"Wie machst du das, dass du fröhlich bist, sobald die Kamera läuft?" Diese Frage einer Hörerin bringt Miriam ins Nachdenken über etwas, das sie 20 Jahre lang einfach getan hat, ohne genauer hinzuschauen. Sie packt ihre schlechte Laune vor der Sendung wie zwei Koffer in eine Ecke des Raums und tritt vor die Kamera. Wie das geht, worauf sie sich dabei stützt und welche Tricks du selbst ausprobieren kannst, erzählt sie hier — vom Blick in den Spiegel bis zur Zwei-Minuten-Notfall-Meditation.
Die Frage einer Hörerin: fröhlich auf Kommando
Miriam: Ein aller herzlichstes Willkommen zu diesem neuen Miri-Podcast. Schön, dass du ihn anhörst. Schön, dass du da bist. Vielen Dank für die vielen Weiterempfehlungen, für die vielen Zuhörer. Und ja, schön, dass das Ding jetzt so ein Format annimmt. Es macht mir unglaublichen Spaß, Podcasts zu machen.
Miriam: Und heute ist es wieder mal ein Podcast, bei dem ich ganz alleine ein Thema bespreche. Nicht, weil ich keinen Interviewpartner gefunden habe. Die habe ich in den nächsten Folgen wieder. Sondern weil es ein Thema ist, das mich sehr berührt und auch sehr betrifft.
Miriam: Eine Zuhörerin hat mir geschrieben, du Miri... Du bist ja, wenn du vor die Kamera gehst oder auf der Bühne stehst, quasi auf Kommando gut drauf. Also es geht los und schon funktioniert es. Deswegen habe ich den heutigen Podcast auch auf Kommando fröhlich oder 3, 2, 1, du bist drauf genannt.
Miriam: Denn genau das ist es, was ich höre über mein sogenanntes In-Ear-Monitoring, also diesen kleinen Knopf, den ich im Ohr habe, wenn wir live senden. Das sagen ganz viele Regisseure am Anfang fast schon automatisch. Und du bist drauf bedeutet nicht, dass ich auf irgendwelchen exquisiten Drogen bin, sondern dass ich on air bin, dass ich zu sehen bin, dass ich drauf bin auf der Leitung oder auf dem Bildschirm oder auf was auch immer. Auf jeden Fall, dass es eben jetzt gilt, dass das Bild ab jetzt für alle sichtbar ist.
Miriam: Und dieses Kommando verknüpft mit dem Rotlicht bedeutet für mich ganz, ganz viel. Es bedeutet, jetzt sehen mich die Menschen, jetzt sind die Zuschauer da, jetzt geht es darum, die Inhalte der Sendung zu vermitteln, jetzt ist eben wirklich Sendezeit. Eine Zeit, die wir uns seitens des Senders nehmen, weil wir ein Verkaufssender sind, um klar unsere Produkte zu präsentieren und zu verkaufen. Auf der anderen Seite, um den Menschen auch Informationen zu stiften an der Stelle, damit sie genau wissen, was sie kaufen. Das ist auch bei einem 30-tägigen Rückgaberecht sehr sinnvoll.
Miriam: Und die Frage zielte darauf, wie schaffst du es denn, immer an dieser Stelle zu lächeln, fröhlich zu sein, entspannt zu sein, ja einfach gut drauf zu sein. Und ich finde, es ist eine spannende Frage, denn in dem Augenblick, als ich das las... Da dachte ich, ja stimmt, wie mache ich das eigentlich? Also, dass ich es mache, ist keine Frage. Das machen meine 17 Kollegen bei QVC genauso und auch unsere Experten und meine ganzen Theaterkollegen. Und irgendwie machen wir es.
Miriam: Und ich habe mir ehrlich gesagt noch nie wirklich Gedanken gemacht, wie oder welche Technik wir dafür anwenden. Für mich ist es sehr selbstverständlich, so gefühlt. Und dann dachte ich, gut, damit kommen wir keinen Schritt weiter, denn wenn jetzt jemand das lernen wollen würde, was könnte ich ihm dann dazu sagen?
