„Sei doch einfach du.“ Genau diesen Satz hat ein Trainer Miri in der Kaffeepause zugeworfen — und danach ist er husch wieder verschwunden. Was macht man mit so einem Rat? Florian dreht die Frage sofort um: Wie soll man überhaupt nicht man selbst sein? Rund um ein Chamäleon im Spiegelkabinett, Per Mertesacker vor der Kamera und ein rührendes Muttertagsmoment im Fernsehkaufhaus tasten die beiden ab, was Authentizität eigentlich heißt.
Sei doch einfach du — der Satz, der alles auslöste
Miriam: Willkommen bei kontext*denken. Zwei Gehirne, ein Podcast. Mit den Themen, die das Leben so schreibt. Und mit Miriam Deforth und Florian Groß. Sei doch einfach du selbst.
Florian: Das ist das Thema heute.
Miriam: Wir fangen mal kalt an.
Florian: Kein langes Hin und Her.
Miriam: Da hat mich ein Trainer mal kalt erwischt.
Florian: Jetzt sei du selbst.
Miriam: Ja.
Florian: Wieso?
Miriam: Da hat er mich in der Pause von einem Seminar, das mir persönlich sehr wichtig war, auch für unsere gemeinsame Arbeit, Florian und meine, in der Kaffeepause greift mich der Trainer quasi am Schlawittchen und sagt mir ins Gesicht: Miri, sei doch einfach du, dann ist alles gut.
Florian: Wie kannst du denn überhaupt nicht du sein?
Miriam: Ja, das ist das Schwierige gewesen in der Situation, weil ich, als er dann wieder husch verschwand.
Florian: Also ist die Unauthentizität in so einem Moment nicht auch dann authentisch? Wenn ich mich für jemand anders verstelle, weil ich denke, dass das irgendwie sinnvoll ist oder einfacher ist, ist das nicht dann wieder authentisch ich?
Miriam: Ich habe keine Ahnung. Das ist ja genau das Problem an diesem Problem, also an diesem Thema. Weil, was bedeutet denn Authentizität? Im NLP ist dieser Begriff ja, oder zählt zu den Nominalisierungen. Also wir können ja authentisch uns benehmen oder... authentisch sein? Dann sind wir wieder in diesem Ich-bin-Modus. Und Authentizität, was verstehst du denn drunter? Wann fühlst du denn echte Authentizität bei einem Menschen, den du begegnest oder der dir begegnet? Oder bei einem Schauspieler? Da wird es ja gefeiert. Das war so authentisch, wie der das gespielt hat. Das war so berührend, das war so echt, so wahr. Was ist denn dann das Leben? Ist das authentisch? Ist es authentisch, wenn ich mich, wenn ich bei meiner Schwiegermutter zum Kaffeetrinken eingeladen bin, anders benehme, als wenn ich mit Florian zu irgendeinem Fastfood-Restaurant fahre?
Florian: Ich finde das schon authentisch, deswegen, ich verstehe die Frage noch nicht so ganz. Ich kann mich doch überhaupt nicht nicht authentisch verhalten.
Miriam: Ich finde es auch super kompliziert. Nur Authentizität ist etwas sehr Gefragtes in einer Welt, in der es offensichtlich sehr viel Furcht vor Nicht-Authentizität gibt.
Florian: Vor Falschizität, nein.
Miriam: Vor Falschizität.
Florian: Gerade wenn sich jemand verändert. Wir haben das immer wieder in unseren Seminaren, dass Teilnehmer kommen und aus ihren Gründen beschließen, etwas anders zu tun. Mehr zu lachen, fröhlicher zu sein, vielleicht den Blick auf irgendwas Positives zu richten, vielleicht auch sowas wie mehr Sport zu machen, etwas Neues zu lernen. Solche Veränderungen sind ja dann da und mit diesen Veränderungen kommen sie dann nach Hause und dann sind das ja erstmal ungewohnte Ziele. Vielleicht hatte sich eine Person, ein Teilnehmer schon seit Jahren kein Ziel mehr vorgenommen und hat jetzt plötzlich wieder ein Ziel. Klar ist das Verhalten dann anders. Ist es dann weniger authentisch oder ist es einfach ungewohnt?
Miriam: Und das ist die eine Seite der Medaille. Weil es gibt ja noch eine andere.
