Ein Hund namens Sammy, der beim bloßen Gedanken an den Garten in einen Begeisterungsrausch fällt — von diesem Bild aus tastet sich diese Folge ans Thema heran. Miriam spricht mit ihrem QVC-Kollegen Björn Gödde, mit dem sie auch gemeinsam Musical spielt, über Begeisterung in der Sprache. Kann man Begeisterung erzeugen, wenn man sie gerade braucht? Oder ist sie dann nicht mehr echt? Und wie klingt das, wenn du wirklich für etwas brennst, das du präsentierst?
Was begeistert Björn — und wie fühlt sich das an?
Miriam: Hallo Podcast-Land, heute geht's um Begeisterung in der Sprache. Ich habe schon toll trainiert. Nein, ich habe einen super Gesprächspartner auch heute wieder gefunden. Relativ spontan sogar. Björn Gödde, mein ganz lieber Kollege bei QVC und ich spielen gemeinsam Theater, Musical um genau zu sein und sind total begeistert. Hallo Björn.
Björn: Hallöchen Popöchen.
Miriam: Ich hab's geahnt. Das wird wieder einer dieser Podcasts, die ich unzensiert daraus schicke. Keine Ahnung, was passiert. Björn Gödde ist, wenn du ihn noch nicht kennen solltest, ein fantastischer TV-Moderator, Schauspieler, Sänger, Songwriter, so ein Multitasker. Meine These an der Stelle, und deshalb habe ich Björn gefragt, ob er heute mitmacht, ist, das geht nicht ohne Begeisterung. Du darfst mir gern widersprechen, Björn.
Björn: Jep, ich tue das nicht. Ich lasse das so stehen. Das ist gut. Das ist schon mal sehr gut. Was begeistert dich? Ich wusste ja, dass die Frage kommt und deswegen habe ich natürlich überlegt, was sagst du Kluges? Und da fiel mir ein, also wenn ich unseren kleinen Hund Sammy sehe, dann weiß ich, was Begeisterung ist. Weil der kennt nichts anderes. Der ist immer da. Der ist immer auf 100 Prozent. Es sei denn, er schläft. Also entweder oder. Oder er frisst.
Miriam: Wäre das ein Zustand, den du dir wünschen würdest?
Björn: Dann sag mal, wenn ich dich so anschaue, dann überlege ich mir das nochmal. Was soll das denn heißen? Weil du bist das eigentlich, mit 100 Prozent.
Miriam: Ach so, ja. Ich trainiere ja auch schon ein paar Jahre.
Björn: Okay, was genau?
Miriam: Das mit der Begeisterung. Das wäre allerdings auch später im Podcast dann wichtig, denn dieser Podcast ist so gestrickt, dass wir später auch gemeinsam Tipps finden, denn der Podcast wird von Sprechern, Kommunikatoren gehört, die selbst viel sprechen zu anderen Menschen in ganz unterschiedlichen Kontexten. Also da strecke ich gerne mit. Das ist gut. Gibt es in deinem Leben auch etwas, wo du so abgehst wie Sammy? Also die Dinge, über die du reden kannst.
Björn: Ja, schon. Ich meine, du hast es erwähnt. Also die Dinge, die ich so mache, die machen mir alle so einen Spaß. Deswegen mache ich sie.
Miriam: Gibt es so eine Art Ranking oder ist es bei dir alles auf einem Begeisterungslevel? Singen, Moderieren, Schauspielern, alles?
Björn: Ist eigentlich schon ein Level. Also das eine geht nicht ohne das andere irgendwie.
Miriam: Woran merkst du, dass dich was richtig begeistert und nicht nur so cool ist oder Spaß macht?
Björn: Ja, na klar, ich merke das, weil ich dann mich fühle wie Sammy.
Miriam: Du weißt, wie Sammy sich fühlt?
Björn: Ja, das sehe ich an seinen Augen, die sind aber so groß und leuchten dann.