Nicht nur vor der Kamera: Mütter, Dienstleister, Meetings
Miriam: Erstmal habe ich nach Beispielen gesucht. Ich habe da gut wie Bühnenschaffende oder wie Fernsehmoderatorin oder wie, keine Ahnung, der Mensch, der jeden Abend im Varieté auftritt und zaubert. Das sind ja alles Profis in dem Bereich. Vielleicht ist das für die auch ganz selbstverständlich. Und dann habe ich gedacht, das ist für ganz viele Menschen selbstverständlich. Nicht nur im Fernsehen.
Miriam: Also als allererstes sind mir Mütter eingefallen. Alle Mütter da draußen, die jetzt zuhören. Juhu, wir sind am Punkt, auf Kommando fröhlich, wenn es das Leben von uns verlangt. Das heißt, wenn ein Kind zum Beispiel gestürzt ist und hat sich das Knie aufgeschlagen und weint. Und wir gehen hin und trösten es und muntern es auf und sorgen dafür, dass schon nach 30 Sekunden keine Tränchen mehr kullern und erzählen einen Witz, obwohl wir sehen, dass es doll blutet und obwohl uns das Herz im Leib zerspringt, weil wir so Mitleid haben mit dem Kind.
Miriam: Nur was wir tun ist, wir sind an dieser Stelle... Nicht mit unseren eigenen Gefühlen am Kind, das würde das Ganze noch schlimmer machen, wenn wir uns daneben setzen und auch weinen, sondern wir machen genau das Gegenteil. Das heißt, wir trösten das Kind, wir nehmen das Kind in den Arm, wir sind ganz entspannt. Erst später kommt dann vielleicht so der Augenblick, wo wir sagen, oh Mist, das war doch eine ganz schön große Wunde. Egal. Auf jeden Fall erstmal agieren wir an der Stelle sehr professionell. Und das funktioniert ja auch.
Miriam: Das heißt, wir lernen sehr schnell, wenn wir in solchen Krisensituationen, in Anführungszeichen, Gute Laune zeigen, entspannt bleiben, dem Kind das Gefühl geben, es ist in Sicherheit, es ist alles gar nicht so schlimm, dann überträgt sich das relativ flugs. Und deswegen ist es eine gute Strategie. Vielleicht spielt davon was mit. Ich bin der Sache noch nicht so ganz auf die Schliche gekommen.
Miriam: Dann sind mir Dienstleistungsberufe eingefallen. Ich bin auch Dienstleisterin im Fernsehen. Ich verkaufe für meinen Sender mit die Produkte. Klar, ich habe auch einen Produktexperten an meiner Seite. Nur in dem Augenblick, wo das Rotlicht angeht, geht es ja nicht schwerpunktmäßig um Miriam, sondern es geht eben um das, was wir vorhaben in der Sendung.
Miriam: Dienstleister gibt es ganz viele, allen voran ist mir die Hotellerie eingefallen, also die Gastronomie, das heißt dort, wo ich als Kunde hingehe, mich im Zweifel wie zu Hause fühlen möchte, nur Wäsche waschen, Zimmer putzen, Bad sauber machen will ich nicht, das machen andere für mich, ich will höflich begrüßt werden, fröhlich vielleicht sogar, wenn ich eine Frage habe, dann möchte ich, dass die ernst genommen wird und dass mir geholfen wird und zwar am besten auf Fingerschnipp.
Miriam: Das sind ja auch Menschen, die, wenn sie gerade aus einem privaten Stress kommen oder wenn gerade ein unangenehmer Kunde am Telefon war oder der Chef gerade Stress gemacht hat und der nächste Kunde betritt die Hotelrezeption, dann sind die auch auf Kommando wieder zuvorkommend, höflich, im Rahmen der Möglichkeiten entspannt. Natürlich hast du es schon erlebt, dem einen gelingt das besser, dem anderen weniger. Nur am Ende ist es auch da eine deutliche Anforderung an denjenigen, der sich dieses Berufsbild ausgewählt hat.