Florian: Ja.
Miriam: Ja. Es gibt ja nicht nur, dass ich ein neues Verhalten an den Tag lege oder dass jemand ein neues Verhalten an den Tag legt, weil er zum Beispiel ein neues Ziel hat, sondern es gibt ja auch diese Momente, in denen Menschen sowas hätten wie totale Echtheit bei sich. Oder das Gefühl hätten, dass andere total echt sind.
Florian: Mhm.
Miriam: Und dieses Gieren danach, dass es so eine Art Kern von einem Menschen gibt, so eine Art echten Kern, der irgendwo da drin schlummert und der hoffentlich sich ab und zu zeigt und in welchen Situationen dann. Ich habe darüber auch einen Text geschrieben und da kommt dieses Experiment mit dem Chamäleon drin vor.
Das Chamäleon im Spiegelkabinett
Florian: Jetzt darfst du das Experiment mit dem Chamäleon erklären.
Miriam: Irgendwann, als die Kybernetik mal Thema war eine Zeit lang, also Trendthema, gibt es ja immer noch, nur als es sozusagen entstand, auch als Wissensgebiet, diese Lehre von der Steuerung und der Balance und so weiter in Systemen, ist ja auch hochphilosophisch. Da fragten sich die Menschen, die sich damit beschäftigten, eben sich befassend mit der Authentizität, ob ein Chamäleon, das ja seine Farbe verändert, wenn es in irgendeinem neuen Umfeld ist. Also sobald es in einem...
Miriam: Es passt sich an.
Miriam: Es passt sich an. Natürlicherweise. Das gehört zu dem Chamäleon dazu. Wenn das Chamäleon jetzt in einer Umgebung wäre, in der es außer ihm selbst nichts gibt, also ein Spiegelkabinett, wo es nur sich selbst sieht, wird es dann durchsichtig? Das war die Frage, die sie gestellt haben. Sie haben das Experiment nicht gemacht, es war nur die Frage, die sie gestellt haben. In den 90er Jahren hat dann ein Mensch, der auch ein Magazin rausgibt, ich habe das alles als Quellentext auch in dem Blogpost drin, auf unserer Seite www.kontext-denken.de. Da hat dieser Mensch tatsächlich das Experiment gemacht. Er hat also eine Chamäleon-Echse genommen und hat sie in ein Spiegelkabinett gesetzt. Oben, unten, rechts, links, vorne, hinten, alles Spiegel. Das heißt, es gab in diesem Raum nichts außer Chamäleon, das sich selbst widerspiegelte. Und was geschah? Diese Echse verwandelte sich von braun in grün und blieb grün. Über Stunden. Und dieses Ergebnis ist völlig irrelevant, weil Grün ist zum einen die Farbe, die die Echse immer annimmt, wenn sie unter Stress gerät. Also eine klassische Stressfarbe von ihr. Jetzt ist die Frage, fürchtet sie sich, weil nichts da ist, wofür sie sich verstecken kann oder in was sie sich hineintarnen kann? Ja, weil da ist nichts. Also kriegt sie Stress und macht sich grün.
Florian: Oder?
Miriam: Das war dann erstmal so die Grundannahme da drin. Ich habe das noch ein Stück weiter gedacht, nur das ist die Grundannahme. Plötzlich hat die Echse keine Möglichkeit mehr, sich nicht authentisch zu verhalten. Und das macht so viel Stress, dass sie die Stressfarbe bekommt.
Florian: Sie hat keine Möglichkeit mehr, sich authentisch zu verhalten.
Miriam: Sich authentisch zu verhalten, genau. Also sich anzupassen an ihr Umfeld.
Florian: Weil Anpassung ans Umfeld authentisch für Chamäleons ist. Richtig. Das heißt, es könnte sein, dass es da draußen Menschen gibt, bei denen es einfach authentisch ist, immer anderen nach dem Mund zu reden oder immer Mitläufer zu sein.
Miriam: Ja, oder sich zum Beispiel gerne zu verändern, auch in ihrer Kleidung oder so eine Art, wir würden das, wenn wir es positiv deuten würden, würden wir es Facettenreichtum nennen. Dass die sich gerne anpassen in die Umgebung. Ich habe das bei meiner Arbeit im Fernsehkaufhaus sehr gerne getan. Ich habe mich in einer Sendung, in der wir Diamanten verkauft haben, teure, anders gekleidet als in einer Sendung, in der wir Putzmittel verkauft haben. Oder Gartenwerkzeug.