Miriam: Ich mache nochmal einen Hundeflüsterer-Podcast, habe ich mir gerade überlegt.
Björn: Wir können ja so ein Foto von dem posten, dann ist das vielleicht dann nochmal klarer.
Miriam: Das ist eine coole Idee. Okay, machen wir. Sehr, sehr gern.
Kann man Begeisterung erzeugen — oder ist sie einfach da?
Miriam: Ist für dich oder deiner Meinung nach Begeisterung wichtig für die Arbeit, die du machst? Oder ginge das auch auf einem lower Level, also weniger Sammy?
Björn: Nö. Ging nicht, also echt nicht. Also klingt dann so blöd, aber das müsst ihr schon machen, euch begeistern für die Sachen, sonst könnt ihr es lassen.
Miriam: Was verändert sich, wenn du deinen Job begeistert machst?
Björn: Dann wird man eins mit dem anderen und mit sich selbst und mit allem. Also dann fließt das so. Ist so esoterisch ein bisschen, ich weiß, aber finde ich schon. Darf ruhig sein.
Miriam: Ich glaube, das ist, was Menschen spüren, wenn sie vollständige Begeisterung erleben. Also ich erinnere mich in meinem Leben schon an Augenblicke. Oder beziehungsweise es gibt es auch heute, dass es Augenblicke gibt, wo ich fast außer mir bin vor Begeisterung und also ich kenne auch verschiedene Level von diesem begeisterten Zustand.
Björn: Okay, welche?
Miriam: Ich kann zum Beispiel ja auch, wenn ich... Zum Beispiel, du singst in diesem Musical eine wunderschöne Ballade mit der Hauptdarstellerin. Das begeistert mich von Kopf bis Fuß. Und dadurch, dass es jetzt kein Rock'n'Roll ist, sondern sehr sanft ist vom Gefühl her, ist es so eine ganz goldene Begeisterung. Ich weiß gar nicht, wie ich das anders beschreiben soll. Also so eine erfüllende Begeisterung. An der Stelle, wo wir zum Beispiel alle das Schlusslied singen und im Finale stehen und die ganze Truppe ist auf der Bühne und es klingt wie tausend Kehlen und Feuerwerk wird gezündet, da ist es so eine Begeisterung, die sich explodierender anfühlt.
Björn: Ja, ich weiß genau, was du meinst, das stimmt. Ja, wenn du darauf hinaus willst, ja, ganz klar, da gibt es natürlich ganz verschiedene Level. Also beim Moderieren... Tja, also, das ist eh so eine ganz eigene Sache. Also da, das kann man einfach so loslassen, finde ich. Da muss man sich auch nicht konzentrieren oder da muss man nichts Vorbereitetes zeigen oder aufsagen oder mit Inhalt füllen, sondern da geht es eigentlich nur darum, das loszulassen und zu sagen, hi, hier, guck dir das an, gefällt dir das, mir gefällt es. Wenn du es haben willst, dann nimm es, ansonsten haben wir noch was anderes, ja. Also irgendwo da finden wir schon was für dich.
Miriam: Ja, das ist der Job, den wir beide bei QVC machen, wo wir sehr frei moderieren dürfen. Das ist dann sehr, wie du schon sagst, so im Fluss, das fühle ich auch. Also jede Sendung hat ihre eigene Dynamik. Und wenn Begeisterung, wie du vorhin gesagt hast, wichtig ist für deine Arbeit als Moderator oder als Schauspieler oder als Sänger, hast du dann auch Augenblicke, wo du das Gefühl hast, du darfst erstmal Begeisterung erzeugen? Oder machst du das dann einfach nicht? Also bist du dann eben nicht begeistert?
Björn: Erzeugen in mir selbst?
Miriam: Ja, genau. Spannend, ne?
Björn: Mhm, wirklich.
Miriam: Finden wir jetzt auch. Diese dramatische Pause ist übrigens eine Denkpause.