Miriam: Verkäufer, in jedem Ladengeschäft, egal ob Brötchen verkauft werden oder teure Handtaschen, wenn ich als Kunde den Laden betrete, dann bin ich, ich sag's mal vorsichtig, vielleicht so ein bisschen fremdlich, befremdlich berührt, wenn der Verkäufer mich anmault. Vielleicht würde ich dann den Laden sogar sehr schnell wieder verlassen. Auch hier die deutliche Anforderung ans Berufsbild. Kommt ein Kunde, dann kommt ein Kunde. Und sonst nichts. Das hat Priorität, weil der würde im Zweifel vielleicht sein Geld im Laden lassen. Das heißt, auch hier ein Verkäufer oder eine Verkäuferin ist auf Kommando fröhlich, beschwingt, begeistert von den Produkten, die er oder sie verkauft. Und es ist das Gleiche in meiner Welt.
Miriam: Und dann sind mir auch noch diese wichtigen Besprechungen, diese wichtigen Meetings eingefallen. In meinem Job kommen die nicht so oft vor. Und ich beobachte meine Chefs, wie sie viele, viele, viele wichtige Meetings manchmal an einem einzigen Tag absolvieren. Und jedes Mal habe ich das Gefühl, wenn sie so mal ein bisschen was davon erzählen, da gilt es immer. Wenn die da gestresst oder sauer oder vielleicht noch mit dem Streit, den sie gerade mit ihrem Mann oder mit ihren Großeltern gehabt haben. In das Meeting gehen, dann ist das auch nicht gut.
Miriam: Das heißt, auch da gilt es. Also für alle Vertriebler, für alle Manager, für alle, die in irgendeiner Weise Teams führen oder für Menschen etwas erklären wollen. Im Zweifel sogar Lehrer, Professoren, Ärzte. Die sind alle am Punkt da, vielleicht nicht so ganz fröhlich, wenn die jetzt nicht völlig ausgelassen und heiter da ihre Sache machen, ist das ja in Ordnung, nur die dürfen ja auch auf einem bestimmten Pegel von Entspannung, Fröhlichkeit, Begeisterung für ihr Projekt, wie auch immer sein, damit sie den Mitarbeitern das Gefühl von Sicherheit vermitteln, was auch immer.
Miriam: So und jetzt würde natürlich... Die Frage sich stellen, ist da ein Unterschied zwischen diesen Menschen, die nicht gleichzeitig von 10, 20, 100.000 Menschen beobachtet werden, während sie ihren Beruf machen, so wie ich, oder ist da gar kein Unterschied? Deswegen habe ich mal Dienstleister im weitesten Sinne, die mir so in die Quere kamen, die nicht bei drei auf dem Baum waren, die habe ich mal gefragt, wenn der Kunde kommt, wenn das wichtige Meeting kommt, wenn der Augenblick da ist, wo es gilt, wie machst du das dann?
Miriam: Und dann sagten die sowas wie zum Beispiel, jetzt kommt es eben drauf an, das ist der Gedanke, den ich dann habe, jetzt kommt es drauf an und dann habe ich eine andere Energie, dann reiße ich mich zusammen, klang für mich nicht ganz so begeistert oder wenn ich nicht freundlich bin, verdiene ich kein Geld, habe ich gehört von einigen oder Das macht mir nichts aus, ich bin grundfröhlich, deswegen mache ich ja den Job, habe ich auch gehört. Oder, also manchmal ist das schon schwierig, nur dann schaffe ich das irgendwie, weil ich ja weiß, das gehört zu meinem Beruf. So, das waren die Aussagen, die ich so gesammelt habe. Und alle, mit denen ich gesprochen habe, haben sofort zurückgefragt, wie machst es denn du, weil dich beobachten ja noch so viele dabei.
Das Rotlicht als Anker und die zwei Koffer im Raum
Miriam: Und dann habe ich überlegt und habe gedacht, okay, für mich ist es wirklich auch so eine Art Selbstverständlichkeit, die da mitschwingt, weil ich es schon so lange mache. Ich habe zum ersten Mal auf der Bühne gestanden, da war ich vier und dann immer wieder und regelmäßig mit unterschiedlichen Jobs. Ich habe lange Klavier studiert, habe Klavierkonzerte gespielt, habe in einer Band gesungen, habe Theater gespielt, in der Schule schon. Ich habe dann relativ früh auch einen Job beim Fernsehen bekommen, im Theater gearbeitet.