Florian: Das ergibt vielleicht auch einfach nur Sinn, oder?
Miriam: Ich habe das so weit getrieben, dass ich mich der Marke angepasst habe mit meinem Outfit, die ich verkaufen sollte. Das heißt, wenn das eine Marke war mit einem rosa Schriftzug und rosa Tiegeln, hatte ich was Rosanes an. Das erinnert mich sehr an ein Chamäleon.
Pacing und Leading: der Anzug beim Finanzkunden
Florian: Jetzt sind wir doch auch beim NLP-Thema Pacing und Leading. Also inwieweit möchte ich bei bestimmten Themen, und das nennen wir im NLP dann eben Pacing, mich angleichen? Vielleicht mitlaufen, mich an bestimmte bestehende kulturelle Normen und Verhaltensweisen halten. Das kann sowas sein wie bei mir ganz persönlich jetzt, wenn ich zu einem Kunden gehe, der aus der Finanzbranche kommt, dann habe ich am ersten Treffen ein Sakko an und ein Hemd. Das ist einfach bei denen üblich. Manchmal sogar mit Anzug, wenn ich weiß, dass das eine Firma ist. Dann passe ich mich ja an deren Normen an. Dann bin ich sozusagen so ein bisschen so wie das Chamäleon und sage, mir ist es am Anfang wichtig, ich möchte mich da an der Stelle gleich verhalten.
Miriam: Und wer Florian kennt, weiß, das wäre, wenn wir es jetzt negativ betrachten wollen, nicht ein authentischer Kleidungsstil.
Florian: Das ist nicht das, wie ich am Sonntagmorgen hier zum Bäcker gehe. Das stimmt.
Miriam: Jetzt wäre die Annahme, dass wir, wenn wir das Chamäleon nehmen, dass da unter Stress dann grün wird, dass wir Menschen unter Stress am authentischsten sind.
Florian: Weil wir dann grün werden. Dann gehe ich in Jogginghose zur Versicherung.
Miriam: Unter Stress, und das kennen wir ja im NLP so ein bisschen von den Meta-Programmen, zeigen Menschen Verhaltensweisen, die sie selbstverständlich im entspannten Zustand nicht so zeigen. Und es kann sein, dass da auch Muster sichtbar werden in ihrem Verhalten. Also dass da das wahre Gesicht auf einmal erscheint von einem Menschen.
Florian: Nur manche Menschen mögen doch das wahre Gesicht, das da unter Stress rauskommt von sich, gar nicht so gerne. Und andere vielleicht auch nicht. Deswegen machen die Entspannungsübungen, Meditationen, was weiß ich was, um eben sich so leben zu können oder zu dürfen, die Möglichkeit zu haben, auch zu reagieren, so wie sie es gerne hätten.
Miriam: Wenn es das wahre Gesicht wäre. Da unterstellen wir jetzt schon wieder etwas, dass ein Mensch, der jetzt unter Stress ist und sich in irgendeiner Weise dann verhält, jemand, der unter Stress kommt, der ganz zurückschaltet und gar nichts mehr sagt oder jemand, der unter Stress plötzlich anfängt rumzubrüllen oder jemand, der unter Stress anfängt, hektische Bewegungen zu machen oder schneller atmet oder was auch immer er tut. Dann würde das bedeuten, dass wenn ich herausfinden wollen würde, und der Trainer hat mir ja gesagt, Miri sei ganz du, dann ist alles in Ordnung. Wenn ich das herausfinden wollen würde, dürfte ich mich ordentlich unter Stress bringen, dann hätte ich es. Dann wüsste ich, wie ich wirklich bin.
Florian: Naja, wie du wirklich bist unter Stress, oder? Ich verstehe den Punkt nicht. Ja, genau.
Miriam: Deswegen passt ja auch dieses Chamäleon-Ding. Ich wollte diese These nicht so stehen lassen, dass sich das aus Stressgründen grün färbt.