Björn: Also, das mit dem Erzeugen... Wie findet in der Tat nicht statt? Also das ist dann da. Das ist dann echt. Also erzeugen klingt so falsch für mich. Spannend. Erzeugen ist nicht richtig. Ich muss das jetzt machen, aber ich will gar nicht. Also das ist mir fremd. Das funktioniert dann nicht. Also ich kann das dann nicht.
Miriam: Das heißt, an Tagen, an denen du nicht so gut drauf bist, gibt es die überhaupt?
Björn: Ach so, meinst du das? Natürlich gibt es die, klar. Ich meine, der Sammy ist ja auch manchmal müde und dann denkt man sich, boah, nee, ich habe jetzt keine Lust. Aber wenn dann die Tür wieder aufgeht und er denkt, oh, es geht in den Garten, natürlich in den Garten, ganz klar. Ich bin doch am liebsten im Garten. Also insofern, dann ist das so und dann ist er wieder da. Und wenn er sagt, ach nee, hm, doch nicht in den Garten, äh, ich lege mich wieder hin.
Miriam: Das wäre ja schon einer der Tipps. Also bei Sammy ist es der Garten. Ich habe gerade auch an mich gedacht, wenn ich an einem Tag, an dem ich in einem der unteren Begeisterungslevel unterwegs bin, zum Beispiel in die Moderation gehe, dann freue ich mich zum Beispiel einfach auch auf den Job. Also es braucht jetzt gar nichts Spezifisches zu sein, sondern so generisch wie der Garten für Sammy, der ja auch im Winter kälter und nässer ist vielleicht und im Sommer wärmer und lichtdurchfluteter, so ist es bei mir dann auch eher dieses, cool, jetzt darf ich wieder moderieren. Also ich habe da richtig...
Björn: Ja, ich glaube, das stimmt. Also selbst wenn man sagt, boah, nee, kann ich nochmal eine Stunde schlafen oder so? Egal. Ich bin jetzt da, dann geht die Lampe an und dann dreht sich das um. Dann nimmt sich das dann mit. Und dann bist du, ja, natürlich, ich wollte schlafen, blöde Idee, ist doch besser hier.
Konzentration, Technik und Vertrauen — Begeisterung ist nicht alles
Miriam: Ist es ein bisschen anders, wenn du zum Beispiel deine eigenen Lieder singst?
Björn: Nö, das ist genau so. Also es ist natürlich anders, das ist klar. Also wenn ich jetzt da so ein Musical singe, dann muss ich mich auch konzentrieren. Das geht dann nicht so nach dem Motto, ich bin jetzt begeistert und weil ich begeistert bin, dann klappt das auch. Nee, das ist dann anders. Also da muss ich natürlich auch mich konzentrieren, wirklich konzentrieren, weil sonst versemmel ich es auch. Also das ist ja auch eine Technik. Der eine macht das so, der andere macht das so. Der Chris, der mitspielt zum Beispiel, der ist halt immer lustig und erzählt Geschichten und versammelt immer Leute um sich, auch in der Pause. Finde ich toll, kann ich nicht. Ich setze mich dann in die Ecke und alle denken, was ist mit dem los? Aber wenn man mich dann kennt, dann ist es okay. Dann muss ich Zeit haben, mich zu sammeln und konzentrieren halt. Sonst sagt der Dirigent nachher wieder, ich glaube, du musst dich mal ein bisschen ausruhen zwischen den Vorstellungen, damit er recht hat. Also der eine macht es so, der andere macht es so. Bei den Proben beim Film ist es zum Beispiel ganz eigensinnig. In der Probe bin ich einfach oft nur halb da, weil ich kann mich dann nicht so... In dem Sinne, dass ich da dann 100% gebe. Wenn die Leute mich dann nicht kennen, dann ist das sehr schwierig, weil der Regisseur, der will ja auch mal sehen, dass der das verstanden hat. Dann weiß ich auch meinen Text nicht und dann frage ich nochmal nach, wie war das nochmal, muss ich von da nach da gehen und dann bleibe ich hier stehen, dann gucke ich da, wie war das nochmal, da denken die immer alle, was ist mit dem los.