Miriam: Und immer waren da diese Augenblicke, wo es hieß, Klappe, Miri, die Erste, jetzt. Und dann durfte das einfach funktionieren. Und es war ein für mich sehr selbstverständliches Gefühl, dass es in dem Augenblick eine fröhliche Miri gibt. Und die fühlte sich auch fröhlich, auch wenn vorher mal richtig Zorres war. Und glaubt mir, in meinem Leben gab es auch schon so die eine oder andere Situation, Wo ich mit hängenden Backen in den Sender oder ins Schauspielhaus gefahren bin und dachte, das wird heute krass. Und dann habe ich mich selbst gewundert, wie einfach das war.
Miriam: Weil es eben so sehr dazu gehört, dass dieser Augenblick, an dem die Aufzeichnung beginnt oder wenn der Vorhang sich öffnet, ein fröhlicher Augenblick, im Theater auch gelegentlich ein dramatischer oder ein tragischer oder ein trauriger Augenblick ist. Und dann gibt es natürlich auch so diese Unterstützer dabei. Das fand ich sehr witzig, als ich da drauf kam.
Miriam: Denn zum Beispiel, wir nennen das im Training auch Anker, gibt es für mich einen deutlichen Rotlicht-Anker beim Fernsehen. Das heißt, die Kameras, die mich live in die Fernseher zu Hause transportieren oder in den Livestream im Computer, die zeigen sehr deutlich, fast einmal komplett ums Objektiv herum, ein Rotlicht. Und dieses Rotlicht ist richtig rot. Und dieses Rotlicht kenne ich jetzt, seit ich 23 bin. Das heißt 20 Jahre. Und wenn ich das Rotlicht sehe, dann ist auch vollständig klar, in meinem Kopf gibt es so eine Art kleinen Schalter, der macht Klick und dann ist Fernsehsendung. Und ich habe so eine Freude daran, dass es eben dann funktioniert. Es ist nochmal so ein Unterstützer.
Miriam: Ich habe mich ehrlich gesagt gewundert, dass ich nicht bei jeder roten Ampel sowas sage wie, herzlich willkommen, wie schön, dass Sie eingeschaltet haben, weil es für mich so ein immens einprägsames Zeichen ist, dass jetzt eben Live-Sendung ist. Mach ich übrigens nicht. Also, ich hab drauf geachtet.
Miriam: Und dann habe ich auch festgestellt, es tut mir gut. Es tut mir gut, diesen Augenblick zu generieren, indem ich von 0 auf 100 zum Teil fröhlich bin oder auf Kommando. Denn es gab Situationen, da bin ich wirklich traurig oder gänzlich frustriert oder auch richtig gestresst, mit ganz vielen vermeintlichen Problemen im Nacken in den Sender gefahren. Die habe ich dann einfach gefühlt wie zwei Koffer im Raum stehen lassen, bin vor die Kamera gegangen auf meine Sendeposition und diese Koffer standen da halt irgendwo hinten im Raum. Ich habe sie nur überhaupt nicht mehr beachtet. Das ganze Gepäck, was ich von zu Hause oder anderen Orten mitgenommen hatte, das Negative, war da irgendwie verpackt und stand da rum und ich habe es auch gar nicht mehr beachtet, sondern Rotlicht geht an, jetzt habe ich meinen Job zu tun, bam, fröhlich.
Miriam: Und dann habe ich mich erinnert an Schauspieltechniken, die ich gelernt hatte in meinem Studium. Dieses, ich tue so lange so, bis es funktioniert. Wenn du richtig schlecht gelaunt bist und stellst dich vor den Spiegel und grinst über beide Ohren, also wirklich von einem Ohr zum anderen, selbst wenn dir nicht danach ist, du bewegst nur deine Mundwinkel von rechts, links, richtig weit nach oben, dann fällt es dir plötzlich schwer.
Miriam: Das heißt, das Lächeln, das ich begrüße jetzt die Zuschauer freundlich, ich bin jetzt fröhlich, ich lasse mich anstecken von meinem Interviewpartner, der mit besserer Laune in den Sender kam, das funktioniert wie eine Art Antidepressiva. Denn so langsam konnte ich mich gegen die Muskelbewegung des Fröhlichseins, das aufgerichtet Stehen, das Lächeln über beide Ohren, gar nicht wehren. Wir senden ja drei Stunden im Schnitt. Das heißt, drei Stunden Lächeln, da war dann einfach nichts mehr zu machen, außer ich fühlte mich dann wirklich irgendwann so fröhlich.