Florian: Naja, bei den Kybernetikern geht es halt immer auch um Feedback-Systeme. Also wie bekommen wir Feedback aus unserer Umgebung? Wie gehen wir mit neuen Impulsen aus unserer Umgebung um? Das ist ja dieses ganze Systemische. Übrigens auch Richtung systemisches Coaching oder systemische Beratung. Dass wir eben nicht denken in Ursache-Wirkungs-Beziehungen, sondern dass es auch Kreisläufe gibt, die sich da verstärken oder wo sich vielleicht weit entfernte Systemteile in irgendeiner Weise bedingen, die gar nicht so einfach zu verstehen ist.
Wenn alle Echtheit wollen: Mertesacker und der Muttertag
Miriam: Es wollen doch alle Authentizität. Die Chefs wollen Authentizität von ihren Mitarbeitern. Die Menschen, die ins Theater gehen, wollen Authentizität bei den schauspielerischen Leistungen. Wir wollen sogar Authentizität, wenn wir ein Bio-Steak kaufen. Dann darf das ein authentisches Bio-Steak sein. Oder es darf, keine Ahnung, die Politiker sollten authentisch sein, wenn sie ihre Reden halten. Und wenn dann jemand wirklich mal total authentisch ist, da habe ich in der Zeitschrift Zeit einen Artikel darüber gefunden, die griffen nochmal das Beispiel von Per Mertesacker auf, von dem Fußballspieler, der ja nach einem Weltmeisterschaftsspiel gegen Argentinien vor laufender Kamera den Reporter, ich sag mal, angebrüllt hat. Also der war nicht nett zu dem, gar nicht. Und hat den wegen seiner blöden Fragen, hat er ihm Vorwürfe gemacht, die er da stellt nach so einem doofen Spiel. Und das war richtig heftig und dann gab es natürlich Feedback. Also es gab Feedback von den Fußballfans, es gab Feedback vom Sportbund, es gab alles Mögliche und da war ein völlig übermüdeter, fix und fertiger Per Mertesacker vor der Kamera, der sich irgendwann aufgelehnt hat gegen Fragen, die sowieso nicht zu beantworten sind nach so einem Spiel, aus seiner Sicht. Und dann ist der, da war ganz viel Authentizität, das war so authentisch wie nur was, der war richtig bei sich, also da ging es richtig ab. Nur da war es dann zu viel, weißt du, das ist dann verstörend, wenn sowas passiert. Oder das ist dann nicht gut, das ist dann zu viel, da hätte er sich beherrschen sollen, da hätte er gefälligst mal sich benehmen sollen. Ich finde auch nach wie vor gut, wenn Menschen sich benehmen. Nur ist es dann authentisch in so einer Situation oder ist es dann gespielt? Ist es dann noch echt?
Florian: Wenn sie sich gerne benehmen, also wenn ihnen das wichtig ist. Wieso soll das denn dann unauthentisch sein?
Miriam: Ja, das ist ja genau die Frage, die sich in diesem Podcast... Einfach du selber, das ist doch wahrscheinlich das.
Florian: Und an der einen oder anderen Stelle, es hilft ja auch nichts, da innerlich sich komisch zu fühlen für, oder? Also wozu sozusagen in einer Situation, wo ich mir vielleicht, wo ich manchmal als Ziel habe, da würde ich mich in Zukunft gerne anders verhalten, wenn die Situation nochmal kommt. Wozu soll ich da jetzt noch groß drüber nachdenken, ob das authentisch oder unauthentisch war?