Miriam: Aber wenn dann die Kamera läuft, dann ist das halt da. So, und ich glaube, das ist einfach wichtig.
Björn: Für mich ist es wichtig, andere Leute machen das so, dann sind in der Probe 100% genauso. Finde ich toll, habe ich probiert, kann ich nicht. Muss man einfach riskieren, dann zu sagen, hör mal, was ist los, hast du deinen Text nicht gelernt? Muss man sagen, doch, aber gib mir einen Moment, ich muss das gerade nochmal technisch für mich proben, wenn die Kamera läuft, wirst du es schon sehen, dann sitzt es. Vertrauen haben auch.
Miriam: Cool. Also da waren jetzt mehrere Sachen drin, die für mich wichtig waren. Das eine ist, wenn es darauf ankommt, dann wächst so richtig diese Begeisterung in dir. Also dann ist die Konzentration und das, was du vorbereitet hast, wenn es was vorzubereiten gibt, gepaart mit der Begeisterung jetzt gilt. Also ist das was, was in Björn sowas macht wie Begeisterung?
Björn: Ja.
Miriam: Jetzt kommt es darauf an.
Björn: Ich glaube ja. Also das muss schon sein. Gut ist natürlich, dass man die Beteiligten dann mitnimmt und sagt, Leute, ich wirke auf der Probe etwas fahrig, aber ihr könnt euch verlassen. Wenn das Ding dann läuft, dann steht das auch. Gut. Dann hat man die mitgenommen und dann denken sie sich, okay, alles klar.
Miriam: Kann ich übrigens bestätigen. Es ist eine Freude, mit dir auf der Bühne zu stehen. Es begeistert mich.
Begeisterung im Beruf — von Sammy, Zahnärztin und Kieselsteinen
Miriam: Ist Begeisterung wichtig? Und jetzt kommen wir zu unseren Hörern des heutigen Podcasts. Würdest du Sprecher, Teamleiter, wen auch immer, Ärzte, Professoren, Lehrer, Kindergärtner unterrichten? Wäre es für dich wichtig, dass das Thema Begeisterung drankommt? Für das, was ich tue in dem Augenblick, wo es gilt, oder würdest du sagen, es ist halb so wichtig, Hauptsache ich habe die Technik drauf?
Björn: Nee, es ist total wichtig. Begeisterung sollte man vielleicht ein bisschen differenzieren dann, weil Begeisterung klingt vielleicht so ein bisschen, ich muss mich jetzt was für begeistern, ich habe gar keinen Bock. Also ganz anders, Begeisterung ist vielleicht auch viel mehr... zu sehen, worum geht's, wer macht mit, Dasein für die Menschen, Augen offen halten und eben genau wie Sammy, ja, sorry, dass ich immer... Ich finde ihn cool. Er ist das beste Beispiel.
Miriam: Lass Sammy hier, wir wollen nur dann das Foto gerne sehen.
Björn: Weil der wacht auf, die Augen gehen auf und er denkt sich, wo kann ich spielen, mit wem kann ich spielen? Oh, es schnüffelt, aber es riecht aber gut. Oh, da kommt jemand, da gehe ich mal hin, neugierig sein, sagen, oh, da kommt jemand Neues rein. Darf ich mit dir spielen? Immer dieses Angebot machen halt, ne? Sagen, hallo, hier bin ich. Aber dann auch zu sagen, nee, habe ich jetzt keine Lust zu, das Spiel gefällt mir nicht, sollen wir nicht das spielen? Aber dann immer eine Alternative bieten, nie sagen, nee, mache ich nicht. Keine Lust. Man kann sagen, ich habe gerade keine Lust. Weil ich muss das gerade erstmal fertig machen, aber dann können wir vielleicht nochmal drüber sprechen, was hältst du davon? Weil so halt, ne? Und nie so sagen, ne, da mache ich jetzt nicht mit. Immer weiterdenken, Angebote machen, wie Sammy.