Miriam: Und dann kam genau der Punkt, den ich so spannend finde. Nach der Sendung standen diese beiden Koffer nicht mehr da, wo ich sie abgestellt hatte vor der Sendung, wenn wir bei dieser Metapher bleiben, sondern irgendwo hinten im Flur. Ich hatte das Gefühl, dass ich eine größere Distanz zu meinen vorherigen mitgebrachten Problemen gewonnen hatte. Also ich konnte sie von weiter entfernt betrachten, sie waren noch da, nur irgendwie hatte ich durch das Lächeln und das Fröhlichsein und das in der Sendung entspannt agieren, hatte ich das Gefühl, ich kann sie jetzt von weiter weg, von weiter oben betrachten.
Miriam: Und das war oft gut, weil dadurch habe ich nochmal einen anderen Blickwinkel gehabt, ich war nicht mehr so nah da dran, es war nicht mehr so emotionsgeladen, ich konnte mir ein bisschen objektivere Gedanken machen in meiner Welt und oft hatte ich dann sogar eine Lösung im Kopf, plötzlich. Also wie so eine Art kleine Therapie.
Miriam: Da hat mein Lebensgefährte gesagt, das ist bei ihm anders. Und ich weiß nicht, wie das bei dir so ist. Also vielleicht hast du das auch schon mal beobachtet, dass ein vollständiges Ablenkungsmanöver aus einer blöden Situation, zum Beispiel eben noch Stress mit, keine Ahnung, den Eltern und richtig Radauts oder es war ein Autounfall oder so. Und dann ist abends die Geburtstagsparty von der besten Freundin und der willst du auch nicht mit hängenden Ohren begegnen an ihrem großen Tag. Und nach der Party ist es irgendwie besser. Das Auto ist immer noch kaputt, nur fühlt sich nicht mehr so nah an, so schlimm. Vielleicht ist es dir ja schon mal passiert. Wenn das so ist, dann nutzt das aus. Du kannst das jederzeit ja machen. Du kannst ja zu jeder Zeit diese Nummer vor dem Spiegel zum Beispiel machen. Das ist jetzt schon der erste Tipp.
Die Tipps: von der Party-CD über Oscar-Bilder bis zu Flachwitzen
Miriam: Jetzt geht es los mit den Tipps, denn dieser Podcast ist ja auch dafür da, dass Menschen, die diese Situation kennen und es gerne auch erleben wollen, wie das ist, auf Kommando gut drauf sein zu können, dass sie eben auch was an die Hand bekommen.
Miriam: Ich sage dir gleich vorweg, in absoluten Extremsituationen, und die mag es geben, also Dinge, die so leicht vielleicht nicht wegsteckbar sind wie ein Blechschaden am Auto. Wenn du das Gefühl hast, ein Auftritt, ein Arbeiten mit Kunden, ein Betreuen von Patienten, ein Betreuen von Hotelgästen geht so nicht, dann sag den Auftritt ab, konsequenterweise. Das kommt bei mir wirklich sehr selten vor. Ich glaube, ich habe es in meiner ganzen Laufbahn ein- oder zweimal gemacht. Nur, das ist dann in Ordnung.
Miriam: Wenn du denkst, es wäre besser, den Auftritt zu machen und es wäre auch im Sinne derer, die vielleicht mit betroffen sind, dass du da jetzt deinen Weg gehst und es fühlt sich für dich besser an, zur Arbeit zu gehen und es durchzuziehen, dann möchte ich noch einmal meinen Lieblingssportler zitieren, dessen Namen ich nicht kenne, ich weiß nur, dass es ihn gibt und dass er ein Handballspieler in den USA war und dass er gesagt hat, wenn du eine Entscheidung triffst, mach sie zur Besten deines Lebens. Finde ich sehr cool.
Miriam: Das heißt, wenn du dich dafür entscheidest, vor die Kamera zu gehen, auf die Bühne zu treten, wenn du dich dafür entscheidest, ins Hotel zu fahren und an der Rezeption zu arbeiten oder deine Patienten zu betreuen oder deine Kunden oder zu deinen Mitarbeitern zu gehen und dieses Meeting abzuhalten, Ich verweise da jetzt mal auf meinen Blogpost auf der Seite www.kontext*denken.de. Dort habe ich über die magische Wirkung von Musik geschrieben.
