen, cool, da gibt es diesen Anteil in mir, der immer sagt, ja, also an der Stelle, da möchtest du nächstes Mal, machen wir das. Weil das ist irgendwie, ah, das ist anders gelaufen als gedacht. Nur die Frage ist, brauche ich mich deswegen schlecht fühlen, wie das ist, was wir gemacht haben? Nein. Weil das, was wir gemacht haben, ist offensichtlich super gewesen. Also ganz großartig. Und nächstes Mal machen wir noch was Besseres. Im Beispiel von deiner Band wäre das eben, ja, guck mal, wie die Leute auf den Tischen gestanden sind und wie die mitgegangen sind und was sie gemacht haben. Cool. Und bei dem Gitarren-Solo, das möchte ich nächstes Mal, da möchte ich noch einen draufsetzen.
Miriam: Oder ganz keck zu sagen, zum Glück hat es außer dir keiner gemerkt, weil die Leute sind ja durchgedreht. Das wäre dann die selbstbewusste Art und Weise. Oder es auf witzig zu drehen, wenn einer zu mir sagt, siehst du heute blass aus, sowas zu sagen wie, das ist jetzt in. Ich habe jetzt drei Monate, bin ich nicht raus, deswegen.
Florian: Wir sind, das ist das neue, das ist das neue Braun.
Weiß ist der neue Trend — und der Türöffner Kompliment
Miriam: Das hat mir in unserer Beauty-Night in der Sendung, ja, in der Beauty-Night in der Sendung, hat mir ein sehr berühmter Visagist und Maskenbilder, den ich auch privat kenne, da hatten wir es von Selbstbräuner und so, ne, und wie viel Menschen am besten davon benutzen sollten, damit es noch natürlich aussieht und so. Und wir haben da intensiv drüber gesprochen und ich sage, ja, ist es denn bei den Models, die du schminkst, auch so benutzen die auch Selbstbräuner vor einer Wäscheshow oder sowas? Und er sagt, ja, Models, die wollen im Moment alle weiß sein. Die wollen alle weiß sein. Also es ist total angesagt, ganz, ganz weiß zu sein. Also möglichst so gar keine Sonne. Und ich dachte, cool. Wenn das nächste Mal einer zu mir sagt, du bist blass, sag ich, hey, ich bin top of the, wie heißt das? Top of the Trend.
Florian: Der Hipster, der ganz vorne läuft. Ich bin weiß.
Miriam: Das ist angesagt.
Florian: Vorne in der Herde.
Miriam: Riesenarbeit gewesen. Drei Monate Vermeidung jeder UV.
Florian: Das ist sowieso total lustig, weil gerade in Asien viele Frauen danach streben, eine sehr weiße Haut zu haben. Weil die, die da nicht haben tendenziell und dann sagen, wow, das ist was Außergewöhnliches, das ist was Schönes. Hier bei uns in Deutschland benutzen Menschen selbst Bräune, um irgendwie Bräune auf sich drauf zu kriegen, um zu zeigen, wow, ich kann mir das leisten, mich in die Sonne zu legen oder was auch immer. Das ist total witzig, um gesünder auszusehen. Und da ist es genau umgedreht, weil es immer das Außergewöhnliche ist, worauf wir ja fokussieren. Und wir haben die ein oder andere Freundin, die tatsächlich sehr erfolgreich, sehr wunderschön ist und eher blass, würde ich sagen.
Miriam: Ja, ja. Wie gesagt, das ist auch Trend. Habe ich jetzt gelernt. Aktuellst. Letzte, vorletzte Folge Beauty Night. Also es ist nicht vor zwei Jahren gewesen oder so. Ich finde sozusagen auch nur Möglichkeiten, entspannt und witzig an so einer Stelle zu bleiben und nicht einzusteigen wie dieser Bandchef, der wirklich keinen Grund gehabt hätte, auch nur irgendwas an sich zu kritteln in dem Augenblick. Sozusagen aufzuhören, an der Stelle, wenn mir so ein Angebot gemacht wird, darauf einzusteigen.