Miriam: Das ist ja eben genau auch die Frage, die ich in diesem Podcast unseren Hörern stellen möchte. Diese Hatz nach der Echtheit, nach der Wahrheit eines Menschen, nach dem Kern, nach dem wahren Gesicht eines Menschen, macht die in der Form, wie sie derzeit häufig auch in Medien betrieben wird, macht die Sinn? Ist das wirklich sinnvoll, so an die Sache ranzugehen? Und zum Beispiel, ich hatte mal Authentizitätsthema auch im Fernsehen und zwar gab es eine Situation, da habe ich noch nicht lange dort gearbeitet, da wurde am Muttertag, ich habe am Muttertag gesendet und die Redaktion hatte sich was Tolles ausgedacht, sie haben meinen damals einjährigen Sohn mit einer Blume in der Hand in die Live-Sendung tapsen lassen und ich wusste davon nichts. Und es war natürlich erstens eine Riesenüberraschung und zweitens war das mega rührend, weil dieses kleine Geschöpf da kaum über die Kabel drüber kam, die überall lagen, mit dieser Blume in der Hand und mit weit offenen Armen auf mich zutapperte, gerade eben laufen konnte und natürlich habe ich angefangen zu heulen, meine Redakteurin oben in der Redaktion hat angefangen zu heulen, mein Expertengast hat angefangen zu heulen und scheinbar hunderte von Zuschauern mit uns, weil danach kam dann das Feedback. Und das Wort authentisch fiel quasi ständig, ständig, ständig. Ganz anders, wenn ich im Fernsehkaufhaus mich in einer Sendung von ganzem Herzen wirklich selbst für ein Produkt begeistert habe und hatte Gänsehaut beim Verkauf und fand es mega. Und Gänsehaut ist auch zu HD-Zeiten immer noch nicht richtig zu sehen. Und habe das in der Sendung völlig begeistert selbst mitbestellt. Ich war mit bei den Zuschauern, ich habe es selber eingekauft.
Florian: Das ist wirklich, also das ist wirklich wahr. Ich habe das mitbekommen. Ich habe manchmal auch SMS bekommen, dass ich jetzt schnell was bestellen soll. Wirklich.
Miriam: Ja, so und danach kam dann dieses, das ist nicht authentisch, das war gespielt, das ist nur, damit andere Leute was kaufen. Das war voll echt. Das ist so gewesen. Ich war selbst mein bester Kunde bisweilen in diesem Fernsehkaufhaus. Nur, Authentizität scheint ein Wert zu sein für ganz viele Menschen. Diese Echtheit an jemandem. Dieses Gefühl, dass da jemand wirklich gerade so ist, wie er spricht und sich gibt. Und das Streben danach ist ja etwas, was offensichtlich, sonst gäbe es das Feedback darauf ja nicht. Verstehst du, sonst hätten ja nicht hunderte von Menschen auf Facebook, auf Instagram, per Mail nach diesen Sendungen authentisch geschrieben oder auch nicht authentisch. Und darüber ein Urteil gefällt. Es ist eine Bewertungsgrundlage für, wie gern mag ich Menschen. Das ist auch oft Feedback nach unseren Seminaren. Wie authentisch, wie echt und wie wahr wir NLP leben. Und da scheint ein Wert drin zu liegen. So, jetzt ist das ja so, wie wenn jemand sagt, werde erleuchtet für mich. Also wenn jemand zu mir sagt, sei authentisch, sei du, dann klingt es so ein bisschen wie sei erleuchtet. Ja, wie soll ich es denn machen? Soll ich mir eine Glühbirne auf den Kopf setzen und anfangen zu schreien?
Der wahre Kern: du bist dieses Paketchen
Florian: Entspann dich, weil du bist sowieso authentisch. Also auch wenn gerade ein unauthentischer Moment ist, bist du doch authentisch unauthentisch.
Miriam: Das ist...
Florian: Tatsächlich habe ich wirklich Herausforderungen zu verstehen, wie ich unauthentisch sein könnte. Weil wenn ich in einer Situation gestresst bin oder in einer Situation verkrampft, ich sollte mich hier benehmen, weil Schwiegermama ist da oder was weiß ich.
Miriam: Ich nehme lieber die Hände aus den Hosentaschen und lächle mal.