Miriam: Schön. Wie wirkt sich, und jetzt wirklich aus der Erfahrung als Moderator heraus, wie wirkt sich Begeisterung denn auf Sprache aus?
Björn: Hm. Ja, das ist sehr wesentlich. Ich kann ja nicht mich da hinstellen und sagen, ach, ich glaube, das ist ganz gut, das Produkt. Ja, relativ gesehen, vielleicht könnte ich mir vorstellen, das funktioniert da nicht. Also das ist ja, da schlafe ich ja selber ein. Also wenn ich all diese Vokabeln häufe und sage...
Miriam: Weiß nicht.
Björn: Vielleicht, vielleicht auch nicht. Morgen, ja, ruf mich nochmal an.
Miriam: Mir dreht sich gerade schon voll der Kopf. Also eine echte entstehende Begeisterung, die Erfahrung habe ich auch gemacht, klingt mit, wählt Worte. Also ich habe das Gefühl, dass sich Begeisterung widerspiegelt, solange sie... In einem relativ entspannten Modus läuft. Also bei mir zum Beispiel darf ich darauf achten, wenn ich richtig abgehe. Also so wie jetzt auf der Bühne fällt es zwischen den ganzen bunten Gestalten nicht so auf.
Björn: Echt?
Miriam: Gut, ich schaue mir mal die Bänder an, die wir aufgenommen haben. Ja, nur wie gesagt, also Begeisterung macht sich bei mir komplett körperlich bemerkbar. Das heißt, ich darf dann zum Beispiel darauf achten, dass ich in der Sprache nicht völlig überdrehe. Und es ist echt, also das ist das, was gerade passiert. Nur Begeisterung gibt richtig druckvolle Sprache, richtig heftigste Bewegungsmöglichkeiten und ganz viel Energie. Und ich finde, dosiert eingesetzt ist es großartig.
Björn: Ich finde es auch großartig, wenn ich das jetzt mal aufnehmen darf, du hast ja gerade gefragt, Ärzte, Rechtsanwälte, andere Berufe halt. Also da kann ich noch meine Zahnärztin benennen, die ist nämlich so toll, die dosiert das nicht. Ja, man kommt rein, sie sagt, hey Björn, wie geht's dir? Mensch, lass dich mal anschauen. Ach, du siehst aber gut aus. Toll, dass du wieder da bist. Sollen wir mal in deine Zähnchen gucken? Ja. Und dann um abends hier ein und man denkt sich, ups, das dauert genau eine Sekunde, sagt man, oh, ja, ja, toll, ja, ich freue mich auch dich zu sehen, obwohl ich vielleicht gerade noch an was völlig anderes gedacht habe, das ist einfach schön und ich glaube, das geht auch, ob man jetzt Automechaniker ist oder das Zahnärztin ist, wenn das echt ist, ist das ganz wundervoll.
Miriam: Echt heißt, ich darf mich, wenn ich jetzt diesen Podcast höre, an den Stellen hinterfragen, an denen eine Begeisterung nicht regelmäßig zumindest mal aufpoppt und ich sie gerne hätte. Also ist es wirklich das, was mich begeistert, was ich tue?
Björn: Ja, ich glaube, das ist schon wesentlich. Also gut, es geht oft nicht. Es gibt vielleicht auch viele Menschen, die sagen, na gut, ich habe jetzt hier einen Beruf, den muss ich jetzt erstmal ein bisschen machen, also Betonung auf muss. Ich habe mich aber schon neu orientiert, ich arbeite an etwas und da kommen wir vielleicht auch zu einem Punkt, das fällt ja nicht alles vom Himmel. Man kann sich das ja irgendwie nicht... Im ersten Moment aussuchen, aber vielleicht im zweiten. Also es gibt viele Schauspieler, sind in dritter Generation Schauspieler, dann ist das natürlich einfacher. Ich habe auch Brüder, die sind älter und der eine hat halt ein Theater und dann durfte ich halt mal eine Rolle spielen und mal ausprobieren, ob ich das kann, ob ich das möchte. Klar ist da immer so ein Türöffner wichtig, aber den kann man sich ja vielleicht auch suchen oder erarbeiten. Aber das mit der Arbeit, das soll jetzt nicht anstrengend klingen, sondern einfach arbeiten bedeutet, sich ein Ziel setzen und sagen, das ist das, was mir Spaß macht und oft braucht es Geduld, oft braucht es einfach eine Ausbildung oder Neugierde oder man muss sich Leute suchen. Aber macht euch auf den Weg. Ich meine, es geht nicht anders.