Florian: Dann auf die Suche zu gehen. Wir haben ja so die Idee von, da oben gibt es irgendwie die Struktur einer Oberfläche. Was ist das, was die Person sagt oder fragt? In dem Beispiel, mit dem wir angefangen haben, wäre es eben dieses, oh, müde. Und jetzt gehe ich dann in meinem Leben auf die Suche, bin ich müde? Und finde Stellen, wo ich sagen würde, ja, er gibt Sinn oder eben Stellen, wo ich sage, ne, so ein Quatsch. Nur ich darf erstmal, darf ich das Ganze, was da draußen passiert, was irgendjemand anders zu mir sagt, ja, gerade wenn es eine Freundin ist oder ein Freund, der das zu mir sagt, dann möchte ich das ja in Verbindung bringen mit meinem Leben und mir denken. Und spannend, was dann dabei rumkommt. Dann durchsuche ich den ganzen 25 Liter Suppentopf, ob da nicht vielleicht doch irgendein Salzkorn an der falschen Stelle ist oder so. Und dann ist wirklich die Frage, was ist der Sinn dahinter?
Miriam: Ja, vor allen Dingen, wenn an dem Abgleich was nicht stimmt. Also wenn ich für mich sagen würde, hey.
Florian: Hey, mir geht's gut. Also wirklich.
Miriam: Bester Tag heute, seit Wochen.
Florian: Hm, dachte ich.
Miriam: Ja, also wie gesagt, ich finde es schön an so einer Stelle dann bewusst, also sozusagen.
Florian: Bewusst die Tür zuzuwerfen, rums. Oh. Und wieder aufzubauen und zu sagen, und?
Miriam: Noch was anderes in petto für die Begrüßung? Was hast du als Kind gelernt? Wie begrüßen wir einen Menschen? Wie geht ein Kompliment? Wenn es mein Gesicht heute nicht ist, nimm die Farbe meines Nagellacks. Keine Ahnung. Kommt dieser Spruch, den ich auch im NLP gelernt habe, wir sind auf diesem Planeten, um uns und anderen Menschen gute Gefühle zu machen.
Florian: Ja, das ist eine spannende Frage, ob das so ist oder nicht.
Miriam: Wie würde das funktionieren? Ja, also gewiss nicht so. Dann ist sozusagen die Alternative im Sender schon die bessere, zu sagen, dann sage ich lieber nichts, so frei nach dem hessischen Motto, bevor ich mich aufrege, ist es mir lieber egal. Also ich sage dann nichts. Also wenn mir nur Schlechtes einfallen würde, dann einfach die Klappe halte. Ist auch manchmal gut. Und wenn ich gern starten möchte mit einem Gespräch oder wenn ich mit einem Menschen was Konstruktives bereden möchte, dann würde ich persönlich, und das ist jetzt Miri, also jeder kann das handhaben, wie er oder sie möchte, ich würde mit einem Kompliment starten. Und ich bin so gut trainiert durch die Komplimente-Challenges, die ich streckenweise auch auf Facebook organisiert habe. Ich bin so gut trainiert im Kompliment machen, ich finde auf Anhieb bei jedem Menschen irgendetwas wirklich Wunderschönes. Und ob es jetzt der Pullover, die Haarspange, der neue Bart oder was auch immer ist, ich finde etwas Tolles.
Florian: Das ist ja schon fast so, wenn du mal so eine Komplimente-Challenge gemacht hast oder anfängst jetzt in den nächsten Tagen die Menschen um dich herum anzuschauen, dein Unterbewusstsein kann dir ja dabei helfen, indem es einfach die Dinge, die an anderen Menschen gut oder schön sind oder die außergewöhnlich sind, einfach wie so eine Lupe vergrößert. Dass du so manchmal das Gefühl sogar hast, was ist denn das? Plötzlich sehe ich diesen Nagellack viel deutlicher.
Miriam: Was will mein Unterbewusstsein mir sagen?