Florian: Dann fühlt sich das für mich irgendwie ungewohnt an vielleicht, nur ich bin doch dann völlig authentisch in meiner Verkrampftheit in der Situation. Oder in der Unentspanntheit in der Situation. Es ist doch auch eine authentische Unentspanntheit da drin. Und ich weiß, bei den ganzen Beispielen, das hört sich für mich so an, als ob, wenn jemand anders sich vorstellt, wie ich sein könnte, wenn ich mich so verhalte, wie die andere Person sich das vorstellt, dann ist authentisch und wenn nicht, dann nicht. Und das finde ich wirklich anstrengend. Ich habe das in zu vielen Teams schon erlebt, dass eine Person sich wirklich verändern wollte und irgendein Teammitglied gesagt hat, boah, ich würde gerne das anders machen und ich weiß, dass ich das bisher immer so gemacht habe, ich würde es jetzt gerne anders machen. Und damit hat nicht diese Person die kleinste Herausforderung damit, sondern alle anderen dürfen sich ja dann auch mitverändern. Und das ist das, wo dann anfängt, so, ja, das fühlt sich jetzt aber noch komisch an, das ist doch jetzt nur gespielt, das ist doch jetzt gar nicht authentisch an der Stelle, das ist, ja, natürlich wirkt's von außen eine Weile unentspannt und gespielt, weil jedes Verhalten, das du hast, hast du schon über viele Jahre geübt. Oder die meisten davon, wenn du nicht gerade eine größere Veränderung gemacht hast. Verhaltensweisen, die du seit vielen Jahren kennst. Klar, das sind die Datenautobahnen im Gehirn. Da ist Sparmodus an im Gehirn. Da wird Energie gespart. Deswegen lohnt sich das für das Gehirn ja, dass das sich gut anfühlt auch. Und wenn was Neues reinkommt, ist es erstmal ungewohnt. Surprise, surprise, so ist es halt.
Miriam: Ich finde es schön, dass du eben gesagt hast, wenn es sich gut anfühlt, weil ich glaube, da ist der Kern der Sache. Wie fühlt es sich für dich an in Situationen? Wie fühlst du dich gerade? Und es ist völlig egal, ob das ein angenehmes, ein unangenehmes oder sonst was Gefühl ist. Für mich ist vielmehr wichtig. Und das habe ich eben im Zuge der NLP-Ausbildung viel deutlicher für mich wahrgenommen, als das, was andere in mich hinein projizieren wollen an Authentizität. Es ist viel wichtiger für mich, mich an meine Gefühle wieder anzudocken und wahrzunehmen, jetzt fühle ich mich gerade ein bisschen verkrampft. Ups, jetzt fürchte ich mich gerade vor der Situation oder wow, jetzt freue ich mich gerade über was total. Und diese Gefühle auch wirklich so in ihrer Art und Weise, wie sie in meinem Körper sind, wahrzunehmen. Und dann für mich zu entscheiden zum Beispiel. Ist das jetzt gerade für mich gut oder nicht? Will ich das jetzt, will ich das nicht? Und diese Freiheit mir zu nehmen und dann ist sowieso egal, ob andere das jetzt authentisch finden oder nicht. Wir gehen ja davon aus, dass du der größte Experte für dich bist, du lieber Hörer. Das heißt, was auch immer andere sagen, der einzige Mensch, dem du nichts vormachen kannst, es gibt Menschen, die können sowieso jedem was vormachen, der einzige Mensch, dem du nichts vormachen kannst, bleibst du. Es gibt ja Menschen, die behaupten, sie hätten sich über Jahre belogen. Ich widerspreche da. Und das ist jetzt Miris Welt. Ich widerspreche da. Ich sage, belogen nicht. Wir nehmen irgendwas in uns wahr und dann reden wir es uns schlecht oder wir reden es uns schön oder wir denken darüber nach und dann tun wir irgendwas damit. Wir können ein Gefühl annehmen oder auch nicht. Wir können eine Skepsis, eine Trauer, eine Furcht, eine Wut, eine Freude, eine Euphorie, eine Liebe, die können wir annehmen oder auch nicht. Wir können darüber nachdenken, wir können es zerhackstücken mit unseren Gedanken, nur am Ende des Tages ist das, was in uns passiert, das, was in uns passiert. Und da ist der wahre Kern versteckt. Da ist er. Vielleicht ist er nicht mal versteckt, da ist er einfach. Da bist du. Das bist du.
Florian: Und wenn du gerne hättest, dass du anders bist, dann darfst du eben was anderes machen. Ja. Also wenn du gerne offener wärst im Umgang mit anderen Menschen, wenn du gerne was weiß ich was machen möchtest, mehr rausgehen möchtest oder mehr Bücher lesen oder mehr Freizeit mit deiner Freundin oder deinem Freund oder deinem Ehepartner verbringen, dann darfst du halt was ändern.