Miriam: Brenn dir eine CD mit den Songs, die dich schon immer richtig in Partylaune gebracht haben. Und ich meine Partylaune, ich meine nicht melancholisches Gezimbel von irgendeinem Jazzmusiker. Ich meine Songs, die dich zum Tanzen bringen, zum Mitsingen, zum Klatschen. Das sind die Lieder, die dich in so einer Situation einfach nicht in schlecht lassen. Also vielleicht die ersten 30 Sekunden noch, wenn du dir viel Mühe gibst. Diese CD hast du im Auto und die kannst du jederzeit anhören. Und es ist super, was dann schon mal passiert. Also hilf dir dann.
Miriam: Was auch gut funktioniert ist, wenn du dich kurz bevor du in den Meetingraum gehst, kurz bevor du die Bühne betrittst, kurz bevor du deine Hotelkluft anziehst und den Rezeptionsbereich einnimmst, erinnere dich an die schönsten Augenblicke in deinem Beruf. Was du jetzt vorhast. Erinnere dich an die riesigen Erfolge, an das größte Lob von Kunden, an den besten Vertragsabschluss, den du jemals gemacht hast. Und stell dir gleich noch 100 Menschen vor, die eben applaudieren dafür. Das macht ja Bilder im Kopf. Also das heißt, du siehst so eine Art Kinofilm vielleicht vor dir und nimm den an. Also erinnere dich so daran, dass du es regelrecht wieder spüren kannst, wie toll das war.
Miriam: Ich stelle mir wirklich immer vor, ich gehe jetzt zur Oscar-Verleihung. Das mag sich so ein bisschen etipetete anhören, nur das hilft mir. Ich mache es echt richtig groß, also größer als die Realität. Ich bin keine Schauspielerin, das heißt, ich laufe deutlich keine Gefahr, einen Oscar verliehen zu bekommen. Nur dieser rote Teppich, die Journalisten, die nur auf mich gewartet haben, wenn die Limousine vorfährt. Ich steige da aus im schönsten Kleid. Ich habe zwei Bodyguards, die sind beide richtig gut aussehend. Und dann laufe ich über diesen roten Teppich und um mich rum ist Blitzlichtgewitter. Und die Leute kreischen und klatschen nach mir und wollen mich einmal berühren und wollen Autogramme von mir und ich laufe in diesen Saal und da ist alles aus Gold und die Bühne ist beleuchtet und ich weiß, gleich werde ich aufgerufen. Solche Bilder mache ich mir. Klingt ein bisschen verrückt? Hilft! Ich habe jetzt, wenn ich drüber rede, schon wieder Gänsehaut. Also diese großen Bilder bringen mich in die richtige Schwingung für das, was ich jetzt gleich vorhabe.
Miriam: Wie gesagt, es geht nur darum, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mir an der Stelle helfen darf. Weil in den meisten Situationen gehe ich sowieso ganz entspannt und fröhlich vor die Kamera, weil mir der Beruf Spaß macht. Also wir reden von den Situationen, wo du dir helfen möchtest, auf Kommando richtig fröhlich zu sein. Und ich meine damit auch authentisch fröhlich.
Miriam: Dann ist es so, dass ich in solchen Situationen auch gerne etwas dankbar annehme, was von außen kommt. Und ich bin immer wieder überrascht, wie gut das funktioniert. Denn ich bin ja weder im Fernsehstudio, noch auf der Bühne, noch bei Seminaren, die ich halte, alleine. Da sind zumindest die Seminarteilnehmer. Da ist mein Lebensgefährte und Geschäftspartner Florian. Da ist der Regisseur, da ist der Redakteur, da ist der... Und dann... Nehme ich dankbar deren Lächeln an oder deren witzigen Spruch oder wenn sie mich fragen, wie geht's dir, dann sage ich sowas wie, ich habe so das Gefühl, ich könnte mal in den Arm genommen werden, das wäre total lieb, wenn du mich bitte mal in den Arm nehmen würdest, wenn es nette Kollegen sind, die gut riechen. Also sowas geht ja auch. Warum nicht? Wir sind alles Menschen und was hilft, ist gut.