Florian: Am Anfang ist es einfach spannend, auch den zu üben, zu sagen, was ist das Außergewöhnliche und das Schöne an dieser anderen Person? Und da gibt es an jedem Menschen einfach ganz viele verschiedene Sachen.
Miriam: Und gerade unter Freundinnen sollte das ja einfach sein. Also wenn ich jemanden mag, also ihn schon gut kenne und mich freue auf das Wiedersehen, fällt mir garantiert was Schönes ein, was ich demjenigen sagen kann zur Begrüßung. Ist jetzt wie gesagt eine Miri-Nummer. Wenn es jetzt trotzdem passiert, die Frage ging ja andersrum.
Florian: Also ich sehe ja, was dann mit den Menschen um Miri herum passiert und denke mir mal, das ist wirklich ein billiger Trick. Das ist wirklich...
Miriam: Der war nicht billig, der hat viel Geld gekostet. Ich war fast sechs Jahre in Ausbildung dafür.
Florian: Weil das macht anderen Menschen gute Gefühle und dann ist es plötzlich viel einfacher. Das ist wirklich ein Türöffner. Unser sechsjähriger Sohn hat den auch drauf.
Miriam: Wahnsinn, oder?
Florian: Der spielt den mit Verkäuferinnen an Supermarktkassen. Jetzt ist ja gerade wieder WM, deswegen gibt es diese Sammelbildchen wieder oder diese kleinen Sammelkärtchen. Und dann passieren solche Sachen wie, dass der zur Verkäuferin geht und sowas sagt wie... Sie haben wirklich ganz wunderschöne Haare. Das sind die schönsten Haare, die ich je bei einer Verkäuferin gesehen habe. Und dann kommt er zurück und hat so eine Schubhaare voll diesen Bildchen wieder dabei. Ja, ja.
Miriam: Der braucht sich sein ganzes Leben über nichts zu essen zu kommen.
Florian: Jetzt ist die Frage, meint er es ernst oder meint er es nicht ernst? Mein Eindruck ist, er sucht sich was aus, wo er das kongruent sagen kann.
Miriam: Ja, genau. Er will nicht lügen.
Florian: Er will nicht, genau, exakt.
Miriam: Also er sagt nicht, du bist die Schönste, sondern er sagt, deine Haare sind wunderschön. Also er ist, ja, ich finde es auch, also es passt.
Florian: Er ist so am Suchen, ne? Was ist das, wo die Menschen reagieren und mit sechs Jahren schon die Erfahrung gemacht und bestimmt abgeschaut bei jemand in seiner Umgebung. Weiß nicht, wer das sein soll. Offensichtlich jemand sehr schlau in seiner Umgebung, weil es funktioniert.
Flexibel bleiben — und den Ball zurückspielen
Miriam: Und die Frage, die gestellt wurde, war ja, wie reagiere ich darauf, wenn das ein anderer Mensch... Rums! Oder, also das ist sozusagen, das ist für die Vollanfänger ja, schmeiß halt die Tür zu und dann nochmal von vorn.
Florian: Man kann ja nochmal gucken, ne?
Miriam: Man kann ja nochmal gucken, ob es noch da ist.
Florian: Wenn es nur alle paar Monate kommt, steht es da wahrscheinlich dann noch. Dann hatten wir das Muster unterbrochen. Ach, du bist... Oder...
Miriam: Dieses drauf eingehen und richtig die große Show machen, wäre schon was für Profis. Jetzt, wo du sagst, ich merke schon, wie es in mir aufsteigt. Oder, was auch okay ist, wenn einer zu mir gesagt hätte, du siehst aber heute blass aus. So was zu sagen, das ist ja gut, dass einer von uns beiden richtig gut aussieht, du nämlich.
Florian: Exakt.
Miriam: Wie machst du es? Ja.
Florian: Den Ball sofort zurückspielen oder im Endeffekt gar nicht annehmen. Nicht kaufen. Das ist ja oft was, wo wir Menschen denken, wenn jemand anders was sagt und ich reagiere da nicht drauf, das merkt mein Gegenüber.