Miriam: Toll. Ich habe mich auch schon immer gefragt, ob sich, also ich erinnere mich, dass ich als Kind sehr natürlich von ganz vielen Dingen begeistert war und habe das bei meinen Kindern im Großwerden wieder nachvollziehen können. Ich bin zum Teil mit meinen beiden Söhnen rausgegangen zum Spazierengehen und wir sind 20 Meter weit gekommen, bis wir wieder zurückgegangen sind. Wir waren allerdings eine Stunde draußen. Das lag schlichtweg daran, dass die sich nach jedem Stock und jedem Stein gebückt haben. Erstmal fünf Minuten lang begeistert waren von einem schnöden Kiesel, der mich auf dem Weg null interessiert hätte mehr. Nur für die beiden war das jeweils die allererste Erfahrung mit Kieselsteinen. Und dann ging das rund. Und zwar, die haben nicht irgendwie großartig Burgen gebaut daraus, sondern begeistert diesen einen Stein befühlt, geworfen, gekullert, wieder eingesammelt. Wie gesagt, wenn wir dann drei Meter weiter gelaufen sind, war da der Nächste in der anderen Farbe. Und ich habe gedacht, gut, das ist... Ich lasse es jetzt laufen. Das nutzt ja nichts. Blödsinn. Das heißt, ich erinnere mich, dass ich als Kind auch sehr begeisterungsfähig war. Auch für Kleinigkeiten. Und dann frage ich mich, ob es nicht möglich ist, von diesem, mich begeistert nur die ganz große Show oder die ganz große Nummer, wieder zurückzugehen, einen Schritt, um das wieder zu lernen, zu üben und kleine Dinge deutlicher wahrzunehmen. Begeistert. Ich einfach übersehe jetzt mittlerweile.
Björn: Die Details sind ja schon immer entscheidend, aber der eine begeistert sich für die Details, der andere begeistert sich vielleicht für das große Ganze. Das muss man halt natürlich finden für sich, ist klar. Aber genau hinschauen, das ist schon wichtig. Also immer auf der Suche sein nach so einem neuen Spiel, nach einem neuen Augenblick, einem kleinen Moment. Wenn ich jetzt auf die Bühne gehe und immer wieder in derselben Art und Weise den Text sage, dann fällt das natürlich dem Publikum nicht auf, weil die kommen ja nicht fünfmal zur Vorstellung, die kommen ja nur einmal, ist klar. Könnte man denken, aber ich glaube schon, dass es dem Publikum auffällt, indirekt. Weil ich kann mich noch erinnern, da war ich ganz klein, da war ich vom Fernseher und da habe ich meine Eltern gefragt, warum tun die denn so, als wären sie jemand anders?
Miriam: Okay, sehr spannend.
Björn: Und ist mir sehr viele Jahre später erst klar geworden, das muss ein sehr schlechter Film gewesen sein. Ja, vermutlich. Weil ich denen das nicht geglaubt habe. Auch da war ich noch klein. Ich habe denen das nicht geglaubt. Das heißt, ja, es hat mich nicht erreicht, weil die haben es nicht für mich gemacht. Ja, und das muss man natürlich schon. Wenn ich jetzt ein Zahnarzt bin und ich mache das nur für mich, dann sagt der Patient wahrscheinlich, da war jetzt komisch. Ich glaube, da gehe ich nicht nochmal hin.