Miriam: Und dann ist das immer noch du. Wir haben diesen Körper und diese, wenn wir es Seele nennen wollen, wir haben diesen Körper, diesen Geist, diese Seele in diesem Leben nun mal dabei. Ich glaube, das ist Gunther Schmidt, der immer sagt, wenn wir den Körper jetzt schon dabei haben, können wir auch damit arbeiten. Also wir werden den ja nicht los. Wir sind dieses Paket. Du bist dieses Paketchen und dann kannst du deinen Namen einsetzen. Florian ist das Paket Florian und ich bin das Paket Miriam. Und alles, was du kannst, alles, was du siehst, fühlst, schmeckst, hörst, in dir denkst, alles gehört zu dir und es bist du. Und selbst, wenn du jemand bist, der sich vielleicht in bestimmten Situationen mit Absicht anders verhält, als normalerweise, so wie Florian sich seinen Anzug anzieht, wenn er zu einem Finanzkunden fährt, dann ist es ja intendiert, dann hast du dich dafür entschieden, das zu tun und dann ist es ein Teil von dir. Florian kann übrigens extrem sexy aussehen in den Anzügen.
Florian: Ich weiß, dass Miri das auch gerne mag. Wir machen das auch im Privatleben manchmal. Wenn wir zum Beispiel in die Oper gehen, dann habe ich auch einen Anzug an. Weil es sich für mich dort gehört. Auf der anderen Seite...
Miriam: Sehen wir auch Menschen in Jeans dort.
Florian: Das ist alles gut. Das ist ja dann die jeweils persönliche Entscheidung.
Facettenreichtum und die Freiheit, viel zu sein
Miriam: Ich habe Spaß, mich schick zu machen, wenn wir ausgehen. Ich merke auch, dass ich zum Beispiel auf Schuhen mit Absätzen anders laufe als in Turnschuhen. Da habe ich einen anderen Gang. Das verändert meinen Gang, meine Haltung.
Florian: Ich habe für mich beschlossen, und das war jetzt eine Veränderung in den letzten zwei, drei Jahren, ich habe keine Lederschuhe mehr an. Bestimmt. Ich habe immer nur Turnschuhe an. Überall.
Miriam: War auch eine Entscheidung. Du könntest Lederschuhe anziehen.
Florian: Ich mag das nur nicht so gerne.
Miriam: Reibt das an der einen oder anderen Stelle? Ist es okay?
Florian: Für mich ist das okay. Das ist eine Reibung, die ich haben möchte. An anderen Stellen sage ich zum Beispiel bei neuen Kunden eben, ich möchte mich eher an die angleichen. Dann sind wir eher bei dem Pacing. Wir sind sowieso an so vielen Stellen unterschiedlich, dass es auch ganz schön sein kann, bewusst eine Brücke zu schlagen und bewusst etwas zu machen für jemand anderen, wo du sagst, das ist jetzt die Brücke, die ich jemand anders anbiete, der Gleichartigkeit, weil in anderen Teilen sind wir einfach sehr unterschiedlich. Gerade wenn ich in der Organisationsberatung zu Finanzkunden komme und über Dinge rede, die die sich vielleicht wünschen, nur noch nicht erfahren haben. Und wo wir dann ganz andere Zusammenarbeit machen dürfen. In manchen Teilen meines Berufs ist es immer noch üblich, dass sich Menschen siezen. Das ist in anderen Teilen schon gar nicht mehr vorstellbar. Also da lebe ich wie in zwei verschiedenen Welten, je nachdem, wo ich gerade hinkomme. Und das ist mit dem einen Kunden drüber zu sprechen, wie das bei dem anderen ist, das geht fast gar nicht, sondern die können das ja nur über Erlebnisse haben und dann ist immer die Frage, wie viel Brücke biete ich an, wie sehr möchte ich mich da angleichen und das ist dann die Authentizität, die ich gerne haben möchte.
Miriam: Oder vielleicht auch dieser Facettenreichtum. Wir können so vieles sein, wir Menschen. Wir können uns so unterschiedlich verhalten, wir können uns so unterschiedlich kleiden.
Florian: Und dann wird es interessant mit dem flexibelsten oder das flexibelste Element in einem System und dann sind wir ja auch bei den Kybernetikern. Das ist das, was systembestimmt ist, um es zu übertragen ins normale Leben. Herrlich, guck mal, jetzt hat der Florian. Wenn dein Kind flexibler ist als du, dann bestimmt das Kind, wo es lang geht. Also wenn Weinen dazu führt, dass du einfach machst, was es will, dann kriegt das Kind im Zweifel alles.