Miriam: Du weißt am besten, was für dich gut ist. Frag doch andere, ob sie dir helfen würden an der Stelle. Wahrscheinlich würden sie es tun. Du würdest es ja auch tun, wenn jemand, den du magst, zu dir kommt und sagt, würdest du mir bitte helfen.
Miriam: Was auch hilft, es ist allerdings eher was für die Profis, ist flachwitze.net. Also www.flachwitze.net. Das kann ich sogar über mein Smartphone aufrufen. Das ist eine Internetseite, auf der ein blödsinniger, flacher Witz nach dem anderen geschrieben steht. Und die ersten fünf lese ich dann vielleicht noch mit knirschenden Zähnen, weil es so gar nicht zu meiner Laune passt. Ab Witz 18 spätestens. Und wohlgemerkt, ich lese die mir selbst vor im Zweifel. Also manchmal finde ich jemanden, der sie mir vorliest, meistens lese ich sie mir selbst vor. Ab Witz 18 wird es so absurd, dass ich dann anfange, über mein eigenes Vorgelesel zu lachen. Und ein befreiendes Lachen ist in einer Situation, in der gleich der wichtige Augenblick kommt, extrem gut.
Verantwortung, Entspannung und das Experiment vor dem Spiegel
Miriam: In einem meiner vorherigen Podcasts durfte ich mit André Herdecke sprechen über entspanntes Auftreten und er hat auch was Spannendes gesagt. Er hat gesagt, ich übernehme dann auch die Verantwortung für das Publikum, das ja Theaterkarten gekauft hat. Das heißt, die wollen mich in Bestform sehen und sie haben ein Recht darauf, weil ich verdiene mein Geld dadurch, dass diese Menschen sich Theaterkarten kaufen. Und das ist der Deal. Der Deal ist, ich bin in bester Laune auf der Bühne, ich bin in voller Leistungsfähigkeit, mein Körper ist fit, meine Seele ist fit, ich bin wach, ich spiele diese Rolle mit all meiner Werf. Und dann begeistere ich mein Publikum. Ich übernehme die Verantwortung dafür.
Miriam: Also so ein bisschen was mit Pflichtbewusstsein. Der Kunde, der jetzt in den Laden kommt, der sich vielleicht eine neue Handtasche kaufen möchte, das ist der Deal. Der gibt mir Geld dafür, dass er a die Handtasche bekommt und b, dass er nett und freundlich und informativ beraten wurde. Manche Menschen mögen das mit dem Pflichtbewusstsein ganz gerne. Also das ist jetzt nun mal so, das ist jetzt in dem, das wird jetzt von mir erwartet, also komme ich dem nach. Wenn das bei dir gut funktioniert und dich in eine bessere Laune bringt oder in diese Leistungsfähigkeit, ist es recht, weil wie gesagt, alles was hilft, ist gut.
Miriam: Der letzte Tipp sorgt für Entspannung. Das habe ich sehr spät in meinem Leben gelernt, dass mir Entspannung richtig gut tut. Und ich habe eine App, eine Application auf meinem Smartphone, die nennt sich Calm, also C-A-L-M. Ich empfehle die immer wieder und immer wieder gerne. Denn auf dieser App gibt es sogenannte Kurzmeditationen, also Entspannungsübungen, die sind unterlegt mit einer Musik. Ich finde die Stimme der Frau, die diese Meditationen spricht, sehr, sehr angenehm. Sie ist Engländerin, das heißt, das ist die einzige Voraussetzung. Ich habe noch kein Pendant auf Deutsch entdeckt, dann empfehle ich es dir sofort.