Miriam: Ah, wie schön.
Björn: Oder irgendwie, weiß ich jetzt nicht, das Theaterstück, war ganz gut. Reicht ja nicht. Man muss ja schon sehen, wer sitzt im Saal, wie ist die Stimmung, wie sind die Kollegen drauf, da geht ja einer nach rechts, eigentlich war nach links geplant, was machst du jetzt draus? Muss man halt drauf eingehen, muss man gucken, wie ist der Moment und den findet man dann auch.
Der magische Moment, andere anstecken — und ein Garten voller Pflaumen
Miriam: Und auch das kann begeistern, oder kann dich begeistern, mich sowieso auch, wenn ich spüre, dass eine Schwingung ins Publikum rein und wieder zurück fließt.
Björn: Das ist, und das ist jetzt sehr esoterisch.
Miriam: Nö.
Björn: Das gibt es ja sogar in der Theaterwissenschaft. Ja, das stimmt. Ja, dieser Moment der gleichgeschalteten Aufmerksamkeit, da muss ich ja als Darsteller bei meiner Rolle sein, da muss ich bei meinem Kollegen sein, da muss ich aber auch das Publikum spüren. Also all das muss gleichwertig vorhanden sein. Erst dann kommt halt das raus, was man so einen magischen Moment nimmt.
Miriam: Wie cool, das wäre meine letzte Frage gewesen. Da steht nämlich, ist es möglich, andere mit zu begeistern? Und wenn ja, dann wie? Hast du das Gefühl, dass dir das oft gelingt? Also dass du sowas spürst wie Feedback an der Stelle?
Björn: Auf der Bühne jetzt?
Miriam: Auf der Bühne, auch hinter oder vor der Kamera, wie du es deuten möchtest.
Björn: Also ich für meinen Teil kann das sehr genau spüren und das ist ja auch das, was mich begeistert. Also wenn du es auf einen Punkt bringst, ob ich jetzt ein Musikstück aufnehme von mir, ob ich jetzt hier auf der Bühne stehe und das Musical mache oder ob ich jetzt moderiere oder vor der Filmkamera. Es sind immer diese Momente, wo ich spüre, ich war sehr aufmerksam. Für den Moment und habe den Moment zum Leben erweckt. Das ist das, was mich zufrieden macht. Das ist das, was mich wirklich begeistert. Da bin ich auf der Suche nach.
Miriam: Für was hast du dich als Kind richtig begeistert? Also der kleine Björn, was war so, wow, versinken, weg?
Björn: Es gibt so alte Super-8-Filme, da bin ich alleine im Garten und dann pflück ich Brombeeren und bin scheinbar in einem völlig anderen Film. Also ich vermute, dass ich schon immer so ein bisschen in meiner eigenen Welt gelebt habe.
Miriam: Einige Kollegen würden jetzt heftig nicken. Du bist auch übrigens sehr witzig, dass du diesen Ausschnitt wählst, denn das darf ich ja vielleicht verraten, du hast dir einen Traum erfüllt und hast im Moment auch wieder einen großen Garten, in dem du alle möglichen Obst- und Gemüsearten selbst erntest, verarbeitest und alle freuen sich immer, wenn du da was mitbringst von den Leckereien. Also scheinbar hat sich diese Begeisterung jetzt wieder neu einen Platz gemacht in deinem Leben.
Björn: Also um genau zu sein, spielst du eine wichtige Rolle in dem Ganzen. Da saß ich eines Tages im Büro und guckte in Miriams Korb, da war so allerlei drin, viel, großer Korb, ganz voll, alles aus dem Bioladen. Und da fragte ich sie, jetzt mal ganz ehrlich, ist doch jetzt Fock und Schnuppe, ob ich jetzt eine Zucchini in Aldi kaufe oder in einem Discounter oder im Bioladen.
Miriam: Oh, da war ich noch heftiger drauf zu der Zeit.