Miriam: Und wie gesagt, dieser Podcast spricht über den Fall, wo es nicht stimmt.
Florian: Wenn sich das gut anfühlt für dich, in dem Moment den Ball aufzunehmen und zu sagen, ja, da ist wirklich viel los gerade, voll gut.
Miriam: Nur wenn es die Situation ist, die Florian beschrieben hat.
Florian: Alles easy, vielleicht ist das ja das Ritual auch, dass wir sagen, okay, das ist unser Begrüßungsritual und vielleicht möchtet ihr ja daran irgendwann vielleicht was ändern. Also vielleicht ist ja wirklich dieses Kompliment am Anfang schöner oder einfach nur, bei Männern ist das oft einfach, ist einfach nur so, und, ja, und bei dir, ja.
Miriam: Ist ja wenig, ja. Ich bin auf so einen Trick übrigens, nachdem ich das live miterlebt hatte bei der Band, bin ich auf diese Tricks nicht mehr reingefallen. Denn die Frage, die gestellt wurde, war ja eine sehr offene. Was war denn heute los? Und wenn mir jemand so eine Frage stellt, ist es natürlich Futter. Weil bei mir dann sofort sowas kommen würde, ja Wahnsinn, oder? Wie die abgegangen sind, fantastisch. Wir waren brillant heute. So dürfte das immer sein. Also auf so eine Frage, finde ich, macht es dann schon wieder Spaß, so vollständig ins Gegenteil zu hüpfen und das durchzufeiern. Also mich an der Stelle gar nicht oder gar nicht mehr nach diesem Haar in der Suppe zu suchen, sondern die gute Stimmung einfach weiter zu feiern, die sowieso schon da war. Richtig gut.
Florian: Das heißt, die Frage ist, oder und die Antwort auf die Frage, die dir gestellt wurde, Miri, heute ist einfach, flexibel sein. Wir sind oft wieder dabei. Was ist das Ziel in dieser Situation? Und wenn das eine liebe Freundin ist, die ich nur alle paar Monate sehe, dann ist das vielleicht einfach nur, dann war das halt bisher das Begrüßungsritual. Und jetzt mal gucken, was ich tun kann, um dafür zu sorgen, dass beim nächsten Mal es anders losgeht. Und vielleicht ist es rums und wieder die Tür aufmachen und so. Oder eine Maske aufsetzen oder was auch immer an der Stelle Spaß haben, weil es ja ganz großartig, wenn über einen längeren Zeitraum auch das einfach ist, dass wir lange Zeit Beziehungen halten und du lange Zeit mit deinen Freunden auch Spaß hast an der Stelle und mal gucken, ne?
Miriam: Ja, sehr coole Frage. Sehr, sehr cooles Thema.
Florian: Das stimmt.
Miriam: Vielen Dank deshalb. Wir feiern auch noch. Es war schön heute. Es war der einzige Sprachzaubertag 2018, den wir angesetzt haben. Und es war toll. War fantastisch. Wenn einige unserer Teilnehmer jetzt auch diesen Podcast hören, ihr wart mega. Liebe Grüße. Vielen Dank. Und an alle anderen. Schön, dass ihr unseren Podcast regelmäßig hört, dass ihr Freude daran habt. Schreibt uns gerne weiterhin euer Feedback, eure Anregungen für Themen und wir hören uns nächsten Dienstag wieder.
Florian: Exakt, wenn es wieder heißt?
Miriam: Zwei Gehirne.
Florian: Nein, zwei Podcasts.
Miriam: Diese Zahlen.
Florian: Zwei Gehirne, ein Podcast, kontext*denken.
Miriam: Siehst du heute gut aus. Bis nächste Woche.
Florian: Bis dann, tschüss. Tschüss.
Miriam: Mehr von uns gibt es unter www.kontext*denken.de Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss, bis nächste Woche, bis zum nächsten Podcast.