Miriam: Und was toll ist, die hat zum Beispiel eine 2-Minuten-Notfall-Meditation da drauf. Wirklich, 2 Minuten. Das heißt, ich setze mir meine Kopfhörer auf, stopfe die ins Handy, lasse die 2 Minuten ablaufen, lege mich irgendwo hin oder setze mich auf irgendeinen Stuhl, höre mir das an und es ist so eine tolle Anleitung. Wirklich, im Prinzip in Sekunden bin ich ein bisschen runtergefahren. Also es geht natürlich nicht für Augenblicke, wo ich sowieso schon ganz unten bin. Nur wenn es eher so dieser Stressmoment ist, so dieses, ich habe mich gerade geärgert, ich bin jetzt aufgeregt und irgendwie wallt alles in mir. Das hilft toll. Und da lasse ich mir von dieser App helfen. Mein Lebensgefährte ist Hypno-Coach, der kann das auch. Und den habe ich leider nicht immer dabei, wenn ich zum Sender oder ins Theater fahre. Ansonsten ist das natürlich Luxus.
Miriam: Und wenn du jetzt immer noch sagst, das wird bei mir nicht authentisch dann, dann frag dich doch einfach mal, wann es in deinem Leben schon Augenblicke gab, wo du auf Kommando fröhlich sein konntest, weil es eben gerade die bessere Entscheidung war. Weil du dadurch, dass du dich entschieden hast, nicht auch noch schlecht drauf zu sein, andere mitgenommen hast. Und andere kamen danach zu dir und haben gesagt, du danke, dass du in der Situation so einen entspannten Eindruck gemacht hast und so viel Sicherheit gegeben hast, so fröhlich warst. Das hat uns wirklich geholfen.
Miriam: Also ich denke da an diese Legende von den Musikern auf der Titanic, die ihr Rettungsboot nicht bestiegen haben, sondern bis zum bitteren Ende da auf diesem Deck standen und dieses Lied gespielt haben. Sie haben damit vermutlich einigen Menschen geholfen, weil Musik hilft. Und in so einer Situation, in der du gefordert sein könntest, weil du den Überblick noch hast, weil du bemerkst, wenn ich jetzt einsteige auf dieses ganz Schlechte, auf dieses Frustrierte, auf dieses Depressive, auf dieses Aggressive, dann wird es dadurch nicht besser. Es wird vielleicht noch schlimmer. Dann den Mut und die Energie aufzubringen, zu sagen, und egal, ich lächle jetzt mal und schau mal, was passiert. Und ein Lächeln wird ganz schnell zur Realität.
Miriam: Mach das Experiment ruhig mal vor dem Spiegel. Wenn du mal traurig bist, braucht ja nicht der schlimmste Augenblick deines Lebens zu sein. Nur wenn du mal so angeknickert bist, es war gerade kein schönes Telefonat mit Schatzi oder es war gerade ein doofes Gespräch mit der Mutter. Dann geh vor den Spiegel, guck dir dein trauriges Gesicht an und dann zieh meinetwegen mit den Fingern deine Mundwinkel bis zu den Ohren hoch. Und dann halt es durch mit der schlechten Laune. Ich bin gespannt, wie lange du das schaffst. Also das ist wirklich erstaunlich, was da passiert.
Miriam: Vielen Dank für das Thema. Es hat mir einen Riesenspaß gemacht, darüber nachzudenken und auch die Tipps auszuarbeiten. Ich freue mich über dein Feedback. Ich freue mich, wenn du mir schreibst, wie gut das bei dir funktioniert hat, wann du es angewendet hast, wie experimentierfreudig du an der einen oder anderen Stelle warst oder wo du gesagt hast, das ist der Tipp, genau der, die anderen sind nicht so wichtig und der ist es, der mir hilft. Würde mich riesig freuen, denn das gibt mir die Möglichkeit, in bestimmte Richtungen weiterzuarbeiten.
Miriam: Ich freue mich über deine Themenideen. Schreib mir es gerne per E-Mail info at kontext*denken.de. Über was ich mich auch sehr freuen würde, wäre deine Sternebewertung auf iTunes, denn erst ab einer bestimmten Anzahl von Bewertungen nimmt iTunes diese Bewertungen sichtbar auf und sagt, das ist jetzt ein wirklich auch seriöser Durchschnittswert und ab dann ist der Podcast für mehr Menschen zu finden. Vielen Dank, dass du mir dabei hilfst.
Miriam: Ich wünsche dir eine tolle Woche. Ganz viel Freude beim Fröhlichsein. Auf Kommando meinetwegen. Und ich ende mit den für mich so selbstverständlichen Worten. Drei, zwei, eins. Du bist drauf. Hoffentlich gut. Tschüss.