Miriam: Und dann gehört Weinen als Verhalten eben auch zur Flexibilität. Und dann ist es authentisch, na klar.
Florian: Ja.
Miriam: Natürlich. Und dieses Sei-Du ist etwas, wenn dir irgendwann in deinem Leben nochmal jemand sagt, sei einfach du. Dann kannst du ruhig darauf reagieren, indem du sagst, ich kann ja auch gar nicht anders.
Florian: Und wenn du möchtest, darfst du eben Flexibilität üben. Ja. Weil das wirklich was ist, was in mehr Situationen dazu führt, dass du einfach so sein kannst, wie du gerne sein möchtest. Also wenn du eben andere Menschen ansprichst, wenn du andere Menschen ansprechen möchtest und wenn du in deinem Buch oder deinem Computer versunken da sitzt, wenn du in deinem Computer versunken sein möchtest. Das ist doch das, wie... Da sind wir dann bei den anderen großen Werten auch noch dabei. Das ist für mich Freiheit.
Miriam: Das ist absolute Freiheit und ich habe es so genossen am Ende im Fernsehkaufhaus diese Möglichkeit zu haben, in so unterschiedliche moderative Rollen zu schlüpfen, andere Worte auch zu verwenden, wenn ich eine 5000 Euro schwere Diamantenkette verkauft habe, im Gegensatz zu zum Beispiel so einer Gartensäge. Das ist super. Das macht mir Spaß. Ich liebe es, viel zu sein. Ich liebe es, viele Facetten zu haben und die auch ausleben zu dürfen in den unterschiedlichen Situationen. Auch das ist Miri. Und dieses Chamäleon, ich habe mir einfach vorgestellt, wie das wäre, wenn da jetzt kein Reiz von außen ist. Also dieses Chamäleon ist mit sich und seinen Farben völlig alleine und kann sich jetzt quasi eine aussuchen, weil da ist ja nichts zum Tarnen. Und wird grün, dann wird alles um es herum grün, weil es eben in diesem Spiegel dann auch ein grünes Chamäleon wahrnehmen muss. Logisch, wenn es selbst grün ist, dann bleibt es eben auch grün. Vielleicht ist grün auch so eine Standard-Tarnfarbe vom Chamäleon. Da fühlt es sich total sicher und es quietscht vergnüglich grün. Weißt du, bis es einer nimmt und setzt es wieder auf gelben Sand, dann passt es sich eben wieder an. Und warum? Weil es das kann. Verstehst du? Weil es das kann. Das ist cool. Ich liebe das.
Florian: Ja, so, authentisch machen wir jetzt Schluss.
Miriam: Ja, wäre auch Zeit. Vielen Dank, dass du dir diesen hochphilosophischen Podcast angehört hast und mit uns mal in diesen Begriff hineingetaucht bist, den wir zum Teil eben auch mit NLP-Begriffen gefüttert haben. Unser nächster NLP-Practitioner, die Ausbildung, findet statt vom 4. bis 14.2. in unseren neuen Seminarräumen. Und der nächste, wenn du sagst, das ist jetzt vielleicht ein bisschen knapp zum Planen, vielleicht packst du es ja auch noch, der ist dann im Mai und zwar vom 1. bis 5. Mai und zwei Blöcke, der zweite Teil vom 1. bis 5.6. Und wir freuen uns, wenn wir dich kennenlernen dürfen, wenn du dabei bist, wenn du genauso intensiv mit deiner präzisen Weise, du zu sein, mit deiner präzisen Weise zu sprechen, dich befassen möchtest, wenn du da Pro werden möchtest, dann sei dabei.
Florian: Und wenn es wieder heißt, zwei Gehirne.
Miriam: Eine Authentizität und du. Bis nächste Woche.
Florian: Bis nächste Woche.
Miriam: Tschüss. Tschüss. Mehr von uns gibt es unter www.kontext-denken.de. Unsere Seminare, unsere Workshops und unsere MP3-Downloads findest du auf unserer Seite. Wir freuen uns auf dein Feedback und sagen Tschüss bis nächste Woche. Bis zum nächsten Podcast.