Björn: Was soll denn da jetzt groß der Unterschied sein? Ich hab halt ein bisschen ans Geld gedacht auch, ne? Und da hat es aber nicht lange gedauert, da hat sich das komplett umgekehrt, wo ich dann gemerkt habe, aber am eigenen Leib jetzt, dass ich mir viele Arztbesuche sparen kann, dass ich mir viele Kräfte selber erstellen kann, indem ich auf meine Ernährung achte und das ging dann bei mir so weit, dass ich jetzt mein eigenes Gemüse anbaue.
Miriam: Also nur um es anzumerken, so wahnsinnig bin ich nicht.
Björn: Nein, nein, bei der Miriam steht schon mal eine Cola Light auf dem Tisch.
Miriam: Ich habe das auch schon mal angemerkt und da muss ich mir einen ganz, ganz scharfen Blick, einen ganz scharfen Blick habe ich geerntet, der sagte...
Björn: Ich achte schon sehr gut auf meine Ernährung. Da kann ich mir schon mal ab und zu eine Cola Light gönnen. Stimmt auch. Finde ich total wichtig. Habe ich aber auch wieder was gelernt, weil diese ständige Bevormundung und immer genau nehmen und alles ist einfach nichts.
Miriam: Wir lernen immer so viel dazu. Ihr Lieben, vielen Dank fürs Zuhören. Jetzt natürlich wie immer am Ende des Podcasts. Björn, wo finden dich unsere Hörer, wenn sie noch mehr über dich und deine vielen tollen Fähigkeiten und Projekte wissen wollen?
Björn: Miriam anrufen, die hat die Telefonnummer 01725553879.
Miriam: Das stimmt übrigens nicht, war jetzt schon verkehrt.
Björn: Komm, du hast eine tolle Facebook-Seite. Ja gut, also gerne, meinetwegen auf iTunes, Schimanski in der polnischen Schreibweise, das ist dann die Band.
Miriam: Schreibe ich übrigens unter den Podcast auch nochmal aus.
Björn: Okay, wir haben jetzt eine Single gemacht, aber kommt jetzt wieder was? Ich meine, ich habe ja keine Zeit, Leute, ja? Da kommt die Miriam und sagt, kannst du das Musical machen? Ich so, ja klar. Also, da sagt der Garten, wollen die Pflaumen gepflückt werden? Ja, also mit anderen Worten, es kommt wieder was. Ansonsten Homepage, ganz klar, ein bisschen Eigenwerbung.
Miriam: Ja, wichtig!
Björn: Wie heißt die Homepage?
Miriam: Damit das alles richtig läuft, ihr Lieben, ich schreibe das unter dem Podcast. Also keine Panik jetzt an dieser Stelle. Ich habe keinen Stift. Alles gut. So, wir bekommen das hin. Lieber Björn, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, zwischen zwei Aufführungen übrigens, und auch die Begeisterung aufgebracht hast, mit mir zu podcasten. Dankeschön.
Björn: Also ich habe jetzt die Begeisterung für die nächste Vorstellung gerade von dir bekommen. Danke dir.
Miriam: Wir sehen uns vielleicht noch im Theater. Ich weiß nicht, ob du ein Ticket gekauft hast da draußen. Ansonsten übe dich gerne in Begeisterung. Vielleicht erstmal bei den kleineren Sachen, wenn du im Moment denkst, so richtig begeistert im Moment bin ich nicht. Kein Thema. Wir haben es angesprochen.
Björn: Dann guck dir Sammy an und dann geht das schon wieder.
Miriam: Von Sammy posten wir ein Foto. Auch das ist versprochen. Sammy wird der große Star dieses Podcasts. Und wenn Sammy gerade nicht zur Hand ist, da draußen gibt es vor allen Dingen immer wieder Menschen zu finden, die sich spontan begeistern. Reicht oft, einem Kind in die Augen zu schauen. Vielen, vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Dienstag. Tschüss, lieber Björn. Tschüss da draußen. Tschüss.